Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Undine kommt und sieht

27.01.2026. Die SZ stellt die jüdische Trans-Sängerin Ezra Furman vor, die sich vor ICE und Trump fürchtet. Die HBO-Serie "Heated Rivalry" über zwei homosexuelle Eishockeyspieler begeistert Zeit Online. Die FR erlebt in Agostino Steffanis Oper "Amor vien dal destino" in Frankfurt ein "Feuerwerk" frühbarocker Musik. Die Künstlerin Gabriele Stötzer erhält als erste Ostdeutsche den Goslarer Kaiserring und unterhält sich darüber mit der taz.

Sanft über die Bucht drapiert

26.01.2026. Die Kritiker geben sich in Mainz die Klinke in die Hand: Die Oper "Der Chronoplan" von Judith und Alfred Kerr wird nach mehr als neunzig Jahren uraufgeführt, die Meinungen sind gespalten. Die FAS fragt, wie man mit dem Werk des Wiener Aktionisten und Sexualstraftäters Otto Muehl umgehen sollte. Das Dach des neuen Fischmarkts in Sydney hat für die NZZ betörende Ähnlichkeit mit glitzernder Fischhaut. Der Filmemacher Wilfried Hauke staunt im Interview mit Filmdienst über Astrid Lindgrens Beobachtungsgabe. Der Tagesspiegel macht sich Gedanken über Mode als Propaganda-Mittel für Trumps Gefolgsleute.

Ideen von Weggehen

24.01.2026. Die FAZ plädiert für eine Revolution im Regie-Theater. Der Standard bewundert die subversive politische Seite in Elsa Kremsers und Levin Peters dokumentarischem Film "White Snails" über einen belarussischen Bestatter. Der Tagesspiegel ist fasziniert von den geheimnisvollen Jünglingen des Malers Otto Meyer-Amden, dessen Werke in Berlin zu sehen sind. Die nachtkritik erlebt in Hamburg in Yana Ross' Inszenierung "Die Möwe" eine gelungene Symbiose von Tschechow und Wolfgang Herrndorf.    

Erst wirst du geknechtet, dann gestreichelt

23.01.2026. Die Oscar-Nominierungen sind bekannt gegeben: Die deutsche Oscarhoffnung, Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen", ist nicht dabei. Die Konkurrenz war aber auch selten so stark, tröstet die SZ. Die NZZ lernt Paul Cezanne in Basel als ersten Action Painter kennen. Die FAZ fragt sich, ob die New Yorker Met aus Geldnot bald ihre beiden Chagalls verkaufen muss. VAN spürt die Kraft des Widerstands beim Festival "Liatoshynsky Space" in Kyjiw. Und Zeit Online schmerzen die Ohren beim Klang von "Bratschen auf Steroiden" im Berghain.

Das Gedicht als karstiger Fels

22.01.2026. Kaouther Ben Hanias Film "Die Stimme von Hind Rajab" über ein palästinensisches Mädchen, das bei einem israelischen Angriff stirbt, spaltet die Kritiker: Die FR ist überwältigt, die taz fragt, ob der emotionale Effekt hier nicht ausgeschlachtet wird. Monopol sieht sich in einer Berliner Ausstellung Georg Kolbes und Herbert Lists Männer-Darstellungen an, die von heiß bis eiskalt variieren. Die Welt empfiehlt Lyrik als Medizin gegen seelenlose KI-Texte. Georg Baselitz ist im SZ-Interview auch im hohen Alter noch auf Krawall gebürstet. 

Theater ist eine Identifikationsmaschine

21.01.2026. Die Berlinale gibt die diesjährigen Wettbewerbsfilme bekannt. Unglamourös, aber dafür mit Anspruch wird es auf dem Festival zugehen, prophezeit der Filmdienst. Die taz fragt, ob das russische Staatsballett derzeit in Form einer Tarnorganisation durch Deutschland tourt. Alexander Schimmelbusch verteidigt in der Welt seine scharfe Kritik am Populismus Peter Handkes. In Herford erfreut sich die FAZ an Ingrid Wieners dem Alltäglichen verpflichteter Webekunst. Ein Tschaikowsky-Album von Daniil Trifonov bringt der NZZ die kindliche Seite des Komponisten näher.

Als träume sie in Tönen

20.01.2026. Die SZ porträtiert die achtzehnjährige Pianistin Alexandra Dovgan, die spielt, als sei Musik ihre Muttersprache. Die NZZ trauert um Valentino als einen, der Frauen in schillernde Luxusgeschöpfe verwandelte. Die FAZ wird in der Tate Britain Zeuge eines malerischen Wettstreits zwischen William Turner und John Constable. Der Tagesspiegel erfährt von Tetiana Holiakova, Leiterin des Kyiv Classic Ballets, welchen Preis die Zukunft hat. Die taz möchte vom Abriss bedrohte Kirchen retten.  

Die andere Seite menschlichen Hirnlebens

19.01.2026. Die Zeit ärgert sich über vereinfachte Literaturklassiker und Lehrämtler, die keine Lektüremotivation mitbringen. Deutschland-Kritik wird erst bei Rolf-Dieter Brinkmann schön, finden die Kritiker eines Brinkmann-Abends am Schauspiel-Köln. In Russland wird weiterhin Kunst gesammelt, aber vieles wird wegen der Zensur nicht ausgestellt, bringt die FAZ in Erfahrung. Cargo denkt über Filme nach, die die Rhetorik der Macht in Amerika offenlegen. Mahlers Achte, dirigiert von Kirill Petrenko, haut die Kritiker in der Berliner Philharmonie um. 

Tohuwabohu von seriösen Erkenntnissen

17.01.2026. Die Theaterkritiker sind hin und weg von Sophokles' "Antigone" in Hölderlins Fassung, die Johan Simons am BE mit drei Schauspielern auf die Bühne gebracht hat: Die nachtkritik wagt kaum zu atmen. Das ist die höchste Kunst, ruft die FAZ. In der WamS legt uns Autor Burkhard Spinnen die Lektüre von Flauberts Farce "Bouvard und Pécuchet" ans Herz: Das ist die Prophezeiung unserer Medienrealität. Die Welt feiert Chloé Zhaos Shakespearefilm "Hamnet". Die NZZ porträtiert den deutsch-nigerianischen Musiker Adé Bantu, der wie selbstverständlich zwischen Afrobeats und Beethoven pendelt.

Zustand der Ungewissheit

16.01.2026. In der taz fragt sich die russische Schriftstellerin Marija Stepanova, ob nicht alle Russen eine unbewusste Mitschuld am Krieg gegen die Ukraine tragen. Die taz bewundert außerdem die Courage des Kunstraums Hase29, der in der Domstadt Osnabrück Porträts von Missbrauchsopfern zeigt. Die FR lernt in Düsseldorf, dass auch abstrakte Kunst queer sein kann. Und die SZ erkennt dank der Berlin Ballett Company: Techno und Ballett passen perfekt zusammen.