Efeu - Die Kulturrundschau
Ein leuchtendes Orange
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02.01.2026. Jafar Panahi darf offiziell im Iran zwar wieder Filme drehen, aber behindert werden die Dreharbeiten durch das Regime dennoch, erzählt er der FAS. Die Welt befürchtet, dass durch den "Bauturbo" Fehler des Wiederaufbaus wiederholt werden. Wenn es ein kompletter KI-Act an die Spitze der R&B-Charts schafft, ist die Musikererwartung inzwischen offenbar recht simpel, stellt die taz fest. Die FAZ lässt sich in Bonn von dem Künstler Gregory Crewdson den ganzen Horror des American Way of Living vor Augen führen. Außerdem vermisst sie die göttlichen und virilen Diven in der Oper. Und der Perlentaucher wünscht all seinen Lesern ein frohes neues Jahr!
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
02.01.2026
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Film

Offiziell darf Jafar Panahi im Iran zwar wieder Filme drehen, erzählt er Mariam Schaghaghi im online vorveröffentlichten FAS-Gespräch. An seiner klandestinen Drehmethode aus den Berufsverbotstagen ändere sich dadurch aber nichts, da er keinen Wert darauf legt, sich seine Filme von der politischen Führung genehmigen oder zensieren zu lassen. Für seinen neuen Film "Ein einfacher Unfall", der am 8. Januar in die Kinos kommt, musste er dennoch nicht lange nach Schauspielern suchen, den viele Schauspieler wollten "aus Überzeugung" mitwirken, erzählt er: "Alle, die ich ansprach, sagten sofort zu, nur einer musste aus persönlichen Gründen absagen. Alle anderen interessierte nicht mal die Gage. Sie wollten an einem Werk teilhaben, das Relevanz hat. ... Wir drehten zuerst dort, wo wir unsichtbar waren - in Häusern, Parkhäusern, in der Wüste. Sobald wir auf der Straße unterwegs waren, fielen wir auf. Man verlangte das gesamte Rohmaterial von uns, aber wir hatten vorgesorgt. Einige Crewmitglieder wurden festgenommen, weil man davon ausging, dass ihr Ausstieg den Film zunichtemachen würde. Aber wir hatten schon das meiste im Kasten."
Außerdem: Chris Schinke blickt für den Filmdienst auf die US-Filmbranche im ersten Jahr von Trumps zweiter Amtszeit zurück. Andreas Platthaus schreibt in der FAZ zum 70. Geburtstag von Mel Gibson. Besprochen werden Francois Ozons Camus-Verfilmung "Der Fremde" (Welt, Tsp, unsere Kritik) sowie Johannes Lehnens und Nora Ludwigs experimenteller Kurzfilm "Bild und Ton gehen auseinander" (Perlentaucher).
Bühne
In der FAZ macht sich Jürgen Kesting Sorgen um die Zukunft der Oper: viele Häuser sind nur halb voll, die Zahl der Abonnements sinkt - und die Sängerinnen und Sänger sind auch nicht mehr, was sie einmal waren: "Die besten Kenner - etwa der amerikanische Kritiker Conrad L. Osborne ('Opera as Opera') wie der Dirigent Will Crutchfield - stimmen darin überein, dass die Stimmen der Diva für die göttliche Weiblichkeit und des Divo für die virile Männlichkeit rar geworden sind. Die Stimmen fast aller Aida- oder Tosca-Soprane der letzten vier Jahrzehnte haben nicht länger das Format des Soprans etwa von Renata Tebaldi. Selbst Domingo ist, so Conrad L. Osborne, 'nur zwei Drittel von Franco Corelli'. Nach Gesprächen mit über hundert Experten - Dirigenten und Agenten, Gesangslehrern und Kritikern - über die Frage 'where have the great big voices gone' sprach der Historiker Andrew Moravcsik die Befürchtung aus, dass die Musikdramen von Verdi und Wagner wegen des Fehlens geeigneter Sänger bald kaum noch aufgeführt werden können."
Literatur
Hoffmann, Bachmann, Lenz und andere: Marc Reichwein blickt für die Welt voraus auf die literarisch wichtigsten Geburtstag- und Todestage des neuen Jahres. In der FR gratuliert Björn Hayer der Dichterin Ilma Rakusa zum 80. Geburtstag. Die Welt verkündet die besten Sachbücher des Monats. Auf dem ersten Platz steht Willi Winklers Hannah-Arendt-Biografie.
Besprochen werden Ursula K. Le Guins "Der Tag vor der Revolution" mit 25 Science-Fiction-Geschichten (FR), Adam de Souzas Comic "Die Kluft" (FAZ.net), Colette Andris' "Eine Frau, die trinkt" (Freitag), Jo Nesbøs Kriminalroman "Minnesota" (FR) und Mia Oberländers Comic "Saloon" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Besprochen werden Ursula K. Le Guins "Der Tag vor der Revolution" mit 25 Science-Fiction-Geschichten (FR), Adam de Souzas Comic "Die Kluft" (FAZ.net), Colette Andris' "Eine Frau, die trinkt" (Freitag), Jo Nesbøs Kriminalroman "Minnesota" (FR) und Mia Oberländers Comic "Saloon" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Kunst

So unheimlich und depressiv sie auch sind, Freddy Langner kann sich in der FAZ der Magie der wandfüllenden Fotografien von Gregory Crewdson nicht entziehen. Die Kunsthalle Bonn hat dem Amerikaner nun die bisher größte Retrospektive in Europa ausgerichtet und Langner erkennt nicht nur Verwandtschaft mit David Lynch oder Edward Hopper: "Ebenso gut jedoch könnte man einfacher sagen, dass Gregory Crewdson alles, womit Norman Rockwell einst einen Zauber über den American Way of Living gelegt hat, ins Gegenteil verkehrt und über dem Idyll eine gewaltige Portion Horror auskippt: In Gärten häuft sich Unrat an. Laternen, Schilder und Ampeln liegen umgestürzt auf den Straßen. Autos rosten vor sich hin. Menschen, die sich nackt in den Wald flüchten, finden mitnichten ein Paradies. Und wenn im Hintergrund die untergehende Sonne den Himmel in ein leuchtendes Orange taucht, meint man, am Horizont brenne die Welt."
Weitere Artikel: Barbara Dauphin Duthuit, Ehefrau von Henri Matisse' Enkel Claude, hat dem Musée d'Art Moderne in Paris 61 Werke von Matisse geschenkt, die sich im Besitz der Familie befanden und die überwiegend dessen Tochter Marguerite zeigen, meldet Kim Willsher im Guardian.
Besprochen werden außerdem die Ausstellungen "Grund und Boden. Wie wir miteinander leben" im K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf (FAZ) und "Fröhliche Freizeit und gute Laune - Freude am Selbermachen" mit Werken der Berliner Künstlerin Lena Schramm im Museum im Kulturspeicher Würzburg (taz).
Architektur

Musik
Dass mit Xania Monet vor wenigen Wochen erstmals ein kompletter KI-Act an der Spitze der R&B-Charts stand, könnte den Weg fürs Jahr 2026 weisen, fürchtet Sven Beckstette in der taz. Aber "vielleicht sagt der Fall" ja auch "vor allem etwas darüber aus, wie generisch R&B inzwischen funktioniert und wie einfach es ist, Musikerwartung perfekt durch Simulation zu erfüllen. Am Ende geht es auch um die alte Pop-Frage, was Authentizität und Glaubwürdigkeit bedeuten. Und um viel Geld natürlich: Telisha Jones", die Produzentin hinter Xania Monet, "hat einen millionenschweren Plattenvertrag angeboten bekommen. ... Glücklicherweise gibt es im zeitgenössischen R&B jedoch weiterhin Werke, die solche Muster aufbrechen. Highlights in diesem Jahr stammten von Rochelle Jordan, Sudan Archives und Dijon." Mehr zu Letzterem bereits hier, Xania Monets Hitsong dort.
Weitere Artikel: Manuel Brug resümiert in der Welt die Silvester- und Neujahrskonzerte der einschlägigen Orchester. Christoph Irrgeher schreibt im Standard derweil über das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker unter Yannick Nézet-Séguin. Ueli Bernays trauert in der NZZ ums Musikfernsehen, nachdem MTV an Silvester Musikvideos endgültig aus dem Programm genommen hat. Christina Mohr spricht für die FR mit Jason Williamson von den Sleaford Mods über deren neues, von den Schieflagen der Gegenwart mal wieder toll angepisstes Album "The Demise of Planet X".
Besprochen werden ein Beethoven-Abend mit den Wiener Symphonikern unter Dima Slobodeniouk (Presse), das neue Album "Great Resignation" der Kölner Posthardcoreband Pogendroblem ("wunderbare Musik", findet Larissa Schober in der taz), Gerhard Poppes historischer Führer "Musik aus der Katholischen Hofkirche zu Dresden" (FAZ) und das neue Tortoise-Album "Touch" (FR, mehr dazu bereits hier).
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Besprochen werden ein Beethoven-Abend mit den Wiener Symphonikern unter Dima Slobodeniouk (Presse), das neue Album "Great Resignation" der Kölner Posthardcoreband Pogendroblem ("wunderbare Musik", findet Larissa Schober in der taz), Gerhard Poppes historischer Führer "Musik aus der Katholischen Hofkirche zu Dresden" (FAZ) und das neue Tortoise-Album "Touch" (FR, mehr dazu bereits hier).
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