Efeu - Die Kulturrundschau
Variationen auf ein Thema, das nie alt wird
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10.04.2025. In der Zeit eröffnet der Historiker Thomas Gruber einen Zufallsfund: Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld war ab 1942 NSDAP-Mitglied. Der Tagesspiegel wundert sich, dass beim Blick in Unselds Biografie niemand vorher danach gefragt hat. Die FAZ erliegt in Paris dem verwegenen Zauber leuchtender Landmaschinen auf David Hockneys iPad-Malereien. Der Filmdienst empfiehlt Jan Schomburgs ZDF-Serie "Die Affäre Cum-Ex", die auch die Verbindungen zur Politik andeutet.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
10.04.2025
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Literatur
Siegfried Unseld war NSDAP-Mitglied. 1942 ist der spätere Suhrkamp-Verleger im Alter von 18 Jahren in die Partei eingetreten. Das ergab ein Zufallsfund des Historikers Thomas Gruber, dem bei Recherchen im Bundesarchiv zu einem anderen Thema Unselds Mitgliedskarte quasi in die Hände fiel. Bisherigen Unseld-Biografen "scheint die Karte nicht aufgefallen zu sein", obwohl sie "leicht zu finden" wäre und Unseld selbst zumindest in dunklen Anspielungen von einem "Bruch" mit dem Regime im Jahr 1944 sprach, schreibt Gruber in der Zeit. Aber wie ist der Fund einzuschätzen? Das Klischeebild vom Parteieintritt unter Zwang mag, wie in früheren Debatten um NS-Mitgliedschaften, für das Jahr 1944 unter Umständen sogar Geltung haben, "aber kaum für 1942", als man in der Partei noch "Überzeugte" aufnehmen wollte. "Für Unseld im September 1942, knapp zweieinhalb Jahre vor Kriegsende, bedürfte es schon eines besonders plausiblen Grunds, warum ihm die Aufnahme (selbst wenn nicht von ihm beantragt) unbekannt und er bis Kriegsende eine bloße Karteileiche geblieben sein sollte. Versetzen wir uns dafür nur in die alltägliche Parteibürokratie des Jahres 1942. Ein Mitglied hat Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Zwar werden beglichene Beiträge nicht in der Mitgliedskarte erfasst. Nicht gezahlte führen hingegen auf Dauer zur Streichung des Mitglieds - was sehr wohl in der Karte verzeichnet wäre."
Diese "Entdeckung berührt die Grundfesten, auf denen das Land seit Jahrzehnten intellektuell und moralisch agiert", kommentiert Alexander Cammann ebenfalls in der Zeit. Bloß eine Jugendsünde eines Jungen, der in eine "nationalsozialistisch engagierte Familie" hineingeboren war? Vielleicht schon, "zum Fall Unseld wird die Angelegenheit jedoch durch sein lebenslanges Beschweigen. ... Ausgerechnet ein in der Aufklärung über die NS-Zeit derart engagierter Verleger agierte hinsichtlich der eigenen Biografie wie der normale Durchschnittsdeutsche. ... Ein Verschweigen brachte jedenfalls für Unseld Karrierevorteile nach 1945, zumal dramatische Kriegserlebnissse wie bei so vielen einiges überdecken konnten. ... Die beispiellose Energie, mit der Unseld sein Leben dem Verlag gewidmet hatte, speist sich also womöglich aus einer Art geheimem Schuldmotor, wie man ihn bei gar nicht wenigen erfolgreichen deutschen Karrieren nach 1945 beobachten kann: auch ein Versuch der Wiedergutmachung eigener Irrtümer, Unterlassungen und Taten, nachdem man noch mal davongekommen war."
All die großen Namen, die Unseld bei Suhrkamp versammelt hat, "sie alle hatten eines gemein", kommentiert Andreas Platthaus in der FAZ: "Sie standen durch ihre Werke für ein politisch geläutertes, antifaschistisches Deutschland, ... also genau das Gegenteil des Nationalsozialismus." Aber "hätten all die Autoren einem Verlag die Treue gehalten, von dem bekannt geworden wäre, dass sein Chef NSDAP-Mitglied war?" Für "bezeichnend" hält es Platthaus jedenfalls, "dass nie jemand bei diesem im 'Dritten Reich' jungen Mann auf die Idee gekommen ist, dass der sich intensiver auf die damals herrschende Ideologie eingelassen haben könnte als nur durch Dienst in der Wehrmacht." Das mit dem "Fall Unseld" wird sich erst noch zeigen müssen, findet Gerrit Bartels diesbezüglich eher skeptisch im Tagesspiegel. Dass Unseld als Jugendlicher in einem vom Nationalsozialismus sehr geprägten Umfeld aufwuchs, war ja eh schon allgemein bekannt. "Wie sehr Unseld aber in Ulm erst auf dem Blauring-Realgymnasium und dann an der Hans-Schemm-Oberschule ideologisch bearbeitet worden ist, wie viel Einfluss die NS-treuen und antisemitischen Eltern auf seine politisch-geistige Entwicklung hatten, danach ist von den fünfziger Jahren bis zu seinem Tod nie gefragt worden."
Weitere Artikel: Horst H. Kruse unternimmt in der FAZ Archiv-Tiefenbohrungen, um herauszufinden, wie F. Scott Fitzgerald wohl die wertschätzende Anrede "Old Sport" zugeflogen ist, die er mit seinem vor hundert Jahren erschienenen Roman "The Great Gatsby" endgültig popularisierte. Nach einem Vorab-Auszug im Literaturmagazin Glitter freut sich Andreas Platthaus in seiner Online-Comickolumne bei der FAZ auf Joris Bas Backers Comic "Falsch gestorben".
Besprochen werden unter anderem Tomasz Rozyckis "Die Glühbirnendiebe" (NZZ), Olivier Schrauwens Comic "Sonntag" (Tsp), Axel Hutters "Sprachanalyse und Metaphysik" (FR), Friedl Benedikts "'Warte im Schnee vor deiner Tür'. Tagebücher und Skizzen für Elias Canetti" (FAZ) und Hubert Winkels' "Die Hände zum Himmel" (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Diese "Entdeckung berührt die Grundfesten, auf denen das Land seit Jahrzehnten intellektuell und moralisch agiert", kommentiert Alexander Cammann ebenfalls in der Zeit. Bloß eine Jugendsünde eines Jungen, der in eine "nationalsozialistisch engagierte Familie" hineingeboren war? Vielleicht schon, "zum Fall Unseld wird die Angelegenheit jedoch durch sein lebenslanges Beschweigen. ... Ausgerechnet ein in der Aufklärung über die NS-Zeit derart engagierter Verleger agierte hinsichtlich der eigenen Biografie wie der normale Durchschnittsdeutsche. ... Ein Verschweigen brachte jedenfalls für Unseld Karrierevorteile nach 1945, zumal dramatische Kriegserlebnissse wie bei so vielen einiges überdecken konnten. ... Die beispiellose Energie, mit der Unseld sein Leben dem Verlag gewidmet hatte, speist sich also womöglich aus einer Art geheimem Schuldmotor, wie man ihn bei gar nicht wenigen erfolgreichen deutschen Karrieren nach 1945 beobachten kann: auch ein Versuch der Wiedergutmachung eigener Irrtümer, Unterlassungen und Taten, nachdem man noch mal davongekommen war."
All die großen Namen, die Unseld bei Suhrkamp versammelt hat, "sie alle hatten eines gemein", kommentiert Andreas Platthaus in der FAZ: "Sie standen durch ihre Werke für ein politisch geläutertes, antifaschistisches Deutschland, ... also genau das Gegenteil des Nationalsozialismus." Aber "hätten all die Autoren einem Verlag die Treue gehalten, von dem bekannt geworden wäre, dass sein Chef NSDAP-Mitglied war?" Für "bezeichnend" hält es Platthaus jedenfalls, "dass nie jemand bei diesem im 'Dritten Reich' jungen Mann auf die Idee gekommen ist, dass der sich intensiver auf die damals herrschende Ideologie eingelassen haben könnte als nur durch Dienst in der Wehrmacht." Das mit dem "Fall Unseld" wird sich erst noch zeigen müssen, findet Gerrit Bartels diesbezüglich eher skeptisch im Tagesspiegel. Dass Unseld als Jugendlicher in einem vom Nationalsozialismus sehr geprägten Umfeld aufwuchs, war ja eh schon allgemein bekannt. "Wie sehr Unseld aber in Ulm erst auf dem Blauring-Realgymnasium und dann an der Hans-Schemm-Oberschule ideologisch bearbeitet worden ist, wie viel Einfluss die NS-treuen und antisemitischen Eltern auf seine politisch-geistige Entwicklung hatten, danach ist von den fünfziger Jahren bis zu seinem Tod nie gefragt worden."
Weitere Artikel: Horst H. Kruse unternimmt in der FAZ Archiv-Tiefenbohrungen, um herauszufinden, wie F. Scott Fitzgerald wohl die wertschätzende Anrede "Old Sport" zugeflogen ist, die er mit seinem vor hundert Jahren erschienenen Roman "The Great Gatsby" endgültig popularisierte. Nach einem Vorab-Auszug im Literaturmagazin Glitter freut sich Andreas Platthaus in seiner Online-Comickolumne bei der FAZ auf Joris Bas Backers Comic "Falsch gestorben".
Besprochen werden unter anderem Tomasz Rozyckis "Die Glühbirnendiebe" (NZZ), Olivier Schrauwens Comic "Sonntag" (Tsp), Axel Hutters "Sprachanalyse und Metaphysik" (FR), Friedl Benedikts "'Warte im Schnee vor deiner Tür'. Tagebücher und Skizzen für Elias Canetti" (FAZ) und Hubert Winkels' "Die Hände zum Himmel" (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Film

Im Filmdienst ist Dietrich Leder sehr begeistert von Jan Schomburgs ZDF-Serie "Die Affäre Cum-Ex", die derzeit über die Mediathek des Senders verwertet wird, bevor sie kommenden Sonntag und Montag zu einem eher ungünstigen Abendtermin ausgestrahlt wird, vielleicht ja weil "sie das Publikum, das im ZDF zur besten Sendezeit nur Mord und Totschlag und keine Wirtschaftsverbrechen erwartet, nicht verschrecken" soll, wie Leder mutmaßt, der "die multiperspektivische Herangehensweise" der Serie lobt: "Es wird eine sich an sich selbst und ihrem Luxusleben berauschende Elite sichtbar. Es ist der Zynismus einer Steuerberatung zu erkennen, für die alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich vom Gesetz verboten wird. Es wird das Glückspiel deutlich, zu dem der durch die schnelle Datenvermittlung beschleunigte Aktienhandel partiell mutiert ist. Es ist die Hilflosigkeit einer Strafverfolgung zu erahnen, die bei ihrer Arbeit auf sehr teure Anwaltskanzleien und hohe Unterlassungsandrohungen stößt. Und es werden die Verbindungen zur Politik angedeutet, die nicht an der Macht der Banken zweifeln wollen oder vielleicht auch nicht zweifeln dürfen."
Weitere Artikel: Pascal Blum plaudert für den Tages-Anzeiger mit dem auf Doku-Porträts von Prominenten spezialisierten Regisseur Asif Kapadia. Die "neue Ära der Spielzeugfilme" ist angebrochen, stellt Valerie Dirk im Standard mit Blick darauf fest, dass Superheldenfilme vor sich hindümpeln und die Real-Remakes von Disney-Animationsfilmklassikern reihenweise untergehen, während die Videospiele-Verfilmung "Minecraft" gerade die Kinokassen klingeln lässt. Außerdem schreibt Valerie Dirk im Standard zum heute in Wien eröffnenden Porn Film Festival.
Besprochen werden Paolo Sorrentinos "Parthenope" (Perlentaucher, mehr dazu bereits hier und dort), Jannis Alexander Kiefers "Another German Tank Story" (FR, Perlentaucher), James Hawes' Agententhriller "The Amateur" (FR, FAZ), Marta Savinas "Primadonna" (taz), Dag Johan Haugeruds "Oslo Stories"-Trilogie, die in Deutschland erst nächste Woche startet (NZZ) und die vierte Staffel der deutschen Netflixserie "How to Sell Drugs Online (Fast)" (Welt). Außerdem schauen Tagesspiegel und Filmdienst auf die Filmstarts der Woche.
Bühne
Mit "Elisabeth", geschrieben von der Autorin Mareike Fallwickel, inszeniert von Fritzi Wartenberg, kehrt die Schauspielerin Stefanie Reinsperger in einem Solo über die österreichische Kaiserin ans Wiener Burgtheater zurück - im Feuilletonaufmacher der SZ spricht sie mit Christiane Lutz über Feminismus, Sisi-Klischees und das Stück, in dem Sisi auf Frauen wie Gisele Pelicot oder Rosa Parks treffen wird. In Österreich berät ein sogenanntes Kulturkuratorium die Regierung in Entscheidungsfragen bezüglich Subventionen für Kulturinstitutionen. Dessen Mitglieder wurden von der Koalition aus FPÖ und ÖVP jetzt fast vollständig ausgetauscht, weiß der österreichische Journalist Reinhard Kriechbaum, der in der nachtkritik zudem berichtet, wie die FPÖ in der Steiermark drastisch das Kulturbudget kürzt und zunehmend auf Volkskunst setzt. Für die taz porträtiert Katrin Bettina Müller die französische Theatermacherin Caroline Guiela Nguyen, Intendantin des Théâtre National de Strasbourg, die mit gleich drei Stücken zu den Themen Migration und französische Kolonialgeschichte beim FIND-Festival an der Berliner Schaubühne eingeladen ist.
Kunst

Viel konnte Marc Zitzmann (FAZ) bisher nicht mit den späten IPad-Malereien von David Hockney anfangen. Aber in der Pariser Fondation Louis Vuitton, die dem Briten die größte je ausgerichtete Retrospektive widmet, wirken sie geradezu "nobel und verwegen", staunt Zitzmann. Etwa die Serie "220 for 2020", entstanden, als Hockney im ersten Pandemie-Jahr in der Normandie festsitzend alles in iPad-Zeichnungen festhielt, was das Jahr über blühte: "An den Wänden der Vuitton-Stiftung, ausgedruckt oder von Bildschirmen leuchtend und zu zwölft oder zu zwanzigst rechteckige Gruppen bildend, entfalten sie einen unwiderstehlichen Zauber: Variationen auf ein Thema, das nie alt wird - die Erneuerung der Natur im Wechsel der Jahreszeiten. ... Durchdrungen wird alles von der Farbe der Hoffnung: Diese adelt Landbaumaschinen und erhellt sogar ein Schneegestöber."

Es hätte nicht viel Recherche bedurft, damit die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bemerkt hätten, dass Max Beckmanns "Tanz in Baden-Baden" von 1923, eines der berühmtesten Werke aus der Sammlung der Pinakothek der Moderne, nicht zu jenen Werken gehört, bei denen es keinen Hinweis auf einen "NS-bedingten Entzug" gibt, notiert Tobias Timm kopfschüttelnd in der Zeit: Das Bild gehörte ursprünglich dem jüdischen Hopfenhändler Heinrich Fromm. Der Zeit liegt eine Urkunde vor, die zeigt, dass ein Nazi-Kunsthistoriker "bei einer Schätzung von Fromms Werken noch im Juli 1938 auch mehrere Gemälde von Max Beckmann aufgelistet" hatte, "darunter jenes, das der Nazi-Gutachter verkürzt als 'Tanzende' bezeichnete". Fromm, 1938 ins KZ Dachau verschleppt, konnte 1939 mit seiner Frau nach London fliehen. "Warum suchen die Staatsgemäldesammlungen nicht öffentlich nach Fromms Erben? Das Museum hat das Gemälde noch nicht mal in der Lost-Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt, wo man in Verdachtsfällen nach Informationen und möglichen Erben sucht."
Derweil stellte sich am Vorabend des gestrigen Internationalen Tags der Provenienzforschung in Berlin das Jewish Digital Cultural Recovery Project (JDCRP) seine digitale Plattform vor, die "archivierte Informationen über jüdisches Kulturgut, das während der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust konfisziert oder geplündert wurden" öffentlich zur Verfügung stellt, schreibt Marcus Woeller in der Welt. Auch KI soll hier künftig die Provenienzforschung erleichtern: "Ein Sprachmodell vergleichbar mit ChatGPT und eine Texterkennungssoftware soll die Dokumente lesen und in durchsuchbare Datensätze übersetzen können."
Weitere Artikel: Wer es weder in die große Helen-Frankenthaler-Retrospektive im Palazzo Strozzi in Florenz (unser Resümee) geschafft hat, noch ins Guggenheim-Museum nach Bilbao schaffen wird, wo die Ausstellung derzeit hinzieht, dem empfiehlt Judith von Sternburg in der FR einen Abstecher ins Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden, das die größte Frankenthaler-Privatkollektion der Welt beherbergt. Für die taz besucht Jens Gyarmaty das "Cybrothel" in Friedrichshain, einst ein Kunstprojekt, heute das erste Puppenbordell Berlins.
Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken der wenig bekannten Worpsweder-Malerin und Rilke-Freundin Olga Bontjes van Beek im Kunstverein Fischerhude (Zeit), die Ausstellung "FrauenBilder. Julia Krahn im Dialog" im Landesmuseum Hannover (taz), die Ausstellung "John Giorno: a labour of LOVE" bei der Triennale Milano (taz), die Ausstellung "Activist Choreographies of Care" im Berliner nGbK, die sich Queerness in Ghana widmet (taz), die Medienkunst-Schau "The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM" im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe (Tsp, mehr hier) und die Wolfgang Tillmans-Ausstellung "Weltraum" im Albertinum in Dresden (NZZ).
Musik
Bei der Beschlussversammlung der GEMA wird sich entscheiden, ob Vertreter der Ernsten Musik den gegenüber den Vertretern der Unterhaltungsmusik günstigeren Tantiemenschlüssel behalten werden. Für viele würde dieser Wegfall einen dramatischen bis existenzgefährdenden Wegfall von Einnahmen bedeuten. Kritiker warnen außerdem davor, dass damit künstlerischer Fortschritt verhindert werde. "Die E- und U-Schubladen gehören bestimmt umsortiert, und rumpelstilzchenhaftes Behaupten von Primaten wird die Solidarität unter den besser und schlechter verdienenden Komponisten kaum fördern", stellt dazu Holger Noltze im VAN-Kommentar fest. "Aber dass zur Musik, die sich als Kunst versteht, auch lebendige Zeitgenossinnenschaft gehört, nicht nur 'Beethoven-Denkmäler' (G. Kampe), dass diese auch von materiellen Ermöglichungsbedingungen abhängt, und dass das Zulassen von Biotopen jenseits der Mainstreams ja nicht nur als Gerechtigkeits-, auf Deutsch: Regelungslücke verstanden werden muss, würde ich der Gemeinschaft der Ausschüttungsberechtigten von hier aus gern zurufen."
"Die Berner Kulturszene hat ein Antisemitismusproblem", meint Lucien Scherrer in der NZZ, nachdem es Kritik an einer Lesereihe mit der Sängerin Sophie Hunger gegeben hat, weil sie als "israelfreundlich" gilt. "Die Beschwörungen, wonach man Rassismus und Judenhass in Bern nicht dulde, werden in der Kulturszene regelmäßig widerlegt. Im April 2024 trat in der staatlich subventionierten Reitschule der französisch-libanesische DJ Arabian Panther auf. Dieser behauptete auf Instagram, die Vergewaltigung von Frauen habe es am 7. Oktober nie gegeben. Der Party-Flyer zeigte ihn verhüllt vor einer Wüstenlandschaft, in Kufiya und einer martialischen Pose, die an den IS erinnert. Die Reitschule kündigte den Act als Solidaritätsveranstaltung gegen den 'Genozid' in Gaza an. Ein Rave sei nämlich ein 'politisches Werkzeug marginalisierter und unterdrückter Gruppen'."
Weitere Artikel: "Die Schweizer kennen ihre historische Musik nicht", seufzt eine beim Blick aufs überschaubare Engagement der Eidgenossen fürs eigene musikalische Erbe sichtlich verzweifelte Graziella Contratto in VAN. Anna Schors spricht für VAN mit der Sängerin und Komponistin Joan La Barbara. Jan Scheper plauscht für die taz mit den Betreibern der Bochumer Plattenladen-Instanz DISCover Records. Und Arno Lücker hat für VAN zehn Interpretationen der Pianistin Anne Fischer herausgesucht. Marlene Knobloch und Bernd Ulrich sprechen in der Zeit ausführlich mit dem Jazzpianisten Michael Wollny.
Dessen neues Album "Living Ghosts" ist gerade erschienen:
Besprochen werden ein Frankfurter Liederabend mit Francesco Meli (FR) und SZAs Album "SOS" (FR).
"Die Berner Kulturszene hat ein Antisemitismusproblem", meint Lucien Scherrer in der NZZ, nachdem es Kritik an einer Lesereihe mit der Sängerin Sophie Hunger gegeben hat, weil sie als "israelfreundlich" gilt. "Die Beschwörungen, wonach man Rassismus und Judenhass in Bern nicht dulde, werden in der Kulturszene regelmäßig widerlegt. Im April 2024 trat in der staatlich subventionierten Reitschule der französisch-libanesische DJ Arabian Panther auf. Dieser behauptete auf Instagram, die Vergewaltigung von Frauen habe es am 7. Oktober nie gegeben. Der Party-Flyer zeigte ihn verhüllt vor einer Wüstenlandschaft, in Kufiya und einer martialischen Pose, die an den IS erinnert. Die Reitschule kündigte den Act als Solidaritätsveranstaltung gegen den 'Genozid' in Gaza an. Ein Rave sei nämlich ein 'politisches Werkzeug marginalisierter und unterdrückter Gruppen'."
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