Efeu - Die Kulturrundschau
Störsignale, die irritieren
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26.09.2024. Zum Hundertsten von Siegfried Unseld erinnert sich Jürgen Habermas in der Zeit an einen Verleger und Freund, der wochenlang darüber nachdenken konnte, ob sich Max Frisch über einen kostbaren Teppich freuen würde. Ebenfalls in der Zeit erklärt der Lyriker Michael Lentz die Unverständlichkeit von Herbert Grönemeyers Texten: Es ist ein Morsecode. Monopol bewundert im dänischen Humblebaek Franz Gertschs monumentalen Pestwurz. Und die FR überlegt mit Alexandre Ajas Horror-Kammerspiel "Never let go", ob es die Monster im Wald wirklich gibt.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
26.09.2024
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Kunst

Monopol-Kritikerin Cornelia Ganitta erschrickt geradezu vor der Wucht der gigantischen Gemälde des Fotorealisten Franz Gertsch, die aktuell in einer Retrospektive im Louisiana Museum in Humlebæk zu sehen sind. Hingerissen ist die Kritikerin aber auch von den Holzschnitten, "die Gertsch ab Mitte der achtziger Jahre nach fotografischen Vorlagen anfertigte. Sie entstanden in aufwendiger Handarbeit aus verschiedenen Holzarten, hochwertigen Pigmenten und Japanpapier. Landschaft und Natur standen im Mittelpunkt der Künstler-Welt, die er nicht nur perfekt, sondern auch emotional wiedergeben wollte. (…) In seiner späteren Auseinandersetzung mit Natur- und Landschaftsmotiven wechselte Gertsch zwischen Malerei und Holzschnitt, bevor er in den 1990er-Jahren wieder zum Pinsel zurückkehrte. Aus Gräsern und einem vermeintlichen Unkraut, der Pestwurz, malte er 2021 Bilder von poetischer Schönheit in Lapislazuli."

Die Breite an Stars, die Alice Springs alias June Newton in ihrem Leben ablichtete, ist beeindruckend - reicht sie doch von Michel Foucault über Jane Birkin bis David Hockney, staunt Max Florian Kühlem in der SZ. Ergriffener aber zeigt er sich von den intimen Porträts, die Springs von sich und Ehemann Helmut Newton machte und die nun ebenfalls in der Retrospektive im Schloss Moyland in Bedburg-Hau zu sehen sind, etwa im Film "Helmut by June" von 1995: "Wie auf vielen Fotos sieht man sie auch im Film häufiger mit der Videokamera vor dem Spiegel stehen - als müsse sie sich vergewissern, nicht zu verschwinden an der Seite ihres berühmten Mannes. 'Die Zeitungen nennen ihn den König der Könige', sagt sie aus dem Off. 'Feministen nennen ihn einen Ausbeuter der Frauen. Sie fragen mich: Wie kannst du leben mit so einem Monster? Ich sage: Es ist leicht.'"
Kaum ein Künstler setzt sich derart intensiv mit dem Tod auseinander wie Gregor Schneider, sein radikalstes Projekt, einen Menschen auszustellen, der "eines natürlichen Todes stirbt oder gerade eines natürlichen Todes gestorben ist" blieb ihm aufgrund ethischer Einwände bisher verwehrt, weiß Jörg Restorff in der NZZ. Mit seinem aktuellen Projekt "Ars Moriendi", entstanden mit den Münchner Kammerspielen, nähert er sich aber seiner Idee: "Münchner, die alt oder schwer krank sind, wurden eingeladen, an dem Kunstprojekt ... mitzuwirken. In einer geschlossenen Kabine machen 120 Kameras gleichzeitig ein Bild des Teilnehmers. Aus den Einzelfotos entsteht danach ein dreidimensionales Gesamtbild der Persönlichkeit. Schließlich führt Schneider mit der Person ein Gespräch - über das Leben, über den Tod, über die Beweggründe, bei der Aktion mitzumachen. (...) Der Porträt-Scan und ein kurzes Tonprotokoll sind vom 19. Oktober an über eine App abrufbar - allerdings nicht überall, sondern nur an einem bestimmten Ort im Münchner Stadtraum: einem Ort nämlich, der in der Biografie des Teilnehmers eine herausragende Rolle spielt. Auf diese Weise wird das Gedenken im öffentlichen Raum individuell verankert."
Weitere Artikel: Für die taz berichtet Sophie Jung in einem vom Festival unterstützten Text vom Steirischen Herbst, der dieses Jahr unter dem Motto "Horror Patriae" in der Neuen Galerie Graz stattfindet und bei dessen Eröffnung bereits die Polizei einschreiten musste: "weil der in Wien lebende Künstler Yoshinori Niwa ... ein großes Fake-Wahlplakat direkt am Ausgang der Stadtbrücke installiert hatte. Fratzenartige, KI-generierte Wohlstandsmenschen schwingen darauf vor Alpenpanorama eine Käsekrainer-Wurst und werben mit der verdrehten Nazi-Sentenz 'Jedem das Unsere' für die 'Ehrlichste Partei Österreichs', kurz EPÖ."
Besprochen werden die Ausstellung "Christoph Schlingensief: Deutschlandsuche" in der Berliner Galerie Crone (Welt, mehr hier), die Ausstellung "La BD à tous les étages" im Centre Pompidou Paris (SZ, mehr hier), die Noah-Davis-Ausstellung im Postdamer Minsk Museum (FAZ, mehr hier), die Richard-Schwarz-Ausstellung im Klocker-Museum in Tirol (Standard) und der von der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur und der Universität der Künste Berlin herausgegebene Prachtband "Karl Blossfeldt. Photographie im Licht der Kunst" (Tsp).
Literatur
Am 28. September würde Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld hundert Jahre alt, im Feuilletonaufmacher der Zeit gratuliert Jürgen Habermas mit sehr persönlichen Erinnerungen an den Verleger, der sich guten Ratschlägen gegenüber meist taub stellte und doch ein so enges Verhältnis zu "seinen" Autoren pflegte, dass sie "zwischen der geschäftlichen Beziehung eines Autors zum Verlag und der freundschaftlichen Beziehung zum Verleger nicht mehr unterscheiden" konnten: "Das mag auch während des Lektorenaufstandes 1968 einer der Gründe für die einhellige Parteinahme dieser Autoren für den Verleger gewesen sein. Deren Bindung an den Verlag hat freilich dem Verleger den Umgang mit ihnen nicht gerade erleichtert. Wie die veröffentlichten Briefwechsel belegen, haben sie ihre eigenen Interessen nur umso selbstbewusster wahrgenommen. Der Verleger musste oft wie auf Eiern gehen. Ich erinnere mich an seine wochenlange Beunruhigung bei dem Gedanken, was Max (Max Frisch, Anm. d. Red) beim 80. Geburtstag wohl zu seinem lange erwogenen Geschenk eines schließlich ausgesuchten kostbaren Teppichs sagen würde. Und als er Ute und mich an einem Silvesterabend mit Ulla in Starnberg besuchte, beschäftigte ihn das Problem der beiden um Mitternacht fälligen Anrufe bei Max und Martin (Martin Walser, Anm. d. Red.), die so getimt sein mussten, dass jeder der beiden annehmen durfte, er sei der Erste gewesen."
Sally Rooney, deren jüngster Roman "Intermezzo" in deutscher Übersetzung gerade bei Claassen erschienen ist, wiederholt ihre schweren Vorwürfe gegenüber Israel - bei einem Literaturfestival in London warf sie Israel unter dem Jubel des Publikums die Besetzung Palästinas, Apartheid und einen "andauernden Genozid" vor. Schon 2021 hatte sie hebräische Übersetzungen ihrer Werke untersagt (unser Resümee), sie selbst ist nicht Opfer von Boykottforderungen geworden.
In der Berliner Zeitung spricht Cornelia Geissler mit Leif Greinus, einem der Mitgründer des Voland & Quist Verlags über die Krise der Branche, der man mit einer strukturellen Verlagsförderung wie in Österreich entgegenwirken könne, wie Greinus meint. Große Sorge macht ihm auch der Rechtsruck im Osten, der ihn an den Rechtsextremismus der neunziger Jahre erinnert: "Obwohl es heute in der Region, anders als in den Neunzigern, großen Wohlstand gibt. Es sind nicht die Minijobber, sondern eine ganze Menge Leute, die teure Autos fahren, die so aggressiv drauf sind. (…) Wir können nur zeigen, was passiert, wenn wir wieder Richtung Diktatur abbiegen. Das kann man zum Beispiel in den Büchern unserer belarussischen Autoren lesen.(...) Es ist erschreckend wenig bekannt über Osteuropa, es entsetzt mich, wie wenig Empathie mit der Ukraine aufgebracht wird."
Weitere Artikel: Egbert Tholl gratuliert in der SZ dem österreichischen Schriftsteller Peter Turrini zum Achtzigsten. Das PEN-Zentrum Deutschland hat die Autorin Sabal Phyu Nu aus Myanmar in das Writers-in-Exile-Programm aufgenommen, meldet die FR mit epd. In der Stiftsbibliothek St. Florian bei Linz wurde ein Fragment des Ritterromans "Iwein" von Hartmann von Aue entdeckt, meldet die FAZ.
Besprochen werden zwei Ausstellungen im St.-Annen-Museum und in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck, die sich beide Thomas Manns "Zauberberg" widmen (taz), unter anderem Julian Nida-Rümelins "Ähren im Wind - Politische Orientierung in fordernder Zeit" (SZ), Joshua Groß' neuer Roman "Plasmatropfen" (taz), Hengameh Yaghoobifarahs zweiter Roman "Schwindel" (FAZ), Joan Didions Roman "Demokratie" (FAZ) und Neige Sinnos Buch "Trauriger Tiger" (NZZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Sally Rooney, deren jüngster Roman "Intermezzo" in deutscher Übersetzung gerade bei Claassen erschienen ist, wiederholt ihre schweren Vorwürfe gegenüber Israel - bei einem Literaturfestival in London warf sie Israel unter dem Jubel des Publikums die Besetzung Palästinas, Apartheid und einen "andauernden Genozid" vor. Schon 2021 hatte sie hebräische Übersetzungen ihrer Werke untersagt (unser Resümee), sie selbst ist nicht Opfer von Boykottforderungen geworden.
Sally Rooney further condemned the ongoing genocide in Palestine by Israel right now live from the South Bank Center in London before her reading of her new novel pic.twitter.com/PmetJOMDmn
- P (Intermezzo Week) (@signsofrelief) September 25, 2024
In der Berliner Zeitung spricht Cornelia Geissler mit Leif Greinus, einem der Mitgründer des Voland & Quist Verlags über die Krise der Branche, der man mit einer strukturellen Verlagsförderung wie in Österreich entgegenwirken könne, wie Greinus meint. Große Sorge macht ihm auch der Rechtsruck im Osten, der ihn an den Rechtsextremismus der neunziger Jahre erinnert: "Obwohl es heute in der Region, anders als in den Neunzigern, großen Wohlstand gibt. Es sind nicht die Minijobber, sondern eine ganze Menge Leute, die teure Autos fahren, die so aggressiv drauf sind. (…) Wir können nur zeigen, was passiert, wenn wir wieder Richtung Diktatur abbiegen. Das kann man zum Beispiel in den Büchern unserer belarussischen Autoren lesen.(...) Es ist erschreckend wenig bekannt über Osteuropa, es entsetzt mich, wie wenig Empathie mit der Ukraine aufgebracht wird."
Weitere Artikel: Egbert Tholl gratuliert in der SZ dem österreichischen Schriftsteller Peter Turrini zum Achtzigsten. Das PEN-Zentrum Deutschland hat die Autorin Sabal Phyu Nu aus Myanmar in das Writers-in-Exile-Programm aufgenommen, meldet die FR mit epd. In der Stiftsbibliothek St. Florian bei Linz wurde ein Fragment des Ritterromans "Iwein" von Hartmann von Aue entdeckt, meldet die FAZ.
Besprochen werden zwei Ausstellungen im St.-Annen-Museum und in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck, die sich beide Thomas Manns "Zauberberg" widmen (taz), unter anderem Julian Nida-Rümelins "Ähren im Wind - Politische Orientierung in fordernder Zeit" (SZ), Joshua Groß' neuer Roman "Plasmatropfen" (taz), Hengameh Yaghoobifarahs zweiter Roman "Schwindel" (FAZ), Joan Didions Roman "Demokratie" (FAZ) und Neige Sinnos Buch "Trauriger Tiger" (NZZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Film

Ob es die Monster wirklich gibt, oder sie nur der Einbildung der Figuren entspringen, das bleibt im Horrorfilm "Never let got" von Alexandre Aja lange unklar. Und gerade hier liegt der Reiz dieses "Kammerspiel-Horrors" für FR-Kritiker Daniel Kothenschulte. Es geht um eine Mutter (Halle Berry) und ihre zwei Söhne, die einsam gelegen an einem Haus am Waldrand wohnen. Das Haus dürfen die Kinder nur angeleint an ein dickes Tau verlassen - denn im Wald lauern angeblich die schlimmsten Monster - zumindest erzählt es die Mutter so: "In diesem interessanten Schwebezustand zwischen faktischer und eingebildeter Gefahr bewegt sich Alexandre Ajas Film höchst souverän. Reell ist für die Filmfiguren in jedem Fall ihr Hunger, und als die Mutter schließlich entscheidet, nun müsse der Familienhund gegessen werden, eskaliert die Situation. Motive aus dem Americana-Genre im klassischen Hollywood kommen einem in den Sinn, wo tollwütige Hunde von weinenden Söhnen erschossen werden mussten. Doch anstatt sie letztlich zu bedienen, reißt der Filmemacher das Steuer immer wieder überraschend um."

Die Reihe "Die Schule der magischen Tiere" ist eine der erfolgreichsten deutschen Kinderfilm-Produktionen dieser Zeit. Und auch der dritte Teil, Regie führte Sven Unterwaldt jr, wird wieder viele Grundschüler ins Kino locken, vermutet Perlentaucher-Kritiker Robert Wagner. Die Handlung um Schüler, die mit ihren magischen Helfertieren Probleme bewältigen müssen, basiert auf der gleichnamigen Buchreihe von Margit Auer und wird auch im dritten Film sorgfältig aufgebaut: "Alles hat Hand und Fuß - nur will die Magie nicht überspringen. Die Figuren sind dafür da, dass sie ihre Probleme schnell lösen und etwas lernen, mit Leben werden sie nicht gefüllt. Die Schauspieler changieren - von von Dohnányi abgesehen - zwischen nett, blass und hölzern. Was die Tiere angeht, verfolgt der Film zwar eine Strategie - das zuerst schreckliche Krokodil, dass dann tapsig ist, die Gefühle hinter den Krallen -, aber auch sie sind bloß zweckdienlich, Charisma oder bleibender Eindruck: Fehlanzeige. Drama und Inszenierung bleiben an so kurzer Leine, dass nichts die kompakte, kindgerechte, harmoniesüchtige Sachlichkeit gefährdet."
Auch Kathleend Hildebrand ist in der SZ nicht so ganz überzeugt. Außerdem bekommt die Serie so langsam ein Problem mit dem Alter ihrer Darsteller, findet sie: "Denn mal ehrlich. Jungs, die nachmittags ihre Muskeln aufbauen und sich gegenseitig 'Bruder' nennen - freuen die sich, ein rülpsendes Krokodil zugeteilt zu bekommen, mit dem sie fortan ihre Tage verbringen sollen?"
Außerdem: Der Schauspieler und Synchronsprecher Jacques Breuer ist mit 67 Jahren verstorben, meldet die FAZ. Im Zeit-Interview mit Katja Nicodemus unterhält sich die Schauspielerin Jessica Chastain über ihren neuen Film "Memory", in dem ein Paar vergangene Traumata und beginnende Demenz durchstehen muss. Die ARD-Serie "Die Zweiflers" hat beim Deutschen Fernsehpreis abgeräumt, melden die Agenturen: Preise gab es in der Kategorie "Beste Drama-Serie" und "Beste Kamera" sowie für Aaron Altaras und Sunnyi Melles als beste Schauspieler; den Hauptpreis gewann die Verfilmung der Lebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. SZ und Welt bringen Interviews mit Francis Ford Coppola über seinen neuen Film "Megalopolis". Christiane Peitz teilt im Tagesspiegel Neuigkeiten zur Filmförderungsreform von Claudia Roth. Das Werk des belgischen Regisseurs Bas Devos wird im Arsenal-Kino in Berlin gezeigt, meldet Esther Buss ebenfall dort.
Besprochen werden die Julia Charakters Dokumentation "Die Kinder von Korntal" (FR), die Arte-Serie "Die Welt existiert nicht" von Erwan Le Duc (FAZ) und Francis Ford Coppolas Film "Megalopolis" (FAZ), die Dokumentation "Rohbau" von Tuna Kaptan (taz) und die zweite Staffel der Netflix-Serie "Monster" (SZ).
Bühne
Die Oper Frankfurt ist in der lang erwarteten Umfrage der Fachzeitschrift "Opernwelt" zum dritten Mal in Folge zum "Opernhaus des Jahres" gekürt worden, freut sich Judith von Sternburg in der FR. Berlin ging dagegen komplett leer aus, staunt Frederik Hanssen im Tagesspiegel, versucht es aber positiv zu sehen: "In unserer Bundesrepublik blüht die Kunst allerorten (und nicht nur in der Hauptstadt)." Frederik Hanssen berichtet ebenfalls dort von einem Protestbrief wichtiger Theatermacher gegen die eingeplanten Kürzungen im Kulturetat.
Besprochen werden Karin Beiers Inszenierung von Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (FAZ, Zeit), Antje Thoms Inszenierung von Johann Christian Bachs Oper "Amadis" an der Oper Leipzig (Welt), Damiano Michielettos Inszenierung des Händel-Oratoriums "Messias" im Berliner Flughafen Tempelhof (NZZ).
Besprochen werden Karin Beiers Inszenierung von Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (FAZ, Zeit), Antje Thoms Inszenierung von Johann Christian Bachs Oper "Amadis" an der Oper Leipzig (Welt), Damiano Michielettos Inszenierung des Händel-Oratoriums "Messias" im Berliner Flughafen Tempelhof (NZZ).
Musik

Die Klimakatastrophe wird in der Popmusik selten thematisiert, und wenn, dann so subtil wie auf dem neusten Album "Lemons, Limes and Orchids" von Joan As A Police Woman, atmet Nadine Lange im Tagesspiegel auf. Zwar gibt es Formulierungen, die man aus dem "Klimavokabular" kennt, aber die 54-Jährige wird "nie appellativ, meist fallen diese Sätze kaum auf oder können auch auf einer allgemeineren Ebene verstanden werden. Besonders deutlich wird das bei den ersten Zeilen des Midtempo-Songs 'Long For Ruin': 'It's clear to me we got the mind/ To slow this slide to Babylon/ It's hesitation we can't afford/ Unless we secretly long for ruin'. Die angesprochene Zögerlichkeit könnte auf den Umgang mit den Folgen des Klimawandels gemünzt sein, aber auch auf Kriege oder Beziehungen. (…) Der Sound zu dieser niederschmetternden Analyse ist zwar melancholisch, aber keineswegs pessimistisch." Dann hören wir gerne rein:
Weitere Artikel: In der Zeit arbeitet Antonia Baum die ganze Anklageschrift gegen Sean Combs, besser bekannt als "P. Diddy" durch, in der, obwohl fast kein Satz ohne die Erwähnung sexueller Gewalt auskommt, nicht primär sexuelle Straftaten sondern "Erpressungsverschwörung" und "Menschenhandel" angeklagt werden. Flankiert von einem Offenen Brief des Bühnenvereins Berlin protestieren die Berliner Opern- und Konzerthäuser, Orchester und Chöre sowie das Staatsballett gegen die geplanten Einsparziele im Haushalt, meldet die Berliner Zeitung. Besprochen wird außerdem das Album "Manning Fireworks" von MJ Lenderman (FR).
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