Efeu - Die Kulturrundschau
Wind des Zeitgeistes
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09.09.2024. Pedro Almodóvars "The room next door" hat in Venedig den Goldenen Löwen abgeräumt: Eine "Verbeugung vor dem klassischen Schauspielkino", sieht der Tagesspiegel hier. Der FR ist selten ein klügerer und subtilerer Film über den Tod und das selbstbestimmte Sterben untergekommen. Die FAZ findet sich in Ulrich Rasches Inszenierung von Samuel Becketts "Warten auf Godot" in Bochum in einer Sphäre der "völligen Ort-und Zeitlosigkeit" wieder. Die Feuilletons trauern um die Künstlerin Rebecca Horn und den Bossa-Nova- und Samba-Musiker Sergio Mendes.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
09.09.2024
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Film

Das Filmfestival Venedig ist mit einem Goldenen Löwen für Pedro Almodóvars "The Room Next Door" (unser Resümee) zu Ende gegangen (hier alle Auszeichnungen im Überblick). Die Auszeichnung für dieses "elegische Frauenporträt ... stellt sicher nicht die state of the art der Filmkunst dar", schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel. "Es ist vielmehr eine Verbeugung vor dem klassischen Schauspielkino, sowie vor dem Spätwerk des spanischen Regisseurs, der einst als Enfant terrible des Queer Cinema auch identitätspolitisch Schranken eingerissen hat."
Wer von Almodóvars "leiser Zurückhaltung und formaler Reduktion" enttäuscht war, "versteht nicht viel vom Kino", ist FR-Kritiker Daniel Kothenschulte überzeugt. "Selten hat man klügere Dialoge gehört und noch seltener eine derart unprätentiöse Auseinandersetzung mit Tod und selbstbestimmtem Sterben. Doch auch die beiläufige, aber bis ins Detail glaubhafte Darstellung einer Frauenfreundschaft weckt Bewunderung. Niemand kann das besser als Pedro Almodóvar, und je mehr er weglässt drum herum, desto mehr kommt diese Meisterschaft heraus." Weniger begeistert ist NZZ-Kritiker Andreas Scheiner: Der Film "setzt poetische Akzente, er ist überlegt und sehr geschmackvoll inszeniert. Aber er ist nicht allzu ausdrucksstark. Er behandelt ein schweres Thema und bleibt immer: hübsch."
"Das Kino ist in großartiger Verfassung", deklamierte Jurypräsidentin Isabelle Huppert bei der Preisverleihung. Und stimmt schon irgendwie, findet Tim Caspar Boehme in der taz, denn "unter den Ausgezeichneten war niemand wirklich Schlechtes". Aber irgendwie stimmt es auch nicht: "Die Mehrheit des Wettbewerbs bestand aus konventioneller erzählten Stoffen, viele mäßig bis weniger geglückt. In dieser Hinsicht möchte man Isabelle Huppert widersprechen. Das Kino steht als Kunstform nicht unbedingt schlechter da als vergangenes Jahr, bloß belegt dies der Wettbewerb lediglich in Teilen." Die Juryentscheidungen segeln im "Wind des Zeitgeists", ärgert sich Jan Küveler in der Welt. Mit seiner Nunez-Adaption habe Almodovar "einen seiner schlechtesten Filme ever gedreht hat - eine Verharmlosung und Verkitschung des Todes - des Krebstodes zumal -, die er sich nicht scheut, zum aktivistischen Pamphlet für Sterbehilfe hochzujazzen." Auch ansonsten entpuppten sich viele klingende Namen im Wettbewerb für Küveler als "Scheinriesen".
Valerie Dirk freut sich im Standard unter anderem über den Spezialpreis für Déa Kulumbegashvilis "radikal-experimentelles Abtreibungsdrama 'April'" und damit für einen "der wenigen Filme im diesjährigen Wettbewerb, der das Publikum formal herausforderte und verstörte. Der Großteil des Wettbewerbs hielt sich ansonsten an konventionellere Kinoästhetiken, oft in Verbindung mit aufwändigen Kulissen." Katja Nicodemus widerspricht dem in der Zeit: "Nach diesen umwerfenden Filmfestspielen in Venedig wird man ein paar Jahre lang nicht mehr schreiben müssen, wie lebendig doch das Kino ist." Dieser Venedig-Jahrgang wird als "Feier der großen Kino-Diven in die Geschichte eingehen", glaubt Felicias Kleiner im Filmdienst. Im Standard gratuliert Valerie Dirk Nicole Kidman zur Auszeichnung mit dem Schauspielpreis. Anastasia Trofimovas Dokumentarfilm "Russians at War" löste auf der Zielgeraden des Festivals noch einen Skandal aus, berichtet Christiane Peitz im Tagesspiegel.
Fernab vom Lido besprochen werden Aslı Özarslans Verfilmung von Fatma Aydemirs Roman "Ellbogen" (Zeit Online, unsere Kritik), Rupert Sanders' Remake von "The Crow" (NZZ), Susanne Biers Netflix-Serie "The Perfect Couple" mit Nicole Kidman (TA), die von der ARD online gestellte, finnische Serie "Seconds - In den Trümmern der Katastrophe" (FAZ) und die Arte-Doku "Das älteste Schlachtfeld Europas" (FAZ).
Kunst

Die deutsche Bildhauerin, Aktionskünstlerin und Filmemacherin Rebecca Horn ist im Alter von 80 Jahren gestorben. "Wie ein Schwerthieb", trifft die Nachricht, schreibt Ingeborg Ruthe in der FR, "mitten hinein in den Aufbau der Art-Week-Ausstellung für Rebecca Horn". Ruthe erinnert an die Werke der jungen Horn, die 1972 die jüngste Teilnehmerin der Documenta war und ihre Einhorn-Aktion des gleichen Jahres, die "vor Augen führte, was die beuys'sche 'Erweiterung des Kunstbegriffs' eigentlich" meinte: "Sie ist es selber, eine junge Frau, der nackte Leib sanft umwickelt mit weißen Binden, auf dem Kopf das mystische Horn. Wie ein Instrument, das die Luft, den Himmel, die Wolken, vielleicht auch die Blätter der Bäume im nahen Wald berühren möchte. Sie geht durch ein Weizenfeld, zwölf Stunden lang, wie in Trance. Es ist Horns Umdeutung eines Weiblichkeitstopos aus dem Reich der Fabel. Auch das Spiel mit dem eigenen Namen."
"Eine "Expertin für das Zarte" sieht SZ-Kritiker Till Briegleb in der Künstlerin, die seit ihrem Schlaganfall zurückgezogen auf Mallorca arbeitete: "Macht- und Imponiergehabe entblößte Horn als eine Form falsch verstandener Liebe. Die Abwesenheit der Gewalt wurde bei ihr zu einer Tätigkeit, Konflikte eher erotisch darzustellen als durch Bilder des plumpen Durchsetzens der eigenen Interessen." Horn war eine der ersten, die sich in der New Yorker Kunstwelt der siebziger Jahre unter lauter Männern "buchstäblich Gehör verschaffte", hälte Stefan Trinks in der FAZ fest. Die "Arbeit 'Blue Monday Strip' etwa choreographiert typisch für Horn alte klappernde Schreibmaschinen so polysensuell wie poetisch an der Wand, die dabei Tinte auf den Museumsboden bluten." In der taz schreibt Kathrin Bettina-Müller, im Tagesspiegel erinnert Sebastian Strenger.
Außerdem: Katharina Matzig bewundert in der NZZ die "exquisite Sammlung" kirchlicher Kunst und Kultur im Diözesanmuseum in Freising. Besprochen wird die Ausstellung "Emma Adler. STRG-Z" in der Galerie Anton Janizewski in Berlin (taz).
Architektur

Porsche baut jetzt Hochhäuser, schreibt Gerhard Matzig kopfschüttelnd in der SZ. 40 Millionen Dollar soll eine Wohnung im "Porsche Design Tower Bangkok" kosten - das ist nicht gerade etwas für den kleinen Mann: "Der Turm zu Bangkok wird knapp 100 Meter hoch. 21 Etagen bestehen aus je einer 360-Grad-Luxus-Bleibe. Laut Porsche Design (zusammen mit Ananda Development zuständig für den Entwurf, Architekten werden gar nicht erst genannt) geht es um 'einen neuen Maßstab für luxuriöses Wohnen'. Was sonst. In 'Passion Spaces', also in 'ultimativen Luxus-Garagen für die sorgfältig kuratierte Autosammlung der Bewohner', lebt man idealtypisch zusammen mit diversen Porsches. Auch deshalb wird die Fassade mit einem automatischen Terrassentürsystem ausgestattet, inspiriert vom Klappdach-Cabrio-Mechanismus des 911 Targa." Dass "die Porsche-Meldung, die insofern auch eine VW-Meldung ist, zeitlich zusammenfällt mit der Androhung betriebsbedingter Kündigungen und der Schließung deutscher Autofabriken - das ist eine bittere Pointe zwischen Auto-Verzweiflung und Immobilien-Ekstase."
Musik
Axel Brüggemann wirft für Backstage Classical einen Blick hinter die Kulissen des SWR-Symphonieorchesters, dessen Mitglieder nicht zur Ruhe kommen. Nach turbulenten Ereignissen - erst eine Fusion, dann die Causa Currentzis - ist es nun der Skandal um den neuen Leiter François-Xavier Roth, an dem die Chefetage nach einem MeToo-Skandal festhalten will, der das Orchester beschäftigt. 48 Mitglieder verwehrten sich nach erfolgloser interner Ansprache auch in Form eines Offenen Briefes "dagegen, dass in der Öffentlichkeit das Bild der Einstimmigkeit entstehe. ... In der aktuellen Krisen-Schalte gingen Anke Mai und Sabrina Haane nun kaum auf die Kritik an ihnen ein. Stattdessen starteten sie einen Gegenangriff und beschuldigten die 48 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner kollektiv, dem Image des SWR zu schaden, indem sie sich (oder einer von ihnen) an die Öffentlichkeit gewendet hätten. Für diese Unterstellung ernteten sie postwendend Protest."
Die Musikkritiker verabschieden sich von Bossa-Nova- und Samba-Musiker Sergio Mendes, der im Alter von 83 Jahren in Los Angeles gestorben ist. "Sein Album 'Sergio Mendes & Brasil '66' ist noch heute ein zeitloser Klassiker des Bossa, reicht aber weit darüber hinaus", schreibt Bodo Mrozek auf Zeit Online. Hier "finden sich zahlreiche ikonische Arrangements: 'One Note Samba' schraubt sich mit halsbrecherisch-komplexen Scatkaskaden in schwindelerregende Höhen, 'Day Tripper' wird mit einem weit in den Diskant der Klaviatur ausgreifenden Pianosolo verjazzt, in 'Água de beber' liefern sich portugiesischer Chorus und gestopfte Trompete ein Duell, und 'Slow Hot Wind' legt die tanzbare Melange zwischendurch in die Hängematte einer radikalen Entschleunigungskur. ... Mit der Kanonisierung seiner Titel zu sogenannten Jazzstandards geht allerdings auch eine gewisse Übersättigung einher. Die beschwingten, kristallinen Klangkaskaden klimpern so unaufdringlich wie ein wohltemperierter Zimmerspringbrunnen. Jahrzehntelang geben sie in Hotellobbys und Cocktailbars, auf kaum hörbare Lautstärke heruntergeregelt, fast mehr ein exklusives Hintergrundgeräusch für diskrete Gespräche bei gedimmtem Licht ab, als dass man ihnen noch bewusst zuhörte."
Was war nun Mendes' Erfolgsformel, fragt Detlef Diederichsen in der taz. Denn "außer in seinem Erfolg war er mit nichts besonders herausragend. Guter, aber unauffälliger Pianist, selten als Komponist aktiv, keine wirklich identifizierbare musikalische Handschrift. Sein Talent bestand eher darin, das brasilianische Element - in unterschiedlichen Momenten und Situationen - stets sinnvoll ins Spiel zu bringen. Er castete fleißig aufstrebende Talente, so sie irgend in sein Konzept passten, und führte so der eigentlich nicht gerade für Neugier oder gar Experimentierfreude bekannten Chartswelt immer wieder unerwartete, innovative Ingredienzien zu. Natürlich in milder, gaumenfreundlicher Dosierung." Stimmt schon, meint auch Wolfgang Sandner in der FAZ, doch Mendes' "von der Phrasierung der portugiesischen Sprache geprägter Sound mit zwei weiblichen Vokalpartien, sein unaufgeregt swingender Latin-Rhythmus, das unprätentiöse Melos, mit dem er viele Cover-Versionen ausstattete, all das besaß zwingenden Charme."
Weitere Artikel: Christoph Irrgeher spricht für den Standard mit dem Pianisten Vikingur Ólafsson. Manuel Brug berichtet in der Welt vom Musikfest Berlin. Für die SZ plaudert Jakob Biazza mit LL Cool J über dessen Comeback. In der FAS macht sich Susanne Romanowski (online nachgereicht) Gedanken über die Oasis-Nostalgie der letzten Tage. Patrick Bahners resümiert in der FAZ den Auftakt des Beethovenfestes in Bonn.
Besprochen werden ein von Franz Welser-Möst dirigiertes Konzert des Cleveland Orchestras (Standard), ein Konzert der Einstürzenden Neubauten in München (SZ), neue Aufnahmen alter deutscher Lieder von Andrè Schuen, Julian Prégardien, Konstantin Krimmel und Samuel Hasselhorn (FAZ) sowie Laurie Andersons neues Album "Amnelia" (FAZ).
Die Musikkritiker verabschieden sich von Bossa-Nova- und Samba-Musiker Sergio Mendes, der im Alter von 83 Jahren in Los Angeles gestorben ist. "Sein Album 'Sergio Mendes & Brasil '66' ist noch heute ein zeitloser Klassiker des Bossa, reicht aber weit darüber hinaus", schreibt Bodo Mrozek auf Zeit Online. Hier "finden sich zahlreiche ikonische Arrangements: 'One Note Samba' schraubt sich mit halsbrecherisch-komplexen Scatkaskaden in schwindelerregende Höhen, 'Day Tripper' wird mit einem weit in den Diskant der Klaviatur ausgreifenden Pianosolo verjazzt, in 'Água de beber' liefern sich portugiesischer Chorus und gestopfte Trompete ein Duell, und 'Slow Hot Wind' legt die tanzbare Melange zwischendurch in die Hängematte einer radikalen Entschleunigungskur. ... Mit der Kanonisierung seiner Titel zu sogenannten Jazzstandards geht allerdings auch eine gewisse Übersättigung einher. Die beschwingten, kristallinen Klangkaskaden klimpern so unaufdringlich wie ein wohltemperierter Zimmerspringbrunnen. Jahrzehntelang geben sie in Hotellobbys und Cocktailbars, auf kaum hörbare Lautstärke heruntergeregelt, fast mehr ein exklusives Hintergrundgeräusch für diskrete Gespräche bei gedimmtem Licht ab, als dass man ihnen noch bewusst zuhörte."
Was war nun Mendes' Erfolgsformel, fragt Detlef Diederichsen in der taz. Denn "außer in seinem Erfolg war er mit nichts besonders herausragend. Guter, aber unauffälliger Pianist, selten als Komponist aktiv, keine wirklich identifizierbare musikalische Handschrift. Sein Talent bestand eher darin, das brasilianische Element - in unterschiedlichen Momenten und Situationen - stets sinnvoll ins Spiel zu bringen. Er castete fleißig aufstrebende Talente, so sie irgend in sein Konzept passten, und führte so der eigentlich nicht gerade für Neugier oder gar Experimentierfreude bekannten Chartswelt immer wieder unerwartete, innovative Ingredienzien zu. Natürlich in milder, gaumenfreundlicher Dosierung." Stimmt schon, meint auch Wolfgang Sandner in der FAZ, doch Mendes' "von der Phrasierung der portugiesischen Sprache geprägter Sound mit zwei weiblichen Vokalpartien, sein unaufgeregt swingender Latin-Rhythmus, das unprätentiöse Melos, mit dem er viele Cover-Versionen ausstattete, all das besaß zwingenden Charme."
Weitere Artikel: Christoph Irrgeher spricht für den Standard mit dem Pianisten Vikingur Ólafsson. Manuel Brug berichtet in der Welt vom Musikfest Berlin. Für die SZ plaudert Jakob Biazza mit LL Cool J über dessen Comeback. In der FAS macht sich Susanne Romanowski (online nachgereicht) Gedanken über die Oasis-Nostalgie der letzten Tage. Patrick Bahners resümiert in der FAZ den Auftakt des Beethovenfestes in Bonn.
Besprochen werden ein von Franz Welser-Möst dirigiertes Konzert des Cleveland Orchestras (Standard), ein Konzert der Einstürzenden Neubauten in München (SZ), neue Aufnahmen alter deutscher Lieder von Andrè Schuen, Julian Prégardien, Konstantin Krimmel und Samuel Hasselhorn (FAZ) sowie Laurie Andersons neues Album "Amnelia" (FAZ).
Literatur
Besprochen werden unter anderem Katja Lange-Müllers "Unser Ole" (online nachgereicht von der Welt), Katja Oskamps "Die vorletzte Frau" (NZZ), Elke Laznias Prosagedicht "fischgrätentage" (Standard), Nadija Rebronjas "88 Tasten" (NZZ), Enis Macis und Mazlum Nergiz' Essay "Karl May" (Standard), Daniela Kriens "Mein drittes Leben" (Presse) und Ulla Lenzes "Das Wohlbefinden" (FR). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bühne

Eine Sphäre der "völligen Ort- und Zeitlosigkeit" betritt FAZ-Kritiker Hubert Spiegel in Ulrich Rasches Inszenierung von Samuel Becketts "Warten auf Godot" am Theater Bochum. Rasche hat sich der ohnehin schon überschaubaren Requisiten entledigt und gibt seine Figuren einer völlig entleerten Bühne preis. Sie "gleicht einem frisch ausgefegten Limbus, einer die meiste Zeit über in Halbdunkel gehüllten Vorhölle, in der arme Seelen leiden, während musikalische Hilfsteufel einen Höllenlärm veranstalten und Nebelschwaden über die Szenerie treiben." Lediglich im "Bühnenhimmel schwebt ein gigantischer kreisrunder Leuchtkäfer, eine Diskusscheibe, ein UFO oder ein launischer Mond, der herrisch über dem Geschehen thront, bis sich das Leuchtgebilde schließlich herabsenkt und Wladimir und Estragon unter sich zu begraben droht." Diese Bühnenwelt, so Spiegel, scheint aber längst untergegangen. Rasche wählt die "düsterste aller Interpretationen" des Stücks - das beschert dem Kritiker tolle Bilder. Leider vermisst Spiegel indes den lakonischen Humor Becketts, das macht das Stück ein wenig "ärmer", findet er.
Martin Krumbholz lässt diese "apokalyptische" Version des Stückes frösteln, wie er in der SZ bewundernd schreibt: "Man kann den 'Godot' natürlich als Transzendenz-Drama lesen, das ist Rasche aber zu schlicht. In seiner Lesart, die ein Ereignis darstellt, so großartig ist sie gespielt, streckt uns der pure Faschismus seine Fratze entgegen."
Besprochen werden Robert Wilsons Inszenierung von Herman Melvilles "Moby Dick" am Düsseldorfer Schauspielhaus (SZ), Cem Kayas Inszenierung der Videovorlesung "Pop, Pein, Paragraphen" am Berliner Gorki-Theater (taz), Psyche Stotts Inszenierung von Morgan Lloyd Malcolms Stück "The Wasp" vom English Theatre Frankfurt (FR), Sandra Cerviks Inszenierung von Ferdinand von Schirachs neuem Stück "Sie sagt. Er sagt" (nachkritik, FAZ), Kay Voges' Inszenierung von Alexander Kerlins Stück "Bullet Time - Die Geburt des Kinos aus dem Geiste eines Mörders" (nachtkritik) und Hermann Schmidt-Rahmers Inszenierung von Lessings "Nathan der Weise" am Staatsschauspiel Dresden (nachtkritik) und Karin Henkels Inszenierung von "Hamlet" am Wiener Burgtheater (FAZ).
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