Efeu - Die Kulturrundschau
Glaubt nicht den Erwachsenen
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05.11.2026. Zeit und Welt werden in Andrei Swjaginzews Chabrol-Remake "Minotaurus" Zeuge, wie gut sich im korrupten Russland Putins ein Mord vertuschen lässt. Die FAZ spürt in einer Hamburger Ausstellung dem Unheimlichen in den Gemälden des Dichters Joachim Ringelnatz nach. backstage classical freut sich über drei selten gespielte Rachmaninow-Opern, die Dmitri Tcherniakov in Zürich zu "großem Musiktheater" verbindet. Und alle trauern um den großen Dirigenten Herbert Blomstedt und um Janosch, dessen Geschichten "einer ganzen Republik das Herz wärmten", wie die Welt schreibt.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
05.11.2026
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Film

Mit seinem in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten Film "Minotaurus" legt Andrei Swjaginzew ein nach Russland verlegtes Remake von Claude Chabrols "Die untreue Frau" (1969) vor, in dem ein gehörnter Ehemann den Liebhaber seiner Frau ermordet. Rein nach äußeren Parametern ist diese Neuauflage absolut "makellos", schreibt Jens Jessen in der Zeit. Der Regisseur liefere mit seinem "im Oligarchenmilieu einer russischen Provinzstadt" angesiedelten Film "eine beißende Kritik an den Verhältnissen unter Putin. ... Das Witzige an der russischen Adaption (...) besteht nun allerdings darin, dass sich Chabrols Geschichte unter den autokratischen Verhältnissen und vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs viel leichter und plausibler erzählen lässt. Korruption und Gesetzlosigkeit ermöglichen es, den Mord mühelos zu vertuschen und Zeugen verschwinden zu lassen, indem man sie an die Front schickt."
Der Mord in dem Film "ist ein Riss, der es erlaubt, den inneren Zustand einer sozialen Klasse sichtbar zu machen", schreibt Rüdiger Suchsland in der Welt. "Doppelmoral der Individuen, Vertuschen von Verbrechen, Verbindungen zwischen Unternehmern, Bürgermeistern und Polizei, die bürgerliche Moral, zu der die Lüge ebenso gehört wie die Genugtuung - in der abschließenden Reaktion der Ehefrau, die ihren Gatten deckt und plötzlich wieder liebt. Alles sehr, sehr bürgerlich: Heuchelei, Privilegien und der ständige Wunsch, ja, auch die Notwendigkeit, den äußeren Schein zu bewahren." Tobias Obermeier hat für die taz mit dem Regisseur gesprochen.

"Godzilla Minus Zero", die Fortsetzung des vor wenigen Jahren erfolgreich neugestarteten japanischen Riesenmonster-Franchise, kann Perlentaucher Kamil Moll auf ganzer Linie überzeugen. Fiel der erste Film zuweilen noch etwas grüblerisch aus, gestattet sich der Regisseur Takashi Yamazaki nun "mehr Freiraum für schön spekulativen Quatsch". Zu sehen sind etwa "entzückende Hirngespinsten um die wundersame Regenerationsfähigkeit menschlicher Zellen" sowie ein "Mad-Scientist-Subplot, der sich in eine delirante Phantasmagorie versteigt, bei der Godzilla das Wahrzeichen New Yorks zu Klump schlägt." Sein Fazit: In jeglicher Hinsicht technisch brillant, durchfährt den Zuschauer ein "rauschhaftes Blockbuster-Hochgefühl".
Weitere Artikel: Fabian Tietke (taz) und Kira Taszman (FD) resümieren das Dok.Leipzig-Festival, bei dem Andrei Kutsilas "Letters from the Silenced Country" im Wettbewerb ausgezeichnet wurde. In der Zeit erinnert sich Volker Schlöndorff an die vor wenigen Tagen verstorbene Filmproduzentin Regina Ziegler. Der Siegfried-Kracauer-Preis für Filmkritik geht in diesem Jahr an Lukas Stern für seinen auf critic.de veröffentlichten Text zu Adrian Goigingers "Vier minus drei".
Besprochen werden Fatih Akins "Geister" (Perlentaucher, Zeit, mehr zum Film bereits hier), Anton Corbijns "Ein Talent fürs Morden" mit Helen Mirren als Krimimeisterin Patricia Highsmith (FR, Welt), Travis Knights Animatationsfilm "Wildwood" (FR) und die auf Sky gezeigte Krimiserie "Bookish" (NZZ).
Literatur

Seine "Geschichten waren aus Sehnsucht gemacht" und "wärmten einer ganzen Republik das Herz", schreibt Wieland Freund in der Welt. "Janosch, das war der kindliche, ein bisschen hingeschluderte Strich seiner unverwechselbaren Illustrationen; Janosch, das waren der Strohhut und die Hängematte der Post-Wirtschaftswunderzeit; Janosch, das war der Kornfeld-Hedonismus nach der kleinen Kulturrevolution, bevor die Achtziger die Achtziger wurden." Seine bekanntesten Figuren - der kleine Bär und der kleine Tiger - leben in "einer Welt, in der sich Janoschs Sehnsüchte allesamt erfüllt haben: die Sehnsucht nach einer wiedergefundenen Heimat ('Oh, wie schön ist Panama'), die Sehnsucht nach unbedingter Liebe und die Sehnsucht nach einer unverstellten, aufrichtigen Kommunikation ('Post für den Tiger')."
Das taz-Team schwelgt in Erinnerungen. Weitere Nachrufe schreiben Michael Wurmitzer (Standard) und Tilman Spreckelsen (FAZ).
Besprochen werden unter anderem Iva Procházkovás Kriminalroman "Ein Lied für den Weg" (FR), Daniel Kehlmanns "Afrika" (Zeit), Michel Foucaults postum veröffentlichte Schrift "Die Hermaphroditen" (NZZ) und weitere neue Sachbücher, darunter Andrei Pivovarovs "Inside Russia. Wie ich zum Staatsfeind wurde" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Kunst

Dass Joachim Ringelnatz nicht nur mit Worten Kunst machte, sondern auch auf der Leinwand, kann Wolfgang Krischke für die FAZ in einer Ausstellung im Ernst Barlach Haus in Hamburg sehen. Tatsächlich ist heute kaum noch jemandem bewusst, dass Ringelnatz' Bilder damals großen Anklang fanden. Manches wirkt auf den ersten Blick ein wenig naiv, aber das täuscht, "das scheinbar Flüchtige sind wie in seiner Dichtung kalkulierte Effekte", versichert Krischke. Oft beherrsche seine Bilder aber auch eine überraschende Düstnernis. Zum Beispiel "auf dem 'Dachgarten der Irrsinnigen', wo ein Mann auf eine am Galgen hängende Frau schießt und auch das sonstige Personal hält, was der Titel verspricht. Melancholisch ist der Blick von außen durch gardinenverschleierte Scheiben in die erleuchtete 'Hafenkneipe'. Doch auch über diesem Bild liegt der Hauch des Unheimlichen, denn auf der Hauswand malt sich der Schatten dessen ab, der hineinspäht. Entstanden ist das Bild 1933, als die nationalsozialistische Verfemung, die schon zuvor eingesetzt hatte, ihre volle Wirkung entfaltete, weil sie nun mit Auftritts- und Ausstellungsverboten einherging."
Weitere Artikel: In der Zeit zeichnet die Schriftstellerin Julia Franck Leben und Wirken der Malerin und Rilke-Geliebten Baladine Klossowska nach, über die sie auch ein Buch geschrieben hat. Ebenfalls für die Zeit kann Hanno Rauterberg in der Ausstellung "Gym. Fit mit Kunst" im Düsseldorfer Kunstpalast trainieren. Besprochen wird die Ausstellung "Willem de Kooning at work" im Rijksmuseum in Amsterdam (NZZ).
Bühne

Ein Triumph ist Dmitri Tcherniakov mit drei selten gespielten Einaktern von Sergej Rachmaninow am Opernhaus Zürich gelungen, freut sich Georg Rudiger in backstage classical. Tcherniakov hat die drei Opern zu einem "großen Musiktheaterabend" kombiniert, dirigiert vom Rachmaninow-Experten Gianandrea Noseda: "'Francesca da Rimini' nach Dantes 'Inferno', ebenfalls 1906 komponiert und gemeinsam mit 'Der geizige Ritter' uraufgeführt, spielt in der Hölle. Das digitale Feuer auf den LED-Wänden ist in Zürich auch zu hören, wenn der Summchor und das Orchester immer höher steigen und Noseda die Dissonanzen auskosten lässt - dazu zerfällt die Bühne in ihre Einzelteile. Wie überhaupt bei dieser Produktion die Verbindung zwischen Musik und Szene geradezu beglückend gelingt."
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel-Interview erzählt Dirigent Christian Thielemann von seiner anstehenden Asien-Tour, auf der er unter anderem den "Rosenkavalier" im neu eröffneten Grand Opera House in Shanghai spielen wird. Wegen Korruptionsverdacht während der Orbán-Regierung wurde der langjährige Generaldirektor der Ungarischen Staatsoper, Szilveszter Ókovács, entlassen, berichtet Wolfgang Sandner in der FAZ. Im FR-Gespräch unterhält sich Dirigent Thomas Guggeis mit Judith von Sternburg über Ernest Chaussons einziger Oper "Le roi Arthus", die er an der Oper Frankfurt auf die Bühne bringen wird.
Musik
Die Musikkritiker trauern um Herbert Blomstedt. Mit seinen 99 Jahren war er der dienstälteste Dirigent der Welt. Gerald Felber würdigt ihn in der FAZ als einen großen Ehrfürchtigen und Demütigen, der aus Schweden Sibelius und Nielsen mit an die großen internationalen Orchester brachte und schließlich bei Bruckner landete. "Hier war er in jedem Sinne zu Hause und entfaltete, mittlerweile auch bei den Starorchestern in Wien, Berlin oder Amsterdam, Klangwelten, deren samtig weiche Innigkeit und durchlichtete, pastellfarbig aufstrahlende Pracht nicht auf Pathos und Überwältigung, sondern ein organisches, mit staunender Demut verfolgtes Auf- und Verblühen der Klangströme baute. ... Nie wurde, wenn der alte Herr am Pult erschien, das Arbeiten mit den Klängen zur Mühsal, nie auch bedurfte er autoritärer Gesten. Alles war Kommunikation."
"Ich kenne nur wenige Dirigenten, die ihre Erfahrungen so unprätentiös teilten wie er", seufzt Jan Nast, der Intendant der Wiener Symphoniker, auf Backstage Classical und erinnert vor allem an Blomstedts Jahre in der DDR bei der Dresdner Staatskapelle, deren Musiker ihn bis heute glühend verehren: "Egal, wo in der Welt der Klassik wir uns trafen: Herbert Blomstedt erkundigte sich stets nach dem Wohl 'seiner' Kapelle und blieb bis ins hohe Alter ein gern gesehener Gast 'seines' Orchesters." Weitere Nachrufe schreiben Kai Luehrs-Kaiser (Welt) und Stefan Ender (Standard).
Hier kann man ihm zweieinhalb Stunden lang beim Proben von Bruckners Vierter zusehen:
Weiteres: Joachim Hentschel erzählt in der SZ von seiner Begegnung mit Josh Homme, dem Sänger der Queens of the Stone Age. Benedikt Herber porträtiert in der Zeit den Rapper Prinz Pi, der seinen Rückzug aus der Musikbranche angekündigt hat. Besprochen werden ein Konzert von Kelsey Lauritano in Frankfurt (FR) und die Afrobeat-Compilation "Nigeria 80" (taz).
"Ich kenne nur wenige Dirigenten, die ihre Erfahrungen so unprätentiös teilten wie er", seufzt Jan Nast, der Intendant der Wiener Symphoniker, auf Backstage Classical und erinnert vor allem an Blomstedts Jahre in der DDR bei der Dresdner Staatskapelle, deren Musiker ihn bis heute glühend verehren: "Egal, wo in der Welt der Klassik wir uns trafen: Herbert Blomstedt erkundigte sich stets nach dem Wohl 'seiner' Kapelle und blieb bis ins hohe Alter ein gern gesehener Gast 'seines' Orchesters." Weitere Nachrufe schreiben Kai Luehrs-Kaiser (Welt) und Stefan Ender (Standard).
Hier kann man ihm zweieinhalb Stunden lang beim Proben von Bruckners Vierter zusehen:
Weiteres: Joachim Hentschel erzählt in der SZ von seiner Begegnung mit Josh Homme, dem Sänger der Queens of the Stone Age. Benedikt Herber porträtiert in der Zeit den Rapper Prinz Pi, der seinen Rückzug aus der Musikbranche angekündigt hat. Besprochen werden ein Konzert von Kelsey Lauritano in Frankfurt (FR) und die Afrobeat-Compilation "Nigeria 80" (taz).
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