Efeu - Die Kulturrundschau

Neue Welle der Tieftauchgänge

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07.04.2026. Die brutale Gegenwart in Israel seit dem 7. Oktober erlebt die FAZ beim Theaterfestival "Isradrama", bei dem Deutschland als einziger Gast aus Westeuropa anreiste. Die NZZ bewundert in Paris die strahlenden Algen, die Henri Matisse in seinem zweiten Leben schuf. Wann hat Popmusik eigentlich zuletzt provoziert, fragt sich die Welt. Im Perlentaucher erinnert sich Angela Schader mit Devika Reges' Debütroman an ein Indien vor Narendra Modi. Dank einer leuchtenden Siri Hustvedt in Sabine Lidls Porträtfilm vergessen FAZ und Standard kurz die hässliche amerikanische Gegenwart.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2026 finden Sie hier

Film

Die Freude am lebenslangen Lernen: Siri Hustvedt und ihr Ehemann, der 2024 verstorbene Schriftsteller Paul Auster


"Wie wunderbar und leider immer noch nicht selbstverständlich ist es doch, einer klugen Frau einen ganzen Film lang zuzuhören", schwärmt Martina Knoben in der SZ nach "Dance Around the Self", Sabine Lidls über mehrere Jahre entstandenem Porträtfilm über die Schriftstellerin Siri Hustvedt, in dem auch Krebsleiden und Tod ihres Ehemanns Paul Auster eine große Rolle einnimmt. New York kommt Knoben in dem Film fast vor "wie der Schauplatz eines Woody-Allen-Films. Überhaupt scheint die gewöhnliche, oft hässliche und banale amerikanische Gegenwart häufig wie weggedimmt. Liegt es an den Privilegien, die Siri Hustvedt genießt, ihrer Schönheit, der äußerlichen (sie war früher Model) und der ihres Geistes? Oder ist es die Trauer, die sie abkapselt? Siri Hustvedt, die Welt- und Menschenerforscherin in ihren Texten, wirkt in Sabine Lidls Porträt wie in einer Blase, was seltsam anmutet, weil Hustvedt in ihren Arbeiten den Menschen als Wesen beschreibt, das nur im Austausch mit anderen existiert."  Valerie Dirk ist im Standard sehr begeistert: "Die treibende Kraft und die Freude in Hustvedts Leben ist das beständige Lernen. Es führt auch dazu, dass man - bei ihr war es etwa in ihren 40ern - irgendwann beginnen kann, mit Gedanken und Ideen aus verschiedenen Disziplinen zu tanzen."

Weiteres: Im Filmdienst führt Esther Buss durch die wechselhafte Rezeptions- und Überlieferungsgeschichte von Barbara Lodens Indie-Drama "Wanda" von 1970, das nun erstmals auch in Deutschland zu sehen ist (unser Resümee) - und stellt abschließend fest: "Auch 55 Jahre später wirkt Lodens Film roh, wahrhaftig und zugleich nie ganz zu fassen." Besprochen werden Wim Wenders' Essayband "Wesentliches" (FD), Kristoffer Borglis RomCom-Satire "The Drama" mit Zendaya und Robert Pattinson (Standard) und die Netflix-Doku "Chess Mates" über die beiden Schachmeister Magnus Carlsen und Hans Niemann (FAZ).
Archiv: Film
Stichwörter: Hustvedt, Siri, Lidl, Sabine

Kunst

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Dem Tod nach einer Krebserkrankung und zwei Embolien mit Anfang 70 noch einmal von der Schippe gesprungen, entwickelte Henri Matisse in seinem Spätwerk eine solche Kraft, dass Peter Kropmanns (NZZ) in der vom Centre Pompidou im Pariser Grand Palais ausgerichteten Ausstellung mit etwa 300 Werken aus den Jahren 1941 bis 1954 kaum aufhören kann zu staunen: "Dominiert wird es von Collagen aus Formen in leuchtenden Farben, die er mit der Schere aus zuvor gouachiertem Papier schnitt. Sie gelten Algen und Korallen und entstanden in Erinnerung an eine Südseereise. Aber auch menschliche Figuren zählen zu diesen Meisterwerken, darunter 'Nu bleu I-IV', vier blaue Akte. Das Motiv: eine mit verschränkten Beinen Sitzende, einen Arm an den Kopf gelegt." 

Die queere britische Malerin und Bildhauerin Marlow Moss wurde nicht nur lange Zeit übersehen, viele ihrer Werke wurden auch im Krieg zerstört, weiß Elke Linda Buchholz im Tagesspiegel. Zum Glück hat das Berliner Kolbe Museum vier KünstlerInnen zusammengebracht, die Moss' Oeuvre zum Teil aus Relikten konstruierten, freut sich die Kritikerin. Vor allem aber bestaunt sie Moss' Originale: "Die Kunst von Marlow Moss so fein und genau, dass fast automatisch Stille und Konzentration eintreten im großen Atelier. Nicht groß sind die wenigen Objekte. Ein verschlungenes Möbiusband aus makellos weißem Marmor, eine geometrisch filigran in den Raum gezeichnete Eisenkonstruktion, eine wie Origami aufgefaltete Säule aus schimmernden Metallplatten: Moss' Arbeiten verraten ein Denken in Geometrien."

Weitere Artikel: Wunderschön findet Ralph Trommel (Tsp) die große Werkschau, die das Cartoonmuseum Basel dem argentinischen Comiczeichner Jose Munoz, dem Wegbereiter der modernen Graphic Novel, nun ausrichtet. Werke aus den frühen Sechzigern bis in die Gegenwart sind zu sehen - und immer wieder erkennt Trommel den Einfluss des deutschen Expressionismus: Werke von Frida Kahlo aus der Sammlung Gelman Santander, die unter besonderem Kulturgüterschutz stehen und derzeit von einer spanischen Bank verwaltet werden, sollen 2028 nach Mexiko zurückkehren, berichtet der Tagesspiegel mit dpa. In der FAZ ist Niklas Maak untröstlich: Tobias Rehbergers Dazzle Painting in der Cafeteria des Hauptpavillons der Biennale in Venedig wurde im Rahmen der Renovierung einfach entfernt. 

Besprochen werden Tohé Commarets Film "Rosa", der aktuell im Zollamt MMK in Frankfurt zu sehen ist (FR), eine Ausstellung mit Werken des Impressionisten August Deusser in der Berliner Villa Schützenhof (Tsp), die Kerry-James-Marshall-Ausstellung in der Kunsthalle Zürich (FAZ, mehr hier), die Julian-Charrière-Ausstellung "Midnight Zone" im Kunstmuseum Wolfsburg (taz, mehr hier) und die Ausstellung "Care Matters" in der Wiener Albertina, die feministische Kunst über Care-Arbeit aus den letzten 60 Jahren zeigt (taz)
Archiv: Kunst

Literatur

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Im Perlentaucher stellt Angela Schader Devika Reges im Jahr 2014, also im Jahr von Narendra Modis Machtantritt, angesiedelten Debütroman "Die rastlosen Jahre" vor, für den die indische Autorin über mehrere Jahre lang recherchiert hat, um ganz tief ins politische und gesellschaftliche Gewebe ihrer Heimat vorzudringen: Den Rahmen hat Rege also, "den Realitäten ihres Landes entsprechend, weit gesteckt. Vom Hindutva-Aktivisten bis zum Unternehmensberater, der mit Kalkül und Ellbogen um seine Karriere kämpft; von den unbemittelten muslimischen Familien und den Dalits, die - eine erzwungene Schicksalsgemeinschaft - vom Gesellschaftssystem fast buchstäblich auf die Müllhalde gedrängt werden, bis zu den beflaggten Bühnen, auf denen schillernde Parteigrößen trotz ihrer laufend wechselnden Allianzen zu überzeugen versuchen; vom homosexuellen parsischen Schauspieler bis hin zum in der Wolle gefärbten Kommunisten, der als Investigativreporter sein Leben aufs Spiel setzt: So weit reicht das Figurenspektrum, und damit ist noch nicht einmal das ganze Ensemble vorgestellt. Die Devise, auf die sich die Autorin dabei verpflichtete, war: Nicht vorverurteilen, sondern auf dem Boden der Realität das Gespräch mit Vertretern dieser Gruppierungen aufnehmen. Zuhören und dabei versuchen, die Erfahrungen und Denkungsarten zu ergründen, die hinter einer Haltung stehen, auch wenn man diese als falsch oder gefährlich betrachtet."

Außerdem: Mia Eidlhuber erzählt im Standard von ihrem Besuch bei der zuletzt mehrfach preisgekrönten Schriftstellerin Dorothee Elmiger in New York. Ebenfalls im Standard spricht die Literaturagentin Anna Webber, die die beiden letzten Booker-Prize-Träger Samantha Harvey und David Szalay über ihre Arbeit in einem gewandelten Literaturbetrieb. Dass ihr Roman "Heimsuchung" in diesem Jahr Pflichtlektüre für die Abiturprüfung in Deutsch ist, hat wohl auch damit zu tun, dass er "in kurzer Form durch die verschiedenen Kapitel der deutschen Geschichte des letzten Jahrhunderts geht und vielleicht ein bisschen nachfühlbarer und anschaulicher macht, was den Menschen zu unterschiedlichen Zeiten widerfahren ist", sagt Jenny Erpenbeck im ZeitOnline-Gespräch mit Volker Weidermann. Denis Scheck habe ihre Bücher zwar schon immer in der Luft zerrissen, was sie jedoch nie groß gekümmert hat, schreibt die Schriftstellerin Ildikó von Kürthy auf Zeit Online, aber dass der TV-Kritiker ihr neues Buch "Alt genug" nun als "Nachrichten aus der Schnatterzone der Damentoilette" bezeichnet hat, diese "Respektlosigkeit" und "Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen" will sie nicht mehr hinnehmen. Niels Bossert berichtet in der NZZ, dass die Hachette Book Group von der Veröffentlichung von Mia Ballards zuvor im Eigenverlag publiziertem und über Social-Media-Dynamiken sehr erfolgreich gewordenem Roman "Shy Girl" nun doch absieht, da sich die Hinweise verdichten, dass es sich zu beträchtlichen Teilen um ein KI-Werk handeln dürfte. Im Literaturfeature von Dlf Kultur befasst sich Helmut Böttiger mit dem Einfluss von Jazz auf die deutsche Nachkriegsliteratur.

Besprochen werden Madame Nielsens "Das Zeitgeisterhaus" (NZZ), Yang Lians Essaysammlung "Im Einklang mit dem Tod" (online nachgereicht von der NZZ), Cristina Morales' "Letzte Tage mit Teresa von Ávila" (Standard), der zweite Teil von Chloé Chruchaudets Comicserie über die Haushälterin von Marcel Proust (Standard), Christoph W. Bauers Novelle "Lärm" (Standard), Monika Marons "Immer noch freundlich, aber kaum noch geduldig. Tagebücher 1980-2021" (FR), Sama Maanis "Besuch bei Onkel Napoleon" (Standard),  Federica Manzons "Alma" (online nachgereicht von der Welt) und neue Kriminalromane, darunter Dave Zeltsermans "Alles endet hier" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Archiv: Literatur

Bühne

Szene aus "Everything Remains Alive". Foto: David Kaplan

Christian Gampert besucht für die FAZ das Festival "Isradrama" in Tel Aviv, das mit Ausnahme Deutschlands von Theaterleuten aus Westeuropa, Lateinamerika und der Türkei boykottiert wurde, dafür von Osteuropäern, Russen, Asiaten und Kanadiern besucht wurde. Zu sehen waren vor allem Aufführungen aus der freien Szene, vielleicht weil diese sich den Traumata des 7. Oktobers widmeten, vermutet Gampert: "Die überzeugendste Arbeit dazu ist 'Everything Remains Alive' der Regisseurin Yarden Gilboa: Sie beschäftigt sich mit der posttraumatischen Belastungsstörung, die ein Soldat schon 2004 während seines Wehrdienstes in Gaza erlitten hat, als er Leichenteile von Kameraden bergen musste. Seine Ehefrau, die Schauspielerin Dana Keila, berichtet von der Verwandlung ihres Mannes - und von ihren Anstrengungen, trotz dessen Verzweiflung und Unberechenbarkeit ein Familienleben zu führen. Der Ehemann wird von einem Schauspieler gegeben, aber irgendwann kommt der echte Traumatisierte auf die Bühne. Auch das ist israelische Realität: In jeder Familie gibt es Tote und Verletzte."

Das Lied vom Bedeutungsverlust des Theaters ist vermutlich so alt wie das Theater selbst, erwidert der Dramaturg Wolfgang Behrens Simon Strauss, der eben jenen vor zwei Wochen in der FAZ beklagte (unser Resümee). Aber einen Punkt macht Strauss doch, räumt Behrens ein: Anlass zur Aufregung gibt das Theater nur noch selten. "Die Gefahr, nur noch die eigene Blase zu bedienen, wird massiv unterschätzt. Das Argumentationsmuster lautet eher: Wenn die Leute nicht mehr kommen …, haben die Leute etwas falsch gemacht und nicht wir. Es ist nur eine Frage der Kommunikation! (Die noch zynischere, hinter vorgehaltener Hand mitunter vorgebrachte Argumentation in Theatern lautet sogar: 'Gut, dass die Abonnenten schon mal weg sind. Jetzt müssen wir nur noch unser richtiges Publikum finden.')"

Weitere Artikel: Die Autorin und Regisseurin Patty Kim Hamilton sendet der nachtkritik einen Theaterbrief aus den USA, dass viele Theater sich inzwischen zusammenschließen, um Shows zu produzieren, während viele weitere Stücke erst gar nicht mehr produziert werden.

Besprochen werden außerdem Georg Quanders Inszenierung des "Barbier von Sevilla" von Giovanni Paisiello an der Kammeroper Schloss Rheinsberg (Tsp), Thomas Ostermeiers Inszenierung von Molières "Der Geizige" an der Berliner Schaubühne (taz, FAZ, mehr hier), Leonie Böhms Bühnenadaption von Arthur Schnitzlers Novelle "Fräulein Else" an den Münchner Kammerspielen (taz) und der "Hauptmann von Köpenick" als ein Ein-Mann-Stück von Max Hopp sowie Johan Simons' Inszenierung der "Antigone" am Berliner Ensemble (NZZ).
Archiv: Bühne
Stichwörter: Isradrama, Israel, 7. Oktober

Architektur

In der FAZ bangt Frauke Steffens: Zwar hat der Richter Richard Leon Donald Trumps auf 8400 Quadratmeter geplanten pompösen Ballsaal-Anbau ans Weiße Haus gestoppt, aber Trump könnte in Revision gehen. Steffens erinnert: "Die neoklassizistischen Bauten in Washington sollten einmal etwas ausdrücken, das gerade nicht imperial gedacht war: die Würde und Zivilität eines republikanischen Bürgertums, das keinen König brauchte. Die Prinzipien der damaligen Hauptstadt-Planung brachte Benjamin Latrobe, der Architekt des Kapitols, auf den Begriff der 'anmutigen und reifen Einfachheit'.  (…) Trump verkehrt diese Tradition ins Gegenteil. Das Goldornament im Oval Office, die Giebel und Portiken am geplanten Ballsaal, all das wird geschichtlicher Bezüge entleert. Anleihen bei barocker Verzierung für Königshäuser und bei Latrobes Neoklassizismus, der sich vom Monarchismus abwandte, werden munter gemixt."

Weitere Artikel: In der taz verkündet Andreas Hergeth, dass das Unternehmerpaar Natacha und Alex Neumann die von Walter Franek entworfene, unter Denkmalschutz stehende Mokka-Milch-Eis-Bar in Berlin wiedereröffnen will. Laura Helena Wurth resümiert ebenfalls in der taz einen Abend im Berliner Bücherbogen, an dem Bücher von Frauen aus Architektur und Baubranche vorgestellt wurden.
Archiv: Architektur

Musik

Michael Pilz weiß in der Welt nicht, was er hirnrissiger finden soll: Das krampfhafte Festhalten an E und U in der Musik oder den Unterschied zwischen beidem krampfhaft einreißen zu wollen. Anlass ist ihm die Debatte um eine GEMA-Strukturreform, deren Pläne im Verdacht stehen, die Unterhaltungsmusik zulasten der Ernsten Musik zu begünstigen. Dabei "war Pop nie bildungsbürgerlich und dünkelhaft, bis das Gerede anfing, dieses E&U sei nicht mehr zeitgemäß. Popmusiker wollten wie Klassikmusiker behandelt werden. Klassikmusiker wollten wie Popmusiker angehimmelt werden. E und U gingen verhängnisvolle Ehen miteinander ein. ... Wer 'Kultur ist kein Genre' für den Schlager zur Strukturreform einer Behörde hält, die dafür sorgen soll, Gelder (...) so vernünftig zu verteilen, dass jede Musik erhalten bleibt, weiß weder, was Kultur noch was ein Genre ist. Klassik findet sich eher in staatlichen Institutionen wieder, Pop am freien Markt."

Während Popmusik sich früher alle fünf Jahre von Grundauf erneuete, erweist sich der Gegenwarts-Pop insbesondere im KI-Zeitalter als einzige Selbst-Verzombifizierung, meint Frank Jöricke in der Welt, denn spätestens seit den Neunzigern verschwindet nichts mehr und wird umgekehrt nichts mehr hegemonial. "Dadurch wird der Popmusik die Grundlage ihrer Existenz entzogen. Sie lebte davon, dass sie ein musikalisches Zeugnis der Jetztzeit war. Junge Menschen hörten neue Sounds, um sich von Älteren und Eltern abzugrenzen. Wenn dem großen Bruder, der 'ehrlichen, echten Gitarrenrock' mochte, beim Hören von Synthiepop der Kamm schwoll, wusste man, dass man auf der richtigen Seite war, der des Fortschritts. Techno war das letzte Musikgenre, das über eine solche provokative Kraft verfügte. Heute fügt die unheilige Allianz aus Algorithmus und KI zusammen, was im weitesten Sinn ähnlich klingt." Aber "wenn es keinen Unterschied mehr macht, aus welcher Zeit Lieder stammen, welche Bedeutung hat Popmusik dann noch für die Gegenwart?"

Flea, im Hauptberuf Bassist bei den Red Hot Chili Peppers, mag ja wirklich nicht der beste Jazzmusiker aller Zeiten sein, räumt SZ-Kritikerin Andrian Kreye nach dem Hören von dessen Solo-Album "Honora" ein (unser erstes Resümee), aber gut abtauchen kann man in diesem Album eben doch - und wenn Flea im Zuge dessen noch ein paar Leute für den Jazz gewinnen kann, ist der Sache schon gut gedient. "Hin und wieder swingt es, dann pulsen Bass und Synthies in Freiform und es baut sich eine neue Welle der Tieftauchgänge in Klang, Harmonik und Rhythmus auf. Über allem steht bei ihm sein Gespür für Melodik, das Flea auf der Trompete noch sehr viel deutlicher ausreizen kann als am Bass. .... Es ist ja weniger die Technik als die Haltung, die diesen neuen Jazz vor allem aus Los Angeles ausmacht." 



Außerdem: Ueli Bernays führt in der NZZ durch die Pathologien von Kanye West, der gerade wieder ein neues Album veröffentlicht hat. Samir H. Köck plaudert für die Presse mit Jack Savoretti, der "mit seiner rauen Stimme durch flockige Wolken des Schönklangs navigiert". Kolja Podkowik erinnert sich in der Jungle World daran, wie seine Band Antilopen Gang mal versuchte, Beef mit der Jazzkantine anzuzetteln.

Besprochen werden ein Berliner Konzert der Violinistin Weronika Weiss und des Cellisten Ozgur Kayahabe mit Werken von Yuri Umemoto (taz) und Slayyyters Hyperpop-Album "Wor$t Girl in America" ("Gegenüber dem monumentalen Chaos, das Slayyyter produziert, erscheint jede globale Krise von noch so unüberwindbarem Ausmaß fast harmlos", staunt Luca Viglahn in der SZ).

Archiv: Musik