Efeu - Die Kulturrundschau
Provokation - das war in den neunziger Jahren
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12.09.2025. Groß ist die Entrüstung, dass das Flandern Festival in Gent Lahav Shani abesagt hat: Eine moralische Bankrotterklärung, schimpft die Welt, ein lupenreines Beispiel für israelbezogenen Antisemitismus, meint die FAZ. Kay Voges bringt in Köln ein Nachspiel zur AfD-Recherche von Correctiv auf die Bühne: Erhellend, findet die SZ, kennt man alles schon, winkt die Welt ab. Die NZZ lernt in Bern von Ernst Ludwig Kirchner, wie man die perfekte Ausstellung kuratiert. Ein letztes Mal brechen die Schwestern Gisela Getty und Jutta Winkelmann gemeinsam ein Tabu, erkennt der Tagesspiegel.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
12.09.2025
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Musik
Dass das Flandern Festival in Gent dem israelischen Dirigenten Lahav Shani mit einer grotesk lavierenden Begründung die Türe vor der Nase zugeschlagen hat (unser erstes Resümee), sorgt für Entrüstung und Fassungslosigkeit. In der Welt ist Manuel Brug "fassungslos über so viel Dummheit. Da wird die Haltung eines Künstlers gelobt, im nächsten Moment wird er aber wegen seiner Nationalität gecancelt." Kurz: eine "moralische Bankrotterklärung". Thomas E. Schmidt kann auf Zeit Online nur staunen, mit welcher Selbstgewissheit die Veranstalter und die belgische Kulturpolitik auftreten. "Die Belgier boykottieren einen jüdischen Künstler, einfach weil er in ihren Augen Zionist und Vertreter des Judenstaats ist." Dabei gewinnt man "den Eindruck, Minister, Rat und Sektor seien fest entschlossen, Kritik an ihrer Maßnahme gelassen in Kauf zu nehmen. Offensichtlich herrscht Einmütigkeit, und alle haben nach dieser Entscheidung ein gutes Gewissen."
Für Jürgen Kaube in der FAZ ist der Vorgang ein lupenreines Beispiel für "israelbezogenen Antisemitismus". Was sich auch darin zeigt, dass Shani trotz aller Belege, kein Freund der Netanyahu-Regierung und auch kein Säbelrassler zu sein, dennoch Gegenwind entgegen schlägt. "Um die Distanzierung vom Krieg in Gaza als solche geht es dabei gar nicht", denn kein anderer Dirigent müsse sich solche Vorbehalte und Auflagen gefallen lassen. "Es wäre ja auch grotesk, (...) jemanden auszuladen, der nichts Verwerfliches getan hat, nur weil er sich angeblich nicht ausreichend vom Verwerflichen distanziert hat. Die Genter antisemitischen Kulturfunktionäre scheuen diese Groteske nur in einem Fall nicht, in dem des israelischen Dirigenten. Jude aus Israel, ergo bis auf Widerruf genozidaler Gesinnung, lautet die Unterstellung."
Michael Hesse nimmt in der FR die Ausladung Shanis zum Anlass, um mal vorzurechnen, welchen israelkritischen Stimmen zuletzt Gegenwind entgegenblies und vergleicht ihn mit dem russischen Dirigenten Valerie Gergiew, der 2022 wegen seiner Nibelungentreue zu Putin den Posten bei den Münchnern räumen musste. "Gergiev allerdings hatte sich wiederholt zur Propaganda-Marionette des russischen Präsidenten machen lassen, ließ sich von diesem mit Ämtern in Russland und Orden überhäufen", hält Egbert Tholl in der SZ zu diesem Vergleich entgegen. Er findet es auch historisch ziemlich uninformiert, dass Lahav Shani seine Rolle als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra zum Vorwurf gemacht wird, um damit zu insinuieren, dass es mit dessen versöhnlichen Äußerungen zum Nahostkonflikt wohl doch nicht allzu weit her sein könne. Dabei handelt es sich um "ein Orchester, das älter als der Staat Israel ist, 1936 von Musikern gegründet wurde, die vor der Judenverfolgung durch die Nazis nach Palästina geflohen waren. Es ist kein Staatsorchester." "Gleich in mehrfacher Hinsicht irritierend" findet NZZ-Kritiker Christian Wildhagen die vom Festival vorgeschobene Begründung. Der taz reicht offenbar die achselzuckende Erfüllung der Chronistenpflicht, sie belässt es mit einer knappen Darstellung von Wortmeldungen durch Merle Zils.
Außer der Pianist Igor Levit nimmt im "Tagesthemen"-Interview zu diesem Punkt Stellung: "Menschen, die solche Vergleiche anstellen, möchte ich Folgendens sagen: Waleri Gergijew ist ein Künstler, der seit Jahren offen, aus Überzeugung ein Unterstützer, ein Kollaborateur, ein Profiteur der Machenschaften des russischen, imperialistischen Diktators ist. Diesen Mann zu vergleichen mit Lahav Shani - einem Dirigenten, der mit seinem deutschen Orchester nur in diese Situation geraten ist, weil er ein israelischer Jude ist - das ist in meinen Augen ein intellektueller Offenbarungseid."
Dazu passend: Nach Slowenien kündigt nun auch Irland an, den nächsten ESC zu boykottieren, sollte Israel daran teilnehmen, melden die Agenturen. Im Tagesspiegel-Kommentar ist Lion Grote auch aufgrund des gewandelten Israel-Bilds in der Öffentlichkeit der Ansicht, dass es "zwingend notwendig" sei, "dass die EBU die Frage nach der Teilnahme Israels neu bewertet, ohne sich auf technische Begründungen zurückzuziehen. Ein ESC ohne israelische Künstler ist schwer vorstellbar, ja. Ein ESC ohne Irland, Spanien oder Belgien, die ebenfalls mit dem Boykott-Gedanken spielen, aber auch."
Weiteres: Lars Fleischmann besucht für die taz das in Wien ansässige Indielabel Siluh Records. Emma Schmidt spricht in der FAZ mit der Rapperin Nina Chuba. Besprochen werden das Konzert des Ensemble Les Cris de Paris beim Musikfest Berlin (taz), der Auftakt des Herbstgold-Festivals in Eisenstadt (Standard), Jehnny Beths Album "You Heartbreaker, You" (FR) und das neue Album "Polygon Reflections" der Künstlerin Galya Bisengalieva, die laut tazlerin Katja Kollmann "Klangmeere entwickelt, die durch alle Hautschichten ins Körperinnere dringen und auf sinnliche Art elementar verunsichern".
Für Jürgen Kaube in der FAZ ist der Vorgang ein lupenreines Beispiel für "israelbezogenen Antisemitismus". Was sich auch darin zeigt, dass Shani trotz aller Belege, kein Freund der Netanyahu-Regierung und auch kein Säbelrassler zu sein, dennoch Gegenwind entgegen schlägt. "Um die Distanzierung vom Krieg in Gaza als solche geht es dabei gar nicht", denn kein anderer Dirigent müsse sich solche Vorbehalte und Auflagen gefallen lassen. "Es wäre ja auch grotesk, (...) jemanden auszuladen, der nichts Verwerfliches getan hat, nur weil er sich angeblich nicht ausreichend vom Verwerflichen distanziert hat. Die Genter antisemitischen Kulturfunktionäre scheuen diese Groteske nur in einem Fall nicht, in dem des israelischen Dirigenten. Jude aus Israel, ergo bis auf Widerruf genozidaler Gesinnung, lautet die Unterstellung."
Michael Hesse nimmt in der FR die Ausladung Shanis zum Anlass, um mal vorzurechnen, welchen israelkritischen Stimmen zuletzt Gegenwind entgegenblies und vergleicht ihn mit dem russischen Dirigenten Valerie Gergiew, der 2022 wegen seiner Nibelungentreue zu Putin den Posten bei den Münchnern räumen musste. "Gergiev allerdings hatte sich wiederholt zur Propaganda-Marionette des russischen Präsidenten machen lassen, ließ sich von diesem mit Ämtern in Russland und Orden überhäufen", hält Egbert Tholl in der SZ zu diesem Vergleich entgegen. Er findet es auch historisch ziemlich uninformiert, dass Lahav Shani seine Rolle als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra zum Vorwurf gemacht wird, um damit zu insinuieren, dass es mit dessen versöhnlichen Äußerungen zum Nahostkonflikt wohl doch nicht allzu weit her sein könne. Dabei handelt es sich um "ein Orchester, das älter als der Staat Israel ist, 1936 von Musikern gegründet wurde, die vor der Judenverfolgung durch die Nazis nach Palästina geflohen waren. Es ist kein Staatsorchester." "Gleich in mehrfacher Hinsicht irritierend" findet NZZ-Kritiker Christian Wildhagen die vom Festival vorgeschobene Begründung. Der taz reicht offenbar die achselzuckende Erfüllung der Chronistenpflicht, sie belässt es mit einer knappen Darstellung von Wortmeldungen durch Merle Zils.
Außer der Pianist Igor Levit nimmt im "Tagesthemen"-Interview zu diesem Punkt Stellung: "Menschen, die solche Vergleiche anstellen, möchte ich Folgendens sagen: Waleri Gergijew ist ein Künstler, der seit Jahren offen, aus Überzeugung ein Unterstützer, ein Kollaborateur, ein Profiteur der Machenschaften des russischen, imperialistischen Diktators ist. Diesen Mann zu vergleichen mit Lahav Shani - einem Dirigenten, der mit seinem deutschen Orchester nur in diese Situation geraten ist, weil er ein israelischer Jude ist - das ist in meinen Augen ein intellektueller Offenbarungseid."
Dazu passend: Nach Slowenien kündigt nun auch Irland an, den nächsten ESC zu boykottieren, sollte Israel daran teilnehmen, melden die Agenturen. Im Tagesspiegel-Kommentar ist Lion Grote auch aufgrund des gewandelten Israel-Bilds in der Öffentlichkeit der Ansicht, dass es "zwingend notwendig" sei, "dass die EBU die Frage nach der Teilnahme Israels neu bewertet, ohne sich auf technische Begründungen zurückzuziehen. Ein ESC ohne israelische Künstler ist schwer vorstellbar, ja. Ein ESC ohne Irland, Spanien oder Belgien, die ebenfalls mit dem Boykott-Gedanken spielen, aber auch."
Weiteres: Lars Fleischmann besucht für die taz das in Wien ansässige Indielabel Siluh Records. Emma Schmidt spricht in der FAZ mit der Rapperin Nina Chuba. Besprochen werden das Konzert des Ensemble Les Cris de Paris beim Musikfest Berlin (taz), der Auftakt des Herbstgold-Festivals in Eisenstadt (Standard), Jehnny Beths Album "You Heartbreaker, You" (FR) und das neue Album "Polygon Reflections" der Künstlerin Galya Bisengalieva, die laut tazlerin Katja Kollmann "Klangmeere entwickelt, die durch alle Hautschichten ins Körperinnere dringen und auf sinnliche Art elementar verunsichern".
Literatur
Die FAZ dokumentiert die Rede, mit der die mexikanische Schriftstellerin Cristina Rivera Garza gestern das Internationale Literaturfestival Berlin eröffnet hat. Stefan Müller-Doohm blickt für die FR auf das Verhältnis zwischen Thomas Mann und Theodor W. Adorno. Andreas Platthaus (FAZ) und Christine Knödler (SZ) schreiben Nachrufe auf die Bilderbuchkünstlerin Jutta Bauer. Der Tages-Anzeiger meldet die Nominierten für den Schweizer Buchpreis, darunter Nelio Biedermanns "Lázár" und Dorothee Elmigers "Die Holländerinnen".
Besprochen werden Emmanuel Carrères bislang nur in Frankreich erschienener Roman "Kolkhoze", für den SZ-Kritikerin Johanna Adorján dem Autor von Herzen den ihm bislang vorenthaltenen Prix Goncourt wünscht, Svealena Kutschkes "Gespensterfische" (online nachgereicht von der FAZ), Nelio Biedermanns "Lázár" (Standard) und neue Sachbücher, darunter Michi Strausfelds "Die Kaiserin von Galapagos. Deutsche Abenteuer in Lateinamerika" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Besprochen werden Emmanuel Carrères bislang nur in Frankreich erschienener Roman "Kolkhoze", für den SZ-Kritikerin Johanna Adorján dem Autor von Herzen den ihm bislang vorenthaltenen Prix Goncourt wünscht, Svealena Kutschkes "Gespensterfische" (online nachgereicht von der FAZ), Nelio Biedermanns "Lázár" (Standard) und neue Sachbücher, darunter Michi Strausfelds "Die Kaiserin von Galapagos. Deutsche Abenteuer in Lateinamerika" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Kunst

Im Jahr 1933 widmete die Kunsthalle Bern Ernst Ludwig Kirchner seine erste große Retrospektive - und Kirchner überließ nichts dem Zufall: Die 240 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen wählte er selbst aus - die Kritiken schrieb er unter Pseudonym, erinnert Philipp Meier in der NZZ. Das Kunstmuseum Bern hat die Ausstellung nun unter dem Titel "Kirchner x Kirchner" rekonstruiert und Meier kann nur staunen: "Die von Kirchner selber gut dokumentierte Schau ist ein Lehrgang für jeden angehenden Kurator. Sie zeigt, wie man Bilder hängt, kombiniert, auch farblich aufeinander abstimmt, Bildachsen schafft, damit Kunst und Architektur zum Erfahrungsraum verschmelzen und zum großen Seherlebnis werden. 'Eine Ausstellung fertig und formal richtig hängen ist ja dasselbe als wie ein Bild gestalten', schrieb Kirchner damals an Max Huggler. Er verstand seine Ausstellung nicht bloß als Leistungsschau, sondern auch als kompositorischen Akt, wenn nicht gar als eigentliches Gesamtkunstwerk."

Für den Tagesspiegel besucht Tobias Langley-Hunt das It-Girl der 68er, Gisela Getty, die ihre Zwillingsschwester Jutta Winkelmann, die 2017 nach einer langen Krebserkrankung starb, mit der Kamera begleitete. Die Aufnahmen sind nun im Rahmen der Berlin Art Week in der Ausstellung "Ashes to Rishikesh" im Studio Ryan Mendoza in der Streustraße 89 zu sehen - Winkelmann selbst wollte, dass Getty ihr Sterben dokumentiert, erzählt Getty: "Getty wisse, dass viele der Bilder erschreckend sind. 'Bilder von sterbenden Menschen rühren an der deutschen Psyche', sagt sie. Der Tod ist ein Tabu, der Assoziationen mit Krieg und ähnlichem Grauen hervorruft. Auch dafür soll die Ausstellung dienen. Der Tod soll enttabuisiert werden. 'Als ich jung war, war es die Sexualität, mit der sexuellen Revolution haben wir versucht das zu brechen. Ähnliches müsste heute mit dem Tod passieren.'"
Weitere Artikel: In der SZ ruft Christine Knödler der Kinderbuch-Illustratorin Jutta Bauer nach, die im Alter von 70 Jahren gestorben ist, in der FAZ schreibt Andreas Platthaus. An die Stärke und Resilienz iranischer Frauen wird Ferial Nadja Karrasch (Monopol) erinnert, wenn im Rahmen der Berlin Art Week im Haus der Visionäre die von der Galeristin Anahita Sadighi kuratierte Ausstellung "Soft Power" zu sehen ist. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Feuer und Flamme dem Patriarchat. Petra Galls Fotos der FrauenLesben-Szene" im Schwulen Museum (taz).
Film
Nur noch "ermüdend" findet es SZ-Kritiker Gerhard Matzig, nachdem er aus der Scheidungskomödie "Die Rosenschlacht" kommt, wie Hollywood sich Architekten vorstellt: "Man fragt sich mittlerweile, ob in Hollywood keine Architektinnen leben, die den Drehbuchautoren der Architektenfilme mal mit ein bisschen Lebenswirklichkeit aushelfen könnten. ... Die Filmstudios in aller Welt präsentieren immer wieder die gleichen Klischees aus dem verstaubten Fundus." Auch der Kritikerliebling "Der Brutalist" (unsere Kritik) aus dem letzten Jahr hat im übrigen gepatzt: "Die 'Bauhaus'-Architektur darin hat leider wenig bis nichts mit dem Bauhaus zu tun. Die Skizzen könnten fast von einer KI stammen. Aber nicht alles, liebes Chat-GPT, was weiß und orthogonal ist, ist Bauhaus."
Besprochen werden eine Margarethe von Trotta gewidmete Ausstellung in Berlin (FD), Hendrik Löbberts Dokumentarfilm "Memory Wars" über die US-Psychologin Elizabeth Loftus, die zum False-Memory-Syndrom im Zuge fehlgeleiteter Traumatherapie forscht (Welt), Andrew Renzis Netflix-Doku über den Schauspieler Charlie Sheen (Standard) und die Sky-Serie "Task" (FAZ).
Besprochen werden eine Margarethe von Trotta gewidmete Ausstellung in Berlin (FD), Hendrik Löbberts Dokumentarfilm "Memory Wars" über die US-Psychologin Elizabeth Loftus, die zum False-Memory-Syndrom im Zuge fehlgeleiteter Traumatherapie forscht (Welt), Andrew Renzis Netflix-Doku über den Schauspieler Charlie Sheen (Standard) und die Sky-Serie "Task" (FAZ).
Bühne

Nachdem Kay Voges vergangenes Jahr die AfD-Recherche von Correctiv auf die Bühne des Berliner Ensembles brachte (unsere Resümees) inszenierte er nun, als neuer Intendant des Kölner Schauspielhauses, ein "Nachspiel" zur Recherche ebenda. Aber boten die anderthalb Stunden, in denen Schauspieler Andreas Beck die medialen und juristischen Reaktionen resümierte, auch etwas Neues, fragt Alexander Menden in der SZ und antwortet: definitiv. "Die saftigste Passage ist ... der Nachvollzug eines internen Streits zwischen dem rechtsnationalen Publizisten Götz Kubitschek, dem AfD-Abgeordneten Maximilian Krah und dessen ehemaligen Social-Media-Berater Erik Ahrens. Dieser eskalierte im Laufe dieses Jahres, Ahrens wendete sich von seinen ehemaligen Mitstreitern komplett ab. Nun, und das ist die Pointe der Veranstaltung, hat Ahrens eine eidesstattliche, notariell beurkundete Versicherung unterzeichnet, in der er als Teilnehmer des Potsdam-Treffens erklärt, dass das von Sellner vorgestellte 'Remigrations'-Konzept auf 'ethnische Säuberungen bzw. Vertreibungen' auch von deutschen Staatsbürgern hinauslaufe - 'freiwillig oder unfreiwillig'. Ein interessantes und erhellendes neues Detail eines, detailreichen und komplexen, weitgehend verständlich aufgearbeiteten Sachverhaltes."
Davon wusste man schon seit August, winkt indes Jakob Hayner in der Welt ab, den das Stück nicht nur als "Werbeblock für ein AfD-Verbot" nervt: "Mit müder Stimme und im Gestus des Naiven erzählt Beck, dass er 'scheißewütend' gewesen sei, als sowohl bei Übermedien als auch in der Zeit kritisch über die Correctiv-Recherche berichtet wurde. Das klingt vor allem enttäuscht, dass aus dem eigenen Lager nicht nur Applaus kam. ... Selbst das Prinzip Zweifel, von dem man annehmen könnte, es wäre die Voraussetzung aller kritischen Geisteshaltung, wird dann folgerichtig als rechte Strategie bezeichnet." "Eine neue Dimension von politischem Theater", erlebte hingegen Dorothea Marcus in der taz.
Weitere Artikel: Im NZZ-Gespräch mit Ueli Bernays zum Einstand ihrer Intendanz am Zürcher Schauspielhaus sprechen Pinar Karabulut und Rafael Sanchez über die Vorteile einer Doppelintendanz, Intendanten, die zugleich inszenieren und die geplante Rückkehr zum klassischen Theater. Sanchez sagt: "Provokation - das war in den neunziger Jahren. Jetzt haben wir 2025, wir sind gesättigt mit Provokation. Provokation ist langweilig."
Besprochen werden außerdem Simon Solbergs Inszenierung "Die Odysee" nach Homer am Theater Bonn (nachtkritik) und Falk Richters Inszenierung "Pride" am Staatstheater Hannover (nachtkritk).
Architektur
Die Eröffnung hat zwei Jahre länger gedauert als geplant, aus zehn wurden vierzehn Millionen Euro Baukosten: Geschenkt, meint Hannes Hintermeier in der FAZ beim Anblick der durch das Engagement der Publizistin Rachel Salamander wiederhergestellten Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße: "Die Glaselemente der Decke sind baubedingt nur noch im hinteren Teil von Tageslicht durchflutet. Ein bläuliches Licht lässt den Raum schimmern, es verleiht ihm eine Anmutung corbusierhafter Klassizität. Allein der gelbe Veroneser Marmor, der die Nische des Thoraschreins fasst, wirkt eher barock als Bauhaus. Manche Bänke wurden gerettet und aufgearbeitet, das neue Eichengestühl steht im Erdgeschoss, wo auch die Türen mit sechs Mattglasfeldern originalgetreu nachgebaut wurden. Gleiches gilt für die kugeligen Bauhaus-Deckenlampen und die zwei hohen Leuchten, die den Thora-Schrein rahmen, mundgeblasenes Glas, die Fassungen aus Messing nachgeschmiedet."
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