Efeu - Die Kulturrundschau
Ein spitzer Schrei der Frau von Kalb
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.06.2025. Die FAS unerhält sich mit Mika Kaurismäki über die Monheim Triennale für ungeschriebene Musik, die Kaurismäki in "Every note you play" dokumentiert hat. Die nachtkritik hätte sich mehr Zeit zum Nachdenken gewünscht in Charlotte Sprengers Mannheimer Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe". Die FAZ bestaunt in der Fondation Beyeler den präzisen Nachthimmel der litauische Künstlerin Vija Celmins. Zeit online hört Haim.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
21.06.2025
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Kunst


Ingeborg Ruthe freut sich in der FR über die surrealistische Ausstellung "Strange!" im Museum Scharf-Gerstenberg, die zeigt, dass mit der Faszination des Absurden zum einen noch lange nicht Schluss ist und sie zum anderen auch in der DDR viele Anhänger hatte: "Zu jedem Bild gehört eine Geschichte, die wie durch eine Übelkeit der Seele ausgelöst wurde. Im Gemälde 'Wachmann' des Belgiers Paul Delvaux von 1961 etwa ist Bahnhofseinsamkeit beschrieben, etwas Befremdliches, das geradezu hilflos macht. Ähnlich ratlos macht das Bild 'Kind und Eltern' der Ostberlinerin Heidrun Hegewald von 1976: Sie malte ein im Nebel versinkendes Paar am Tisch, in der Tür einsam ein Kind. Die Scheidungsrate in der DDR hatte damals ihren Gipfelpunkt erreicht, mit bis zu 38 Prozent war sie die höchste weltweit. Ähnlich gespenstisch wirkt die große leere Einsamkeit im Gemälde 'Tageszeiten (Mittag)' von 1954 des Schwaben und zeitweiligen Westberliners Mac Zimmermann aus dem Surrealistenumkreis der Galerie Rosen und der Malergruppe 'Phantastischer Realismus'. All die eigentümlichen Motive mit ihrem sonderbaren Bildpersonal korrespondieren in dieser Ausstellung eifrig."

Weiteres: Welt und FAZ informieren über die aktuelle Art Basel. Besprochen wird Sivasubramaniam Kajendrans Ausstellung, "Ecology of Resilience" in der Gallery Under the Mango Tree (Tsp).
Literatur


Weitere Artikel: Anna Prizkau besucht für die FAS Serhij Zhadans Band "Sobaky" (Hunde) und andere Künstler und Bekannte in Kiew. In "Bilder und Zeiten" (FAZ) empfiehlt Leander Berger den Schweizer Autor C. F. Ramuz (1878 bis 1947). Und Martin Mulsow liest Agostino Steucos Werk "De perenni philosophia" von 1540, das nun in einer deutschen Übersetzung vorliegt.
Besprochen werden "Ein Hauch von Grauen und verborgene Hoffnung", eine Anthologie ukrainischer Literatur des Ersten Weltkriegs (FR), Michael Thumanns Reportage "Eisiges Schweigen flussabwärts" (NZZ), Herbert Kapfers Roman "Der Planet diskreter Liebe" (taz), Slata Roschals Gedichtband "Ich brauche einen Waffenschein …" (taz), Ulf Erdmann Zieglers "Es gibt kein Zurück" (taz), Birgit Weyhes Graphic Novel "Schweigen" (SZ), Elin Anna Labbas Roman "Das Echo der Sommer" (FAZ), Isabella Hammads Roman "Enter Ghost" (FAZ), Alfred Brendels "Naivität und Ironie" (FAZ) und Band 43 der Schiller-Nationalausgabe (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr.
Film

Weiteres: In der NZZ erinnert Christoph Egger an Steven Spielbergs "Weißen Hai", der vor fünfzig Jahren in die Kinos kam. Besprochen werden Nicolas Humberts und Werner Penzels Film "Step Across the Border", den sie vor fast vierzig Jahren über den Musiker Fred Frith gedreht haben, der jetzt in restaurierter Form wieder in die Kinos kommt (Zeit) und Alauda Ruiz de Azúas Vergewaltigungsdrama "Querer" (NZZ).
Bühne

Weiteres: Peter Laudenbach berichtet von den Budgetkürzungen im Berliner Gefängnistheater AufBruch (SZ). Manuel Brug trifft sich für die Welt mit dem Choreografen Jiří Kylián: "Es gibt keinen besonderen Anlass, außer dass es bei ihm immer einen gibt: Das Norwegian National Ballet ehrt mit einem Festival diesen längst zum Weltbürger der Kunst gewordenen tschechischen Tanzschöpfer, der sich in erster Linie als Prager versteht, der in Deutschland heranreifte, eine deutsche Frau heiratete, sieben Sprachen spricht, 120 Werke schuf, von den Niederlanden aus berühmt wurde und dort immer noch lebt: 'In Schevenigen am Meer, da höre ich in den Sirenen der Schiffe die Welt resonieren.'"
Besprochen werden Franz Xaver Kroetz' Neufassung von Franz von Kobells "Brandner Kaspar" am Münchner Residenztheater (NZZ), "Das Stillleben" von Carmen Jeß, Regie von Lisa Froschauer am Theater Lübeck (Nachtkritik) und Joseph Haydns "Schöpfung" am Staatstheater Wiesbaden unter der Regie von Franziska Angerer (FR).
Architektur
Der Neubau des Petri-Museums für Vor- und Frühgeschichte fügt sich für Andreas Kilb (FAZ) ganz hervorragend ein ins Berliner Stadtbild, das hier Elemente seiner fast 800-jährigen Geschichte zeigen kann: "Das nach einem Entwurf des Münchner Architekten Florian Nagler entstandene fünfstöckige Gebäude füllt die Lücke zwischen der erhaltenen Randbebauung des Petriplatzes und dem im Projektstadium stecken gebliebenen interreligiösen Zentrum 'House of One' und vernetzt zugleich die beiden großen Player bei der Erforschung der Berliner Stadtgeschichte, das Landesdenkmalamt und das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dass hier für 35 Millionen Euro, von denen der Bund den Löwenanteil getragen hat, kein neues architektonisches Wahrzeichen der Hauptstadt entstanden ist, wird niemanden überraschen. Überraschend ist vielmehr, wie gut Naglers Zweckbau seinen Zweck erfüllt."
Musik
Bert Rebhandl unterhält sich für die FAS mit Mika Kaurismäki, der eine Doku über die Musikfestival in Monheim am Rhein gedreht hat: "Every note you play". Monheim ist ein sehr spezielles Festival, "eine Triennale für Musik, und zwar für eine ganz bestimmte Form: ungeschriebene Musik, die aus dem Moment entsteht". Bei der Triennale 2024 traf Kaurismäki dort "auf Ganavya Doraiswamy aus Indien, Peni Candra Rini aus Indonesien, deren Instrument in erster Linie die eigene Stimme ist, oder Brìghde Chaimbeul, die den schottischen Dudelsack spielt, und zwar eher unorthodox. Oder Oren Ambarchi aus Australien, der als Schlagzeuger begann und heute alles spielt, was ihm in die Hände kommt. ... Die Monheim Triennale lebt sehr wesentlich davon, dass Musiker in einen Austausch treten und miteinander spielen, die vom Festival füreinander kuratiert werden. 'Man hatte den Eindruck, dass das Festival eine große Familie ist', fand Kaurismäki, der 'Every Note You Play' dementsprechend auch als ein Stadtporträt angelegt hat. Und als einen Dokumentarfilm über die Rolle oder die Funktion von Kultur für eine Kommune."
Hier eine Hörprobe mit Anushka Chkheidze and Rojin Sharafi:
Annett Scheffel unterhält sich für Zeit online mit Haim über deren neues Album "I Quit" - obwohl so richtig scheint ein Gespräch nicht zustande zu kommen: "Natürlich muss nicht jede Popmusik politisch sein. Das neue Album von Haim gerät nun aber in die seltsame Situation, dass es von gegenwärtigen Beziehungs- und Singleproblemen handelt und doch wie aus der Zeit gefallen klingt. Über Donald Trump oder Politik möchten Haim nicht sprechen, auch ihre Antwort auf eine Frage zu den Waldbränden in Los Angeles zu Beginn des Jahres ziehen sie nachträglich zurück. Auf musikalischer Ebene aber ist 'I Quit' smart und präzise, arrangiert von Danielle Haim und ihrem neuen Co-Produzenten Rostam Batmanglij, ausgestattet mit so vielen popkulturellen Anspielungen, dass man den Rest des Sommers brauchen wird, um sie alle zu entschlüsseln."
Hier eine Kostprobe:
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel annoncieren Lea Schulze und Julia Weiss die Fête de la Musique, die heute in Berlin stattfindet. Michael Ebert unterhält sich für die SZ mit Bruce Springsteen über die Musik und das Leben. Auf Zeit online schreibt Bodo Mrozek über Brian Wilson und die Poputopie Kalifornien.
Besprochen werden Giorgio Pois neue Platte "Schegge" ("die ideale Platte für den frühen Sommer", versichert Tobias Rüther in der FAS), ein Konzert von Iggy Pop in Berlin (Tsp), Feruccio Busonis Klavierkonzert mit Igor Levit unter Antonio Pappano und dem BR-Symphonieorchester in der Münchner Isarphilharmonie (SZ) und das neue Album von Yungblud (FR).
Hier eine Hörprobe mit Anushka Chkheidze and Rojin Sharafi:
Annett Scheffel unterhält sich für Zeit online mit Haim über deren neues Album "I Quit" - obwohl so richtig scheint ein Gespräch nicht zustande zu kommen: "Natürlich muss nicht jede Popmusik politisch sein. Das neue Album von Haim gerät nun aber in die seltsame Situation, dass es von gegenwärtigen Beziehungs- und Singleproblemen handelt und doch wie aus der Zeit gefallen klingt. Über Donald Trump oder Politik möchten Haim nicht sprechen, auch ihre Antwort auf eine Frage zu den Waldbränden in Los Angeles zu Beginn des Jahres ziehen sie nachträglich zurück. Auf musikalischer Ebene aber ist 'I Quit' smart und präzise, arrangiert von Danielle Haim und ihrem neuen Co-Produzenten Rostam Batmanglij, ausgestattet mit so vielen popkulturellen Anspielungen, dass man den Rest des Sommers brauchen wird, um sie alle zu entschlüsseln."
Hier eine Kostprobe:
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel annoncieren Lea Schulze und Julia Weiss die Fête de la Musique, die heute in Berlin stattfindet. Michael Ebert unterhält sich für die SZ mit Bruce Springsteen über die Musik und das Leben. Auf Zeit online schreibt Bodo Mrozek über Brian Wilson und die Poputopie Kalifornien.
Besprochen werden Giorgio Pois neue Platte "Schegge" ("die ideale Platte für den frühen Sommer", versichert Tobias Rüther in der FAS), ein Konzert von Iggy Pop in Berlin (Tsp), Feruccio Busonis Klavierkonzert mit Igor Levit unter Antonio Pappano und dem BR-Symphonieorchester in der Münchner Isarphilharmonie (SZ) und das neue Album von Yungblud (FR).
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