Efeu - Die Kulturrundschau
Unkaputtbarer Eigensinn
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25.09.2026. In der nachtkritik erklärt der Regisseur Kirill Serebrennikov, warum er sich nicht als russischer, sondern als europäischer Regisseur versteht. Der Tagesspiegel schwelgt in den "duftenden" Bildern des Renaissance-Malers Corregio. Die FAZ kann in Christophe Cotterets Dokumentarfilm "Disunited Nations - Die UNO und der Nahe Osten" beobachten, wie die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese moralisches Pathos an die Stelle von Beobachtung setzte. Punk ist nicht tot, ruft die taz erleichtert.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
25.09.2026
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Bühne
Im Interview mit nachtkritikerin Elena Philipp will sich der aus Russland geflohene Regisseur Kirill Serebrennikov nicht als russischer, sondern als europäischer Regisseur verstanden wissen. Feststehende Zuschreibungen wie "Dissident" oder "Exilant" findet er nicht gut, "wir sind Russisch sprechende Europäer, und jetzt lernen wir Deutsch, Französisch oder andere Sprachen", erklärt er. Es ist sein Weg, den Verheerungen des russischen Angriffskriegs entgegenzutreten: "Mein einziger Wunsch ist, diesen Krieg zu beenden, der Menschen zu Tode bringt und auch die Idee zerstört, dass wir miteinander leben können. Schuld ist Russland, das die Ukraine überfallen hat und Schmerz, Blut und Hass gebracht hat. Die Invasion hat aber auch das russische Theater zerstört, denn Theater kann nicht ohne Freiheit existieren. Wir können zwar selbst nicht den Krieg stoppen, aber wir können uns weigern, denjenigen zu folgen, die das grausame und blutige 20. Jahrhundert als ein Vorbild sehen, wie wir heute leben sollen."
Weitere Artikel: In der FAZ denkt Boris Motzki über Ferdinand Bruckners Stück "Krankheit der Jugend" nach. In der SZ gratuliert Egbert Tholl den Münchner Kammerspielen zum 100. Geburtstag. In der taz resümiert Tim Caspar Boehme das Musikfest Berlin, bei dem es dieses Mal auch viel Musiktheater zu sehen gab.
Besprochen werden Ulrich Mokruschs Inszenierung von Anno Schreiers Oper "Peter van Pels" am Theater Osnabrück (FAZ), Georg Büchners Stück "Dantons Tod", inszeniert von der Theatergruppe Post Paradies, an den Münchner Kammerspielen (taz) und Stephen Unwins Inszenierung von Manfred Karges "Man to Man" am Royal Court Theatre in London (SZ).
Weitere Artikel: In der FAZ denkt Boris Motzki über Ferdinand Bruckners Stück "Krankheit der Jugend" nach. In der SZ gratuliert Egbert Tholl den Münchner Kammerspielen zum 100. Geburtstag. In der taz resümiert Tim Caspar Boehme das Musikfest Berlin, bei dem es dieses Mal auch viel Musiktheater zu sehen gab.
Besprochen werden Ulrich Mokruschs Inszenierung von Anno Schreiers Oper "Peter van Pels" am Theater Osnabrück (FAZ), Georg Büchners Stück "Dantons Tod", inszeniert von der Theatergruppe Post Paradies, an den Münchner Kammerspielen (taz) und Stephen Unwins Inszenierung von Manfred Karges "Man to Man" am Royal Court Theatre in London (SZ).
Kunst

Das Urteil der Nachwelt über den Renaissance-Maler Correggio war gespalten, erinnert Bernhard Schulz im Tagesspiegel, nachdem er die überhaupt erste Ausstellung dessen Werks in Deutschland in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden besucht hat: "Von allen Bildern geht eine Makellosigkeit aus, eine Vollkommenheit in Komposition und vor allem Farbgebung, im zarten Schmelz der Farben und den weichen, geradezu duftigen Übergängen, dass es leicht fällt, ihre jahrhundertelange Faszination zu bestätigen." Allerdings kam immer wieder der Vorwurf auf, dass Correggios Bilder zu "geziert", ja "affektiert" seien, wie Schulz aus dem Katalog zitiert. Vielleicht liegt es an der großen Lebensnähe seiner Figuren? "'Berührend menschlich' ist die Ausstellung überschrieben. Zuerst zielt das Begriffspaar auf die Reaktion des Betrachters, der sich von den Figuren des Malers, von ihren menschlichen Regungen berührt zeigen mag. Es geht aber eher - oder sollte gehen - um die stupende Fähigkeit Correggios, Menschen als lebendige Wesen mit Haut und Haar darzustellen, sie also lebendig werden zu lassen, und diese 'morbidezza' im Sinne der Renaissance zeichnet die Gemälde aus."
FAZ-Kritiker Hubertus Butin ist enttäuscht von der Ausstellung "Von Monet bis Picasso - Jüdische Kunstsammler in Deutschland" im Bucerius Kunstforum Hamburg. Leider schafft es die Schau nicht, ein umfassendes Bild der beeindruckenden Sammlungen, wie zum Beispiel der der Familie Mendelssohn, aus Berlin zu vermitteln, meint er: "Im Bucerius Kunst Forum wird aus dem früheren Besitz der Mendelssohns lediglich ein mediokres Gauklerbild in Tempera von Picasso präsentiert. Das heißt, die Ausstellung schafft es noch nicht mal ansatzweise, die alles überragende Qualität und Bedeutung der Sammeltätigkeit dieser Familie anschaulich zu machen. Von Antonie und Ernst Lessing sowie von Alfred Wolf werden jeweils zwei Werke gezeigt, was für deren Sammlungen ebenfalls in keiner Weise repräsentativ ist. Wie die Direktorin Kathrin Baumstark gegenüber dieser Zeitung erläuterte, lehnten viele Museen Leihgaben ab, da sie Restitutionsforderungen von NS-Opfern oder deren Nachfahren fürchteten und 'keine schlafenden Hunde wecken' wollten. Dann muss allerdings die Frage erlaubt sein, ob ein solches Projekt als Ausstellung funktionieren kann".
Musik
"Man muss im Alter nicht so klingen wie die Toten Hosen und auch nicht wie Kettcar", jedenfalls nicht, solange man einen "unkaputtbaren Eigensinn" an den Tag legt, atmet Benjamin Moldenhauer in der taz auf. Dafür hat er sich nicht nur das neue Album von Deutsche Laichen ("eine der besten jüngeren Punkbands hierzulande") angehört, sondern sich auch durch das frischaufgelegte Frühwerk des Punk-Urgesteins Screamer sowie durch das Spätwerk der Musiker Christian Mevs und Stephan Mahler gearbeitet. In dieser Gesamtschau zeigt sich: "Es gibt so eine Art tradierte Punk-Cleverness, eine bestenfalls strahlende Intelligenz, die man in urbanen wie provinziellen Punk-Kreisen lernen konnte. Eine Mischung aus Direktheit, ausgeprägter Renitenz, Fuck-you-Attitüde und Witz. Punk war last but not least das Versprechen, dem 'Das Leben ist halt so' zu entkommen. Das Werk von Stephan Mahler und Christian Mevs zeigt, dass das zumindest auf der musikalischen Ebene klappen kann."
Weiteres: Bernhard Uske berichtet in der FR vom Fratopia-Festival in Frankfurt. Besprochen werden die Memoiren "Ein Leben in Songs" von Freddie Mercurys Lebensmenschen Mary Austin (NZZ).
Weiteres: Bernhard Uske berichtet in der FR vom Fratopia-Festival in Frankfurt. Besprochen werden die Memoiren "Ein Leben in Songs" von Freddie Mercurys Lebensmenschen Mary Austin (NZZ).
Film

Jannis Holl ist in der FAZ sehr unterwältigt von der deutschen Serie "4 Blocks Zero", mit der HBO Max die Vorgeschichte der im Serienerfolg "4 Blocks" erzählten Neuköllner Clan-Saga nachreicht. Das Prequel liefert eine "durchaus berechtigte Perspektive auf die Geschichte der Mhallami in Deutschland" und auch, dass eine "verfehlte Integrationspolitik" Clankriminalität begünstigt, glaubt Holl gern. Doch "die Verachtung jeglicher Autoritäten außerhalb des Clans, die eigene Abschottung, organisierter Sozialbetrug oder die Unterdrückung der Frauen sind kein Thema." So "erscheinen die Hamadys als liberal eingestellte Migrantenfamilie von nebenan, die in dieser Entlastungsgeschichte ins Verbrechertum gedrängt wird. Das (...) hat aber wenig mit der Welt straffälliger Mhallami zu tun, die Ermittler, Journalisten und Islamwissenschaftler beschreiben."
Christophe Cotterets Dokumentarfilm "Disunited Nations - Die UNO und der Nahe Osten" begleitet Francesca Albanese, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Genozid-Vorwürfe gegen Israel auch ohne Einblick in die Sachlage frei flottieren. Entsprechend gerne zur offiziellen UN-Sprecherin hochgejazzt, schreibt sie für die UNO freilich lediglich Berichte, die oft dafür kritisiert werden, die Grenze zum ideologischen Aktivisimus zu überschreiten. Auch dieser Film "macht sich die Positionen der Berichterstatterin zu eigen", schreibt Bert Rebhandl in der FAZ, doch geschehe dies so offensichtlich, dass er "aufmerksamen Betrachtern auch Material an die Hand gibt, die entsprechenden Diskussionen mit den gebotenen Differenzierungen zu führen. ... Dass Francesca Albanese ihre Aufgabe selbst an eine 'Wegkreuzung in den Aktivismus' geführt hat, vermerkt Cotteret nicht nur explizit. Er zeigt auch, dass sie ihre Rolle genießt, mit ihr kokettiert. ... Sie setzt moralisches Pathos an die Stelle präziser Sprache und Beobachtung und ist damit zwar zu einem internationalen Idol geworden, verhärtet aber oft Positionen, die das verhängnisvolle Entweder-oder (...) nicht auflösen werden."
Weitere Artikel: Thomas Abeltshauser spricht für die taz mit Visar Morina, dessen Film "Von Scham und Geld" vom sozialen Abstieg eines Ehepaars im Kosovo erzählt. Beate Hausbichler spricht für den Standard mit Marie Kreutzer über deren Pädokriminellen-Drama "Gentle Monster" (unsere Kritik). Kurz und bündig resümiert Josef Lederle im Filmdienst die Filmkunstmesse in Leipzig, bei der die Kinobetreiber aufgrund steigender Besucherzahlen gute Stimmung verbreiteten.
Besprochen werden Güner Balcıs und Jesco Denzels Porträtfilm "Es ist immer in meinem Kopf" über den Holocaustüberlebenden Albrecht Weinberg (Jungle World), David Ayers Survivaldrama "Eiserne Wildnis" mit Brad Pitt (Standard), Katharina Coponys Dokumentarfilm "Mit Ästen bis zum Himmel" (Standard), Hannu Salonens "Adams Acht" (FR) und David Dietls "Emil und die Detektive" (Welt).
Literatur
Die von deutschen Feuilletons bisher munter ignorierte französische Literaturdebatte der Saison dreht sich weiter. Der in Québec lebende haitianische Autor Thélyson Orélien landete mit C'était ça ou mourir" den Erfolgsroman der Saison, der für viele Literaturpreise, bis hin zum Goncourt, im Gespräch war (unsere Resümees). Die Kritik lag Orélien zu Füßen. Ein anonymes Twitter-Konto deckte auf, dass der Roman per KI geschrieben worden sei - der Tweet kam in Umlauf, weil er von dem Publizisten Samuel Fitoussi retweetet wurde. Die Vorwürfe haben sich als stichhaltig erwiesen. Inzwischen sind bei Oréliens früheren Büchern auch Plagiate nachgewiesen worden. Heute enthüllt Fitoussi, dass er selbst mit einer Gruppe anderer Personen hinter dem anonymen Twitter-Account steht. Angesichts ehrlicher Autoren sei es sozusagen seine Pflicht gewesen, das KI-Plagiat zu entlarven, so Fitoussi, und stellt weitere Fragen: "KI kann - und wird dies in Zukunft immer mehr können (denn mit der Weiterentwicklung der Modelle werden die Schreibmacken verschwinden) - außergewöhnliche Werke quasi eigenständig hervorbringen. Der von Menschen geschaffene Inhalt wird (ist er das bereits?) in einem Meer aus KI-Inhalten von hervorragender Qualität untergehen. Eines Tages wird sich der menschliche Schriftsteller fragen: Wozu das Ganze? Wozu sollte ich Hunderte von Stunden damit verbringen, zu recherchieren, nachzudenken und meine Worte sorgfältig auszuwählen, wenn ich ohnehin unter dem Verdacht stehe, mit Chat GPT kopiert und eingefügt zu haben (da manche ihre Leser täuschen, wird sich dieser Verdacht allgemein verbreiten) - und wenn meine Texte dann doch nicht gelesen werden?"
Weitere Artikel: Isolde Sellin spricht für ZeitOnline mit der Comiczeichnerin Alice Oseman, die sich dazu entschlossen hat, ihre internationale erfolgreiche Comicreihe "Heartstopper" zu einem Ende zu bringen. Martin Wittmann spricht für die SZ mit "Grüffelo"-Illustrator Axel Scheffler.
Besprochen werden unter anderem Olivia Laings "Buch der Träume" (FR), Miriam Carbes "Unerwünschte Töchter" (FR), Monika Filipinas Bilderbuch "Elefantenmusik" (FR), Teresa Präauers "Nie mehr weinen. Tränenkunde für Fortgeschrittene" (Welt), Martin Doerrys und Hauke Janssens Biografie über Rudolf Augstein (NZZ), Ansgar Mohnkerns "Kein richtiges Sterben im falschen Leben. Bilder eines Abschieds" (SZ) und Eva Riegers Studie "Frau. Macht. Musik" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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