Efeu - Die Kulturrundschau
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06.05.2026. Die Venedig-Biennale steht vor der Tür, mit russischer Beteiligung - am Ende könnte Wladimir Putin der große Gewinner sein, fürchtet die FAZ. Der israelische Künstler Belu-Simion Fainaru erzählt im Welt-Interview, wie er und sein Team von den anderen Künstlern geschnitten werden. Ebenfalls die FAZ schwärmt von Igor Zelićs geheimnisvollen Film "Opera", der auf den Kurzfilmtagen Oberhausen gleich mehrere Preise abräumte. Der Tagesspiegel lässt sich in Berlin von einem Konzert des Pianisten Grigory Sokolov verzaubern.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
06.05.2026
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Kunst
Die Biennale di Venezia öffnet demnächst ihre Pforten - und wird die Diskussionen um die Teilnahme Russlands nicht los. Karen Krüger berichtet in der FAZ über die scharfe Kritik, die Italiens Kulturminister Alessandro Giuli am Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco geübt hat. "Buttafuoco sei 'der untröstliche Ausdruck eines isolationistischen und bourbonischen Ancien Régime, das die Einheit Italiens nicht anerkennt', so Giuli. Bezüglich der Entscheidung, anstelle von Löwen Publikumspreise zu vergeben, sagte er: 'Ich lehne das Schema von Gewinnern und Verlierern ab. Wenn jedoch Tausende von tschetschenischen Besuchern, die von Ramsan Kadyrow geschickt wurden, für den russischen Pavillon stimmen, werden wir wissen, wer gewonnen hat: Wladimir Putin.'"
Die Teilnahme Israels können die Künstler aus anderen Ländern offenbar nicht verzeihen. Davon erzählt im Interview mit der Welt Belu-Simion Fainaru, der den diesjährigen Pavillon des Landes bespielt (siehe auch hier) - und von einer Jury von der Preisverleihung ausgeschlossen werden sollte. Fainaru hat dieser Tage wenig Freude in Venedig: "Normalerweise lernt man bei solchen Ausstellungen viele neue Leute kennen, tauscht Adressen aus, geht zusammen essen und trinken - am Ende hat man lauter neue Kontakte und Freunde. Jetzt spreche ich mit niemandem, bin völlig isoliert. Das schmerzt. Dabei bin ich von Menschen umgeben, die für andere Pavillons arbeiten. Wir sind nur ein paar Meter von denen der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens entfernt. Ich würde mich wirklich freuen, mit den dort ausstellenden Künstlern zu sprechen. Die Hälfte meiner Studenten an der Universität von Haifa sind Araber, unsere Rektorin ist Araberin - ich glaube an Dialog und bin das von früheren Ausstellungen so gewöhnt. Doch wen auch immer ich hier begrüße, man dreht sich von mir weg. Mit keinem einzigen Künstler und Kurator auf der Biennale gibt es Interaktion. Ich bin allein mit meinem Team." Andernorts geht man noch einen Schritt weiter: Die Berliner Galerie Plan B hat den Künstler nach Boykottaufrufen von ihrer Künstlerliste entfernt.
Schaut sich in Venedig auch jemand die ausgestellte Kunst an? Ja, und zwar Nicola Kuhn für den Tagesspiegel. Wirklich überzeugt ist sie nicht davon, wie die Hauptausstellung das Konzept der 2025 verstorbenen Chefkuratorin Koyo Kouoh umsetzt. Allzu kitschig und flauschig geht es zu in der identitätspolitisch dominierten Schau. Da jedoch, "wo es politisch wird, fährt endlich Wind in die Betulichkeit. Walid Raad hat mit Porträts bemalte Holzpaletten aufgestellt, auf denen die Kopien verschollener libanesischer Meisterwerke zu sehen sind. Die Holzboxen sollen einst zum Transport im Libanon abgegebener Waffen gedient haben, die dann im Jugoslawienkrieg eingesetzt wurden. Könnte damit auch die geraubte Kunst verschickt worden sein?"
Weiteres: Lilli Vostry unterhält sich in der BlZ mit dem Künstler-Duo Angela Hampel und Steffen Fischer. Besprochen werden die Schau "Beeple. Regular Animals" in der Berliner Neuen Nationalgalerie (taz) und die Ausstellung "Lebt und arbeitet in Wien. Contemporary Art from Vienna" in der Kunsthalle Wien (Standard).
Die Teilnahme Israels können die Künstler aus anderen Ländern offenbar nicht verzeihen. Davon erzählt im Interview mit der Welt Belu-Simion Fainaru, der den diesjährigen Pavillon des Landes bespielt (siehe auch hier) - und von einer Jury von der Preisverleihung ausgeschlossen werden sollte. Fainaru hat dieser Tage wenig Freude in Venedig: "Normalerweise lernt man bei solchen Ausstellungen viele neue Leute kennen, tauscht Adressen aus, geht zusammen essen und trinken - am Ende hat man lauter neue Kontakte und Freunde. Jetzt spreche ich mit niemandem, bin völlig isoliert. Das schmerzt. Dabei bin ich von Menschen umgeben, die für andere Pavillons arbeiten. Wir sind nur ein paar Meter von denen der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens entfernt. Ich würde mich wirklich freuen, mit den dort ausstellenden Künstlern zu sprechen. Die Hälfte meiner Studenten an der Universität von Haifa sind Araber, unsere Rektorin ist Araberin - ich glaube an Dialog und bin das von früheren Ausstellungen so gewöhnt. Doch wen auch immer ich hier begrüße, man dreht sich von mir weg. Mit keinem einzigen Künstler und Kurator auf der Biennale gibt es Interaktion. Ich bin allein mit meinem Team." Andernorts geht man noch einen Schritt weiter: Die Berliner Galerie Plan B hat den Künstler nach Boykottaufrufen von ihrer Künstlerliste entfernt.
Schaut sich in Venedig auch jemand die ausgestellte Kunst an? Ja, und zwar Nicola Kuhn für den Tagesspiegel. Wirklich überzeugt ist sie nicht davon, wie die Hauptausstellung das Konzept der 2025 verstorbenen Chefkuratorin Koyo Kouoh umsetzt. Allzu kitschig und flauschig geht es zu in der identitätspolitisch dominierten Schau. Da jedoch, "wo es politisch wird, fährt endlich Wind in die Betulichkeit. Walid Raad hat mit Porträts bemalte Holzpaletten aufgestellt, auf denen die Kopien verschollener libanesischer Meisterwerke zu sehen sind. Die Holzboxen sollen einst zum Transport im Libanon abgegebener Waffen gedient haben, die dann im Jugoslawienkrieg eingesetzt wurden. Könnte damit auch die geraubte Kunst verschickt worden sein?"
Weiteres: Lilli Vostry unterhält sich in der BlZ mit dem Künstler-Duo Angela Hampel und Steffen Fischer. Besprochen werden die Schau "Beeple. Regular Animals" in der Berliner Neuen Nationalgalerie (taz) und die Ausstellung "Lebt und arbeitet in Wien. Contemporary Art from Vienna" in der Kunsthalle Wien (Standard).
Film

Bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen wurde Igor Zelićs "Opera" mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Hauptpreis des Wettbewerbs. FAZ-Kritiker Bert Rebhandl fand den Film sehr faszinierend: "Er präsentiert eine nächtliche Szene, in der man sich erst einmal zurechtfinden muss. Denn sie gibt sich nur in dem Maß zu erkennen, in dem Lichtquellen einen Teil des Bildes erhellen. Bäume, Häuser, ein Kiesweg - alles bleibt geheimnisvoll, zumal der Ton nur Umgebungsgeräusche enthält. Diese 'Geschichte', die im Erzählkino in der Regel mit menschlichen Figuren und mit Natur und Gesellschaft zu tun hat, weitet sich bei Zelić auf eine der Künste insgesamt. Unwillkürlich beginnt man seinen Film anzuschauen wie ein Gemälde. Die klassische Malerei hat die raffiniertesten Sachen mit einem 'Licht' gemacht, das immer Auftrag auf eine Leinwand war. Auf diese Kunst bezieht sich 'Opera', überträgt sie aber auf Lichtsetzung als eine wesentliche Aufgabe beim Filmemachen. Bei Zelić bewegt sich die Kamera nicht, sodass der Effekt eines Guckkastens entsteht, der allmählich Geheimnisse preisgibt." In der FR resümiert Daniel Kothenschulte das Festival.
Im Interview mit der taz spricht Lana Daher über ihren komplett aus Archivmaterial zusammengestellten Porträtfilm "Do You Love Me" zum Libanon und Beirut. Zu ihrer Heimat hat Daher durchaus ein angespanntes Verhältnis: "Ich hatte die Vorstellung, dass wir uns alle lieben. Dass es der Krieg anderer auf unserem Land ist, der den Kampf verursacht. Aber innerlich haben wir so gegensätzliche Ansichten zu allem. Mir ist klar geworden, wie gewalttätig meine Heimat ist und dass viele libanesische Konfessionen einander hassen. Wir streiten immer darum, wie sehr wir das Land lieben, aber es ist nicht so, dass jede Gruppe den Libanon um des Libanon willen liebt, sondern eher für sich selbst."
Weitere Artikel: Lilly Schröder stellt in der taz das queere Berliner Kollektiv "Cinema of Disobedience" vor, das dem Festival- und Kinobetrieb unter anderem vorwirft, Queerness als "Token" zu benutzen. Marian Wilhelm stimmt im Standard auf das Frühlings-Zwischenspiel des auf Blut und Beuschel spezialisierten Slash-Filmfestivals in Wien ein. Besprochen wird James Vanderbilts "Nürnberg" mit Russell Crowe als Hermann Göring (SZ, FAZ).
Bühne

am Theater in der Josefstadt. Foto: Moritz Schell.
Eine Legende geht: 33 Jahre lang stand Herbert Föttinger im Wiener Theater in der Josefstadt auf der Bühne, zwei Jahrzehnte lang fungierte er dort außerdem als Direktor. "Da darf man schon von einer Ära sprechen. Zudem spielende Intendanten im Theater selten geworden sind, das wirkt fast aus der Zeit gefallen", meint Jakob Hayner in der Welt. Tatsächlich spielt Föttinger zum Abschied noch einmal selbst, nämlich den Mozart-Librettisten Lorenzo Da Ponte in "Was für ein schönes Ende", einem Stück von Peter Turrini, das nicht unbedingt den besten Ruf hat, aber für die aktuelle Aufführung runderneuert wurde: "In der Regie von Janusz Kica, ein alter Wegbegleiter von Föttinger an der Josefstadt, wird daraus statt einer Wild-West-Klamotte ein melancholischer Rückblick auf ein bewegtes Künstlerleben." Die Rechnung geht für Hayner auf, Föttinger setzt sich "mit seinem letzten Auftritt auf jener Bühne, wo er über 30 Jahre lang wirkte, selbst ein Denkmal und der ganze Saal applaudiert". Für die FAZ schreibt Martin Lhotzky über den Abend, für die Presse Thomas Kramar, im Standard Margarete Affenzeller.
Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, denkt im Interview mit der Welt unter anderem über die katastrophal gescheiterte linke Strategie des Deplatformings rechter Positionen nach: "Es ist sehr interessant, sich heute den 'Container'-Film von Schlingensief noch einmal anzuschauen. Die damalige Reaktion der Linken ist exakt die gleiche wie bei meinem 'Prozess gegen Deutschland', bei 'Catarina' oder 'Rage': Die gehen hin und zertrümmern ein Schild über dem Container, weil 'Ausländer raus!' draufsteht. Was macht Schlingensief? Er bedankt sich artig und hängt das Schild wieder auf. Dazu sagt er, und das finde ich ein hervorragendes Zitat: 'Die linke Demonstrationsgesellschaft darf nicht das letzte Wort behalten.' Genau so sehe ich das auch."
Weitere Artikel: Patrick Wildermann trifft sich für den Tagesspiegel mit der Regisseurin Marie Schwesinger, deren Reichsbürger-Stück "Sturm auf Berlin" am Donnerstag am Berliner Ensemble Premiere feiert. Shirin Sojitrawalla blickt auf nachtkritik auf den prall gefüllten Theatermonat Mai.
Besprochen werden ein von Reginaldo Oliveira und Vincenzo Veneruso gestaltete Disco-Ballett-Doppelabend "Studio 54" am Salzburger Landestheater (SZ - "gefühlsechte Rekonstruktion ohne jede Nostalgie") sowie Leo Lorena Wyss' Stück "Blaupause" am Theater am Neumark in Zürich (NZZ - "verliert sich in einer vielfältigen Collage der Ideen und Themen").
Literatur

Agnese Franceschini (Tell) sieht in Musils "Mann ohne Eigenschaften" bereits heutige Auflösungen des Ichs vorweggenommen: "Denken wir zum Beispiel an die - auch von Minderheiten - empfundene Notwendigkeit, sich in fast genetischen Kategorien zu identifizieren. Eingeschlossen in diese allgemeinen Kategorien verliert der Mensch seine persönliche Identität im eigentlichen Sinne. Nicht wir sind es, die einer Erfahrung eine Bedeutung verleihen. Stattdessen ordnen wir die Erfahrung in eine Kategorie ein, die ihr einen Sinn gibt. ... Generell können wir von einer 'Globalisierung' des Individuums sprechen, einer Massifizierung der Wünsche und Erfahrungen jedes Einzelnen von uns."
Weitere Artikel: Yelizaveta Landenberger berichtet in der taz von der zweiten Berliner Exil-Buchmesse für russische Literatur, auf der "die Rolle der russischen Kultur im Krieg gegen die Ukraine permanent kontrovers diskutiert wurde". Hannes Stein lässt in der Welt durchaus Zweifel durchscheinen, ob der aufgrund seines schweren Autismus erheblich beeinträchtigte Woody Brown tatsächlich der Autor des US-Bestellers "Upward Bound" ist, zumal dessen Mutter, die Browns Texte mit der umstrittenen Methode des "schnellen Soufflierens" ins Reine überträgt, einen Magister in Literatur und jahrelang Drehbücher ausgewertet hat. In seiner Proust-Reihe im Tagesspiegel blickt Gerrit Bartels auf Prousts Verhältnis zur Malerei im zweiten Band seiner "Recherche": "Proust malt schreibend Bilder, und nach der Lektüre will man sofort in eine Impressionistenschau."
Besprochen werden unter anderem Christoffer Carlssons "Hinter dem Nebel" (FR), Viktor Jerofejews "Die neue Barbarei" (NZZ) und Alma Hirschels "Überleben" (FAZ).
Architektur
Einen Narren gefressen hat die Politik seit einiger Zeit an der Idee vom "Dritten Ort" - gemeint sind städtische Aufenthaltsmöglichkeiten jenseits von Wohnung und Arbeit. Dritte Orte werden besonders dann gern beschworen, wenn es darum geht, die hohen Kosten für die Restaurierung von Kulturbauten zu rechtfertigen. Helmut Mauró gibt in der SZ den Dritte-Orte-Skeptiker. Das Problem an der Sache ist nämlich, dass die ursprünglichen Funktionen von Bibliotheken, Museen und andere Kulturräumen leiden, wenn sie zu Dritten Orten umdefiniert und möglichst inklusiv und niederschwellig gestaltet werden. "Vielleicht ist es eine grundsätzliche Entscheidung: Sollen alle Orte für alle zugänglich sein, oder soll es für alle Gruppen und Bedürfnisse einen passenden Ort geben? Werden Grenzen nicht mehr nur als Schutz, sondern viel stärker als Ausgrenzung empfunden? Und was ist mit den Bedingungen für das Gelingen von Kunst und Kultur, etwa die Anforderung von Ruhe und begrenzte Zuhörerzahl für hochkulturelle Musik oder für Vorlesungen in Quantenphysik? Ist das Bedürfnis nach Ruheräumen in einer Großstadt vielleicht sogar dringender als mehr Feierplätze?"
Peter Richter sieht es, ebenfalls in der SZ, ähnlich: "Vielleicht ist die populäre, möglicherweise auch nur populistische Aversion gegen die hohen Schwellen der klassischen Kulturtempel, die zusammengenommen meist Freitreppen bilden, ja nur eine Bildungslücke, die sich genau dort oben füllen ließe. Vielleicht sagen diese Dinge nämlich gar nicht: Bleib weg. Sondern: Komm hoch, die Mühe lohnt sich, hier oben sieht die Welt anders aus. Vielleicht kommt das Museum ja doch vom Museion, dem Tempelbezirk der Musen, und ist vor allem exklusiv in dem Sinn, dass es den schnöden, geschäftlichen Alltag ausschließt, dies aber als Sache der Allgemeinheit. Man müsste es mal in einer Bibliothek nachlesen. Wenn man in Bibliotheken noch zum Lesen käme."
Außerdem: Teile des Pergamon-Museums werden, wie Andreas Kilb in der FAZ durchgibt, zwar nicht, wie ursprünglich gemeldet, in diesem Jahr, aber immerhin 2027 wieder geöffnet. Die Grundsanierung, die zentrale Teile des Hauses verschlossen hält, könnte sich freilich bis in die 2040er-Jahre ziehen.
Peter Richter sieht es, ebenfalls in der SZ, ähnlich: "Vielleicht ist die populäre, möglicherweise auch nur populistische Aversion gegen die hohen Schwellen der klassischen Kulturtempel, die zusammengenommen meist Freitreppen bilden, ja nur eine Bildungslücke, die sich genau dort oben füllen ließe. Vielleicht sagen diese Dinge nämlich gar nicht: Bleib weg. Sondern: Komm hoch, die Mühe lohnt sich, hier oben sieht die Welt anders aus. Vielleicht kommt das Museum ja doch vom Museion, dem Tempelbezirk der Musen, und ist vor allem exklusiv in dem Sinn, dass es den schnöden, geschäftlichen Alltag ausschließt, dies aber als Sache der Allgemeinheit. Man müsste es mal in einer Bibliothek nachlesen. Wenn man in Bibliotheken noch zum Lesen käme."
Außerdem: Teile des Pergamon-Museums werden, wie Andreas Kilb in der FAZ durchgibt, zwar nicht, wie ursprünglich gemeldet, in diesem Jahr, aber immerhin 2027 wieder geöffnet. Die Grundsanierung, die zentrale Teile des Hauses verschlossen hält, könnte sich freilich bis in die 2040er-Jahre ziehen.
Musik
Grigory Sokolov war wieder für seinen jährlichen Auftritt in Berlin und hat mit seinem Programm Tagesspiegel-Kritikerin Christiane Peitz ganz und gar verzaubert: Es "entgrenzt sich die Zeit, wird zum unendlichen Klangraum, in dem alle Platz finden: sämtliche Gemütsregungen, sämtliche Arten, Musik zu hören. Erneut bezaubern seine stupende Anschlags- und Pedaltechnik mit dem minutiös austarierten Tastendruck, das Federleichte der Läufe und Triller, die munter hüpfenden Punktierten, die Freiheit des Ausdrucks. ... Diesmal feiert er vor allem die Melodie, konturiert die Hauptlinien, ohne die Nebenstimmen zu vernachlässigen." VAN-Kritiker Albrecht Selge erlebte an dem Abend "ein Spiel mit Dauern. Das Konzentrierteste, Beethovens letzte sechs Bagatellen, folgt ohne Klatschpause der langen frühen Sonate, sodass das höchst Komprimierte Teil eines einzigen langen Fließens wird. Die Anmutung des Endlosen, die sich eher dem Unendlichen als dem lediglich nicht Aufhörenden nähert, setzt sich naturgemäß fort in Franz Schuberts B-Dur-Sonate D960."
Schmutz statt Glam, sackartige Klamotten statt körperbetonte Sexyness und dazu düstere Klangwelten zwischen Gothic Rock und Punk, die sexualisierte Gewalt und Sexismus im Allgemeinen thematisieren: Sofia Isella bringt die "female rage" der GenZ ästhetisch auf den Punkt, schreibt Maja Goertz in der NZZ. "Mit ihrer Düsterkeit grenzt sie sich klar von einem feministischen Pop in pinken Kleidern ab, der Barbie feiert, leicht konsumierbar bleibt und doch auch Empowerment darzustellen versucht. ... Ihre Konzerte aber sind harmlos im Vergleich zu ihren Musikvideos. Darin schlägt sie sich zuweilen rohe Eier in den Mund oder beißt auf den Schalen herum, sie spuckt Blut und wütet wie eine Besessene - und erinnert an verstörende Bodyhorrorfilme. ... Alles ist angelegt auf Anti-Ästhetik, auf Schock." So "überzeichnet sie das Empfinden junger Frauen, die sich fragen: Wohin mit der eigenen Wut"?
Weitere Artikel: Vor dem Wiener Auftritt des italienischen Duos Mind Enterprises durchstreift Christian Schachinger für den Standard die Welt der Italo-Disco. Außerdem stellt Schachinger die Düstermusik von Rún vor. Gerrit Bartels hört für den Tagesspiegel die zwei Songs, die die Rolling Stones vorab aus ihrem angekündigten neuen Album veröffentlicht haben, und prognostiziert für den Sommer "ein Stones-Fest, das vielleicht die Welt wieder ein bisschen mehr zusammenrücken lässt".
Besprochen werden ein Konzert des Klangforums Wien (Standard) und neue Musikveröffentlichungen, darunter das Album "Unspoken" des im Iran aufgewachsenen Jazzgitarristen Mahan Mirarab (Standard).
Schmutz statt Glam, sackartige Klamotten statt körperbetonte Sexyness und dazu düstere Klangwelten zwischen Gothic Rock und Punk, die sexualisierte Gewalt und Sexismus im Allgemeinen thematisieren: Sofia Isella bringt die "female rage" der GenZ ästhetisch auf den Punkt, schreibt Maja Goertz in der NZZ. "Mit ihrer Düsterkeit grenzt sie sich klar von einem feministischen Pop in pinken Kleidern ab, der Barbie feiert, leicht konsumierbar bleibt und doch auch Empowerment darzustellen versucht. ... Ihre Konzerte aber sind harmlos im Vergleich zu ihren Musikvideos. Darin schlägt sie sich zuweilen rohe Eier in den Mund oder beißt auf den Schalen herum, sie spuckt Blut und wütet wie eine Besessene - und erinnert an verstörende Bodyhorrorfilme. ... Alles ist angelegt auf Anti-Ästhetik, auf Schock." So "überzeichnet sie das Empfinden junger Frauen, die sich fragen: Wohin mit der eigenen Wut"?
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