Efeu - Die Kulturrundschau

Der kosmische Funke ist erloschen

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14.08.2026. In der SZ erklärt der Denkmalschützer Mathias Pfeil, warum die Habermas-Villa nun unter Denkmalschutz steht: Habermas' Vernunft ist eingeflossen in den Entwurf. Die FAZ fliegt im Arp-Museum mit rotem Narrenkäppchen zu den Sternen. Im Standard spricht Robert Misik über Rechtsextremismus und seinen Essay "Erziehung zur Grausamkeit". In der SZ erklärt Jan "Monchi" Gorkow von "Feine Sahne Fischfilet", warum er in sein Heimatdorf in Meck-Pomm zurückgezogen ist - trotz 54 Prozent AfD-Wählern.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2026 finden Sie hier

Literatur

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Robert Misik spricht im Interview mit dem Standard über seinen Essay "Erziehung zur Grausamkeit". Darin überlegt er, wie die Rechte von Donald Trump bis Björn Höcke die Entladung niederster Affekte fördert: "Es ist jene Art von Grenzüberschreitung, die uns verrohen lässt. Die Missachtung des Üblichen, des Höflichen, gibt dem Rechtspopulisten immer den Gewinn an Authentizität. Er wirkt dann als jemand, der sich etwas traut und als jemand, der mit dem Mainstream, dem Üblichen, bricht." Warum funktioniert das vor allem bei Männern so gut? "Es ist grundsätzlich ein Dilemma linker progressiver Bewegungen, dass man immer davon spricht, wie der fortschrittliche Mensch werden sollte, damit er gut ist. Der Imperativ lautet also: Du musst dich ändern! Das Verlockende am rechten Imperativ ist, dass selbst dem schlimmsten Macho gesagt wird: Es ist gut so, wie du bist, du musst gar nichts ändern!"

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Jan "Monchi" Gorkow von "Feine Sahne Fischfilet" erzählt im Interview mit der SZ, warum er wieder nach Mecklenburg-Vorpommern in sein Heimatdorf Jarmen gezogen ist, wo immerhin 54 Prozent AfD-Wähler leben. Er hat auch ein Buch darüber geschrieben, "Jenseits der Brandmauer". Und was jetzt? Weltuntergang? Kommt nicht in Frage für ihn. "Auch ich denke manchmal: Lasst mich in Ruhe mit der Politik-Scheiße, ich will netflixen. Aber abstumpfen und Maul halten, bloß um es bequem zu haben, ist keine Option. Du kannst auf dem Dorf etwas bewegen! Wir haben in Jarmen einen Skatepark gebaut, das hat mehrere Jahre gedauert, weil immer irgendeine Genehmigung fehlte. Heute ist der voll. Ich fahre manchmal einen Umweg, nur um die Kids zu sehen und mir den Arsch abzufreuen. Vielleicht wird meine Tochter da auch mal mitfahren. Ich habe noch nie gedacht: Wäre ich mal besser nicht hergezogen."

Weiteres: Wilhelm v. Sternburg schreibt in der FR zum 70. Todestag Bertolt Brechts. Besprochen werden Peggy Mädlers DDR-Roman "Selbstregulierung des Herzens" (FR), Belinda Bauers Kriminalroman "Das Ding der Unmöglichkeit" (FR), Anne Goscinnys Erinnerungsbuch an ihren Vater René "Das Klimpern der Schlüssel" (Tsp), Marc David Baers "Kinder Abrahams" über 1400 Jahre muslimisch-jüdische Geschichte (Tsp), Jean-Luc Lehners "Der Anfang von Raum und Zeit" (FAZ), Otfried Höffes "Der gierige Staat" (FAZ) und Panajotis Kondylis' neu aufgelegter Band "Planetarische Politik nach dem Kalten Krieg" (FAZ).
Archiv: Literatur

Kunst

Lavinia Schulz, Walter Holdt, Bühnenkostüm "Bertchens Schwester" B (weiß), Entwurf: 1923 (Rekonstruktion) © Leihgabe des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg

"Preziosen, Überraschungen, Meilensteile" entdeckt Hubert Spiegel (FAZ) in der Ausstellung "Zu den Sternen!" im Arp-Museum im Bahnhof Rolandseck, das etwa hundert Werke zum Thema "Weltraum und Weltflucht seit der Moderne" zeigt: "So macht den Ausstellungsauftakt der 'Outer Space Transmitter' der 1992 geborenen Mona Schulzek, ein funktionsfähiges Funkgerät zur Kontaktaufnahme mit außerirdischen Lebensformen, gefolgt von Sylvie Fleurys 'First Spaceship on Venus (17 C)' von 1999: ein silbern glänzender Sitzsack in Form einer abgeschlafften anthropomorphen Rakete mit knallrotem Narrenkäppchen. Der Treibstoff verbraucht, der kosmische Funke erloschen, die Eroberung des Weltraums - vorerst - gescheitert. Aber neue phallische Flugobjekte sind bereits in Sicht."

Erst vergangenes Jahr wurden mehr als achtzig der zwischen 1939 und 1941 entstandenen surrealistischen Kunstwerke der irisch-britischen Schriftstellerin Iris Murdoch in ihrem ehemaligen Haus entdeckt - nun werden sie in der Bibliothek der Universität in Chichester ausgestellt, freut sich im Guardian Donna Ferguson, die von dem Entdecker der Bilder und Direktor des Iris Murdoch Research Centre an der University of Chichester, Miles Leeson erfährt, wie eng für Murdoch Literatur und Kunst zusammengehörten: "'Diese Gemälde entstanden während einer wirklich aufregenden Zeit in Oxford, als sie Mitglied der Kommunistischen Partei war, sich in der Studentenpolitik engagierte und bei der Studentenzeitung mitarbeitete … und natürlich waren es die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs, was sich in den surrealistischen Landschaften widerspiegelt.' Die Gemälde, die offenbar von der Kunst Salvador Dalís und Pablo Picassos beeinflusst sind, vermittelten ein Gefühl von Verzweiflung, Angst und Zerstörung, fügte er hinzu. 'Man spürt den Zusammenbruch der Gesellschaft, das Zerfallen dessen, was das Ganze zusammenhält.'"

Weitere Artikel: Ästhetisch hat Lisa Berins in der FR gar nichts einzuwenden gegen Janet Echelmans Installation "A Sky Full of Hope" an der Konstablerwache in Frankfurt (unsere Resümees), aber dass nicht transparent kommuniziert wird, woher die 2,3 Millionen Euro stammen, die die Stadt für das Werk ausgegeben hat, hinterlässt bei ihr einen "fahlen Beigeschmack". Hannes Hintermeier berichtet in der FAZ, dass nur drei Wochen nach Eröffnung 210 der 230 im Salzburger Mirabellgarten aufgestellten güldenen Mozart-Skulpturen von Ottmar Hörl verschwunden sind.

Besprochen werden die bereits vergangenes Jahr in den Hamburger Deichtorhallen gezeigte Franz-Gertsch-Retrospektive "Blow up" im Kunstmuseum Bern (NZZ, mehr hier) und die Marcel-Duchamp-Ausstellung im New Yorker MoMA (Welt).
Archiv: Kunst
Stichwörter: Murdoch, Iris

Film

Im Standard stellt Jakob Thaller die inzwischen in Los Angeles lebenden Grazer Schauspielerzwillinge Bianca und Dilara Foscht vor, deren neuer Film "Manhunt" in Locarno Premiere feiert. Heute startet Christopher Nolans "Odyssee" in China: Für FAZ-Kritiker Mark Siemons eine Probe, "wie universal die Sprache Hollywoods ... in Wirklichkeit ist". Eva Goldbach besucht für die FAZ den Berliner Veranstaltungsort "Silent Green", ein ehemaliges Krematorium im Wedding, wo jetzt auch das "Arsenal"-Kino residiert. Georg Seeßlen schreibt bei Zeit online über die Retrospektive in Locarno mit Filmen der Opfer der sogenannten "blacklist" Joseph McCarthys. Besprochen wird Florian Karners "Finding Connection", der die Partnerqualitäten künstlicher Intelligenzen untersucht (FR).
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Musik

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Shoegaze nennt man Gitarrenmusik der 1980er von scheuen Musikern, die vor lauter Bühnenangst mehr auf ihre Effektpedale starren als ins Publikum. Mit "Still in a Dream" hat der britische Popkritiker Simon Reynolds dieser Musik ein kleines Denkmal gesetzt, erzählt taz-Kritiker Maurice Summen. "So spinnt Reynolds die Geschichte der 1960er-Psychedelia konsequent und zugleich auch progressiv weiter. Aber alle Protagonisten kennen sowohl die peinsame Innerlichkeit der Hippiegeneration als auch den enttäuschenden Ausverkauf des Punks. So wohnt aller Rockmusik von 'Still in a Dream' eine schwere Melancholie inne. Und weil vorherige Undergroundbewegungen mit all ihrem oft esoterischen Aufbruchs- und Ausbruchsgehabe die Welt am Ende nur schlimmer gemacht haben, weiß der lärmende Rock von Sonic Youth, Pixies, Hüsker Dü und My Bloody Valentine auch gar nicht, wohin er eigentlich ausbrechen soll. Wogegen er noch aufbegehren soll! So tritt die introspektive Musik dieser Zeit als Wall of Sound absichtlich auf der Stelle. In einer schrecklichen Welt, in der Mensch wenigstens seinen Träumen trauen möchte - so diffus sie auch immer sein mögen."

Hier "Only Shallow" von My Bloody Valentine als Beispiel. Bitte anschnallen:



Die European Broadcasting Union (EBU) hat gerade die Regeln für den Eurovision Song Contest verändert: Künftig darf der ESC nicht mehr in einem Land stattfinden, das sich im Krieg befindet. Das geht vor allem gegen Israel, glaubt Jan Feddersen in der taz. Aber so schlecht sei der Beschluss am Ende nicht: "Die Regeländerung kommt einer Kränkung der israelischen Pop-Szene gleich, zumal nach dem 7. Oktober 2023. Aber er ist ein Kompromiss, denn vom Tisch ist damit auch ein Ausschluss Israels vom ESC selbst. Die deutsche ARD hat, gewiss dazu motiviert vom Kanzleramt und seinen Kulturverantwortlichen, gut so, schon vor einem halben Jahr erklärt: Ein ESC, der Israel ausschließt, ist einer ohne Deutschland. Das wiederum musste die EBU verhindern. Unschön, ungerecht, aber verstehbar im Sinne des ESC und seiner Erfolgsgeschichte selbst."

Weitere Artikel: Philipp Kohnke, Leiter des "Überschlag"-Festivals in Hannover, erklärt im Interview mit der taz, warum Schlagzeuger Pioniere eines erweiterten Musikbegriffs sind. Tim Caspar Boehme spürt in der taz dem "Sound der Stadt" nach. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht der israelische Popstar Noga Erez über ihre regierungskritische Haltung zu Netanjahu, soziale Medien und ihr neues Album. Dr. Motte trauert im Interview mit dem Tagesspiegel den Zeiten hinterher, als es in Berlin noch "preiswerte Mieten, eine entsprechende Infrastruktur und bezahlbare Lebenshaltungskosten" gab und die Clubs noch einen Stellenwert hatten. In der FAZ stellt Gerald Felber den italienischen Dirigenten Antonello Manacorda vor, der ab 2027 das Originalklang-Ensembles "Les Siècles" übernimmt.

Besprochen werden eine CD von Maya Dunietz & dem Solistenensemble Kaleidoskop: "The Sound of Difference and Connection" (taz), ein Konzert von AnnenMayKantereit in Berlin (Tsp), ein Konzert des West-Eastern Divan Orchestra mit Daniel Barenboim und Yo-Yo Ma in der Waldbühne Berlin (Tsp) und "Ambiguous Desire", elektronischer Dancefloor der Londoner Popkünstlerin Arlo Parks, "ein mutmachendes Album, das sogar in tristen Zeiten Hoffnung spendet", versichert taz-Kritikerin Dagmar Leischow. Wir hören rein:

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Bühne

Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal hatte geplant, seinen Pop-up-Pool für sechs Stunden "exklusiv für Schwarze Communities" zu reservieren, wegen Sicherheitsbedenken wurde die Veranstaltung nun abgesagt. Genau genommen war der Pool für den Verein Eoto, eine Begegnungsstätte für Menschen afrikanischer Herkunft reserviert, korrigiert Gerrit Bartels im Tagesspiegel und kommentiert: "Würde das Geschrei der rechten Medien in Zeiten wie diesen mit den hohen Zustimmungswerten für die AfD vor den anstehenden Landtagswahlen nicht auf potenziell fruchtbaren Boden stoßen, könnte das Ganze nicht lächerlicher sein: Es geht ihnen um die Diskriminierung von Weißen, den Ausschluss von Menschen mit weißer Hautfarbe vom Volksbad. Von Menschen also, die hierzulande Diskriminierung noch nie am eigenen Leib erfahren haben."

Im Seite-1-Kommentar der Welt meint Andreas Rosenfelder hingegen: "Eine temporäre Apartheidsregelung, nur unter umgekehrten Vorzeichen? Nichts könnte die Abgründe, die sich im Diversitätsdenken der urbanen Klasse auftun, besser verkörpern. Oder doch? Die groteske Pointe, dass die Durchführbarkeit der Rassentrennung infrage steht, weil die Duschen 'derzeit nicht funktionsfähig' sind, hätte sich kein zynischer Dramaturg auszudenken gewagt."

Weiteres: Azis Sadikovic, Dirigent der Kinderoper in Bayreuth, erklärt in der FAZ, warum Kinder schon mit Wagner-Opern in Berührung kommen sollten. Besprochen werden das "Theaternatur Festival" in der Waldbühne Benneckenstein im Harz (taz), Josef Maria Krasanovskys Uraufführung von Natalie Baudys Stück "under the influence" bei den Bregenzer Festspielen (Welt, nachtkritik), Susie Wangs "Burnt Toast" auf Kampnagel in Hamburg (nachtkritik), das Stück "Après moi, le Déluge" von (La)Horde & Ballet National de Marseille auf Kampnagel (nachtkritik).
Archiv: Bühne

Architektur

Was mit dem 1972 von Heinz Hilmer und Christoph Sattler am Starnberger See gebauten Wohnhaus von Jürgen Habermas passieren wird, ist weiterhin unklar. Nun aber steht es unter Denkmalschutz. Im SZ-Gespräch mit Jörg Häntzschel erklärt Mathias Pfeil, Bayerns oberster Denkmalschützer, weshalb: "In diesem Fall war es so, dass Habermas bei der Entwicklung des Gebäudes mitgewirkt hat. Er war nicht nur einer der wichtigsten deutschen Philosophen, seine Ideen sind auch eingeflossen in den Entwurf. Der Begriff der Vernunft war wichtig in Habermas' Denken. Und Vernunft ist der Schlüssel zu diesem Gebäude. Es hat Bezüge zu anderen Gebäuden, unter anderem von Le Corbusier, der ja auch so gedacht hat. Aber im Gegensatz zu den Häusern von Le Corbusier ist das Haus von Habermas bewohnbar (lacht). In dem Gebäude kann man in drei Dimensionen erleben, wie Habermas gedacht hat. Es ist im Sinn der Allgemeinheit, dass das bewahrt bleibt. Dafür ist Denkmalschutz da."

Atelier Zafari. Wohn- und Geschäftshaus. Berlin Mitte, nahe Brandenburger Tor. Fotografie: Jan Bitter

Für einen Moment keimt bei Ulf Meyer (FAZ) die Hoffnung auf, dass Bauen in Berlin doch gelingen kann: Der Architekt Sohrab Zafari hat in bester Berliner Lage in der Nähe des Brandenburger Tors ein Wohn- und Geschäftshaus geschaffen, das verdichtet, elegant und bezahlbar ist, staunt Meyer: "Das von Zafari entworfene Haus ist kein plumper Etagenstapel, sondern bietet - auch um soziale Vielfalt zu fördern - zwölf Wohnungen völlig unterschiedlicher Größen, von zwei generösen Maisonettewohnungen mit Dachgarten bis zum Pied-à-terre für Singles reicht das Spektrum. Kein Grundriss wiederholt sich. Zafari hat auch die Innenräume gestaltet - mit weißen Wänden, die das Licht reflektieren. Die auf die Fassaden abgestimmten Terrazzoböden verstärken den Eindruck eines monolithischen Baukörpers, der leicht und massiv, starr und bewegt zugleich wirkt. Zafaris Ziel war es nach eigenem Bekunden, 'nicht nur eine Baulücke zu füllen, sondern auch Lücken zu lassen'."
Archiv: Architektur