Efeu - Die Kulturrundschau

Das arme, heiße Menschenherz verblutet sich

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26.09.2026. Übersetzer Jürgen Ritte kann sich in der SZ nicht vorstellen, dass Thélyson Oréliens Roman "C'était ça ou mourir" von einer KI geschrieben wurde: Er wittert rechte Propaganda. Nachtkritik und SZ lauschen am Münchner Volkstheater der barocken Sprache der "Geierwally" und fragen sich: Kommt das große Gefühl zurück? Litauen ist ein Paradies für Design-Liebhaber, versichert die FAS. Die taz stellt die  Berliner Rapperin Wa22ermann vor. Die Welt besucht die Gwangju-Biennale und die große Immendorff-Retro in Düsseldorf.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.09.2026 finden Sie hier

Kunst

Jörg Immendorff, Café, 1990


"Einer wie er fehlt", seufzt Boris Pofalla (Welt) in der ersten Immendorff-Retrospektive seit langer Zeit, die das Düsseldorfer Museum Kunstpalast ausgerichtet hat. "Der 2007 verstorbene Maler und Bildhauer ist wegen diverser Skandale immer noch ziemlich berühmt, wurde aber lange Jahre kaum noch ausgestellt. Schade. Man ist schnell begeistert von der Bilderfülle, die er hervorbrachte, von der Anarchie und der Lust am Erzählen, Debattieren, Agitieren und Träumen." Nach seiner dadaistisch-maostischen Phase passierte bei Immendorff "etwas Bemerkenswertes", erkennt Pofalla: "Die Malerei verselbstständigt sich. Der Zündfunke wird ein Gemälde des älteren italienischen Künstlers Renato Guttuso. Dessen 1976 geschaffenes monumentales Bild 'Caffè Greco' versammelt im gleichnamigen römischen Traditionscafé lebende und tote Größen des kulturellen Lebens, von Giorgio de Chirico über André Gide, Apollinaire und Buffalo Bill. Auch ein japanischer Tourist und ein Lesbenpaar sind zu sehen. Gegenwart und Vergangenheit schieben sich ineinander. ... Immendorff ist begeistert. Man kann also doch figurativ und interessant malen und politisch denken, man kann über die Dinge des Lebens verhandeln, streiten und debattieren, aber nicht nur in den Lokalen der Düsseldorfer Altstadt, sondern auch in einem imaginären, gemalten 'Café Deutschland'."

"Kunst hat die Kraft, Menschen tiefgründig und dauerhaft zu verändern", zitiert Gesine Borcherdt in der Welt Ho Tzu Nyen, Künstler und Kurator der diesjährigen Gwangju Biennale. Insgesamt scheint ihr die Biennale ein Beweis zu sein, dass der Satz stimmt. "Aus dieser Perspektive betrachtet Ho auch die Basaltbrocken von der Vulkaninsel Jeju als Kunst. Wie knotige Skulpturen tauchen sie durchweg in der Ausstellung auf. In China, Japan und Korea sind Steine seit langer Zeit ein Gegenstand der Versenkung. Als 'Gelehrtensteine' regen sie etwa dazu an, den eigenen Platz im Ganzen zu bedenken. Es ist eine Haltung, die sich in vielen Kunstwerken der Biennale erkennen lässt."

Weiteres: Tobi Müller berichtet in monopol vom Festival Steirischer Herbst in Graz. Besprochen werden die Paul-Signac-Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini (NZZ), eine Ausstellung mit dem grafischen Werk des Bildhauers Gerhard Marcks im Bauhaus-Museum in Weimar (FAZ) und zwei Ausstellungen von Annemirl Bauer im Minsk Kunsthaus in Potsdam sowie in der Galerie im Turm in Berlin (taz, FAS).
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Design

Litauen ist mittlerweile ein Paradies für Design-Liebhaber, schreibt Katharina Pfannkuch (FAS), die durch die Modeszene der litauischen Hauptstadt wandelt und bei "Undress" von Ana Sayicka stehenbleibt. "Ein Blazerkleid mit gewelltem Ausschnitt, ein dunkelgrün schimmerndes Kleid mit tiefem Rückenausschnitt, über den sich glitzernde Bänder ziehen, ein Midikleid mit funkelnden Fransen, die jede Bewegung wie einen Tanz aussehen lassen: 'Jedes Undress-Kleid ist wie ein Flirt', sagt Ana Savicka über ihre Designs. 2015 gründete sie Undress, eine Marke für Kleider für den Tag, vor allem aber für den Abend. (...) Auch wenn die Stoffe aus aller Welt stammten, sei Undress ganz klar eine litauische Marke. 'Wir fertigen alles vor Ort, mit unseren Händen, unserem Know-how und unseren lokalen Herstellern', sagt Savicka. 'Es ist phantastisch, wenn zum Beispiel Menschen in Australien auf uns aufmerksam werden - und dadurch vielleicht auch noch lernen, wo unser Land eigentlich liegt.'"

Außerdem: In der NZZ freut sich Caroline von Loewenich über eine Schenkung von rund 750 Stoffmustern aus der Zürcher Webereiwerkstatt der Bauhaus-Textildesignerin Gunta Stölzl an das Museum für Gestaltung in Zürich.
Archiv: Design
Stichwörter: Litauen, Litauische Mode

Literatur

"Die erste Reaktion? Blödsinn!", erklärt Jürgen Ritte, der den haitianischen Autor Thélyson Orélien übersetzt hat, im Interview mit der SZ. Orélien soll seinen Roman "C'était ça ou mourir" größtenteils mit KI geschrieben haben, weshalb er vom Literaturpreis Goncourt ausgeschlossen wurde (unsere Resümees). Ritte will das nicht ganz glauben. "KI kann unglaublich viel, aber ein solches Buch kann KI nicht schreiben." Statt dessen wittert er eine Attacke von rechts. "Die anonymen Vorwürfe gegen Orélien auf X wurden zuerst vom Figaro und dann von Valeurs actuelles aufgegriffen, dem Hausblatt des rechtsradikalen Rassemblement National. Der freute sich sofort diebisch darüber, dass die Pariser Literaturkritik einem Betrüger auf den Leim gegangen sein soll. Die extreme Rechte pöbelt also gegen die Mainstream-Kultur der französischen Literaturkritik. Nun kam raus, dass hinter dem Account wohl Samuel Fitoussi steckt, ein französischer Autor und Leitartikler für den Figaro. Ich halte ihn für sehr rechts."

In "Bilder und Zeiten" (FAZ) erzählt der Schriftsteller Moshe Sakal von seinem Besuch in Kairo, wo seine Urgroßmutter gelebt hat, bevor sie nach Israel ausgewandert ist. Er bleibt dort ein Tourist (der lieber sagt, er komme aus Paris als aus Israel). "Überhaupt lässt sich schwer sagen, der Besuch in Kairo sei für mich eine 'Suche nach den Wurzeln' gewesen. Ich fand eine fiebrige Stadt, deren allgegenwärtiger Strom nie versiegt - und zugleich eine recht homogene Stadt, völlig verschieden von der, in der meine Großmutter aufwuchs; eine Stadt, deren Bewohner, zumindest im Auge des Übernachtungsgastes, wie aus einem Guss wirken."

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Weitere Artikel: Hennes Flohr spricht in der FAZ mit dem Kriegsfotografen Don McCullin über die moralischen Maßstäbe der Kriegsfotografie. In der SZ sammelt Christine Knödler Lektüren für Erstklässler, zum Beispiel "Viele Grüße aus der Hölle" von Louisa Söllner. Richard Kämmerlings unterhält sich für die Welt mit dem Schriftsteller Ben Lerner über dessen neues Buch "Transkription". Der ukrainische Schriftsteller Artur Dron erklärt Jens Malling in der FAZ, weshalb Europa erstmal weniger Kontakt zur russischen Kultur haben sollte: weil sich gerade alle in Russland schuldig machen. In der taz erzählt die dänische Schriftstellerin Madame Nielsen im Interview mit Lea De Gregorio, wie sie den AfD-Intellektuellen Marc Jongen getroffen hat, um über seine Visionen für Deutschland zu sprechen. Der Rapper und Autor Hendrik Bolz geht mit Bernhard Heckler (SZ) ins Prinzenbad und redet über sein neues Buch "Aus Ruinen". Dirk Knipphals stellt sich in der taz die Frage, ob die Literatur wieder ihren gesellschaftlichen Stand der 1970er-Jahre erreichen kann.

Besprochen werden unter anderem "Die Liebeshungrigen" von Karine Tuil (FAZ), Wolodymyr Jermolenkos "Eine Kultur des Trotzdem" (taz), "Was zählt ein Mensch" von Carolin Emcke (FAS), Franziska Gänslers "Orca" (FAZ), "Selbstregulierung des Herzens" von Peggy Mädler (taz) und "Musik für einen Soldaten" von Artem Tschechisch (FAS). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Andreas F. Kelletat über Juliette Pary "An die Deutschen": 

"Das Liebste, was ich habe,
Es ist auf ewig tot. 
Es liegt verscharrt und vergraben..."
Archiv: Literatur

Bühne

"Die Geierwally" am Münchner Volkstheater. Foto © Arno Declair


Julia Prechsl hat am Münchner Volkstheater "Die Geierwally" nach dem 1875 erschienenen Roman von Wilhelmine von Hillern inszeniert. Seltsames Stück für ein heutiges Publikum, über eine junge Frau, die lieber allein in die Berge zieht, als einen Mann zu heiraten, den sie nicht liebt. So ganz geht die Inszenierung für nachtkritikerin Silvia Stammen auch nicht auf: "Für ihre Inszenierung am Münchner Volkstheater hat Regisseurin Julia Prechsl die barocke und leicht verstiegene Sprache des Originals beibehalten, die Handlung gestrafft und einige der vielen Cliffhanger und vor allem das halbherzige Happy End weggelassen, mit denen der in Fortsetzungen in der Deutschen Rundschau erschienene Roman die Auflage steigern sollte. 'Hoch oben auf dem einsamen Ferner, bei dem steinernen Vater, sitzt wieder das ausgestoßene, einsame Menschenkind', heißt es nun zuletzt... Für derart geschnörkelte Sätze finden Prechsl und die Bühnenbildnerin Jelena Nagorni karge und kontraststarke Bilder: eine luftgefüllte Plastikplane, die sich zum eisigen Gletscher bläht und wieder in sich zusammenfällt, darunter fährt für die Szenen im Dorf ein mit Brettern vernagelter Verschlag aus der Versenkung hoch, in dem sich die Bewohner zu hämischem Chorgeschrei oder dumpfem Techno-Schuhplattler zusammenballen."

Auch SZ-Kritikerin Christine Dössel kann nicht ganz begreifen, warum Prechsl den "Gartenlauben-Ton der Autorin" beibehalten hat. Ist Pathos wieder angesagt? "Der Grundton dieser Neuinszenierung des alten Stoffs ist dadurch mit vollem Ernst ein altmodisch märchenhafter, sprach- und gefühlspathetischer. Klar, dass das dann spielerisch und musikalisch auch gebrochen wird, etwa durch einen herrlich verfremdeten Schuhplattler der Dorfgemeinschaft, aber verwunderlich ist dieses Pathos schon. Gerade weil hier doch lauter junge Leute am Werk sind. Sehr junge sogar, die einen auch mal an Jugendtheater denken lassen."

Weitere Artikel: Das Staatstheater Mainz ist "Opernhaus des Jahres", freut sich in der FR Judith von Sternburg. Rico Brändle unterhält sich für die NZZ mit dem Schweizer Komiker Marco Rima über dessen reaktiviertes Erfolgsmusical "Keep Cool".

Besprochen werden außerdem Sandra Strunz' Adaption von Bertha von Suttners Antikriegsroman "Die Waffen nieder!" am Schauspielhaus Graz (nachtkritik), Ruth Mensahs Inszenierung von Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" am Theater Münster (nachtkritik), Wilke Weermanns Adaption von Jakob Heins Roman "Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste" am Deutschen Theater Berlin (nachtkritik), Lucia Bihlers Choreografie zu "Bernarda Albas Haus" am Düsseldorfer Schauspielhaus (nachtkritik), Stockhausens Oper "Mittwoch aus Licht", mit der Aviel Cahn seine erste Spielzeit als Intendant der Deutschen Oper Berlin eröffnet (NZZ) und die Uraufführung des Tanztheaterstücks "Has Been" von Sidi Larbi Cherkaoui und Martin Zimmermann im großen Cultuurhuis de Warande im flämischen Turnhout (FAZ).
Archiv: Bühne
Stichwörter: Münchner Volkstheater

Architektur

Niklas Maak besichtigt für die FAZ die drei Neubauten Peter Zumthors für die Fondation Beyeler: Mit dem Betonklotz, der sich als das neue, nach dem Sponsor benannte Wyss-Museum herausstellt, kann er nichts anfangen. Dann gibt es noch einen Logistik-Kubus und den Ammann-Pavillon, den Maak ganz zauberhaft findet: "Der verglaste Flachbau ist öffentlich zugänglich; anders als in den beiden Museumsbauten muss kein Eintritt gezahlt werden. Im Inneren treppt sich der Boden in mehreren Plateaus zur Bühne herab, wo am Besichtigungstag ein Pianist den Zweiten Satz, das Allegretto aus Beethovens 7. Sinfonie spielte. Die Stufen des Pavillons können für Konzerte oder Lesungen bestuhlt werden, außerhalb des Programms stehen aber Tische und Sofas bereit, so dass der Pavillon von Besuchern und Anwohnern als großes 'kollektives Wohnzimmer' genutzt werden kann, wie einst die Hansa-Bibliothek von Werner Düttmann in Berlin. Zumthor ist mit dem Ammann-Pavillon eine Antwort gelungen auf die Frage, in welchen Räumen sich eine Gesellschaft versammelt, in der durch die Digitalisierung Arbeit und das Leben mit Familie und Freunden neu organisiert werden kann." Bei monopol schwärmt Silke Hohmann von den drei Neubauten.

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In "Bilder und Zeiten" (FAZ) stellt Andreas Platthaus eine Buchreihe vor, deren erster Band, zur Architektur Rotterdams, Jugendlichen ihre Stadtgeschichte nahe bringen soll. Dazu wird das Buch kostenlos an Schulen verteilt: "'Metro 010' heißt es (nach der Telefonvorwahl von Rotterdam), und beim Aufblättern könnte man es für einen Comic halten, denn der Großteil besteht aus einer Stadtgeschichte Rotterdams, die als gezeichnete Zeitreise zweier junger Protagonisten erzählt wird. 'Aber das Projekt ist viel mehr als eine Graphic Novel', korrigiert Schindler. Das fängt damit an, dass sie als Koordinatorin und Gestalterin des Buchs gleich zwölf Illustratoren auf einmal gewonnen hat, um eine große Stilbandbreite zu bekommen und damit für jeden Geschmack etwas zu bieten. Diesen Zeichnern wies sie dann jeweils eine Episode zu, deren historisches Setting zu ihren grafischen Vorlieben passte. Und die Ausweitung des Konzepts einer Graphic Novel findet ihre Fortsetzung im Bemühen, so viele Erzählformen wie möglich zu bieten. 'Metro 010' besteht deshalb neben den Comic-Kapiteln aus historischen Abrissen, Stadtplänen, Fotostrecken, Gedichten und ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Faktenhäppchen." Für Berlin war übrigens auch so ein Buch geplant worden, wurde aber aus Kostengründen wieder abgesagt, bedauert Platthaus.
Archiv: Architektur

Film

Wie soll die Öffentlichkeit über einen Film diskutieren, den es offiziell noch gar nicht zu sehen gibt, fragt sich Tim Caspar Boehme in der taz in Hinblick auf den Dokumentarfilm "Naza" von Yuval Abraham und Rachel Szor (unsere Resümees). Irgendwie hat er es offenbar trotzdem geschafft. Er hätte sich mehr journalistische Sorgfalt gewünscht: "In Zusammenhang mit dem Vorgehen des Militärs fällt an einer Stelle auch das Wort 'Genozid'. Dieses äußert der Befragte wohlgemerkt nicht direkt, vielmehr bestätigt er diese Bewertung, nachdem ihm Abraham das Wort mit seiner Frage in den Mund gelegt hat. Journalistisch gesehen ist das eine Suggestivfrage. Da der Film mit seinem einheitlichen Setting überdies den Eindruck der Gleichzeitigkeit erweckt und keinen Hinweis darauf gibt, wann die einzelnen Gespräche im Verlauf der drei Jahre geführt wurden, erscheinen seine Informationen wie ein einziges Dokument der unvermindert massiven Gewalt, die die IDF gegenüber der Bevölkerung im Gazastreifen ausüben. Dass es auch hier eine Entwicklung gab, bei der die Schläge nach dem Waffenstillstand von Oktober 2025 deutlich vermindert wurden, erwähnt der Film nicht."

"Das geträumte Abenteuer" von Valeska Griesbach

Im Film "Das geträumte Abenteuer" der Regisseurin Valeska Grisebach geht es um eine Archäologin, die in der bulgarisch-griechisch-türkischen Grenzregion während ihrer Arbeit dort in dubiose Geschäfte verstrickt wird. Der Film hat eine durch und durch europäische Perspektive, aber von den Rändern Europas aus, schreibt Bert Rebhandl in der FAS. Laut Grisebach hatte der französische Regisseur Maurice Pialat großen Einfluss auf sie, weil er "das Prinzip Neunzigminutenfilm" durcheinanderbrachte. "'Das hat mich sehr beeindruckt, weil es viel mit einem Im-Moment-Sein zu tun hat. Wie eine Verbindung in die Unordnung des Lebens.' Für diese Verbindung nimmt sich 'Das geträumte Abenteuer' fast drei Stunden Zeit, die aber nicht lang wirken - wie es eben in Träumen ist, in denen Zeit nie so richtig zu greifen ist. Valeska Grisebach hat nun zwei große deutsche Filme über Bulgarien gemacht und damit über das neue Europa, das aus dem Fall der kommunistischen Regimes heraus entstanden ist. Gelegentlich wird sie dafür kritisiert, aus dem Zentrum heraus, aus dem reichen Deutschland, eine Peripherie zu konstruieren. Aber das ist ein schematischer Vorwurf, den 'Das geträumte Abenteuer' jederzeit konkret entkräftet."

Weitere Artikel: Andreas Kilb erinnert in der FAZ an die kürzlich gestorbene Schauspielerin Marina Vlady. Der Regisseur Visar Morina spricht im taz-Interview mit Thomas Abeltshauser über seinen Film "Von Scham und Geld". Der Regisseur Richard Linklater wurde auf dem Zurich Film Festival für sein Lebenswerk geehrt, schreibt Tobias Sedlmaier in der NZZ.

Besprochen werden unter anderem: David Ayers "Eiserne Wildnis" (SZ), "Primetime" von Lance Oppenheim (Tagesspiegel) und der südkoreanische Film "Hope" von Na Hong-jin (critic.de).
Archiv: Film

Musik

An sommerlichen Donnerstagabenden stehen die Menschen laut Daniel Völzke (Monopol) Schlange, um bei der Techno-Sause "Berlin Beats" am Hamburger Bahnhof dabei zu sein. Das finden Tresor-Gründer Dimitri Hegemann und Clubcommissions-Vorstand Marcel Weber nicht so lustig, vor allem, weil das Angebot kostenlos ist. Völzke kann die Kritik nicht verstehen, zumal der Tresor donnerstags gar nicht geöffnet sei: "Der ungute Eindruck, dass hier einfach missgünstig auf vermeintliche Konkurrenz geschaut wird, bleibt auch beim Blick auf die Lösungsvorschläge der beiden. 'Es verlangt niemand, dass sie die Reihe einstellen', meint Hegemann gönnerhaft. Doch bringt er einen freiwilligen Spenden- oder Soli-Beitrag von zwei bis drei Euro pro Veranstaltung ins Spiel. ... Dieser unnötig angezettelte Streit zeigt jedoch, wie wenig Generosität sich Berlin noch leistet. Die Verteilungskämpfe um das Wenige, was diese Stadt überhaupt zu bieten hat, haben längst begonnen. Dabei war Großzügigkeit immer der Boden, auf dem Kunst und Clubs hier gediehen sind."

Ann-Kathrin Leclere stellt uns in der taz die Berliner Rapperin Wa22ermann vor. Die beschäftigt sich mit allem, was einen Berliner Rapper so beschäftigen muss: Gewalt, Drogen und Armut. "Bis kurz vor ihrer ersten Tour, rappt sie, habe sie ihre künstlerische Absicht privat verheimlicht. Da hingen bereits ihre Plakate an den Werbetafeln der U-Bahn. Aus diesen Erfahrungen speist sich der seelische 'Knax', man hört ihn der Musik an. Das schafft Wa22ermann auch durch ihre feste Stimme, bei der es sich für Zuhörende so anhört, als säßen sie direkt neben ihr, bei einer Therapiesitzung. Aus der trübseligen Stimmung wird jedoch bald Wut, so wie wir es von vielen Berlinerinnen derzeit kennen."



Weitere Artikel: Volker Schmidt besucht für die FR das Konzert von Alison Moyet in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Elmar Krekeler trifft für die Welt den Bratschisten Manfred Honeck, der Dirigenten für gar nicht mal so wichtig hält. Rabea Weihser freut sich auf Zeit Online, dass die Back Street Boys in Düsseldorf zehn Konzerte spielen und "Back Streets Back, alright" mit ihren Fans kreischen. Christiane Peitz ist im Tagesspiegel ganz verzückt von einem Auftritt des Rias Kammerchors und des DSO mit Requiems von Alfred Schnittke und Maurice Duruflé.

Besprochen werden: "Bilderbuch" von Uche Yara, "Hermanos Gutiérrez" von Estevan und Alejandro Gutiérrez und Taylor Swifts "The Life of a Showgirl: The Encore" (alle SZ).
Archiv: Musik
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