Efeu - Die Kulturrundschau

Von gewaltigen Fanfaren ornamentiert

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.11.2025. Die Filmkritiker applaudieren Kleber Mendonça Filhos Noir-Thriller "The Secret Agent" über die brasilianische Militärdiktatur, der eine Gesellschaft am Abgrund zeigt. Die FAS skizziert die Kampagne der politischen Rechten in Israel gegen Shai Carmeli-Pollaks Film "Das Meer". In der deutschen Nachkriegsgeschichte drohte nie ein neuer Faschismus, konstatiert der Schriftsteller Peter Schneider in der Welt. Die FR bewundert in Frankfurt farbprächtige Comics aus Afrika. Und alle feiern das neue Album von Florence and the Machine.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.11.2025 finden Sie hier

Film

Geheimagent Marcelo in Kleber Mendonça Filhos "The Secret Agent"

Voll des Lobes sind die Feuilletons für Kleber Mendonça Filhos "The Secret Agent", der im Jahr 1977 spielt, zu Zeiten der brasilianischen Militärdiktatur. Im Zentrum steht Marcelo, ein Agent mit linker Vergangenheit. Vor allem, so Richard Kämmerlings in der Welt, brilliert der Noir-Thriller als Porträt einer Gesellschaft am Abgrund: "Die Solidarität und Menschlichkeit der verfolgten Opfer und ihrer selbstlosen Helfer bildet das Gegengewicht zu der restlos kaputten Sphäre von Politik und Medien. Der Karneval symbolisiert das Chaos, in dem die Vernunft eines Technikers wie Marcelo unterzugehen droht, die von Abgründen der Gewalt bedrohte Zivilisation. 'Ordem e Progresso', 'Ordnung und Fortschritt', lautet die Losung auf der brasilianischen Nationalflagge, die hier nur zynisch wirkt. Tatsächlich sind die Menschen getrieben von ihren Ängsten, ihrer Gier und irrationalen, postfaktischen Überzeugungen. Als Running Gag geistert ein abgeschnittenes, menschliches Bein durch den Film, das im Maul eines Hais gefunden wurde."

Bert Rebhandl trifft sich für die FAS mit Mendonça Filho und fragt ihn unter anderem nach der Bedeutung der Stadt Recife für seine Filme. Der Regisseur erläutert: "Recife war immer schon eine Stadt der Avantgarde. Hier gab es die erste juristische Ausbildung in Brasilien, hier gab es frühe Filmbewegungen." Rebhandl selbst ist ebenfalls außerordentlich angetan vom Film - und interpretiert ihn zumindest mit Blick auf die Rolle des Karnevals ganz anders als Kämmerlings: "Gegen die Identitätspolitik von rechts setzt 'The Secret Agent' auf eine Heterogenität, die im Karneval ihren höchsten Ausdruck findet." In der taz spricht Thomas Abeltshauser mit dem Regisseur.

Christian Meier zeichnet in der FAS die Kontroversen um Shai Carmeli-Pollaks "Das Meer" nach. Der Film über einen palästinensischen Jungen, der sich in Richtung Meer aufmacht und dessen Vater, der sich um seinen Sohn Sorgen macht, startet demnächst in den israelischen Kinos und muss sich schon im Vorfeld einer Kampagne von Seiten der politischen Rechten erwehren. Dabei hat Carmeli-Pollak keine politische Kampfschrift verfilmt, sondern setzt, in der Tradition des Neorealismus, auf universelle Werte. "Gleichzeitig", stellt Meier klar, "sind die Besatzung und die damit einhergehende Gewalt in 'Das Meer' stets präsent, auch wenn sie im Hintergrund bleiben. Je mehr der Film auf der Oberfläche so tut, als erzähle er eine Geschichte ohne nennenswerte Eskalation, desto mehr wird die Unnatürlichkeit der Besatzungssituation dadurch erst richtig scharf gestellt. (...) Die politische Botschaft von 'Das Meer' lautet: Selbst wenn alles vergleichsweise gut geht, bleibt doch eine grundlegende Ungleichheit zwischen Israelis und Palästinensern bestehen."

Außerdem: Sigrid Weigel beschäftigt sich in der FAS mit einem unverfilmten Drehbuch Pier Paolo Pasolinis, das sich um den Apostel Paulus dreht. Die Filmredaktion der Presse schaut sich diverse Filme und Serien zum Thema Beerdigungen an. Ebenfalls in der Presse unterhält sich Patrick Heidmann mit Ben Stiller über dessen neuen Film "Stiller & Meara: Nothing Is Lost", der sich den Eltern des Filmemachers widmet. Im Tagesspiegel wiederum spricht Kai Müller mit Richard Gere. Noch ein Interview: Jan Küveler redet in der Welt mit "Predator: Badlands"-Regisseur Dan Trachtenberg. Marius Nobach würdigt im Filmdienst den Stummfilmkomiker Max Linder zu dessen 100. Todestag. Die aktuelle Folge des critic.de-Podcasts "Framing" widmet sich Filmen von Paul Thomas Anderson, Kelly Reichardt und Kathryn Bigelow.

Besprochen werden Luc Bessons "Dracula" (Standard) und Yorgos Lanthimos' "Bugonia" (critic.de, artechock).
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Kunst

Die 6. Kyiv Biennale findet aktuell unter dem Motto "Near East, Far West" in Warschau statt und der FAZ-Kritiker Bernhard Schulz findet den Titel klug gewählt, zeigt die Schau doch, wie sehr die gegenwärtigen Weltkonflikte miteinander verwoben sind: "So sind die Ruinenfragmente von der ukrainischen Frontlinie, die der in Kiew gebürtige Nikita Kadan unter dem Titel 'Ruhe im Klassenzimmer' auf schlanke Gestelle platziert und zu einem bildhauerischen Ensemble von hohem ästhetischen Reiz arrangiert hat, die Zeugnisse der fürchterlichen Zerstörungskraft heutiger Waffen, gleich wo sie eingesetzt werden. Die Schwarz-Weiß-Fotografien, die Documenta-Teilnehmer Artur Żmijewski vom Denkmal auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof seiner Vaterstadt Warschau gemacht und dann zu der Arbeit 'Recomposition 2024-2025' überblendet hat, lassen dessen konkrete Aussage als Erinnerung an eben die Armee der Sowjetunion verschwinden. Was bleibt, ist die latente Gewalt, die jedem Kriegsdenkmal eigen ist, gelte es den Siegern oder den Opfern."

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Farbprächtige Fantasiewesen und -landschaften strahlen Sylvia Staude (FR) von den Wänden des Weltkulturenmuseums in Frankfurt entgegen - und doch geht es auch immer politisch zu in der Schau "Sheroes", die sich Comic-Kunst aus Afrika widmet. Etwa im Sachbuch-Comic "Crossroads", "mit dem trotzigen Untertitel 'I Live Where I Like'. Crossroads hieß eine Siedlung in Kapstadt, dort lebende Frauen organisierten sich in den 1970ern, also im Apartheidsregime, mit Erfolg gegen die Zerstörung der Siedlung, die Vertreibung und für bessere Bildung und guten Wohnraum. Die südafrikanische Historikerin Koni Benson hat über Crossroads und den mutigen Aufstand der Frauen geforscht, sich dann mit Zeichnern zusammengetan, um dieses historische Ereignis so munter zu erzählen, dass es jeder und jede anschauen und lesen möchte."

In der FAS läutet der Schriftsteller Alexander Schimmelbusch ein "neues Zeitalter der Worte" ein, denn dank Künstlicher Intelligenz reiche es künftig, nur noch die Idee zu einem Kunstwerk zu formulieren: "Schon bald wird auf dem Campus einer jeden Kunsthochschule ein prachtvoller Universal-Generator stehen, der auf Sprachbefehle der Studentinnen hin Resultate in Wachs, Fiberglas, Stahl, Bronze, Gummi, Ton und Porzellan wird liefern können und natürlich in Marmor, das geht schon heute, da Jeff Koons mit seinen Technikern den Prototyp einer Maschine entwickelt hat, die mit seinen Ideen gefüttert werden und dann meterhohe Skulpturen aus tonnenschweren Steinblöcken fräsen kann, mit einer Präzision im Detail, die jenseits der Fertigkeit eines jeden menschlichen Bildhauers liegt - man siehe nur die Wogen aus bauschigen Tüllfalten im Tutu seiner 'Pink Ballerina'."

Weitere Artikel: Für die Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ besucht Leander Berger die Comic-Zeichnerin Anna Haifisch in Leipzig. Ebenfalls auf den Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ erzählt Georg Imdahl, wie er versuchte Bruce Nauman in Berlin zu treffen. Die Choreografin Florentina Holzinger wird Österreich bei der Kunst-Biennale in Venedig vertreten, meldet der Tagesspiegel.

Besprochen werden außerdem die Ausstellung Mario Schneiders Bildband "New York Short Stories" (FAZ), die Biennale in Istanbul (Welt, mehr hier) und und die große Gerhard-Richter-Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton in Paris (NZZ, mehr hier).
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Literatur

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Der Schriftsteller Alexander Schimmelbusch trifft sich für die Welt mit seinem Freund, dem Schriftsteller Peter Schneider, der einst zu den prägenden Köpfen der deutschen Studentenbewegung gehörte und dessen neuer Roman "Die Frau an der Bushaltestelle" von seiner großen Liebe Isabel und den rebellischen 68ern handelt. Von der RAF distanziert er sich allerdings deutlich: "Ich habe nie in die Richtung tendiert, dass wir jemanden umbringen müssen, damit wir hier was in die Gänge bringen oder so. Das hat mir nie eingeleuchtet, daran habe ich immer Kritik geübt, auch an Rudi Dutschke, der von Präfaschismus sprach. Die BRD war aber eine postfaschistische Gesellschaft, in der die ganzen Nazis noch herumwerkelten. Das ist eine ganz andere Analyse, als wenn zu fürchten ist, wir müssen den neuen Faschismus aufhalten. Das war immer falsch. Es war nie der Fall, dass ein neuer Faschismus gedroht hätte. Kein einziges Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte."

Außerdem: Jens Ulrich Eckhard grübelt in der Welt über Pier Paolo Pasolinis Tod nach, Dominik Straub tut es ihm im Standard gleich. Ebenfalls in der Welt verneigt sich Tilman Krause ein weiteres Mal vor Rainer Maria Rilke. Tobias Rüther spricht in der FAS mit Frank Schätzing darüber, weshalb dessen neues Buch "Spaceboy. Über David Bowie. Und über mich" mehr von Frank Schätzing als von David Bowie handelt. Detlev Schöttker zeichnet ebenfalls in der FAS ausführlich wechselseitige Verbindungen und Abneigungen zwischen Armin Mohler, Ernst Jünger und Thomas Mann nach. In der FAZ gratuliert Volker Reiche den Gewinnern des "Strizz"-Literaturpreisrätsels. FAZ-lerin Sandra Kegel besucht T.C. Boyle in dessen Anwesen im kalifornischen Montecito und plaudert mit ihm unter anderem über Trump.

In der Frankfurter Anthologie widmet sich Christian Metz diesmal Versen von Ursula Krekel: "Der Denkende kommt zu spät, wenn er sagt: Ich denke / dachte ich, oder das Denken hat ihm einen Streich gespielt".

Besprochen werden unter anderem Albert Ostermaiers "Die Liebe geht weiter" (FAZ), Fabian Andinas "Sechzehn Monate" (FAZ), Kaśka Brylas "mein vater der Gulag die krähe und ich" (FR), Dorothy Thompsons "Das Ende der Demokratie" (FAS), Florian Illies' "Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary" (FAZ) und Sibylle Bergs "PNR: La Bella Vita" (Welt). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
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Bühne

Szene aus "Goodbye Berlin". Foto:Thomas Aurin

Zum Abschied inszeniert die scheidende Choreografin Constanza Macras an der Volksbühne das Stück "Goodbye Berlin", freilich nach Christopher Isherwoods Roman "Good bye to Berlin", weiß Nachtkritikerin Gabi Hift, die trotz Tanznummern von barfüßigen Nymphen, akrobatischen Ohrfeigenorgien und düsteren Technosounds nicht ganz glücklich mit der Inszenierung wird, denn "von der Faszination, die vom Vergnügungsfieber der Weimarer Republik ausgeht, erwischt er nur einen kleinen Zipfel. Alles hat einen mild ironischen touch. Die bei Isherwood so schillernd gezeichneten Figuren sind bloße Karikaturen. Von der Gier nach Ekstase, der grellen Grausamkeit, der erschreckenden Groteske bleibt beim Nachtanzen der Nummern von damals nur mittelprächtiges Amüsement. Woran liegt das? Vielleicht ist die Truppe zu sehr fixiert auf die Parallelen zum heutigen Berlin. Zu sehr darauf aus zu mahnen, dass wir auf eine ähnliche Situation wie damals zusteuern."

Ähnlich urteilt Tobi Müller bei monopol: "Noch sehen wir historische Choreografie der Ausdruckstänzerin Mary Wigman, schon ist von Leni Riefenstahl die Rede, da dreht sich schon das Drehbühnenelement und auf der Rückseite turnen Tänzerinnen in Fetisch- und SM-Lederzeug zu hartem Techno. Diese Szene wiederholt diese Drehung viele Male, damit auch der letzte merkt: Oh, Kunst und Faschismus, ein Problem, und tragen die sexpositiven Berliner Clubs wie Kit Kat oder Berghain daran sogar eine Mitschuld?"

Weitere Artikel: Seit Shermin Langhoffs Intendanz am Berliner Maxim Gorki Theater sind die deutschen Ensembles diverser geworden, stellt Eva Behrendt in der taz erfreut fest. Aber gilt das auch für Besetzungen in Kino, Fernsehen und Streamingdiensten, will Behrendt unter anderem von der Berliner Casting-Direktorin Suse Marquardt wissen, die allerdings betont, zunehmende Diversität läge weniger am Gorki-Theater als daran, "dass sich seit den 1990er und nuller Jahren immer mehr Menschen aus Migrationsfamilien in entsprechenden künstlerischen Ausbildungen und Berufen etablieren." Für den Tagesspiegel porträtiert Sandra Luzina den spanischen Choreografen Marcos Morau, dessen Stück "Wunderkammer" gestern im Schillertheater Premiere feierte. Für die Welt trifft sich Boris Pofalla mit der Schauspielerin Bibiana Beglau, die derzeit als "Tartuffe" in einer Inszenierung von Barbara Frey auf der Bühne steht.

Besprochen werden außerdem der Auftakt des zehnten Tanzfestival Rhein-Main in Darmstadt (FR), eine Gedenkveranstaltung im Frankfurter Schauspielhaus, die an die Bühnenbesetzung einer jüdischen Gruppe erinnert, die 1985 anlässlich der dort geplanten Uraufführung von Rainer Werner Fassbinders Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod" stattgefunden hat (FR), Wilfried Fiebigs Stück "Von Troja nach Gaza" am Frankfurter Gallustheater (FR), Antú Romero Nunes' Shakespeare-Inszenierung "Was ihr wollt" am Berliner Ensemble (nachtkritik), Johnanna Wehners Schnitzler-Inszenierung "Traumnovelle" am Wiener Volkstheater (nachtkritik) und "Rabatz! ein komischer Abend von Herbert Fritsch und Ensemble" am Schauspielhaus Köln (nachtkritik).
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Stichwörter: Volksbühne Berlin

Architektur

Am heutigen Samstag wird das etwa eine Milliarde Euro teure Grand Egyptian Museum von Heneghan Peng Architects in Kairo eröffnet, aber Anne Allmeling war für die NZZ schon vor Ort. Und sie ist überwältigt: "Aus dem Wüstensand erhebt sich das Grand Egyptian Museum (GEM) wie eine Pyramide: majestätisch, geometrisch, überdimensioniert. Schon von außen lässt das Gebäude erahnen, was es verbirgt: jahrtausendealte Schätze aus dem alten Ägypten. Das Thema der Pyramide spiegelt sich bereits in der Architektur: Große goldene Dreiecke schmücken die Mauern. Eines von ihnen fungiert als Eingang in das größte Museum der Welt, das einer einzigen Zivilisation gewidmet ist. (…) Vom Foyer aus führen breite Stufen in den oberen Teil des Museumsgebäudes. Die Treppe mit Statuen berühmter Herrscherinnen und Herrscher wie Hatschepsut, Echnaton und Amenhotep III. symbolisiert eine Reise in die Ewigkeit: Um die Wiedergeburt zu ermöglichen, legten die altägyptischen Herrscher Wert auf steinerne Abbilder, kunstvolle Sarkophage und aufwendige Tempelanlagen."
Archiv: Architektur
Stichwörter: Grand Egyptian Museum, Kairo

Musik

Einen großen Wurf legt die Band Florence + the Machine mit ihrem neuen Album "Everybody Scream" vor, findet Zeit-Online-Autor Torsten Groß. Frontfrau Florence Welch verarbeitet diesmal vor allem ein persönliches Trauma: eine Fehlgeburt, die sie nur mit knapper Not überlebte. Herausgekommen ist musikalische Wucht ohne Ende. Der Song "Drink Deep" etwa ist "eine wirkmächtige Beschwörung mit dramatischen Wehklagen in den von gewaltigen Fanfaren ornamentierten Refrains, die als moderne Dorian-Gray-Abhandlung in Songform funktioniert. Pop als verwunschener Zaubertrank, drunter macht Florence Welch es nicht: In dem Liedtext erzählt Welch davon, wie alle anderen Leute aus ihrem persönlichen Umfeld älter werden, Kinder bekommen, ihr Leben führen, sie selbst hingegen einfach immer weiter der Popstar bleibt - ausgesaugt wie von einem Vampir in den alten Horrorsagen."

Auch Nadine Lange (Tagesspiegel) hält sich gern in Welchs düsteren Soundscapes auf: "Auf 'Everybody Scream' packt Florence Welch noch mehr Düsternis in ihren Markenzeichen-Sound, lässt mythische Elemente einfließen, spielt mit Mittelalterbezügen. Sie selbst nennt das Doom Folk. Es ist kein Zufall, dass die Platte, an der unter anderem Mitski, Mark Bowen von Idles und Aaron Dessner von The National mitwirkten, an Halloween erscheint. So lädt die Sängerin zusammen mit einem weiblichen Chor zum 'Witch Dance', der mit einer spannungsgeladenen wogenden Dramaturgie in den Bann zieht und entfacht im Finale von 'Sympathy Magic' einen wild lodernden Synthie-Scheiterhaufen."

Man höre selbst:



Ein anderes tolles Album stellt Mathis Raabe auf Zeit Online vor: Oklous "Choke enough" arbeitet mit den Werkzeugen des Hyperpop a la Charlie XCX und macht daraus etwas anderes, eigenes. Im Refrain des Songs "obvious" etwa "setzt ein knarzender Bass ein, und ein heller Synthesizer, der entfernt an ein Blasinstrument erinnert, spielt eine Melodie, die so ähnlich auch in einem EDM-Track vorkommen könnte. Ganz klar sind das Versatzstücke von Clubmusik. Aber nie setzt ein ganzer Drum-Beat ein, und alles klingt ein bisschen dumpf und weit weg, so als würde die Party unter Wasser stattfinden, oder eher noch: in einem Traum. Nur Oklous Stimme klingt nah und beruhigend, so als würde sie einen an der Hand durch die Traumdisco leiten und auch sagen, dass es gar nicht schlimm ist, dass man peinlicherweise seinen Schlafanzug anhat."

Auch da hören wir rein:



Außerdem: Detlef Diederichsen blickt in der taz wieder zurück in die Popmusikgeschichte und schreibt über die "Dämmerung der Majors". Ljubiša Tošić schaut im Standard voraus auf das Festival "Wien Modern". Wilhelm Sinkovicz berichtet in der Presse vom 125. Geburtstagskonzert der Wiener Symphoniker im örtlichen Musikverein. Jürgen Kesting empört sich in der FAZ über allgegenwärtige Phrasen der Marke "Musik ist Emotion pur" in der Musikpublizistik - die längst nicht mehr nur in PR-Texten zu finden sind, sondern auch die Musikkritik heimsuchen.

Besprochen wird außerdem Tame Impalas Album "Deadbeat" (taz; "der geile Wumms wird mitten im Song zerstört durch Ambient-Gewaber, irgendwann folgt dann wieder Unz Unz Unz, aber der Flow ist flöten gegangen").
Archiv: Musik