Efeu - Die Kulturrundschau

Um des Vergnügens willen

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.09.2024. Die NZZ hebt ab bei Bayreuth Baroque: Countertenortriller mit nacktem Unterleib und unerhört reich kolorierten Gefühlsausbrüchen. Da kann Jan-Christoph Gockels Frankfurter "Faust"-Inszenierung nicht ganz mithalten. Die FR schwingt die Hufe zur comichaften Tanzmusik von Los Bitchos. Die Filmkritiker begutachten Francis Ford Coppolas selbstfinanziertes Alterswerk "Megalopolis" - für die Welt ein Meisterwerk des Scheiterns. Die taz besucht das das Literaturfestival Meridian Czernowitz. Die NZZ feiert mit Matisse das Glück des Lebens.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2024 finden Sie hier

Kunst

Henri Matisse, La fenêtre ouverte, Collioure (Das offene Fenster), 1905. National Gallery of Art, Washington, D. C.


NZZ-Autor Philipp Meier zeichnet anlässlich der großen Matisse-Retrospektive in der Fondation Beyeler den künstlerischen Lebensweg Matisse' nach, der ein glattes Gegenprogramm zur herrschenden Kunstauffassung heute bietet, weil der Maler sich irgendwann entschied, dass Kunst nur dazu dienen sollte, "das Glück des Lebens zu feiern. Und dies ganz im Sinn eines L'art pour l'art, wie es Baudelaire imaginierte. Die Poesie habe keinen anderen Zweck als sich selbst, war dieser überzeugt: 'Sie kann keinen anderen haben, und kein Gedicht wird je so groß, so edel, so wahrhaft seines Namens würdig sein wie das Gedicht, das einzig um des Vergnügens willen, ein Gedicht zu schreiben, geschrieben wurde.' Diese Definition trifft auch auf das Werk von Matisse zu - eine Kunst, die schließlich im reinen Ornament ihre Vollendung fand. In seinen späten Scherenschnitt-Kompositionen - insbesondere der ikonischen 'Nu bleu'-Serie - befreite er nicht nur den weiblichen Akt aus seiner ihn einschließenden Umgebung zu einer autonomen und beinahe abstrakten Bildsprache. Der ganzen überbordenden Entfaltung der Welt ließ er nun gleichsam ihren freien Lauf in wuchernden Scherenschnitt-Bildern voller Akrobaten, Tanzenden, Badenden und Masken, mit Blumen- und Pflanzenmotiven."

Weitere Artikel: Der Standard unterhält sich mit der schweizerisch-österreichischen Künstlerin Nives Widauer über ihre Illustrationen zur Standard-Spezialausgabe zur österreichischen Nationalratswahl. Die FAZ unterhält sich mit dem Fotografen Sebastiao Salgado über KI-Kunst, die er wenig überraschend als seelenlos empfindet.
Archiv: Kunst

Film

Adam Driver in "Megalopolis". Regie: Francis Ford Coppola

Der baldige Kinostart von Francis Ford Coppolas selbstfinanzertem Alterswerk "Megalopolis" wirft seine Schatten voraus. Mariam Schaghaghi und Peter Körte zeigen sich in der FAS auch Monate nach der zwiespältig aufgenommenen Cannes-Premiere (siehe hier) wenig begeistert von dem Film, in dem Adam Driver als Cesar Catilina eine Stadt der Zukunft entwirft: "Dynamik will aus der dramatischen Konfrontation nie recht entstehen, es bedarf auch einiger haarsträubender Plotwendungen, um das Ganze auf Kurs zu halten. Es ist sehr leicht, den Film zu verreißen, und sehr schwer herauszudestillieren, worauf Coppola hinausgewollt hat mit dieser Fabel, die er offenbar als Höhepunkt seines Werks entworfen hat. Ein Gemenge aus Bildzitaten, dekontextualisiertem Bildungsgut, Visionen von gestern und ein paar vagen Gedanken zu einem neuen urbanen Zusammenleben." Andreas Rosenfelder erklärt den Film derweil in der Welt zu einem "Meisterwerk des Scheiterns und beantwortet einige selbstgestellte Fragen zu dem umstrittenen Werk.

Mariam Schaghaghi hat Coppola außerdem über den Film interviewt, ebenfalls für die FAS. Unter anderem plädiert der Regisseur dafür, hoffnungsvoller in unsere gemeinsame Zukunft zu blicken: "Wir können das Genom entschlüsseln, wir können DNA spalten und neu zusammensetzen, wir können ein Raumschiff den Mars fotografieren lassen. Welches Lebewesen sonst kann das? Nur wir. Warum sind wir dann nicht voller Freude und Vorfreude auf die Welt? Es gibt kein Problem, das wir nicht lösen könnten, wenn wir uns nur dafür einsetzten."

Robert Atzorn und Christine Buchegger in Ingmar Bergmans ZDF-Fernsehfilm "Aus dem Leben der Marionetten"


In die Film-, beziehungsweise Fernsehgeschichte zurück blickt derweil Maria Wiesner für die FAZ. Und zwar gräbt sie einen ZDF-Fernsehfilm aus dem Jahr 1980 aus, bei dem niemand geringeres als Ingmar Bergman Regie führte. "Aus dem Leben der Marionetten" erweist sich als ein schmerzhafter Film über die Unmöglichkeit der Liebe. Und schaut dabei fantastisch aus: "Bergmans langjähriger Kameramann Sven Nykvist, den der Regisseur für die Dreharbeiten in München aus Schweden einfliegen ließ, inszeniert das mit klug gesetzter Lichtführung. Harsch ausgeleuchtet hängen die Tränensäcke unter den Augen des Psychiaters, die sich bemühen, Betroffenheit zu heucheln. Zart zeichnet ein dunkler Pelzmantel eine Vignette um das Gesicht der Mutter; während sie tränenreich von den Kindheitsneurosen des Mörders berichtet, erzählt der Kragen von ihrer sozialen Herkunft. Und wenn schließlich Katarinas schwuler Kollege Tim von der Angst vor dem Älterwerden und seinen sexuellen Eskapaden berichtet, schaut er dabei nicht sie an, sondern betrachtet sein eigenes Gesicht im Spiegel."

Weitere Artikel: Bert Rebhandl portraitiert für den Standard Demi Moore, die derzeit mit dem Horrorfilm "The Substance" für Furore sorgt. In der FAZ ist Rebhandl mit einem weiteren Text vertreten, über die Verleihung einer Ehrendoktorwürde an Arnold Schwarzenegger, bei der Robert Habeck die Laudatio hielt.

Besprochen werden Aslı Özarslans "Ellbogen" (Standard), das Horrorfilm-Remake "Speak No Evil" (Standard), der Horrorfilm "The Substance" (SZ), Julia von Heinz' "Treasure - Familie ist ein fremdes Land" (taz), Laura Luchettis "Der schöne Sommer" (critic.de) und Yasemin Şamderelis "Samia" (Welt).
Archiv: Film

Bühne

Eröffnungsszene der "Ifigenia in Aulide" bei Bayreuth Baroque. Foto: Clemens Menser

In der NZZ stellt Eleonore Büning das Festival Bayreuth Baroque und dessen Intendanten, den Countertenor und "Gesamtkunstwerker" Max Emanuel Cenčić vor. Der hat gerade eine Oper des neapolitanischen Komponisten und Kastratentrainers Nicola Antonio Porpora ausgegraben, "Ifigenia in Aulide", in der er den Agamemnon singt - auch mal unten ohne. Tolles Stück, findet Büning: "Nicola Porpora hat seine Seria-Oper 'Ifigenia' anno 1735 auf Brillanz angelegt. Die kurzen Arien sind unerhört reich kolorierte Gefühlsausbrüche, in denen das Unsagbare der Affekte sich entäußert in kaum singbaren Höhenflügen, zirzensischen Sprüngen und atemraubenden Geschwindigkeitsrekorden. Die Partie des Agamemnon komponierte Porpora für den Kastraten Farinelli, die des Achill für den ebenso berühmten Senesino, die der Iphigenie für Francesca Cuzzoni - lauter Stars, die er kurz zuvor bei der Konkurrenz abgeworben hatte: der Londoner Truppe von Georg Friedrich Händel. Hier, in der 'Ifigenia', sollten sie ihren Affen um die Wette Zucker geben. So tut es auch die heutige Bayreuther Besetzung. ... Man hebt mit ab, beim bloßen Zuhören."

Szene aus "Faust 1&2" in Frankfurt. Foto: Thomas Aurin

Jan-Christoph Gockel hat am Schauspiel Frankfurt beide Teile von Goethes "Faust" inszeniert - an einem Abend! "Eine monströse Unternehmung, auch mit Monstern. Aber man kommt nicht um vor Angst, aber man kommt auch nicht um vor Langeweile. Das ist bei einer Premierenlänge von viereinhalb Stunden beachtlich - viereinhalb Stunden inklusive zwei Pausen", meint eine verhaltene Judith von Sternburg in der FR. Nachtkritikerin Esther Boldt scheint das ähnlich zu sehen. Sicher, die Inszenierung hat einige Schwächen, meint Tilman Spreckelsen in der FAZ, er ist dennoch sehr angeregt, denn Gockel entwickle "eine Ästhetik, die an die 'Faust'-Stücke und ihre Entstehungszeit anknüpft. Die Diskussion um mechanische Wesen, um Androiden, die menschliche Eigenschaften perfektionieren und dabei auf Verwechselung mit ihren natürlichen Vorbildern angelegt sind, erreichte um die Wende zum neunzehnten Jahrhundert einen Höhepunkt. So zitiert Gockels Faust-Figur nicht nur die Herkunft des Stoffes aus dem Puppentheater, sondern auch den aufkommenden mechanischen Menschen. Und Helena erscheint hier in Kostümierung und Wesen als weiblicher Cyborg, der auf Funktionieren und Unterwürfigkeit angelegt ist und darin ständig nachjustiert wird."

"Mia san Mia", auch wenn die Haare langsam ausfallen. Münchner Kammerspiele. Foto: Matthias Horn

Wenig Freude hatte SZ-Kritikerin Christiane Lutz in dem bayerischen Weltraum-Horror-Drama "Mia san Mia" von Marco Layera und Martín Valdés-Stauber, mit dem die Münchner Kammerspiele ihre Saison eröffnen: Da kommen trachtengeschmückte Bayern aus einer Kolonie im Weltraum, die ihre völlig unsinnig gewordenen Traditionen pflegen: "In einer Stadt, in der es schon Herbert Achternbusch gab, wirkt das nicht provokativ, sondern, vorsichtig ausgedrückt, ziemlich unmodern. Vor allem aber ist fraglich, ob es eine kluge künstlerische Strategie auch im Umgang mit rechten Strömungen ist, von denen die Kultur immens bedroht ist, die Idee von Heimat - so problematisch sie auch ist -, statt irgendwie ernst zu nehmen und zu diskutieren, einfach als Wahnsinn einiger Zombies zu verwerfen." Nachtkritikerin Susanne Greiner scheint's dagegen gefallen zu haben.

Weitere Artikel: Esther Slevogt unterhält sich für die nachtkritik mit den Schauspielerinnen Carolin Haupt und Linda Pöppel über ihre Leseperformance "Wahlverwandt" zur Landtagswahl in Brandenburg. Der Tagesspiegel lässt sich von mehreren Brandenburger Theaterleitern erzählen, wie sie der AfD begegnen. Und auch die SZ unterhält sich mit Daniel Ris, Intendant der "Neue Bühne Senftenberg", über inklusive Theaterpädagogik als Mittel gegen rechts - zum Beispiel ein Abend mit Liedern von Gundermann: "In einer Vorstellung saß ein AfD-Stadtverordneter, offenbar ein echter Gundermann-Fan. Theater schafft Begegnungen. Je stärker die Polarisierung in der Gesellschaft ist, desto wichtiger werden solche Begegnungen." In der FAZ gratuliert Wiebke Hüster der Ballerina und Ballettdirektorin Birgit Keil zum Achtzigsten.

Besprochen werden außerdem Constanza Macras' Choreografie "The Hunger" an der Volksbühne Wien (nachtkritik, Welt: Jakob Hayner fragt daneben, wie es denn mit der Volksbühne, die Monate nach dem Tod Renee Polleschs immer noch ohne Leitung ist, weitergehen soll), Jörg Pohls Inszenierung von Brechts "Mann ist Mann" am Theater Basel (nachtkritik), Maike Bouschens Adaption von Ralf Rothmanns Roman "Milch und Kohle" für das Theater Oberhausen (nachtkritik) und Ewelina Marciniaks Adaption von Ottessa Moshfeghs Roman "Mein Jahr der Ruhe und Entspannung" am Schauspielhaus Graz (nachtkritik).
Archiv: Bühne

Literatur

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Anlässlich des baldigen Erscheinens von Sally Rooneys neuem Roman "Intermezzo" denkt Eva Lapido in der FAZ über die unheimliche Popularität der Autorin nach. Rooneys Bücher lediglich als Ausruck des Millenial-Zeitgeistes wahlweise zu feiern oder zu verdammen greift in Lapidos Augen zu kurz: "In gewisser Weise hebt Rooney sich nämlich sehr deutlich vom Zeitgeist und dessen ästhetischen Gepflogenheiten ab. Sie widersteht dem Hang der Millennials zu Ironie und Satire. Die Innigkeit, mit der sie ihre Figuren präzise und deshalb so allgemein nachvollziehbar leiden lässt, ist bewusst altmodisch und entspricht eher der Manier des neunzehnten Jahrhunderts als der des aktuellen. (...) In Interviews beruft Rooney sich häufig auf Romanklassiker von Jane Austen und Henry James. Wie deren Figuren müssen auch ihre durch komplizierte zwischenmenschliche und gesellschaftliche Konstellationen navigieren, um einen Partner zu finden." Eine ausgesprochen positive Besprechung des neuen Buches findet sich in der FAS.

Ulrich Gutmair besucht für die taz das Literaturfestival Meridian Czernowitz und zeigt sich beeindruckt von der Resilienz der Kulturschaffenden in dieser ukrainischen Stadt. Insbesondere auch hierzulande kann sich seiner Meinung nach manch einer eine Scheibe von abschneiden von der Entschlossenheit, mit der die ukrainischen Literaten der russischen Aggression trotzen: "Ostap Slywynskyj fragt in einem Gedicht: 'Können wir das Wort 'Frieden' noch heilen, dass aus ihm keine bis auf die Zähne bewaffneten Besatzer mehr platzen?' Ich wünschte mir, dass deutsche Friedensfreunde, die am liebsten sofort die europäische Unterstützung der Ukraine eingestellt sähen, diese Zeilen Ostap Slywynskyjs nicht nur lesen, sondern auch verstehen würden. Die Leute in Czernowitz machen uns immer wieder deutlich, dass sie unseren Besuch als Ausdruck dafür sehen, dass sie von Europa nicht vergessen sind."

Weitere Artikel: Jo Berlien porträtiert in der FAZ den tschechischen Schriftsteller Ivan Klíma. In einem weiteren FAZ-Porträttext widmet sich Eva-Marie Thüne der Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Hanna Kiel. Tilmann Spreckelsen wendet sich ebenfalls in der FAZ einem unbekannten Aspekt des Schaffens James Krüss' zu - als Herausgeber einer Inselpostille namens Helgoland. Andreas Platthaus kritisiert in der (Überraschung) FAZ, dass das Börsenblatt des deutschen Buchhandels ihm nicht so recht erklären kann oder will, wie es um die wirtschaftliche Situation der Buchbranche tatsächlich steht.

Besprochen werden unter anderem Yaroslav Hrytsaks "Ukraine. Biographie einer bedrängten Nation" (FR), Iida Turpeinens "Das Wesen des Lebens" (FAZ), die Hannah-Arendt-Sammlung "Über Palästina (FAZ) und Michael Lentz' "Grönemeyer" (FAS).
Archiv: Literatur

Architektur

Postkarte von der Holzmoschee des Halbmondlagers in Wünsdorf. Foto: Wilhelm Puder, unter CC-Lizenz

Ulf Meyer stellt in der FAZ ("Bilder und Zeiten") neue Entdeckungen der postkolonialen Architekturgeschichte vor - in Hongkong, Mumbai und Schanghai, aber auch in Wünsdorf bei Berlin, wo 1915 ein "Kriegsgefangenenlager für muslimische Gefangene" errichtet wurde. "In dem Lager in Wünsdorf wurde für die Idee des Panislamismus geworben, um Gefangene gegen die Feinde Deutschlands zu mobilisieren. Im Lager wurde auch die erste Moschee Deutschlands errichtet - aus Holz. Im Zweiten Weltkrieg operierte von hier aus das Oberkommando der Wehrmacht. Das Halbmondlager in Wünsdorf wurde für Unterstützer der britischen und französischen Armeen gebaut. Weil das Osmanische Reich mit dem deutschen Kaiserreich verbündet war, rief der Sultan-Kalif die in Gefangenschaft geratenen Muslime, die zuvor als Soldaten aufseiten Englands und Frankreichs gekämpft hatten, zum 'Heiligen Krieg' gegen ihre Kolonialherren auf. Nach 2015 wurde auf dem Gelände ein Flüchtlingslager für Menschen errichtet, die vor islamistischen Angriffen in Syrien oder Afghanistan geflohen waren."

Außerdem: Thomas Vogel besucht für die taz die Hochschule für Gestaltung Ulm, deren Gebäude ihn einiges über zeitlos gute Architektur lehrt.
Archiv: Architektur

Musik

Christina Mohr feiert in der FR "Talkie, Talkie", das neue Album Band Los Bitchos. Die vier Londonerinnen verzichten auch in ihrem Zweitwerk auf Lyrics und setzen ganz auf knallige Instrumentals: "Songs wie 'Tango & Twirl', 'La Bomba' oder der schier funkensprühende Schlusstrack 'Let Me Cook You' wirbeln so mitreißend aus dem Player, dass man sofort tanzen will, ja muss, ob in der heimischen Küche oder in einem Club irgendwo auf der Welt. Sie seien große Fans von Computerspielen wie Grand Theft Auto, von Comics und der Ästhetik der Achtziger, sagen die Musikerinnen. In Tracks wie dem knalligen 'Kiki, You Complete Me' lässt sich der Comic-Bezug unschwer feststellen: Die Instrumente setzen Ausrufe- und Fragezeichen, platzieren Doppelpunkte und klammern auch mal einen Gedanken ein. Textzeilen zum Festhalten oder Refrains zum Mitsingen vermisst man nicht."

Aber überzeugen Sie sich selbst:



Manu Chao ist wieder da. Der Baske, dem 2000 mit seinem Hit "Bongo Bong" international der Durchbruch gelang, gibt sich auch auf seinem neuen Album "Viva Tu" politisch - aber auf eine angenehm leichtfüßige Weise, findet Hannah Möller in der taz: "Das gesamte Album stellt eine Hommage an das Banale dar - an die Nachbarn, die man auf dem Weg zur Bäckerei trifft, die Leute von der Straßenreinigung und alle anderen, die das städtische Miteinander überhaupt ermöglichen und lebenswert gestalten. Der Reggae-lastige Track 'São Paulo Motoboy' ist den Motorradkurieren in der brasilianischen Metropole gewidmet, die unter prekären Arbeitsbedingungen tagtäglich wie unsichtbare Superhelden durch den dichten Verkehr sausen."

Außerdem: Thomas Lindemann erfreut sich in der FAS an der Musik und dem Auftreten des Kanadiers Chilly Gonzales. Stefan Ender und Christoph Irrgeher blicken für den Standard auf kommende Programmhighlights im Wiener Konzerthaus. Kurt Kister gratuliert in der SZ Leonard Cohen postum zum 90. Jürgen Hillesheim zeichnet in der FAZ Bertolt Brechts Faszination für den ihm politisch keineswegs nahestehenden Komponisten Carl Orff nach. FAZ-Autor Jan Wiele hört sich immer noch sehr gern den Udo-Jürgens-Song "Als ich fortging" an. Clemens Haustein berichtet ebenfalls in der FAZ vom Musikfest Berlin.

Besprochen werden "In Waves", das neue Album von Jamie xx (Standard) und ein Peter-Fox-Konzert in der Frankfurter Festhalle (FR).
Archiv: Musik