Efeu - Die Kulturrundschau
Panoptikum der Pracht
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05.11.2025. Ganz sicher ist die FAZ nicht, was sie davon halten soll, wenn etwa beim ukrainischen Literaturfestival Meridian alle Einflüsse russischer Kultur getilgt werden. Backstage Classical rechnet indes mit Justus Frantz ab, der sich ungeniert Putin andient. Die taz erinnert an die absurden Zensurmaßnahmen zu Sowjetzeiten. Außerdem reitet die FAZ in Potsdam durch 4.000 Jahre Geschichte des Einhorns. Der Tagesspiegel zündet ein Diskursfeuer um Koranverbrennungen mit Mehmet Akif Büyükatalays Film "Hysteria".
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
05.11.2025
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Literatur
Die Slawistin Yelizaveta Landenberger besucht für die FAZ das der ukrainischen Literatur gewidmete Festival Meridian, bei dem einige Autoren per Zoom in Kampfmontur zugeschaltet sind - sie kämpfen an der Front und haben von der Armee keinen Urlaub für das Festival erhalten. Insgesamt sind Veranstaltungen wie das Meridian Teil eines Versuchs, den Einfluss der russischen Kultur zurück zu drängen: "Bei den Lesungen in Odessa und Mykolajiw wurde deutlich, dass man in der Ukraine das Eigene zu bewahren versucht, auch indem man sich vom Feindlichen befreit und dagegen abgrenzt. Schnell wird die russische Sprache und Kultur mit dem Feind assoziiert - eine Reaktion, die verständlich ist in Zeiten, da Moskau mit seinem täglichen Terror aus der Luft den Willen der ukrainischen Bevölkerung zu brechen versucht" und aktiv die Russifizierung der besetzten Gebiete vorantreibt (mehr dazu hier). Landenberger ist sich nicht ganz sicher, was sie davon halten soll: "Die bekannteste literarische Persönlichkeit Odessas überhaupt, Isaak Babel, dessen Muttersprache Jiddisch war und der seine Werke in einem idiosynkratischen Russisch, das von ukrainischen Einflüssen durchzogen ist, schrieb, könnte künftig im Namen der Derussifizierung so wie Puschkin aus dem Stadtbild verschwinden."
Die Memorial-Mitgründerin Irina Scherbakowa weist in einer taz-Glosse auf die erdrückende Allgegenwart von Zensur in Russland seit Sowjetzeiten hin: "Die Bolschewiki führten Zensur sofort nach der Machtergreifung ein. Sie beriefen sich dabei auf den Bürgerkrieg. Doch auch nach dessen Ende erklärte Lenin, dass Pressefreiheit für die neue Macht ein Selbstmord sei - und so erfasste die Zensur immer mehr Bereiche. Ihre Funktion war die Einschüchterung der Autoren. Man musste von Anfang an darüber nachdenken, was die Zensur durchlassen würde. In ihrem Eifer, 'Schädlinge' zu entdecken, trieb die Zensur die Absurdität auf die Spitze. Zensoren hielten Zeitungen gegen das Licht, betrachteten mit der Lupe Briefmarken - und fanden natürlich Verdächtiges. Mal glaubte man, auf der Streichholzschachtel das Porträt Trotzkis zu erkennen, mal auf einer Briefmarke ein Hakenkreuz."
Weitere Artikel: Die Welt berichtet, dass Ayse Irem bei der Deutschen Meisterschaft im Poetry Slam in Chemnitz zur Siegerin gekürt wurde. Johanna Adorján huldigt in der SZ Laurent Mauvignier und dessen Roman "La Maison vide", der soeben den Prix Goncourt gewonnen hat. Im Tagesspiegel kommentiert Gerrit Bartels den neuen Spiegel-Literaturpreis. Haftbefehls Pöbel-Rap hat literarisch hochkarätige Vorläufer, lesen wir ebenfalls in der SZ, bei Alexander Estis, der unter anderem einschlägige Walther-von-der-Vogelweide-Verse ausgräbt: "Walther wird euch immer voraus sein/ wie der Weizen der Spreu, /Singt ihr eins, so singt er drei,/Das gleicht sich wie Arsch und Mond."
Besprochen werden unter anderem Walter Moers' "Qert" (FAZ), Jörg Piringers Gedichtband "Verbrenner" (FAZ), Eva Schmids "Neben Fremden" (FAZ), Florian Illies' "Wenn die Sonne untergeht" (FR), Dan Jones' Sachbuch "Kreufahrer" (FR), der von Renate Heß herausgegebene Band "Der Pitangabaum der Nachbarin" (FR) und Harald Jähners Epochenporträt "Wunderland" (Tagesspiegel).
Die Memorial-Mitgründerin Irina Scherbakowa weist in einer taz-Glosse auf die erdrückende Allgegenwart von Zensur in Russland seit Sowjetzeiten hin: "Die Bolschewiki führten Zensur sofort nach der Machtergreifung ein. Sie beriefen sich dabei auf den Bürgerkrieg. Doch auch nach dessen Ende erklärte Lenin, dass Pressefreiheit für die neue Macht ein Selbstmord sei - und so erfasste die Zensur immer mehr Bereiche. Ihre Funktion war die Einschüchterung der Autoren. Man musste von Anfang an darüber nachdenken, was die Zensur durchlassen würde. In ihrem Eifer, 'Schädlinge' zu entdecken, trieb die Zensur die Absurdität auf die Spitze. Zensoren hielten Zeitungen gegen das Licht, betrachteten mit der Lupe Briefmarken - und fanden natürlich Verdächtiges. Mal glaubte man, auf der Streichholzschachtel das Porträt Trotzkis zu erkennen, mal auf einer Briefmarke ein Hakenkreuz."
Weitere Artikel: Die Welt berichtet, dass Ayse Irem bei der Deutschen Meisterschaft im Poetry Slam in Chemnitz zur Siegerin gekürt wurde. Johanna Adorján huldigt in der SZ Laurent Mauvignier und dessen Roman "La Maison vide", der soeben den Prix Goncourt gewonnen hat. Im Tagesspiegel kommentiert Gerrit Bartels den neuen Spiegel-Literaturpreis. Haftbefehls Pöbel-Rap hat literarisch hochkarätige Vorläufer, lesen wir ebenfalls in der SZ, bei Alexander Estis, der unter anderem einschlägige Walther-von-der-Vogelweide-Verse ausgräbt: "Walther wird euch immer voraus sein/ wie der Weizen der Spreu, /Singt ihr eins, so singt er drei,/Das gleicht sich wie Arsch und Mond."
Besprochen werden unter anderem Walter Moers' "Qert" (FAZ), Jörg Piringers Gedichtband "Verbrenner" (FAZ), Eva Schmids "Neben Fremden" (FAZ), Florian Illies' "Wenn die Sonne untergeht" (FR), Dan Jones' Sachbuch "Kreufahrer" (FR), der von Renate Heß herausgegebene Band "Der Pitangabaum der Nachbarin" (FR) und Harald Jähners Epochenporträt "Wunderland" (Tagesspiegel).
Kunst

Viele verschiedene Formen durfte das Einhorn in den vergangenen 4.000 Jahren annehmen, lernt Andreas Kilb (FAZ) im Museum Barberini, das derzeit die Geschichte des Fabelwesens erzählt. Auf Gemälden, Tapisserien, Altarbildern, Stichen und Skulpturen eröffnet sich Kilb ein "Panoptikum der Pracht". Mitunter trat das Einhorn wild und böse auf, im christlichen "Physiologus" wurde es wiederum mit Jesus gleichgesetzt: "Auf einem Bildteppich zu dem höfischen Versroman 'Der Busant' treibt es sich mit den 'wilden Leuten', den Waldmenschen, im Dickicht herum, auf einer Zeichnung aus Florenz meuchelt es ein Reh. Es steht für Reinheit, aber auch für ungebändigte Natur, für Eros und Tod. Erst wenn die Jungfrau sein Horn packt, wird es zahm."
Dass der Ursprung von Alberto Giacomettis kubistisch-existenzialistischem Werk nicht in Paris, seiner Wirkungsstätte, sondern in seinem Geburtstort, dem schweizerischen Bergell liegt, erfährt Bernhard Schulz (Tagesspiegel) in der Ausstellung "Das Maß der Welt", für die die Kunsthalle Bremen über einhundert Plastiken, Gemälde und Zeichnungen zusammengetragen hat. So bezieht sich etwa die Figurengruppe "'Lichtung', neun überschlanke Figuren auf einer annähernd quadratischen Grundplatte und eines der Hauptwerke des Künstlers, ... unmittelbar auf eine Lichtung oberhalb von Borgonovo, dem Geburtsort des Künstlers. Diese Lichtung gibt es unverändert, als ob der junge Giacometti gerade hier gewesen wäre - die hochragenden Tannen, welche die weite Lichtung umstehen, lassen die späteren Figuren erahnen."
Es ist schon beachtlich, mit welcher Chuzpe deutsche Zeitungen und Magazine jeden kritischen Ton vermissen lassen, wenn sie über kulturelle Ereignisse in Saudi-Arabien berichten. Aktuelles Beispiel ist das Gespräch, das Elke Buhr für monopol mit Nora Razian und Sabih Ahmed führt, die die kommende Diriyah Biennale in Riad kuratieren werden. Gefragt, was Saudi-Arabien sich von den Investitionen in die Kultur erhoffe, antwortet Ahmed: "Wir sehen den Wert dieser Biennale darin, dass sie eine kritische Plattform ist, die zeigt, welche Fragen weltweit gestellt werden - und wie die Welt durch die Praktiken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wahrgenommen wird. Das bietet eine andere Perspektive als beispielsweise eine Kunstmesse oder ein Museum. Eine Biennale in Saudi-Arabien zu veranstalten, ist an sich schon ein Statement." Wir fragen uns, was für ein Statement gemeint ist.
Weiteres: Nicolas Freund resümiert ebenfalls in der SZ das Hin und Her um das Werk "Saint or Sinner" des britischen Künstler Mason Storm, das einen gekreuzigten Donald Trump auf einer Hinrichtungspritsche zeigt und nach Kritik katholischer Geistlicher zunächst nicht auf der Art Basel gezeigt werden sollte. In der NZZ schreibt Renato Schatz zum Thema. Nun ist es zwei Wochen lang in der Innenstadt zu sehen. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Global Fascisms" im Berliner Haus der Kulturen der Welt (taz, mehr hier)
Musik
Wieso, fragt sich Joachim Hentschel in der SZ, ist es heutzutage so schwer, an Konzertkarten zu kommen? Zumindest, wenn es um Shows von Hypekünstlern von internationalem Format geht? Ein paar Antwortversuche: "Im Vergleich zur Beatles-Zeit leben schlicht mehr Menschen auf der Welt, die am Kulturleben teilnehmen. Soziale Medien haben den PR-Drall verschärft, auf dem Veranstaltungen heute segeln. Es gibt Tiktok-Hypes wie die Recklinghausener Sängerin Ayliva, die um ein Vielfaches stärker wirken als der alte 'Wetten, dass ..?'-Effekt, mit dessen Hilfe es die 'Riverdance'-Tanztruppe 1997 schaffte, mit einem einzigen TV-Auftritt ihre Deutschlandtour praktisch auszuverkaufen. Zudem sind viele logistische Hürden verschwunden, die Leute früher davon abhielten, auf Konzerte zu gehen. Zum Beispiel, weil sie dort wohnten, wo man eh keine Tickets kaufen konnte."
Der deutsche Dirigent Justus Frantz, seit langem als Putin-Sympathisant bekannt (siehe hier), erhält vom russischen Staatschef einen Orden, berichtet unter anderen Spiegel Online. Auf Backstage Classical wendet sich Axel Brüggemann direkt an Frantz: "Als Sie keiner mehr in den Arm nahm, haben Sie die Musik verraten. Und dann verrieten Sie sich selber. Sind die Leute an ihren Tafelrunden wirklich Ihre Freunde? Sie füttern Sahra Wagenknecht und Alice Weidel. Und Ihren Klassik-Escort-Service übernimmt Hajo Frey. Er lockt Leute wie Sie und AfD-Mann Matthias Moosdorf nach Russland. Und nun hat sein Kumpel, Vladimir Putin, Ihnen auch noch den russischen Freundschaftsorden mitten ins Herz gestochen. Merken Sie denn nicht: Leonard Bernstein hat Sie geliebt, Vladimir Putin benutzt Sie! Lieber Justus Frantz, wenn es in Hamburg regnet, sind das die Tränen von Lenny und Helmut. Tutto nel mondo è burla? Nein, Sie haben unsere Liebe verspielt."
Außerdem: Gregor Dotzauer porträtiert im Tagesspiegel den Jazz-Virtuosen Christopher Dell. Margarete Affenzeller erklärt im Standard, weshalb die Haftbefehl-Doku auf Netflix gerade einen Reinhard-Mey-Hype auslöst.
Besprochen werden eine von Teodor Currentzis dirigierte Aufführung von Wagners "Ring ohne Worte" an der Berliner Philharmonie (Tagesspiegel; "Und plötzlich fühlt man sich dem abdankenden Gottvater Wotan nahe, der nur noch eines herabsehnt: das Ende"), ein Konzert der Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko in der Alten Oper Frankfurt (FR) und "Soiz" ein Album der österreichischen Dialekt-Popperin Anna Buchegger (Standard).
Der deutsche Dirigent Justus Frantz, seit langem als Putin-Sympathisant bekannt (siehe hier), erhält vom russischen Staatschef einen Orden, berichtet unter anderen Spiegel Online. Auf Backstage Classical wendet sich Axel Brüggemann direkt an Frantz: "Als Sie keiner mehr in den Arm nahm, haben Sie die Musik verraten. Und dann verrieten Sie sich selber. Sind die Leute an ihren Tafelrunden wirklich Ihre Freunde? Sie füttern Sahra Wagenknecht und Alice Weidel. Und Ihren Klassik-Escort-Service übernimmt Hajo Frey. Er lockt Leute wie Sie und AfD-Mann Matthias Moosdorf nach Russland. Und nun hat sein Kumpel, Vladimir Putin, Ihnen auch noch den russischen Freundschaftsorden mitten ins Herz gestochen. Merken Sie denn nicht: Leonard Bernstein hat Sie geliebt, Vladimir Putin benutzt Sie! Lieber Justus Frantz, wenn es in Hamburg regnet, sind das die Tränen von Lenny und Helmut. Tutto nel mondo è burla? Nein, Sie haben unsere Liebe verspielt."
Außerdem: Gregor Dotzauer porträtiert im Tagesspiegel den Jazz-Virtuosen Christopher Dell. Margarete Affenzeller erklärt im Standard, weshalb die Haftbefehl-Doku auf Netflix gerade einen Reinhard-Mey-Hype auslöst.
Besprochen werden eine von Teodor Currentzis dirigierte Aufführung von Wagners "Ring ohne Worte" an der Berliner Philharmonie (Tagesspiegel; "Und plötzlich fühlt man sich dem abdankenden Gottvater Wotan nahe, der nur noch eines herabsehnt: das Ende"), ein Konzert der Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko in der Alten Oper Frankfurt (FR) und "Soiz" ein Album der österreichischen Dialekt-Popperin Anna Buchegger (Standard).
Bühne

Man möchte nach Wiebke Hüsters FAZ-Kritik gleich nach Kopenhagen reisen, wo der ehemalige Direktor des Bolschoi Balletts, Alexej Ratmansky, das Königlich Dänische Ballett Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge" tanzen lässt. Dabei will weder die Musik noch der Tanz Ratmanskys Geschichten erzählen, so Hüster: "Es solle aussehen, als erzeugten die Bewegungen die Musik, hat der Choreograf dem Ensemble nahegelegt. Und so fühlt es sich tatsächlich an, während man diesem historisch unterfütterten, evokativen Ballett folgt. (…) Die Welt und ihre beunruhigenden Zustände finden hier zwar keinen eindeutigen Eingang in das Theater. Es ist aber eine Kunsterfahrung, die auf dem Dennoch besteht, darauf, dass es wichtig ist, an der Fähigkeit des Menschen zum Erschaffen von Schönheit festzuhalten. Dass es ein Spiel ist, heißt nicht, dass es den Menschen nicht daran erinnert, was Harmonie, was Frieden, was Leichtigkeit des Seins ist, wie es sich anfühlt, mit anderen im Einklang zu sein oder sich getragen und gehalten zu wissen, wie es etwa die schönen Duette demonstrieren."
Weitere Artikel: In der nachtkritik erinnert Atif Mohammed Nour Hussein an den 4. November 1989, als Theaterleute, darunter Christoph Hein, Christa Wolf und Heiner Müller, die größte nichtstaatliche Demonstration in der DDR organisierten. Wirklich glücklich wird Bernd Noack in der NZZ nicht, wenn Regisseur Tom Kühnel im Hamburger Thalia Theater unter dem Titel "Denken in finsteren Zeiten" und Regisseurin Theresa Thomasberger im Berliner Deutschen Theater unter dem Titel "Die drei Leben der Hannah Arendt" nach der Graphic Novel von Ken Krimstein das Leben der Philosophin auf die Bühne bringen: "Beide Stücke kranken dabei auf ganz unterschiedliche Weise an der Tatsache, dass die sich auftürmenden Gedankengebilde einer der größten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts als Monologe oder Dialoge wiedergegeben nur verhallen."
Besprochen werden außerdem das Stück "Rave Lucid" der Kompanie Mazelfreten beim Tanzfestival Rhein-Main (FR) und das Tanzstück "All Our Stories" von Thomas Noone am Theater Osnabrück, bei dem das Symphonieorchester Suiten des syrischen Komponisten Kinan Azmeh spielt (taz).
Film

Mehmet Akif Büyükatalay ist bereits seit seinem Debüt "Oray" als "differenzierte Stimme des postmigrantischen Kinos" in Deutschland bekannt, erinnert Gunda Bartels im Tagesspiegel. Sein neues Werk, "Hysteria", das diese Woche ins Kino kommt, ist ein Thriller, der seinen Ausgangspunkt bei einem Filmdreh nimmt, bei dem ein Koran verbrannt wird. "Hysteria" verknüpft "gekonnt Suspense-Motive wie das Rätselraten um einen geheimnisvollen Einbrecher mit dem Diskursfeuer um Koranverbrennungen, Migranten und kulturellen Ressentiments. Themen, die neben der hell lodernen Empörung, wie sie die in den Film integrierten Nachrichtenbilder muslimischer Proteste transportieren, Ängste triggern, von denen die vielen, oft von bedrohlichen Streichern untermalten Nachtaufnahmen in 'Hysteria' sprechen."
Laura Laabs wiederum bringt diese Woche ihren Erstling "Rote Sterne überm Feld" ins Kino, eine Politkomödie, die, wie Bert Rebhandl in der FAZ schreibt, im mecklenburg-vorpommerischen Bad Kleinen spielt und diverse Linke Diskurse aufgreift; in der allerdings auch Rammstein-Sänger Till Lindemann, für viele Linke ein rotes Tuch, in einer kleinen Rolle zu sehen ist. "Für Laabs gehört Lindemann auch zum Geschichtsort Bad Kleinen, sie macht allerdings durchaus deutlich, dass sie den mythologischen Leerlauf, der in Rammstein-Videos herrscht, in Aufklärung überführen möchte. 'Rote Sterne überm Feld" steht auf eine originelle Weise quer zu vielen politischen und kulturkämpferischen Frontverläufen im heutigen Deutschland. Als Manifest einer ästhetischen Linken, aber auch als Abenteuer einer Begegnung zwischen 'Heimkehrern' und 'Zurückgebliebenen' verdient der Film ein großes Publikum."
Außerdem: Die Schauspielerin Diane Ladd, bekannt unter anderem aus David Lynchs "Wild at Heart", ist tot, wie Zeit Online meldet. Susanne Gietl zeichnet im Filmdienst nach, wie der Regisseur Heinrich Sabl 25 Jahre lang an seinem Animationsfilm "Memory Hotel" gebastelt hat.
Besprochen werden Ira Sachs' "Peter Hujar's Diary" (taz), die Disney+-Serie "Habibi Baba Boom" (Welt), Jan Komasas Revolutionsfilme "The Change" (SZ), die Serie "All's Fair" mit Kim Kardashian (Zeit Online), Lynne Ramsays "Die, My Love" (NZZ) und Kleber Mendonça Filhos "The Secret Agent" (critic.de).
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