Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Mehr Nackte, die tanzen

05.05.2022 NZZ und FR sind uneins über Sibylle Bergs "RCE": Ein Blockbuster-Feuerwerk zündet die FR, die NZZ fragt: "Ist das noch Kitsch, oder ist es schon unfreiwillige Selbstparodie?" Der neue Handke entzweit indes FAZ und SZ: Schön kauzig findet die SZ das Bändchen, während die FAZ aufatmet: "Das neue Buch von Peter Handke kommt ohne Pilze aus." Zeit und Dlf lassen sich mit Eckhart Nickel und Carl Spitzweg auf einen prickelnden Flirt mit dem Biedermeier ein. Döblin wäre begeistert, glaubt die FAZ nach der Lektüre von Andrea Roedigs Roman über das Zerbrechen einer Metzgersippe.

Von der Kosmologie bis zu Rihannas Nagellack

04.05.2022 Nach dreißig Romanen entdeckt die FAZ Percival Everett, der ihr in "Erschütterung" die Geschichte eines Kontrollverlusts erzählt. Die FR hört nochmal genau hin, wenn Joachim Bessing, Annette Humpe und andere 33 fast perfekte Pop-Songs auf Ohrwurmtauglichkeit prüfen. Die SZ lässt sich auf das Experiment ein, alles zu lesen, was Wolfram Lotz innerhalb eines Jahres in endloser Detailfülle niedergeschrieben hat. Wertvoll findet der Dlf Shulamit Volkovs Beitrag zur deutschen Geschichte aus jüdischer Sicht. Und Dlf Kultur macht sich mit Stephen Walker auf den Weg ins All.

Schmerzhafter Rausch

03.05.2022 Der DlfKultur freut sich, dass Kathy Ackers lange indexierter Roman "Bis aufs Blut" endlich auf Deutsch zugänglich wird: Ein Roman wie eine SM-Session. Die FR liest in Annekathrin Kohouts Kulturgeschichte der "Nerds" nach, wie sich technikaffine Soziopathen in Erfolgsmenschen wandelten. Der Dlf übt das geistige Flanieren mit Lilian Peters Essays "Mutter geht aus". Beeindruckt liest die FAZ, wie  Khaled Khalifa in "Keiner betete an ihren Gräbern" ein gesellschaftliches Panorama Aleppos entfaltet.

Hauen und Stechen

02.05.2022 Sehr instruktiv findet der DlfKultur Wolfgang Müller-Funks Diskursgeschichte der Grausamkeit "Crudelitas". Die SZ liest bei Tobias Moorstedt nach, wie und warum sich Männer erfolgreich vor mehr Familienarbeit drücken. Die FAZ lernt bei Daniel Dettling ein wenig klimaneutralen Optimismus und übt sich mit  Riku Ondas Kriminalroman "Die Aosawa-Morde" in der hohen Kunst des Shin-Honkaku.

Double Irish with a Dutch Sandwich

30.04.2022 Die FAS begibt sich mit Sibylle Bergs "RCE" in das horrorkapitalistische Betriebssystem unserer Gegenwart. Als liebevolle Bildungsbürgersatire empfiehlt die Welt Eckhart Nickels Kunstroman "Spitzweg". Die FAZ freut sich, mit welcher Könnerschaft Clemens Setz Allen Ginsbergs Lyrik neues Leben einhaucht. Die FR lauscht beglückt, wenn Christian Lehnert in seinem "opus 8" Sumpfkräuter und Feldlerche besingt. Der DlfKultur wiegt sich mit J.M.G. Le Clezios "Bretonischem Lied" in Kindheitserinnerungen. Die NZZ lernt aus Ulinka Rublacks fantastischer Geschichte der Mode, warum blaue Strümpfe im 16. Jahrhundert ein absolutes No-Go waren.

Die letzte Schüssel Bohnen

29.04.2022 Tag der Tagebücher: Die SZ liest in den New York Diaries, was Jonas Mekas alles der Kunst opferte, die Welt vertieft sich in Ralph Waldo Emersons Ideen zur Natur und zu den Vereinigten Staaten und Dlf Kultur leistet mit Peter Handke "Wortarbeit". Die FAZ lässt sich von Richard Rohrmoser die Geschichte der Antifa erzählen. Die NZZ lernt von Greg Woolf, dass antike Städte ähnlich wie Mutationen zufällig entstanden. Und Dlf Kultur liest erst Jenny von Sperbers spannende Biografie eines Menschenaffen und schließlich Marian Engels sexuelle Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Bären

Nacktbaden unterm Guillotinenhimmel

28.04.2022 Zeit und Dlf lauschen gebannt dem fiebrig wolllüstigen Klagelied, das Madame Nielsen über das Zerbrechen einer Liebe anstimmt. Die FAZ unterhält sich bestens mit Felix Kuchers Roman über den Maler und Impfgegner Karl Wilhelm Diefenbach. In der SZ kämpft Michael Maar mit Neidgefühlen, wenn Peter Sloterdijk in einem späten "Meisterwerk" die Theologie an ihre Widersprüche führt. Die taz blickt lieber in die Vergangenheit des Wu-Tang Clans. Und Dlf Kultur mit Gian Alfonso Pacinottis Comic in das Seelenleben von Kriegstraumatisierten.

Soprantöne aus dem Wurmbehälter

27.04.2022 Die SZ wird mit Michael Sorkin im Stakkato zur Architektin und macht mit Jürgen Nendza lyrische Lesefunde unter Tage. Als Mix aus Stifter, Genazino und Zen-Poesie empfiehlt die FAZ André Dhôtels Roman "Bernard der Faulpelz". Mit Asako Yuzuki geht sie in die Lebensschule einer Männermörderin. "Wahrnehmung statt Narrativ!", ruft die FR  begeistert nach der Lektüre von Bernd Wagners unzensiert erscheinenden "verlassenen Werken". Die NZZ lässt sich von Erhard Nickel die Nerven verfeinern. Und Dlf setzt mit Michael Krüger ein "Fanal gegen das Sterben".

Es ist und bleibt ein Fluch

26.04.2022 Die FAZ verbeugt sich tief vor dem Lebenswerk der französisch-algerischen Frauenrechtlerin Gisèle Halimi, deren Erinnerungen "Seid unbeugsam!" leider erst nach ihrem Tod vor zwei Jahren auf Deutsch erschienen. Der Dlf lernt von Katrine Marçal, warum Elektroautos nicht mehr mit Kristallglas verziert werden. Sehr beeindruckt ist sie auch von Adania Shiblis Roman "Eine Nebensache". Der DlfKultur folgt in Krisha Kops' "Das ewige Rauschen" der Erzählung einer Banyanfeige.

Die erlösende Kraft des Kusses

25.04.2022 Der DlfKultur liest mit Begeisterung Sudhir Hazareesinghs Biografie des haitianischen Freiheitshelden Toussaint Louverture. Das nötige Grundwissen über karibische Sklaverei besorgt er sich gern anderswo. Gut gefallen ihm auch Magdalena Schrefels spröde-bestechende Erzählungen aus der Welt der Arbeit von morgen "Brauchbare Menschen". Die FAZ  bespricht neue Kinder- und Jugendbücher. Unter anderem lässt sie sich beglückt von Jörg Schubiger und Rotraut Susanne Berner die Geschichte von Adam und Eva neu erzählen.

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