Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 09.06.2026, 15.15 Uhr
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Bücherschau des Tages - Archiv

Juli 2016

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit und Welt. Täglich ab 14 Uhr.

Ein allerletztes Wetterleuchten

30.07.2016 Die SZ spaziert mit Heidrun Reinhards "Mondo Veneziano" durch die Palazzi Venedigs. Die taz macht Strandurlaub mit David Prudhomme und Pascal Rabaté und stürzt sich "Rein in die Fluten!" Wärmstens empfiehlt sie auch die Erinnerungen der verstorbenen Sängerin der Lassie Singers, Almut Klotz. Die Welt begleitet mit Rudi Pallas "Valdivia" die erste deutsche Tiefsee-Expedition rund um Afrika.

Postkatastrophische Zivilisation

29.07.2016 Die FAZ lernt bei Alain Badiou die nihilistischen Beweggründe von Attentätern kennen. Die FR liest beeindruckt Warlam Schalamows Erinnerungen an sein Zeit in Stalinistischen Zwangsarbeitslagern. Die NZZ hat mit Gina Buchers "Female Chic" eines der schönsten Bücher des Jahres entdeckt. Außerdem gerät sie mit Emma Clines "Girls" in den Bann von Psychopathen. Und die SZ versinkt in Richard Russos klassisch-realistischen Kleinstadt-Kammerspiel "Diese gottverlorenen Träume".

Was ist mit Schatzi passiert?

28.07.2016 Hilary Mantel beschert der NZZ einen äußerst giftigen Muttertag. Die Zeit verschlingt sozialwissenschaftlich unterfütterte Ehe-Tipps von Katja Kessler. Skrupellos gut findet die FR Oliver Hilmes' Buch "Berlin 1936". Die FAZ feiert Loic Merles sprachgewaltigen Roman "Allein, unbesiegt" über eine Männerfreundschaft. Die SZ geht mit Sarah Bakewell ins "Cafe der Existentialisten".

Nebelmeer wüster Fantastik

27.07.2016 Fast nur gute Besprechungen heute! Die FAZ wirft einen Blick mit Kurt Oesterles Familiengeschichte "Martha und ihre Söhne" einen Blick in die deutsche Nachkriegspsyche. Die NZZ liest eine muntere Geschichte der Wilhelm-Tell-Figur, Essays von Mohsin Hamid über die muslimische Welt und Yvonne Adhiambo Owuors Roman "Der Ort, an dem die Reise endet". Die SZ reist mit Corto Maltese Richtung Mitternachtssonne.

Scheinbar flüchtiger Strich

26.07.2016 Die FAZ sieht der Invasion der "neuen Wilden" wie Bärenklau, Waschbär und Co. nach der Lektüre von Fred Pearce gelassen entgegen. Die FR sucht mit Dieter Henrichs "Sein oder Nichts" das Unvordenkliche. Die Finnen können auch warmherzig witzig, lernt die SZ mit Olli Jalonens Roman "Von Männern und Menschen". Die taz verliebt sich in die junge Prostituierte aus "Fräulein Rühr-mich-nicht-an".

Klaviatur der Stimmfarben

25.07.2016 Die besten Werke Boris Pasternaks lagen vor "Doktor Schiwago", versichert Oleg Jurjew in der FR und empfiehlt wärmstens eine dreibändige Werkausgabe mit frühen Gedichten, Briefen und Erzählungen. Einfach brillant findet die NZZ Birgit Weyhes Comic über die "Madgermanes" genannten mosambikanischen Vertragsarbeiter in der DDR. Die taz liest ein Interviewbuch mit Mädchen, die von Boko Haram entführt worden waren. Die Welt feiert Ulrich Drüners neue Wagner-Biografie. Die FAZ kann sich kaum satthören an Katharinas Thalbachs und Thomas Braschs Shakespeare.

Episodisches Ausperlen

23.07.2016 Wie gerät ein junger Mensch in die Fänge einer wahnsinnigen Ideologie? Emma Cline stellt diese Frage in "The Girls" im Kontext der Manson-Sekte und erhält beeindruckte Besprechungen von FAZ und Welt.  Die FR verliebt sich unterdessen in die  "herrlich folgenlosen" Erzählungen Martin Lechners. Die taz entdeckt mit der Australierin Candice Fox eine brillante junge Krimiautorin.

Hyänen der Verzweiflung

22.07.2016 Die FAZ stöbert mit Guy Andrews begeistert in alten Radsport-Magnum-Fotografien. Die SZ lernt Johann Sebastian Bachs Familie kennen und versteht die düsteren Klänge in seinen Werken. Mit einer überschäumenden Julia Kissina streift sie durch die zerfallende Sowjetunion. Bei Michael Matveev lernt sie die Schattenseiten der Boheme kennen. Und die FR gruselt sich vor einem "Dritten Leben" im zerrütteten Mexiko.

Eindeutig weiblich

21.07.2016 Die FAZ taucht mit Ana Kordsaia-Samadaschwili ins heutige Georgien. Endlich mal ein Buch zur Musik der Gegenwart, freut sich die SZ über Jens Balzers "Pop". Die NZZ reist mit Gustave Flaubert und Maxime Du Camp durch die Bretagne. Die Zeit lernt von Friederike Gösweiners Debütroman "Traurige Freiheit", wie man heutzutage in den Startlöchern stecken bleibt.

Zum Glück bestimmt

20.07.2016 Gute Recherche, Liebe zur Musik und spannende Lektüre: Die FAZ findet Ulrich Drüners neue Wagner-Biografie absolut empfehlenswert. Die NZZ begibt sich mit Büchern von Queer-Theoretiker Paul B. Preciado und dem Epidemiologen Robert Haring auf testosteronverseuchtes Gelände. Die SZ lernt, was deutsche Stilkunst war anno 1911.

Kleine weiße Lügen

19.07.2016 Die SZ blickt mit Ramita Navais Buch "Stadt der Lügen" in das Doppelleben der iranischen Gesellschaft. Großes Lob auch an Szczepan Twardoch, der in seinem schlesischen Generationenroman "Drach" auf einer teuflischen Klaviatur spiele. Die NZZ spürt mit Bilal Tanweers Debütroman "Die Welt hört nicht auf" die disruptiven Energien in der pakistanischen Gesellschaft nach einem Terroranschlag. Die FAZ folgt Ilja Ehrenburgs Protagonisten Lasik Roitschwantz durch die jüdische Diaspora der zwanziger Jahre.

Szacki spricht man Schatzki

18.07.2016 Hans Pleschinski lässt sich von Hanna Diyab von Aleppo nach Paris entführen, eine tröstliche Reise, denn sie findet im 18. Jahrhundert statt. In der FAZ ist Krimizeit: Die Romane entführen uns nach Glasgow, London und Sandomierz. Die Welt freut sich über einen Band mit Jazzfotos jenseits der Klischeees.

Das weibliche Verlorensein in der Welt

16.07.2016 In der NZZ begibt sich Karl-Markus Gauß mit Martin Leidenfrost auf Expedition nach Europa: Von Glasgow zu den Gagausen. Die FR empfiehlt dringend Goran Vojnovics Roman "Vaters Land", ein Porträt der jugoslwawischen Nachkriegsgeneration.Die FAZ erforscht mit Lisa Randall die Dunkle Materie.Und die Welt fährt mit Magnum-Fotografen Radrennen.

Im Text lauernde Büffelmenschen

15.07.2016 Überschaubar, aber ausgewählt: Die taz bespricht heute Comics - besonders empfehlen kann sie die Reihe "Manifest Destiny", in der sie bei einer Amerika-Expedition riesige Schlupfwesen entdeckt. Die SZ reist mit Joseph O'Neill lieber nach Dubai und lernt einen modernen Jedermann kennen. Und die FAZ versinkt mit Bruno Preisendörfer in der Wucht der Lutherzeit und erfährt, wann unser Deutsch erfunden wurde.

Im Text lauernde Büffelmenschen

15.07.2016 Überschaubar, aber ausgewählt: Die taz bespricht heute Comics - besonders empfehlen kann sie die Reihe "Manifest Destiny", in der sie bei einer Amerika-Expedition riesige Schlupfwesen entdeckt. Die SZ reist mit Joseph O'Neill lieber nach Dubai und lernt einen modernen Jedermann kennen. Und die FAZ versinkt mit Bruno Preisendörfer in der Wucht der Lutherzeit und erfährt, wann unser Deutsch erfunden wurde.

Sokrates' Hebammenkunst

14.07.2016 Die FAZ erliegt Valeria Luisellis exzentrischem und drastisch zärtlichen Roman "Die Geschichte meiner Zähne". Großes Lob auch für Nuruddin Farahs Geschichte einer somalischen Modefotografin. Die NZZ erweitert mit dem Informatiker David Gelernter ihre Definition des menschlichen Geistes. Die SZ empfiehlt Wolfgang Reinhards überarbeitete, exzellente Geschichte von der "Unterwerfung der Welt". Die Zeit geht mit Vivant Denon auf Kunstraub.

Radikale Sinnfrage

13.07.2016 Die SZ empfiehlt Vincenze Latronicos rasanten Finanzthriller "Die Verschwörung der Tauben". Wer sich schwere Lektüre für den Urlaub aufhebt, dem legt sie "Unser Leben", Stefan Schütz' autobiografisch-poetisches Stenogramm über die Demenzerkrankung seiner Frau ans Herz. Die NZZ stimmt in das begeisterte Lob für Efrat Gal-Eds Biografie des jiddischen Dichters Itzik Manger ein. Die FAZ begutachtet neue Trends der Schambehaarung.

Auf schaurige Weise verspottet

12.07.2016 Der taz imponiert, mit wie viel Anstand Hans Fallada die Kleinbürger in seinem wiederaufgelegten Romanklassiker "Kleiner Mann - was nun?" nicht nur porträtiert, sondern auch selbst ausstattet. Außerdem lernt sie mit den Fotografien des Reporters Christoph Bangert die erschreckende Banalität des militärischen Alltags kennen. Die FAZ liest mit Bewunderung Vincenze Latronicos ambitionierten Roman um Freundschaft, Aufstieg und Geld  "Die Verschwörung der Tauben". Wenig Anlass zur Zuversiucht bietet ihr allerdings der Jahresbericht von Amnesty International.

Bekehrung bleibt Behauptung

11.07.2016 Die SZ lernt vom Mark Mazowers eindringlicher Geschichte "Griechenland unter Hitler", wie Gewalt und Terror der deutsche Besatzung in dem Land bis heute nachwirken. Von den angenehmeren Seiten der deutschen Geschichte liest sie in der Essaysammlung "Experiment Einheit". Daniela Danz' Roman "Lange Fluchten" begreift sie als eine Geschichte des Verlorengehens.

Sanatorium für Melancholiker

09.07.2016 Die FAZ versinkt begeistert in der absonderlichen "Krötenliebe" zwischen Alma Mahler-Werfel und Paul Kammerer. Die NZZ liest neue Bücher aus Belgien und den Niederlanden: Besonders empfehlen kann sie Yves Petrys virtuosen Kannibalismus-Roman "In Paradisum" und Marcel Mörings sinnliche Novelle "Modellfliegen". Die FR verteidigt mit Thomas von Steinaecker das Paradies und reist mit schrillen Zombies durch das untergegangene Deutschland. Die Welt zieht Antonio Tabucchi als Reisebegleitung vor. Und die taz erfährt von Gerd Möbius alles über seinen Bruder Rio Reiser.

Tiefenbohrung ins Durcheinandertal

08.07.2016 Die FAZ lernt mit John von Düffel Schwimmen. Mit Heinz Georg Held vertieft sie sich angeregt ins Kunstgespräch der italienischen Renaissance. Die SZ lauscht in Dagmara Kraus' "maulelaunenmanual" lieber kunstvollen Klagen. Außerdem empfiehlt sie neue Kinderbücher. Die taz liest in Pierre Drieu la Rochelles rhythmischen Erzählungen wie er vom Surrealisten zum Faschisten wurde. Und die Welt erfährt bei Mike Nicol, wie aktuell Shakespeare sein kann.

Sinn für Splatter und Kitsch

07.07.2016 Die SZ blättert durch Perlen der Comicgeschichte aus dem Goldenen Zeitalter des amerikanischen Comics. Die FAZ zieht den Hut vor Wolfgang Schlüters neuer greller Übersetzung des Bronte-Klassikers "Sturmhöhe". Die FR lernt von der Revolutionshistorikerin Sophie Wahnich den Unterschied zwischen Terror und Terrorismus. Die NZZ steht mit Anthony Doerr am "Memory Wall". In der Zeit lernt Michael Naumann noch einiges über seinen ehemaligen Autor aus Birgit Lahanns Hochhuth-Biografie.

Schwingungsvielfalt

06.07.2016 Die neuen Gedichte von Christian Haller lesen, empfiehlt Kurt Drawert in der FAZ. Und Günter Herburgers Debütroman, ruft die SZ, der es besonders die Bunte Bentheimer im Roman angetan hat. Die FR blättert unglücklich in Val McDermids Modernisierung von Jane Austens "Northanger Abbey". Die FAZ schaudert es vor der Fassadenarchitektur der frühen Bundesrepublik.

Theorieverzicht zugunsten der Sinnlichkeit

05.07.2016 Die FR lässt sich von Christoph Ribbat durch die Schwingtür führen, die "Im Restaurant"  Genuss und Knochenarbeit verbindet. Die SZ folgt John Darnielle fasziniert in die virtuelle Realität des postapokalyptische Amerika. Die FAZ empfiehlt nachdrücklich Julian Maclaren-Ross' Roman "Von Liebe und Hunger" als sardonisches Sittengemälde der Vorkriegszeit. Mit Leon Werth flieht sie "33 Tage" vor den Deutschen ins Freie Frankreich.

Zum strahlenden Morgen

04.07.2016 Wunderschön findet die FAZ Britta Teckentrups Einschlafbuch "Nachts, wenn alles schläft", in dem Verse und Illustrationen miteinander zu tanzen scheinen. Eine wahre Schatztruhe irischen Erzählens entdeckt sie in Padraic Colums "Der Königssohn von Irland". In höchsten Tönen lobt die SZ Daniela Strigls Biografie der Dichterin, Offiziergattin und Frauenrechtlerin Marie von Ebner-Eschenbach. Außerdem liest sie Bücher zur Zukunft der Medien.

Symbole-Memory

02.07.2016 Die SZ lässt sich von James Gradys Thriller "Die letzten Tage des Condors" in einen gnadenlosen Überwachungsstaat entführen. Die FAZ empfiehlt wärmstens Klaus-Jürgen Bremms anschauliche und kluge Geschichte des Deutsch-Deutschen Krieges 1866. Die taz sucht die Utopie in Christiane Funkens "Sheconomy". Die Welt versenkt sich in Tom McCarthys klimagekühltes "Satin Island".

Poesievögelchen

01.07.2016 Die FAZ versucht dank Asne Seierstad vergeblich, sich der Sogkraft von Anders Breivik zu entziehen. Außerdem liest sie gut lesbare Texte über Geistersehen und animalischen Magnetismus in Arthur Schopenhauers "Pandectae". Die FR erfährt bei dem britischen Historiker Mark Mazower, wie brutal die Deutschen unter Hitler in Griechenland wüteten. Die SZ amüsiert sich bestens mit Stefanie Sargnagels hingerotzten Facebook-Postings.
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