Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
8040 Bücherschauen - Seite 83 von 804

Realitätsbezüge sollte man keine suchen

05.10.2023 Dlf Kultur zieht mit Monika Marons "Das Haus" in eine Alten-WG auf dem Land, in der das Feuer immer näher rückt. Die FAZ liest mit Dennis Coopers "Ich wünschte" einen Millenialroman, der eher die Möglichkeiten der Literatur austestet als die der Liebe. Die FR empfiehlt das Prosadebüt Amir Gudarzis, der in großer Klarheit vom konfliktreichen Leben eines iranischen Asylbewerber in Österreich erzählt. Die Zeit liest fassungslos das gemeinsame Buch von Franz Xaver Kroetz und Marie Theres Relin.

Es bediente Herr Stiller

04.10.2023 Die SZ blättert durch zwei neue Bücher, die Pornografie enttabuisieren wollen: Gute Sache, findet sie, aber es geht leider auch das Anarchische der Sache flöten. Außerdem stellt sie ein neues Kulturmagazin vor: Delfi. Die FAZ lässt sich anregen von Harald Hartungs "Provisorischen Schlüssen". Und mit Drago Jancars Roman "Als die Welt entstand" durchlebt sie eine Dreiecksgeschichte im Slowenien der 60er. Die NZZ versucht dem grauenhaften Panorama der chinesischen Kulturrevolution standzuhalten, das Liao Yiwu vor ihr entfaltet.

Poetische Macht des Traums

02.10.2023 Die FAZ ist beeindruckt von Rijula Das' Roman "Die Frauen von Shonagachi", der ziemlich präzise das Elend der Prostitution in Bangladesch beschreibt. Die NZZ begrüßt freudig die Erstübersetzung von Gedichten Phillis Wheatleys, der ersten schwarzafrikanischen Lyrikerin, die noch vor der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika publizierte.Die SZ empfiehlt einen Architekturführer für Kiew. Die taz liest Sandra Rummlers Graphic Novel "Seid befreit" über das Ende der DDR.

In aller Rauheit menschenfreundlich

30.09.2023 Die FR ist begeistert von Milo Raus Essay "Die Rückeroberung der Zukunft", das revolutionäre Funken sprüht. Christopher Clark gelingt mit seiner Abhandlung über die europaweiten 1848er-Aufstände gegen die Monarchie mal wieder eine perfekte Mischung aus fachlich fundiertem Wälzer und Pageturner, lobt die SZ. Der Dlf schätzt die Sensibilität, mit der Alexander Kielland Krag in seinem Jugendbuch "Nur ein wenig Angst" aus der Perspektive eines Teenagers mit Angststörung schreibt. Und Dlf Kultur würde sich in die poetische "Wucht und Zartheit", mit der Marica Bodrozic in ihrem Roman "Von der Liebe der Tiere" erzählt, am liebsten hineinlegen.

Einsiedlerkrebse, die in Glühbirnenfassungen leben

29.09.2023 Mit Spannung liest die FAZ Simon Parkins Darstellung des Schicksals der im Ersten Weltkrieg im britischen Lager Hutchinson internierten Künstler. Die SZ würde Milo Rau gern vor seinem eigenen Radikalismus-Pathos in Schutz nehmen. Der Dlf staunt, wie die südkoreanische Dichterin Don Mee Choi koloniale Strukturen in Lyrik, Bilder und Zeichnungen übersetzt. Dlf Kultur springt mit Per Molander und Virginia Woolf zwischen Literatur und Physik hin und her. Mit Ines Bayard sehnt er sich in Steglitz nach Stille.

Zukunftsvisionen

28.09.2023 Die Welt rumpelt sanft mit Karl Schlögel, dem großen Historiker der Räumlichkeit, durch die "American Matrix". Die FAZ sehnt sich bei der Lektüre von Lea Bonaseras klimakämpferischem Aufruf "Die Zeit für Mut ist jetzt!" nach John Rawls. Dlf Kultur verneigt sich vor einer Schmerzensmutter ohne Heiligenschein, die Margrete Steckel auf grad mal 50 Seiten in "Mutterrache" porträtiert. Und sie folgt Helge Timmerberg nüchtern, aber angeregt auf seiner Reise in die Welt des Cannabis.

Eine einzige Wunderkammer

27.09.2023 Die FAZ lernt von Marcus Willaschek, wie man den erodierenden Universalismus mit Kant auffrischt. Die FR durchlebt mit Melba Escobars "Die Mutter" den Terror in Bogotá. Die NZZ flaniert mit Birgit Schönau am Tiber entlang durch die Geschichte Roms. Dlf Kultur beugt sich mit Roma Agrawals "Nägel mit Köpfen" über sieben Erfindungen, die die Welt bis heute verändern.

Ästhetik des Schönheitssuchers

26.09.2023 Diaty Diallos Roman "Zwei Sekunden brennende Luft" über Polizeigewalt und Rassismus im Pariser Banlieu ist das Buch zu Stunde und noch mehr, jubelt der Dlf. Dlf Kultur freut sich über die Veröffentlichung zweier Texte der russischen Dichterin Darja Serenko. Die SZ liest mit Gewinn Iris Därmanns Buch über den Zusammenhang von Kolonialismus und Sadismus. Und die enthusiastische FR möchte in Thomas Hettches dichter Gedankenwelt im neuen Roman "Sinkende Sterne" am liebsten wohnen.

Ungleiche Freundschaft mit einem Totenkopf

25.09.2023 Die SZ jubelt nach der Lektüre von Goran Vojnovics Roman "18 Kilometer bis Ljubljana": Das ist Weltliteratur! Außerdem liest sie mit Grete Rebstocks Studie über sowjetische Zwangsarbeiter im NS-Regime einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung gleich zweier Unrechtsregime. Die FAZ tritt mit der vom iranischen Künstler Mehrdad Zaeri illustrierten Neuausgabe von "Krabat" ohne Zögern noch einmal über die Schwelle der schwarzmagischen Mühle in der Lausitz. Dlf Kultur lernt mit "Eine Geschichte von Genuss und Gewalt" viel Interessantes über Kaffee.

Auf ethischer Optimierungs-Mission

23.09.2023 Die FAZ staunt, wie Helgard Haug in ihrem Roman "All right. Good night" zwei scheinbar disparate Ereignisse - das Verschwinden eines Flugzeug und das Verschwinden des Gedächtnisses des Vaters - zu überblenden weiß. Die taz liest mit Gewinn Christoph Wimmers Reportage über über die kurdische Region Rojava: "Land der Utopie?" Die SZ lobt die geniale Präzision Terezia Moras.