Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Stählerne Direktheit

03.02.2022 Einzigartig findet die SZ Jon Fosses Roman "Ich ist ein anderer" und sprachmächtig wie Beckett. Die Zeit liest interessiert das brutal ehrliche Manifesto Bernadine Evaristos "Warum ich niemals aufgebe". Die FAZ schwärmt von den "One Hundred Poets", die Jürgen Partenheimer sich malerisch anverwandelt hat. Der dlf staunt über schonungslose Offenheit in Daniel Schulz' Debütroman "Wir waren wie Brüder" über eine Jugend in der Wendezeit. FAZ und Zeit empfehlen außerdem Manfred Krugs Tagebucheinträge in "Ich sammle mein Leben zusammen".

Spezialistinnen der Einsamkeit

02.02.2022 Die FAZ vertieft sich in eine fiktive Autobiografie des genialen estländischen Linsenschleifers Bernhard Schmidt. Die SZ lernt aus Alba de Cespedes' Roman "Das verbotene Notizbuch", wie Mutterliebe in Hass umschlagen kann. Dlf Kultur ist hin und weg von "Brummps", einem Mistkäfer mit Identitätsproblemen, weil er unter Ameisen aufwächst. Dlf empfiehlt Sara Pines Erzählband "Damenbart".

Paris Bar ist überall

01.02.2022 Die FAZ versinkt mit Jonas Mekas' Tagebüchern im New York der siebziger Jahre. Den Ruf der Vernunft vernimmt der Dlf in John McWhorters Streitschrift "Die Erwählten" gegen den neuen Antirassismus. Nicht zu verwechseln mit Thomas Manns fast vergessenem Roman "Der Erwählte", den der DlfKultur zu einem seiner schönsten kürt. Die NZZ lässt sich mit dem neuen Naturkunden-Band "Faultiere" gut gehen. Die SZ gönnt sich einen Abend mit Michel Würthle. Und die taz liest famose Comic-Thriller mit Witz und Karacho-Action.

Elegant noch in den längsten Sätzen

31.01.2022 Der Dlf preist Radka Denemarkovas Roman "Stunden aus Blei" über eine tschechische Schriftstellerin in Peking. In der NZZ lobt Hans Christoph Buch noch einmal Bei Daos Jugenderinnerungen "Das Stadttor geht auf".  Ein Paradebeispiel der Geschichte von unten sieht die SZ in Michael Wildts "Zerborstener Zeit". Der DlfKultur empfiehlt Richard Rohrmosers nüchterne Bilanz der "Antifa".

Überschreiben ist quälend

29.01.2022 Die FAZ liest bewundernd Guido Mosellis Weltabschiedswerk "Dissipatio", in dem das Ende der Menschheit auf leisen Flügelschwingen daherkomme. Der DlfKultur folgt dem Kartografen Edward Brooke-Hitchings angstfrei durch alle Zwischenreiche, Himmel und Höllen. Die taz verschlingt Sofi Oksanens Leihmütter-Roman "Hundepark" wie einen Thriller. Und die FR lässt sich von Manfred Krugs Tagebüchern in die Vergangenheit schleudern.

Literatur als helfende Hand

28.01.2022 Die SZ bewundert, wie Yasmina Reza das Grauen der irdischen Existenz in Unterhaltung verwandelt. Außerdem empfiehlt sie Kinder- und Jugendbücher: Von Marie Pavlenko lässt sie sich ein typisch französische „Kirsche auf der Torte aller Katastrophen“ kredenzen, mit George Lester findet sie als Drag Queen zu sich selbst. Die FAZ frischt mit Johann Jakob Spreng ihre „Kraft- und Sprüchwörter“ auf. Und der Dlf lauscht Liebling Kreuzberg, wenn Manfred Krug in seinen Tagebüchern Feinde disst.

Figur mit Selbstzweifeln

27.01.2022 Großes Lob in FAZ und Dlf Kultur für Abbas Khiders Roman "Der Erinnerungsfälscher", dessen Hauptfigur mit ihren Selbstzweifeln dem Leser sehr nahe kommt. Die Zeit verbeugt sich vor Liao Yiwus Dokumentarroman "Wuhan" der für sie wahrhafte Dichtung und Geschichtsschreibung zugleich ist. Außerdem lernt sie von David Graebers und David Wengrows Menschheitsgeschichte "Anfänge", was wahre Freiheit ist. Die NZZ ruft nach Lektüre eines Bandes über den "neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit" nach einer Ethikkommission zur Bekämpfung des digitalen Wildwuchses.

Das Heitere einer Biene auf Honigsuche

26.01.2022 Die NZZ spürt mit dem Dokumentarroman des chinesischen Autors Liao Yiwu den Anfängen der Pandemie in Wuhan nach. Die FAZ begibt sich mit einem späten Roman von Aharon Appelfeld auf die Flucht durch die Ukraine. Die FR staunt über die Lakonie, mit der Mieko Kawakami vom Mobbing an einer japanischen Schule erzählt. Die taz empfiehlt wärmstens die von Kurt Scharf und Ali Abdollahi herausgegebene Anthologie persischer Lyrik aus dem 21. Jahrhundert. Und Dlf Kultur kann nicht genug bekommen von Monika Helfers Romanen über ihre Verwandtschaft.

Praktische Großherzigkeit

25.01.2022 Grandios findet der DlfKultur William Melvin Kelleys Roman "Ein Tropfen Geduld", der von einem blinden Jazzmusiker in den Südstaaten der Zwanzigerjahre erzählt (hier ein "Vorwort" von Angela Schader). Wie einen Song von Nina Simone genießt die SZ David Chariandys dunkel-poetische Roman "Francis". Der Dlf preist Tiefe und Humor von Abbas Khiders Roman "Der Erinnerungsfälscher". Die Gedichte von Rainer René Mueller sollten Schullektüre sein, meint die FR. Und die FAZ freut sich über die Wiederentdeckung der Reporterin Alice Schalek.

Erhöhte Reaktionsenergie

24.01.2022 Der Dlf schwingt sich mit Alexander Kluges "Zirkus"-Buch ganz ohne Netz von Erlebtem zu Gedachtem. Die FR bewundert, wie Yasmina Reza in ihrem neuen Roman "Serge" Abgründe öffnet, um das Unaussprechliche zu befreien. Die NZZ lässt sich von Monika Bolliger die Levante erklären. Die SZ liest Bücher zum jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die FAZ stellt neue Kinderbücher vor, darunter Linda Wolfsgrubers poetisches Bilderbuch "Der Moment, bevor...".

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