Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Erhöhte Reaktionsenergie

24.01.2022 Der Dlf schwingt sich mit Alexander Kluges "Zirkus"-Buch ganz ohne Netz von Erlebtem zu Gedachtem. Die FR bewundert, wie Yasmina Reza in ihrem neuen Roman "Serge" Abgründe öffnet, um das Unaussprechliche zu befreien. Die NZZ lässt sich von Monika Bolliger die Levante erklären. Die SZ liest Bücher zum jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die FAZ stellt neue Kinderbücher vor, darunter Linda Wolfsgrubers poetisches Bilderbuch "Der Moment, bevor...".

Vor- und Rückblenden

22.01.2022 Die FAZ empfiehlt zwei Romane aus Kanada: Anne-Marie Garats "Der große Nordwesten", eine komplexe, in den 1930ern spielende Familiengeschichte, und Naomi Fontaines "Kleine Schule der großen Hoffnung" über eine junge indigene Lehrerin zwischen den Sprachen und Kulturen Kanadas. Wer China besser verstehen will, dem empfiehlt die FR nachdrücklich Radka Denemarkovas Roman "Stunden aus Blei". Die taz liest mit Grauen Uta von Arnims Buch über ihren Nazi-Großvater, der ein Institut für Menschenversuche in Riga leitete.

Das kurze Leben der Weihnachtsbäume

21.01.2022 Dlf und Dlf Kultur feiern die lakonisch-komische Miniaturprosa der Mary Ruefle (mehr zu Mary Ruefle auch in unserer Tagtigall). Die FAZ würdigt die feinen Unterschiede, die zwei Bände zu Beutekunst zwischen osmanischen und europäischen Raubzügen machen. Die FR lernt von Shumona Sinha, wie Literatur als Schutzwall gegen Gewalterfahrungen dienen kann. Die SZ lässt sich von Lea Schneiders "Scham" ermutigen, Verletzlichkeit zu zeigen.

Rote Wiesen und grüne Lippen

20.01.2022 Eine begeisterte FAZ durchstreift mit drei Kurzromanen von Cesare Pavese das Turin der fünfziger Jahre. Die FR wird mit Gedichten von Ulrike Draesner gleich "hell & hörig". Die SZ lässt sich von David Mendelsohn gern die Geschichte seiner Identitätsfindung erzählen. Wer noch theoretisches Futter zu Identitätspolitik sucht, dem empfiehlt die Zeit Sally Haslangers philosophische Exkursion "Der Wirklichkeit widerstehen". Der Dlf liest mit Entsetzen Stanislav Aseyevs Aufzeichnungen aus einem ostukrainischen Foltergefängnis.

Larven und Spukgestalten

19.01.2022 Die NZZ vertieft sich in zwei Bücher über die Aufklärung: Sabine Appels "Unser Rousseau" und Corine Pelluchons "Das Zeitalter des Lebendigen". Radikalste Gesellschaftskritik liest die SZ in den "Gedanken, Maximen, Reflexionen" des Moralisten Nicolas de Chamfort. Die FAZ empfiehlt einen Band über den "Tatort Polizei", die taz Monika Helfers Vater-Kind-Geschichte "Löwenherz".

Kompromisslos kühl

18.01.2022 Die FAZ erlebt mit Susan Taubes Roman "Nach Amerika und zurück im Sarg" noch einmal das wüste 20. Jahrhundert. Die FR versinkt in der flirrenden Hitze von Juan Rulfos Erzählwerk. Die NZZ huldigt mit Philippe Jaccottet und Fabio Pusterla der Schweizer Dichtkunst. Die SZ verschlingt Ayelet Gundar-Goshens Roman "Wo der Wolf lauert". Und der DlfKultur liest mit angehaltenem Atem Sofi Oksanens Thriller um die paneuropäische Fruchtbarkeitsindustrie.

Das Schlachtenpanorama Mensch gegen Natur

17.01.2022 Der DlfKultur blickt mit Richard Girlings "Der Mensch und das Biest" erschüttert auf die lange Leidensgeschichte der Kreatur.  Von Joke Hermsen lernt er dagegen, kreative Kraft aus der Melancholie zu schöpfen. Die SZ liest Bücher zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Die FAZ fängt heimlich an Pogo zu tanzen, wenn Charly Hübner von seiner ungestümen "Motörhead"-Jugend in Mecklenburg erzählt.

Die Sache mit der Mitmenschlichkeit

15.01.2022 FR und Dlf Kultur empfehlen wärmstens den Briefwechsel zwischen den beiden „Einander-Lesenden“ Christa Wolf und Franz Fühmann. Die FAZ erkennt in Heinz Rudolf Kunzes Autobiografie, wie gut Rock und Intelligenz zusammenpassen. Die taz kann nach der Lektüre von Alba de Cespedes’ verbotenem Notizbuch nicht fassen, wie die kubanisch-italienische Journalistin und Widerstandskämpferin in Vergessenheit geraten konnte. Mit Markus Gabriel erkundet sie die „Macht der Kunst“.

Existenzielle Grenzsituationen

14.01.2022 Die FR bricht mit Birgit Kreipe zu neuen Klangräumen auf. Der Dlf liest in Victoria Wolffs autobiografischem Roman von 1935, wie die Nazi-Ideologie in eine deutsche Kleinstadt sickerte. Die SZ empfiehlt heute Sachbücher für Kinder: Bei Eduardo Muñoz liest sie, welche Pflanzen man essen kann und von Charlie Morland erfährt sie, wie Musik funktioniert. Die taz lernt in den Erinnerungen des Exilforschers Guy Stern einen unermüdlichen Wissenschaftler kennen. Und Dlf Kultur erlernt von Dai Sijie die uralte Kunst der Taubenflötenschnitzerei.

Von geklonten Zollhunden

13.01.2022 Die FAZ liest gebannt Nina Bouraouis französischen Selbstermächtigungs-Roman "Geiseln", der lange vor MeToo entstand. Mit Luo Lingyuan frönt sie Luxus und Exzess im Shanghai der Dreißiger. Die NZZ lässt sich von David Graeber und David Wrengow eine neue Geschichte der Menschheit erzählen. Auch die Zeit erliegt der furchtbaren Wucht des neuen Houellebecqs. Und Dlf Kultur liest in Megha Majumdars Debütroman "In Flammen" die Geschichte einer jungen Inderin, die im Gefängnis landet, nachdem sie auf Facebook Kritik an der Regierung äußerte.