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23.06.2022 Die FAZ wird mitgerissen von Gerhard Roths psychotischen Imkern. Gebannt liest sie auch Teresa Präauers schimmernde Mädchenerinnerungen. Die FR traut Charlotte Wiedemann zu, die verhärteten Fronten in der Debatte über koloniale Verbrechen und den Holocaust zu lockern. Die Zeit lässt sich von Gudrun Krämer in die islamische Ideenwelt ab dem 19. Jahrhundert. Mit Heinz Strunk entlarvt sie die Lebenslügen der Bourgeoisie. Und Dlf Kultur lässt sich von Brian Fagan und Durrani Nadia erzählen, "was im Bett geschah".

22.06.2022 Die FAZ begleitet Leonid Zypkin durch kafkaeske Situationen während der Breschnew-Ära. Mit Keiichiro Hirano wagt sie einen Identitätstausch in der japanischen Provinz. Dlf Kultur verdankt Stefan Boskovic ein temporeiches Sittengemälde der montenegrinischen Gesellschaft. Die SZ lauscht Andrea Tompa, die in "Omerta" vier Menschen von Liebe und Opportunismus in der rumänischen Diktatur erzählen lässt. Und die FR warnt mit Robert Pfaller vor zu viel Scham.

21.06.2022 Die FAZ findet pure Lesefreude in einer praktischen Aufblaskirche von Julio Cortazar. Mit großem Interesse liest sie auch die neue Ausgabe der Zeitschrift Osteuropa, in der unter anderem Karl Schlögel und Gerd Koenen die deutsche Russlandpolitik analysieren. Die NZZ lauscht den traumatisierten Kindern des Holocaust, denen die britische Historikerin Rebecca Clifford eine Stimme verleiht. Der Dlf liest "Geschichten der übelsten Sorte" von Garielle Lutz. Dlf Kultur folgt Clint Smith auf den Spuren des transatlantischen Sklavenhandels von New Orleans bis nach Monticello.

20.06.2022 Maike Albath feiert im Deutschlandfunk einen Band mit Essays von James Baldwin. Unter anderem arbeitet sich Baldwin hier an Richard Wright ab, dessen Roman "Der Mann im Untergrund" gerade als Hörbuch erscheint und von der FAZ besprochen wird. Tillmann Bendikowskis "Hitlerwetter" bietet für die SZ einen charakteristischen Einblick in den Alltag der Deutschen im Jahr 1939: Mit den Nazis hatten sie sich bestens arrangiert und turnten fleißig mit.

18.06.2022 Die FAZ lotet mit Cornelia Achenbach auf "Nachwanderung" die Geheimnisse einer Freundschaft aus. Dlf Kultur begibt sich mit Samuel Hamen auf Quallenforschung und stößt unvermutet auf fluide Identitäten. "Moralophobia"? Die SZ weigert sich jedenfalls, mit Jörg-Uwe Albig zu moralisieren. Die taz liest Kathy Acker "Bis aufs Blut". Und doch mit Gewinn.

17.06.2022 Die SZ bringt heute Kinderbuchkritiken und widmet sich etwa mit David Edmonds und Bertie Fraser der Frage, wie man der robotischen Tochter menschliche Werte und irrationale Regungen auf rationale Weise verständlich macht. Dlf Kultur ist beeindruckt von von Mary Paulson-Ellis' Krimi "Die andere Mrs. Walker", der sich einer verbitterten und manipulativen und doch berührenden Heldin widmet. Die FR liest Christian Gerhahers "Lyrisches Tagebuch".

16.06.2022 Wegen Fronleichnam gibt es heute kaum Zeitungen und entsprechend wenig Kritiken. Immerhin: Dlf Kultur empfiehlt Reinhard Kaiser-Mühleckers "Wilderer" als existenzialistischen Bauernroman, in dem der Horror droht. Viel Spaß hatte der Sender mit Santiago Lorenzos Roman "Wir alle sind Widerlinge" über einen Nerd, der sich in einem verlassenen Dorf einquartiert und der "Ungierde" frönt. Und auch Norbert Hummelts "1922" wird mit viel Sympathie besprochen. Der Dlf fröstelt dagegen mit Philipp Böhms Erzählband "Supermilch" in der Arbeitswelt einer dystopischen Zukunft.

15.06.2022 Die Zeit spürt den unmittelbaren Moment in den Gedichten Jürgen Beckers. Die SZ erlebt eine erbarmungslose Fauna in Ted Hughes Gedichtband "Wodwo". Die FAZ versenkt sich in die Naturlyrik Erika Burkarts. Und entdeckt nach der Welt ebenfalls eine Geistesverwandschaft Heinz Strunks mit Thomas Mann. Die FR wird in Anne Tylers Roman "Eine gemeinsame Sache" Zeugin einer langsam erkaltenden Beziehung. Die NZZ freut sich über die Entdeckung der portugiesischen Autorin Djaimilia Pereira de Almeida.

14.06.2022 In Sachen Elendsschilderung bleibt Heinz Strunk unerreichbar, befindet die SZ auch nach seinem neuen Roman "Ein Sommer in Niendorf". Von Martin Puchner lernt sie Rotwelsch. Die FR empfiehlt Claudia Schumachers Debütroman "Liebe ist gewaltig", auch wenn die Szenen der Gewalt sie schwer schlucken lassen. Stark findet der DlfKultur die Atmosphäre in Adam Bodors Roman "Die Vögel von Verhovina". Die FAZ verfolgt mit zwei Büchern von Rudolf Buntzel und Kristoffer Endresen die Fleischwerdung des Schweins. Der Dlf erlebt einen rohen Frantz Fanon in den Texten "Für eine afrikanische Revolution".

13.06.2022 Wie ein Gelato al Limon schmilzt die taz dahin, wenn Eric Pfeil die Schönheit des italienischen Liedguts vorführt. Selbst woken Lesern muss Joseph Conrads Kolonialismus-Klassiker "Lord Jim" umhauen, glaubt der Dlf. Mit seiner Arno-Schmidt-Biografie führt Sven Hanuschek der NZZ vor Augen, wie Gelingen im Scheitern aussieht. Der DlfKultur liest mit Schaudern Sonia Combes Geschichte der DDR-Intellektuellen "Loyal um jeden Preis".