Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Der Mensch im Verhältnis zum Universum

21.11.2023 Die FR lacht sich kaputt über Barbi Markovics Buch "Minihorror" – und gruselt sich gleichzeitig ein bisschen. Zadie Smith' Roman "Betrug" über einen Hochstapler, der im England des 19. Jahrhunderts die Massen um den Finger wickelt, lässt die NZZ an Donald Trump denken. Die FAZ erfährt aus Helen Ahners Kulturgeschichte der Planetarien, wie die Sternenmaschinen uns im Zeitraffer die Entstehung von Galaxien nachvollziehen lassen. Der Dlf findet in Jörn Leonhards Thesen "Über Kriege und wie man sie beendet" zwar kein Patentrezept für den Frieden, aber eine kluge Darstellung der möglichen Wege dorthin.

Seligkeit der kleinen Kreatur

20.11.2023 Die SZ lässt sich von Peter Kemper in "The Sound of Rebellion" die politische Geschichte des Jazz erzählen. Von Richard Overys "Weltenbrand" lernt sie, den Zweiten Weltkrieg als Konsequenz des Imperialismus zu betrachten. "Persepolis"-Autorin Marjane Satrapi zeichnet im illustrierten Sammelband "Frau, Leben, Freiheit" für Dlf-Kultur ein Panorama des Protests gegen die islamische Republik. Die FAZ lauscht andächtig, wenn Edgar Selge und Franziska Walser die "Duineser Elegien" von Rilke rezitieren.

Raum für Kauzigkeit

18.11.2023 Die FAZ blickt mit Andreas Heinz in das kolonialisierte Gehirn. Die FAS lässt sich von Natasha Lance Rogoff die verrückte Geschichte erzählen, wie die Sesamstraße nach Russland kam. Die FR meint in Durs Grünbeins Roman „Der Komet“ zu sehen, wie die Streubomben über dem Text einschlagen. Die taz nähert sich mit Laure Adler dem Thema „Altern“. Die Angst davor nimmt der taz Jane Campbell in dreizehn feinfühligen Kurzgeschichten. Der Dlf wundert sich nicht, wenn in Bora Chungs bitterbösen Geschichten auch mal ein Kopf aus der Toilette schaut.

Vom Urinputzer zum Pulveraffen

17.11.2023 Der Dlf bewundert, wie gut gelaunt pessimistisch Joann Sfar in seiner Graphic Novel den Geist der französischen Rechten entlarvt. Die FAZ dankt Manfred Görtemaker, dass er mit Mythen um Rudolf Hess aufräumt. Die SZ erliegt dem magischen Realismus von Hayao Miyazaki in dessen Helden-Comic "Shunas Reise". Mit Markus Rottmann lernt sie die außergewöhnlichsten Berufe aller Zeiten kennen. Und Dlf Kultur versucht mit Gedichten von Jan Röhnert in Gegenwart von Gestein und Vögeln der Verzweiflung zu entkommen.

Wunderkammer abenteuerlicher Gleichzeitigkeit

16.11.2023 Durs Grünbein wehrt sich in seinem neuen Roman "Der Komet" gegen die Ästhetisierung des Schreckens der Nazi-Diktatur, weiß die Zeit. Außerdem endeckt sie in "Freiheit, Gleichheit - Sinnlichkeit" die erotische Literatur des 18. Jahrhunderts und lernt: Schlüpfriges und Autoritätskritik gingen bei Goethe und Co. Hand in Hand. Die NZZ empfiehlt Maria Kuncewiczowas Prosaband "Zwei Monde" von 1933, der von unerfüllten Wünschen in der polnischen Provinz erzählt. Und die FR berührt es sehr, wie Britney Spears in "The Woman in Me" ihren Kampf für Selbstbestimmung schildert.

Urschrei der Literatur

15.11.2023 Die FAZ dringt mit Gedichten von Martin Piekar vor in Bereiche jenseits der "hermeneutischen Bequemlichkeit" und entdeckt letzte Zuckungen des Menschlichen. Außerdem stürzt sie sich auf eine neue Edition von Sigfried Giedions "Die Entstehung des heutigen Menschen". Die FR erkennt in Monika Marons Roman "Das Haus", was passiert, wenn alle Gewissheiten verloren gehen. Dlf Kultur empfiehlt Hans-Christian Oesers hervorragende Neuübersetzung von William Thackerays "Jahrmarkt der Eitelkeiten".

Wilde wütende Fantasie

14.11.2023 Die SZ schätzt die "stille Neugier", mit der Karl Ove Knausgard in "Der Wald und der Fluss" von seinen Begegungen mit Anselm Kiefer erzählt. Joana Bators Roman "Bitternis", der weibliche Schicksale in Polen schildert, möchte sie am liebsten mit allen Sinnen wahrnehmen. Dlf Kultur wird von Irmgard Keuns tragikomischem Exilroman aus Kinderperspektive zum Nachdenken und Schmunzeln angeregt. Und der Dlf findet Erlösendes in Peter Härtlings späten Gedichten.

Von der Steinzeit bis zum Cyberspace

13.11.2023 Franci Rabinek Epsteins Bericht über ihre Erlebnisse als tschechische Jüdin in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen bringt Dlf Kultur das Unbegreifliche näher. Die NZZ beglückwünscht Thomas Kramer zu seinem vielschichtigen Essay über Karl May: ein Buch der Versöhnung von europäischer Moderne mit postkolonialen Theorien, frohlockt sie! Die SZ empfiehlt Frank Trentmanns monumentale Mentalitätsgeschichte über die Moral der Deutschen. Die FR lässt sich von Anja Zimmermann über die politische Geschichte der weiblichen Brust aufklären.

Diese Abgeklärtheit des Grotesken

11.11.2023 Düster ist Georgi Demidows Roman "Fone Kwas oder Der Idiot" über den Gulag, und dennoch konnte taz-Kritiker Dirk Knipphals ihn nicht aus der Hand legen und empfiehlt die Wiederentdeckung dringend zur Lektüre. Ebenfalls eine Wiederentdeckung: Fanny Lewalds Roman "Jenny", ein Roman über Antisemitismus im Preußen des 19. Jahrhunderts und laut FAS zugleich ein wichtiges literarisches Zeugnis jüdischer und weiblicher Emanzipation. Die NZZ empfiehlt eine Neuausgabre von Rilkes "Duineser Elegien".

Roter Teppich zum Höllenschlund

10.11.2023 Die FAZ blickt mit Wolfgang Merkel auf die Krise der Demokratie und mit Florian Werner in die Kulturgeschichte der Zunge. Die SZ trifft mit Michael Krüger vergnügt Lyrikerinnen und Lyriker aus aller Welt. Außerdem bewundert sie, wie witzig und klug Ersin Karabulut in seiner Graphic Novel türkische Geschichte seit den Achtzigern festhält. Wie nah Jurij Devetaks Comic-Fassung Boris Pahors "Nekropolis" kommt, erstaunt indes die taz. Dlf Kultur lässt sich von Christopher Clark durch ein Wimmelbild der Revolutionen und von Stefan Mey in die digitale Gegenwelt führen.