Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Kaulquappen in Kannenpflanzen

15.07.2022 Die FAZ empfiehlt gleich zwei Bände der amerikanischen Kulturwissenschaftlerin  Saidiya Hartman, die helfen, Erfahrungen schwarzer Frauen während der Great Migration zu verstehen. Der Dlf lässt sich von Rebecca Solnits Essays mühelos von Orwells Naturliebe zum Spanischen Bürgerkrieg bis zu Lügenbaronen wie Trump und Putin führen. Die SZ stürzt sich mit Linde Faas in ein Wimmelbild des Regenwalds. Und Dlf Kultur schätzt das Buch des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich dafür, dass es eine Wende in der Kunst auf den Begriff bringt, ohne gleich kulturpessimistisch zu werden.

Wundersame Flaschenpost

14.07.2022 Die Zeit kniet nieder vor Ralf Rothmann, der sie mit seinen Romanen über die deutsche Nachkriegszeit immer wieder moralisch und stilistisch herausfordert. Nicht weniger inbrünstig empfehlen FAZ und Dlf Kultur Norbert Scheuers zarten, rätselhaften neuen Eifel-Roman "Mutabor". Die SZ erfährt von Jürgen Gottschlich und Dilek Zaptcioglu-Gottschlich, wie tolldreist sich deutsche Archäologen und Politiker bei den Schätzen des Osmanischen Reichs bedienten. Dlf Kultur birgt mit Grete Weils knappem Roman über die Vertreibung der Juden aus Amsterdam  ein Kunstwerk der besonderen Art.

Enthemmung, Brexit und Jesus

13.07.2022 Die FAZ empfiehlt die unbestechlich feinen Gedichte des Litauers Tomas Venclova. Die FR seziert mit Essays von Rachel Cusk den Alltag und andere Unhöflichkeiten. Die NZZ lernt bei Ulrike Ackermann anschaulich die Abgründe der Woke-Kultur kennen. Außerdem bewundert sie, wie kühn Georgi Gospondinov  populistische Sehnsüchte zerlegt. Die SZ kann sich den widerspenstig-poetischen Alltagsnotizen von Peter Handke nicht entziehen. Und der Dlf Kultur denkt mit Rebecca Solnit über Orwell, Liebe und Botanik nach.

Innenraum einer großen Seele

12.07.2022 Luz hat Virginie Despentes' Kultroman "Vernon Subutex" illustiert, und zwar so wild und rasant wie ein Gedicht von Rimbaud, jubelt die NZZ berauscht. Der DlfKultur probt mit Carl-Christian Elzes "Freudenberg" den Identitätstausch an der polnischen Otseeküste. Die taz freut sich über eine Werkübersicht zu den Berliner Architekten  Inken und Hinrich Baller. Die FAZ feiert Sabine Doerings Biografie des jungen Hölderlin. Tapfer schluckt der Dlf die unbequemen Wahrheiten, die ihr Josef H. Reichholf in "Waldnatur" präsentiert.

Porsche oder Bahlsen

11.07.2022 Sehr aufschlussreich findet der DlfKultur, wie Frank Uekötter in "Atomare Demokratie" die Geschichte von Atomenergie und bundesdeutscher Demokratie verbindet. Der Dlf entdeckt die überraschende Aktualität von Martin Heidegger in "Bauen Wohnen Denken". Lesenswert findet die FAZ David de Jongs Recherche zur braunen Vergangenheit deutscher Großkonzerne.

Nie ein weißer Fleck

09.07.2022 FAZ, SZ, taz und Welt freuen sich über zwei Gedichtbände zum Neunzigsten von Jürgen Becker: Die FAZ verfällt der „sachlichen Melancholie“ in den „Gesammelten Gedichten“, die SZ verdankt den „Journalgedichten“ Augenblickseindrücke aus der BRD. Die FAZ empfiehlt zudem Bernd Brunners schöne Kulturgeschichte des Obstanbaus. Die taz lauscht den Stimmen schwarzer, queerer Frauen, die Saidiya Hartman im Band „Aufsässige Leben, schöne Experimente“ versammelt hat. Dlf Kultur bewundert die Gedankenschärfe, mit der Rachel Cusk in ihren Essays auf die Bedingungen weiblicher Existenz blickt.

Trittsteine im Wasser

08.07.2022 Die FR liest zwei Gedichtbände von Jürgen Becker mit dem Stift, so anregend findet sie dessen kraftvolle Poesie. Die SZ lauscht wehmütig den Gesprächen von Claude Sautet und Michel Boujut, entzaubert mit Anastasia Samoylova den „subtropischen Fiebertraum“ Floridas und erkennt in Carla Kaspari einen Hauch von Sally Rooney. Die FAZ hört genau zu, wenn Dorota Danielewicz die Fluchtgeschichten von neun BelarussInnen erzählt. Und Dlf Kultur wechselt die Perspektive mit Antje Schrupps „Reproduktiver Freiheit“.

Das Sanfte zartet aus

07.07.2022 Die Großen und Mächtigen der Weltpolitik kennt keiner so gut wie Henry Kissinger, erkennt die Zeit. In Piotr Sochas „Buch vom Dreck“ lernt sie allerhand über das stille Örtchen, mit Balzac sinniert sie über das Gehen. Die FAZ lässt sich betören von der „Laune Gottes“ der kanadischen Autorin Margaret Laurence. Die NZZ vergnügt sich mit trostlosen Geschlechtsakten von Heinz Strunk und verleiht ihm die Thomas-Mann-Medaille. Und Dlf Kultur annonciert ein „veritables Meisterwerk“ mit Alan Hollinghursts „Der Hirtenstern“.

Eine etwas skurrile Zeitgenossin

06.07.2022 Die FAZ nähert sich furchtlos, aber auch beglückt Senthuran Varatharajahs Roman über den Kannibalismus-Fall von Rotenburg. Catalin Dorian Florescu verdankt sie ein lebendiges Bild von Bukarest um 1900. Die SZ probt verschiedene Wahrnehmungen der Wirklichkeit mit Mary Rufles leuchtenden Prosaminiaturen. Die NZZ lässt sich von Adorno durch die „Eiswüste der Abstraktion“ leiten. Und Dlf Kultur folgt Kathrin Köller und Irmela Schautz interessiert durch die Geschichte der LGBTIQA+-Communities.

Wahrnehmungssatt

05.07.2022 Die FAZ reist mit der Historikerin Astrid M. Eckert ins „Zonenrandgebiet“ und birgt weniges Bekanntes zwischen Ost und West. Außerdem empfiehlt sie zwei Bücher über den Wald. Die FR amüsiert sich prächtig mit Monica Alis Roman über die dunklen Geheimnisse einer islamischen Familie. Die NZZ lernt von Timo Feldhaus, wie der Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1816 Poesie, Liebe und die ganze Moderne beeinflusste. Und Dlf Kultur stößt auf Schauerliches in Rainer Herrns Geschichte des Instituts für Sexualwissenschaft in Berlin.

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