Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Auf einem Telefonmast träumend

13.09.2023 Die SZ geht vor der Radikalität von Angelika Klüssendorfs "Risse" in die Knie. Die FAZ erlebt mit Xi Xis Roman "Meine Stadt" das Hongkong der 70er Jahre in seiner ganzen Pracht und Ärmlichkeit. Die FR verbeugt sich mit Mieko Kawakami vor all den stillen Helden des Alltags und Liebenden der Nacht. Wie wenig indische Frauen selbst in der Kaste der Brahmanen zu bestimmen haben, lernt die taz mit Geetanjali Shrees "Mai".

Nichts weniger als die Rettung des Kontinents

12.09.2023 Der Dlf singt Hymnen auf Zoltán Danyis' "Rosenroman", über einen Mann, der aus den jugoslawischen Kriegen eine Zwangsstörung davongetragen hat. Dlf Kultur stellt mit dem in Frankreich wieder entdeckten Manuskript "Krieg" von Louis-Ferdinand Céline einmal aufs Neue fest: dieser war gleichzeitig ein unerträglicher Antisemit und ein literarisches Genie. Die FR freut sich an den scharfsinnigen Verflechtungen in Nora Haddadas Debütroman über eine narzisstische, manipulative Drehbuchautorin.

Maschinenraum der Moderne

11.09.2023 Die FR ist hingerissen von Marion Poschmanns neuem Roman "Chor der Erinnyen", in dem Geistergeschichte und feministischer Befreiungskampf zusammenfließen. Die NZZ genießt mit R.C. Sherriff zwei Wochen Sommerfrische in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die FAZ schließt sich gerne an, wenn Michael Hüther in seinem Essay "Abschied von der Öffentlichkeit" mehr gesellschaftliche Zusammenarbeit fordert. Und die Welt ist tief bewegt von Carlos Franz' Roman "Das verschwundene Meer" über den Pinochet-Putsch.

Immenser Wissensspeicher

09.09.2023 FAS und FAZ bewundern, wie einfühlsam und wütend Wolf Haas von Leben und Tod seiner Mutter erzählt. Die FR feiert den neuen Roman von Navid Kermani, der sie gleich selbst zu Büchern von A bis S greifen lässt. Außerdem empfiehlt sie dringend die neue Ausgabe der Zeitschrift Osteuropa zu Russlands verlorenen Kriegen. Die SZ gerät in einen popkulturellen Drogenrausch mit Norman Oehlers neuem Buch über LSD. Und die taz streift mit Louise Kennedy durch das Nordirland der Siebziger.

Wie aus einem Nichts ein Leben wird

08.09.2023 Die FAZ streift mit Tobias Roth durch das Neapel der Renaissance. Entsetzt blickt die FR mit Stephan Lamby auf das Ausmaß der Naivität deutscher Politiker angesichts von Putins Krieg. Die NZZ lässt sich von Raymond Geuss' Kritik am Liberalismus provozieren. Die SZ lauscht mit Fran Lebowitz zwei eloquenten Pandas. Der Dlf hört gerührt zu, wenn Margit Schreiner ein Embryo vom Leben erzählen lässt. Außerdem lernt er Uwe Timm als literatischen Kürschner kennen.

Unheimliches Biest

07.09.2023 Die hingerissene SZ lernt in Uwe Timms Roman "Alle meine Geister" mit einem Lehrling im Hamburg der Nachkriegszeit die Grundlagen des Kürschnerhandwerks und die Liebe zum Lesen. Die Zeit schwärmt von der lässigen Meisterschaft, mit der Terezia Mora von Muna erzählt. Dlf Kultur wird mit James Lee Burkes letztem Robicheaux-Krimi noch einmal Zeuge des Kampfs zwischen Gut und Böse in der paradiesischen Landschaft Louisianas. Die FAZ entschwindet in Elena Fischers "Paradise Garden".

Mit Küssen und mit Bissen

06.09.2023 Die SZ ist hin und weg von der Beschwingtheit und erotischen Leichtigkeit, die Anne Serres drei "Gouvernanten" ausstrahlen. Die FAZ schwelgt mit Michel Pastoureau in den Farben dieser Welt. Endlich, ruft die FR, ist Stanislaw Barnaczaks Essayband "Ethik und Poetik" auch auf Deutsch erschienen: vierzig Jahre alt und aktuell wie am ersten Tag. Dlf empfiehlt einen dänischen Klassiker: Tom Kristensens "Absturz".

Nebeneinander von Unrecht und Begehren

05.09.2023 Die FAZ fühlt sich mit David Bellos Buch über Georges Perec in die Unvollendeten dieser Welt ein. Außerdem empfiehlt sie Carlos Franz' Roman "Das verschwundene Meer" über die Verschollenen der Pinochet-Diktatur. Die FR ist rundum begeistert von Marcus Willascheks Kant-Biografie. Die SZ begibt sich mit Wolf Haas' neuem Roman "Eigentum" auf Erinnerungsreise. Und Dlf Kultur feiert Sherko Fatahs Roman "Der große Wunsch" über einen Vater, der seine Tochter vor dem IS retten will.

Die Goldwaage realistischer Plausibilität

04.09.2023 Die FAZ begibt sich mit William Boyles fünftem Brooklyn-Krimi "Shoot the moonlight out" in ein Netz düsterer Verstrickungen. Mit Frank Stocker feiert sie den 75. Geburtstag der D-Mark - ganz ohne Nostalgie. Stephanie Zloch ist mit ihrer Studie über "Das Wissen der Einwanderungsgesellschaft" ein "starkes Stück historischer Aufklärung" gelungen, freut sich die SZ. Die FR verfolgt in Elfi Conrads Roman "Schneeflocken wie Feuer", wie sich eine junge Frau gegen das Patriarchat auflehnt. 

Ihr seid hungrig, gebt es zu!

02.09.2023 Welt und Dlf Kultur begleiten Colson Whitehead lässig durchs New York der Siebziger. Die Welt folgt Rachel Yoders „Nightbitch“ außerdem gespannt bei ihrer Verwandlung in eine Hündin. Die taz schöpft dank Igal Avidan Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen Juden und Arabern in Israel. Die FR kommt Rin Usamis „Idol in Flammen“ ganz nahe. Dlf folgt in Sherko Fatahs packendem neuen Roman einem Vater auf der Suche nach seiner Tochter, die sich dem IS angeschlossen hat. Und die FAZ verabschiedet sich wehmütig von Michael Kleebergs Charly Renn.