8043 Bücherschauen - Seite 107 von 805

24.12.2022 Die FR liest von den „verstörenden Verrücktheiten“ des Ukraine-Kriegs in den Tagebüchern von Yevgenia Belorusets, die SZ lässt sich von der Osteuropa-Kennerin Gwendolyn Sasse die Ursachen für den Krieg erklären, die FAZ hätte sich in Orlando Figes’ Geschichte Russlands indes mehr kritische Analyse gewünscht. Außerdem vermisst die FAZ mit Thomas Clerc dessen Pariser Wohnung. Die taz beobachtet friedlichen Nacktschneckensex in den Gedichten von Margaret Atwood. Der Dlf feiert mit Jochen Jung das Wunder des Lesens. Und nun wünschen auch die Perlentaucher allen Leserinnen und Lesern ein frohes Fest!

23.12.2022 Die FAZ lauscht angetan Raimund Schulz' und Uwe Walters vielstimmiger Geschichte Griechenlands. Außerdem verdankt sie Kathrin Müllers Objektgeschichte des Kreuzes schon ein wenig Weihnachtszauber. Die SZ fragt sich mit David Graeber und Marshall Sahlins, ob der Mensch beherrscht werden muss. Mit Dmitry Glukhovsky reist sie im Ufo nach Moskau. Der Dlf Kultur taucht mit Jonas Dahm und Carl Douglas lieber zu den Geisterschiffen der Ostsee.

22.12.2022 Dlf Kultur bewundert, wie Dorota Maslowska eine Art Warten auf Godot mit David Bowies kurzem Aufenthalt in Warschau verbindet und dabei ein so surreales wie realistisches Bild Polens in den Siebzigern zeichnet. Unerträglich selbstgefällig findet die NZZ das Geplauder Luisa Neubauers mit ihrer Oma Dagmar Reemtsma "Gegen die Ohnmacht". Die FAZ leidet in Sarah Crossans "Verheizte Herzen" mit einer Frau, deren verheirateter Liebhaber stirbt. Gefeiert wird außerdem eine kleine literarische Sensation: der Fund von "Walter Benjamins Auerbach" samt Anmerkungen.

21.12.2022 Die FAZ begibt sich mit Mark Andrews auf den schwarzen Planeten der Sisters of Mercy. Außerdem empfiehlt sie Lena Anderssons Roman "Der gewöhnliche Mensch" über die Geschichte des schwedischen Volksheims als außerordentliches Lektürevergnügen. Die SZ erfährt im Tagebuch von Michel Leiris, wie das koloniale Frankreich afrikanische Kunst raubte. Die FR reist mit dem spanischen Journalisten Manuel Chaves Nogales durch das nationalsozialistische Deutschland. Und der Dlf Kultur versinkt in Timo Luks' Kulturgeschichte der Bewerbung.

20.12.2022 Als tolles Debüt feiert die FAZ Przemek Zybowskis Roman "Das pinke Hochzeitsbuch": Er erzählt von einem jungen Polen, der von seinen in die BRD flüchtenden Eltern zurückgelassen wird. Der DlfKultur liest mit Interesse Simone Scharberts Psychiatrie-Roman "Rosa in Grau". Die NZZ bewundert die gedankliche Tiefe in Dieter Henrichs zartem Brevier "Furcht ist nicht in der Liebe". Und der Dlf blickt mit Sebastian Pittelkow und Katja Riedel auf die AfD nach "Rechts unten".

19.12.2022 Die Feuilleton nehmen die dreißiger Jahre fest in den Blick, allerdings die des 20. Jahrhunderts: Die SZ lernt in Büchern von Thomas Weber und Ralf Zerback, wie schnell Demokratie in Diktatur umschlagen kann. Der Dlf zeigt sich interessiert, aber unempfänglich für Ernst Jüngers kritisch-historisch edierte "Strahlungen". Die FAZ lauscht bedrückt, aber auch begeistert Stefan Zweigs "Welt von Gestern" in der Lesung von Walter Andreas Schwarz. Der DlfKultur häuft freudig mit Joachim Kalka unnützes Wissen über "Schatten und Schnee" an.

17.12.2022 Die taz lernt den Horror neu mit T.E.D. Kleins Roman "The Ceremonies" - und das unheimlichste sind seine Vorahnungen der Gegenwart. Die SZ lässt sich von Olivier Guez' "Lob des Dribbelns" über den tänzerischen Ursprung fußballerischer Eleganz informieren. Evelyn Grills Roman"Der Nachlass" reflektiert die Coronakrise aus Sicht einer "vulnerablen Person", und das mit feinstem Handwerk, lobt die FAZ. Dlf Kultur erfährt in "Vom Traum zum Trauma" von Caroline Wenzel, wie oft auch Männer Opfer psychischer Gewalt sind.

16.12.2022 Die FAZ macht mit Grégory Salle die Superyacht als Symbol des Kapitalozäns aus. Die FR blickt mit Jerry Z. Mullers ohne Häme auf das verquere Genie Jacob Taubes. Die NZZ versinkt mit Frank Schäfer in German Metal. Die SZ freut sich, dass die Neuübersetzung von Roald Dahls "Matilda" ganz ohne zeitgeistige Achtsamkeit auskommt. Und Dlf Kultur lässt sich von Michael D. Gordin über die die Geschichte von Ufologie, Eugenik oder Astrologie aufklären und verdankt Sefi Atta schmerzliche Einsichten in die amerikanische Gesellschaft.

15.12.2022 Dass Liebeskummer, Adorno und Benjamin gemeinsam zu einem berauschenden Buch inspirieren können, lernt der hingerissene Dlf mit Gesa Jessens Roman "Ein lautes Lied". In der Zeit empfiehlt der Afrikanist Andreas Eckert "Die Welt nach den Imperien", ein Buch der äthiopisch-amerikanischen Politikwissenschaftlerin Adom Getachew, als wegweisendes Werk über die Vordenker des Anti-Kolonialismus. Die FAZ lauscht mit Vergnügen der angeregten Unterhaltung von Luise Gottsched mit Dorothea und Anna Magdalena Bach in Angela Steideles Roman "Aufklärung". Die taz feiert Ian McEwans "Lektionen" als im traditionellen Sinne große Literatur.

14.12.2022 Die FAZ schwelgt im expressionistischen Adjektivsperrfeuer und den spitzen Pointen des Literaturkritikers Max Hermann-Neiße. Die SZ liest das Tagebuch von Ror Wolf als bundesdeutsche Kulturbetriebsgeschichte. Dlf Kultur bewundert den Sinn der Schnurrvögel für Ästhetik und Erotik, den ihr der Ornithologe Richard O. Prum nahe bringt.