Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Mit literarischer Nagelpistole

22.02.2023 Die FAZ lässt sich in Johanna Lykke Holms Roman "Strega" die Wut von zehn jungen Frauen auf die Gesellschaft um die Ohren knallen. Die FR freut sich über Kenneth Fearings wiederentdeckten Noir über die Journalistenbranche in den Vierzigern. Die NZZ feiert mit Virginies Despentes "liebem Arschloch" die Abstinenz. Außerdem staunt sie über die "sprühende Frechheit" der Wiener Autorin Lili Grün. Die SZ erliegt Emanuel Maeß, der in "Alles in allem" die schöne Literatur sloterdijkisiert. Und der Dlf liest Briefe zwischen Hermann Hesse und seinem jüngsten Sohn Martin.

Schwerelos

21.02.2023 Sasha Filipenko lässt mit seinem Roman über einen Moskauer Krematoriumsleiter die FAZ erschauern. Den Schrecken als Normalzustand erlebt der Dlf in den intensiven Erzählungen "Mann im Mond" der bosnischen Autorin Lana Bastasic. Von Michael Stavaric und Michèle Ganser lernt er die poetische Schönheit der Quellen zu lieben. Treffend findet die SZ NoViolet Bulawayos Simbabwe-Satire "Glory". Der NZZ liest mit Interesse  Gunter Hofmanns Willy-Brandt-Biografie.

Sissi-Film auf Drogen

20.02.2023 Es war nicht die Politik des Westens, die Putin zu Putin gemacht hat: seine Geisteshaltung war schon immer dieselbe, lernt die SZ in dem von Stéphane Courtois herausgebrachten "Schwarzbuch Putin". Die FR  stimmt in den Chor der erfreuten Stimmen über die Neuausgabe von Brigitte Reimanns "Die Geschwister" ein. Der Deutschlandfunk würdigt "Die Verwandelten", Ulrike Draesners großen Roman zum Thema Flucht und Vertreibung. Die FAZ bespricht neue Hörbücher.

Zwischenzustände des Gewöhnlichen

18.02.2023 FAZ und FAS begrüßen begeistert die Neuausgabe von Brigitte Reimanns Roman "Die Geschwister" in unzensierter Fassung. Die SZ bewundert ein weiteres Mal die geradezu unheimliche Lebendigkeit von Karl Ove Knausgårds Erzählkunst in "Die Wölfe aus dem Wald der Ewigkeit". Die taz schätzt Robert M. Zoskes unheroisch heroische Geschichte der Weißen Rose. Die NZZ lässt sich von Peter von Matt in die Geschichte der Literatur entführen, und zwar bis ins Detail.

Die Geburt des Rades

17.02.2023 Der Dlf erhält von Giuliano da Empolis Roman "Der Magier im Kreml" ein Psychogramm Putins. Die FR lässt sich von Peter Longerich die Hintergründe und Ziele von Goebbels' Sportpalastrede erläutern. Die FAZ erfährt von der Politikwissenschaftlerin Lee Ann Fujii, wie  in Bosnien-Herzegowina, Ruanda oder Maryland Gewalt als kollektives Happening zelebriert wurde. Mit Ingrun Spazier liest sie "Briefe aus der DDR".

Als die Zeit noch linear verstrich

16.02.2023 Die FAZ lernt dank Henryk Grynberg, wer die "Kinder aus Teheran" aus sind: Jüdische Kinder aus Polen, die nach Palästina gerettet wurden und in Israel nicht als Opfer des Holocaust anerkannt werden. Die Zeit liest interessiert Götz Alys Sammelband "Unser Nationalsozialismus". Außerdem holt sie August von Goethe mit Stephan Oswald aus dem Schatten des Vaters. Der Dlf blickt mit Robert Coover und Art Spiegelman in "Street Cop" in eine düstere Zukunft.

Alternative Bezirke der Fantasie

15.02.2023 Die FR lernt mit Nico Bleutges „schlafbaum-variationen“ das Schweben. Die FAZ erlebt mit Karl Ove Knausgards Roman „Die Wölfe aus dem Wald der Ewigkeit“ ein sehr friedliches Moskau aus der Sicht mehrerer Ich-Erzähler. Die SZ zieht respektvoll den Hut vor dem Geschichtsprofessor Ewald Frie, der sich mit sechzig Jahren an die Aufarbeitung seiner bäuerlichen Familiengeschichte gemacht hat. Der Dlf staunt über die Farbbrillanz von Jean de Mandevilles spätmittelalterlichem Bestseller „Die Wunder der Erde“.

Vielfalt des Verbergens

14.02.2023 Die SZ genießt mit Stefan Moses "Maskenspielen" das Spiel des enthüllenden Verhüllens. In der SZ begeistert sich Elke Heidenreich für Julia Schochs Roman "Das Liebespaar des Jahrhunderts". Die FAZ lernt von Thomas Bugnyar die intelligenten Manöver von Raben zu bewundern. Eine wunderbare Lektüre bereiten ihr auch Giorgio Manganellis "Hundert Romane in Pillenform". Der Dlf liest beeindruckt Frederic Valins dokumentarischen Roman "Ein Haus voller Wände". Der DlfKultur kommt mit Richard Rorty auf gute Ideen in Sachen pragmatischer Gerechtigkeit.

Angemessen apokalyptisch

13.02.2023 Als Buch der Stunde preist die SZ Claudia Kemferts Buch "Schockwellen", das die Energiepolitik auch als Kampf um Demokratie gegen Autokratie begreift. Die FR liest betroffen Dmitrij Belkins Biografie des zum Dissidenten Lew Kopelew. Mit Timothy Snyder setzt sie gegen die Tyrannei auf zivilen Ungehorsam. Als große Leistung würdigt die NZZ, wie besonnen Hasan Hasanovic davon berichtet, wie er Srebrenica überlebte. Die taz nimmt sich ein Beispiel an Virginia Cowles Kriegsreportagen "Looking for Trouble".

Ein Leben in Mahlzeiten

11.02.2023 Das literarische Großereignis ist heute der neue Roman von Clemens J. Setz über die Hohlwelttheorie: FR und FAS geben sich berauscht der Zärtlichkeit des Romans hin, die SZ möchte sich nach dem genialen Buch erstmal gründlich waschen, nur die FAZ vermisst Ironie. Außerdem: Die taz erfährt von Michael Thumann, wie sich Putin am Rest der Welt für das Ende der Sowjetunion rächen will. Die Welt schaut mit Julia Schoch auf die Dissonanzen einer Liebesbeziehung. Der Dlf blickt in das spitzbübische Seelenleben von F.C. Delius. Und die FAS amüsiert sich, wenn NoViolet Bulawayo in ihrem neuen Roman Paviane twittern lässt.