Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Nach einem zwiebellosen Jahr

15.05.2025 Die Zeit bewundert die Zartheit von Georgi Gospodinovs Roman über seinen bis zum Tod gärtnernden Vater. Als skurril-kluge Heimathommage empfiehlt der Dlf Andreas Maiers zehnten Teil seiner Wetterau-Chronik, die FAZ ist nicht ganz so glücklich. In der NZZ bestaunt der Historiker Ulrich Schlie das detektivische Gespür seines Kollegen Gerhard Paul, der die letzten Kriegstage im Mai 1945 untersucht. Die SZ lässt sich von der Domina Herta Lueger durch die Münchner Schickeria der Achtziger führen. Und der Dlf Kultur erlebt einen Sommernachtstraum mit Nell Zink.

Notfallpoetik

14.05.2025 Die FR fühlt sich von Barbi Marcovics Salzburger Poetikvorlesung bestens unterhalten. Ocean Vuong offenbart dem Dlf mit seinem Roman über den vietnamesischen Studienabbrecher Hai die "dunkel schimmernden" Schattenseiten des modernen Amerikas. Die FAZ erfährt aus Noemi Harnickells vergnüglich-gruseligem Pflanzenbuch, wie man Gin Tonic mit Tollkirsche versetzt. Außerdem empfiehlt sie nachdrücklich Friedhelm Marxs und Julian Volojs Graphic Novel über Thomas Manns Rückkehr nach Deutschland.  

Die Liebe ist eine Möwe

13.05.2025 Die NZZ birgt einen Schatz mit den Aufzeichungen von Friedl Benedikt, die Elias Canettis Geliebte, aber vor allem eine begnadete Schriftstellerin war. Die taz empfiehlt Paul Wassermanns sinnliche Prosaminiaturen über das Lieben und Trauern der "Moskovian Kinder". Die FAZ liest sich mit Amitav Goshs Band "Rauch und Asche" über die Geschichte des Opiums in einen Rausch. Und Dlf schaut mit Anna Hope dabei zu, wie eine englische Familie durch den Tod ihres steinreichen Hippie-Patriarchen aus der Bahn geworfen wird. 

Sand in die Augen

12.05.2025 Die SZ lässt sich von von Norbert F. Pötzl die Geschichte des kommunistischen Kapitalisten Alexander Schalck-Golodkowski erzählen, der als Leiter der "KoKo" versuchte, die DDR mit Geld aus verbrecherischen Geschäften am Leben zu erhalten. Die NZZ fragt mit Martin Puchner, wie originär "Kultur" überhaupt sein kann. Die FR schaudert, wenn Joyce Carol Oates in ihrem feministischen (Horror)-Roman "Der Schlächter" die grausamen Anfänge der Gynäkologie zu Beginn des 19. Jahrhunderts schildert.

Dass uns die Sterne etwas zu sagen haben

10.05.2025 Die taz entwirft mit Tomasz Rozyckis literarischem Essayband "Feuerprobe" eine "trügerische Kartographie Europas". Außerdem amüsiert sie sich prächtig mit Katja Kullmanns Roman "Stars", in dem eine Astrophilosophin Reichen ihr Geld abknöpft. Die FAZ vertieft sich in jüdische Lieder aus dem Wilnaer Ghetto, neu übersetzt von Dieter Koller und Sebastian Wogenstein. Die SZ feiert mit Sol Undurragas Fuchs "Schnitzel" den Vegetarismus. Und Dlf Kultur bekommt von Sebastian Peters die erste Biografie über Hitlers persönlichen Fotografen Heinrich Hoffmann vorgelegt.

Blick ins Allerkleinste

09.05.2025 Eines der  interessantesten populärwissenschaftlichen Sachbücher der letzten Zeit bespricht die FR: Staunend lässt sie sich in Ferris Jabrs "Das Erwachen der Erde" erzählen, wie belebte und unbelebte Natur einander bedingen. In mehreren heute besprochenen Büchern spielt Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle, so etwa in dem Roman "Tokyo Sympathy Tower" von Rie Qudan und in Tom Hillenbrands "Thanatopia", besprochen in FR und Dlf Kultur. Die FAZ empfiehlt den ersten für den Sachbuchpreis empfohlenen Comic: Ulli Lusts "Die Frau als Mensch".

Sisyphos am Polarkreis

08.05.2025 Die FAZ versinkt mit Viktor Remizovs "Permafrost" in einem Monumentalwerk über die sibirische Eisenbahnlinie, die Stalin von Gulaginsassen bauen ließ. Der Dlf liest Bela Winkens Brief an ihre in Auschwitz ermordete Mutter. Die Zeit freut sich über eine Neuausgabe des "Großen Gatsby", den sie als die poetische Prophezeiung eines Donald Trump liest. Die NZZ duckt sich mit Szczepan Twardoch im Schützengraben an der "Nulllinie" der ukrainischen Front. Dlf Kultur empfiehlt Justin Torres Roman "Blackouts", der die reale queere Forscherin Jan Gay vorstellt.

Das tut den Knochen gut

07.05.2025 Die FAZ lässt sich von Charles Nodiers romantischem Räuber Jean Sbogar den Kopf verdrehen. Außerdem besucht sie mit Chantal Ackermann "Eine Familie in Brüssel", in deren emotionaler Kälte nur die Wärme kleiner Dinge bleibt. Dlf ist beeindruckt von Lizzie Dorons Buch "Wir spielen Alltag", das auf kluge und persönliche Weise die Traumata festhält, die der 7. Oktober in Israel ausgelöst hat. Dlf Kultur erlebt den isländischen Fährmann Jón Magnússon in Joachim B. Schmidts Biografie als "poetisch veranlagte Naturgewalt".

Aperol im Angesicht der Apokalypse

06.05.2025 Die SZ feiert mit Amira Ben Saoud, Karla Caspari und Louise Meier den Eskapismus im Angesicht des Weltuntergangs. Die FAZ lässt sich von Virginia Mendoza erklären, dass die Geschichte der menschlichen Zivilisation mit der Suche nach Wasser begann. Aus Katja Petrowskajas beeindruckenden Fotografien aus der Ukraine blickt ihr außerdem der Krieg entgegen. Die NZZ schmiedet mit Martin Suters Roman "Wut und Liebe" potentiell lukrative Mordpläne.

Perle empathischer Erzählkunst

05.05.2025 Die SZ vergegenwärtigt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges mit Büchern von Wolfgang Benz, Volker Heise und Louis Lewitan. Die NZZ trifft bei Ralf Konersmann berühmte "Außenseiter" von Diogenes bis David Bowie. Die FAZ ist begeistert vom Roman der Maori-Schriftstellerin Becky Manawatu, die vom Schicksal zweier Brüder in Neuseeland erzählt. Und Dlf freut sich über Olivia Laings in "liebender, rauschhafter Sprache" verfasste Kulturgeschichte des Gartens.

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