Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Krüger, Lachnicht oder Fuchs

22.05.2026 Die FAZ erfreut sich im neuen Band der Rostocker Werkausgabe an Uwe Johnsons Beschreibungen der Mentalität der Berliner. Mit Jan-Werner Müller denkt sie über Architektur und Demokratie nach. Den zugleich seltsamsten und poetischsten Roman des Jahres entdeckt die FR mit Ricardo Romeros "Ich bin der Winter". Die SZ bewundert, wie Kiran Desai quer durch alle Genres über Einsamkeit sinniert. Dlf Kultur lernt derweil von Ciara Greene und Gillian Murphy, dass unser Gedächtnis erst perfekt ist, wenn es vergisst.  

Am aufgeklappten Krokodilsmaul entlang

21.05.2026 Die FAZ liest berührt, wie Thomas Medicus dem Suizid eines erfolgreichen Arztes und Vaters nachspürt. Amüsiert folgt sie indes Madame Nielsens Bericht einer dänischen Performance-Künstlerin, die mit einem deutschen Theater aneinander gerät. Als Plädoyer für mehr Menschlichkeit würdigt die FR Gabriele von Arnims neues Buch über Abschiede. Als "vielleicht unbekanntestes Meisterwerk" der amerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts preist die NZZ Sherwood Andersons Roman über kuriose Gestalten in Ohio. Gebannt folgt Dlf Kultur dem Investigativ-Journalisten Patrick Radden Keefe, der dem mysteriösen Tod eines jungen Hochstaplers in London nachspürt.

Alles atmet Frieden

20.05.2026 Die NZZ fährt mit Felicitas Hoppes "feinnervigen" und fantasievollen Reise-Essays in Urlaub. Die Welt lässt sich von Philip Manow die "Spaltungslinien" unserer Gesellschaft nachzeichnen. Die FAZ studiert Christoph Möllers' und Nils Weinbergs kluge Gedanken zum Verhältnis von Kunstfreiheit und staatlicher Förderung. Die SZ verschlingt Sandro Veronesis Roman "Schwarzer September", der als zärtliche Romanze beginnt und als düsterer Krimi endet. 

Aufrührerischer Schwäninnengesang

19.05.2026 Die FAZ kehrt mit Sanna Samuelssons Debütroman in die vermeintich heile Welt eines schwedischen Bauernhofs zurück. Die FR zieht mit Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" in einen aussichtslosen Kampf. Die NZZ begeistert sich für Petra Morsbachs schillernden Roman "Orion" über die Lehrerin Nora. Dlf lernt von Florian Bieber, wie sehr sich Autokraten vor der Zivilgesellschaft fürchten. Dlf Kultur applaudiert dem lebendigen Roman "Die rastlosen Jahre" von Devika Rege, der während des Aufstiegs des Modi-Nationalismus in Indien spielt. 

Wortwörtlich in der Tinte sitzend

18.05.2026 Die NZZ verneigt sich vor Safae el Khannoussi, die in ihrem Roman "Oroppa" von Amsterdamer Kifferkaschemmen bis ins Pariser Belleville führt. Die Welt kann in den gesammelten Tarzan-Comics von Hal Foster die wechselnden Dschungel-Outfits des Helden vom "asymmetrischen One-Shoulder-Top" zum "Leo-Schlüpfer" bewundern. Die FAZ lässt sich mit der Hörbuch-Version von Iryna Fingerovas Roman "Zugwind" von Schmerz und von Lebensliebe erzählen. Die SZ lernt in Petra Webers Biografie über Hildegard Hamm-Brücher eine Politikerin kennen, wie sie heute dringend gebraucht wird. 

Möglichkeit paralleler Welten

16.05.2026 Hochaktuell findet die taz Johann Reißers Roman „Pulver“, der ihr am Beispiel von Max von Duttenhofer die Geschichte der deutschen Rüstungsindustrie erzählt. Außerdem empfiehlt sie Bücher von Alice Hasters und Maria-Sibylla Lotter, die sich beide mit der Rolle des Opfers in unserer Gesellschaft befassen. Die Welt bleibt gern im Schnee stecken, solange Karl Ove Knausgard davon erzählt. Die FAZ blickt mit Kathrin Fischer kritisch und angeregt auf die Ideologie der Achtsamkeit. Und Dlf Kultur freut sich, dass mit Monique Wittigs „Opoponax“ ein französischer Klassiker der queeren Literatur noch einmal auf Deutsch vorliegt.

Literarisches Streetview

15.05.2026 FAZ und NZZ verneigen sich geradezu vor Lukas Bärfuss, der die Geschichte seiner komplizierten Mutter zur Gesellschaftsanalyse ausweitet. Die FAZ empfiehlt außerdem neue Ingeborg-Bachmann-Biografien von Andrea Stoll und Dieter Burdorf. Der Dlf lässt sich von John Horne Burns' Klassiker von 1947 durch die Galleria Umberto in Neapel führen. Außerdem erlebt er mit Robert Seethaler die Straße als Wimmelbild schillernder Charaktere. Produktiv verstört bleibt der Dlf Kultur zurück, wenn die schwedische Autorin Ellika Lagerlöf von Kindern erzählt, in deren Mündern Perlen gezüchtet werden. 

Situationship in der Ming-Dynastie

13.05.2026 Die FR empfiehlt Matthias Nawrats Roman "Das glückliche Schicksal" als wertvolle Vergegenwärtigung der polnischen Geschichte. Die Zeit blättert angeregt im Band "The Way Back" mit bisher unveröffentlichten Fotografien von Bruce DavidsonDlf lernt in Garth Greenwells Roman über den Krankenhausaufenthalt eines Dichters die Literatur als Medizin für den Körper in Extremsituationen kennen. Und Dlf Kultur entledigt sich mit Amanda Lee Koes unsterblichen Schlangenschwestern unliebsamer Männer. 

Suchbewegung des Schreibens

12.05.2026 Die FAZ lauscht mit Lea Singer an der Tür, hinter der Lucian Freud die Queen porträtierte und hört geistreiche Pointen. Außerdem schwelgt sie in der kaleidoskopartigen Prosa, mit der sich Marlene Stoessel nach schwerer Krankheit zurück ins Leben tastet. Die NZZ vertieft sich in Karl-Markus Gauß' tiefgründige Reise-Essays. Die Welt blickt interessiert und kritisch auf Thomas Deichmanns Berichte von Peter Handkes Jugoslawienreisen. Die taz ist erschüttert von Adrian H. Koerfers autobiografischem Buch über den systematischen Missbrauch an der Odenwaldschule.

Verführerisches Kunststück

11.05.2026 Die SZ lernt von Martina Winkler wie die Slowakei um die Demokratie und ihren Platz in der EU ringt. Mit Martin Adam versucht sie die polnischen PiS-Wähler zu verstehen. Die FR freut sich über "hinreißende" Sexszenen und sich erfüllende Flüche im neuen Roman von Dana Grigorcea. Dlf Kultur verbringt eine solide und unterhaltsame Lektüre mit Thommie Bayers neuem Roman "Gern gesehene Gäste" über eine zwiespältige Freundschaft.  

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