Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Lautlose Nebensächlichkeiten

27.11.2025 FR und taz lernen von Booker-Preisträger David Szalay, was auf der Strecke bleibt, wenn man ein "Mann von Format" werden möchte. Bewegt liest die FAZ die Texte, die der Musiker Yuriy Gurzhy den stillen Charkiw-Fotos seines Vaters gegenüberstellt. Die Zeit kommt dank Monika Kim auf den Geschmack von Fischaugen. Der Dlf staunt, dass Stephen King das Märchen von "Hänsel und Gretel" kindgerechter erzählt als die Gebrüder Grimm. Und der Dlf Kultur bricht mit Eva Baltasars eigenwilliger Heldin mit allen Konventionen. 

Schreiben vom Ohr her

26.11.2025 Die SZ erfährt aus einer neuen Essay-Sammlung von Karl Ove Knausgard, was ein ABBA-Hologramm mit Odysseus zu tun hat. Die NZZ verfolgt gespannt Peter Waterhouse' Recherche über das Leben seines Großvaters, der sich vom passionierten Karl-Krauss-Leser zum Nazi wandelte. Die FR wandert duch Louise Erdrichs Panorama des ländlichen Amerikas und findet dort mysteriöse Frauen, "Monstermaschinen" und viel Glyphosat. Dlf Kultur stöbert mit dem isländischen Schriftsteller Ragnar Helgi Ólafsson durch die sagenhafte Bibliothek seines Vaters. 

Verärgerte Briefe

25.11.2025 Die FAZ lässt sich mit der niederländischen Schriftstellerin Connie Palmen auf sieben intellektuelle Liebschaften ein. Mit Peter Licht versucht sie, die vom Kapitalismus befeuerte Depression in poetische Energie umzuwandeln. Die SZ staunt darüber, dass Aldous Huxley in seinem Essay "Zeit der Oligarchen" schon 1945 die Energiewende forderte. Und Dlf Kultur findet es großartig, wie der finnische Autor Volter Kilpi in seinem Roman "Zur Kirche" die Einwohner der nördlichen Schären porträtiert. 

Gegenzauber zu Gebrüll

24.11.2025 Die SZ macht sich mit Büchern von Daniel Marwecki, Martin Kobler und Peter Köpf Gedanken darüber, wie die neue Weltordnung aussehen wird. Die FAZ geht mit Emily Baker-White dem Phänomen "TikTok" auf den Grund. Mit Cornelia Funkes Geisterjägern vertreibt sie einen  WBS, einen Weihnachtsbaumspuk. Die FR empfiehlt Andras Viskys "Die Aussiedlung" über eine Familie, die sich gegen die Grausamkeit der rumänischen Arbeitslager mit Poesie zu helfen weiß. 

Was Literatur einst vermochte

22.11.2025 Dlf Kultur und die Welt sind tief beeindruckt vom Augenzeugenbericht Eli Sharabis über seine "491 Tage" Geiselhaft in den Tunneln der Hamas, der ganz ohne politische Botschaft auskommt. Nicht weniger berührt liest der Dlf die Erinnerungen Irina Scherbakowas an eine Zeit, als sie zusammen mit Memorial auf den endgültigen Niedergang des Stalinismus hoffen konnte. Außerdem empfiehlt der Dlf empfiehlt Roberto Grossis Graphic Essay über den Klimawandel "Die große Verdrängung" für Jugendliche. Die taz vertieft sich mit roten Ohren in Steffen Martus' Literaturgeschichte seit 1989. Die SZ sieht mit Nava Ebrahimi "Federn überall", auch in Gestalt weißer Geisterhühner.

Verlangen, an anderen Existenzen teilzuhaben

21.11.2025 Die FAZ lässt sich von der portugiesischen Autorin Lidia Jorge in den Mikrokosmos eines Altenheims entführen. So schreibt man klug über Popmusik, lobt die taz nach der Lektüre von Hendrik Otrembas Essays über die Kölner Band Can. Die Welt erfährt von dem Politikwissenschaftler Jan Gerber, wie der Erinnerung an den Holocaust immer wieder ausgewichen wurde. Der Dlf staunt, wie Sasa Stanisic selbst das öde Genre der Dankesreden sprengt. Dlf Kultur empfiehlt mit Tezer Özlüs Erinnerungen an "Die kalten Nächte der Kindheit" ein "dunkel schimmerndes" Buch und schaut amüsiert Tine Steens kochenden Affen über die Schulter.

Schonungs-, jedoch nicht schamlos

20.11.2025 Fasziniert blickt die FR in einem Bildband über Insekten der Hirschlausfliege in die Augen. Begeistert begibt sich der Dlf mit Oswald Egger in den Kopf von Oskar Fiala. Außerdem staunt er über die Aktualität von Aldous Huxleys "Aufruf zu Wachsamkeit und Engagement". Dlf Kultur tröstet sich mit der sizilianischen Schriftstellerin Maria Messina und gerösteten Kichererbsen über die Härte des Lebens hinweg. Die Zeit erscheint heute mit einer kleinen Weihnachtsbeilage - und legt uns besonders Manfred Pfisters Prachtband über die englische Renaissance ans Herz, auf den selbst England neidisch sein dürfte.

Den Augenblick heiligen

19.11.2025 Die FAZ sieht die nach vierzig Jahren wiederentdeckte türkische Autorin Tezer Özlü in einer Reihe mit Ingeborg Bachmann und Sylvia Plath. Mit Colette Andris' Roman "Eine Frau, die trinkt" verliert sie sich im Rausch. Die FR plädiert mit Thomas Piketty "Für einen ökologischen Sozialismus". Die NZZ folgt Lili Körber ins New Yorker Exil der Dreißiger Jahre, "durchweht von den Stimmen der Emigration". Dlf Kultur wird von Basma Hallaks Jugendroman darüber aufgeklärt, was Kinderfotos im Internet anrichten können. 

TikTok für Hoffnungslose

18.11.2025 Die FAZ watschelt begeistert mit Thomas Steinfeld und der nordeuropäischen Wildgans durch das zwanzigste Jahrhundert. Die FR widmet sich mit Till Kösslers Biografie dem ewigen Faschisten Franco. Die taz begeistert sich für einen Bildband der DDR-Fotografin Sibylle Bergemann, die den Bau des Marx-Engels-Forum Westberlins festhielt. Dlf empfiehlt Sophia Klinks Roman "Kurilensee". Und Dlf Kultur wohnt mit Alaa al-Aswani den nächtlichen Sitzungen einer Gruppe von Freigeistern im diktatorischen Ägypten Gamal Abdel Nassers bei. 

Husten, Rascheln, lautes Lachen

17.11.2025 Die FAZ ist hingerissen vom Humor, dem Freiheitsdrang und der unbedingten Theaterliebe Angela Winklers, die charmant ihre Autobiografie vorliest. Die NZZ lässt sich von Josefine Rieks' Influencer-Roman "Wie es euch gefällt" in einen fatalen Strudel aus Diät, Workout, Tierporn und Gewalt ziehen. Die SZ wird von Susanne Götze und Annika Joeres vor der europäischen Abhängigkeit von russischem Öl und Gas gewarnt. Dlf stellt sich mit Franziska Meiers Biografie den unzähligen Rätseln im Leben des Boccaccio.  

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