Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Erhellendes über das Unheimliche

28.05.2024 Die taz schwelgt in den Lustszenen in Goliarda Sapienzas neu übersetztem Frauenroman aus dem Jahr 1979. Die FR verschlingt die Essays von Diedrich Diederichsen, die sich der Komplexität der Gegenwart stellen. Die Welt fühlt sich wohl in Elmore Leonards ursprünglich im Jahr 1959 erschienenem Western-Roman, in dessen Zentrum ein Bürgerkriegsheimkehrer steht, der sein Haus bei seiner Rückkehr von anderen Menschen besetzt findet. Dlf Kultur deckt mit Alberto Grandi den Mythos der italienischen Nationalküche auf, was nicht wenige seiner Landsleute erzürnte.

Edelzirpe und Krabbelgrimm

27.05.2024 SZ und Dlf erfahren von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, woran die amerikanische Demokratie krankt. Die FAZ hat großen Spaß mit Danilo Pockrandts fantastischem Tierbestimmungsbuch "Das Lepomu und andere Wunderwesen". In Tobias Elsässers Jugend-Thriller "Mute" verfolgt sie gespannt das Schicksal der sechzehnjährigen Espe, die ihren eigenen Erinnerungen nicht trauen kann. Die SZ hält mit Theresia Enzensberger ein Nickerchen.

Mahlzeiten, die in Zeppelinen angerichtet werden

25.05.2024 Mit anregenden Büchern driften die Rezensenten ins Wochenende: Die SZ nimmt dabei Katja Eichingers "Das große Blau" mit, einen literarischen Streifzug an die Côte d'Azur. Die FAZ lernt inzwischen von Walter Schübler, wie man zwischen den Kriegen - zum Teil rationiert, zum Teil erstaunlich modern.  Die taz beleuchtet mit Manfred Sturmann das längst versunkene jüdische Leben in Ostpreußen. Der Deutschlandfunk begibt sich mit Richard Russo ganz nach Norden in die Provinz des Staats New York und sieht den Protagonisten seines Krimis "Von guten Eltern" beim Überlebenskampf zu.

Aromatischer Garten

24.05.2024 SZ, NZZ und Welt gratulieren Rainald Goetz mit Kritiken zu dessen Bänden "wrong" und "Lapidarium" zum Siebzigsten: Eine "harmlose Waldfee der deutschen Literatur" wird Goetz nimmer mehr, erkennt die NZZ. Die FAZ lässt sich von Ruth Hoffmann erklären, wie das "Stauffenberg-Attentat" verklärt wird. Die NZZ staunt, wie Yevgenia Belorusets das Leben im Krieg aus Tierperspektive schildert. Dlf Kultur erfährt von Stephan Braese, wie der Jazz in der frühen BRD mit der Idee der Demokratie verknüpft war. Und der Dlf empfiehlt Kinderbücher und Comics über Kafka.

Worte wie Säuren

23.05.2024 Die FAZ liest bei Ann-Helén Laestadius von den Traumata der Samen. Die FR sucht in wuchtigen Gedichten von Carl-Christian Elze nach einem Funken Hoffnung in diesem "dreckloch von welt". Auch der Dlf spürt in Max Czolleks Gedichtband "Gute Enden" unbändige Wut über den Zustand der Welt. Dlf Kultur bricht mit Ahepka Yves Moise NGuessan Tabus an der Elfenbeinküste. Die taz jubelt über eines der Hauptwerke Ursula Le Guins, das nun endlich auf Deutsch vorliegt: "Immer nach Hause" erzählt die Geschichte des fiktiven Ureinwohner-Volkes der "Kesh". Die Zeit  liest die düsteren Erinnerungen Mark Edelmanns an das Warschauer Ghetto.

Zwei Stunden Naturbaden

22.05.2024 Die FAZ feiert mit Veronika Peters Roman "Nackt war ich am schönsten" die Rückkehr der "Dada-Baroness" Elsa von Freytag-Loringhoven. Mit Zdena Salivarová verbringt sie einen Sommer im Prag der Fünfziger Jahre. Die SZ sieht in Enis Macis und Mazlum Nergiz' Buch über Karl May ein interessantes Experiment. Dlf Kultur liest mit angehaltenem Atem die von Michael Finkel niedergeschriebene Geschichte des französischen Meisterdiebs Stephane Breitwieser.

Streitlust und Lesewut

21.05.2024 Die NZZ begegnet in T.C. Boyles meisterhaften Kurzgeschichten Klapperschlangen und selbstfahrenden Autos. Die FAZ hört hingerissen zu, wenn Tom Vogt Londoner Stimmungsbilder von Charles Dickens vorliest. Dlf Kultur ist erschüttert von Maria Klenners Band "Die Kinder von Bergen-Belsen". Und die FR genießt Phillip Felschs essayistischen Streifzug durch Leben und Lehre von Jürgen Habermas.

Ein Mistkäferleben

18.05.2024 Uri Jitzchak Katz' Roman "Aus dem Nichts kommt die Flut" kann es mit  "Ulysses" und anderen modernistischen Großtaten aufnehmen, staunt die SZ. Im Band "Der nächste Redner ist eine Dame", mit Beiträgen von Juli Zeh und Terézia Mora, verfolgt sie den Kampf der ersten Frauen im Bundestag. Die FAS ist begeistert von Colm Tóibíns neuem Buch "Long Island", das von einer späten Liebe erzählt. Die taz beglückwünscht Paula Irmschler zu ihrem Roman über eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung. Die FAZ arbeitet mit Traudl Bünger die NS-Vergangenheit ihres Vaters auf.

Punk und Neurosen

17.05.2024 Die Welt rät dringend zur Lektüre von Ron Leshems "Feuer", das nicht nur eine Chronik des 7. Oktobers, sondern auch Aufklärung über russische und iranische Masterminds hinter den Anschlägen bietet. Die NZZ blickt in Kurzgeschichten von Jumpa Lahiri auf alltäglichen Rassismus in Rom. An die Geschichte des italienischen Faschismus wird indes der Dlf von Victoria de Grazia erinnert. Die taz erkundet mit Rocko Schamoni das Hamburg der Achtziger. Und die FAZ lernt von Sophia Fritz, wie Frauen toxische Weiblichkeit etablieren.

Es gibt nur das Mitleid,/ immer zu spät

16.05.2024 Dlf Kultur lässt sich von Rene Schickele eine Geschichte aus Paris erzählen. Die Zeit empfiehlt Rivka Galchens historischen Roman "Jeder weiß, dass deine Mutter eine Hexe ist" über Katharina Kepler. Die SZ fragt sich mit W. Daniel Wilson: War Goethe Antisemit? Die taz findet erhellende Thesen über das Verhältnis von Zionismus und Architektur in Ita Heinze-Greenbergs "Zuflucht im Gelobten Land". Die FAZ freut sich über einen letzten Gedichtband von Adam Zagajewski: "Das wahre Leben".