Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Sisyphos am Polarkreis

08.05.2025 Die FAZ versinkt mit Viktor Remizovs "Permafrost" in einem Monumentalwerk über die sibirische Eisenbahnlinie, die Stalin von Gulaginsassen bauen ließ. Der Dlf liest Bela Winkens Brief an ihre in Auschwitz ermordete Mutter. Die Zeit freut sich über eine Neuausgabe des "Großen Gatsby", den sie als die poetische Prophezeiung eines Donald Trump liest. Die NZZ duckt sich mit Szczepan Twardoch im Schützengraben an der "Nulllinie" der ukrainischen Front. Dlf Kultur empfiehlt Justin Torres Roman "Blackouts", der die reale queere Forscherin Jan Gay vorstellt.

Das tut den Knochen gut

07.05.2025 Die FAZ lässt sich von Charles Nodiers romantischem Räuber Jean Sbogar den Kopf verdrehen. Außerdem besucht sie mit Chantal Ackermann "Eine Familie in Brüssel", in deren emotionaler Kälte nur die Wärme kleiner Dinge bleibt. Dlf ist beeindruckt von Lizzie Dorons Buch "Wir spielen Alltag", das auf kluge und persönliche Weise die Traumata festhält, die der 7. Oktober in Israel ausgelöst hat. Dlf Kultur erlebt den isländischen Fährmann Jón Magnússon in Joachim B. Schmidts Biografie als "poetisch veranlagte Naturgewalt".

Aperol im Angesicht der Apokalypse

06.05.2025 Die SZ feiert mit Amira Ben Saoud, Karla Caspari und Louise Meier den Eskapismus im Angesicht des Weltuntergangs. Die FAZ lässt sich von Virginia Mendoza erklären, dass die Geschichte der menschlichen Zivilisation mit der Suche nach Wasser begann. Aus Katja Petrowskajas beeindruckenden Fotografien aus der Ukraine blickt ihr außerdem der Krieg entgegen. Die NZZ schmiedet mit Martin Suters Roman "Wut und Liebe" potentiell lukrative Mordpläne.

Perle empathischer Erzählkunst

05.05.2025 Die SZ vergegenwärtigt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges mit Büchern von Wolfgang Benz, Volker Heise und Louis Lewitan. Die NZZ trifft bei Ralf Konersmann berühmte "Außenseiter" von Diogenes bis David Bowie. Die FAZ ist begeistert vom Roman der Maori-Schriftstellerin Becky Manawatu, die vom Schicksal zweier Brüder in Neuseeland erzählt. Und Dlf freut sich über Olivia Laings in "liebender, rauschhafter Sprache" verfasste Kulturgeschichte des Gartens.

Passagen, in denen der See selbst zu Wort kommt

03.05.2025 Die FR führt ihre sehr verdienstvolle ukrainische Bibliothek fort: Mit Oswald Burghardts "Dichtung der Verdammten" lernt sie die "Neoklassiker" kennen. Der Deutschlandfunk staunt über die messerscharfe Präsizion, mit der der norwegische Dichter Tor Ulven den "Abfall der Alltagsgeschichte" erkundete. Dlf Kultur wandelt durch die von Olivia Laing  beschriebenen paradiesischen Gärten, in denen die britische Upper Class über den Klassengegensatz meditiert. Und die SZ lernt in Elin An­na Lab­bas Roman " Das Echo der Som­mer", wie auch nachhaltige Energien das Leben indigener Bevölkerungen schädigen können.

Aus tellergroßen Augen

02.05.2025 Die FR liest bewegt, wie Annie Ernaux in einem frühen Roman von der Demenz ihrer Mutter erzählt. Mit Charlotte Brandi taucht sie ab ins Dortmunder Drogenmilieu. Die NZZ erliegt indes der Sogkraft, mit der die norwegische Schriftstellerin Torborg Nedreaas vor fast achtzig Jahren von Abtreibungen berichtete. In der FAZ lobt Herfried Münkler die Frische, mit der Heinrich Detering Karl Marx begegnet. Und der Dlf lernt nach der Lektüre von Dietmar Daths monumentalen Science-Fiction-Roman zumindest: Der Autor versteht Spaß.

Drama der Harmonie

30.04.2025 Die Zeit betritt mit dem polnischen Klassiker "Die Puppe" von Boleslaw Prus einen unbekannten Kontinent auf der literarischen Landkarte und entdeckt Tolstoi'sche Wucht. Ein Monument der Melancholie entdeckt die FAZ in den fragmentarischen "Grabbeigaben" des Norwegers Tor Ulven. Der Dlf Kultur liest bei dem mexikanischen Schriftsteller Juan Pablo Villalobos, wie schrecklich es ist, keine Probleme zu haben. Und die NZZ trifft mit Uwe Schütte und David Bowie "Sternenmenschen" in der Nervenheilanstalt Gugging.

Schreiben als Grabpflege

29.04.2025 In der NZZ nimmt der Historiker Ernst Piper kleinere Korrekturen in Wolfgang Benz' Buch über das Exil zwischen 1933 und 1945 vor, kann es dann aber überzeugt empfehlen. Auch wenn Graham Swift über Menschen im Krieg erzählt, erweist er sich als großer Gegenwartsseismograph, lobt die NZZ außerdem. Die FAZ lässt sich von Gary J. Bass über die Kriegsverbrecherprozesse in Tokio aufklären und empfiehlt Bücher von und über Bruce Springsteen. Bewegt liest der Dlf, wie ihm Yannic Han Biao Federer vom Tod seines Kindes im Mutterleib erzählt.

Die oft zerstörerischen Aktivitäten der Menschen

28.04.2025 Sehr eindruckt berichtet die NZZ über eine Reportage Taina Tervonens, die erzählt, wie bis heute Leichen des Kriegs in Bosnien-Herzegowina exhumiert und zugeordnet werden. Die SZ befasst sich mit den Abgründen der frühen Bundesrepublik und ihres Recycling alter Nazis. Die Welt teilt die Auffassung Peter Longerichs über die "Unwillige Volksgenossen" nicht. Der Dlf lässt sich von Philipp Lepenies über das "Werden und Vergehen der Demokratie" informieren.

Von einem Vogel aufgelesen

26.04.2025 FR und FAZ werfen mit dem Historiker Wolfgang Niess einen neuen Blick auf die Rolle Hindenburgs im Schicksalsjahr 1925. Die taz wechselt die Perspektive mit Maria Ospina Pizano, die ihr aus Sicht eines Stachelschweinweibchens und eines Scharlachkardinals erzählt. Außerdem empfiehlt sie einen sorgsam illustrierten Band mit unbekannten Erzählungen von Anne Frank. Der Dlf durchquert mit Jiri Hajicek die dörfliche Lebenswelt in der spätsozialistischen Tschechoslowakei.