Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Die epische Dimension

02.05.2026 Der Deutschlandfunk bestaunt Juan Gómez Bárcenas gleichermaßen persönliches wie makrohistorisches "Opus Magnum" "Alles andere ist Luft", das zugleich ein Roman ist, aber auch die Geschichte eines Dorfes in Kantabrien - bis zurück vor Christus. Die taz lernt mit  Nikolaus Lelle und Tom Uhlig Antisemitismus zu definieren, wenn auch ex negativo. Die Welt liest mit Faszination Sebastian Haffner über  die deutsch-russischen Beziehungen. Die FAZ genießt, anders als übrigens die taz, Sharon Dodua Otoos "So, in etwa, ist es geschehen" als Provokation.

Ach, die dumme Literatur

30.04.2026 Die Literaturkritiker sind offenbar schon ins lange Wochenende verschwunden. Die FR amüsiert sich aber vorab noch prächtig, wenn Nicolas Mahler Handke, Koeppen, Beckett und Co. beim Scheitern und Schimpfen über die Schulter blickt. Die NZZ liest interessiert Sam Apples Biografie des schwulen jüdischen Krebsforschers Otto Warburg, der unter den Nazis unbehelligt weiterarbeiten konnte. Im letzten Roman des kürzlich verstorbenen Portugiesen Antonio Lobo Antunes blickt der Dlf aus 23 Perspektiven auf das Leben von Júlio de Melo Fogaça, einen vergessenen homosexuellen politischen Häftling der Salazar-Diktatur. 

Ein Roman wie ein Wegenetz

29.04.2026 Wie in einem Bosch-Gemälde fühlt sich die FAZ, wenn sie mit Irene Sola und einer Frauensippe auf einem katalanischen Landsitz den Tod der Matriarchin erwartet. Von Beschreibungsgenie Robert Seethaler lässt sie durch Sackgassen der Gesellschaft führen. Die NZZ begegnet dank Slobodan Snajder derweil den Bewohnern der ältesten Straße Zagrebs. Die SZ kürt Christoph Möllers Buch über öffentliche Kunstfreiheit zum neuen Standardwerk. Die Zeit liest berührt, wie Tupoka Ogette den Rassismus in der DDR erlebte. Als eindringliches Leseerlebnis würdigt der Dlf Kultur Thomas Medicus' Roman über den Selbstmord seines Vaters.

Zwischen Ich und Nicht-Ich

28.04.2026 Die FAZ lässt sich von Bojan Pancevski die ganze brisante Geschichte der Nordstream-Sprengung erzählen. Eine äußerst streitbare Nacht verbringt sie mit Ethan Taubes und seinem Vater Jacob. Einen letzten Weckruf vernimmt die NZZ, wenn Jana Puglierin auf eine bessere europäische Sicherheitspolitik drängt. Der Dlf erfährt von Rainer Hermann, wie lange die Hamas den 7. Oktober plante. Immerhin die FR schöpft noch Hoffnung mit musikalischen Gedichten von Anja Bachl.

wunderplunder

27.04.2026 Die FAZ empfiehlt heute eine ganze Reihe Kinderbücher. Am besten gefallen ihr Arne Rautenbergs Gedichte über Erdbeermilch trinkende Muthasen und Heinz Janischs Lyrikband, in dem Pferde über Wolken reiten. Die FR lässt sich im neuen Roman von Charles Lewinsky von einem Hollywood-Insider in 40 Therapiestunden von Doris Day und dem Trauma des Holocaust berichten. Die SZ lernt von Jörg Lau, dass die USA schon vor Trump kein Freund Europas mehr waren. Die NZZ bewundert die Worte, die Judith Schalansky in ihren Poetikvorlesungen aus Marmor meißelt. Und die Welt bekommt dank Dave Goulson Appetit auf sehr kleine Fische.

Störgeräusche

25.04.2026 Dlf Kultur stürzt sich mit Farai Mudzingwas Roman "Die Avenues" in das Straßenleben Harares. FAZ und Dlf tauchen begeistert in die gesammelten fantastischen Erzählungen von Jorge Luis Borges ein. Die taz liest mit Craig Browns "Q" eine fast phänomenologische Annäherung an die verstorbene Queen Elizabeth II.. Die Welt lernt mit Olivier Guez' Biografie Gertrude Bells, "Die Welt in ihren Händen", eine fast vergessene Architektin des heutigen Nahen Ostens kennen.

Die Erde als Blumenplanet

24.04.2026 "Großes literarisches Kino" verdankt die FR Markus Orths, der in "Die Enthusiasten" so wahnsinnig fabuliert wie kein Zweiter. Außerdem wären sie gern wie "Rocky", nachdem sie den von Sylvester Stallone zusammengestellten Bildband durchgeblättert hat. Die taz erinnert sich dank Irene Sieben an die Choreografin Manja Chmiel, die den Tanz der Sechziger prägte. Der Dlf Kultur lernt von David George Haskell, dass Blütenpflanzen unser Ökosystem umkrempelten. Und nach der Lektüre von Hans Christian Hönes' Aby-Warburg-Biografie möchte sie diesem Haustyrannen lieber nicht über den Weg laufen.

Hundeliteraturverhinderungsgesetz

23.04.2026 Die NZZ liest berührt, wie sich Fleur Jaeggy an ihre große Liebe Ingeborg Bachmann erinnert. Mit Joachim Krause blickt sie auf die Tabus der deutschen Atomgeschichte. Die Zeit erfährt in Essays von Elena Ferrante, wie viel Arbeit hinter dem Schreiben steckt. Dlf Kultur kann den "verschmitzten Humor", mit dem Gharbi M. Mustafa vom Schicksal eines jungen Kurden im Irak erzählt, nur bewundern. Außerdem sticht Dlf Kultur mit sechzehn Kapitäninnen in See. 

Anarchisches Gewimmel

22.04.2026 Die FAZ folgt Golo Maurer ins römische Olevano, das vielen jungen Malern der deutschen Romantik zum Sehnsuchtsort und Verhängnis wurde. Von Siegfried Weischenberg lässt sie sich erzählen, wie sich Journalisten während des Nationalsozialismus verhielten. Die FR rollt mit Kathrin Zipse ein vergessenes Kapitel der Geschichte auf und folgt deutschen Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ins ländliche Island übersiedelten. Die SZ ist begeistert von Safia Al Bagdadis Roman "Unser Haus mit Rutsche", über Sebastian Hotz' "Sidekick" kann sie nur müde lächeln.

Ausmaß des Dystopischen

21.04.2026 Die FAZ folgt mit Dario Ferraris Muttersöhnchen Marcello den Spuren eines Revoluzzer-Schriftstellers in Paris. Außerdem versetzt sie sich mit Judith Schalanskys Poetikvorlesungen in verschiedene literarische Aggregatszustände. Die FR versucht in Ali Smith dystopischer Zukunft den roten Linien eines bösen Konzerns zu entkommen. Die SZ macht sich mit Curtis Sittenfeld unabhängig von nervigen Männern. Und Dlf Kultur steigert sicht mit Petr Sestaks gestresstem Fahrradkurier in die Wut auf SUV-Fahrer hinein.