Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Subversiver Geist und anarchischer Witz

28.03.2025 Die FAZ lernt in Julian Bagginis Globalgeschichte die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen westlicher und nichtwestlicher Philosophietradition kennen. Bei Friedrich von Borries erfährt sie, wie das architektonische Anthropozän ins Stottern kommt. Die FR lässt sich von Muriel Asseburg über Hintergründe und Folgen des 7. Oktobers aufklären. Die NZZ wird von Sophie Hunger zum „Walzer für Niemand“ gebeten. Der Dlf empfiehlt Sunil Amriths Globalgeschichte der Umwelt. Und Dlf Kultur lernt bei Alexandra Bleyer wichtige Revolutionärinnen und bei Lidia Jorge den Alltag in einem portugiesischen Pflegeheim kennen.

Die drei großen Hs des Schlagers

27.03.2025 Die SZ liest mit Suzanne Collins "Die Tribute von Panem L" das beste Buch aus der Reihe bislang. Die Zeit übt mit bewegungsintensiven Kindern im Flur "Muskelsalat". Die FAZ huldigt der dinarischen Primel in Asja Bakics "Leckermäulchen". Die FR ermittelt mit  Commissaire Armand Gamache in Quebec. Roberto Saviano erzählt Geschichten über die Frauen in der Mafia, und das macht er laut NZZ fast zu gut. Die taz nimmt in ihrer heute beiliegenden Literaturbeilage mit Petra Thorbrietz das "System Orbán" auseinander. Alle Notizen zur taz-Beilage finden Sie hier.

Mörsergranaten wie Blumensträuße

26.03.2025 Die FAZ sieht Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie gerne beim "dialogischen Pas de deux" zu, den sie in "Zurück zur Wirklichkeit" hinlegen. Fasziniert ist sie außerdem von Faruk Sehić' Roman "Von der Una", der weder vor der Brutalität des Bosnienkrieges, noch vor der des Erzählers halt macht. Die FR empfiehlt dringend die Re-Lektüre von Thomas Manns BBC-Reden an die Deutschen. Die SZ bewundert, wie Martin Mosebach in seiner Künstlersatire "Die Richtige" die Finsternis der Gegenwart hervortreten lässt. 

Erwartungen in der Liebe und in der Schriftstellerei

25.03.2025 Die SZ lobt euphorisch Jule Govrins Band "Universalismus von unten" als philosophischen Gegenentwurf zur libertären Doktrin. Der FAZ wird ganz anders, wenn sie sich mit Carlo Masala vorstellt, was geschieht, "Wenn Russland gewinnt". Die NZZ liest gebannt Georgi Demidows Roman "Zwei Staatsanwälte", in dem ein junger Jurist unter Stalin für Gerechtigkeit kämpft. Dlf empfindet schieres Leseglück mit Garielle Lutz Erzählungsband "Ich wirkte lebendig". Und Dlf Kultur empfiehlt "Chagallsche Landschafts- und Menschenzeichnungen" von Chaim Nachman Bialik.

Abendunterhaltung einer Mäuseschar

24.03.2025 Die FAZ schmökert in neuen Kinderbüchern: mit Jean-Claude Mourlevats Igel "Jefferson" löst sie einen Kriminalfall und von Alois Prinz lässt sie sich das Leben Albert Schweitzers kindgerecht erzählen. Die FR freut sich über die Klugheit, mit der Yasmina Reza in "Die Rückseite des Lebens" die Finsternis ausleuchtet. Die SZ ergründet mit Martin Mulsow die Geschichte der Gefühle im 18. Jahrhundert. Die Welt blickt mit Laura Wiesböck kritisch auf die Online-Diagnosen von selbsternannten "Mental-Health"-Experten auf Instagram.

Der Autor als Wirtskörper

22.03.2025 Die FAZ lauscht in Henning Ziebritzkis Coming-of-Age-Roman „Brand“ Vokalen, die klingen, wie Murmeln, die leise gegeneinanderklacken. Von Adam Kirsch lässt sie sich über den Begriff „Siedlerkolonialismus“ aufklären. Die taz blickt mit Peter Seibert auf die Anfänge deutscher Gewaltgeschichte im Bauernkrieg 1525. Der Dlf bewundert die lakonisch-menschlichen Szenen, die Yasmina Reza in „Die Rückseite des Lebens“ auf das Papier tupft. Außerdem sind heute die Literaturbeilagen von FAZ, FAS, SZ und Welt erschienen: Die Welt-Beilage mit saftig-sinnlichen Denkbildern von Nicolas Mathieu und „Rosinen aus dem sittengeschichtlichen Riesenkuchen“ von Giacomo Casanova haben wir bereits ausgewertet: Alle Notizen finden Sie hier.

Die Friedenstaube wurde abgeknallt

21.03.2025 Die SZ macht sich große Sorgen: Bei Clemens J. Setz ist die Lage des Mopsfisch kritisch, "Mopsfisch wird von Fisch verklagt". Die FR kriegt bei Dagmar Leupolds "Small Talk" Ohrensausen: Derart wortmächtig stellt sie sich in ihren neuen Gedichten  der Sachlage entgegen. Die FAZ beleuchtet mit Stephanie Coché die eher fatale Rolle der Religion in der amerikanischen Politik. Und im "Glossar der Gegenwart 2.0" lernt sie: Das Planetare ist die neue Globalisierung.

Wie ein Thomas Mann auf Poppers

20.03.2025 Die Zeit ist heute mit ihrer Literaturbeilage erschienen: Dickes Lob gibt es für Oliver Lovrenskis rauen Debütroman "bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann", der vier Osloer Jungs mit Migrationshintergrund durch deren Alltag folgt. Und für Ricarda Messners Vergangenheitsinventur in ihrem Roman "Wo der Name wohnt" (alle Notizen zur Zeit-Beilage finden Sie hier). FAZ und Welt empfehlen Annett Gröschners wunderbar facettenreichen Familienroman "Schwebende Lasten", der der Blumenbinderin und späteren Kranführerin Hanna Krause in Magdeburg durchs 20. Jahrhundert folgt. Die NZZ denkt mit Andreas Rödder über den "Verlorenen Frieden" nach. Schlauen Kindern empfiehlt der Dlf ein Sachbuch über die "Zukunft auf dem Mars".

Erst mit Kohlrouladen, später mit Waffen

19.03.2025 Die FAZ erfährt aus Roberto Savianos neuem Buch "Treue", dass die Frauen in der Mafia genauso skrupellos sind wie ihre Männer. Außerdem empfiehlt sie Arnold Zweigs Roman "De Vriendt kehrt heim" als nuancierte Darstellung der Facetten des jüdisch-arabischen Konflikts. Die FR begeistert sich für Cristina Henríquez' lebendigen Historienroman über den Bau des Panama-Kanals. Und Dlf-Kultur leistet mit Tamara Dudas "Donezk Girl" Widerstand.

Wegmarken, Zeitgeschichte und Fiktion

18.03.2025 Die Kritiker verschlingen Christoph Heins neuen Roman "Das Narrenschiff", in dem die FAZ sein "Opus magnum" erkennt. Auch die FR empfiehlt diese DDR-Chronik und ihre fein gezeichneten Figuren wärmstens. Der taz gefällt die melancholische, norddeutsch-reservierte Mentalität von Kristine Bilkaus Roman "Halbinsel". Dlf Kultur wird nostalgisch, wenn er Andreas Maiers Roman "Der Teufel" liest, der ihn in die Zeit des "Blauen Bocks" zurückversetzt. Und Dlf staunt, wie Christian Kracht in "Air" germanische Mythologie, KI-Fantasien und Yeats-Visionen unter einen Hut bringt.