Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 24 von 33

Die Buchmacher vom 14.04.2003 - Börsenblatt

Wegen rückläufiger Umsätze verkleinert Hugendubel in Frankfurt am Main seine Abteilung mit Computerbüchern und Software. "Nun wurde in der knapp 700 Quadratmeter großen Fachbuchabteilung (Schwerpunkt: Jura, Wirtschaft, Management) ein neuer Bereich eingerichtet: Unter dem Motto 'Wir bringen Bücher an den Mann' finden sich Titel zu Themen wie Wein, Zigarren, Heimwerken, Golf, Sex und Partnerschaft". Auch die Sportbücher wurden in die neue Männer-Abteilung verlagert.

Aus demselben Grund (Umsatzrückgang bei Computerbüchern) hat der Fachverlag Pearson Education Deutschland sich von den Lektoratsleitern von Addison-Wesley und Markt + Technik getrennt. "Bis auf weiteres" übernehme Verleger Axel Nehen die Leitung der beiden Lektorate. "An der Programmausrichtung der Verlage soll sich nichts ändern."

In Frankreich ist der Umsatz der Buchbranche im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent gestiegen, berichtet das Börsenblatt. Der Verkauf französischer Bücher und Rechte ins Ausland stieg 2002 um 12,6 Prozent. Die besten Kunden der französischen Verlage waren Belgien, die Schweiz und Kanada (in dieser Reihenfolge). Deutschland folgt auf Platz vier als erstes nicht frankophones Land. Allerdings ging der Umsatz im Geschäft mit Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent zurück.

Joerg Pfuhl, Chairman und Geschäftsführer von Random House Deutschland, liefert einen Überblick über den amerikanischen Buchmarkt. Hinsichtlich der Unterschiede zu Deutschland bilanziert er: "In den USA gibt es ein relativ größeres Marktvolumen, größere Auflagen, mehr Konsum, weniger Neuerscheinungen und niedrigere Preise. Wie durch die Buchpreisbindung angestrebt, ist die Zahl der Verlage und Buchhandlungen gemessen an der Einwohnerzahl in Deutschland größer als in den USA." Weiter beschreibt Pfuhl unter anderem den Boom der Belletristik (deren Marktanteil zwischen 1997 und 2001 von 48 auf 54 Prozent stieg) und des erzählenden Sachbuchs, den Siegeszug der so genannten Trade Papers (hochwertige Paperbacks, die im Gegensatz zum Mass-Market-Taschenbuch vor allem im traditionellen Buchhandel angeboten werden), die Grenzen des Wachstums für die großen Ketten (Barnes & Noble, Borders), die Rolle der Clubs, des Versandhandels und der Online-Buchhandlungen. Der Artikel basiert, verrät uns ein Hinweis am Ende des Textes, auf einem Vortrag, den Pfuhl vor dem Verleger-Ausschuss des Börsenvereins gehalten hat. Zur Buchpreisbindung schreibt er, in den USA werde inzwischen mehr als jedes zweite Buch nicht im Buchhandel, sondern über andere Vertriebskanäle verkauft. "Der hohe Pro-Kopf-Absatz in den USA zeigt jedoch, dass diese Verkäufe nicht allein zu Lasten des traditionellen Buchhandels gehen, sondern dass durch neue Vertriebswege auch neue Käuferschichten erreicht werden." Seinen Zahlen zufolge sank der Anteil der Independents am Gesamtumsatz zwischen 1997 und 2001 von 17 auf 15 Prozent. Das Börsenblatt hat den Text übrigens mit einem Bild des Films "E-Mail für dich" illustriert. Darin erlebt Meg Ryan zwar ein Happy End. Ihr unabhängiger Buchladen hat gegen die neue Großfläche gegenüber jedoch keine Chance.

Die Frankfurter Buchmesse bleibt an ihrem Standort. Der Vertrag bindet die Messe bis 2010, "eine Verlängerung ist möglich", schreibt Sybille Fuhrmann. "Durch den nun geplanten Pauschalvertrag lasse sich die Ausrichtung der Messe kalkulieren, sagte Buchmesse-Direktor Volker Neumann. Nähere Angaben wollte er nicht machen. (...) Geprüft hatte der Börsenvereinsvorstand auch Angebote der Bewerberstädte München, Köln und Berlin. Zur Bewertung dieser Offerten äußerte sich [Börsenvereinsvorsteher Dieter] Schormann nicht. Aber bei der Entscheidung dürften nicht nur finanzielle Aspekte eine Rolle gespielt haben. Ausschlaggebend war wohl auch, dass sich die Mainmetropole und das Land Hessen stärker für die Buchmesse engagieren wollen - und dass der Messeplatz eine lange Geschichte hat." Für die künftige Gestaltung der Messe hat Neumann bei Leipzig abgekupfert: Bereits in diesem Jahr will er, so Fuhrmann, "eine Art 'Frankfurt liest' auf die Beine stellen". Dazu gibt es auch schon erste Ideen.

Stefan Hauck berichtet über die 40. Fiera del Libro per Ragazzi in Bologna. Bei informellen Gesprächen sei der Krieg zwangsläufig Thema, bei Verhandlungen jedoch Business as usual angesagt gewesen. Die meisten deutschen Verlage "richten ihr Augenmerk darauf, verstärkt eigene Produktionen zu publizieren - um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten 'die Rechtesubstanz konsequent verwerten zu können', wie Gerstenberg-Chef Edmund Jacoby vorrechnete". Den Jugendbuch-Verleger Jürgen Weidenbach von C. Bertelsmann zitiert Hauck mit den Worten: "Für die immens hohen Garantiesummen kann man in einigen Jahren einen deutschen Autor aufbauen". Inhaltliche Trends gibt es auch zu vermelden: "Im internationalen Markt fällt auf, dass fast jeder zweite Verlag eine Trilogie im Handgepäck nach Bologna gebracht hat, die meisten in einem Fantasy-Stil, für den italienische Zeitungen das Adjektiv 'harrypotteriano' geprägt haben." Dieser Trend sei jedoch ermüdend, sagt Oetinger-Lektorin Alexandra Rak. Statt dessen seien die historischen Romane im Kommen.

Uwe Ebbinghaus porträtiert Jochen Hieber, den Moderator des "Weimarer Salon". Das Konzept der Sendung: "Erstens: Drei Autoren stehen auf der Gästeliste, von denen mindestens einer aus Ostdeutschland kommt, dort lebt oder geboren wurde. Zweitens sollte mindestens ein/e bekannte/r Autor/in und möglichst ein/e Debütant/in dabei sein. Die Autoren stellen, drittens, ihre Werke in der Regel gegenseitig vor, und die Sendungen stehen meistens unter einem Motto: 'Ladies of Crime', 'Grenzerfahrungen' oder 'Debüts'. Eine weitere Regel besagt, dass all diese Regeln flexibel zu behandeln sind. Das ist auch nötig, wenn Wolf Wondratschek und Wladimir Kaminer in die Sendung kommen und beide aus unterschiedlichen Gründen die Bücher des anderen nicht gelesen haben." Der "Weimarer Salon" läuft jeden zweiten Sonntag im Monat um 22.50 Uhr im MDR, das nächste Mal am 11. Mai. Zu Gast sind dann Peter Ustinov, Klaus Bednarz und Renate Schostack.

Weitere Meldungen: Bei Dino Entertainment soll es nach der Übernahme durch die italienische Verlagsgruppe Panini erste Kündigungen gegeben haben. Cornelsen übernimmt den Verlag an der Ruhr; es handele sich um eine "freundliche Übernahme", sagt Ruhr-Verleger Wilfried Stascheit. Auf der Meinungsseite fordert Stefan Becht ein Facelifting für die Medienmesse in Cannes. Von der Bildungsmesse in Nürnberg berichtet Andreas Trojan. Eberhard Kuom, Mitglied des Arbeitskreises für Berufsbildung des Börsenverein-Landesverbands Bayern, meint, das Sortiment sei zu strukturkonservativ und vernachlässige ein zukunftsorientiertes Ausbildungsmarketing: "Der verbreitende Buchhandel ist zu wenig innovativ, wenn es um die eigene Zukunftssicherung geht." Auch bei den Verlage sei die Ausbildungssituation verbesserungsbedürftig.

Richard Haimann schreibt über Franchise-Modelle im Buchhandel, Marketing-Berater Helmut Benze darüber, wie Buchhändler im Verkaufsgespräch den entscheidenden Kaufimpuls geben können, und Kathrin Grün über "Bücher vor der Kamera" - Literaturverfilmungen, von denen es in Deutschland immer mehr zu geben scheint. Im September und Oktober kommen noch "Liegen lernen" und "Herr Lehmann" dazu. Christina Busse porträtiert Lutz Schulenburg, Verleger der Edition Nautilus (die eine besonders schöne Startseite hat). Nils Kahlefendt stellt Mark Lehmstedt vor. Der hat unlängst einen Verlag für Bücher zur Leipziger Kulturgeschichte gegründet: den Lehmstedt Verlag, dessen Signet so klassisch daherkomme, "als gebe es die Firma schon seit 50 Jahren" (habe ein Besucher gesagt, schreibt Kahlefendt). Hendrik Markgraf erzählt vom Besuch des Bundespräsidenten in der Buchhändlerschule in Seckbach. Früher hatte diese Schule ihren Sitz in Köln. Dort ließ sich Johannes Rau zum Verlagskaufmann ausbilden. Und Detlef Bluhm würdigt in einem Nachruf die "Grande Dame der Berliner Verlagsvertreterinnen", Dorothea Domzalski.

Die Buchmacher vom 07.04.2003 - Börsenblatt

Die Trennung vom Berlin Verlag ist für Random House eine "Scheidung mit Prestigeverlust", schreibt Hendrik Markgraf im Editorial. "Nun bleibt der Gruppe fürs Prestige nur noch Luchterhand - ein kleines Haus, das Random House 2001 übernommen hat und dem der Konzern 'literarischen Ehrgeiz und wirtschaftliche Klugheit' bescheinigt - wohl wissend, dass in diesen Zeiten mit literarischen Verlagen keine großen Sprünge zu machen sind."

Arnulf Conradi glaubt zwar nicht, dass das Überleben für seinen Verlag nun einfacher geworden ist. "Trotzdem ist die Trennung sinnvoll, weil ich darauf setze, dass wir mit neuen Partnern beweglicher sein werden", sagt der Berlin-Verleger im Interview mit Holger Heimann. Nach dem Grund für die Trennung befragt antwortet Conradi: "Es ist kein Geheimnis, dass der Druck auf uns gewachsen ist, aber mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist die gesamte Branche konfrontiert. Man kann es vielleicht so ausdrücken: Wir haben die kurzfristigen Erwartungen von Random House nicht erfüllt." Conradis eigene Erwartungen an den Berlin Verlag sind nicht gering: "Für mich geht es darum, den Berlin Verlag zu erhalten - so, wie er ist, mit diesem Programm, mit diesem Anspruch. Das betrachte ich, wenn Sie das stattliche Wort erlauben, als mein Lebenswerk. Dafür werde ich mein Äußerstes tun."

Bertelsmann hat das Procedere der Aufsichtsratswahl und die Besetzung der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG) neu geregelt. Der Einfluss der Familie Mohn auf den Konzern ist damit fixiert. Neun der Mitglieder des 15-köpfigen Aufsichtsrates werden künftig von der BVG mit maximal einer Gegenstimme gewählt. "Falls dies nicht möglich ist, sollen sie abwechselnd von den Familienmitgliedern und den anderen Mitgliedern bestimmt werden." Drei der acht BVG-Mitglieder sind Familienvertreter; "Christoph Mohn ist zurzeit in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender von Lycos Europe in dem Gremium".

Zum Auftakt der Kinderbuchmesse in Bologna sind am 2. April drei Preise verliehen worden: Den Fiction-Award erhielt Raymond Queneau für "Exercises de Style", den Non-Fiction-Award erhielt Dominique Gaussen für "Jean Moulin & ceux qui ont dit 'non!'", ein Buch über die Resistance. Der New-Horizon-Award ging an Hossein Moalem und Barbara Kaef für ihre Sammlung persischer Erzählungen "The Anecdotes".

Verleger Jochen Jung kann das Gerede vom Kerngeschäft nicht mehr hören. "Das Kerngeschäft liegt da, wo Geld verdient wird; wo es verloren wird, da muss abgebaut werden? Apropos Bauen, die Architekten kennen das, was man tut, wenn Denkmalschutz und Geschäftsinteresse bei einem würdigen Altbau nicht unters gemeinsame Dach wollen: Man lässt die Fassaden stehen und schafft innen Platz für Neues durch Niederreißen der alten, störenden Substanz: Das nennt man Entkernen. Der 'Rückzug aufs Kerngeschäft' kann dann umgekehrt nur heißen: Hinter neuer Fassade die alte Wirtschaft. Oder?"

Die Buchbranche blickt gespannt auf das Bundeskartellamt: Wird es die Übernahme von Ullstein Heyne List durch Random House genehmigen? Wird es Auflagen geben? Winand von Petersdorf-Campen stellt die Behörde vor. "Nach welchen Kriterien entscheidet die Bonner Behörde? Die Kartellwächter prüfen am Anfang zweierlei: erstens, ob durch die Fusion ein Unternehmen mit marktbeherrschender Position entsteht, oder aber, ob durch den Zusammenschluss die marktbeherrschende Stellung eines Unternehmens verstärkt wird." Dabei gelte die Faustregel: Marktbeherrschend ist ein Unternehmen, dessen Marktanteil mindestens ein Drittel beträgt." Die entscheidende Frage für das Kartellamt sei: "Ist Buch gleich Buch?" Bilden Taschenbücher und Hardcover einen gemeinsamen Markt? Der Marktanteil der neuen Verlagsgruppe beim Taschenbuch liege nahe der 40-Prozent-Marke - also deutlich über einem Drittel. In dem Fragebogen, den das Kartellamt an Taschenbuchverlage verschickte, wies die Behörde bereits darauf hin, dass sie dazu neige, "einen eigenen (Teil-) Markt für Taschenbücher anzunehmen".

Ralf Klingsieck berichtet, dass die Besucherzahlen beim Salon du Livre nicht zuletzt wegen des Irak-Kriegs zwar zurückgingen, dass jedoch der diesjährige Ehrengast auf großes Interesse gestoßen sei: dies war die Literatur aus Flandern und den Niederlanden. "Der originelle pyramidenförmige Gemeinschaftsstand wurde von einem Leuchtturm überragt, der von allen Seiten in der gut 50.000 Quadratmeter großen Messehalle zu sehen war. 50 Schriftsteller aus den Niederlanden und Flandern waren gekommen, um zu lesen, zu diskutieren und zu signieren. (...) Abgesehen von Neuauflagen sind speziell zu diesem Buchsalon rund 70 Literatur- und Sachbuchtitel aus dem Niederländischen ins Französische übersetzt worden".

Kann weniger in einer Buchhandlung mehr sein? Habel-Geschäftsführer Johannes Schmitt meint Ja. "Trotz sinkender Umsätze steigt die Zahl der Neuerscheinungen: Die Flut kaum unterscheidbarer Produkte überfordert die Verbraucher, zudem führen Ladengestaltung, Dienstleistungsangebot und Preispolitik oft zu einer Reizüberflutung. Obendrein bringen die Kunden immer weniger Zeit mit. Kaufentscheidungen werden schnell getroffen; wo dies nicht möglich ist, wird lieber verzichtet." Jürgen Haber von der Mainzer Gutenberg-Buchhandlung sagt dagegen, gerade die Backlist bedürfe der besonderen Pflege, weil sie der Buchhandlung ihr eigenes Profil gebe. "In vielen Fällen ist es wichtig, dass ein Buch im Regal steht, damit es verkauft wird. Wolfgang Rasch, der zu meiner Zeit an der Buchhändlerschule in Frankfurt Herstellung lehrte, sprach eindrucksvoll von der 'Handerotik', die von jedem Buch ausgehen müsse."

Der Jurist Thomas Dreier erläutert, warum die Verlage auch in Zukunft Anteile der Ausschüttungen der VG Wort erhalten sollten. Die Autorenvertreter sehen das anders. Sie berufen sich auf Paragraf 63a des neuen Urhebervertragsrechts, wonach der Urheber einen Vergütungsanspruch nicht im Voraus auf seinen Verlag übertragen kann. In einem Gutachten für den Börsenverein kommt Dreier zu dem Ergebnis, dass die VG Wort ihre bisherige Verteilungspraxis sehr wohl aufrechterhalten kann. Im Interview mit dem Börsenblatt gesteht er zwar zu, dass Paragraf 63a "wörtlich genommen" den Verlagen die Teilnahme am Ausschüttungssystem untersagt. Eine ganze Reihe von Gründen spricht jedoch seiner Auffassung nach dagegen, den Paragrafen so auszulegen; unter anderem die Intention des Gesetzgebers, der Grundsatz der Gleichbehandlung ("Warum sollen Verlage anders behandelt werden als Tonträgerhersteller?") sowie Artikel 14 GG (Schutz des Eigentums). Die Autorenvertreter haben nun ihrerseits ein Gutachten in Auftrag gegeben.

"Wie ist die Lage auf dem Jobmarkt?", fragt Regine Meyer-Arlt Irene Naumczyk, die eine Personalagentur für Verlage leitet. "Wir verbringen momentan sehr viel Zeit damit, Bewerber in unsere Kartei aufzunehmen. Die Zahl der Stellensuchenden ist unglaublich gestiegen. Wir haben derzeit rund 1.400 Kandidaten, davon sind zwischen zwölf und 15 Prozent arbeitslos." Die Besetzung von Stellen sei dennoch nicht einfacher geworden: Die Entscheidungsträger in den Verlagen "wollen ihr Anforderungsprofil zu 100 Prozent erfüllt haben - oft ein Ding der Unmöglichkeit. In meinen Augen ist das auch unsinnig, denn gute Leute arbeiten sich schnell ein. Solche festgefügten Anforderungsprofile zwingen Berufsanfänger dazu, sich sehr früh festzulegen: Ein Schulbuchredakteur hat heute zum Beispiel kaum Chancen, in einem Sachbuchverlag unterzukommen."

Weitere Meldungen: Die Wissenschaftsverlage protestieren weiter gegen das geplante neue Urheberrechtsgesetz. Die Leipziger Buchhandlung Franz-Mehring-Haus hat Insolvenz angemeldet. Insolvenzverwalter Rainer Eckert sagt, eine erste Prüfung habe ergeben, dass eine Fortführung des Unternehmens möglich sei.

Außerdem schreibt Arne Schäffler, freier Berater für Fachverlage, über das Thema Outsourcing. Frank Magdans stellt einige Software-Titel aus den Bereichen Kunst, Literatur, Musik und Film vor. Wulf D. von Lucius lobt das neue Reclam-Sachlexikon des Buches, und Helmut Benze lobt das "Wörterbuch des Buches" von Helmut Hiller und Stephan Füssel sowie das "Verlagslexikon" von Klaus-W. Bramann und Ralf Plenz.

Die Buchmacher vom 31.03.2003 - Börsenblatt

"Aufreger der Woche" ist im aktuellen Börsenblatt der Einmarsch amerikanischer und britischer Truppen in den Irak. "Kopf der Woche" ist Bernd Kolf, der die Verlage Henschel, E.A. Seemann und Edition Leipzig von der Verlagsgruppe Dornier übernommen hat und an ihren Standorten Berlin und Leipzig weiterführen will.

Die Aufbau-Verlage schreiben "kleine, aber schwarze Zahlen"; der Umsatz lag 2002 bei 14,8 Millionen Euro, elf Prozent mehr als 2001. "Verleger Bernd F. Lunkewitz sieht sich in seiner Strategie 'weniger Titel - mehr erfolgreiche Bücher' bestätigt. In den vergangenen beiden Jahren wurde das Hardcover-Programm bereits um ein Viertel reduziert. Für dieses Jahr ist eine Kürzung um weitere zehn Prozent geplant." Der Gustav Kiepenheuer Verlag soll zum Jahresende von Leipzig nach Berlin umziehen. Der Verlag "soll künftig wie Rütten & Loening geführt werden und sich auf internationale Literatur und auf sächsische Regionalkultur konzentrieren." Der buchreport meldet ergänzend, dass der neu berufene Programmleiter Jörg Schieke ein Büro in Leipzig behält.

Da die Zahl der Leser unter den Kindern und Jugendlichen abnimmt, setzen Kinderbuchverlage auf einen "kalkulierten Anbau an bestehende Programmsegmente", schreibt Ralf Schweikart. Die Bücher für die Allerkleinsten bildeten einen sehr stabilen Markt, "den bislang wenige Verlage wie etwa Ravensburger, Coppenrath, Annette Betz oder Pestalozzi unter sich aufgeteilt haben. In dieses Segment drängen nun Einzeltitel von Hanser ebenso wie ein eigenständiges Pappbilderbuchprogramm von Oetinger." Andere Verlage expandieren in die andere Richtung. Zum Beispiel Gerstenberg: "Bislang war das Unternehmen vor allem im Sach- und Bilderbuchprogramm stark. (...) Der Anteil des erzählenden Programms hat in den vergangenen Jahren allerdings stetig zugenommen. (...) Nun wächst das Programm mit 'Der Herr Albert' von Frank Vermeulen in Richtung Jugendbuch."

Andreas Trojan berichtet über die Augsburger Buchhandelslandschaft. Mit Ausnahme von Hugendubel und Pustet sind alle Augsburger Buchhandlungen seit 2001 im "LiteraturTeam" zusammengeschlossen. "Geplant und durchgeführt werden Veranstaltungen etwa zum Welttag des Buches und zur Frankfurter Buchmesse. Was der Einzelne niemals schaffen könnte, stellen sie gemeinsam auf die Beine. (...) Mittlerweile treffen sie sich in lockerer Runde alle zwei Wochen und besprechen Probleme. Die Buchhändler helfen einander, übernehmen Auslieferungsfahrten, wenn das Auto des Kollegen streikt, oder planen, Azubis untereinander auszutauschen, damit der Nachwuchs mehr als nur eine Buchhandlung kennen lernt."

Auch das Börsenblatt findet, dass Gunter Thielens erste Bilanzpressekonferenz als Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender gelungen war. Thielen präsentierte "schwarze Zahlen für sechs der sieben Sparten - einzig die DirectGroup verbucht noch Verluste". Random House, die weltgrößte Buchverlagsgruppe, "konnte der schwachen Buchkonjunktur trotzen und die Rezession auf dem deutschsprachigen Buchmarkt sogar überkompensieren".

Am deutschen Gemeinschaftsstand auf der London Book Fair waren 21 Verlage und Unternehmen vertreten, mehr als zehn weitere Verlage kamen mit einem eigenen Stand, berichtet Thomas Minkus. "Weg von der Belletristik, hin zum Sachbuch - über diesen Trend im internationalen Lizenzgeschäft wurde in London viel spekuliert. Deutsche Verlage suchen in den USA insbesondere narrative Sachbücher, sagte eine deutsche Literaturagentin. Gefragt seien [zudem] historische Romane und 'Chick Lit': freche Bücher aus Großbritannien von Frauen über Frauen."

In Leipzig wurden Jugendbücher für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert; 24 von einer Erwachsenen-Jury und sechs von einer Jury aus Jugendlichen. Nicht eines der von den Erwachsenen nominierten Bücher wurde auch von den Jugendlichen nominiert - und das sei auch gut so, befindet Stefan Hauck. Die fünf Preisträger werden im Oktober bekannt gegeben.

Weitere Meldungen: Das Druckunternehmen Brönners in Frankfurt am Main hat Insolvenz beantragt. Hartmut Fischer sucht einen Käufer für seine Buchhandlung "Juliettes Literatursalon" in Berlin-Mitte. Buch.de hat im vierten Quartal 2002 schwarze Zahlen geschrieben. Die Frankfurter Buchmesse und die kleineren Verlage haben sich "aufeinander zubewegt" - die Standmieten sollen nicht ganz so teuer ausfallen, wie zunächst angekündigt.

Außerdem erläutert Alexander Bob, Vorstandssprecher des Bibliographischen Instituts & F.A. Brockhaus, wann Outsourcing sinnvoll ist - "wenn es überschaubar bleibt und die Schnittstellen zum Unternehmen genau definiert werden". Für einen Verlag werde es immer dann problematisch, wenn Kernkompetenzen berührt werden. Uli Hesse berichtet aus Essen, dass die örtlichen Buchhändler gelassen auf die Eröffnung der 5.000-Quadratmeter-Filiale der Mayerschen Buchhandlung reagieren. Emmanuel van Stein bilanziert die lit.Cologne als "Feuerwerk der Literatur". Andreas Dischereit weiß, dass Betrug, Diebstahl, Manipulation, Untreue, Unterschlagung, Mobbing und Arbeitsverweigerung auch im Buchhandel immer wieder vorkommen; unter der Überschrift "Frust ist gefährlich" erläutert er, was Buchhändler gegen Personaldelikte und "Kontraproduktivität" tun können.

Host Cremer weist darauf hin, dass das flexible Schrankwandsystem BBB seit Februar über Heinz Nielsen von der Flensburger Firma BBB-Einrichtungen bezogen werden kann. Uwe Ebbinghaus hat sich eine ganze Reihe von Gesundheitsratgebern angeschaut und stellt fest, dass Männer für diese Sorte Buch als Zielgruppe noch erschlossen werden muss. Und Ulrich Hesse stellt Peter Feierabend und dessen Feierabend Verlag vor. Feierabend würde gern ein Buch machen "über den Mann von Kopf bis Fuß. Das würde sicher kein rein anatomisches Werk, sondern eines über den Mann als biologisches, soziales, kreatives, modisches Wesen". Ein solches Buch über Frauen käme für ihn nicht in Frage: "Frauen sind meines Erachtens in nahezu allen Lebensbereichen facettenreicher als Männer, so dass es vermutlich nicht gelänge, sie in einem Buch 'einzufangen'." In der Reihe "Der Autor und sein Lektor" schwärmt Sibylle Lewitscharoff für Finger und Schrift ihrer Lektorin Christiane Schmidt. Und schließlich erklärt der frühere Piper- und Pendo-Verleger Ernst Piper, was ihm an seinem neuen Job als Literaturagent gefällt: die Autorenbetreuung.

In einem ausführlichen Extra-Teil berichtet das Börsenblatt schließlich vom "Bücherfrühling in Leipzig".

Die Buchmacher vom 24.03.2003 - Börsenblatt

Die frohe Botschaft, dass die Frankfurter Buchmesse in Frankfurt bleibt, habe vorläufigen Charakter, denn vertraglich neu geregelt sei noch gar nichts, schreibt Börsenblatt-Chefredakteur Hendrik Markgraf im Editorial. "Aber es gibt eine Vereinbarung, auf die sich Börsenverein und Messegesellschafter, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen verständigt haben." In einem kurzen Artikel wird erläutert, dass die Buchmesse sich längerfristig an Frankfurt binden will. In weiteren Verhandlungen, so der Börsenverein, soll es vor allem um die Höhe der künftigen Mietzahlungen an die Messe GmbH gehen. Auf die Erhöhung der Standgebühren, "die die Kleinen überproportional trifft", geht das Börsenblatt nur in einem Absatz ein. (Mehr gibt es allerdings in der Online-Ausgabe.)

Im Kulturausschuss des Bundestags haben SPD und Grüne den Antrag von Union und FDP, den Paragrafen 52a aus dem geplanten Gesetz zum Urheberrecht zu streichen, abgelehnt. "Statt dessen habe der Kulturausschuss dem federführenden Rechtsausschuss empfohlen, lediglich Einschränkungen - keine Kopien ganzer Bücher, Bereichsausnahme für Schulbücher - in der Vorschrift vorzusehen", so der Börsenverein. Der Rechtsausschuss will am 2. April über das Gesetz abstimmen.

Mohr-Verleger Georg Siebeck meint, beim neuen Urheberrecht stehe "viel mehr auf dem Spiel als das Schicksal einiger deutscher Verlage". Es gehe darum, "ob wir es fertig bringen, für die entscheidende Ressource des 21. Jahrhunderts eine Rechtsordnung zu schaffen, die eine nachhaltige und qualitätsvolle Nutzung ermöglicht. (...) Die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts brauchte ein faires Arbeitsrecht, um die Arbeitskräfte in die Industriezentren zu holen und mit der dortigen Welt zu versöhnen. Das 20. Jahrhundert brauchte ein faires Gesellschaftsrecht, um das nun breiter verteilte Vermögen produktiv einsetzen zu können. Das 21. Jahrhundert braucht ein faires Urheberrecht, um Ideen und Wissen möglichst produktiv - und von seinem Nutzen bestimmt! - zu verbreiten." Hm. Die Industrialisierung hat doch auch ohne faires Arbeitsrecht funktioniert.

Nils Kahlefendt widmet sich der "Literatur als Event". Unter anderem schreibt er über das Kölner Literaturfestival lit.Cologne: "Groß denken, sich nicht kleiner machen als nötig: Das beginnt mit den Autoren, ohne die es weder Bücher noch den wie geschmiert laufenden 'Betrieb' gäbe. In Köln nimmt man sie als Stars ernst: Sie werden rundum betreut, mit Automobilen der Oberklasse chauffiert und alle zusammen in einem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht". Am Rande des Artikels findet sich eine Link-Liste diverser Literaturevents, darunter Leipzig liest, die Hamburger Lesetage, Klagenfurt, das Internationale Literaturfestival Leukerbad, das Erlanger Poetenfest, das Internationale Literaturfestival Berlin, der Göttinger Literaturherbst und der Leipziger literarische Herbst.

In zehn Thesen stellt Helmut von Berg, Bereichsleiter Produktion, Disposition und Einkauf bei der Verlagsgruppe Droemer Weltbild, den Buchhandel im Jahr 2007 vor. These sieben: "Industriegeschäfte werden unverzichtbarer Baustein des wirtschaftlichen Erfolgs großer Verlage. Die Verlage werden versuchen müssen, zu Autoren beziehungsweise Themen passende Partner zu finden. Geschäfte, die sich ergänzen, sind jedoch für viele traditionsbewusste Verleger 'schmutziges' Geld."

Die Verlagsgruppe Cornelsen fusioniert ihre Töchter Cornelsen und Volk und Wissen. 15 von bislang 115 Mitarbeitern von Volk und Wissen werden voraussichtlich ihren Job verlieren. Cornelsen-Geschäftsführer Fritz von Bernuth erklärt im Interview mit Volkhard Bode, der Markt in den neuen Bundesländern sei geschrumpft, "die Zahl der Schüler auf 40 Prozent des Niveaus von 1990 zurückgegangen. Wir mussten also reagieren." Cornelsen wolle die Marke Volk und Wissen "präsent halten und gezielt einsetzen". "Konkret heißt das, es wird auch in Zukunft Titel geben, die unter Volk und Wissen laufen. In den neuen Bundesländern hält der Verlag noch immer eine Sonderstellung."

Ulrich Rüdenauer erinnert an die goldene Zeit des Feuilletons - an die Zeit vor der Anzeigenflaute. "Nicht nur die Konkurrenz stachelte den Ehrgeiz an. Man hatte auch die anderen Ressorts in Sachen Deutungshoheit längst ausgestochen und träumte von einem Feuilleton, wie es in den 1920er Jahren blühte." Unter den Kürzungen seit 2001 hätten alle Ressorts zu leiden, doch "gerade im 'Luxusressort' Kultur geht die Sorge um, als schwächstes Glied in der Kette die größten Einbußen hinnehmen zu müssen". Trotz aller Hiobsbotschaften herrsche in den Redaktionen "keineswegs Untergangsstimmung, eher ein gewisser Pragmatismus. (...) Anja Seeliger vom Internet-Kulturmagazin Perlentaucher, das täglich eine kommentierte Presse- und Bücherschau liefert, hat zwar eine Reduzierung der Umfänge beobachtet, aber bisher keine inhaltliche Neuorientierung der großen Feuilletons: 'Vorher herrschte Luxus - aber dies bedeutet nicht, dass man ohne diesen Luxus keine gute Zeitung mehr machen kann.'"

Die Buchhändlerin Annelore Schellberg hat sich vor drei Jahren als "Mobile Buchhändlerin" selbstständig gemacht; mittlerweile arbeiten auch Anna Rahm und Anita Ludwig unter dieser Marke. "Vom Krankheitsfall bis zum Mutterschutz: Unverantwortliche Arbeitsüberlastung oder gar vorübergehende Geschäftsschließungen dürfte es ab sofort nicht mehr geben." Für ein Pauschalhonorar springen die "Mobilen Buchhändlerinnen" ein, wenn der Einsatz mindestens eine Woche dauert und eine Unterkunft gestellt wird.

Anja zum Hingst erläutert, wie Leseköpfe zum diesjährigen Welttag des Buches bei der Werbung für das Buch helfen sollen. "Zehn prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Medien und Politik - leidenschaftliche Bücher-Leser allesamt - lesen und diskutieren vor Publikum zur gleichen Zeit in fünf Städten. Das Thema: 'Klassik trifft Pop. Gibt es gutes und schlechtes Lesen?' (...) Obwohl die Entscheidung für diese Idee erst im Januar 2003 fiel, haben zahlreiche Lesebotschafter und Medien spontan zugesagt: Heiner Geißler, Jette Joop, Gerhard Delling, Gertrud Höhler, Friedrich Nowottny, Götz Alsmann, Nina Ruge, Hellmuth Karasek und Marcel Reif sind nach jetzigem Stand dabei." Die Veranstaltungen finden in den Universitäten in Berlin (HU), Hamburg, Frankfurt am Main, Köln und München statt.

Weitere Meldungen: Der Axel Springer Verlag schreibt schwarze Zahlen. Ernst Leonhard ist nun wieder alleiniger Eigentümer von Buch Habel; die FAZ-Gruppe hat ihren 50-prozentigen Anteil an der Buchhandlung an ihn verkauft. Auf die Expansionspläne von Habel habe der Ausstieg der FAZ keinen Einfluss, sagt Habel-Geschäftsführer Johannes Schmitt. Die Wolters Kluwer Germany Holding hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 150 Millionen Euro erzielt, damit leicht zugelegt und schwarze Zahlen geschrieben. Bis zu zehn Bieter haben ihr Interesse an den Buchverlagen von AOL Time Warner angemeldet. Die Mediensparte der Groupe Lagardere hat 2002 als einzige im Konzern zugelegt: Zum Gesamtumsatz von 13,2 Milliarden Euro trug Lagardere Media 8,2 Milliarden bei. Damit ist Lagardere der achtgrößte Medienkonzern der Welt. Und der Umsatz im deutschen Bahnhofsbuchhandel ist um durchschnittlich 6,6 Prozent zurückgegangen.

Außerdem zeigt Christoph Kochhan anhand der Ergebnisse der Konjunkturumfrage des Börsenvereins, dass die Buchhändler offenbar ihr Stimmungstief überwunden haben. Regine Meyer-Arlt berichtet von der CeBIT. Ute Evers schreibt über die Vorbereitungen der Internationalen Buchmesse in Havanna (die vom 30. Januar bis zum 9. Februar 2004 stattfindet), wo Deutschland Ehrengast sein wird. Doris Keller-Riehm, Lizenzchefin bei Thienemann, meint, das Lizenzgeschäft dürfe nicht mit dem Abschluss eines Vertrags beendet sein. Damit die Übersetzung ein Erfolg wird, sollte der Heimatverlag PR-Arbeit im Ausland zu einem festen Bestandteil des Lizenzmarketings machen. Christina Busse widmet sich den besonderen Hürden, die ein Biografienschreiber nehmen muss. Dabei stellt sie drei Biografien vor, die für den Deutschen Bücherpreis nominiert waren: "Frau Merian" von Dieter Kühn, "Willy Brandt" von Peter Merseburger und "Riefenstahl" von Jürgen Trimborn. Claudia Kramatschek hat mit Wilhelm Genazino gesprochen.

In einem Sonderteil geht es um E-Publishing: Jobprofile, elektronische Newsletter, Vermarktung von E-Content, Potentiale im Online-Buchhandel und den Nutzwert von Websites. Mehr zum Thema beim Arbeitskreis Elektronisches Publizieren.

Die Buchmacher vom 17.03.2003 - Börsenblatt

Der Leser liebster Schriftsteller ist Henning Mankell: Am 20. März erhält der Schwede den Publikumspreis des Deutschen Bücherpreises. Platz zwei im Votum der Leserinnen und Leser belegte Dieter Bohlen, Platz drei ging an Petra Hammesfahr. Auf Platz vier und fünf: Jonathan Franzen und Doris Dörrie.

In der Verlagsgruppe Westermann werden bis zum Herbst rund 200 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Das erfuhr das Börsenblatt von Angestellten des Unternehmens (laut buchreport stehen 250 Arbeitsplätze zur Disposition). "Die Standorte Hannover (Schroedel) und Frankfurt am Main (Diesterweg) werden zum 30. September aufgegeben." Bei Diesterweg hätten 35 von 67 Mitarbeitern eine Kündigung erhalten, beim Bildungshaus würden 50 Stellen gestrichen, bei Westermann selbst seien 73 Entlassungen ausgesprochen worden.

Die Heppenheimer Buchhändlerin Irene May-Menninger preist die Vorteile einer Buchhandlung in der Provinz: "Nie hatte die Freizeitbeschäftigung Lesen so viel Konkurrenz wie heute; wir wissen das und beklagen es manchmal, doch in Sachen Kultur unterschätzen wir Buchhändler of unsere Rolle und unsere Möglichkeiten. Gerade in einer Buchhandlung in der Kleinstadt laufen viele Fäden zusammen, hier werden immer wieder Impulse gegeben: Das beginnt mit dem banalen Aushängen von Plakaten und dem Kartenvorverkauf für kulturelle Veranstaltungen, reicht über Literaturempfehlungen bis hin zur eigenen Autorenlesung."

Nur jeder zehnte Kunde nutzt die öffentliche Bibliothek als kommunikativen Treffpunkt. Das, schreibt Regine Meyer-Arlt, ist ein Ergebnis des Projekts "Bibliothek 2007: Bibliotheksentwicklung in Deutschland". Am Ende des Projekts, das die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände (BDB) gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung durchführt, soll ein Strategiepapier zur Stärkung des deutschen Bibliothekswesens stehen. "Darin könnte zum Beispiel stehen, dass die öffentlichen Bibliotheken mehr Kunden gewinnen, wenn sie als attraktive Aufenthaltsorte wahrgenommen werden." In Deutschland sind Bibliotheken vergleichsweise wenig in der Bevölkerung verankert: "In Finnland gehört zu jeder Schule eine Bibliothek, während in Deutschland gerade mal 15 Prozent der Schulen diesen Standard haben", sagt BDB-Chef Georg Ruppelt. Am Rande verweist Meyer-Arlt auf das Projekt Deutsche Internetbibliothek.

In seinem Konjunkturbericht sieht Boris Langendorf erste Anzeichen für einen Aufwärtstrend. "Sowohl Konjunkturerwartung als auch Anschaffungsneigung haben sich leicht verbessert, wenn auch beide absolut gesehen noch in Grottentiefe verharren", schreibt Langendorf. "Und die Einkommenserwartung hat sich nur minimal verschlechtert, obwohl die GfK hier, nachdem die Befragten inzwischen ihren Januar-Gehaltszettel kennen, mit einem Desaster gerechnet hatte." Die derzeitige Klimatendenz wäre für die Konjunktur "absolut hilfreich, würde dem nicht die Verunsicherung durch die Kriegsgefahr eine unüberwindliche Grenze setzen".

Wenn die mittelgroßen Verlage nicht stärker miteinander kooperieren, werden nur wenige von ihnen "mittelfristig Bestand haben", meint McKinsey-Beraterin Annet Aris. Denn zwischen den großen und kleinen Verlagen seien die mittleren Verlage akut gefährdet. Die Stärkung des programmatischen Profils und Outsourcing einzelner Bereiche sei häufig nicht ausreichend. Aris rät zu Kooperationen im Vertrieb und im Marketing. Da viele Verleger allerdings "ausgeprägte Individualisten" seien, werde es wohl kein einfaches Unterfangen sein, "hier den notwendigen Grad an Kooperation zu erreichen". Einer dieser ausgeprägten Individualisten ist Friedrich-Karl Sandmann, Inhaber des Verlags Zabert Sandmann. Zu Kooperationen mit anderen Verlagen sagt er in seiner Gegenposition zwar nichts. Doch er betont die Eigenständigkeit des Verlegers: "Bei uns gibt es trotz hoher Professionalität und hochmoderner Ausstattung noch so etwas wie Manufaktur. Wir arbeiten so lange, bis das Produkt nicht nur gut aussieht, sondern auch passt und eine Lebensdauer hat, über die es sich zu reden lohnt. Bei uns überleben alle Bücher das erste Jahr, und wenn wir Glück haben, kommen sie ins zeugungsfähige Alter und vermehren sich selbst. (...) Und auf die Frage, ob die Kleinen im Schatten der Großen überleben können, kann ich nur antworten: McKinsey hat zwar die Cashcow erfunden, aber für einen gut funktionierenden Hof braucht man immer noch einen ausgeschlafenen Bauern."

Sybille Fuhrmann spricht mit dem Typografie-Verleger Bertram Schmidt-Friderichs über Herstellung und Typografie. Sie fragt ihn nach den größten gestalterischen Sünden. "Es sind vor allem viele kleine Dinge, die passieren, wenn einfache Regeln der Typografie nicht beachtet werden: Das verirrte Divis (Trennzeichen) mitten im Wort etwa. Häufig sieht man auch, dass Zeilen automatisch gesperrt oder verengt werden. Die Wirkung: Ein Wort wird in einem Text hervorgehoben, obwohl das gar keinen Sinn macht. Auch die Laufweite ist oft zu eng zugerichtet, oder es wurde ein zu geringer Zeilenabstand gewählt. Zusammengenommen führen diese Kleinigkeiten dazu, dass die Lesbarkeit leidet." Die visuelle Führerschaft liege seit den achtziger Jahren beim Fernsehen. Wir erlebten zwar gerade einen "Roll-Back": Es habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man gewisse Gesetze in der Gestaltung von Printprodukten nicht aushebeln kann. "Wer wissen will, wie Buchumschläge, Anzeigen oder Vorschauen im nächsten Jahr aussehen werden, sollte aber immer noch MTV oder Viva einschalten und beispielsweise auf die Hintergrundgestaltung der Musikclips achten."

Ralf Schweikart berichtet von einer offenbar sehr unterhaltsamen Begegnung mit dem Schriftsteller Andreas Steinhöfel. Dessen Verlag Carlsen hatte unter Buchhändlern eine Fahrt nach Berlin verlost; Steinhöfel führte die drei Buchhändler nun über die Schauplätze seines jüngsten Romans "Der mechanische Prinz". Vor der Markthalle am Marheinekeplatz: "'Hier, auf diesem Platz, hat Max Marlene kennen gelernt.' Andreas Steinhöfel kneift dabei die Augen zusammen, als sähe er diesen Moment noch vor sich. Könnte die alte Dame mit den Strohhut dort nicht vielleicht wirklich Marlene sein? Die die Tauben um sich schart und füttert und dabei die herumliegenden Taubenfedern einsammelt? Weil sie in ihrer Altbauwohnung unterm Dach, nur ein paar Schritte entfernt am Chamissoplatz, daraus einen Flugapparat baut, der Leonardo da Vinci zur Ehre gereicht hätte?"

Weitere Beiträge: Der Tandem Verlag und Ludwig Könemann wollen "ein auf den nationalen und internationalen Markt ausgerichtetes Buchprogramm" starten. Dabei werde man auch auf Teile des Könemann-Programms zurückgreifen, sagt Tandem-Verleger Herbert Ullmann. Unter der Flaute auf dem Baumarkt leiden auch die Baufachverlage, schreibt Sabine Cronau. Sie informiert in einem längeren Artikel über den verlegerischen Baumarkt. Dag Klimas informiert über Online-Bezahlsysteme. Und Uwe Ebbinghaus stellt Fachwörterbücher vor und weist darauf hin, dass der Bedarf an mehrsprachigen Speziallexika wächst.

In der vergangenen Woche ist außerdem ein Börsenblatt-Spezial zum Thema Religion erschienen.

Die Buchmacher vom 10.03.2003 - Börsenblatt

Der mögliche Umzug des Gustav Kiepenheuer Verlags von Leipzig nach Berlin ist nach Darstellung des Börsenblatts bereits Gewissheit: "Nach der Ankündigung der Verlagsgruppe Dornier, die Verlage E.A. Seemann, Edition Leipzig und Henschel Berlin zum 31. März zu schließen und angesichts einer zum Jahreswechsel geräuschlos vonstatten gegangenen Personal-Ausdünnung bei der Insel-Niederlassung Leipzig ein neuerlicher Schlag ins Kontor der 'Buchstadt' Leipzig." Zugleich zitiert das Blatt Aufbau-Verleger Bernd F. Lunkewitz mit einem Dementi: "Es gibt Überlegungen, die Verlagstätigkeit in Berlin zu konzentrieren - entschieden ist noch nichts."

Die Moderatorin und Autorin Susanne Fröhlich ("Frisch gemacht") erzählt von Lesereisen durch Deutschland. "Lesungen geben Einblicke. Auch in die Welt des Humors. Die Stellen, an denen ganz Wiesbaden lacht, sind in Recklinghausen noch lange kein Knaller. Über eher müde Passagen liest man so drüber und oh Wunder, in Fulda entpuppt sich eben eine solche müde Stelle als Reißer. Humor ist eben auch eine regionale Angelegenheit."

Anlässlich der ITB berichtet Volkhard Bode über den schwächelnden Reisebuchmarkt. Der orientiert sich natürlich auch an den bevorzugten Reisezielen. "Die Trends des Jahres sind längst ausgemacht: Man fährt ins Allgäu, an die Ostsee oder hinüber zu den europäischen Nachbarn. Kroatien, die bulgarische Schwarzmeerküste, die spanischen Inseln - das sind die Ziele dieses Sommers, abgesehen vom Klassiker Italien. Glaubt man den Reiseprognosen, stehen die 'erdgebundenen' Ziele, die man mit Bahn und Auto erreichen kann, hoch im Kurs. In den Nahen und Mittleren Osten möchte derzeit kaum jemand reisen, bei den Fernzielen liegen China oder Südafrika vorn." Stark zugelegt hat im vergangenen Jahr Mairs Geographischer Verlag. Allein mit den billigen Marco-Polo-Titeln hat die Mair-Gruppe 19 Prozent Marktanteil. DuMont kommt auf 18 Prozent, der Michael Müller Verlag auf drei Prozent.

Die Leipziger Buchmesse hat sich durchgesetzt, schreibt Nils Kahlefendt. "Das Konzept, Leipzig zur Publikums-, Autoren- und Medienmesse für die Vermarktung der Frühjahrstitel auszubauen, ist offensichtlich angenommen worden. Eine Solidaritätsaktion (...) könnte sich bei der heutigen Marktlage wohl auch kein Verlag mehr leisten. Die Sinnfrage - warum Leipzig? - wird nicht mehr ernsthaft gestellt. Die Messe besteht am Markt - und will in diesem Jahr bei den laufenden Kosten erstmals schwarze Zahlen schreiben." Neben den traditionellen Messeschwerpunkten Comic und Hörbuch gibt es in diesem Jahr den Schwerpunkt Reisen.

An drei Beispielen schildert Claudia Kramatschek, wie Verlage Debütromane bewerben. Alle drei Titel wurden für den Deutschen Bücherpreis nominiert: "Der Schwimmer" von Zsuzsa Bank, "Buntschatten und Fledermäuse" von Axel Brauns und "Dich schlafen sehen" von Anne-Sophie Brasme. Fischer kürte Banks Buch zum Spitzentitel und bewarb es entsprechend. Und das Glück ist mit den Tüchtigen: "Die Brigitte versteht sich als 'Patin' der Autorin, weil Bank in einer Schreibwerkstatt der Zeitschrift entdeckt worden ist. Sie brachte deshalb in ihrem Spezial zur Buchmesse ein großes Porträt über die Autorin - 'und wir wissen alle, wie ungeheuer hilfreich es ist, wenn jemand in diesem Umfeld ein bisschen größer platziert wird', so Petra Baumann-Zink", Pressesprecherin des Verlags. Hoffmann und Campe verzichtete bei Axel Brauns "auf reißerische Vermarktung" - erstaunlich ist dies, weil Brauns als Kind Autist war und in seinem Buch davon erzählt. Hier hat vor allem ein Auftritt in einer Talkshow die Absatzzahlen nach oben schnellen lassen.

Kleinverlage sollten häufiger mit Lokalzeitungen kooperieren, meint Thomas Frahm, Chef des auf bulgarische Literatur spezialisierten Avios Verlags. "Sie rufen die Zeitung an. 'Könnten Sie mich bitte mit Ihrer Marketing-Abteilung verbinden?' Geben Sie sich einen Ruck. Die Quantität Ihrer Lügen ist gering. Die Quantität Ihrer Not ist hoch. Das ergibt eine neue Qualität: die Notlüge. Sie hören sich sagen: 'Ich hab mir heute Ihre schon gemachten Bücher in der Geschäftsstelle angeschaut. Kompliment. Ich würde mich gern einmal mit Ihnen treffen und über Möglichkeiten der Zusammenarbeit sprechen.'" Zum Artikel gibt es eine Checkliste, mit der ein Verleger das Gespräch mit seiner potenziellen Partnerzeitung vorbereiten sollte.

Die Reihe Le Livre de Poche von Hachette wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Rechte Feststimmung wolle allerdings nicht aufkommen, schreibt Ralf Klingsieck. "Der Grund: Hachette, die zweitgrößte Verlagsgruppe des Landes, schickt sich gerade an, den bisherigen Marktführer Vivendi Universal Publishing in ihr Imperium einzugliedern. Damit holt sie sich beim Taschenbuch die Konkurrenz ins Haus - mit den beiden Reihen Pocket und Univers Poche. Was diese Verschiebung der Kräfte für Livre de Poche und den gesamten Markt in Frankreich bedeutet, ist derzeit noch nicht abzusehen."

Außerdem porträtiert Ralf Klingsieck den belgischen Schriftsteller Hugo Claus, der am 23. März mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet wird. "Claus war unerhört produktiv und vielseitig. (...) Heute zählt das Verzeichnis seiner Werke mehr als 150 Titel. Sein Repertoire reicht 'von der Shakespeare-Adaption bis zum Kneipenwitz', wie ein Kritiker einmal einschätzte." Über die Zukunft seines Landes mache Claus sich keine Illusionen. Er sagt: "Einmal habe ich ein Stück geschrieben, das Belgien in 20 Jahren zeigt. Da hat der rechtsextreme Vlaams Blok schon gesiegt und die Macht übernommen. Das Stück hat nur eine einzige Aufführung erlebt. Es war wohl so schockierend, dass man dem Theaterdirektor gedroht hat, alle öffentlichen Gelder zu streichen." Die deutschen Übersetzungen seiner Werke sind bei Klett-Cotta erschienen.

Weitere Meldungen: Der Eso-Verlag Königsfurt hat beim Umsatz im vergangenen Jahr zweistellig zugelegt. Die Schweizer Thalia-Tochter Jäggi eröffnet im September eine 600-Quadratmeter-Filiale in Schaffhausen und strebt nach eigenen Angaben "eine starke Präsenz im gesamt deutschschweizer Buchmarkt" an. Dem britischen Verlag Pearson geht es gut - noch besser geht es der Bildungssparte Pearson Education; sie steigerte ihren Gewinn "bei einem Umsatz von 2,7 Milliarden Pfund um 22 Prozent auf 326 Millionen Pfund". Und der Süddeutsche Verlag hat seine Führung neu organisiert und einen "Lenkungsausschuss" als Bindeglied zwischen Gesellschaftern und Geschäftsführung installiert.

Außerdem weist Gabriele Hardt von der Unternehmensberatung Hardt & Wörner darauf hin, dass Buchhandlungen mit Kalendern ihre Umsätze steigern können; Kalender legten in den vergangenen zehn Jahren "recht kontinuierlich um jährlich zwei bis vier Prozent" zu. Helmut Benze, Berater der Einkaufs- und Marketingcompany Branion, erklärt, dass Buchhändler, die "gute Gastgeber" sind, bessere Geschäfte machen. Uwe Ebbinghaus freut sich über die Architektur-Novitäten der Frühjahrsprogramme und stellt eine Auswahl vor. Christina Busse porträtiert die Literaturagentin und Packagerin Susanne Koppe. Anita Djafari spricht mit Ingeborg Mues, der Herausgeberin der Fischer-Reihe "Die Frau in der Gesellschaft". Mues geht in diesem Monat in den Ruhestand und wird sich künftig verstärkt der "Nachwuchsförderung" widmen. Und wer gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Urheberrecht protestieren möchte, sollte diese Website besuchen.

Platz eins der Hörbuchbestenliste belegt die CD "Best of Maigret & Co." Hier die komplette Liste.

Die Buchmacher vom 03.03.2003 - Börsenblatt

Der Verlag Elefanten Press bringt in diesem Frühjahr keine Novitäten auf den Markt. "'Wir machen eine Denkpause. Es wird die Entscheidung unseres neuen Verlegers Jürgen Weidenbach sein, Elefanten Press fortzuführen oder nicht', sagte Pressesprecherin Renate Grubert. Weidenbach wird seine Arbeit am 1. April als Nachfolger von Ulrich Störiko-Blume aufnehmen."

Eine Website gibt seit der vergangenen Woche einen Überblick über die Veranstaltungen von "Leipzig liest". Während der Leipziger Buchmesse wird es 650 Lesungen mit 700 Autoren geben "sowie weitere Veranstaltungen, die an 220 Orten der Stadt geplant sind, darunter Zoo und Bundesverwaltungsgericht".

Bei der Mehrwertsteuerregelung für Kombiprodukte (etwa ein Buch mit beiliegender CD-ROM) ändert sich nichts. Im Steuervergünstigungs-Abbaugesetz, das am 20. Februar vom Bundestag verabschiedet wurde, war die von der Bundesregierung ursprünglich geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Kombiprodukte nicht mehr dabei.

Das Börsenblatt bringt ein Porträt von drei Mitgliedern der Verlegerfamilie Wegner, die heute noch im Buchgeschäft aktiv sind: das sind der ehemalige Rowohlt- und Bertelsmann-Club-Geschäftsführer Matthias Wegner (Jahrgang 1937), heute Publizist; sein Sohn Konstantin Wegner (Jahrgang 1970), Anwalt für Medienrecht; und Christian Strasser (Jahrgang 1945), wie Matthias Wegner Sohn von Christian Wegner und bekanntermaßen Chef von Heyne Ullstein List. "In der Branche hat der Name Wegner einen ähnlich guten Klang wie Rowohlt oder Langenscheidt", schreibt Andreas Trojan. "Würde man tatsächlich ein Buch über diese Familie schreiben wollen, so müsste man mit dem Lebensweg von Christian Wegner beginnen, der als eigenwilliger Verleger, aber auch als oft abwesender Vater die Familiengeschicke prägte. Christian Wegner lernte das verlegerische Handwerk im Leipziger Insel Verlag, beim 'Onkel Anton' Kippenberg, einem Bruder seiner Mutter. 1931 gründete Wegner den Verlag The Albatros, den er von Paris aus leitete (...). Bei The Albatros erschienen Joyce' 'Ulysses' und D.H. Lawrence' 'Lady Chatterley', es gab aber auch Serien von Spannungsromanen wie 'Crime' oder 'Mystery Club' - eine höchst eigenwillige Mischkalkulation also."

Marina Berlusconi, Tochter des italienischen Alles-Beherrschers Silvio Berlusconi, ist seit Februar Präsidentin der Berlusconi-Verlagsgruppe Mondadori. Sie ist außerdem Vizepräsidentin der Holding Fininvest, "die alle Geschäftszweige der Berlusconi-Familie kontrolliert (unter anderem Fernseh- und Radiosender, Verlage, Finanzunternehmen und Sportvereine)", berichtet Henning Klüver. "Bei ihrer ersten Rede als Verlagschefin hat sie auf die Pluralität der Meinungen hingewiesen, die weiterhin Mondadori auszeichnen soll. Sie sei von 'tiefem Respekt für die Leser wie für den Markt' geprägt, ohne den Willen 'zu indoktrinieren oder zu orientieren'." Sie wird schon wissen, warum sie ihre Liebe zum Pluralismus so betont.

Die meisten Buchhandlungen sortieren ihre Bücher nach Inhalten, nicht nach Verlagen. "Großbuchhandlungen und Filialisten pflegen ohnehin lieber ihre eigene Corporate Identity. Kleinere Sortimente sehen dagegen in ihrer individuellen Angebots- und Ladengestaltung häufig den einzigen Trumpf gegenüber der Konkurrenz", schreibt Regine Meyer-Arlt. (Da wären noch die Kunden zu ergänzen: Für die ist es nervend, wenn Buchhandlungen ihre Bücher verlagsweise in die Regale stellen.) Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch in Buchhandlungen gibt es Shop-in-Shop-Präsentationen. Seit dem vergangenen November hat der Verlag Ars Edition vier Shops-in-Shops installiert; innerhalb des ersten Jahres sollen es insgesamt 20 werden. Ähnliche Konzepte gibt es bei Ravensburger und der BLV Verlagsgesellschaft. Voraussetzung für funktionierende Shops-in-Shops ist "eine Marke mit klar umgrenztem Segment". Damit eignet sich das Konzept für die meisten Publikumsverlage nicht: "Die Verlagswelt kann zu wenige echte Marken vorweisen".

Der Börsenverein hat eine Studie über das Leseverhalten junger Menschen in Auftrag gegeben. "Welche Bücher Jugendliche lesen und kaufen, wird wesentlich von der so genannten Peer Group beeinflusst, zu der sie gehören", fasst Christoph Kochhan das wenig überraschende Ergebnis zusammen. "Hier wird festgelegt, was angesagt ist, was gekauft werden muss, um in zu sein, um akzeptiert zu werden und mitreden zu können. (...) Weit weniger wichtig bei der Entscheidung für ein Buch sind dagegen Marketing-Instrumente wie Beratung oder Werbung in Zeitungen, Zeitschriften um im Fernsehen".

In der "Debatte" geht es um Universitätsverlage. Eva-Elisabeth Wille, Geschäftsführerin beim Wissenschaftsverlag Wiley-VCH, hält elektronische Zeitschriften wie GAP und Figaro für volkswirtschaftlich sinnlos. "Man muss das Rad nicht mit öffentlichen Geldern neu erfinden. Man kann und sollte sich genauso fragen: Ist es langfristig wirtschaftlich, dass eine Universität eine Offsetmaschine betreibt und dass die Personalverwaltungen von Bibliotheken und Rechenzentren auch Universitätsverlage mittragen?" Die Gegenposition vertritt Hans-Joachim Wätjen, Direktor der UB Oldenburg und Leiter des BIS-Verlags: "Weltweit wird immer mehr wissenschaftliche Information produziert, aber die wissenschaftlichen Bibliotheken können immer weniger davon kaufen. Ihre stagnierenden oder gar rückläufigen Etats werden von den immer noch rapide steigenden Preisen der STM-Zeitschriften (Science, Technology, Medicine) aufgezehrt - eine Preispolitik, die von einigen wenigen Großverlagen praktiziert wird, die den Markt dominieren." Gegen diese großen STM-Verlage "wollen Universitätsverlage langfristig ein Gegengewicht" schaffen.

Bei den Literatursendungen tut sich was: Nach "Druchfrisch" mit Denis Scheck im Ersten läuft im ZDF demnächst eine Testsendung von "Lesen!" mit Elke Heidenreich. Zugleich will das ZDF zusammen mit Marcel Reich-Ranicki vier Dokumentationen über Bücher aus dessen Kanon produzieren. Das Börsenblatt nennt einige weitere Literatursendungen: "Bücher, Bücher", "Bücherjournal", "Das Literarische Quartal", "Der Literaturclub", "Schümer & Dorn" und den "Weimarer Salon". "Aber wie lässt sich Literatur am besten in bewegten Bildern präsentieren? Während das Team um Denis Scheck in der ARD das Experiment wagt und die verschiedenen Stilmittel einsetzt, will 'Schümer & Dorn' mit traditionellen Elementen punkten: der bewährten Mischung aus Gesprächen, filmischen Beiträgen und dem Interview mit einem Gast. SWR-Redakteur Frank Hertweck ist sich sicher, dass ein rasender Reporter und schnelle Schnitte a la 'Druckfrisch' bei seiner Klientel nicht ankommen würden. 'Die Zuschauer der dritten Programme sind in der Regel mindestens 50 Jahre alt', erläutert er, 'darauf haben wir uns einzustellen.'"

Weitere Beiträge: Siegfrid Schmahl gibt Hinweise für erfolgversprechende Schaufensterdekorationen. Christiane Goebel erklärt, wie Chefinnen und Chefs für Teamgeist sorgen können. Michael Roesler-Graichen bespricht den "Brockhaus Naturwissenschaft und Technik", den das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus und der Spektrum Akademischer Verlag gemeinsam auf den Markt gebracht haben. Nicola Bardola hat sich Bücher über Che Guevara angeschaut - im Juni feiert die revolutionäre Welt Ches 75. Geburtstag. Unter dem Titel "Große Pläne - kleine Schritte" stellt Volkhard Bode den Elfenbein Verlag vor. Sabine Baumann würdigt den Verleger KD Wolf, in dessen Stroemfeld Verlag unter anderem Kafka, Trakl, Hölderlin und Klaus Theweleits "Männerphantasien" erschienen. Und Marlott Linka Fenner hat einen Nachruf auf den serbischen Schriftsteller Alexander Tisma geschrieben.

Die Buchmacher vom 24.02.2003 - Börsenblatt

Aldo Frei von der Werbeagentur Lesch + Frei kritisiert die Werbung für das Buch: "Sie propagiert Zündstoff und bringt die Leute dennoch nur zum Gähnen. Sie thematisiert das große Drama und weckt dennoch null Interesse." Außerdem seien die Anzeigen von Buchverlagen uniform. "Ein Verleger, den ich einmal fragte, warum denn die Werbung in seiner Branche so entsetzlich sei, gab mir mit seiner Antwort noch mehr zu denken: 'Das ist nur Alibi, diese Anzeigen werden nicht gemacht, um Leser zu gewinnen. Sie werden bloß für die Autoren geschaltet, damit diese das Gefühl haben, für den Verlag wichtig zu sein.' Interessant, dachte ich, eine Branche, in der die Lieferanten wichtiger sind als die Kunden."

Wieder einmal E-Learning. "Längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es beim virtuellen Lernen nicht nur um technische Innovation geht", schreibt Sebastian Domsch. "Der lernende Mensch als Anwender steht heute im Vordergrund. Er braucht sowohl vernünftige Inhalte als auch eine Rückbindung an den Präsenzunterricht. Blended learning heißt der Trend, der das rein virtuelle und asynchrone Lernen mit interaktiven Formen wie Online-Chat, Diskussionsforen und vor allem einem echten Tutor verbindet." Dieser sollte in der Lage sein, Fragen und zu beantworten und bei nachlassender Motivation seines Schülers "aufmunternde E-Mails schreiben".

Im Berliner Buchhandel geht es auch in der Nach-Kiepert-Ära "kalt und stürmisch" zu, berichtet Volkhard Bode. Er widmet sich in seinem Artikel dem Bereich zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz. Die Inhaberin einer kleinen Buchhandlung im Berlin-Carre am Alexanderplatz ärgert sich über eine neue Wohlthat-Filiale in ihrer Nachbarschaft: Wenn Titel aus dem Modernen Antiquariat bunt ins Sortiment gemischt würden, suggeriere das eine Aufhebung der Preisbindung, "und das wirkt ruinös für kleinere Buchhandlungen". Weiter westlich profitiert das Kulturkaufhaus Dussmann offenbar von der Kiepert-Pleite; "neuerdings nehmen Fachbuchbestellungen deutlich zu" - die Kiepert-Filiale hinter der Humboldt-Universität gibt es nicht mehr. Sowohl auf Studenten als auch auf Touristen hofft auch die Buchhandlung Unibuch Mitte in der Spandauer Straße. Unweit von Dussmann haben es Hugendubel und der Laden "Berlin-Story" vor allem auf Touristen abgesehen. "Nur wen es in der Friedrichstraße nach Süden verschlägt, stößt auf ein trauriges Kapitel: Wo noch bis Jahresende Kiepert-Stadtmitte stand, bröckelt schon der Putz von den Wänden. Aber vielleicht wagt es ja bald ein Mutiger an dieser oder anderer Stelle."

Die Stimmung unter den Mitarbeitern der Verlagsgruppe Ullstein Heyne List sei "ambivalent", berichtet Holger Heimann. Einerseits sei schon lange klar gewesen, dass Springer sich aus dem Buchgeschäft verabschieden will. "Nun gibt es wenigstens Gewissheit, und der Käufer steht fest." Auf der anderen Seite fürchte manch ein Mitarbeiter um seinen Arbeitsplatz. "Darf es doch als wahrscheinlich gelten, dass im Zuge der Integration von Ullstein Heyne List in die Strukturen von Random House der eine oder andere Arbeitsplatz zur Disposition gestellt werden könnte." Für das Management fange die Arbeit erst an. "Zu klären ist eine Reihe Fragen. Was soll mit Traditionsverlagen wie Ullstein und Propyläen geschehen. Wie viel Geduld hat der Konzern mit Häusern wie Luchterhand und Berlin? - 'Literarische Verlage tun sich schwer', räumte (Random-House-Verleger Klaus) Eck gegenüber dem Börsenblatt ein und bestätigte Gespräche mit Arnulf Conradi, der wie bekannt ist, den Berlin Verlag gern zurückkaufen will."

"Jeder in unserer Branche ist felsenfest davon überzeugt, dass er selbst zu wenig am Buch verdient, während die Verleger Champagner aus den Schädeln verhungerter Autoren saufen", schreibt Aufbau-Verleger Bernd Lunkewitz. Er ist der Meinung, dass eine Erhöhung der Buchpreise um bis zu zehn Prozent "mehr als gerechtfertigt wäre" - "nicht zuletzt wegen der Autoren- und Übersetzerforderungen" (die Leser dürften das anders sehen). Und überhaupt könne man mit Literatur kaum Geld verdienen. "Die Nettoumsatzrendite im literarischen Verlagssektor schätze ich im langjährigen Durchschnitt auf knapp zwei Prozent". Wichtiger sei jedoch das kulturelle Kapital. "Das sollten auch die Medienkonzerne erkennen. Wenn es sowieso nur um das Prestige geht, brauchen sie in der Literatur kein großes Rad zu drehen, das kostet unnötig Geld. Wenn es denn sein muss: Ein edler Verlag, der als kleine, feine Boutique richtig gepflegt und nicht bei schlechtem Wetter über Bord geworfen wird, das reicht fürs Prestige allemal. Ansonsten, liebe Konzerne: Überlasst die Literatur den kleinen und mittleren Programmverlagen - die machen's meistens besser und günstiger. Wir versprechen dafür, euch bei Zeitungen, Zeitschriften, TV-Sendern oder Internet-Portalen keine Konkurrenz zu machen."

Auf den Internet-Seiten der Verlage hat Michael Roesler-Graichen einen neuen Trend ausgemacht. "Die meisten Häuser haben ihre Seiten von grafischem Wildwuchs entschlackt. Klare Linien, eindeutige Grundfarben und dezente Fonds sind gefragt. Auf enervierende Animationen wird verzichtet. Stattdessen steht (...) Funktionalität und Service im Vordergrund. (...) Einige Websites sind auf diesem Weg anderen bereits ein Stück voraus: Sie haben sich zu literarischen Portalen und elektronischen Serviceschaltern für den Buchhandel gewandelt - eine Entwicklung, der sich andere Verlage nach und nach anschließen werden."

Zum 150. Geburtstag von Vincent van Gogh am 30. März hat Stefan Hauck eine Liste mit Neuerscheinungen zusammengestellt: Gleich zwei Titel legt Art-Redakteur Stefan Koldehoff vor: das Rowohlt-Taschenbuch "Vincent van Gogh" und "Vincent van Gogh - Mensch und Mythos" (DuMont). Auch der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Uwe M. Schneede, hat sich mit Leben und Werk des Malers beschäftigt (C.H. Beck). Diogenes hat einen 1948 erschienenen Essay des Theologen Walter Nigg neu aufgelegt: "Vincent van Gogh - Der Blick in die Sonne". Bei Belser erscheint der offizielle Band zur Ausstellung im Amsterdamer Van Gogh Museum, "Mit den Augen Vincent van Goghs. Seine Wahlverwandtschaften und sein Kunstempfinden". Der Audio Verlag bringt das Hörbuch "Nach Süden" auf den Markt. Und in der Edition Nautilus erscheint "Van Gogh oder Das Begräbnis im Weizen" von Viviane Forrester.

Fast 2.000 Geschichten hat Helmut Rellergerd unter dem Pseudonym Jason Dark geschrieben. Er sei der "ungekrönte König der Groschenromane und Erfinder von Geisterjäger John Sinclair", schreibt Ulrich Hesse. "Ähnlich wie seinerzeit der ebenfalls ortsunkundige Karl May hat er noch nie die Schauplätze seiner Romane in London besucht. Dennoch: 'Ich kenne die Stadt inzwischen wie meine Westentasche', sagt er." Als eine "Art kreativer Beamter" charakterisiere Rellergerd sich selbst. Von Montag bis Freitag produziert er täglich ab acht Uhr in maximal sechs Stunden 30 bis 35 Seiten. "Auf diese Weise und mittels nachmittäglicher Recherche entsteht einer der wöchentlich erscheinenden Heftromane; hinzu kommt ein monatliches, umfänglicheres Taschenbuch mit einer durchgeschriebenen Sinclair-Geschichte." Nach mehr als 1.500 Heftchen erscheint im Herbst der erste "John Sinclair" als Hardcover.

George Wyland-Herzfelde hat seine Erinnerungen aufgeschrieben: "Glück gehabt" heißt das Buch, das am 1. März bei dtv erscheint. Darin geht es natürlich auch um seinen Vater, den Malik-Verleger Wieland Herzfelde. Adelbert Reif fragt Wyland-Herzfelde, ob sein Vater in der DDR "mehr oder weniger in der Vergangenheit" gelebt habe. "In einem gewissen Sinne ja. Besonders in seinen letzten Jahren lebte er mehr und mehr in der Erinnerung. Einmal sagte er zu mir: Es ist nicht, als wäre ich schon gestorben, sondern als hätte ich nie gelebt."

Mit einem neuen Konzept will der Deutsche Bücherpreis Peinlichkeiten in diesem Jahr vermeiden. Über das Vorjahr sagt MDR-Kulturchefin Claudia Schreiner: "Der Versuch, seriöse Literatur gemeinsam mit einem MDR-typischen Showprogramm zu präsentieren, musste scheitern - der Graben zwischen diesen beiden Extremen ist einfach zu groß." Und welche Künstler treten am 20. März auf? "Feste Zusagen liegen vor von Klaus Hoffmann, der Chansons singt, von Fanfare Ciocarlia, einer Zigeuner-Band, und von BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, der ein anspruchsvoller Rocksänger ist. Für den Bereich Klassik konnten wir Emma Shapplin gewinnen. Im Gespräch sind wir noch mit der Clownin Gardi Hutter, die die Kleinkunst abdecken soll." Laudatoren? "Zugesagt haben bisher Florian Illies, Armin Maiwald und Hildegard Hamm-Brücher. Zudem wird Jan Josef Liefers eine Laudatio halten. Das sind anspruchsvolle Namen, bei denen man auch Inhalte erwarten kann." Wichtig sei gewesen, dass alle nominierten Autoren anwesend sind: "Abgesagt haben nur der Dalai Lama, Jonathan Franzen und Wladimir Kaminer; um die Klitschko-Brüder kämpfen wir noch."

Weitere Beiträge: Das Gesetzgebungsverfahren beim Urheberrecht verzögert sich; erst Mitte März wird der Rechtsausschuss des Bundestags über das Gesetz abstimmen. Mairs Geographischer Verlag schließt den Standort Halle. Außerdem gibt der Unternehmensberater Andreas Dischereit Tipps zur Vorbeugung von Ladendiebstählen. Oliver Schlimm von der Rechtsabteilung des Börsenvereins informiert über Miles-and-More-Programme, an denen sich auch das Sortiment beteiligen kann. Leonhard Kossuth hat ein Buch über den leider geschlossenen Verlag Volk & Welt geschrieben. Und in der Reihe "Der Autor und sein Lektor" schreibt Peter Stamm über Arche-Verlegerin Elisabeth Raabe: "Auch diesen Text hat Elisabeth Raabe gelesen. Und so wird das siamesische Zwillingspaar von Autor und Lektorin selbst hier nicht getrennt - und die heimlichen Sensationen unserer Lektorate werden für immer unser Geheimnis bleiben."

Die Buchmacher vom 17.02.2003 - Börsenblatt

Angesichts eines künftig elfprozentigen Marktanteils für Random House schreibt Börsenblatt-Chefredakteur Hendrik Markgraf in seinem Editorial: "Kein Wunder, dass sich ein gewisses Unbehagen breit macht: Denn der Vorsprung des neuen Giganten ist für die mittelständisch geprägten Verlage uneinholbar. Auch die Holtzbrinck-Gruppe rangiert nun ziemlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Sie moniert bereits die drohende Taschenbuch-Konzentration auf dem Taschenbuchmarkt. Doch nicht nur im Poker um Taschenbuchlizenzen hätte es die Konkurrenz schwer." Das Börsenblatt wäre nicht das Börsenblatt, wenn nicht ein "Andererseits" folgte: "Andererseits könnten sich im Windschatten des neuen Kolosses für die Mittleren und Kleineren neue Chancen eröffnen. Denn Größe allein garantiert noch keinen Erfolg. Insofern steht Random House vor keiner leichten Aufgabe, zumal die bei Heyne Ullstein List angefallenen Abschreibungen auf Rechte das wirtschaftliche Ergebnis belasten."

Im Artikel zur "Geburt eines Giganten" heißt es, das Datum werde man sich merken müssen: "Mit dem 11. Februar 2003 beginnt für den deutschen Buchmarkt eine neue Zeit, sofern das Kartellamt mitspielt." Kartellrechtlich problematisch könne die Stellung im Taschenbuch werden: "Nach Meinung von Branchenexperten, die sich auf GFK-Zahlen stützen, käme Random House nach dem Zukauf auf nahezu 40 Prozent und läge damit deutlich über der kartellrechtlich relevanten Schwelle von einem Anteil von einem Drittel. Random House zufolge liegt der Marktanteil deutlich unter 30 Prozent. Das Unternehmen argumentiert, das Taschenbuch sei nur eine Form des preiswerten Buch". Das Börsenblatt sieht bei Random House und seinen neuen Töchtern Programmüberschneidungen "in nicht geringem Umfang": Sowohl Bertelsmann als auch Springer hätten die populäre Unterhaltung groß geschrieben. "Abzuwarten bleibt deshalb, was die Feinabstimmung innerhalb des Konzerns ergibt und inwieweit anspruchsvollen literarischen Programmen von Verlagen wie Luchterhand oder Berlin weiterhin Raum gegeben wird. Gerüchte, dass Berlin-Verleger Arnulf Conradi den Verlag zurückkaufen wolle, machen seit längerem die Runde."

Zur Übernahme der Springer-Verlage durch Bertelsmann hat das Börsenblatt Stimmen aus der Branche gesammelt. dtv-Verleger Wolfgang Balk: "Das größte Verlagshaus im deutschsprachigen Raum wird nun auch zum größten Taschenbuchproduzenten. Dazu möchte ich nur eines anmerken: Jede Art von Imperialismus ist mir zutiefst zuwider." Heinrich Hugendubel sieht "Chancen und Risiken". Marcel Hartges vom Rowohlt-Verlag sieht "fast nichts als Dopplungen. Unter programmatischen Gesichtspunkten erkenne ich keine sinnvolle Ergänzung, sondern nur mehr Masse." Natürlich sieht Random-House-Verleger Klaus Eck dies ganz anders. Im Interview mit dem Börsenblatt sagt er, Ergebnis des Kaufs sei "ein Zuwachs an Themen, Autoren und Büchern. Wir können unserer Verantwortung im Markt weiter und besser gerecht werden - indem wir eine gewichtige, aber keine übergewichtige Rolle spielen." Eck meint, Random House habe "die notwendige Erfahrung, die Verlage der Ullstein Heyne List-Gruppe aus den roten Zahlen herauszubringen. Mehr als das: Wir erwarten durch die Zusammenführung einen Innovationsschub."

Judith Hermann sieht die nicht ganz so guten Kritiken für ihr zweites Buch "Nichts als Gespenster" als reinigendes Gewitter. Im Interview mit Holger Heimann antwortet sie auf die Frage, ob sie nun schlecht gelaunt sei: "Ich glaube, ich bin tatsächlich eher gut gelaunt. Natürlich waren die Kritiken, die zum Teil mit einer erstaunlichen Härte geschrieben sind, schrecklich für mich. Andererseits habe ich vieles auch als konstruktiv empfunden und sogar gemocht. Ich habe mich in diesen letzten Tagen so gefühlt, als würde ein Gewitter über mich hinwegziehen. Und das hat ja, wenn es dann vorbei ist, auch etwas Reinigendes." Heimann fragt Hermann, ob die FAZ-Rezension sie versöhnlich gestimmt habe. Darin heiße es: "Unzumutbar sind die falschen Töne nur für den, der die Gemälde der Impressionisten ausschließlich mit der Lupe in der Hand betrachtet." Antwort: "Ich hatte erwartet, dass die FAZ der Gipfel der negativen Kritik sein würde. Ich bin sehr angegriffen in den Tag gegangen. Ich hatte das Gefühl, diese eine Kritik noch überstehen zu müssen und es dann endlich hinter mir zu haben. Aber dann gab es Sätze, wie den zitierten, durch die ich mich, wenn auch nur kurzzeitig, ein wenig versöhnt gefühlt habe. Aber es gibt durchaus Dinge, die zu Recht angemerkt wurden, etwa dieses bestimmte inzestuöse Verharren der Personage in immer gleichen Strukturen, Formulierungen von Glück und Schönheit, die Nähe zum Kitsch, eine Nähe, deren ich mir sehr bewusst war. Diese Gedanken würde ich gern mit zum nächsten Buch hinübernehmen."

Die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) wird künftig noch stärker von der Familie Mohn dominiert. Bereits seit Dezember sitzt neben Patriarch Reinhard Mohn, Patriarchengemahlin Liz Mohn und Sohn Christoph auch Tochter Brigitte als Familienvertreterin in der BVG. In der Welt am Sonntag hatte Reinhard Mohn angekündigt, die Stellung seiner Frau noch juristisch absichern zu wollen.

Der insolvente Achterbahn Verlag ist verkauft. "Hauptgesellschafter (52 Prozent) ist der Oldenburger Lappan Verlag, Mitgesellschafter mit je 24 Prozent sind Rüdiger Hahn (Vater des Programmleiters Andreas Hahn-Heinrichs) und der bisherige Achterbahn-Verlagsleiter Christian Dreller, der zugleich Geschäftsführer der neuen GmbH ist."

Nils Kahlefendt kommentiert die neue Büchersendung "Druckfrisch", in der Denis Scheck sich unter anderem mit Philip Roth unterhielt: "'Alles, was Literatur verlangt - Konzentration, Stille, Nachdenken -, ist durch das Fernsehen beschädigt worden. Der Bildschirm hat den Sieg davongetragen.' Nein, nein, Philip Roth kommentierte hier nicht die Pilotsendung von 'Druckfrisch', sondern das Fernsehen in den USA. Wer heute vor TV-Publikum für Bücher trommelt, muss den Regeln des Mediums folgen. Ignoriert er sie, wird er vom Publikum bestraft - und weggezappt. Das Büchermagazin der ARD zeigt, dass der Spagat zwischen Popularität und intelligentem Anspruch glücken kann. Noch im April will das ZDF mit dem von Elke Heidenreich moderierten Magazin 'Lesen!' nachziehen. Ob man mit dem 'Zweiten' tatsächlich besser sieht, wird sich weisen."

Boris Langendorf hat eine leichte Stimmungsverbesserung bei den Buchhändlern festgestellt: Das Buchhandels-Barometer von Langendorfs Dienst zeige erfreulicherweise wieder nach oben. Allerdings spiegeln die Stimmungsbilder der Konsumenten noch "die alte Tristesse" wider.

"Molly Moon" war Georgia Byngs letzter Versuch. "Wenn auch dieses Manuskript abgelehnt worden wäre, hätte ich mir einen richtigen Job suchen müssen", zitiert Nicola Bardola die Kinderbuchautorin. Elf Jahre lang hatte Byng erfolglos "für die Schublade geschrieben und gezeichnet", so Bardola. Die Geschichte um das hypnotische Waisenkind Molly Moon erscheint nun zeitgleich in 25 Ländern; in Deutschland bei Hanser.

Weitere Meldungen: Das Bildunghaus holt die Verlage Schroedel (Hannover) und Diesterweg (Frankfurt am Main) nach Braunschweig; 90 Prozent der 180 Schroedel-Mitarbeiter hätten eine Weiterbeschäftigungsgarantie bekommen. Blackwell Deutschland stellt seine gesamt deutschsprachige Buchproduktion sowie die deutschsprachigen Fachmagazine ein. "Von den 65 Mitarbeitern der deutschen Niederlassung sollen bis Jahresende 50 gehen." Der Karl Müller Verlag (der dem Kölner Großantiquar Zanolli gehört) will Marktführer im Mass-Market-Segment werden: "Das Programm wird in diesem Jahr durch die Labels Bellavista (Ratgeber / Sachbuch) und Paletti (Kinder- und Jugendbuch) deutlich erweitert; im Herbst soll es 80 bis 90 neue Titel geben."

In der Rubrik "Debatte" streiten die Literaturkritikerin Ursula März und der lit.Cologne-Mitinitiator Werner Köhler über die Frage, ob die Literatur unter "lautstark inszenierten Festivals" leide. Jutta Hamberger von Verlagsconsult Meyer & Partner richtet einen Appell an die Verlage, Autoren durch kritische und professionelle Betreuung eng an ihre Lektorate (und damit an die Verlage) zu binden. Oliver Schlimm von der Rechtsabteilung des Börsenvereins erklärt, welche Kundenbindungssysteme nach dem Preisbindungsgesetz erlaubt sind und welche nicht. Frank Magdans gibt eine Übersicht über den Markt der tragbaren Übersetzungscomputer. Und fasst zusammen: "Wer Qualität haben will, muss, daran besteht kein Zweifel, tief in die Tasche greifen. Und sich im Klaren darüber sein, dass das neueste Gerät schon morgen Elektroschrott sein kann."

Die Buchmacher vom 10.02.2003 - Börsenblatt

Auf der Meinungsseite plädiert der Marketingchef des Harry-Potter-Verlags Carlsen, Klaus Kämpfe-Burghardt, für einen einheitlichen Erstverkaufstag. Es gebe zwar auch Gründe gegen ihn: "Zuerst verstopft Ware das Zwischenlager, um dann unter Termindruck im Laden aufgebaut zu werden, während die nachfragenden Kunden immer wieder auf den 'Tag X' vertröstet werden müssen." Doch wolle er auf "dieses tradierte Marketingmittel" nicht verzichten. Die Gründe: Chancengleichheit im Sortiment, die Zufriedenheit des Kunden mit seiner Buchhandlung und nicht zuletzt der Werbeeffekt. "Der Handel selbst hat hierfür ein glänzendes Beispiel gegeben: Erinnern wir uns an den 14. Oktober 2000, den Erstverkaufstag von 'Harry Potter IV'. Bereits im Vorfeld stimmten Buchhändler ihre Kunden mit ungeheurem Ideenreichtum auf das Ereignis ein und erreichten auf diese Weise nicht nur am Erstverkaufstag eine erheblich gesteigerte Kundenfrequenz in ihren Läden." Beispiele aus anderen Branchen seien die Mon-Cheri-Saison oder die Präsentation neuer Automodelle. Aber was sagt der Buchhändler dem Kunden, wenn der ihn nach dem Sinn von Erstverkaufstagen fragen sollte?

Das Börsenblatt berichtet über Unruhe in der Verlagsholding Das Bildungshaus: "Die rund 200 in Hannover tätigen Mitarbeiter fürchten, dass eine vom neuen Eigentümer Westermann angeordnete Umstrukturierung zu massivem Stellenabbau führen könnte." Der Betriebsratsvorsitzende sehe Anzeichen, dass Das Bildungshaus "kaputtgeschlagen" werden solle. Noch nicht im Heft: Das Bildungshaus zieht um.

Geschätzte 100 Millionen Euro pro Jahr setzen "Ramschgroßhändler" jährlich um, schreibt Eckart Baier. "Die abschätzige Bezeichnung Ramscher wird allerdings nicht gern gehört. 'Unter Ramsch versteht man landläufig Müll oder bestenfalls minderwertige Ware', meint Rainer Hilf, Geschäftsführer bei Panorama in Wiesbaden. 'Wir handeln mit preiswerten Restauflagen.'" Für die Verlage seien die Großantiquariate unverzichtbare Partner, "denn sie übernehmen Restauflagen, Mängelexemplare und Remittenden. Das Lager wird frei, und es entfällt das aufwendige Bearbeiten von Rücksendungen aus dem Handel." Ist das Moderne Antiquariat ein lohnendes Geschäft für die Verlage? "Ganz klar nein", sagt jedenfalls Andrea Bauer von Droemer Weltbild: "Wir mildern dadurch lediglich unsere Verluste." Für MA-Großhändler wie Rainer Hilf sieht das anders aus: "Von besonders erfolgreichen Titeln, die komplett abverkauft sind, erwirbt er beim Ursprungsverlag die Lizenz und lässt - wie viele andere MA-Firmen auch - im hauseigenen Verlag Sonderausgaben produzieren."

Trotz digitaler Flaute will die Mehrzahl der Verlage "ihren Content auch künftig digital anbieten und verwerten". Das ergab eine Umfrage des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren. "Hohe Umsätze werden etwa mit Online-Publishing, E-Books oder Publishing on demand derzeit noch nicht erwirtschaftet. 60 Prozent der Verlage erzielen damit lediglich einen Umsatzanteil zwischen null und fünf Prozent. Mehr als die Hälfte gibt zudem zu Bedenken, dass der Break-Even-Point in diesem Geschäftsfeld noch nicht erreicht ist. Aber: In fünf Jahren erwarten 60 Prozent der Befragten Umsatzanteile von fünf bis 20 Prozent. In zehn Jahren rechnen zwei Drittel gar damit, dass sie bis zur Hälfte ihres Umsatzes mit elektronischen Produkten erwirtschaften werden." Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Erneut versucht der Börsenverein, durch intensive Lobbyarbeit ein Gesetz im Sinne der Buchbranche zu beeinflussen. Das geplante Urheberrechtsgesetz bedrohe "viele Verlage in ihrer Existenz", sagt Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang im Interview mit Sybille Fuhrmann. Das Gesetz setzt eine EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft um. Paragraf 52a erlaubt die Verbreitung bereits veröffentlichter Werke unter Schülern, Studenten und Wissenschaftlern ohne Genehmigung des Urhebers. Würde dieser Paragraf umgesetzt, würden Schulbuch-, Fach- und Wissenschaftsverlage "in ihren Primärabsatzmärkten massiv beschnitten. Ein juristischer Verlag, der jetzt vielleicht noch eine Netzwerklizenz für eine CD-ROM für 50 Arbeitsplätze verkauft, könnte in Zukunft vielleicht noch eine Lizenz für drei Netzwerkplätze verkaufen. (...) Oder ein Bundesland könnte ein Exemplar von einem Schulbuch auf einen zentralen Server stellen. (...) Man kann das gar nicht schwarz genug malen."

Den Deutschen Bücherpreis für sein Lebenswerk erhält Peter Härtling (hier seine Internetseite, hier noch mehr über ihn). Von Stefan Hauck nach seinen Lieblingsbüchern gefragt, sagt Härtling: "Es sind sehr viele. Mein Dauerlieblingsbuch ist Theodor Fontanes 'Stechlin' - je älter ich werde, umso lieber wird mir das Buch. Eines der Bücher, die ich für ganz groß halte, ist 'Krieg und Frieden' von Leo Tolstoi. Der 'Lenz' von Georg Büchner und Laurence Sternes 'Tristram Shandy' sind mir in ihrer Erzählhaltung unglaublich wichtig. Unter den modernen Autoren schätze ich Cesare Pavese sehr." Und angesprochen auf die PISA-Debatte: "Schule hat immer mit Schülern und mit Lehrern zu tun - und wenn einer ausfällt, ist es aus. Wenn ich in Klassen gelesen habe, dann habe ich rasch gemerkt, ob hier ein hoch motivierter Lehrer ist oder einer seine Stunden abreißt. An den Briefen der Heranwachsenden - ich bekomme jeden Tag gut zehn solcher Briefe - merke ich, dass die vorpubertären Elf- und Zwölfjährigen absolut offene, neugierige, wilde, wüste Leser sind! Dieses Feuer weiter zu schüren, ist Aufgabe der Lehrer. (...) Im Grunde müsste man die Lehrer aus der Beamtenschaft befreien und zu Angestellten machen, die jederzeit entlassen werden können, wenn sie nichts taugen." Zurzeit schreibt Härtling an seinen Lebenserinnerungen.

ndl-Chefredakteur Jürgen Engler will mit seiner Zeitschrift auch neue Talente entdecken. "Wir versuchen, ein breites literarisches Spektrum zu erfassen, veröffentlichen neue Texte von renommierten, aber vor allem auch von unbekannten Autoren. Dabei leugnen wir nicht unsere ostdeutsche Herkunft. Das heißt: Uns interessiert besonders Literatur, die die Ost-West-Spannungen reflektiert. Sozialkritische Texte ziehen dabei eine kräftige Linie, die ich gern noch verstärken möchte."

Ein neuer Krieg im Irak ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit. Darauf reagieren auch die Verlage. Siedler etwa hat die Auflage von "Macht und Ohnmacht", einem Essay von Robert Kagan über "Amerika und Europa in der neuen Weltordnung" um 20.000 auf 50.000 aufgestockt. Piper hat kurzfristig das Buch "Weltmacht USA. Ein Nachruf" des französischen Historikers Emmanuel Todd ins Programm genommen. Weitere Titel: "Vision 2021" von Bill Emmott (S. Fischer), "Irak. Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft" von Brigitte Kiechle (Schmetterling), "Insch' Allah" von Gerhard Konzelmann (Herbig) sowie "Bush at War" von Bob Woodward (DVA).

Die Buchhandlung ohne Bücher in Berlin-Siemensstadt hat überlebt. Ein Jahr nach Gründung des Geschäfts "Bücher am Nonnendamm" berichtet Volkhard Bode über den Buchhändler Edgar Schuster, der von den Banken keinen Kredit bekam und daher mit leeren Regalen als Bestell-Buchhandlung anfangen musste. Seit Oktober 2002 stehen gut 5.000 Titel in den Regalen; für 2003 peilt Schuster einen Jahresumsatz von 500.000 Euro an. Hilfe bekam er von seinen beiden Mitarbeitern, Freunden und Verwandten. "Dann kam gleich eine Reihe Berliner Autoren mit eigenen Büchern und Leseangeboten zu Hilfe. 'Lutz Rathenow hat ein dickes Überlebenspaket aus dem Osten geschickt.' Und nicht zu vergessen: Barsortimente und Verlage zogen von Anfang an mit."

Weitere Meldungen: Der Ravensburger Spieleverlag wie auch der Buchverlag haben ihren Ertrag im vergangenen Jahr gesteigert. Die Buchhandlung Habel verlässt die Stadt Gotha; in Mainz eröffnet Habel am 19. Februar eine 1.000-Quadratmeter-Fläche. Außerdem erklärt Thieme-Geschäftsführer Thomas Scherb, warum die Verlagsgruppe fünf Verlage als Medizinverlage Stuttgart (MVS) unter einem Dach gebündelt hat. Luscha Dorner stellt die Erfa-Gruppe Engagierte Christliche Buchhandlungen vor (hier mehr Porträts von Erfa-Gruppen). Christina Busse präsentiert neue historische Romane und hängt eine Liste mit Neuerscheinungen an. Christina Schulte wertet eine Umfrage zur Neugestaltung des Börsenblatts aus (die weitaus meisten Leser finden das Blatt sehr gut oder gut). Der Hamburger Verlag Hörcompany hat das Label Moving Mind gegründet.

Ullstein darf das Buch "Eine kurze Geschichte des Universums" von Stephen Hawking nicht ausliefern - der Inhalt entspreche "weit gehend wörtlich" dem Rowohlt-Titel "Eine kurze Geschichte der Zeit". Offenbar seien die Rechte doppelt verkauft worden, vermutet Rowohlt-Justiziar Eckard Kloos. Der Verlag erwirkte nun eine einstweilige Verfügung gegen Ullstein. Dort hatte man die Ähnlichkeiten "selbst entdeckt und bei Rowohlt eine Unterlassungserklärung abgegeben". Dann gibt es noch den Hinweis, dass die frühere Börsenblatt-Beilage "Aus dem Antiquariat" künftig als Zeitschrift erscheint; am 14. Februar kommt das erste Heft auf den Markt. Und schließlich druckt das Börsenblatt einen Nachruf von Peter Schütt aus dem Rheinischen Merkur auf Annemarie Schimmel.