Aldo Frei von der Werbeagentur Lesch + Frei kritisiert die
Werbung für das Buch: "Sie propagiert
Zündstoff und bringt die Leute dennoch nur
zum Gähnen. Sie thematisiert das
große Drama und weckt dennoch
null Interesse." Außerdem seien die Anzeigen von Buchverlagen uniform. "Ein Verleger, den ich einmal fragte,
warum denn die Werbung in seiner Branche so entsetzlich sei, gab mir mit seiner Antwort noch mehr zu denken: 'Das ist nur Alibi, diese Anzeigen werden nicht gemacht, um Leser zu gewinnen. Sie werden bloß für die Autoren geschaltet, damit diese das Gefühl haben, für den Verlag wichtig zu sein.' Interessant, dachte ich, eine Branche, in der die
Lieferanten wichtiger sind
als die Kunden."
Wieder einmal
E-Learning. "Längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es beim virtuellen Lernen nicht nur um technische Innovation geht", schreibt Sebastian Domsch. "Der lernende Mensch als Anwender steht heute im Vordergrund. Er braucht sowohl
vernünftige Inhalte als auch eine
Rückbindung an den Präsenzunterricht.
Blended learning heißt der Trend, der das rein virtuelle und asynchrone Lernen mit
interaktiven Formen wie Online-Chat, Diskussionsforen und vor allem einem echten Tutor verbindet." Dieser sollte in der Lage sein, Fragen und zu beantworten und bei nachlassender Motivation seines Schülers "
aufmunternde E-Mails schreiben".
Im
Berliner Buchhandel geht es auch in der
Nach-Kiepert-Ära "kalt und stürmisch" zu, berichtet Volkhard Bode. Er widmet sich in seinem Artikel dem Bereich zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz. Die Inhaberin einer kleinen
Buchhandlung im Berlin-Carre am Alexanderplatz ärgert sich über eine neue
Wohlthat-Filiale in ihrer Nachbarschaft: Wenn Titel aus dem Modernen Antiquariat bunt ins Sortiment gemischt würden, suggeriere das eine Aufhebung der Preisbindung, "und das wirkt ruinös für kleinere Buchhandlungen". Weiter westlich profitiert das
Kulturkaufhaus Dussmann offenbar von der Kiepert-Pleite; "neuerdings nehmen Fachbuchbestellungen deutlich zu" - die Kiepert-Filiale hinter der Humboldt-Universität gibt es nicht mehr. Sowohl auf Studenten als auch auf Touristen hofft auch die Buchhandlung
Unibuch Mitte in der Spandauer Straße. Unweit von Dussmann haben es
Hugendubel und der Laden
"Berlin-Story" vor allem auf Touristen abgesehen. "Nur wen es in der Friedrichstraße nach Süden verschlägt, stößt auf ein trauriges Kapitel: Wo noch bis Jahresende Kiepert-Stadtmitte stand, bröckelt schon der Putz von den Wänden. Aber vielleicht wagt es ja bald ein Mutiger an dieser oder anderer Stelle."
Die
Stimmung unter den Mitarbeitern der Verlagsgruppe
Ullstein Heyne List sei "ambivalent", berichtet Holger Heimann. Einerseits sei schon lange klar gewesen, dass Springer sich aus dem Buchgeschäft verabschieden will. "Nun gibt es
wenigstens Gewissheit, und der Käufer steht fest." Auf der anderen Seite fürchte manch ein Mitarbeiter um seinen Arbeitsplatz. "Darf es doch als wahrscheinlich gelten, dass im Zuge der Integration von Ullstein Heyne List in die Strukturen von Random House
der eine oder andere Arbeitsplatz zur Disposition gestellt werden könnte." Für das Management fange die Arbeit erst an. "Zu klären ist eine Reihe Fragen. Was soll mit Traditionsverlagen wie
Ullstein und
Propyläen geschehen. Wie viel Geduld hat der Konzern mit Häusern wie
Luchterhand und
Berlin? - 'Literarische Verlage tun sich schwer', räumte (Random-House-Verleger Klaus) Eck gegenüber dem
Börsenblatt ein und bestätigte
Gespräche mit Arnulf Conradi, der wie bekannt ist, den Berlin Verlag gern zurückkaufen will."
"Jeder in unserer Branche ist felsenfest davon überzeugt, dass er selbst zu wenig am Buch verdient, während die Verleger
Champagner aus den Schädeln verhungerter Autoren saufen", schreibt
Aufbau-Verleger
Bernd Lunkewitz. Er ist der Meinung, dass eine Erhöhung der Buchpreise um bis zu zehn Prozent "mehr als gerechtfertigt wäre" - "nicht zuletzt wegen der Autoren- und Übersetzerforderungen" (die Leser dürften das anders sehen). Und überhaupt könne man mit Literatur kaum Geld verdienen. "Die Nettoumsatzrendite im literarischen Verlagssektor schätze ich im langjährigen Durchschnitt auf knapp zwei Prozent". Wichtiger sei jedoch das
kulturelle Kapital. "Das sollten auch die Medienkonzerne erkennen. Wenn es sowieso nur um das Prestige geht, brauchen sie in der Literatur kein großes Rad zu drehen, das kostet unnötig Geld.
Wenn es denn sein muss: Ein edler Verlag, der als kleine, feine Boutique richtig gepflegt und nicht bei schlechtem Wetter über Bord geworfen wird, das reicht fürs Prestige allemal. Ansonsten, liebe Konzerne: Überlasst die Literatur den kleinen und mittleren Programmverlagen - die machen's meistens
besser und günstiger. Wir versprechen dafür, euch bei Zeitungen, Zeitschriften, TV-Sendern oder Internet-Portalen keine Konkurrenz zu machen."
Auf den
Internet-Seiten der Verlage hat Michael Roesler-Graichen einen
neuen Trend ausgemacht. "Die meisten Häuser haben ihre Seiten von grafischem Wildwuchs entschlackt.
Klare Linien, eindeutige Grundfarben und
dezente Fonds sind gefragt. Auf enervierende Animationen wird verzichtet. Stattdessen steht (...) Funktionalität und Service im Vordergrund. (...) Einige Websites sind auf diesem Weg anderen bereits ein Stück voraus: Sie haben sich zu literarischen Portalen und elektronischen Serviceschaltern für den Buchhandel gewandelt - eine Entwicklung, der sich andere Verlage nach und nach anschließen werden."
Zum
150. Geburtstag von Vincent van Gogh am 30. März hat Stefan Hauck eine Liste mit
Neuerscheinungen zusammengestellt: Gleich zwei Titel legt
Art-Redakteur
Stefan Koldehoff vor: das Rowohlt-Taschenbuch "Vincent van Gogh" und "Vincent van Gogh - Mensch und Mythos" (DuMont). Auch der Direktor der Hamburger Kunsthalle,
Uwe M. Schneede, hat sich mit Leben und Werk des Malers beschäftigt (C.H. Beck). Diogenes hat einen 1948 erschienenen Essay des Theologen
Walter Nigg neu aufgelegt: "Vincent van Gogh - Der Blick in die Sonne". Bei Belser erscheint der offizielle
Band zur Ausstellung im Amsterdamer Van Gogh Museum, "Mit den Augen Vincent van Goghs. Seine Wahlverwandtschaften und sein Kunstempfinden". Der Audio Verlag bringt das
Hörbuch "Nach Süden" auf den Markt. Und in der Edition Nautilus erscheint "Van Gogh oder Das Begräbnis im Weizen" von
Viviane Forrester.
Fast 2.000 Geschichten hat
Helmut Rellergerd unter dem Pseudonym
Jason Dark geschrieben. Er sei der "ungekrönte König der Groschenromane und Erfinder von Geisterjäger
John Sinclair", schreibt Ulrich Hesse. "Ähnlich wie seinerzeit der ebenfalls ortsunkundige Karl May hat er noch nie die Schauplätze seiner Romane in London besucht. Dennoch: 'Ich kenne die Stadt inzwischen wie meine Westentasche', sagt er." Als eine "Art kreativer Beamter" charakterisiere Rellergerd sich selbst. Von Montag bis Freitag produziert er täglich ab acht Uhr in maximal sechs Stunden 30 bis 35 Seiten. "Auf diese Weise und mittels nachmittäglicher Recherche entsteht einer der wöchentlich erscheinenden Heftromane; hinzu kommt ein monatliches, umfänglicheres Taschenbuch mit einer durchgeschriebenen Sinclair-Geschichte." Nach mehr als 1.500 Heftchen erscheint im Herbst der erste
"John Sinclair" als Hardcover.
George Wyland-Herzfelde hat seine Erinnerungen aufgeschrieben:
"Glück gehabt" heißt das Buch, das am 1. März bei dtv erscheint. Darin geht es natürlich auch um seinen Vater, den
Malik-Verleger
Wieland Herzfelde. Adelbert Reif fragt Wyland-Herzfelde, ob sein Vater in der DDR "mehr oder weniger in der Vergangenheit" gelebt habe. "In einem gewissen Sinne ja. Besonders in seinen letzten Jahren lebte er mehr und mehr in der Erinnerung. Einmal sagte er zu mir: Es ist nicht, als wäre ich schon gestorben, sondern
als hätte ich nie gelebt."
Mit einem neuen Konzept will der
Deutsche Bücherpreis Peinlichkeiten in diesem Jahr vermeiden. Über das Vorjahr sagt
MDR-Kulturchefin Claudia Schreiner: "Der Versuch, seriöse Literatur gemeinsam mit einem MDR-typischen Showprogramm zu präsentieren, musste scheitern - der Graben zwischen diesen beiden Extremen ist einfach zu groß." Und welche Künstler treten am 20. März auf? "Feste Zusagen liegen vor von
Klaus Hoffmann, der Chansons singt, von
Fanfare Ciocarlia, einer Zigeuner-Band, und von BAP-Frontmann
Wolfgang Niedecken, der
ein anspruchsvoller Rocksänger ist. Für den Bereich Klassik konnten wir
Emma Shapplin gewinnen. Im Gespräch sind wir noch mit der Clownin
Gardi Hutter, die die
Kleinkunst abdecken soll." Laudatoren? "Zugesagt haben bisher
Florian Illies, Armin Maiwald und
Hildegard Hamm-Brücher. Zudem wird
Jan Josef Liefers eine Laudatio halten. Das sind
anspruchsvolle Namen, bei denen man
auch Inhalte erwarten kann." Wichtig sei gewesen, dass
alle nominierten Autoren anwesend sind: "Abgesagt haben nur der
Dalai Lama, Jonathan Franzen und
Wladimir Kaminer; um die
Klitschko-Brüder kämpfen wir noch."
Weitere Beiträge: Das Gesetzgebungsverfahren beim
Urheberrecht verzögert sich; erst Mitte März wird der Rechtsausschuss des Bundestags über das Gesetz abstimmen.
Mairs Geographischer Verlag schließt den Standort Halle. Außerdem gibt der Unternehmensberater Andreas Dischereit Tipps zur
Vorbeugung von Ladendiebstählen. Oliver Schlimm von der Rechtsabteilung des Börsenvereins informiert über
Miles-and-More-Programme, an denen sich auch das Sortiment beteiligen kann. Leonhard Kossuth hat ein Buch über den leider geschlossenen
Verlag Volk & Welt geschrieben. Und in der Reihe "Der Autor und sein Lektor" schreibt
Peter Stamm über
Arche-Verlegerin
Elisabeth Raabe: "Auch diesen Text hat Elisabeth Raabe gelesen. Und so wird das siamesische Zwillingspaar von Autor und Lektorin selbst hier nicht getrennt - und die heimlichen Sensationen unserer Lektorate werden für immer unser Geheimnis bleiben."