Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 23 von 33

Die Buchmacher vom 23.06.2003 - Börsenblatt

Susan Sontag erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Aus diesem Anlass druckt das Börsenblatt ein sehr schönes Sontag-Porträt von Andrea Köhler, das bereits im März vergangenen Jahres in der NZZ erschien. "Sontag, Susan, geborene Rosenblatt, Essayistin, Schriftstellerin, Filmemacherin, Regisseurin, Verfasserin etlicher Kritiken und einiger Theaterstücke, ist ein Superstar. Was hat man ihr nicht für Namen gegeben: 'The dark lady of American letters', 'the Paganini of criticism', 'a literary pin-up', ja, 'our Erasmus' (Carlos Fuentes). Ein Mythos sucht seine Täufer. Dass andere eine Ikone aus ihr gemacht haben (sagt sie), könne nicht ihr Problem sein (sagt sie), und eigentlich hat sie die Nase voll davon, sich ihres Rufes wegen dauernd zu rechtfertigen. Zu diesem Ruf gehört, dass sie selbst daran kräftig mitgewirkt hat; eine Meisterin der Selbstinszenierung ist sie immer gewesen - auch wenn sie jetzt gern ein wenig kokett die strenge Geistesarbeiterin spielt, die sich um ihren Leumund nicht sonderlich schert. (...) Daraus zu folgern, ihre Karriere beruhe auf ihrem Instinkt für Publicity, ihrem Riecher für die richtigen Themen und wichtigen Leute zur richtigen Zeit, gehorcht derselben (sehr amerikanischen) Logik, mit der sie jetzt jede Verantwortung für ihre Reputation von sich weist. Dabei ist Susan Sontag nur dem großen Versprechen dieser Nation gefolgt: Sie hat sich selber erfunden."

Südkorea wird Buchmesse-Gastland 2005. In diesem Jahr steht Russland im Mittelpunkt der Frankfurter Buchmesse, 2004 werden die arabischen Staaten präsentiert. "Südkoreanische Verlage zählen zu den wichtigsten Lizenznehmern für deutsche Häuser: 2001 gingen 442 Lizenzen in das ostasiatische Land - nur nach Spanien wurden mehr verkauft."

Der Eichborn-Verlag baut Stellen ab. "Wie viele der 95 Mitarbeiter gehen müssten und welche Bereiche dies besonders betreffe, sei derzeit noch unklar, sagte Finanzen-Vorstand Matthias Kierzek dieser Zeitschrift. Nur soviel: Kündigungen werde es 'in aller Kürze' geben." Auf dem Weg zurück in die Gewinnzone will der Verlag außerdem weniger Novitäten produzieren. "207 Titel sollen in diesem Jahr erscheinen, 80 weniger als 2002. Für 2004 und die folgenden Jahre sind 172 Titel angepeilt."

Der Erfolg der Bücher von Dieter Bohlen und Stefan Effenberg "lässt sich nur vor dem kulturpsychologischen Hintergrund der aktuellen Männerkrise verstehen", schreibt Stephan Grünewald vom Rheingold-Institut. Nach einer qualitativen Erhebung unter 60 Männern diagnostiziert das Institut "eine Krise der männlichen Selbstinszenierung". "Begünstigt wird die Bohlensche Gegenreformation dadurch, dass das postmoderne Schrödersche Kompromiss-Modell des "ich versuche es allen (und besonders der Doris) recht zu machen" als Erfolgsrezept abgewirtschaftet hat: Es ist zum Sinnbild für Krise und Stillstand geworden."

Benoît Pivert spricht mit Petra Kringel von der deutschsprachigen Buchhandlung Marissal in Paris. Kringel erzählt, dass sie sehr viel mehr Literatur aus Österreich verkaufe als in einer ganz normalen Buchhandlung. in Deutschland. "Jelinek ist gefragt, natürlich auch Handke. Besonders beliebt sind die österreichischen Klassiker wie Roth und Schnitzler, aber vor allen Dingen Zweig. Er ist einer der Autoren, die wir über die Jahre hinweg am meisten bestellen."

In der Reihe "Der Autor und sein Lektor" schreibt Gregor Hens über Tim Jung vom marebuchverlag. "Der Lektor ist eine Drohung. Die nötige Autorität erarbeitet er sich über ein ganzes Leben hinweg. (...) Jung ist noch nicht so lange im Geschäft. Die Kritik ist im Einzelnen noch nicht antizipierbar. Aber, lieber T.J., Adressat des Textes?, du bist, und das ist jetzt wirklich ein Kompliment, auf dem besten Weg, genau dies zu erreichen. Wirst dich irgendwann weglektorieren. Bist halt noch Jung. HaHa!"

Weitere Meldungen: Weltbild und Bertelsmann-Club bieten neuerdings günstige Telefontarife an. Die Dienstleistungstochter der Bertelsmann AG, Arvato, will im Ausland wachsen. Der Berliner Diaphanes Verlag übernimmt das Programm des Münchener Sequenzia Verlags. Die Stadt Otterndorf an der Nordsee sucht einen Stadtschreiber für 2004 und 2005. Bis Ende des Jahres bekommt Nürnberg ein Literaturhaus. 13 Prozent aller in den USA verkauften Bücher kommen aus zweiter Hand. Die University of Massachusetts hat ihrem Universitätsverlag UMass Press den Zuschuss gestrichen; die Existenz des 1963 gegründeten Verlags ist nun gefährdet. Und die Leistungsgemeinschaft Buch hat das Geschäftsjahr 2002 trotz sinkender Kosten und steigender Mitgliedszahlen mit einem Verlust von 32.046 Euro abgeschlossen.

Außerdem wirbt Karin Schmidt-Friderichs vom Hermann Schmidt Verlag dafür, Azubis in Buchhandlungen und Verlagen zu beschäftigen: "Wir bilden aus, weil wir als Unternehmen jung bleiben, indem junge Menschen mit ihren Themen und Ansichten das Team anregen, Trends mitbringen, die wir vielleicht nicht mitbekommen hätten, und weil sie wissen, wie man ihresgleichen anspricht." Arne Schäffler widmet sich den Medizinverlagen; zuletzt war diese Sparte durch die Übernahme von BertelsmannSpringer durch britische Investorengruppen aufgefallen, im Januar hatte die Elsevier-Gruppe den Verlag Urban & Fischer gekauft. Volkhard Bode erläutert, dass ein Verlag zur zweiten Heimat eines Autors werden muss, wenn Erfolge planbar werden sollen. Thomas Blume gibt einen Überblick über den großen Markt erotischer Literatur und weist auf die Berliner Spezialbuchhandlung Lustwandel hin. Nils Kahlefendt bespricht den Band "literatur.com" den Erhard Schütz und Thomas Wegmann herausgegeben haben, Klaus G. Saur lobt das Buch "Unternehmer im Nationalsozialismus. Machtkampf um den Konzern Koehler & Volckmar AG & Co." von Thomas Keiderling. Und schließlich porträtiert Henning Klüver die beiden Lexikografinnen Luisa Giacoma und Susanne Kolb, die in zehn Jahren für die Verlage Zanichelli und Klett "Pons Großwörterbuch Italienisch-Deutsch / Deutsch-Italienisch" erarbeitet haben. Das 2.434 Seiten starke Buch liegt seit wenigen Monate vor und sei "bereits zu einem Geheimtipp unter Sprachforschern, Studenten und Übersetzern" geworden.

Die Buchmacher vom 16.06.2003 - Börsenblatt

Gegen den Branchentrend entwickelt sich die Büchergilde Gutenberg in Richtung Turnaround: "Mit einem Umsatz von zuletzt sieben Millionen Euro liegt das Unternehmen etwa gleichauf mit dem Vorjahr. Wichtiger noch aber dürfte ein anderer Trend sein: Der Traditionsbuchclub ist auf dem Weg, den Mitgliederschwund (derzeit zählt man weniger als 130.000 Mitglieder) der vergangenen Jahre zu stoppen - in kleinen Schritten, wie Geschäftsführer Mario Früh betont." 2004 solle die Schere geschlossen werden.

Der dritte Band der "Artemis Fowl"-Serie von Eoin Colfer erscheint in Deutschland am 21. Juni - dem Tag, an dem die englische Originalausgabe des fünften "Harry Potter" auf den Markt kommt. Zufall? Nein: Kalkül. Der Fowl-Verlag List will damit den Potter-Verlag Carlsen ärgern.

Der französische Verlag Flammarion startet im Oktober sein erstes deutsches Programm; dann erscheinen 13 Titel zu den Themen Kunst, Kultur und Lifestyle. "Die Literatur- und Ratgeberschiene des Verlags wird nicht ins Deutsche übersetzt. Seit elf Jahren bedient Flammarion schon Großbritannien und die USA und will dieses Modell - Stärkung einer Marke und die Verwertungskette in einer Hand - nun erweitern: 'Ziel ist es, Bücher zeitgleich in drei Sprachen und in vier Märkten erscheinen zu lassen', sagt Günther Fetzer, der sich mit seinem Büro AIO freiberuflich um die deutschen Titel kümmert."

Im Vergleich zu 2002 in New York sei es auf der BookExpo America, die in diesem Jahr in Los Angeles stattfand, "eher ruhig zugegangen", schreibt das Börsenblatt. "Viele Vertreter aus amerikanischen Verlagen, vor allem Lektoren und Lizenzhändler, fehlten. Dazu mag die Entfernung zwischen New York und Los Angeles beigetragen haben. Ein weiterer Grund: Als Lizenzplattform wird die London Book Fair immer attraktiver - auch für US-Verlage." Bei den Neuerscheinungen im Sachbuch habe sich ein deutlicher Trend abgezeichnet: "Konservative Bücher mit Themen rechts der Mitte werden in den USA verstärkt nachgefragt. Bookspan - das Buchklub-Joint-Venture von Bertelsmann und AOL Time Warner - plant nach Angaben von Publishers Weekly den Start eines konservativen Buchklubs noch in diesem Jahr."

Auf der Meinungsseite erklärt Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff, warum das Image der Buchhändler so miserabel ist. In der letzten Allensbach-Prestige-Skala hatten Buchhändler "den allerletzten, nämlich den 18. Platz" belegt - hinter dem "Gewerkschaftsführer auf Platz 17 und noch zwei Plätze hinter den Politikern". "Wer die Zeichen der Zeit sehen will, macht sich Gedanken. Wirtschaft ist nicht zuletzt Psychologie. Wenn die Politik, die Finanzwelt und die Nachwuchskräfte ihren Glauben an die Attraktivität unseres Berufsstands und unserer Branche verlieren, dann haben wir das größte aller denkbaren Probleme. Was kann man tun? (...) Veränderung beginnt im Kopf. Das Bewährte und Gute weiter verfolgen, aber gleichzeitig Neues wagen. Vielleicht etwas mehr Mut und Selbstbewusstsein für schlichte Unterhaltung, ohne immer gleich die große Kultur- oder Bildungsfrage zu stellen. Mehr Mut zu einfach nur nützlichen Büchern, die auch die kleinen Alltagsprobleme der Menschen ernst nehmen. Vielleicht außerdem etwas mehr Glamour, etwas mehr Erfolgsgeschichten (...). Und bitte keine öffentlichen Hotelkostendiskussionen für verarmte Verleger, die ihren unbezahlbar gewordenen Fünf-Sterne-Herbergen in Frankfurt am Main nachweinen."

Eckart Baier beschreibt den Strukturwandel im Versandbuchhandel. "Immer mehr Kunden, die früher den Prospekt eines Buchversenders durchgeblättert haben, klicken heute ins Internet. Die Umsätze der Online-Buchhändler wachsen stetig - 2002 waren es 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und auch die ersten operativen Gewinne werden mittlerweile gemeldet. 'Die großen Zuwächse der Online-Buchhändler gehen natürlich zu Lasten des klassischen Versandbuchhandels'", sagt Christian Russ, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Versandbuchhändler.

Der Schriftsteller Joachim Zelter weist darauf hin, dass ein "Großteil unserer literarischen Kultur" nur in unveröffentlichter Form existiere, "in ungeahnten Reihengräbern zurückgewiesener Manuskripte". "Uwe Wittstock, ehemals Cheflektor bei S. Fischer, nannte vor einiger Zeit im Börsenblatt folgende Zahlen: 'Von 1.500 unverlangt zugesandten Manuskripten konnte, seit ich im S. Fischer Verlag als Lektor arbeite, durchschnittlich eines pro Jahr veröffentlicht werden.'" Zelter bezweifelt, dass die Auswahl der Verlage sinnvoll ist. Joachim Jessen von der Literaturagentur Thomas Schlück wundert sich dagegen, warum es überhaupt eine Diskussion über die unverlangten Manuskripte gibt. "Ach ja, der Autor Joachim Zelter hat ein Buch über die Auswüchse des Literaturbetriebs geschrieben. Und in seinem Roman erzählt uns Zelter, wie es heutzutage zugeht im Literaturbetrieb. Sie wissen schon, volle Möhre Marketing - die Bücher sinnentleert, nur Lug und Trug. (...) Autoren sollten nicht vergessen: Schreiben ist auch Handwerk. Viele Leute können einen Tisch tischlern, aber er ist deshalb noch lange nicht für den Verkauf geeignet. Muss deshalb die Geschichte der Tischlerei neu geschrieben werden?"

Die Osiandersche Buchhandlung im schönen Tübingen ist die erste Buchhandlung mit EU-Öko-Siegel. Geschäftsführer Hermann-Arndt Riethmüller erklärt im Interview mit Luscha Dorner seine Motive für die Umstellung: Kosten-Ersparnis, Umweltschutz und Image-Gründe. "Das Öko-Siegel bringt sicher einen gewissen Image-Gewinn. Aber keine höheren Umsätze. Wir haben ein schönes Schreiben von Bundesumweltminister Jürgen Trittin erhalten, in dem er uns dazu beglückwünscht, dass wir als erste Buchhandlung registriert worden sind. Das liegt bei mir auf dem Schreibtisch. Ich überlege noch, ob ich ihm antworten soll, dass es mich freut, wenn es ihn freut. Dass ich mir davon allerdings nichts kaufen kann und es begrüßen würde, wenn er in Zukunft seine Bücher für das Umweltministerium bei uns bestellte."

Weitere Meldungen: Am 3. Juli beginnt der 6. Literatursommer in Kampen auf Sylt. Der Eugen Ulmer Verlag übernimmt die Reihe "Fachbibliothek Grün" des Parey Verlags. Das Unternehmen Plöger Medien verkauft die Zeitschrift Eselsohr; der Redaktion wurde "aus betriebstechnischen Gründen" zum 30. Juni gekündigt. Die Genossenschaft eBuch hat ihr Eigenkapital erhöht. Die Schweizer Thalia-Tochter Jäggi öffnet im Spätherbst eine Filiale in Thun; noch im September wird eine Filiale in Schaffhausen eröffnet. Der Arena Verlag und der Hörbuchverlag Igel-Records starten im Juli ein Kinder-Hörbuchprogramm. Mit Jugendbuch-Erfolgen im Taschenbuch und einem Hardcover-Kinderkrimi von Amelie Fried und Peter Probst will Heyne jüngere Zielgruppen an sich binden.

Außerdem beklagt Boris Langendorf, dass die Umsätze trotz sinkender Buchpreise zurückgehen (zu einem anderen Ergebnis kommt der buchreport; siehe dort). Allerdings gebe es schon wieder Hinweise, dass die Phase der rückläufigen Buchpreise sich ihren Ende nähere. "Das ist gut so. Denn wenn erkennbar ist, dass es nichts bringt, dem Geiz nachzulaufen, konzentrieren wir uns vielleicht doch wieder mehr auf die Aufwertung der Ware Buch und die Positionierung des Lesens als anspruchsvolle Lifestyle-Variante. In Abwandlung eines bekannten Slogans nach dem Motto: 'Geist ist geil'." Dann widmet Andreas Lorenz sich Sportlerbüchern, die in den USA preisverdächtig seien und hierzulande eher ein Schattendasein führten. Das Börsenblatt druckt ferner die Dankesrede der Kerr-Preisträgerin Felicitas von Lovenberg ab. Uwe Ebbinghaus schreibt über "Rausch", den ersten ins Deutsche übersetzten Roman von John Griesemer (marebuchverlag). Und Nils Kahlefendt hat das Buchhändlerpaar Susanne Dagen und Michael Bormann in Dresden besucht. Die Buchhändler und auch ihr Buchhaus Loschwitz haben Kahlefendt offenbar ausnehmend gut gefallen: In Dresden-Loschwitz scheine "etwas zu existieren, was in den handelsüblichen Survival-Kits der Betriebsberater selten vorkommt, sich nicht in Buchumschlagzeiten und A-B-C-Analysen messen lässt. Mut? Selbstvertrauen? Geduld? 'Gestern', lacht Michael Bormann, 'haben wir einen Italo Svevo aus unserer Erstausstattung verkauft. Der war uns schon richtig ans Herz gewachsen.'"

Die Buchmacher vom 10.06.2003 - Börsenblatt

Die Nachfrage nach Büchern in der Originalsprache steigt, berichtet Eckart Baier. "Vor allem Internet-Buchhändler wie Amazon.de haben dafür gesorgt, dass sich der Markt erheblich gewandelt hat. (...) Der Handel mit Titeln in Originalsprache ist für Online-Buchhändler ein lukratives Geschäft - und durch fehlende Buchpreisbindung eine willkommene Gelegenheit, auch mit Kampfpreisen um die Kunden zu buhlen. (...) Vor allem gefragt bei den Kunden sind Bücher der Kategorie 'Liebe, Spannung, Nervenkitzel', Bücher, die unterhalten und deren Handlung auch mit besserem Schulenglisch zu verstehen ist. 'Bücher für den Massenmarkt sind mittlerweile unter Kerngeschäft', bestätigt Johann Christian Petersen, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Petersen Buchimport."

Weitere Meldungen: Auf dem Ökumenischen Kirchentag wurden in drei Tagen mit dem Verkauf von Büchern rund 500.000 Euro umgesetzt. 65 evangelische und katholische Verlage hatten auf 1.700 Quadratmetern rund 4.500 Titel angeboten. Cornelsen hat die Rabatt-Neuregelung bei DFÜ-Bestellungen wieder zurückgenommen. Das Marktforschungsunternehmen Media Control liefert dem Börsenverein künftig seine Verkaufsdaten vom deutschen Buchmarkt; der Börsenverein will damit seinen Bereich Marktforschung weiter ausbauen. Die Verlegerin Hildegard Winkler ist gestorben. Die Frankfurter Buchmesse will den schönsten und den "kundenfreundlichsten Stand" auszeichnen.

Es gibt keine Ratgeberkrise, schreibt Heiko Windfelder, Marketingchef beim Franckh-Kosmos Verlag, und erklärt, dass Verlage nicht über Nacht Ratgeberkompetenz entwickeln. Außerdem erörtern Katrin Berger von der Buchhandlung Berger in Forst (Lausitz) und Wolf-Rüdiger Feldmann von Cornelsen die Frage, ob sich das Saisongeschäft mit Schulbüchern für Buchhändler überhaupt noch lohnt. Berger sagt Nein: "Die Budgets der Schulen werden immer knapper, die Forderungen der Schulen immer dreister. Die Bücher - selbstverständlich nach Klassen sortiert - ins oberste Stockwerk der Schule zu transportieren, ist schon lange die Norm." Feldmann betont dagegen das Positive: So steige etwa der Anteil der Lernmittel, die von den Eltern bezahlt werden müssen. "Dieser Elternkauf muss laut Preisbindungsgesetz nicht rabattiert werden." Regine Meyer Arlt interviewt Susanne Franzkeit, Leiterin des Verlags V&R unipress, einer Tochter von Vandenhoeck & Ruprecht. Franzkeit will ihren Verlag zu einem Universitätsverlag "nicht für eine Uni, sondern für viele Unis" (Meyer-Arlt) machen. "Dieses Konzept spiegelt sich übrigens in unserer Cover-Gestaltung", erklärt Franzkeit. "Die neuen Cover sehen für jeden Fachbereich eine eigene Hintergrundfarbe und für jede Uni eine eigene Balken-Farbe vor." Holger Heimann erläutert das Projekt einer Internet-Plattform für den Rechtehandel mit Kleinlizenzen, eine Idee von Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang. Stefan Hauck stellt die Kinderbuchprogramme des kommenden Jahres vor ("Mehr Pappe, weniger Titel"). Andreas Trojan porträtiert Prestel-Verleger Jürgen Tesch. Karin Schmidt-Friderichs hat einen Nachruf auf den Buchgestalter Hans Peter Willberg geschrieben. Und schließlich berichtet das Börsenblatt auf 15 Seiten von den Buchhändlertagen in Karlsruhe.

In seiner Online-Ausgabe geht das Börsenblatt außerdem der Frage nach, was eigentlich ein Taschenbuch ist. Keine komplizierte Frage? Doch: "Stupid White Men" beispielsweise ist keines. Mehr hier.

Die Buchmacher vom 02.06.2003 - Börsenblatt

Random House darf Ullstein Heyne List nicht schlucken. Das Bundeskartellamt begründet seine (noch vorläufige) Entscheidung mit dem aus seiner Sicht eigenständigen Taschenbuchmarkt. Die Verlagsgruppe widerspricht dieser Argumentation. "Der deutsche Buchmarkt muss als Ganzes betrachtet werden", sagt Random-House-Geschäftsführer Joerg Pfuhl. "Zur Untermauerung war eigens eine Studie bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK, Nürnberg) in Auftrag gegeben worden. Ergebnis: Inhalt und Thema leiten den Käufer bei seiner Wahl. Die Ausstattung spielt eine untergeordnete Rolle." Auch das Börsenblatt zitiert eine Erhebung der GfK: das Verbraucherpanel für das erste Quartal 2003. Demnach verfügen beide Verlagsgruppen über einen Marktanteil von 43,4 Prozent bezogen auf den Gesamtumsatz mit Taschenbüchern und 44,7 Prozent bezogen auf den Absatz. Wenn das Kartellamt bei seiner Entscheidung bleibt, will Random House klagen. "Denn Random House trägt das Kartellrisiko. Scheitert die Übernahme, müsste Ullstein Heyne List oder zumindest ein Teil der Gruppe wieder verkauft werden. Spitzenpreise dürfte Random House dann sicher nicht erwarten. Und selbst wenn die Gruppe nur den Heyne Verlag behalten wollte, wäre laut GfK-Verbraucherpanel die kritische Größe von einem Drittel Marktanteil, der eine marktbeherrschende Stellung definiert, im Taschenbuch bereits erreicht."

Bernd Spamer, Werbeleiter bei Eichborn, vergleicht Werbung für Autos mit der Werbung für Bücher und ist enttäuscht. Buchwerbung sehe so aus: "Man bildet kleine Cover ab, findet eine gemeinsame Überschrift, schreibt kurze Inhaltsangaben daneben, die wenig über das Buch aussagen, setzt Preis und ISBN darunter und fertig. Auffallend? Außergewöhnlich? Gar unverwechselbar? Fehlanzeige! Und das im wahrsten Sinne." (Zu ergänzen wäre noch, dass in den kurzen Inhaltsangaben das Wort "furios" nie fehlen darf.) Spamer fordert, die Verlage - vor allem die Kleinen - müssten "ein ungeschriebenes Gesetz endlich brechen, das da lautet: 'Buchwerbung darf auf keinen Fall humorvoll sein.'"

Der Süddeutsche Verlag will sich nicht mehr von seiner Fachverlagssparte, dem Süddeutschen Verlag Hüthig Fachinformation (SVHFI), trennen. Nun soll die Fachinformation "ein Standbein des Unternehmens" bleiben und ausgebaut werden. "Noch im vergangenen Jahr hatte der SV einen Investor für SVHFI gesucht. Anfang des Jahres hieß es, dass einzelne Segmente der Fachverlagsgruppe verkauft werden könnten. Im April fiel dann die Entscheidung, die Medizinsparte nicht zu veräußern. Zur Disposition stehen allerdings noch kleinere Verlagseinheiten, die nicht zu den Kernbereichen der Fachinformation gehören."

Die Kosten der konfessionellen Verlage sind im Schnitt höher als in der Branche üblich. Das ergab eine Umfrage des Börsenvereins, die vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik ausgewertet wurde. "Dies könnte zum Beispiel auf die geringe Betriebsgröße und das stark diversifizierte Produktprogramm vieler Verlage zurückzuführen sein. Gemeinsame Ressourcen bei Produktion und Vertrieb zu nutzen und Programme stärker zu profilieren könnte hier Abhilfe schaffen."

Die Gestaltung von Buchcovern ist ein zäher Prozess, in dem sich Grafiker und Verleger aufeinander zu bewegen müssen, schreibt Nils Kahlefendt. "In Zeiten eines zutiefst verunsicherten Buchmarkts, der unter gestiegenem Kostendruck und roten Zahlen ächzt, ist die Bereitschaft zur Abweichung fast gänzlich verloren gegangen. Woher der Hang zur Uniformität? Die Entscheidungen darüber, wie die Bücher aussehen, werden anonymer, der Kreis derjenigen, die mitsprechen, wächst. Nicht selten sitzen die Einkäufer der großen Buchhandelsketten mit am Tisch. Originalität gilt als Risikofaktor. Die traurige Folge: ästhetisches Mittelmaß, weichgezeichnete nackte Frauenrücken, und Sonnenuntergänge mit Nashörnern und Affenbrotbäumen satt."

Weitere Meldungen: Die MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH hat ihren Gewinn 2002 bei sinkenden Umsätzen deutlich gesteigert. Die oberpfälzische Buchhandlung Rupprecht eröffnet im Sommer die zwölfte Filliale; in Neumarkt bei Nürnberg. Ullstein bietet im Januar 2004 "Sparbücher" an; 20 Bestseller und Klassiker zu Preisen zwischen 3,99 und 5,99 Euro. Die SK-Buecherboerse erweitert ihre Plattform für Restauflagen und Modernes Antiquariat um einen Marktplatz für Endkunden. Der DuMont Reiseverlag wird "Arbeitsplätze abbauen"; wie vielen der rund 65 Mitarbeitern gekündigt werde, stehe noch nicht fest, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Uwe Distelrath, dem Börsenblatt. Der Umsatz des Verlags sei in den ersten Monaten dieses Jahres um zehn bis 15 Prozent zurückgegangen. Thalia hat seinen Umsatz in den ersten vier Monaten dieses Jahres zwar um 22 Prozent auf 99 Millionen Euro steigern können; flächenbereinigt ging der Umsatz allerdings um 4,3 Prozent zurück. Und Buchhandel.de senkt die Preise und erhöht den Service.

Außerdem fordert VUB-Geschäftsführer Christian Preuss Neudorf in der Konditionen-Debatte für das Sortiment "schlicht und ergreifend die Butter aufs Brot". Sybille Fuhrmann präsentiert die Ergebnisse der Logistikumfrage des Börsenvereins. "Wenig erfreulich ist die Struktur der Sendungen, die die Auslieferungen verlassen. Die Zahl der Kleinsendungen unter zwei Kilogramm Gesamtgewicht hat die 40-Prozent-Marke wieder überschritten." Birgit Menche gibt juristische Hinweise zum Thema Bücherschecks. Katrin Hage listet Novitäten zum Volksaufstand am 17. Juni 1953 auf und verweist auf eine Website der Bundeszentrale für politische Bildung. Christina Schulte porträtiert Ludwig Fresenius, dem 41,9 Prozent der Eichborn AG gehören. Volkhard Bode stellt Yade Kara vor, deren Roman "Selam Berlin" in diesem Frühjahr bei Diogenes erschienen ist.

Die Buchmacher vom 26.05.2003 - Börsenblatt

Marcel Reich-Ranicki wird nach Harald Schmidt der zweite Gast in Elke Heidenreichs "Lesen!" sein. Die Sendung wird am 10. Juni ausgestrahlt; Reich-Ranicki wird Undine Gruenters Roman "Sommergäste in Trouville" vorstellen (und zweifellos ausführlich loben). Ein weiterer Bestseller steht fest: "Bittere Mandeln" von Max Aub; dieses Buch sei ebenfalls auf der Titelliste der Sendung.

Die Heidelberger Mitarbeiter des Fachinformationsverlags BertelsmannSpringer haben gelassen auf den Verkauf ihres Unternehmens an die britischen Investmentunternehmen Cinven und Candover reagiert, schreibt das Börsenblatt. "Wie Betriebsrätin Ute Meyer-Krauss dem Börsenblatt sagte, hielten sich Sorge und Zuversicht die Waage. Einerseits verspreche der Verkauf neue Wachstumschancen, andererseits sei aber noch ungewiss, wie sich die Fusion mit Kluwer Academic Publishing auswirke."

Die französische Regierung will über die Übernahme der Vivendi-Buchverlage durch die Groupe Lagardere selbst entscheiden; einen entsprechenden Antrag hat sie bei der EU-Kommission gestellt. "Die Prüfung einer solchen Fusion kann der EU-Wettbewerbskommissar immer dann einer Regierung übertragen, wenn sich der nationale Markt wesentlich vom europäischen unterscheidet und die Übernahme nur im Inland eine marktbeherrschende Position befürchten lässt. (...) Grundsätzlich steht die Regierung dem VUP-Kauf durch Arnaud Lagardere aufgeschlossen gegenüber, das ist bekannt."

Eckart Schlapp, Geschäftsführer der Buchhandlung Schlapp in Darmstadt, meint, dass Größe allein "nie ein Allheilmittel gewesen" ist. In schwierigen Zeiten könne Größe die Probleme sogar massiv verstärken. "Regionales Filialisieren hat seine Ursprung meist in einer Buchhandlung mit relativ starker Marktposition in einem Oberzentrum, die durch Filialen sukzessive ins Umland und die nähere Umgebung ausgebaut wurde und weiter ausgebaut wird. So kann der Buchhändler dort von seinen Stärken - seinem hohen Bekanntheitsgrad und der guten Marktkenntnis - profitieren und durch die Vernetzung der Filialen erhebliche Synergien erreichen und die Kundenbindung verstärken. (...) Diese Vorteile lassen sich auch durch geeignete Zusammenarbeit erzielen, wenn es gelingt, Situationen entstehen zu lassen, die allen beteiligten Buchhändlern eine bessere Position ermöglicht."

Auf zwei Seiten erläutert Joerg Pfuhl, Chef von Random House Deutschland, warum Random House ein großer und toller Verlag ist. "Größe ist kein Ziel an sich", schreibt Pfuhl. Aber: "Größe bringt Kostenvorteile - so etwa im Einkauf von Druck- und anderen Dienstleistungen, in der Logistik, im Vertrieb. Mit einem vielfältigen Programm ist ein großer Verlag ein noch interessanterer Partner für den Handel. (...) Innerhalb einer Verlagsgruppe lassen sich Risiken leichter ausgleichen, der Aufbau junger Autoren kann durch etablierte Bestseller subventioniert werden." Größe könne jedoch auch zum Wettbewerbsnachteil werden: "Dann nämlich, wenn Individualität und Kreativität wegen bürokratischer Prozesse und langer Entscheidungswege verloren geht. (...) Immer wieder neue Talente aufzuspüren und zu entwickeln und dabei den Geschmack des Publikums zu treffen oder sein Interesse zu wecken, das bleibt die Aufgabe des Verlegers auch innerhalb einer Verlagsgruppe. (...) Bei Random House versuchen wir daher, die Größenvorteile einer Verlagsgruppe mit den Vorzügen kleinerer Verlage zu kombinieren. In einem Dutzend dezentraler Verlagsteams, in denen sämtliche Verlagsfunktionen abgebildet sind, werden alle wichtigen verlegerischen Entscheidungen getroffen." Die Wörter Ullstein, Heyne und List fallen auf den zwei Seiten übrigens nicht.

Weitere Meldungen: Das neue Kinder- und Jugendbuchprogramm des Berlin Verlags erscheint unter dem Label Bloomsbury - dem Namen des neuen Eigentümers des Berlin Verlags. Die Europabüros von Gemstar eBook in Hamburg und Paris werden geschlossen; in den USA soll das E-Book-Geschäft weiter laufen. Der Spener Verlag hat seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. Hugendubel eröffnet eine 1,150-Quadratmeter-Fläche in einem Einkaufszentrum in Kempten. Cornelsen hat die Studienkreis Unternehmensgruppe gekauft. Wolters Kluwer Deutschland hat den juristischen Online-Dienst Jurion übernommen. Der Hanser Verlag präsentiert sein Wirtschaftsprogramm erstmals in einer eigenen Vorschau. Und Bertelsmann hat sich neues Geld besorgt.

Außerdem fasst Christina Schulte die Ergebnisse einer Schnellumfrage des Börsenvereins zusammen: "Die Umsätze der Verlage sind 2002 um knapp drei Prozent gesunken. Gleichzeitig haben die Unternehmen an der Kostenschraube gedreht und Werbebudgets gekürzt. Nun blickt die Branche mit ein wenig Hoffnung auf das laufende Jahr." Stefan Hauck spricht mit den Carlsen-Geschäftsführern Klaus Humann und Klaus Kämpfe-Burghardt über Image und Programm des Potter-Verlages. Im Interview mit Christina Schulte erläutern Oliver Weyergraf und Luis Sanchez Weickgenannt die Balanced Scorecard (BSC), ein "zukunftsgerichtetes Führungs- und Steuerungssystem, das die strategischen Unternehmensziele durch Kennzahlen messbar macht". Uwe Ebbinghaus stellt populäre Wissenschaftsliteratur vor. Andreas Trojan porträtiert den Groh Fotokunst Verlag, Nicola Bardola die Buchhändler Herbert und Frank Edele aus dem Allgäu. Claudia Kramatschek spricht mit Tamara Domentat über deren Buch "Lass dich verwöhnen. Prostitution in Deutschland". Und Ursula Escherig schreibt über Cecile Wajsbrot, deren Roman "Mann und Frau den Mond betrachtend" unlängst in der Verlagsbuchhandlung Liebeskind erschien.

Die Buchmacher vom 19.05.2003 - Börsenblatt

Verlage und Bibliotheken müssen zum Dialog zurückkehren, fordert Friedrich Geißelmann, der Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes. Zunächst beschreibt er allerdings, wie Bibliotheken sich über die Verlage ärgern: "Vor kurzem hieß es noch, das hemmungslose Fotokopieren führe zum Ruin. Offensichtlich haben die Verlage überlebt, und es scheint sogar noch Geld vorhanden - zum Beispiel für eine sündteure Kampagne zum Paragrafen 52a. Bei vielen Bibliotheken hat sich in den vergangenen Wochen der Eindruck verfestigt, die Verlage erklärten sie zu ihrem Feindbild, titulierten sie als 'Wissenschaftsbürokraten', die in ihrer Geldnot ganz skrupellos mit Urheberrechten umgehen. Das ist falsch. (...) Es ist so weit gekommen, dass die Bibliotheken nicht mehr einfach nach mehr Geld rufen können. Denn es hat sich herumgesprochen: Das Ergebnis wäre nur eine weitere Stärkung der Marktmacht 'der Verlage'. Auch mit der Kündigung des Gesamtvertrags über den Kopienversand, die den Zweck hat, die VG Wort aus dem Geschäft zu drängen, hat der Börsenverein letztlich die Monopolisten unterstützt. Was ist zu tun? Zum sachlichen Gespräch zurückkehren, die Kampagne einstellen, Website zum Paragrafen 52a vom Netz nehmen und eine vernünftige Handhabung des Gesetzes durchsetzen."

Sybille Fuhrmann berichtet über den Verkauf von BertelsmannSpringer durch den Medienkonzern Bertelsmann an die britischen Finanzinvestoren Cinven und Candover. "Mit der Unterschrift unter den Vertrag hat Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, eine Entscheidung besiegelt, die noch sein Vorgänger Thomas Middelhoff - wenn auch unter anderen Vorzeichen - getroffen hatte. Dem Ex-Chef war es darum gegangen, den Medienkonzern ganz auf die Bedienung der Massenmärkte auszurichten. Die Fachinformationen mit ihren spezifischen und relativ kleinen Zielgruppen passten nicht in diese Strategie. Auch wenn Thielen den Kurs seines Vorgängers in vielen Bereichen korrigiert hat - der Notwendigkeit des Verkaufs der renditestarken Fachverlagsgruppe konnte er sich nicht verschließen. Denn der Konzern braucht Geld, um seine Schulden zu tilgen". BertelsmannSpringer "soll als Ganzes bestehen bleiben, bekräftigen die Verhandlungsführer Peter Gangsted [Cinven] und Jens Tonn [Candover] gegenüber dem Börsenblatt. Verfolgt werde eine Doppelstrategie: BertelsmannSpringer soll möglichst in die Riege der Big Player auf dem internationalen Feld der Fachinformationen aufsteigen (...). 'Buy and Build' sei die Devise, sagt Peter Gangsted". Zunächst soll Kluwer Academic Publisher integriert werden. "Im vergangenen Jahr haben die beiden Beteiligungsgesellschaften das Management-Buyout dieser Fachinformationssparte aus dem Wolters Kluwer-Konzern finanziert." Länger als fünf Jahre halten Cinven und Candover keine Beteiligung. "Dann soll sich das eingesetzte Kapital deutlich vermehren. Hierfür gebe es zwei Alternativen, erläutert Tonn. Den Gang an die Börse oder den Verkauf an einen der großen Medienkonzerne. Möglicherweise kommen die Riesen dann doch wieder ins Spiel, vielleicht sogar Bertelsmann. Denn Fachverlagsgruppen wie Elsevier kommen bei einem solchen Deal aus Gründen des Wettbewerbsrechts wohl kaum zum Zug."

Im Gespräch mit Sabine Schwietert erklärt AKS-Sprecherin Ilona Rehme, warum die kleineren Sortimenter mit dem Börsenverein unzufrieden sind. Auf dem jüngsten AKS-Treffen seien unter anderem die neuen Publikationsrichtlinien des Börsenblatts kritisiert worden, "die den vollständigen Abdruck von Stellungnahmen der gewählten Gremien in der Printausgabe nicht mehr gewährleisten. Eine sehr heftige Diskussion entzündete sich am Welttag des Buches. Die AKS-Mitglieder sind der Meinung, dass es kein sorgsamer Umgang mit Mitgliedsbeiträgen von mehr als 5.000 Buchhandlungen und etwa 2.000 Verlagen ist, wenn daraus Welttagsaktivitäten in lediglich fünf Metropolen finanziert werden." Die AKS-Rebellen planen die Gründung eines eigenen Vereins. Mehr hier.

Mit dem Konditionenstreit zwischen Verlagen und Buchhandel befasst sich Matthias Ulmer, geschäftsführender Gesellschafter des Eugen Ulmer Verlags. "Der Branchenkonsens ist zerstört. Selbst unsere wichtigsten Partner, Autoren, Journalisten, Bibliothekare, Lehrer und Dozenten, sammeln sich und suchen den Konflikt. Diese Verteilungskämpfe verursachen enorme soziale Kosten. (...) Im Kampf gegen diese Gefahren verbrauchen wir nicht nur unser Geld und unsere Kräfte, sondern auch die Sympathie in der Gesellschaft. Die Mobilisierung unserer Freunde fällt zunehmend schwerer, Hinterhofkomödien wie das Buchmessentheater tragen dazu gehörig bei." Die Lösung des Konditionenstreits könne nicht in einer gemeinsamen Regelung liegen. "Kartellamt und Wettbewerb werden das nicht dulden." Ulmer vertraut statt dessen auf die "Steigerung der Effizienz". "Wenn wir die Transaktionskosten senken können, profitieren alle davon: Standardisierung der Datenübertragung, Elektronische Lieferscheine, gemeinsame Informationssysteme, gemeinsames Marketing - die Ansatzpunkte sind oft diskutiert worden. Für die Umsetzung fehlt der Konsens. Neben der Effizienz brauchen wir ihn nötiger denn je."

Tilman Spreckelsen stellt die "Kleine Geschichte der edition suhrkamp" vor, die der Verlag zum 40. Jahrestag der Reihe herausgegeben hat. "Jürgen Habermas schrieb aus dem Abstand von 20 Jahren, die Reihe habe damals 'die Strahlen des Zeitgeists nicht wie ein Spiegel zurückgeworfen, sie hat diese in einem Brennglas fokussiert und entzündet'. Als die Bücher ihre Leser nicht mehr wie früher erreichen, ist Suhrkamp 1975 der erste deutsche Verlag, der Taschenbücher verramscht."

Als "Erforscher des Alltäglichen" lobt Christoph Schröder den Schriftsteller Peter Kurzeck. "Wer anfängt, Kurzeck zu lesen, wird zuerst Angestrengtheit empfinden; Widerstände werden sich aufbauen. Knapp und kurz sind die Sätze, die häufig das Verb einfach aussparen und dem Assoziationsraum des Lesers überlassen - ein nicht abreißender Monolog, montierte Bilder, endlos scheinende Erinnerungsschleifen, Repetitionen von Begriffen und Motiven. (...) Und doch: Wer sich die Zeit nimmt, diese streng durchgearbeitete Prosa genau zu lesen, wird feststellen, dass ihr jegliche Monotonie fern ist, dass sie immer wieder in all ihrer Kargheit poetische Momente entfaltet. Das liegt an der Fähigkeit des Autors, im tagtäglichen Geschehen ständig das Neue zu entdecken. 'Die Städte', glaubt Kurzeck, 'werden sich immer ähnlicher. Als lebendiger Mensch und gerade als Künstler ist man aber dafür zuständig, die Vielfalt der Welt zu erkennen und zu erhalten.'"

Weitere Meldungen: Ursula und Regine Kiepert (Schwiegertochter und Tochter des früheren Kiepert-Seniorchefs Robert Kiepert) eröffnen Mitte Juni in Berlin in der Hardenbergstraße 9a eine neue Buchhandlung: U & R Kiepert wird der Laden heißen. Bertelsmann hat im ersten Quartal dieses Jahres 399 Millionen Euro Verlust gemacht und 3,9 Milliarden Euro umgesetzt. Jürgen A. Bach wird neben Bernd Kolf zweiter geschäftsführender Gesellschafter bei der Seemann Henschel GmbH (zu der die drei ehemaligen Dornier-Verlage E. A. Seemann, Edition Leipzig und Henschel gehören). Die Verlagsgruppe teNeues hat im vergangenen Jahr 30 Millionen Euro umgesetzt: Kalender legten um 20 Prozent zu, Bildbände um 40 Prozent. Der Exportanteil der teNeues-Bücher liegt bei 70 Prozent. Cornelsen hat seine Rabattkonditionen neu gestaltet; die Erreichbarkeit von Nachlässen ist nun an Bedingungen gekoppelt (siehe die Buchmacher von letzter Woche). Beim Ökumenischen Kirchentag gibt es auf dem Berliner Messegelände auch eine kleine Buchmesse; dort präsentieren 65 Verlage ihre Programme: "'Wir hoffen auf einen Umsatz von ca. 500.000 Euro', sagte Wolfgang Fietkau, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Ökumenische Kirchentagsbuchhandlung Berlin 2003, dem Börsenblatt." Und in der Rosa-Luxemburg-Straße in Berlin-Mitte hat die Literaturagentur Eggers & Landwehr ein Literaturcafe eröffnet (hier das Veranstaltungsprogramm des Cafes).

Außerdem schreibt Sybille Fuhrmann über Stefan Effenbergs Biographie "Ich hab's allen gezeigt". Boris Langendorf erläutert, dass die Hoffnung auf eine konjunkturelle Besserung wächst, der Durchbruch jedoch noch auf sich warten lasse (mehr hier). Katrin Hage berichtet, wie die deutsche Fachpresse auf ihrem Jahreskongress in Wiesbaden sich "trotz Flaute findig" gezeigt hat. Thomas Blume widmet sich Werkausgaben: "Was ist der Grund für eine solche Gesamtschau auf einen einzelnen Autor? Einer Gesamtschau, die sehr kostenaufwendig ist und mehrere Jahre in Anspruch nimmt? 'Wir sind einfach dazu verpflichtet, das Werk unserer Autoren in einem Zustand zu erhalten, der ihnen angemessen ist', sagt Almuth Giesecke, Lektorin beim Aufbau-Verlag in Berlin". Uwe Ebbinghaus porträtiert die FAZ-Redakteurin Felicitas von Lovenberg, die den vom Börsenblatt gestifteten Alfred-Kerr-Preis erhalten hat.

In der vergangenen Woche erschien außerdem ein Börsenblatt-Sonderheft zum Thema Kalender 2004.

Die Buchmacher vom 12.05.2003 - Börsenblatt

Hendrik Markgraf freut sich im Editorial über "die neue Kulturtat des ZDF", nämlich über die Literatursendung "Lesen!" von Elke Heidenreich. Befremdlich findet er dagegen den Hessischen Rundfunk, der die Traditionssendung "Bücher, Bücher" Ende des Jahres absetzen will. "Das ist voreilig: Könnte hier nicht etwa ein Wechsel in der Moderation oder beim Sendetermin für neues Leben sorgen und die Einschaltquoten wieder nach oben bringen?"

Der Chef des britischen Harry-Potter-Verlags Bloomsbury, Nigel Newton, "kann die Aufregung nicht verstehen, die die vom Verlag für den Verkauf des Megasellers 'Harry Potter and the Order of the Phoenix' vorgegebenen Bedingungen bei deutschen Buchhändlern ausgelöst haben. In Großbritannien sei er gerade von kleineren Buchhandlungen für die rigiden Vorschriften im Umgang mit dem weltweiten Erstverkaufstag des fünften 'Harry Potter'-Bands gelobt worden, so Newton auf Anfrage". In Deutschland sind es offenbar eher die kleinen Buchhändler, die sich an Newtons eigentümlichen Vorschriften stören: Von fünf befragten Buchhändler erklären die drei Großen, der Vertrag störe sie nicht. Die beiden unabhängigen Sortimenter halten den Bloomsbury-Vertrag dagegen für "absolut unmöglich" bzw. für "deutlich überzogen". Unglaublich, aber wahr: Bloomsbury will den Buchhändlern verbieten, den neuen "Harry Potter" vor dem 21. Juni, 00.01 Uhr englischer Sommerzeit zu lesen. (Mittlerweile ist übrigens auch klar, wann die deutsche Übersetzung erscheint: am 8. November.)

"Mit gezielten Indiskretionen scheinen Bieter für die Fachverlagsgruppe BertelsmannSpringer ihre Verhandlungsposition verbessern zu wollen", schreibt das Börsenblatt. "Die Financial Times Deutschland hatte gemeldet, dass die Gruppe im ersten Quartal 2003 sechs Prozent Umsatzminus verbucht habe."

Die London Review of Books hat im Londoner Stadtteil Bloomsbury eine Buchhandlung eröffnet. "Der London Review Bookshop soll 'zu einer der allerbesten unabhängigen Buchhandlungen in London' werden, heißt es auf der Homepage."

Christiane Hahn von der Buchhandlung Anakoluth in Berlin-Mitte wünscht sich weniger Verramschung durch die Verlage. "Verringern Verlage bei derartiger Praxis auch ihre Verluste, so untergraben sie gleichzeitig die für sie ebenso zukunftssichernde Preisbindung. Ich wünschte, Verstöße - ob unzulässige Rabattangebote oder unkorrekte Ausverkäufe - würden effektiver geahndet und Einzelkläger erhielten juristischen Beistand durch unsere Interessenvertreter. Ich wünschte, mehr Buchhändler besännen sich auf ihre Stärken als Literaturvermittler und subventionierten Wagenbachs Saltos nicht mit Prepaid-Telefon-Aufladestationen, Friedenauer Pressedrucke nicht mit Diddlmaus-Produkten."

PEN-Generalsekretär Wilfried F. Schoeller erinnert an die Bücherverbrennung in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1933. "Die schlüssige Antwort auf die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen hat bereits Gotthold Ephraim Lessing vorweggenommen: 'Hoffentlich bin ich mit der Meinung nicht allein, daß es auf alle Weise erlaubt ist, ein von Obrigkeitswegen, auch aus den trifftigsten Gründen, verbranntes Buch wieder herzustellen. ... Was einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt auf ewige Zeiten. Niemand hat das Recht, es zu vertilgen. Wenn er es tut, beleidigt er die Welt unendlich mehr, als sie der Verfasser des vertilgten Buches, von welcher Art es auch immer sei, kann beleidigt haben.' Diese Lehre gilt für alle Bücherverbrennungen, wo immer sie auch stattfinden."

Weitere Meldungen: Einige deutsche und ausländische Verlage drängen darauf, dass die in Aussicht gestellten Kostensenkungen bei den Hotelbuchungen zur Frankfurter Buchmesse nun auch umgesetzt werden. Und die Kartellamts-Entscheidung zum Kauf von Ullstein Heyne List durch Random House verzögert sich um zwei Wochen; Ende Juni will die Behörde ihre Entscheidung bekannt geben.

Außerdem schreibt Christina Schulte über Outsourcing in Verlagen; dabei stellt sie die Studie "Renditefaktor Outsourcing" vor, die von der Unternehmensberatung Verlagsconsult erstellt und veröffentlicht wurde. Hans-Jürgen Krug informiert über Begleitbücher - Bücher, die zu Fernseh- oder auch Radiosendungen erscheinen. Auf Begleitbücher spezialisiert sind etwa die TR-Verlagsunion (trv) oder vgs, früher Verlagsgesellschaft Schulfernsehen. Begleitbücher sind allerdings nicht nur Titel zu "Löwenzahn", dem Mann-Doku-Drama von Heinrich Breloer, "Akte X" oder alles von Guido Knopp. Krug nennt auch das "Russische Tagebuch" von Thomas Roth und "Östlich der Sonne" von Klaus Bednarz als Beispiele. Begleitbücher können sehr profitabel sein: vgs verkaufte von Büchern zu der Serie "Charmed" 750.000 Exemplare, die Gesamtauflage der "Hobbythek"-Titel liegt bei vier Millionen. Dann porträtiert Andreas Trojan Anja Heyne und ihren Verlag Collection Rolf Heyne. Und schließlich berichten Stefan Hauck und Holger Heimann über das erste gemeinsamen Treffen des Arbeitskreises Kleinerer Sortimente (AKS) und des Arbeitskreises kleiner Verlage (AkV).

Die Buchmacher vom 05.05.2003 - Börsenblatt

Nach der Übernahme durch den britischen Verlag Bloomsbury (der sich zurzeit mit Drohungen gegen das Sortiment unbeliebt macht, siehe unten) plant der Berlin Verlag ein Kinderbuchprogramm. Die ersten sechs Titel sollen noch in diesem Herbst erscheinen. Elisabeth Ruge, für das Programm verantwortlich, will auch Autoren ihres Verlags für Kinder und Jugendliche schreiben lassen. "Derzeit kann ich nur soviel sagen, dass ich auch Bücher mit Autoren des Berlin Verlags machen möchte. Viele möchten Kinderbücher schreiben oder haben schon unveröffentlichte Texte in der Schublade", sagt Ruge im Interview mit dem Börsenblatt.

Hans-Ulrich Treichel, Professor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, erläutert, was seine Studenten in ihren Seminaren lernen. Der "schreibende Mensch ist nicht weise, sondern ein glück- und anerkennungshungriger Mensch, der zuweilen auch zum Größenwahn neigt. Geholfen werden kann ihm nur bei der Erarbeitung seiner technischen und handwerklichen Mittel. Und dabei kann ihm auch eine Institution wie das Deutsche Literaturinstitut nutzen. Sich von seinen Träumen heilen muss er allerdings selbst. Es sei denn, die Träume werden wahr. Dann muss er nur noch lernen, was es heißt, wenn, bei entsprechender Nachfrage, aus der großen Lebensreise die große Lesereise wird."

Die Käufer von Großdruckbüchern sind meist ältere Menschen, aber auch Kinder und Vorleser, schreibt Uwe Ebbinghaus. "Der deutsche Großdruckspitzentitel schlechthin ist dabei ein Kinderbuch aus dem bereits 25 Jahre bestehenden Großdruckprogramm des Deutschen Taschenbuch Verlags (dtv): Otfried Preußlers 'Krabat', das bisher eine stattliche Gesamtauflage von 375.000 Exemplaren erreichte. (...) Fast programmatisch ist ein weiterer Verkaufsschlager bei dtv betitelt: 'Wo ist denn meine Brille?' - ein Briefwechsel über das Älterwerden, der bisher in einer Gesamtauflage von 116.000 Exemplaren erschienen ist." Eine neue Zielgruppe der Großdruckverlage sind die "Augengestressten, die oft acht Stunden am Tag vor dem Computer sitzen". Auf diese Käuferschicht hätten es vor allem der Verlag K.G. Saur und der Bertelsmann Club abgesehen. "Der Selbstversuch mit Großdruckbüchern ist für jeden Leser reizvoll. Nimmt man sich nach einem flimmernden Arbeitstag vor dem Computerbildschirm ein Buch in Großdruck vor, befürchtet man auf der ersten Seite zunächst noch intuitiv, man würde etwas verpassen: nur 28 Zeilen auf einer Seite! Nach einer Weile legt man aber selbst als stark Kurzsichtiger erleichtert die Brille beiseite, liest sich immer mehr ein, unterbrochen nur vom vermehrten Umblättern der Seiten - und verdirbt sich somit Wort für Wort für die Zeitungslektüre am nächsten Morgen."

Der Kauf des Österreichischen Bundesverlags durch die Klett-Gruppe ist erst jetzt vom Bundeskartellamt abgesegnet worden. Klett sei vor allem am Kauf des Schulbuchverlages öbv & hpt interessiert gewesen, nicht jedoch an den Publikumsverlagen, fragt Holger Heimann den Verleger Michael Klett. "Das ist richtig", antwortet dieser. "Diese Verlage sind hochdefizitär. Somit besteht die große Herausforderung darin, eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie lassen sich diese Verlage so ausrichten, dass sie zumindest eine schwarze Null schreiben und zugleich verlegerische Ausstrahlung haben." Ob er die Verlage so rasch wie möglich verkaufen wolle, fragt Heimann. "An oberster Stelle steht die Erfüllung des Kulturauftrags. Aus heutiger Sicht ist im Sinne der besten Lösung alles offen. Mein Ideal wäre es allerdings, wenn sich ein talentierter junger Verleger fände, der diese Unternehmen außerhalb von Konzernstrukturen weiterführen will." Gekauft hat Klett den ÖBV, um nicht die Marktführerschaft im deutschsprachigen Raum zu verlieren. "Wenn wir nicht gekauft hätten, dann wäre der Schulbuchverlag an einen unserer Hauptkonkurrenten, an Westermann oder Cornelsen, gegangen."

HoCa-Verleger Rainer Moritz fragt sich, warum die Buchbranche, "eine Versammlung hochintelligenter Menschen", es nicht schafft, "auf eine nicht lächerliche Weise" für das Buch zu werben. Der schlimmste Tag im Jahr eines Büchermenschen sei der Welttag des Buches, "jener 23. April, den sich die Unesco 1995 ausgedacht hat und dessen 24. Stunde ich jedes Mal herbeisehne". "Zwei ganze Jahre hielt man daran fest, eine Welttags-Edition aufzulegen. Einmal Günter Grass, einmal Siegfried Lenz - dann war dieser von kümmerlichen Werbeideen begleitete Zauber vorbei, und das Fehlen fiel niemandem auf." Moritz plädiert dafür, den Tag künftig ausfallen zu lassen. "Trinken wir stattdessen ein Paulaner oder ein Jever, denn der 23. April ist auch der Welttag des Bieres, was Brauer gleichgültig lässt und nie auf die Idee brachte, ein prominentes Wetttrinken zu organisieren oder das schnellste Pils der Welt zu produzieren." Die Gegenposition vertritt Kurt Idrizovic, Inhaber der Buchhandlung am Obstmarkt in Augsburg. "An kaum einem anderen Tag werden so viele Schüler und Lehrer in die Buchläden gelockt; sie machen bei Aktionen mit und schauen sich um. Man muss sich schon ziemlich ungeschickt anstellen, um aus diesem Pool nicht neue Kunden zu gewinnen." Allerdings werde der Welttag nicht von allein zum Event. "So waren beispielsweise bei uns in Augsburg viele Treffen der Buchhändler nötig, um ein umfangreiches und attraktives Programm für Kinder und Erwachsene auf die Beine zu stellen - vom Schreibwettbewerb an Schulen bis hin zur Oskar-Maria-Graf-Lesung." Der Aufwand habe sich jedoch gelohnt, die Botschaft sei angekommen: "Die Buchbranche lebt, sie ist gut drauf und tut etwas für uns."

Weitere Meldungen: Der Frankfurter Bund-Verlag hat zweistellig zugelegt. Die insolvente Hamburger Buchhandlung Tuchel & Kerkhoff schließt spätestens Ende Mai. Das System- und Softwarehaus Binfos habe "offenbar" Insolvenz angemeldet, berichtet das Börsenblatt. Das Münchner Landgericht hat die Einstweilige Verfügung gegen den Roman "Esra" von Maxim Biller bestätigt; der Verlag Kiepenheuer & Witsch prüft derzeit, ob er Berufung einlegen wird. In Großbritannien hat die Kette Ottakar's (93 Läden) die Kette Hammicks (24 Läden) gekauft.

Außerdem informiert Frank Magdans über Security-Software. Sebastian Domsch schreibt über die Möglichkeiten, die Print on Demand Verlagen bietet. Stefan Hauck gratuliert Ernst Leonhard, Inhaber von Buch Habel, zu "60 Dienstjahren im Beruf". Und Gunter Ehni gratuliert dem Stuttgarter Verleger Hansjörg Weitbrecht zum 60. Geburtstag.

Die Buchmacher vom 29.04.2003 - Börsenblatt

Die Weka Holding und der Süddeutsche Verlag haben sich vor dem Augsburger Landgericht nicht einigen können; beide Unternehmen lehnten einen Vergleich ab. Weka fordert 76,3 Millionen Euro Schadenersatz vom Süddeutschen Verlag. Grund ist die geplatzte Übernahme von Weka durch die Münchner Verlagsgruppe. Zunächst wird jedoch über einen geringeren Betrag entschieden: "Aus dem Prozess war ein so genanntes Urkundsverfahren herausgelöst worden. Der Vorwurf von Weka: Der Süddeutsche Verlag habe eine Bürgschaft in Höhe des Kaufpreises von 157 Millionen Euro nicht gestellt; dadurch sei Weka ein Schaden von zehn Millionen Euro entstanden. Ob Weka diese Forderung durchsetzen kann, ist fraglich." Das Urteil wird für Mitte Mai erwartet; das Verfahren über die Hauptforderung beginnt am 1. Juli.

Thomas Wegmann, Literaturwissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin und Projektleiter des unlängst eingestellten Lesefestivals Leipziger Literarischer Herbst, ärgert sich über die Rotstift-Politik in den Kulturressorts der Kommunen. "Nicht nur in Leipzig wird noch immer so getan, als sei Kultur ein lästiges Bettelweib und zu blöd, sich selbst zu erhalten. Erstens hat das nie gestimmt, und zweitens kommt keine nennenswerte Ansiedlung eines privatwirtschaftlichen Betriebs heutzutage ohne öffentliche Förderung zustande - von der Subventionierung älterer Branchen wie Kohle und Stahl oder Landwirtschaft ganz zu schweigen. Dagegen gibt etwa die Stadt Berlin volle 0,6 Prozent ihres gesamten Kulturhaushalts für Literatur aus - eine Summe, die andere Leute nicht mal als 'Peanuts' bezeichnen würden." Dabei könne sich Literaturvermittlung durchaus lohnen. Sie bringe Punkte in Sachen Image und Aufmerksamkeit. "Denn was hätte Berlin außer Kultur und Wissenschaft schon zu bieten? Eben, es gibt keine Jobs, die Stadt ist eine schlecht gemanagte Baustelle, und selbst Currywurst schmeckt im Ruhrgebiet besser." Literatur sei eine Vorzeigebranche: "Sie privatisiert das Risiko und kollektiviert den Gewinn."

Hilmar Hoffmann meint, die öffentliche Hand spare ihre Büchereien kaputt. "Wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten fällt in Deutschland das Büchereiwesen noch immer unter die gönnerisch gewährten Wohltaten. Was als 'freiwillige Leistung' der öffentlichen Hand deklariert wurde, kann auch verweigert werden. Rechtsweg ausgeschlossen. Damit schrumpft der Bibliotheksetat zur bloßen Verfügungsmasse."

Für Europas größten Shopping-Center-Betreiber ECE ist der Buchhandel ein wichtiger Publikumsmagnet, sagt Klaus Striebich, Vermietungs-Geschäftsführer bei der ECE, im Interview mit Hardy Haimann. Von einem Buch gehe "eine große 'greifbare' Faszination" aus. "Die Mehrheit der Buchhändler in unseren Centern hat auch im vergangenen Jahr Umsatzzuwächse verzeichnen können." Die ECE sehe 600 Quadratmeter als Mindestfläche für Buchhandlungen an. "Besser noch sind 800 Quadratmeter, aber wir könnten uns auch Buchhandlungen mit 3.000 Quadratmetern in einem Center vorstellen." Das Unternehmen biete auch eine spezielle Förderung für Existenzgründer an, "allerdings ist bisher noch kein angehender Buchhändler auf uns zugekommen, um sich mit seinem ersten eigenen Geschäft in einem unserer Center selbstständig zu machen. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch".

Weitere Meldungen: Die Bertelsmann AG hat in den USA Schuldverschreibungen in Höhe von 500 Millionen Dollar platziert. Rainer Sprehe hat in Bielefeld den Verlag Covadonga gegründet, der sich ausschließlich dem Radrennsport widmen soll. Der IT-Verlag Galileo Press hat beim Umsatz im ersten Quartal 2003 nach eigenen Angaben um 16 Prozent zugelegt. Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek hat die 17.000 Bände der Arbeitsbibliothek des Schriftstellers Franz Fühmann erworben. Die Klett-Gruppe darf den Österreichischen Bundesverlag übernehmen; nach den österreichischen Kartellbehörden gab auch das deutsche Bundeskartellamt grünes Licht. Die Axel Springer Verlag AG hat sich umbenannt in Axel Springer AG. Vorerst ist der Konzern dennoch über die URL asv.de zu erreichen.

Außerdem erläutert Ulrich Hesse, dass das Geschäft für den Bahnhofsbuchhandel besser laufen könnte. Nils Kahlefendt berichtet, dass der Verlag Bertelsmann Lexika zu seinem 50-jährigen Bestehen einen Gestaltungswettbewerb an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur gestartet hat; der Siegerentwurf schmückt ein dreibändiges Lexikon. Simone Beutel erklärt, wie der Buchhandel Geld mit Videos und DVDs verdienen kann. Von Regine Meyer-Arlt erfahren wir, wie der Olms Verlag sich um die Konservierung vom Verfall bedrohter Schriften verdient macht. Und Volkhard Bode hat Axel Bedürftig, Gründer des ABW Wissenschaftsverlags, interviewt.

Ein Extra-Teil widmet sich kleineren, unabhängigen Verlagen: "Kleine Verlage, große Ideen".

Die Buchmacher vom 22.04.2003 - Börsenblatt

Die Frankfurter Buchmesse bekommt ein Rahmenprogramm fürs breite Publikum. Der Name ist tatsächlich nicht sehr originell gewählt: "Anders als in Leipzig, wo sich das Programm 'Leipzig liest' im Wesentlichen auf die Messestadt beschränkt, soll das Begleitprogramm im Herbst unter dem Motto 'Hessen liest' das ganze Bundesland in eine Lesebühne verwandeln. Die Planung befindet sich, wie es heißt, im Anfangsstadium. Eine Projektskizze wird Grundlage für Gespräche mit dem Land und einzelnen Städten wie Darmstadt, Kassel oder Marburg sein." Geschrieben wurde die Skizze von Theo Schäfer, dem Erfinder von "Leipzig liest". Knapp sechs Monate haben die Planer noch Zeit.

Joseph von Westphalen wundert sich, dass es den Welttag des Buches erst seit 1996 gibt. "Welttag des Buches. Der Singular ist putzig. Er suggeriert die Sehnsucht nach einem bestimmten Buch, das einem viel bedeutet, und verschleiert das eigentliche Problem, das weniger darin besteht, dass nicht mehr gelesen wird, sondern darin, dass auch die lesewilligsten Menschen angesichts einer Flut von lesenswerten Büchern nicht mehr wissen, was sie lesen sollen. Das Fernsehen hat mit den vielen Sendern die Fernbedienung erfunden. Das Buch verlangt noch immer Konzentration. Das ist sein Charme und sein Handicap."

Die ehemaligen Thienemann-Verleger Gunter Ehni und Hansjörg Weitbrecht haben zusammen mit der Lektorin Gudrun Kolb-Rothermel die Edition Erdmann, bislang ein Imprint des Thienemann Verlags, gekauft. "Das Team hat bereits seit dem Verkauf von Thienemann an den Medienkonzern Bonnier (2001) in freier Arbeit die Edition Erdmann betreut."

Damit ist die Edition Erdmann "der jüngste im Bunde", schreibt Margrit Philipp. Und zwar im Bunde der Verlagsrückkäufe. Derer gab es jüngst eine ganze Reihe, an den meisten war Random House beteiligt: Random House gab Arnulf Conradi den Berlin Verlag wieder, Friedrich-Karl Sandmann kaufte den Zabert Sandmann Verlag von Ullstein Heyne List zurück, Martin Scheriau erhielt von Random House die Anteile der Verlagsgruppe an dem Wiener Verlag Kremayr & Scheriau und Monika Thaler und Gert Frederking kauften Random House ihren Verlag Frederking & Thaler ab. Die "neue Lust an der Selbstständigkeit" könne nur vordergründig als Triebfeder für diesen unternehmerischen Wagemut ausgemacht werden. "Trotz schwierigster Marktbedingungen geht es allen Verlegern vorrangig um ein Ziel: Sie wollen die drohende Schließung oder den Verkauf an Dritte abwenden, schlicht, ihr verlegerisches Lebenswerk erhalten. Dies kann offenbar von den großen Konzernen langfristig nicht garantiert werden, obgleich es in besseren Zeiten in Aussicht gestellt worden war." Einen Vorwurf gegen die Konzerne erhöben die Verleger nicht. "Wenngleich der Bertelsmann-Konzern nicht als Verlagskiller auf der Anklagebank sitzt, so könnte sich unterm Strich doch ein ernst zu nehmendes Imageproblem ergeben. Dies scheinen die Unternehmensstrategen bereits erkannt zu haben. Künftig soll die Verlagsgruppe Random House ein großes Dach für viele virtuell eigenständige Verlage bieten, in der jeder Verleger agiert, als ob er sein eigener Herr wäre." Dieses Modell bringe einen "neuen interessanten Typus von Manager hervor: den Scheinverleger".

Der buchreport hatte für den März einen spektakulären Umsatzrückgang von 19,37 Prozent errechnet. Boris Langendorf registrierte zwar "nur" ein Minus von 10,9 Prozent; ein Umsatzabsturz ohne Gleichen bleibt es dennoch. Woran lag's? Jedenfalls weder am Wetter noch daran, dass Ostern in diesem Jahr in den April gefallen ist (statt, wie im Vorjahr, in den März). Auch Grippewelle und Irak-Krieg seien nicht schuld. "Die Stimmung, der vor einem Monat noch eine steigende Tendenz zu attestieren war, beginnt bei Wirtschaft und Verbrauchern leider schon wieder zu bröckeln - bevor sie sich nennenswert erholt hat." Zum Schluss bleibt nur das Prinzip Hoffnung: "Erfreulicherweise lassen die ersten Apriltage erwarten, dass es nicht weitergeht wie im März, sondern das Geschäft wieder anspringt. Möge dies, gestützt durch Ostern, länger anhalten."

Nachdem der Bundestag das Gesetz zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft ohne Änderungen (und mit dem umstrittenen Paragraphen 52a) beschlossen hat, hoffen die Verleger auf die Gerichte. "Mit einem solchen Gesetz sind wesentliche, gravierende und umfangmäßig bedeutsame Nutzungshandlungen quasi freigegeben", sagt der Vorsitzende des Urheberrechtsausschusses, Wulf D. v. Lucius, im Interview mit Sybille Fuhrmann. "Ob das mit den strengen Vorgaben der EU-Richtlinie [die das Gesetz umsetzen soll] in Einklang steht, das bezweifeln wir, und das wird der Börsenverein rechtlich prüfen lassen." Lucius kritisiert "die Konzeptionslosigkeit des Gesetzgebers: Im Jahr 2002 wurde mit dem Urhebervertragsrecht ein Gesetz zur Begünstigung der Autoren formuliert, das wir Verleger überzogen fanden. Nun werden wissenschaftliche Autoren massiv teilenteignet".

Buchmesse-Chef Volker Neumann weist den Vorwurf zurück, die Preise für Buchmesse-Stände seien um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Im Interview mit dem Börsenblatt sagt er: "Wir haben immer vom Standpreis gesprochen. Dieser verteuert sich für den kleinsten Stand in diesem Jahr von 165,14 Euro pro Quadratmeter auf maximal 177,53 Euro - wer einen Dreijahresvertrag unterzeichnet, zahlt sogar nur 168,65 Euro / qm. Wir machen also ein äußerst günstiges Angebot".

Weitere Meldungen: Die Eichborn AG hat sich vom Büro für Berufsstrategie getrennt. In der insolventen Leipziger Buchhandlung Franz-Mehring-Haus läuft der Betrieb im Stammhaus und in allen acht Filialen "reibungslos weiter". Ewald Walgenbach, Chef der Bertelsmann Direct Group, will die Verluste seiner Sparte ("unbestätigten Gerüchten zufolge 50 Millionen Euro") noch in diesem Jahr halbieren und im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben. Buch-Chef bei Karstadt und damit Nachfolger von Carola Markwa wird Andreas Kühn; Markwa arbeitet ab 1. Juli für die Buchhandlung Weiland. Mairs Geographischer Verlag übernimmt den Vertrieb für die Bildbände, Ratgeber und Sachbücher von National Geographic Deutschland.

Außerdem schreibt Susanne Osadnik über die Lage auf dem Immobilienmarkt für Buchhändler. Regine Meyer-Arlt führt in den hart umkämpften Markt der Garten-Ratgeber ein. Nicola Bardola stellt den Schriftsteller Joachim Zelter und dessen Roman "Das Gesicht" vor, eine "bissige Satire über die Auswüchse des Literaturbetriebs". Schließlich erläutert Thomas Blume das Leseköpfe-Programm zum Welttag des Buches. Mehr dazu hier und hier.

In der vergangenen Woche erschien außerdem ein Börsenblatt-Spezial zum Thema Fachbuch.