Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
03.03.2003. Diese Woche lesen Sie: Warum die größte deutsche Buchhandlung eigentlich nur die viertgrößte deutsche Buchhandlung ist. Wie groß der Respekt der Berlusconi-Tochter Marina für den Pluralismus ist. Was sich bei Literatursendungen im Fernsehen tut. Warum die Einführung von Judith Hermanns "Nichts als Gespenster" ein Kabinettstück war. Und dass Afrika als Thema für Romane im Kommen ist. Von Hubertus Volmer

buchreport.magazin

Das wieder sehr lesenswerte Monatsheft des buchreport steht ganz im Zeichen des aktuellen Rankings "Die 100 größten Buchhandlungen". Einige Ergebnisse dieses Rankings sind im buchreport.express nachzulesen (siehe dort). Das Ranking selbst gibt es hier. In einem Kommentar schreibt Bodo Harenberg: "Die Häutung des stationären Buchhandels in den letzten zwei Jahrzehnten ist für viele nur unter Aufbietung aller persönlichen Kräfte, Ausschöpfung aller Ressourcen und meist mit hohen Krediten möglich gewesen. Parallel dazu sind die Umsätze des Handels dauerhaft zurückgegangen, die Kosten jedoch kontinuierlich gestiegen. Wenn der Buchhandel trotzdem - gemessen an anderen Einzelhandelsbranchen - bis dato von Übernahmen, Geschäftsaufgaben und Insolvenzen weitgehend verschont geblieben ist, so geht der Erhalt vieler Standorte auf den Schutz durch die Preisbindung zurück. Sie erspart den ruinösen Rabattkrieg und gewährt zwar keineswegs üppige, aber doch weiterhin auskömmliche Margen und ermöglichte auch Modernisierung und Flächenwachstum des Buchhandels."

Unter den "100 größten Buchhandlungen" steht Thalia nach wie vor auf Platz 1. In einem "absoluten Ranking" - also bei Berücksichtigung aller Vertriebswege - käme Thalia dagegen nur auf Platz 4 (hinter Weltbild, dem Bertelsmann Club und Amazon.de). Im Interview mit dem buchreport weisen die beiden Thalia-Geschäftsführer, Jürgen Könnecke und Michael Busch, darauf hin, dass die Gruppe weiter wachsen will: durch Filialerweiterungen, Neueröffnungen und Übernahmen. Könnecke glaubt nicht, dass der Filialbuchhandel an seine Expansionsgrenzen gestoßen ist, "auch wenn es einige regionale Marktführer gibt, die sehr starke Positionen innehaben". In einigen Punkten orientiert sich die Douglas-Tochter offenbar an der Strategie der Parfümerien: "Ein kleiner Verlag, der selbst vielleicht nicht die Kraft für eine eigene Marketingaktion hat, kann mit einem großen Partner und dessen Marktkraft mehr erreichen, als es bisher für ihn möglich war", sagt Busch. "Nehmen wir im Parfümbereich das Beispiel Douglas: Der Kunde kauft nicht ein Parfüm bei Douglas, sondern der Kunde geht zu Douglas und kauft dort ein Parfüm. Wir sind der festen Überzeugung, dass Thalia in der Perspektive eine ähnliche Markenkraft in Deutschland gewinnen kann." Das Angebot der Tochter buch.de sei "ein langfristiger Bestandteil der Marktbearbeitungsstrategie in Deutschland, Österreich und der Schweiz", so Busch weiter. "Derzeit operieren wir im Online-Buchhandel mit buch.de, thalia.de und nun auch bol.de. Auf Dauer müssen wir darüber nachdenken, wo wir die einzelnen Marken nutzen wollen und wo es Synergieeffekte gibt. Die technologische Plattform und das gemeinsame Zentrallager sind erste Stationen auf diesem Weg."

Seit dem letzten Buchhandels-Ranking des buchreport ist Buch & Kunst um fünf Plätze vorgerückt und landete nun auf Platz 8. "Über den Filialisten von der Elbe und seinen aggressiven Wachstumskurs ist in letzter Zeit viel geschrieben worden. Wenig ist dagegen über die treibenden Kräfte bekannt, die im Hintergrund Mitverantwortung übernehmen", schreibt Anja Sieg. "Wenn es in Dresden um richtungsweisende Entscheidungen geht, sitzen noch andere am Tisch. Michael H. Bork und Dr. Peter Hammermann vertreten im Beirat der Buch-&-Kunst-Gruppe die Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens. Beide sind Geschäftsführer von Barclays Private Equity (BPD), die als Managementgesellschaft jene Finanzfonds betreut, die mit 55 Prozent an Buch & Kunst beteiligt sind." Nach der Übernahme von Baedeker will auch Buch & Kunst weiter wachsen - zuletzt durch den Kauf der Bielefelder "Boulevard"-Buchhandlung.

Über Buch Habel schreibt David Wengenroth. Mit einem Umsatzplus von 5,6 Prozent gehöre der Darmstädter Filialist ebenfalls zu den Gewinnern im buchreport-Ranking (obwohl er von Rang 12 auf Rang 13 zurückfiel). Dass die FAZ-Gruppe ihre Beteiligung abgeben will, habe Buch-Habel-Chef Ernst Leonhard "kalt gelassen". "Die FAZ ist mit 50 Prozent nur an dem Unternehmen Buch Habel beteiligt, das neben den Filialen in Ostdeutschland die Filialen in Wiesbaden und Bochum betreibt. Alle anderen Buchhandlungen gehören zur Carl Habel Verlagsbuchhandlung, an der Ernst Leonhard 100 Prozent der Anteile hält."

Gewinner im Ranking ist auch die schwäbische Buchhandlung Herwig: "1873 gründete Urgroßvater Erich Herwig eine kleine Buch- und Musikalienhandlung in Göppingen. Großvater und Vater ließen sie wachsen, aber erst unter Till Herwig wuchs sie zu einer beachtlichen kleinen Handelskette heran, die sich mit acht Filialen und einem Umsatzplus von 7,1 Prozent auf 13,5 Millionen Euro im Jahr 2002 im buchreport-Ranking 'Die 100 größten Buchhandlungen' von Platz 52 auf Platz 44 vorgeschoben hat - und sich diesen Platz mit dem Berliner KulturKaufhaus Dussmann teilt", berichtet Brit München. Till Herwig will, dass die Kunden sich in seinen Buchhandlungen wohlfühlen, er organisiert Veranstaltungen und unterhält eine Online-Filiale: "Kommunikation ist alles, die Leute gucken mal rein, auch wenn nur einer von 100 auch wirklich online etwas kauft. Aber eigentlich wollen wir sie ja auch nur in den Laden kriegen." Ein Endlos-Gedicht auf der Website der Aalener Filiale, an dem die Kunden mitschreiben konnten, sei "Stadtgespräch" gewesen; jetzt erscheine es in Buchform.

Über den Online-Buchhandel berichtet Andrea Czepek. "Zwar ist der Anteil des Online-Handels am gesamten Einzelhandel mit 1,6 Prozent noch immer relativ gering, das sind aber schon 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Büchern und Musik dürfte der Marktanteil bereits deutlich höher liegen." Bei reinen Internet-Buchhändlern seien nur noch drei große Player im Spiel: Amazon, buch.de (inklusive bol.de) und Booxtra. "Überleben kann nur, wer etwas bietet, was der Marktführer nicht hat. So setzt buch.de auf den Multichannel-Ansatz, Booxtra auf die Versandkostenfreiheit und telefonische Bestellannahme."

Die Erfolgszahlen von Weltbild dröselt David Wengenroth auf: "Von den rund 440 Millionen Euro, die Weltbild 2002 im Versandbuchhandel erzielt hat (Vorjahr: 438 Millionen Euro), entfielen 59 Millionen Euro (Vorjahr: rund 51 Millionen Euro) auf Internet-Bestellungen. Eine wesentlich fettere Steigerungsrate erzielte der Billigheimer allerdings mit der Sondersortimentskette Weltbildplus, einem Joint Venture mit Hugendubel: Der Gesamtumsatz, der zu 50 Prozent bei Weltbild zu Buche schlägt, machte 2002 einen geradezu halsbrecherischen Sprung um 60,8 Prozent auf 185 Millionen Euro."

Außerdem gibt Peggy Voigt einen Überblick über die Entwicklung des Buchhandels anhand des buchreport-Rankings: So lag der Umsatz der größten Buchhandlung 1989 bei 54,2 Millionen Euro; 2002 waren es 324,6 Millionen Euro. Peggy Voigt weist außerdem darauf hin, dass Buchhandlungen in Shoppingcentern überdurchschnittlich hohe Umsatzzuwächse erzielten. Kein Wunder: "1993 gab es erst 90, 2000 waren es schon 280; zum Beginn des Jahres 2003 hat das Kölner Eurohandelsinstitut insgesamt 340 Einkaufscenter mit einer Gesamtfläche von elf Millionen Quadratmetern gezählt." Karstadt will nun eigene Shoppingcenter bauen. Brit München stellt einen weiteren Top-Aufsteiger im Ranking vor: die Hannoveraner Buchhandlung Decius (hier die Daten des Rankings). Andrea Czepek schreibt über die Konzentrationsprozesse unter den Bahnhofsbuchhändlern.

In der Rubrik "Verlage" schreibt Rainer Uebelhöde über Kosmos, David Wengenroth über den Verlag S. Hirzel, Anja Sieg über den britischen Verlag Bloomsbury (der durch "Harry Potter" reich wurde und zurzeit eine deutsche Tochter aufbaut; die will im Herbst ihr erstes Programm vorlegen) sowie über den Relaunch der Penguin Classics und die New Yorker "Talent- und Literaturagentur" William Morris.

Schwerpunkt des Heftes ist das Thema Reisen. Einen Überblick über das Geschäft mit Reiseführern gibt Maria Ebert; sie schreibt auch über Mairs Geographischer Verlag, über den Jakobsweg, zu dem es mehr als 70 Titel gebe, und über Reisemagazine, die "wie Pilze aus dem Boden" schießen. Den mittlerweile 15 Jahre alten Verlag Frederking & Thaler porträtiert Georgette Libori.

Zwar habe das Gewicht der Literaturkritik abgenommen. "Doch für den Erfolg anspruchsvoller junger Autoren kann der Bannstrahl der Kritik tödlich sein", meint David Wengenroth. Es geht um Judith Hermanns zweiten Erzählband, "Nichts als Gespenster", der von der Kritik recht ungnädig aufgenommen wurde. Dies sei abzusehen gewesen. Dem Verlag sei bei der Präsentation des Buches allerdings "ein Kabinettstück" gelungen: "Im Falle des Hermann-Zweitlings war vor allem wichtig, dass die Autorin als Person ihre ersten Medienauftritte hatte, bevor das Buch selber in den Mittelpunkt rücken konnte. Judith Hermann musste zu Wort kommen, bevor schlechte Kritiken ihres Buches sie demontieren konnten. (...) Ob die zur Schau getragene Schüchternheit nun tief empfunden ist oder berechnende Pose: Wirkungsvoller hätte die Autorin ihre Kritiker nicht in die Defensive bringen können."

Auch mit "Schiffbruch mit Tiger" hat Fischer Sinn für Erfolg bewiesen. Der Verlag hatte das Buch von Yann Martel schon zum Spitzentitel erkoren, als vom Booker- oder anderen Preisen noch keine Rede war, schreibt Brit München. "Spätestens seit im August 2002 die Übersetzung fertig vorgelegen hat, war allen klar, dass wir hier einen potenziellen Bestseller im Hause hatten", sagt Hans Jürgen Balmes, Programmchef für internationale Literatur. Zur Marketing-Strategie gehörten eine "kleine Lesereise für Handel und Medien" sowie Radio-Werbung zum Start des Buches. Insgesamt habe die Kampagne eine sechsstellige Summe gekostet, "dreimal so viel, wie wir in einen normalen Spitzentitel investieren", zitiert München Marketingchef Uwe Rosenfeld. Und Yann Martel selbst sagt im Interview, sein kanadischer Lektor habe zunächst "schon ein bisschen komisch geguckt und sich wohl gefragt, was ich bloß mit solchen unmodischen Themen will - und ich selber habe das beim Schreiben auch gedacht".

Afrika ist als Buchthema im Kommen, diagnostiziert Daniel Lenz und nennt als Beispiele den (sehr schönen) Roman "Herero" von Gerhard Seyfried sowie "Zeit der Wahrheit" von Renate Ahrens, "Mitten in Afrika" von Ulla Ackermann und "Unter afrikanischer Sonne" von Alexandra Fuller. Lenz zitiert die Lektorin Sabine Jaenicke von Langen Müller Herbig: "Im Lektorat hieß es früher: Bücher aus Afrika verkaufen sich nicht. Das hat sich verändert." Diese Veränderung bewirkt haben Bücher wie "Nirgendwo in Afrika" von Caroline Link, Titel von Stephanie Zweig oder "Wüstenblume" von Waris Dirie. "Die Bestseller seien kein Grund zur Freude, so Peter Ripken, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika (...). Mit den genannten cash cows geht Ripken hart ins Gericht: Die Bücher seien vom Marketing her auf eine breite Tränendrüse der Leser hin konzipiert. Und Waris Dirie? Auch ein Marketingprodukt - ihre Bücher seien von amerikanischen Literaturagenten als Ghostwriter geschrieben worden. 'Sie darf nur etwas bei Presseterminen sagen, um den Verkauf der Bücher anzukurbeln.'" Miese Noten gibt Ripken auch den Büchern von Ulla Ackermann und Alexandra Fuller. Meist werde Afrika "als Inbegriff einer Welt beschrieben, in der das Familienleben und die Natur noch intakt seien, oder, vice versa, als Bild eines Kontinents der Katastrophen, Krisen und Kriege - 'zu Hause zwischen Paradies und Hölle' heißt der Untertitel von Ackermanns Buch."

Weitere Beiträge: Rainer Uebelhöde stellt den Schriftsteller Friedrich Ani vor, der im April zum zweiten Mal den Deutschen Krimi-Preis bekommt, Andrea Czepek widmet sich der amerikanischen Nachwuchshoffnung Jonathan Safran Foer, Anja Sieg erzählt, wie der "Tag des Buches" in Großbritannien begangen wird (mehr hier, und Peggy Voigt hat sich die alten und neuen Übersetzungen von "Lolita", "Der Fänger im Roggen" und "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" angeschaut.
Stichwörter: Lateinamerika

buchreport.express

Die 100 größten Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 2002 ein Umsatzplus von 3,8 Prozent erreicht; für den traditionellen Buchhandel insgesamt kam im vergangenen Jahr nur ein Umsatzminus heraus: ebenfalls 3,8 Prozent. Das ergab das jährliche buchreport-Ranking "Die 100 größten Buchhandlungen". Von diesen 100 Buchhandlungen haben wiederum nur 44 ein Umsatzplus verbucht (2001 waren es noch 56). 31 bilanzierten ein Minuswachstum (im Vorjahr 15).

Der Umsatz auf alternativen Vertriebswegen (Internet, Billiganbieter) sei dagegen geradezu explodiert. So bringe Weltbild es stationär und online auf 440 Millionen Euro Umsatz und rangiere damit "vor allen anderen". Amazon sei um 70 Prozent gewachsen; Umsatz: 350 Millionen Euro. Selbst Thalia, mit Abstand die Nummer eins unter den Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, bleibt dahinter zurück: "Würde man die Umsätze des stationären Buchhandels mit den Jahresdaten der Sondervertriebswege mischen, so würde die Thalia Holding ihren mit großem Vorsprung erarbeiteten Platz 1 verlieren und nur noch auf Platz 4 rangieren." Die Reihenfolge "in diesem alles entscheidenden Ranking" laute: 1. Weltbild mit 440 Millionen Euro Umsatz, 2. Der Club mit 380 Millionen Euro Umsatz, 3. Amazon mit 350 Millionen Euro Umsatz, 4. Thalia mit 324,6 Millionen Euro Umsatz, 5. Hugendubel mit 209,4 Millionen Euro Umsatz. Würde man die Erlöse aus Sonderverkäufen bei Kaffeeröstern oder Supermarktketten noch hinzurechnen, nähme die Bedeutung des Billigbuchhandels noch zu, so der buchreport weiter. Für das laufende Jahr geht der buchreport davon aus, dass Amazon den Club und Weltbild überholt und sich auf Platz 1 des Rankings setzt.

Noch ein Ergebnis des Rankings: Der Konzentrationsprozess unter den 100 größten Buchhandlungen hat sich verlangsamt. Sieben der 100 Plätze seien frei geworden (im Vorjahr zehn); nur vier davon durch Übernahmen (2001 waren es sieben). So wurde Palm & Enke an Thalia verkauft, Baedeker an Buch & Kunst, Stocker an Lüthy und Freihofer an Huber & Lang. Die übrigen Abgänge beruhen auf Konkurs und Insolvenz: Libro AG, Kiepert, Köndgen. Der buchreport betont: "In 2002 haben viele Buchhandlungen, die mit ihren Umsätzen nicht im Ranking platziert sind, aufgegeben. Über ihre Zahl liegen keine zuverlässigen Angaben vor, der Börsenverein hat jedoch 109 Abgänge unter seinen Mitgliedern aus dem Sortiment gemeldet." Im buchreport.magazin erläutert Peggy Voigt das Ranking ausführlich - das Ranking selbst finden Sie hier.

Das Preisbindungsgesetz schreibt gebundene Preise auch für Schulbücher vor. Für Schulbuchversender bestehe daher kaum noch eine Möglichkeit, ortsansässige Buchhändler bei Schulbuchaufträgen zu unterbieten, meldet der buchreport. Dennoch gebe es keinen Grund zur Entwarnung. "Die Ausschreibungspflicht für öffentliche Aufträge bleibt, auch wenn kein preislicher Wettbewerb möglich ist. Und die Kommunen dürfen laut Vergaberecht ortsansässige Bieter nicht per se gegenüber auswärtigen bevorzugen."

Die Kaffee-Kette Starbucks eröffnet in der Mayerschen Buchhandlung in Essen ihre erste Filiale in einer Buchhandlung. Eröffnet wird die 5.000-Quadratmeter-Fläche am 27. März. "Sollte das Konzept tatsächlich aufgehen, möchte die Kaffeebar-Kette, die in Deutschland in diesem Jahr die 37. Filiale aufschließen will, den engeren Schulterschluss mit der Buchbranche üben."

Wer stinkreich werden will, sollte nicht mit Büchern handeln. Auf der Liste der 100 reichsten Deutschen hat der buchreport keinen "wirklichen Verleger" entdeckt. Der reichste Medienmann bleibt Reinhard Mohn, mit 4,3 Milliarden Euro auf Platz 11. Die Familie von Holtzbrinck kommt mit 2,85 Milliarden Euro auf Platz 24.

Trotz Gipfeltreffen und großem Aufeinanderzugehen: Der Streit um den Standort der "Frankfurter" Buchmesse ist noch nicht vom Tisch. "Beide Seiten beharren auf ihren Maximalforderungen: Die Hotelbranche will ihre Preise während der Messezeit nicht senken, die Buchmesse will sich damit aber nicht zufrieden geben. Bliebe das so, könnte es ab dem 1. März wieder Verhandlungen mit München geben, schließlich habe man der Stadt Frankfurt nur bis zu diesem Datum zugesichert, keine Gespräche mit der Konkurrenz zu führen, so Buchmesse-Sprecher Holger Ehling." Der buchreport weist darauf hin, dass es nicht nur die Kosten der Hotels gebe; "es gibt auch Geld, das die Buchmesse möglichst wenig öffentlich diskutieren möchte: Standmieten und Eintrittspreise". Das Börsenblatt meldet derweil, dass Buchmesse-Direktor Volker Neumann "noch einmal über die Eintrittspreise nachdenken" werde.

Der schottische Verlag Canongate von Jamie Byng wurde bei den 14th British Book Awards zum Verlag des Jahres 2002 gewählt. Bei Canongate erschien "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel; das Buch hat bereits den Booker-Prize bekommen. Auch für den Book Award galt Martel als Favorit; dieser Preis ging jedoch an "Stupid White Men" von Michael Moore.

Weitere Meldungen: Die Petersen Logistik GmbH hat die Insolvenz angemeldet. Nicht betroffen ist die wirtschaftlich eigenständige Firma Petersen Buchimport. Nach KNO/KV erhöht auch Libri die Gebühren. Nach dem Börsenblatt berichtet auch der buchreport über den Preiskampf bei den englischen Originalausgaben von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" (das Buch erscheint am 21. Juni; wann die deutsche Übersetzung erscheint, ist nach wie vor unklar). Der Fourir Verlag übernimmt die Bestände der insolventen Edition Stemmle. Und die Umsätze der Reiseführer-Verlage sind im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent zurückgegangen.

Schließlich die Bestsellerlisten.

Börsenblatt

Der Verlag Elefanten Press bringt in diesem Frühjahr keine Novitäten auf den Markt. "'Wir machen eine Denkpause. Es wird die Entscheidung unseres neuen Verlegers Jürgen Weidenbach sein, Elefanten Press fortzuführen oder nicht', sagte Pressesprecherin Renate Grubert. Weidenbach wird seine Arbeit am 1. April als Nachfolger von Ulrich Störiko-Blume aufnehmen."

Eine Website gibt seit der vergangenen Woche einen Überblick über die Veranstaltungen von "Leipzig liest". Während der Leipziger Buchmesse wird es 650 Lesungen mit 700 Autoren geben "sowie weitere Veranstaltungen, die an 220 Orten der Stadt geplant sind, darunter Zoo und Bundesverwaltungsgericht".

Bei der Mehrwertsteuerregelung für Kombiprodukte (etwa ein Buch mit beiliegender CD-ROM) ändert sich nichts. Im Steuervergünstigungs-Abbaugesetz, das am 20. Februar vom Bundestag verabschiedet wurde, war die von der Bundesregierung ursprünglich geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Kombiprodukte nicht mehr dabei.

Das Börsenblatt bringt ein Porträt von drei Mitgliedern der Verlegerfamilie Wegner, die heute noch im Buchgeschäft aktiv sind: das sind der ehemalige Rowohlt- und Bertelsmann-Club-Geschäftsführer Matthias Wegner (Jahrgang 1937), heute Publizist; sein Sohn Konstantin Wegner (Jahrgang 1970), Anwalt für Medienrecht; und Christian Strasser (Jahrgang 1945), wie Matthias Wegner Sohn von Christian Wegner und bekanntermaßen Chef von Heyne Ullstein List. "In der Branche hat der Name Wegner einen ähnlich guten Klang wie Rowohlt oder Langenscheidt", schreibt Andreas Trojan. "Würde man tatsächlich ein Buch über diese Familie schreiben wollen, so müsste man mit dem Lebensweg von Christian Wegner beginnen, der als eigenwilliger Verleger, aber auch als oft abwesender Vater die Familiengeschicke prägte. Christian Wegner lernte das verlegerische Handwerk im Leipziger Insel Verlag, beim 'Onkel Anton' Kippenberg, einem Bruder seiner Mutter. 1931 gründete Wegner den Verlag The Albatros, den er von Paris aus leitete (...). Bei The Albatros erschienen Joyce' 'Ulysses' und D.H. Lawrence' 'Lady Chatterley', es gab aber auch Serien von Spannungsromanen wie 'Crime' oder 'Mystery Club' - eine höchst eigenwillige Mischkalkulation also."

Marina Berlusconi, Tochter des italienischen Alles-Beherrschers Silvio Berlusconi, ist seit Februar Präsidentin der Berlusconi-Verlagsgruppe Mondadori. Sie ist außerdem Vizepräsidentin der Holding Fininvest, "die alle Geschäftszweige der Berlusconi-Familie kontrolliert (unter anderem Fernseh- und Radiosender, Verlage, Finanzunternehmen und Sportvereine)", berichtet Henning Klüver. "Bei ihrer ersten Rede als Verlagschefin hat sie auf die Pluralität der Meinungen hingewiesen, die weiterhin Mondadori auszeichnen soll. Sie sei von 'tiefem Respekt für die Leser wie für den Markt' geprägt, ohne den Willen 'zu indoktrinieren oder zu orientieren'." Sie wird schon wissen, warum sie ihre Liebe zum Pluralismus so betont.

Die meisten Buchhandlungen sortieren ihre Bücher nach Inhalten, nicht nach Verlagen. "Großbuchhandlungen und Filialisten pflegen ohnehin lieber ihre eigene Corporate Identity. Kleinere Sortimente sehen dagegen in ihrer individuellen Angebots- und Ladengestaltung häufig den einzigen Trumpf gegenüber der Konkurrenz", schreibt Regine Meyer-Arlt. (Da wären noch die Kunden zu ergänzen: Für die ist es nervend, wenn Buchhandlungen ihre Bücher verlagsweise in die Regale stellen.) Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch in Buchhandlungen gibt es Shop-in-Shop-Präsentationen. Seit dem vergangenen November hat der Verlag Ars Edition vier Shops-in-Shops installiert; innerhalb des ersten Jahres sollen es insgesamt 20 werden. Ähnliche Konzepte gibt es bei Ravensburger und der BLV Verlagsgesellschaft. Voraussetzung für funktionierende Shops-in-Shops ist "eine Marke mit klar umgrenztem Segment". Damit eignet sich das Konzept für die meisten Publikumsverlage nicht: "Die Verlagswelt kann zu wenige echte Marken vorweisen".

Der Börsenverein hat eine Studie über das Leseverhalten junger Menschen in Auftrag gegeben. "Welche Bücher Jugendliche lesen und kaufen, wird wesentlich von der so genannten Peer Group beeinflusst, zu der sie gehören", fasst Christoph Kochhan das wenig überraschende Ergebnis zusammen. "Hier wird festgelegt, was angesagt ist, was gekauft werden muss, um in zu sein, um akzeptiert zu werden und mitreden zu können. (...) Weit weniger wichtig bei der Entscheidung für ein Buch sind dagegen Marketing-Instrumente wie Beratung oder Werbung in Zeitungen, Zeitschriften um im Fernsehen".

In der "Debatte" geht es um Universitätsverlage. Eva-Elisabeth Wille, Geschäftsführerin beim Wissenschaftsverlag Wiley-VCH, hält elektronische Zeitschriften wie GAP und Figaro für volkswirtschaftlich sinnlos. "Man muss das Rad nicht mit öffentlichen Geldern neu erfinden. Man kann und sollte sich genauso fragen: Ist es langfristig wirtschaftlich, dass eine Universität eine Offsetmaschine betreibt und dass die Personalverwaltungen von Bibliotheken und Rechenzentren auch Universitätsverlage mittragen?" Die Gegenposition vertritt Hans-Joachim Wätjen, Direktor der UB Oldenburg und Leiter des BIS-Verlags: "Weltweit wird immer mehr wissenschaftliche Information produziert, aber die wissenschaftlichen Bibliotheken können immer weniger davon kaufen. Ihre stagnierenden oder gar rückläufigen Etats werden von den immer noch rapide steigenden Preisen der STM-Zeitschriften (Science, Technology, Medicine) aufgezehrt - eine Preispolitik, die von einigen wenigen Großverlagen praktiziert wird, die den Markt dominieren." Gegen diese großen STM-Verlage "wollen Universitätsverlage langfristig ein Gegengewicht" schaffen.

Bei den Literatursendungen tut sich was: Nach "Druchfrisch" mit Denis Scheck im Ersten läuft im ZDF demnächst eine Testsendung von "Lesen!" mit Elke Heidenreich. Zugleich will das ZDF zusammen mit Marcel Reich-Ranicki vier Dokumentationen über Bücher aus dessen Kanon produzieren. Das Börsenblatt nennt einige weitere Literatursendungen: "Bücher, Bücher", "Bücherjournal", "Das Literarische Quartal", "Der Literaturclub", "Schümer & Dorn" und den "Weimarer Salon". "Aber wie lässt sich Literatur am besten in bewegten Bildern präsentieren? Während das Team um Denis Scheck in der ARD das Experiment wagt und die verschiedenen Stilmittel einsetzt, will 'Schümer & Dorn' mit traditionellen Elementen punkten: der bewährten Mischung aus Gesprächen, filmischen Beiträgen und dem Interview mit einem Gast. SWR-Redakteur Frank Hertweck ist sich sicher, dass ein rasender Reporter und schnelle Schnitte a la 'Druckfrisch' bei seiner Klientel nicht ankommen würden. 'Die Zuschauer der dritten Programme sind in der Regel mindestens 50 Jahre alt', erläutert er, 'darauf haben wir uns einzustellen.'"

Weitere Beiträge: Siegfrid Schmahl gibt Hinweise für erfolgversprechende Schaufensterdekorationen. Christiane Goebel erklärt, wie Chefinnen und Chefs für Teamgeist sorgen können. Michael Roesler-Graichen bespricht den "Brockhaus Naturwissenschaft und Technik", den das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus und der Spektrum Akademischer Verlag gemeinsam auf den Markt gebracht haben. Nicola Bardola hat sich Bücher über Che Guevara angeschaut - im Juni feiert die revolutionäre Welt Ches 75. Geburtstag. Unter dem Titel "Große Pläne - kleine Schritte" stellt Volkhard Bode den Elfenbein Verlag vor. Sabine Baumann würdigt den Verleger KD Wolf, in dessen Stroemfeld Verlag unter anderem Kafka, Trakl, Hölderlin und Klaus Theweleits "Männerphantasien" erschienen. Und Marlott Linka Fenner hat einen Nachruf auf den serbischen Schriftsteller Alexander Tisma geschrieben.
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