Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 25 von 33

Die Buchmacher vom 02.02.2003 - Börsenblatt

Elke Heidenreich startet eine neue Büchersendung im ZDF. "Lesen" soll sie heißen; am 30-minütigen Piloten wird zurzeit gearbeitet. Darin "wird es einen Beitrag über den US-Autor Richard Ford geben, verriet Heidenreich jetzt in einem Spiegel-Interview. Während das ZDF sich noch zurückhaltend gibt, rührt Heidenreich bereits kräftig die Werbetrommel: Stargast im Studio und Starthelfer ihres TV-Comebacks soll Entertainer und Büchernarr Harald Schmidt sein."

Am 6. Februar verkündet der Börsenverein, welcher Schriftsteller den Deutschen Bücherpreis für sein Lebenswerk erhalten wird. Die Preisträger der anderen Kategorien werden erst bei der Preisverleihung am 21. März in Leipzig bekannt gegeben. Wer "Publikumsliebling des Jahres" wird, können die Leserinnen und Leser in den kommenden Wochen entscheiden.

AOL Time Warner verkauft seine Buchverlage. Die ATW Book Group ist die fünftgrößte in den USA. 320 bis 400 Millionen Dollar will der Medienkonzern "Spekulationen zufolge" dafür haben (laut buchreport will AOL Time Warner 400 Millionen kassieren, "eine Summe, die die meisten Branchenkenner für zu hoch halten"). Bei 320 Millionen Dollar lag 2001 auch der Umsatz der Verlage. "Mit dem Verkauf versucht AOL Time Warner, den auf 26 Milliarden Dollar aufgelaufenen Schuldenberg abzubauen." Als Kaufinteressen gelten Bertelsmann (Random House) und die News Corporation (HarperCollins-Gruppe).

Die Eichborn-Mitarbeiter hatten den Aufsichtsrat in einem offenen Brief gebeten, den kaufmännischen Geschäftsführer Matthias Kierzek ab- und durch Vertriebsleiter Andreas Horn zu ersetzen. Daraus wurde bekanntlich nichts; Horn leitet Eichborn nun zusammen mit Ex-Rowohlt-Geschäftsführer Peter Wilfert. Im Interview mit dem Börsenblatt sagt Kierzek, von der Forderung der Belegschaft habe er "nur aus der Presse erfahren". Und weiter: "Sicher bin ich durch die Misserfolge angreifbar geworden. Und ich weiß, wo ich zu Recht Verantwortung trage. Aber ich weiß auch, was ich für das Haus geleistet habe und was es vielleicht auch mir schuldet. Ich freue mich sehr, dass ich mit Peter Wilfert jemanden an meiner Seite habe, der das Unternehmen mit mir in die Zukunft führt." Wilfert, der sich nicht als "Sanierer" sieht, betont, dass kein Programmsegment zur Disposition stehe. "Überprüft wird nur der Umfang." Zum Fortgang des Schriftstellers Walter Moers sagt Kierzek: "Moers war einmal das Herzstück des Verlags, ohne ihn gäbe es Eichborn heute nicht mehr, und es schmerzt mich, ihn verloren zu haben. Aber ich sage mir auch: Seien wir doch glücklich, ihn 18 Jahre lang bei uns gehabt zu haben. Es ist das gute Recht einen Autors, sich andere Optionen offen zu halten." Moers war dem früheren Eichborn-Programmchef Wolfgang Ferchl zu Piper gefolgt.

In der Rubrik "Debatte" geht es um die Frage, ob der Buchverkauf auf der Frankfurter Buchmesse gestattet werden sollte - ein brisantes Thema in einer Branche, die mit jedem Cent rechen muss. Heinrich Riethmüller, Chef der Osianderschen Buchhandlung in Tübingen, sagt Nein. Begründung: "Der Messeverkauf schadet dem Sortimentsbuchhandel. (...) Viele aktive Sortimenter machen Werbung für das Bücherspektakel, organisieren Fahrten für Kunden nach Frankfurt und spüren eine deutliche Belebung des Geschäfts in ihren Buchhandlungen während der Messezeit. Und jetzt sollen diese Aktivitäten zu einer Art Schnäppchen-Omnibusfahrt mutieren, sollen Sortimenter zuschauen, wie Verlage selbst das Geschäft machen?" Die Gegenposition vertritt ebenfalls ein Buchhändler, Michael Lemling von der Frankfurter Buchhandlung Carolus ("drei U-Bahn-Stationen von der Messe entfernt"). Er befürchtet nicht, dass seine Kunden ihr Geld nicht mehr in seinen Laden tragen: "In der dichten Atmosphäre der Messe entsteht eine Begehrlichkeit nach Büchern und eine Kauflust, die unbefriedigt auf dem Nachhauseweg verloren geht. (...) Es geht kein Kunde zur Buchmesse und schreibt sich auf, was er begehrt und am nächsten Tag in einer Buchhandlung unbedingt kaufen muss."

Lektoren sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. "Mit dem Verkauf von Traditionsverlagen wie Fischer oder Rowohlt und der allmählichen Ablösung der Verlegerpersönlichkeiten alten Schlags durch eine neue Management-Generation setzte die Entwicklung vom traditionellen literarischen Lektor zum modernen Produktmanager ein", schreibt Nils Kahlefendt. Die Lektorin Katharina Raabe, die den serbischen Schriftsteller Bora Cosic zu Rowohlt Berlin holte, konnte dessen "Zollerklärung" dort nicht mehr durchsetzen - McKinsey. Raabe kündigte, wurde freie Lektorin und kümmert sich heute "von Berlin aus für Suhrkamp um Themen und Autoren aus Osteuropa". "2001 erschien 'Die Zollerklärung' schließlich in der Edition Suhrkamp; im Frühjahr 2002 wurde Cosic - nicht zuletzt für dieses Buch - mit dem renommierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt." Rüdiger Dammann, früher Sachbuchlektor bei Rowohlt Berlin, hat mit seiner einstigen Verlagsleiterin Ingke Brodersen eine Agentur gegründet. Er sagt über den Beruf des Lektors: "Wir sind nötig, als Ideen-Bringer und -Verwirklicher. Ich glaube, dass das Pendel auch wieder zurückschlägt, dass einige Verlage diese Kompetenzen wiedererlangen wollen - ja müssen. Irgendwann hat es sich ausgemarketingt." (Hier der Link zum Verband freier Lektoren.)

Holger Wolandt bespricht das Buch "Der Buchhändler aus Kabul" der norwegischen Journalistin Asne Seierstad. Der Dokumentarroman erzählt von dem Buchhändler Mohammed Schah (im Buch: Sultan Khan) und dessen Familie, bei der Seierstadt fünf Monate lebte. "Bereits das erste Kapitel führt den Leser mitten hinein in familiäre und gesellschaftliche Konflikte: Der schon etwas in die Jahre gekommene Sultan Khan ist auf der Suche nach einer zweiten Frau, in Afghanistan eine Statusfrage. Für die Brautwerbung ist die weibliche Verwandtschaft des Bräutigams zuständig - aber diese schätzt Sultans erste Frau Sharifa, eine Persischlehrerin, und weigert sich, ihm zu helfen. Wie es Sultan gelingt, das Problem zu lösen, liest sich ebenso spannend wie seine täglichen Geschichten in der afghanischen Hauptstadt."

Weitere Beiträge: Nils Kahlefendt stellt die äußerst aktive Buchhändlerin Karla Tentrup-Klein vor, die in ihrer Buchhandlung in Sangerhausen mit Koch-Ecke, Halloween-Party und Vorlesewettbewerb auf sich aufmerksam macht. Sabine Schwietert berichtet über Stadtmarketing-Projekte, mit denen Kunden in die Innenstädte (statt in Shopping-Zentren außerhalb der Zentren) gelockt werden sollen. Natürlich engagieren sich auch Buchhändler in Stadtmarketing-Vereinigungen: "Ebenso wie jedes Einkaufszentrum brauchen auch die Innenstädte ein Marketing, um sich gegenüber der Konkurrenz auf der grünen Wiese zu behaupten", zitiert Schwietert den Vorsteher des Börsenvereins, Dieter Schormann. Nicola Bardola berichtet von der Spielwarenmesse in Nürnberg (hier nur ein wenig mehr). Stefan Hauck dokumentiert Ausschnitte aus einer Podiumsdiskussion zur Frage, was in der Schule gelesen werden sollte. Ursula Escherig porträtiert die Verlegerin Susanne Schüssler, die seit nunmehr einem Jahr zusammen mit Nina Wagenbach den Wagenbach-Verlag leitet. Und Michael Roesler-Graichen schreibt über die Übersetzerin Maria Carlsson, die für ihre Übersetzung des Romans "Gertrude und Claudius" von John Updike den Braem-Preis erhalten hat. Ihr Rezept für eine Übersetzung, die den Ton des Autors trifft: "Man muss sich selbst vergessen, man muss durchlässig werden - die Sprache des Autors durch sich hindurchfließen lassen."

Die Buchmacher vom 28.01.2003 - Börsenblatt

Das Börsenblatt bemüht sich in der Bewertung der Buchmessen-Debatte um eine ausgewogene Position: "Volker Neumann hat mit seiner Frage nach einem anderen Standort an ein Tabu gerührt, gleichsam das Unmögliche gedacht und ausgesprochen. Das muss erlaubt sein - um der Frankfurter Buchmesse willen", schreibt Chefredakteur Hendrik Markgraf im Editorial. "Und siehe da: Der Sturm, den er entfachte, hat Wirkung gezeigt: Die Stadt bewegt sich". Endgültig vom Tisch ist die Frage "München oder Frankfurt?" jedoch nicht. Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann: "Die Zeit für eine Standortdiskussion ist noch nicht reif. Die Heftigkeit der Diskussion zeigt, wie sehr der Standort Frankfurt in den Köpfen und Herzen verankert ist." Ein längerer Artikel im Heft beschäftigt sich mit Neumanns Reformplänen. Darin geht es unter anderem auch um die Frage, ob den Verlagen erlaubt werden soll, am Messemontag Bücher zu verkaufen. Eine Umfrage des Börsenblatts zeigt, dass Buchhändler eher dagegen und kleine Verlage sehr dafür sind (weil sie in vielen Buchhandlungen gar nicht vertreten sind). Größere Verlage sitzen da ein wenig zwischen den Stühlen. Aufbau-Verleger Bernd F. Lunkewitz sagt, man müsse ein solches Experiment wagen, dabei aber prüfen, ob sich dies negativ auf den Buchhandel auswirke. "Andere Messen haben gezeigt, dass das Sortiment von der Messe profitiert. Der Trend geht zum Zweitbuch, und das wird in der Buchhandlung gekauft."

Die Online-Auktionsbörse eBay hat zugesagt, künftig Angebote aus dem Netz zu nehmen, die gegen das Buchpreisbindungsgesetz verstoßen. Eine entsprechende Vereinbarung haben Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels und eBay getroffen. "Auch die Namen der jeweiligen Anbieter werde das Unternehmen nennen und auf diese Weise ein Abmahnverfahren ermöglichen, teilte Wallenfels mit."

Der Schriftsteller und Zeichner Walter Moers hat seinen zehnprozentigen Anteil an der Eichborn AG verkauft. Moers war dem bisherigen Eichborn-Programmchef Wolfgang Ferchl zum Piper Verlag gefolgt. Neuer Eigentümer der zehn Prozent ist die Fuldaer Verlagsagentur (FVA), die nun 41,4 Prozent der Eichborn-Anteile hält. "Die FVA war früher im Besitz von Eichborn-Vorstand Matthias Kierzek und gehört seit dem vergangenen Jahr mehrheitlich Ludwig Fresenius, Aufsichtsrat des Instituts Fresenius in Taunusstein bei Wiesbaden. (...) Sollte sich Fresenius auch für das Eichborn-Aktienpaket der insolventen Kieler Achterbahn AG (33,2 Prozent) interessieren, könnte er bald Mehrheitseigner sein."

Die Buchkette Thalia wird nun doch nicht versuchen, die Verlage finanziell an ihren sieben regionalen Einkaufsbörsen zu beteiligen. 200 Euro hätten pro Veranstaltung kassiert werden sollen. "Ganz vom Tisch ist das Thema aber nicht. Bei den Jahresgesprächen, die ab Mitte Februar anstehen, wird wohl auch über die Kostenbeteiligung verhandelt." Die Einkaufsbörsen sollen Vertreterbesuche ersetzen; sie finden in diesem Jahr zum ersten Mal statt.

Weitere Meldungen: Der Vier-Türme-Verlag der Abtei Münsterschwarzach hat nach eigenen Angaben ein Umsatzplus von rund zehn Prozent erzielt. Die Lübecker Buchhandlung Weiland öffnet ihre Filiale in Hannover nicht schon im Frühjahr, sondern erst im Herbst. Die von der Bundesregierung geplante Anhebung der Mehrwertsteuer auf Kombiprodukte (z.B. Buch plus CD-ROM) ist "erst einmal vom Tisch".

Aus der Sicht des Schriftstellers zeichnet Joseph von Westphalen den Weg von der Idee zum Buch nach. Zunächst trifft sich der Autor mit dem Chef seines neuen Verlags "und erzählt ihm, was man zu schreiben gedenkt. Man schaukelt sich hoch. Die Augen leuchten. Zwei Menschen träumen vom Sieg. Hunderttausende werden das Buch verschlingen. Das Feuilleton wird sich verneigen. Besonders schön träumt es sich, wenn das Buch noch nicht geschrieben ist." Wenn es dann allerdings ums Geld geht, fragt sich der Autor, "ob man nicht doch besser einen Agenten hätte nehmen sollen. Dann könnte man jetzt pinkeln gehen, und wenn man zurückkäme, hätten die Herren sich vielleicht auf eine halbe Million geeinigt. Mark natürlich." Dann die Arbeit, dann das Misstrauen, ob das Buch dem Verlag wirklich gefällt, dann die Erleichterung, als es bei der Vertreterkonferenz gut ankommt. Schließlich erscheint "Der Liebessalat". "Mit ist matt zumute. Denn nirgendwo ist was vom 'Buch der Saison' zu lesen. 'Endlich wissen wir, was uns gefehlt hat, ein Buch über den Wahnsinn der Liebe.' Warum schreibt das keiner?" Immerhin: "Drei Leser, junge erfreulicherweise, schreiben mir, das Buch sei 'heftig' und habe ihr Leben verändert. Vielleicht wird einer von ihnen Großkritiker, holt mich in 30 Jahren aus der Versenkung, feiert mich als 'damals seiner Zeit voraus', Nachauflagen werden gedruckt und meine Altersversorgung ist gesichert."

Christoph Schröder würdigt den großen Zeichner Chlodwig Poth, dessen Autobiographie "Aus dem Leben eines Taugewas" im Herbst bei Ullstein erschienen ist. Wegen einer 1999 diagnostizierten Netzhauterkrankung kann Poth nur "mit Hilfe einer speziellen Apparatur" zeichnen, "die einzelne Bildausschnitte für die Bearbeitung vergrößert: 'Ich musste neu lernen, zu arbeiten', sagt Poth." Zurzeit schreibt er an einer Erzählung, "der Beschreibung einer Reise, die er gemeinsam mit seiner Frau unternommen hatte. Ein 'komisches Buch', wie er sagt, denn 'Humor ist nur bedingt der Mode unterworfen'."

Nils Kahlefendt schreibt über die Dresdner Buchhandlung Buch & Kunst - das erste ostdeutsche Unternehmen, das eine westdeutsche Buchhandelsgruppe übernimmt. Sybille Fuhrmann spricht mit Claus Sprick, dem Präsidenten den Europäischen Übersetzer-Kollegiums. Sprick erzählt von der Bibliothek des Kollegiums im niederrheinischen Straelen: "Von dort aus gehen sternförmig 29 Apartments ab, in denen Übersetzer für die Dauer ihres Aufenthalts kostenlos wohnen können. Die Bibliothek ist immer offen, die Übersetzer haben rund um die Uhr Zugriff auf 110.000 Bände".

Andreas Trojan stellt Sachbücher aus den Frühjahrsprogrammen der Verlage vor. Und Sebastian Domsch schreibt über Buch-Rezensionen im Internet (und weist auf das Innsbrucker Zeitungsarchiv hin). An rein internetbasierten Angeboten nennt Domsch literaturkritik.de, wortlaut.de und das Buchmagazin des Literaturhauses Wien, außerdem Seiten, auf denen "so gut wie jeder jedes noch lieferbare Buch" besprechen darf, etwa Carpe Librum und literaturcafe.de. Besprechungen von Lesern seien vor allem für Online-Buchhändler interessant. "Schließlich kann das Urteil der Kunden als Verkaufsargument eingesetzt werden. Amazon.de etwa hat die Leserrezensionen in der jüngsten Zeit zu einem Nebenschauplatz der Literaturkritik ausgebaut", so Domsch. "Hat der Kunde von Amazon einmal ein bestimmtes Buch ausgewählt, kann er allerdings nicht nur auf Kundenbewertungen, sondern auch auf Literaturkritiken zugreifen. Geboten wird ein redaktionell betreuter Content, der sich aus Buchbesprechungen von Amazon-Redakteuren und freien Mitarbeitern, aber auch aus Kritiken anderer Quellen zusammensetzt. Dazu gehören etwa die Notizen der Website Perlentaucher.de, aber auch ganze Rezensionen aus der Neuen Zürcher Zeitung oder dem Spiegel."

Die Buchmacher vom 20.01.2003 - Börsenblatt

Nun hat auch das Börsenblatt eigene Bestsellerlisten: Es sind die Listen aus dem Focus, die von Media Control ermittelt werden. Damit konkurrieren nun Börsenblatt und Focus mit ihren Listen gegen die Charts bei buchreport und Spiegel (anders als das Börsenblatt ermittelt der buchreport die Spiegel-Listen allerdings selbst). Ein kurzer Vergleich der Listen zeigt, dass die Belletristik-Titel auf den Plätzen eins bis zwölf dieselben sind - nur in einer anderen Reihenfolge (immerhin sind die Plätze eins bis drei identisch). Die Sachbuch-Listen weichen deutlich stärker von einander ab: Der Duden, der beim Focus auf Platz sechs steht, wird in die Spiegel-Liste nicht aufgenommen (hier steht, warum das so ist). Auch Kochbücher haben auf der Spiegel-Liste nichts verloren; beim Focus dagegen steht eines auf Platz neun. Platz eins ist auf beiden Listen gleich, die Plätze zwei bis fünf laufen jeweils in umgekehrter Reihenfolge.

Der insolvente Achterbahn Verlag soll an den bisherigen Verlagsleiter Christian Dreller und an den Oldenburger Lappan Verlag verkauft werden. Unklar ist offenbar noch, ob die "Werner"-Bücher auch von Lappan übernommen werden können. "Mit dem Zukauf erzielt Lappan einen Umsatzzuwachs von etwa einer Million Euro (ohne 'Werner') und rund das Doppelte, wenn 'Werner' mitwechselt. Lappan erwirtschaftet mit 20 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. fünf Millionen Euro."

Ähnlich läuft es bei Baumhaus. Die erst Ende 2002 gegründete Baumhaus Buchverlag GmbH hat das gesamte Verlagsgeschäft der insolventen Baumhaus Medien AG gekauft. "Gesellschafter des neuen Unternehmens sind unter anderem die Verleger des Leipziger Kinderbuchverlags (Leiv) Arne Teutsch, Christine Paxmann und Steffen Lehmann sowie die Familie von Baumhaus-Chef Bodo Horn-Rumold."

Weitere Meldungen: Philip Roth wird am 19. März 70; aus diesem Anlass werben die Verlage Hanser, Rowohlt Taschenbuch und der Hörverlag gemeinsam. Roths neuer Roman "Das sterbende Tier" erscheint im Februar bei Hanser. Und Thalia hat im vergangenen Jahr flächenbereinigt einen Umsatzverlust von 0,2 Prozent verbucht. Um zu rationalisieren, will Thalia Vertreter künftig nicht mehr in den einzelnen Filialen, sondern auf sieben regional-zentralen Einkaufsbörsen empfangen.

Sabine Cronau schreibt über ein Zusatzgeschäft, das einige Verlage längst nutzen: Sie produzieren Bücher als Giveaways für Versicherungen, Banken, Versandhäuser oder andere Großunternehmen. Bei Mairs Geographischer Verlag etwa sind allein drei Mitarbeiter mit der Entwicklung von Produkten für Industriekunden beschäftigt. Beim Ratgeberverlag Gräfe und Unzer gehören zu den auflagenstärksten Aufträgen zwei kleine Weinführer, die kostenlos einem Spülmaschinenmittel beilagen. Durch die Wirtschaftsflaute wird der Markt allerdings kleiner. Und eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu: "Wer bei den großen Konzernen einen Auftrag unter Dach und Fach bringen will, muss sich erst einmal den Weg durch das Dickicht der Unternehmenshierarchien bahnen, bis er endlich den richtigen Ansprechpartner gefunden hat", schreibt Cronau.

Interview mit Friedrich-Karl Sandmann, der seinen Verlag Zabert Sandmann unlängst von Ullstein Heyne List zurückkaufte. Nicola Bardola fragt Sandmann, ob die Bereitschaft von Springer, die Mehrheitsanteile an Zabert Sandmann wieder an den Verleger zurückzugeben, ein Signal für die Auflösung der Springer-Gruppe Ullstein Heyne List sei. Antwort: "Das hat mich wirklich nie interessiert. Mir ging es einzig darum, wieder die verlegerische Unabhängigkeit zu erlangen. Zabert Sandmann ist ein profitabler Verlag. Dass Springer ihn verkauft hat, kann ein Indiz dafür sein, wohin die Reise geht."

"Senioren" - gemeint sind Leute über 50 - wünschen sich ihre Buchhandlung übersichtlich und gemütlich. Auf eine ausführliche Beratung legen sie keinen gesteigerten Wert. Das hat der Börsenverein in einer Studie über "Woopies" (well-off older people) herausgefunden. Zur Gemütlichkeit gehört auch "die Möglichkeit, sich ausruhen und ungestört schmökern zu können". Je älter der Leser, desto mehr achtet er auf die Größe der Schrift. Ansonsten sind die Alten bescheiden: "Die Senioren sind (...) mit einer einfachen Gestaltung der Ruhezonen zufrieden: Einen besonderen Komfort, etwa Ablagemöglichkeiten für Einkaufstaschen oder Lesebrillen, erwarten sie nicht." Ob nach Parkplätzen für Omis Hackenporsche gefragt wurde, schreibt das Börsenblatt leider nicht. Ebenso wenig erfahren wir, ob und inwieweit Kaufverhalten und Ansprüche der älteren Kundschaft von Kaufverhalten und Ansprüchen der jüngeren Kunden abweichen.

Auf den Meinungsseiten geht es um die Frage, ob eine Buchhandlung Topseller stapeln oder "ihrem Anspruch treu" bleiben sollte. Anita Calvi, Inhaberin der Mainzer Ketteler-Buchhandlung (die einen theologischen Schwerpunkt hat), beginnt ihren Beitrag mit der Bemerkung: "Nein, eine Buchhandlung muss nicht alles tun, um Kunden zu binden." Und endet mit dem Hinweis: "Der 'Bohlen' wurde bei mir kein einziges Mal verlangt oder bestellt. Hätte ich darauf gebaut, wäre das Weihnachtsgeschäft für Ketteler wohl schlechter gelaufen." Ilona Rehme, Mitinhaberin der Buchhandlung Hellmuth Rehme in Bad Oldesloe, startet genau da, wo ihre Kollegin aufgehört hat: "Es ist noch nicht allzu lange her, da ist im Börsenblatt ein Artikel über den 'Umsatzbringer Bohlen' erschienen, der heftige Leserreaktionen ausgelöst hat. Ein Schreiber wollte gar 'seinen geliebten Beruf an den Nagel hängen. Und sich selbst gleich dazu'. Kurzzeitig war ich versucht, dem Kollegen zumindest verbal das nötige Werkzeug als Geschenk anzubieten."

"Den glamourösen Dandys der Generation Golf, den schreibenden Popstars, Blechtrommlern und Fräuleinwundern weht der Wind eisig ins Gesicht", schreibt Ulrich Rüdenauer. In den Verlagsvorschauen für den Frühjahr beobachtet Rüdenauer eine Rückkehr zu großen Namen. Und nennt dann einige: von Jose Saramago ("Die portugiesische Reise", Rowohlt) und Hans Magnus Enzensberger ("Die Geschichte der Wolken", Suhrkamp) bis Judith Hermann ("Nichts als Gespenster", Fischer) und Frank Goosen ("Pokorny lacht", Eichborn). Und da merkt der Leser: Es geht gar nicht um die großen Namen, es war bloß eine nicht ganz passende Einleitung zu einer Auswahl aus den vielen literarischen Neuerscheinungen.

In längeren Artikeln geht es um die Mayersche Buchhandlung, die über Nordrhein-Westfalen nicht hinauswachsen will, um die Frage, wie ein Verlag in die Zeitung kommt (nämlich durch individuelle Ansprache und persönliche Kontakte), um die Tollen Hefte, die 2001 in der Büchergilde erscheinen und nach wie vor von dem Verlagsvertreter Armin Abmeier herausgegeben werden. Schließlich stellt Michael Roesler-Graichen Agenturen vor, die redaktionelle Angebote für Buch-Websites entwickeln; vor allem Literaturtest.de mit dem Schwerpunkt Fachbuch, aber auch die Buchmaschine des Perlentauchers und den auf Wirtschaftstitel spezialisierten Service getAbstract.

Die Buchmacher vom 13.01.2003 - Börsenblatt

Der neue Eigentümer der fünf Baedeker-Buchhandlungen, die Dresdner Buchhandelskette Buch & Kunst, will "die Wirtschaftlichkeit" seiner Neuerwerbung "schnell wieder herstellen". Denkbar seien etwa Sortimentsveränderungen oder Umgestaltungen der Verkaufsräume, sagt der Einkaufsleiter von Buch & Kunst, Tom Kirsch. 150 der 170 Mitarbeiter seien übernommen worden. "Rationalisierungseffekte würden sich vor allem im Einkauf und in der Logistik ergeben", schreibt das Börsenblatt. Die Sutter-Gruppe habe sich nach Angaben ihres Geschäftsführers Christian Sutter aus wirtschaftlichen Gründen von den Buchhandlungen in Essen, Mülheim an der Ruhr, Neuss und Oberhausen getrennt.

Buch & Kunst gehört seit zwei Jahren zu 55 Prozent der Beteiligungsgesellschaft Barclays Private Equity. Angesichts der zahlreichen Verkäufe werde der Einstieg von Beteiligungsgesellschaften in Unternehmen der Medienbranche künftig vermutlich zunehmen, schreibt Sybille Fuhrmann. Christian Stahl von der Private Equitiy und Venture Capital-Baratungsgesellschaft Apax Partners nennt Gründe: "Ein struktureller Umbruch stehe an, die Entwicklung von neuen Vertriebsformen erfordere Investitionen, der Wettbewerb steige bei gleichzeitig sinkenden Auflagen. Hinzu komme, dass sich in vielen Unternehmen die Nachfolgefrage stelle." Druck komme auch von außen, schreibt Fuhrmann weiter: Basel II sehe höhere Eigenkapitalquoten vor. Für Beteiligungsgesellschaften seien vor allem Fachverlage wie BertelsmannSpringer interessant. Publikumsverlage weniger. Fuhrmann zitiert Libri-Chef Markus Conrad: "Investoren wollen sich traditionell nicht um ihre Beteiligungen kümmern, aber sie wollen Planbarkeit. Und es gibt kein schlechter planbares Business als einen Publikumsverlag, der im Wesentlichen von der Verlegerpersönlichkeit abhängt".

Boris Langendorf will der Branche keine falschen Hoffnungen machen: Zwar sei die Stimmung so schlecht und der Konsum so schwach, dass es eigentlich bald Nachholbedarf geben müsste. Doch gebe es Faktoren, die dagegen sprechen: Angst vor einem Krieg in Nahost, maue Exportentwicklung, Weltkonjunktur. "Doch auch wenn Nachholbedarf entsteht, wird er sich nicht darauf richten, den Konsumstand von vorher wieder herzustellen. Die Kunden haben ihre Wunschvorstellungen geändert. Das Streben nach Besitz tritt zurück; dafür verleitet die Sucht nach Erlebnissen vielfach zu bedenkenlosem Geldausgeben. Siehe etwa die Preise für den Besuch eines Musicals." Das Pfund für den Buchhandel sieht Langendorf in einem Zitat des früheren Douglas-Chefs Jörn Kreke, mit dem dieser die Übernahme des Buchzweigs in die Kernsparten seines Konzerns begründete: "Bücher sind Lifestyle pur." Und zum Glück gebe es noch viel "firmenindividuellen Optimismus". Sein Fazit: "Es gilt, die Tendenzen im Umfeld und die Stimmung der Kunden genau zu verfolgen und jede Aussage darauf abzustimmen. Wenn das hilft, das Buch wieder mehr ins Zentrum der Kundenwünsche zu rücken, dann wird der Buchhandel auch gelassener beobachten können, ob der generelle Aufschwung nun für Sommer oder Herbst, für das nächste Jahr oder noch später verheißen ist."

Stephan Draf, Kulturredakteur beim Stern, plädiert dafür, das Feuilleton für die Bücher jener Autoren zu öffnen, die der gebildete Leser "zur Entspannung" konsumiert. "Was spräche dagegen (...) nachzuschauen, ob im neuesten Grisham denn auch wirklich genug Cliffhanger drin sind? Oder aus den Stapeln der historischen Romane einen gut recherchierten, auf jeden Fall spannenden Roman herauszuziehen - jede Menge 08/15-Leser würden es einem danken. Vor allem aber: Es würde helfen, das Bild vom Rezensenten im Elfenbeinturm aufzuweichen. Das Image nämlich stellt uns in die Ecke, und mit uns die schönen, die schwierigen Bücher." Dagegen meint Hubert Spiegel, Literaturchef bei der FAZ, Literaturkritik sei mehr als eine "Serviceleistung für die breite Masse". Er vergleicht die Rezension eines Gedichtbandes mit der breiten Berichterstattung für den Maybach, dessen Verkaufszahl "im nächsten Jahr" (gemeint ist vermutlich das laufende Jahr) bei 1.000 Exemplaren liegen solle. Erstaunlicherweise, so Spiegel, habe sich niemand "über das eklatante Missverhältnis zwischen der ausufernden Berichterstattung und der verschwindend kleinen Zielgruppe ereifert. Niemand hat den Motorjournalisten vorgeworfen, sie säßen in einem fahrbaren Elfenbeinturm. (...) Seltsamerweise werden all diese Vorwürfe jedoch immer wieder gegen die Literaturkritik erhoben." (Erstaunlich oder seltsam ist das allerdings nicht.) Der Kritiker, meint Spiegel, müsse unterscheiden "zwischen den Interessen und Erfordernissen des Marktes und denen der Leser, denn diese sind keineswegs identisch. Wären sie es, die Buchpreisbindung, die Backlist der Verlage, der einzigartige Lieferservice des deutschen Buchhandels und die große Beratungskompetenz in den Buchhandlungen des Landes gehörten längst der Vergangenheit an. Und auch die Literaturkritik wäre ausgestorben."

Weitere Meldungen: Aus dem Konkurs heraus versucht die österreichische Handelskette Libro einen Neuanfang als Libro Nuevo. Die französische Verlagsgruppe Vivendi Universal Publishing, die seit kurzem der Groupe Lagardere gehört, ist in Investima 10 umbenannt worden. Die Osiandersche Buchhandlung (Tübingen) übernimmt zum 1. März die Konstanzer Buchhandlung Gess und erhöht die Zahl ihrer Niederlassungen damit auf zehn.

Außerdem schreibt Regine Meyer-Arlt, dass es für Buchhändler sinnvoll sei, sich in Einkaufsgenossenschaften zusammen- bzw. einer solchen anzuschließen. Verlagsberater Dieter Banzhaf gibt Tipps, wie das Verlagsjahr - und darin vor allem die Konferenzen - optimal organisiert wird bzw. werden. Holger Heimann porträtiert das Verlagshaus Patmos, das sich ein neues Corporate Design verpasst hat. Sebastian Domsch widmet sich dem E-Book, dass fast schon totgesagt war. Doch: "Für einen Abgesang auf das digitale Buch ist es sicherlich zu früh. Um zu florieren, muss der E-Book-Markt in Zukunft sowohl allgemeiner als auch spezieller werden. Eine wichtige Tendenz zu einer sinnvollen Nutzung digitaler Bücher ist die Öffnung der Formate." Abhilfe schaffen will ein E-Book-Portal der Firma Kreutzfeldt Electronic Publishing.

Bei Hugendubel sind Nina Hugendubel (31, Vertrieb und Marketing) und Maximilian Hugendubel (34, Verwaltung und Finanzen), Tochter und Sohn von Heinrich Hugendubel, in die Geschäftsleitung der Buchhandlung eingetreten. Anlass für das Börsenblatt, ein Porträt des 66-jährigen Chefs zu bringen. Hugendubel senior will langsam loslassen, zunächst vielleicht aus der Geschäftsführung in den Beirat wechseln. Seine "heimliche Liebe" sei bis heute das Antiquariat, schreibt Hendrik Markgraf, seine Lieblingsbuchhandlung die von Regina Moths am Münchner Isartorplatz; "oft steht er davor, betrachtet die sorgfältig und wohl durchdacht angeordneten Bücher. 'Es ist faszinierend, in eine Buchhandlung zu kommen, in der völlig anders Buchhandel betrieben wird als bei uns. Gott sei Dank gibt es das noch.'"

Die Buchmacher vom 06.01.2003 - Börsenblatt

Neues Jahr, neues Börsenblatt. Farbiger ist das Heft, "weniger Ausgewogenheit, mehr Spannung" soll drin sein, schreibt Chefredakteur Hendrik Markgraf im Editorial; das Magazin des Börsenvereins will jetzt auch äußerlich kein Verlautbarungsorgan mehr sein. Neue Rubriken sollen das "börsenblatt" - es schreibt sich nun mit kleinem "b" - übersichtlicher machen: Markt, Management, Medien, Menschen heißen die Rubriken, und Debatte, Börsenverein, Service sowie Wochenschau. Letztere ist vom privaten Konkurrenzblatt Buchreport abgekupfert, der diese Rubrik bei seinem jüngsten Re-Relaunch eingeführt hat. Und noch etwas hat sich beim Börsenblatt verändert: Er erscheint nur noch einmal pro Woche, donnerstags. Insgesamt macht das neue Börsenblatt einen sehr guten Eindruck: Wie eine richtige Zeitschrift sieht es jetzt aus. Vor allem auf der letzten Seite: Der Rausschmeißer ist eine Karrikatur von Greser & Lenz. Auch der Internetauftritt ist neu. Die Artikel des Heftes sind dort jedoch leider nicht zu finden.

Unter dem Stichwort "Zahl der Woche" weist das Börsenblatt darauf hin, dass nicht Dieter Bohlens Bekenntnisse oder Jonathan Franzens "Korrekturen" der Top-Seller des vergangenen Jahres war. Sondern die Bibel. "Allein die Deutsche Bibelgesellschaft (die auch eine Online-Bibel anbietet), die Verlage Katholisches Bibelwerk (ebenfalls mit Online-Bibel), Brunnen und Herder haben zusammen mehr als 600.000 Exemplare abgesetzt. Dieses Jahr greift Bohlen mit seiner zweiten Lebensbeichte an. Wahrscheinlich wieder ohne Chance gegen die Heilige Schrift. 2003 ist das Jahr der Bibel. Das sagt schon alles."

Im Kommentar erklärt Sigrid Löffler, Leselisten seien Schwachsinn: "Jede Art von Bücherliste, auf der verzeichnet ist, was der Gebildete gelesen haben muss, sei eine Form von höherem Schwachsinn. Das stellte Hermann Hesse schon 1927 fest." Der aktuelle Drang zur Kanon-Setzung missfällt der Literaturen-Chefredakteurin: "Der autoritäre Gestus ist so unüberhörbar wie aufdringlich, hinter der lesepädagogischen Drohgebärde stecken unverhohlen diktatorische Gelüste. (...) Der Verdacht drängt sich auf, dass manche Zeitgenossen vielleicht nur von irgendeiner Instanz bestätigt bekommen wollen, wie unzählig viele Bücher sie ohne Skrupel weglassen und sich trotzdem noch gebildet fühlen dürfen. (...) Wer einen Kanon dekretieren will, ohne die Macht zu haben, ihn durchzusetzen, macht sich lächerlich. Und niemand hat heute mehr die Macht, einen Kanon zu dekretieren, nicht die Schule oder Hochschule, nicht die Kirche und erst recht nicht die Medien und ihre Lautsprecher." Dennoch existiere "der wahre Kanon": Dies seien "jene Bücher, die die Dichter am Leben erhalten, indem sie sich darauf beziehen. Um das zu erkennen, muss man sie freilich erst einmal lesen."

Buchmessedirektor Volker Neumann gibt im Interview mit Hendrik Markgraf eine überraschende Einschätzung ab: "Der Deutsche, so möchte ich verallgemeinern, sieht eher das halb leere als das halb volle Glas. Erfreulicherweise ist diese Sichtweise in unserer Branche derzeit nicht verbreitet - trotz schwieriger Zeiten. (...) Sorgen bereitet mir allerdings die Entwicklung der Zeitungsverlage." Neumann hofft, dass es auch in Zukunft ausreichend Platz für das Buch im Feuilleton geben wird. Angesichts der Medienkrise warnt er die Verlage davor, die Werbeetats zu kürzen. Statt dessen sollten die Verlage "einfach nur weniger Bücher machen - nicht nur fünf oder sieben Prozent, sondern mindestens 15 oder 20".

Der Exodus bei Eichborn hält nach Informationen des Börsenblatts an. Nach Programmchef Wolfgang Ferchl (der den Zeichner und Schriftsteller Walter Moers bei seinem Wechsel an die Piper-Spitze gleich mitnahm) und Pressechefin Susanne Klein wolle "offenbar" auch der langjährige Vertriebsleiter Andreas Horn das Haus verlassen. "Hintergrund der Auseinandersetzung soll der wachsende Einfluss der Investorengruppe um den Unternehmer Ludwig Fresenius sein; die Gruppe halte inzwischen mehr als 40 Prozent an der Eichborn AG, heißt es." Die Mitarbeiter des Eichborn Verlags hatten nach einer Meldung der Süddeutschen Zeitung in einem Brief an den Aufsichtsrat gefordert, den kaufmännischen Vorstand Matthias Kierzek ab- und durch Horn zu ersetzen. "Die Mitarbeiter des Verlags dürfte ein Weggang Horns hart treffen", so das Börsenblatt.

Eine stichprobenartige Umfrage des Börsenblatts unter mehr als 40 Buchhandlungen in Deutschland hat ergeben, dass die meisten Sortimente im Weihnachtsgeschäft um rund fünf Prozent unter dem Vorjahresumsatz geblieben sind. "Große Buchhandlungen wie Thalia oder Heymann konnten nur durch die Eröffnung neuer Filialen einen Umsatzzuwachs erzielen. Dagegen wurde bei den Online-Shops der Weltbild-Gruppe etwa 40 Prozent mehr bestellt als Weihnachten 2001." Am besten verkauften sich der Umfrage zufolge "Leben, um davon zu erzählen" von Gabriel Garcia Marquez, "Die Rückkehr des Tanzlehrers" von Henning Mankell und in Ostdeutschland "Zonenkinder" von Jana Hensel.

Auch Reclam hat sich einen Imagewechsel verpasst: "Die Mehrzahl der Sachbuch-Hardcover wurde zwei neuen Reihen zugeordnet. Titel wie 'Kleine Geschichte Polens' erscheinen künftig im Format der Universalbibliothek, Nachschlagewerke wie 'Reclams Filmführer' in einer großformatigen Reihe."

Das Börsenblatt hat einige Buchmacher gefragt, wessen Geständnisse sie 2003 nicht lesen wollen. Ganz oben auf der Liste: Möllemanns mögliche Ausflüsse. Der Frankfurter Literaturagent Georg Simader schreibt: "Möllemann, Jürgen W.: 'Last exit Wörthersee'. Das will ich 2003 nun wirklich nicht lesen. Andererseits: Her mit dem Manuskript! Irgendeiner kauft's immer, vielleicht sogar für viel Geld. Ganz leise sag' ich mir dann 'Mischkalkulation, Mischkalkulation!' Und trink ein Bier am Hauptbahnhof." Nicht lieber einen Magenbitter?

Während Weltbild-Chef Carel Halff meint, Bücher müssten billiger sein, sagt Hoffmann-und-Campe-Verleger Rainer Moritz, Bücher würden schon seit Jahren unter Wert verkauft. Bei Büchern herrsche "Schnäppchenmentalität", so Moritz. Und die (das sagt Moritz allerdings nicht) nutzt nur Ramschläden wie Weltbild. Halff: "Fünf bis 15 Prozent Preisdifferenz beeinflussen die verkaufte Menge um 30 bis 300 Prozent. Das wichtigste Rationalisierungsmittel für einen Verlag ist die Erhöhung der durchschnittlich verkauften Auflage. Das wichtigste Rationalisierungsmittel für Buchhandlungen ist eine Erhöhung des Umsatzes. Der Weg dorthin führt über den Preis." Moritz: "Eine Karte fürs Marianne-Faithfull-Konzert kostete in Hamburg 30 Euro an der Abendkasse. Würde sich ein deutscher Verleger trauen, Frau Faithfulls Autobiografie zum gleichen Preis anzubieten?"

In einem längeren Artikel geht es um den Marktführer Thalia, Tochter des Douglas-Konzerns. "Gleich eine ganze Abteilung in der Hagener Douglas-Zentrale beobachtet die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Haben die Scouts ein interessantes Angebot ausfindig gemacht, braucht Könnecke nur zuzugreifen - wenn er denn will", schreibt Sybille Fuhrmann. Jürgen Könnecke führt die Buchhandelskette zusammen mit Michael Busch. Der kommt aus dem Hause Douglas; Könnecke war bis zur Fusion Chef der Hamburger Buchhandlung Thalia.

Weitere Meldungen: Bei Baedeker in Essen soll es die ersten Kündigungen gegeben haben. Der bisherige Eigentümer, die Sutter-Gruppe, wollte die fünf Buchhandlungen noch im vergangenen Jahr verkaufen, voraussichtlich an die Dresdener Buchhandelskette Buch & Kunst. Außerdem wird weiter über einen Verkauf der Springer-Verlage spekuliert: "2003 könnte mit einem großen Paukenschlag beginnen. Sollte auch Christian Strasser die lang gehegten Träume vom Verlagsimperium aufgegeben haben und nur die Verlage List und Claassen behalten wollen?", fragt Sybille Fuhrmann. Den "ganzen großen Rest" könnte dann Bertelsmann übernehmen. Weitere Themen sind der BDK Bücherdienst ("Totgesagte leben länger"), die Neue Juristische Wochenschrift, steigende Steuern, sinkende Posttarife, der CD-ROM-Markt und das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, seit 150 Jahren betreut vom S. Hirzel Verlag. Stefan Hauck schreibt über die Zusammenarbeit von Autoren und Illustratoren, Holger Heimann zeigt sich sehr begeistert über den neuen Fischer-Programmgeschäftsführer Jörg Bong ("Bong, der Eindruck verfestigt sich im Verlauf des Gesprächs, könnte ein Glücksfall für den Verlag sein") und Stefan Hauck hat mit der Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler über die Hörbuchfassung ihres Romans "Malka Mai" gesprochen (der Titel wurde von Börsenblatt und Hessischem Rundfunk zum "Hörbuch des Jahres" gewählt).

Der erste Buchreport des Jahres 2003 erscheint am 9. Januar.

Die Buchmacher vom 23.12.2002 - Börsenblatt

Das Weihnachtsgeschäft konnte das schlechte Jahr im Buchhandel nicht ausgleichen. Das war bereits am dritten Adventssamstag klar. Sowohl die Kundenfrequenz als auch der Umsatz pro Kunde gingen nach einer Umfrage des Börsenblatt zurück. Bei einigen Buchhandlungen gab es am dritten Adventssamstag ein Umsatzminus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Als Spitzentitel zeichnet sich neben Dieter Bohlens Bekenntnissen die Autobiografie von Gabriel Garcia Marquez, 'Leben, um davon zu erzählen', ab. Gefragt waren auch Elke Heidenreichs und Bernd Schroeders Buch 'Rudernde Hunde' und 'Zonenkinder' von Jana Hensel sowie die Sachbücher 'Östlich der Sonne' von Klaus Bednarz und 'Der Brand' von Jörg Friedrich. Vielerorts haben die Bestseller an Anziehungskraft eingebüßt: 'Jonathan Franzen oder Martin Walser sind durch, danach fragt jetzt kaum mehr jemand', resümiert Ursula Drescher von der Buchhandlung Neuer Weg in Würzburg." Der Trend zum Taschenbuch hält derweil an. "Wir verlieren kaum Kunden - nur kaufen diese viel preisbewusster ein. Immer mehr Kunden warten auf die billigere Taschenbuchausgabe", sagt Jürgen Borisch von Albertis Hofbuchhandlung in Hanau. Mehr hier.

Heyne Ullstein List hat seinen Umsatz bei den Hardcover-Titeln im laufenden Jahr um 35 Prozent gesteigert. Verlagschef Christian Strasser freut sich: "Damit wurden alle optimistischen Prognosen noch übertroffen." Weitere Zahlen teilte er allerdings nicht mit: Im Vorjahr hatten die Springer-Verlage einen Umsatz von 167 Millionen Euro (Hardcover und Taschenbuch), lagen beim Betriebsergebnis jedoch mit 46 Millionen im Minus.

Der Bertelsmann Buchclub ist im Weihnachtsgeschäft um fünf Prozent unter dem Vorjahr geblieben. "Das lässt für das Gesamtjahr nichts Gutes vermuten", schreibt das Börsenblatt, "erwirtschaftet doch der Club mehr als ein Drittel seines Umsatzes im Weihnachtsgeschäft."

Die Zunahme der Studierendenzahl wirkt sich nicht unmittelbar auf das Geschäft der Wissenschaftsverlage aus. Den Zuwachs an deutschen Unis um vier Prozent hatte das Börsenblatt zum Anlass für eine Umfrage bei zehn Verlagen genommen. Ergebnis: "Die Entwicklung wird zwar beobachtet, jedoch häufig mit Skepsis bewertet und bei der aktuellen Planung der Auflagenhöhe kaum berücksichtigt. (...) Schwankungen der Studentenzahlen wirkten sich auf das Geschäft mit Fachliteratur nur sehr langfristig aus, so die einhellige Auffassung; im Großen und Ganzen stagniere der Markt mit Uni-Lehrbüchern. (...) Stärker als die Auflagenzahlen beschäftigen die Programmleiter derzeit qualitative Fragen: Der Inhalt von Lehrbüchern muss der Umstrukturierung von Studiengängen und der Einführung neuer Studienabschlüsse angepasst werden."

Weitere Meldungen: "Nichts als die Wahrheit" von Dieter Bohlen kommt ins Kino. Amazon hat vom 1. November bis zum 13. Dezember weltweit 45,5 Millionen Artikel verschickt. Die Hahnsche Buchhandlung in Hannover schließt, der auf Geschichte und Pädagogik spezialisierte Verlag gleichen Namens wird weitergeführt. Außerdem beschäftigt Madeleine Schröder sich in einem Artikel mit dem Beschaffungsmanagement einer Hochschulbibliothek. Und Christina Busse stellt die Buchhandlung Th. Otto & Sohn in Bremen-Vegesack vor, die in diesem Jahr 75 Jahre alt wurde.

Die Buchmacher vom 23.12.2002 - Börsenblatt

"Dirk Refäuter wirft das Handtuch", meldet das Börsenblatt. Einen Nachfolger an der Spitze der Geschäftsführung des Süddeutschen Verlags solle es vorerst nicht geben. "Refäuters Aufgaben übernehmen die Geschäftsführer Klaus Josef Lutz und Hanswilli Jenke. Beide sind erst im Herbst als Chief Operating Officer beziehungsweise kaufmännischer Geschäftsführer zum Süddeutschen Verlag gekommen."

Beim Süddeutschen Verlag Hüthig Fachinformationen hat Geschäftsführer Johannes Gözalan mit der Restrukturierung begonnen. Der Verlag Moderne Industrie wird künftig in zwei Unternehmensbereiche aufgeteilt: Die Buchverlage plus Seminargeschäft leitet der bisherige Chef des Wirtschaftsverlags Carl Ueberreuter, Jürgen Diessl, den Zeitschriftenbereich und den Veranstaltungsdienstleister mi information center übernimmt Gözalan selbst. "Welches Fachsegment sich Gözalan als Nächstes vornehmen wird, bleibt abzuwarten."

Wir bleiben bei den Fachverlagen: Sofern das Kartellamt zustimmt, kauft die deutsche Tochter des niederländischen Konzerns Wolters Kluwer zum Jahresende die Verlagsgruppe Praktisches Wissen. Zur VPW gehören der Verlag Praktisches Wissen, der Verlag für Deutsche Steuerberater, der Verlag für Deutsche Rechtsanwälte, der Verlag für Deutsche Vermieter & Immobilien-Wirtschaft (stopp, nein, das war einmal Deutsch zuviel), der Online-Dienst steuernetz.de sowie die Mehrheit am Verlag für Controlling-Wissen.

Die US-Buchhandlung Barnes & Noble kauft mit Sterling Publishing einen der führenden amerikanischen Ratgeberverlage. Für die weltgrößte Buchkette ist dies der Einstieg ins Verlagsgeschäft. "Sterling Publishing hält rund 4.500 lieferbare Titel in der Backlist. Pro Jahr werden 1.000 Neuerscheinungen veröffentlicht." Der buchreport zitiert den früheren ABA-Chef Ed Morrow mit den Worten "Für Fälle wie diesen wurden Kartellgesetze eingeführt".

Der November ergab ein Umsatzminus von zwei Prozent. Vorläufiges Fazit 2002: "Acht von elf Monaten mit rückläufigen Umsätzen, ein einziges Plus - im Juli - und zweimal Stagnation". Das sei eine Bilanz, "die sich wahrlich nicht sehen lassen kann", schreibt Christina Schulte. "Ein kleiner Trost: Im Vergleich zum übrigen Einzelhandel kommt das Sortiment nach wie vor mit einem blauen Auge davon. (...) Ob sich die Lage im kommenden Jahr endlich wieder bessern wird? Die Wirtschaftsexperten sind eher vorsichtig mit ihren Prognosen. Die Optimisten unter ihnen rechnen mit einer Phase der Stagnation, die Pessimisten schließen einen neuerlichen Abschwung nicht aus."

Weitere Beiträge: Regine Meyer-Arlt schreibt darüber, was Buchhändler sich in der Vorweihnachtszeit einfallen lassen, um ihre Kunden an sich zu binden. Und Tamara Weise stellt die Arabische Zentralbibliothek in Jerusalem vor.

Die Buchmacher vom 16.12.2002 - Börsenblatt

Nach nur zweieinhalb Jahren verlässt Club-Chef Wulf Böttger die Bertelsmann DirectGroup. Neuer Geschäftsführer des Buchclubs wird Rainer Wittenberg. "Gleichzeitig werden die Verlags- und Online-Aktivitäten der Wissen Media Group - bisher angesiedelt bei der Arvato AG - in den Club eingegliedert. Die Wissen Media Group (unter anderem Wissen.de, Wahrig, Viamundo, Chronik) ist Teil des bisher von Wittenberg geleiteten Unternehmens Inmediaone." Das Börsenblatt wollte von DirectGroup-Sprecher Rocco Thiede wissen, ob die Wissen Media Group rentabel arbeite. Dazu habe Thiede keine Stellung nehmen wollen. "Dass es schon wieder einen neuen Club-Chef gibt, dürfte nicht zuletzt auf die schwierige wirtschaftliche Lage des Unternehmens zurückzuführen sein. 'Trotz mehrerer Anläufe hat der Club den Break-even noch nicht erreicht', räumte Thiede ein."

Sind die Kunden im Weihnachtsgeschäft bereit, auch teurere Bücher zu kaufen? Eine Umfrage des Börsenblatts unter fünf Buchhändlern ergibt ein uneinheitliches Bild. Eine Buchhändlerin aus Nordhorn vergleicht das Weihnachtsgeschäft offenbar mit dem Rest des Jahres und sagt, ihre Kunden seien "ganz klar zu Weihnachten bereit, höherpreisige Bücher zu kaufen", ein Kollege aus Weil am Rhein zieht den Vergleich mit dem Vorjahresgeschäft und meint, es werde insgesamt deutlich weniger gekauft: "Bislang muss ich leider konstatieren, dass die Kunden Bücher in diesem Jahr ganz weglassen. Aber vielleicht kommt der Run ja noch." Ein Mitarbeiter der Berliner Buchhandlung Marga Schoeller berichtet: "Selbst unsere Stammkundschaft können wir nicht davon überzeugen, dass gebundene Bücher im Vergleich zur D-Mark nicht teurer geworden sind. Wir stellen deshalb eindeutig fest, dass im Weihnachtsgeschäft verstärkt Taschenbücher gekauft werden."

Weitere Meldungen: KNO hat eine Gebührenerhöhung angekündigt. Als Gründe nennt das Börsenblatt die dritte Stufe der Ökosteuer sowie allgemeine Kostensteigerungen bei Personal und Fahrzeugen. Der Heidelberger Universitätsverlag Winter gehört jetzt dem Memminger MedienCentrum. Der Kindler Verlag nimmt Krimis in sein Programm auf. Die Verlagstagung der VVA hat über Vertreter diskutiert. Silvia Werfel spricht mit Peter Stadler von der Forschungsgemeinschaft Druck darüber, wie Fehler bei der Buchbindung vermieden werden können. Frank Magdans stellt Englischlernsoftware für Kinder vor. Arne Opitz berichtet über die österreichische Praxis der staatlichen Verlagsförderung und fragt, ob dies nicht - neben Übersetzungsförderungen, Subventionen für wissenschaftliche Publikationen etc. - auch ein Modell für Deutschland wäre. Der November lief für den Buchhandel nicht so gut. Der Leipziger Verlag Militzke hat zwei neue Taschenbuchreihen im Programm. Und die Eigentumsverhältnisse beim Aufbau Verlag bleiben ungeklärt.

Die Buchmacher vom 16.12.2002 - Börsenblatt

Der niederländische Wissenschaftsverlag Elsevier Science (Reed Elsevier) hat die Holtzbrinck-Verlage Urban & Fischer und Spektrum Akademischer Verlag gekauft. "Das Verkaufspaket umfasst außerdem den medizinischen Buchversand Rothacker (München / Wien) sowie die SFG Servicecenter Fachverlage GmbH (Tübingen)." Die Kartellbehörden in Deutschland und Österreich müssten dem Deal noch zustimmen, schreibt das Börsenblatt. Mit dem Verkauf schließe Holtzbrinck nach eigenen Angaben die Fokussierung auf die deutsch- und englischsprachigen Belletristik- und Sachbuchverlage, Zeitungen, Wirtschaftsinformationen sowie englischsprachigen Wissenschafts- und Bildungsverlage ab. Seine Schulbuch- und Bildungsverlage hatte Holtzbrinck bereits im November an Westermann verkauft.

Ex-Eichborn-Programmchef Wolfgang Ferchl hat bei seinem Wechsel zu Piper den Zeichner und Schriftsteller Walter Moers mitgenommen. Moers' nächster Roman "Rumo & Die Wunder im Dunkeln" erscheint im kommenden April bei Piper. Das Börsenblatt weist darauf hin, dass Moers nicht nur einer der bekanntesten Eichborn-Autoren ist, sondern auch zehn Prozent an der Eichborn AG hält. "Ob er sich davon trennen will, ist derzeit offen. Die 32,9-prozentige Beteiligung der insolventen Achterbahn AG (Kiel) hinzugerechnet, die an eine Bank verpfändet ist, könnten möglicherweise mehr als 40 Prozent der Aktien in den Verkauf gelangen."

Möglicherweise hat die schlechte Presse die Dornier-Verlagsgruppe dazu bewogen, ihre Verlage Henschel, E.A. Seemann und Edition Leipzig nicht einfach zu schließen, sondern zuvor nach einem Käufer Ausschau zu halten. Die Entscheidung, die Frühjahrsprogramm der drei Verlage noch auszuliefern, solle Kontinuität sichern und damit die Verkaufschancen erhöhen, schreibt das Börsenblatt. Rückblickend habe die Verlagsgruppe "Fehler in der Außenkommunikation" eingeräumt, nachdem die Schließungsabsichten durch eine Indiskretion aus dem eigenen Haus öffentlich geworden seien.

Im November hatte Heyne-Ullstein-List-Verleger Christian Strasser im BuchMarkt angedeutet, wie der Erfolg des Bohlen-Buches "Nichts als die Wahrheit" organisiert wurde: "Interessant ist, dass es sich hier um eine ziemlich einzigartige gemeinschaftliche Marketingaktion handelt, die ohne die Unterstützung von Hubertus Meyer-Burckhardt und Kai Diekmann auf der Seite von Springer bzw. Bild und natürlich auch ohne Thomas Gottschalk nicht funktioniert hätte." Zumindest auf Springer und Bild wird Dieter Bohlen bei seinem nächsten Buch verzichten müssen: "Hinter den Kulissen" (Arbeitstitel) erscheint im Herbst 2003 bei dem Random-House-Verlag Blanvalet. "Der Autor [!!] sei auf die Verlagsgruppe zugekommen, es habe keine Abwerbeaktionen gegeben, stellt Random-House-Sprecher Tim Arnold klar. Ob Bild-Redakteurin Katja Kessler bei dem Schreibprozess wieder Hand anlegen wird, sei noch nicht entschieden." Zu Vorschuss und Startauflage habe Arnold keine Angaben gemacht. Der buchreport schreibt von einer siebenstelligen Garantiesumme. Das ist ja wohl auch das Mindeste.

Bildungsverlage protestieren gegen Paragraf 52a der Urheberrechtsnovelle. Dieser sieht vor, dass Schulen und Universitäten Inhalte künftig für den Unterrichtsgebrauch einscannen und vervielfältigen dürfen. "Wenn dieses Gesetz Realität wird, können die Bildungsverlage in Deutschland ihren Betrieb einstellen", erklärt der VdS Bildungsmedien. Mit einer solchen "carte blanche" würde der Primärmarkt kaputtgemacht. Zahlreiche Verleger hätten die ersatzlose Streichung des "Killerparagrafen" gefordert, ergänzt das Börsenblatt.

Weitere Meldungen: Die Mediengruppe Weka hat Schadenersatzklage gegen den Süddeutschen Verlag eingereicht. Silvia Werfel schreibt über technische Innovationen bei der Buchbindung (unter anderem über die Frage, wie vermieden werden kann, dass vielen Taschenbüchern bei ersten Lesen der Rücken gebrochen werden muss). Michael Roesler-Graichen stellt den Winklers Verlag vor, der vor 100 Jahren als Selbstverlag gegründet wurde und die Schwerpunkte Rechnungswesen, Wirtschaft und Verwaltung sowie Textverarbeitung / Tastschreiben hat. 100 Jahre alt ist auch der Reiseverlag Polyglott. Ihn porträtiert Andreas Trojan.

Dem Börsenblatt liegt die Liste der sieben besten Bücher für junge Leser bei (ermittelt von 26 Juroren im Auftrag des Deutschlandfunk): Goethes "Faust", neu erzählt von Barbara Kindermann und Klaus Ensikat (Illustrationen); "Die schwarzen Brüder" von Hannes Binder; "Perfect Copy" von Andreas Eschbach; "Das Leben ist komisch" von E. R. Frank; "Winter" von John Marsden; "Dieda oder Das fremde Kind" von Renate Welsh; und "Weihnachtsalarm", herausgegeben von Christine Knödler.

Die Buchmacher vom 09.12.2002 - Börsenblatt

Eichborn muss sich einen neuen Programmchef suchen. Der bisherige Amtsinhaber Wolfgang Ferchel wechselt zu Piper, wo er "voraussichtlich zum 1. April als Verleger und Nachfolger von Viktor Niemann die Programme von Piper, Malik und Kabel verantworten" soll. Niemann werde sich künftig auf seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Bonnier-Holding in Deutschland konzentrieren, die er bislang nebenbei ausgeübt hat. Auch Eichborn-Pressechefin Susanne Klein hat einen neuen Job gefunden: Sie geht zu Droemer Knaur. "Ob weitere Mitarbeiter dem Beispiel Ferchls und Kleins in nächster Zeit folgen werden, ist offen. 'Möglicherweise wollen sich Mitarbeiter verändern', so Eichborn-Vorstand Matthias Kierzek zurückhaltend." Ach ja, und Walter Moers geht auch zu Piper.

Der Berliner Fachverlag Blackwell "zieht sich auf seine Kernfelder Human- und Tiermedizin zurück". Anders gesagt: Die Bereiche Biologie, Garten- und Landschaftsbau, Land- und Forstwirtschaft sowie Naturführer machen dicht. "Die für die Programme zuständigen Mitarbeiter würden intern weiterbeschäftigt, sagte ein Verlagssprecher dem Börsenblatt. Ein Stellenabbau könne vermieden werden." Für die lieferbaren Titel im Segment Biologie, Garten, Natur suche Blackwell einen Käufer. Nach Marktlage könnten etwa Verlage wie BLV oder Ulmer als Käufer in Betracht kommen, schreibt das Börsenblatt. "Der Bereich Veterinärmedizin wird künftig mit dem Imprint Parey Buchverlag weitergeführt, das humanmedizinische Programm unter dem Verlagsnamen Blackwell."

Der Historiker Raul Hilberg hat den Geschwister-Scholl-Preis erhalten. Im Interview mit Adelbert Reif sagt der Holocaust-Forscher: "Trotz meiner düsteren Lebensanschauung und meines düsteren Stils bin ich Optimist. Wenn ich kein Optimist gewesen wäre, hätte ich meine Beschäftigung mit dem Holocaust gar nicht erst begonnen. Was die Gegenwart betrifft, so fällt es mir schwer, zu erklären, wie Politiker und große Teile der Öffentlichkeit in den westlichen Demokratien den Mord an mehr als einer halben Million Tutsi übersehen konnten. Die wichtigste Frage ist, ob es einen moralischen Fortschritt der Menschheit gibt oder nicht."

Die Hörbücher des Jahres 2002 sind "Malka Mai" von Mirjam Pressler und "Pnin" von Vladimir Nabokov. Bei letzterem verbinde sich "die hoch gelobte Neuübersetzung von Dieter E. Zimmer mit den Sprecherqualitäten von Ulrich Matthes 'zu einem exquisiten literarischen Vergnügen', heißt es in der Begründung der Jury". Bei "Malka Mai" finde die Sprecherin Eva Gosciejewicz für "den unglaublich berührenden Text" den richtigen Ton. Presslers Buch war bereits mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet worden.

Die Frankfurter Verlage Campus, Eichborn, FVA, Klostermann, Fischer, Schöffling, Stroemfeld, Suhrkamp und Carl Ueberreuter haben sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Petra Roth gegen die Schließung von Zweigstellen der Stadtbibliothek ausgesprochen. "Nach Angaben der Verlage habe die CDU-Fraktion im Stadtparlament den Vorschlag gemacht, ein Drittel bis die Hälfte der Zweigstellen zu schließen." Da die Bibliothek aus ihrem Etat Medien, Mieten und Mitarbeiter gleichermaßen finanzieren muss, geht die Direktorin der Stadtbücherei, Barbara Purbs, davon aus, dass durch die Filialschließungen die Medienversorgung verbessert werden könne.

Weitere Meldungen: Das der Bertelsmann-Tochter Arvato gehörende Druckhaus Elsnerdruck in Berlin wird geschlossen. Den knapp 230 Festangestellten sollen neue Arbeitsplätze am Standort Pößneck (Thüringen) angeboten werden. Nach dem Ende von "Solo" bereitet das ZDF ein neues Literaturformat mit Marcel Reich-Ranicki vor. Geplanter Start sei im April 2003. Die Umsätze im Buchhandel lagen am ersten verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten auf dem Niveau des Vorjahres. Andreas Trojan berichtet vom 8. BuchMarkt-Forum in München (Thema: Innovationsmanagement). Dorling Kindersley baut den Vertrieb aus. Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins, sowie Dietrich Simon, Sprecher der Landesverbände, sprechen im Interview über die Zukunft des organisierten Buchhandels als Gesamtverein.

Und Silvia Werfel berichtet vom 52. Wettbewerb der Stiftung Buchkunst um die "schönsten deutschen Bücher". Hier mehr über Wettbewerb und Sieger.