Frank Goosen

Liegen lernen

Roman
Cover: Liegen lernen
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783821808543
Gebunden, 298 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Helmut ist 16 Jahre alt, besucht die Oberstufe eines Gymnasiums, hat Freunde, aber keine Freundin, Eltern, die nicht miteinander reden und eine Mutter, die immer nur wissen möchte, was er eigentlich will. Vom Leben, zum Beispiel. Wenn er das nur selbst so genau wüßte. Seine lakonische Selbsteinschätzung - drogenabstinenter, hetereosexueller Nichtdemonstrierer - empfiehlt ihn als sympathisches Rollenmodell der frühen 80er: so wenig Engagement wie nötig, so viel Leben (lassen) wie möglich. Helmut hört Platten von den Beatles und Dylan, tanzt zu Madness und Fischer Z, trägt wie alle anderen Bäckerhosen und verliebt sich in die Schulsprecherin Britta. Ihr zuliebe engagiert er sich in der Nicaragua-Gruppe, sie führt den kleinbürgerlichen, aber immer etwas schüchternen Jungen in die Liebe ein. Zur ersten Liebe aber gehört auch die erste Enttäuschung. Und so erzählt Helmut rückblickend sein Leben als die Suche nach der einzigen Frau, die ihm etwas bedeutet, während seine amourösen Abenteuer ihn in Wirklichkeit kalt lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2001

Der Kabarettist Frank Goosen kramt in seinem Roman im "Kleinbürger-Krähwinkel" der achtziger Jahre. Und das weder besonders tief, noch besonders tiefgründig, weder besonders abgefahren, noch besonders abgründig und auch nicht besonders komisch, schreibt Alexandra M. Kedves und bringt damit ihre gerade mal mittelmäßige Begeisterung für diesen Generationenroman zum Ausdruck. Vergeblich hat sie nach dem besonderen Reiz dieses Werks gesucht und ihn ein wenig gerade mal im ersten Teil des Buchs gefunden. Wenn auch hier das Stimmungsbild der Achtziger gleich einer detailreichen Karteikartensammlung von B wie Bäckerstündchen über K wie Kohl und T wie Teestündchen vor den Augen der Rezensentin vorüberzog. Allzu stereotyp erscheinen ihr die Charaktere und Episoden in Goosens Debüt. Und die zahlreichen Beziehungsgeschichten des Protagonisten Helmut haben Kedves auch nicht sonderlich beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Was Nils Minkmar in seiner Rezension beschreibt, verspricht wenig Originalität. Wie ist dieses Buch einzuordnen, fragt sich der Rezensent? Sollen, wie so häufig in der Literatur, eigene Kindheitserinnerungen zu Zeitzeugnissen erhoben werden , gegliedert - nicht sehr originell, wie der Rezensent bemerkt - durch die Popmusik der Zeit? Bei diesem Ansatz konstatiert der Rezensent eine Schieflage, denn der Mobilität der Popkultur stehe die auffällige Immobilität des Protagonisten gegenüber, erklärt er. Dann handelt es sich vielleicht eher um einen Bildungsroman, den sozialen Aufstieg des Protagonisten Helmut aus dem nach alten Blumenkohl riechenden Elternhaus heraus in ein universitäres Umfeld? Auch dieser Ansatz überzeugt den Rezensenten nicht, und so bleibt als Hauptthema dieses Buches für ihn Helmuts Verhältnis zu den Frauen, und wer die Lektüre von dreihundert Seiten nicht scheut, findet zu diesem Thema die ein oder andere witzige Passage, verspricht der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Etwas matt lobt Agnes Hüfner den Roman des Kabarettisten Frank Goosen. Aber das kann auch an den achtziger Jahren liegen, von denen der Roman handelt. Goosen erzählt darin die Geschichte einer Adoleszenz, die von Gymnasium über die Öko-AG, die Anti-Atomgruppe, die Uni bis zur eigenen Familiengründung führt. Der Autor habe seinen Helden mit der Lethargie des damaligen Zeitgeistes ausgestattet. "Einfallsreich, pointensicher und dialoggewandt" gestaltet er seine Figuren, schreibt Hüfner. Sie findet einige Witze dann aber doch nur "vergnüglich" oder sogar "altbacken". Besser gefallen der Rezensentin die Politsatiren über alte, löcherige aber mächtige Kommunistenführer und über Helmut Kohl. Aber das kann auch an den achtziger Jahren liegen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.02.2001

Dass Gerrit Bartels diesem Buch am Ende doch noch Einiges abgewinnt, kann man sich im ersten Teil seiner Rezension kaum vorstellen. Denn Bartels scheint den Protagonisten reichlich nervtötend zu finden: Phlegmatisch, beziehungs- und entscheidungsunfähig, phantasielos. Einer, der sich in den achtziger Jahren nur deswegen in diversen Nicaragua- und Öko-Arbeitskreisen engagiert hat, um in der Nähe von "Britta" zu sein. Auch die Wiedervereinigung war für ihn nicht mehr als ein Fernsehereignis, so Bartels. Dass die achtziger Jahre auch ein Jahrzehnt waren, "in dem Hedonismus auf breiter Ebene salonfähig wurde", wird hier nach Bartels nirgends deutlich. Und doch spricht der Rezensent schließlich von einem "schönen Entwicklungsroman", obwohl sich der Protagonist selbst eben überhaupt nicht weiterentwickelt und sein Leben in erträglicher Stagnation als Assistent an der Uni fristet - in einem Fach, dass er einst aus Ratlosigkeit ausgewählt hat. Aber diesem `verantwortungslosen, bindungsunfähigen, triebhaften Arschloch` kann Bartels trotz allem Sympathien entgegenbringen. Der Rezensent lobt das "temporeiche und unangestrengte" Erzählen des Autors, der seinen Protagonisten immerhin mit einem Quentchen Selbstironie ausstatte. Lediglich die Rolle der Popmusik in diesem Roman, die keinen Einfluss auf Helmuts Leben hat, sondern "höchstens als Tonspur" mitläuft, findet Bartels missglückt.