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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Kirche aller Ketzer

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

26.05.2009. Wired erklärt, was Google ist: ein Auktionshaus. Die New York Review of Books sieht Pakistan am Rande der Anarchie. Elet es Irodalom stellt eine neue Zeitschrift zur Kultur der Peripherie vor. The Nation greift die Kundera-Affäre auf. In Literaturen liest Barbara Vinken Sexgeschichten von Kindern. Die LRB lobt das hervorragende Beispiel eines Wikis. In El Espectador schildert Hector Abad die fatalen Folgen des Lesens. Der Espresso porträtiert die Faschisten des dritten Jahrtausends.

Wired (USA), 01.06.2009

Wired bringt eine faszinierende Nummer über die Frage, wie das Internet die Wirtschaft verändert. Steven Levy hat Hal Varian, den "Adam Smith der neuen Disziplin Googlenomics" auf einer Konferenz gehört, und fasst das Prinzip dieses neuen Wirtschaftszweiges zusammen: "Varian ist ein Experte für die wahrscheinlich erfolgreichste Geschäftsidee der Geschichte: AdWords, Googles einzigartige Methode, online-Anzeigen zu verkaufen. AdWords analysiert jede Googlesuche, um herauszufinden, welcher Anzeigenkunde jeweils bis zu 11 'sponsored links' auf den Ergebnisseiten bekommt. Es ist die größte und schnellste Auktion der Welt, eine nie endende, automatische Selbstbedienungsversion von Tokios wildem Tsukiji Fischmarkt, und sie findet, sagt Varian, 'bei jeder einzelnen Suche' statt. Er erwähnt nie, wie hoch die Einnahmen aus den Anzeigen sind. Aber Google ist ein börsennotiertes Unternehmen, so dass sich jeder darüber informieren kann: Im letzten Jahr waren es 21 Milliarden Dollar. Sein Vortrag wird schnell technisch. Da gibt es den Unterschied zwischen dem Generalized-Second-Price-Auktionsmodell und der Vickrey-Clark-Groves-Alternative. Spieltheorie macht eine Wendung, ebenso das Nash Equilibrium. Begriffe, die das C-Wort enthalten - wie in 'clicks' - werden in die Luft geworfen wie Wasserbälle bei einem Sommer-Rockfestival. Clickthrough rate. Cost per click. Supply curve of clicks. Das Publikum ist verzaubert. Beim Frage-Antwort-Teil hebt ein Mann in einem kamelfarbenen Kordblazer die Hand. 'Verstehe ich das richtig', sagt er halb skeptisch, halb unsicher. 'Sie sagen, jedesmal wenn eine Suchabfrage gestartet wird, findet gleichzeitig eine Auktion statt? Das würde bedeuten, millionen mal am Tag!' Varian lächelt. 'Millionen mal', sagt er, 'ist eine ziemliche Untertreibung.'" Die Kehrseite dieses Geschäftsmodells wird nur kurz angetippt: Die Datenströme über die Nutzer, die Google sammelt.

Außerdem in der Juninummer: Der Internetvisionär Kevin Kelly schreibt über den neuen digitalen Sozialismus, der sich in Websites wie Digg.com und Wikipedia manifestiert.

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Literaturen (Deutschland), 01.06.2009

Im Rahmen des Titelthemas "Was Sie schon immer über Sex lesen wollten" denkt die Romanistin Barbara Vinken über die jüngere Frauenliteratur von Charlotte Roche bis Tracey Emin nach: "Die, die da die lange Reihe ihrer Sexgeschichten vor uns ausbreiten, sind weniger junge Mädchen als Kinder. Das unterscheidet die aktuelle Welle krass von den explizit erotischen französischen Romanen, die vor einigen Jahren für Aufmerksamkeit sorgten: Von Catherine Millet bis Catherine Breillat schrieben jene Autorinnen von den Triebschicksalen erwachsener Frauen. Bei all ihrer unglaublichen sexuellen Aktivität wollen die neuen kindlichen englischen und deutschen Heldinnen dagegen aus tiefstem Herzen nur eines: dass ihre Eltern, geschieden oder nicht verheiratet, wieder zusammenkommen. Männer spielen deswegen in diesen Szenarios eigentlich kaum eine Rolle."

Weitere Artikel: Die Autorinnen Katja Lange-Müller und Judith Hermann unterhalten sich übers Schreiben und über Hermanns neues Buch "Alice". In seinen "Typologien der Literatur" schreibt Peter Licht diesmal über den "Leser". In "Mitten aus Athen" berichtet der Schriftsteller Petros Markaris, dass die griechische Realität die Fiktion der dort sehr beliebten US-Fernsehserie "Prison Break" längst eingeholt hat. Kathrin Schmidt liest Kurban Saids Roman "Ali und Nino". Aram Lintzel hat für die "Netzkarte" preisgegebene Geheimnisse auf Twitter entdeckt.

Besprochen werden Paul Veynes nun bei Reclam erschienene Studie über Michel Foucault (hier eine Leseprobe), Ben Katchors Comics "Der Jude von New York", Natascha Wodins Roman "Nachtgeschwister", Hans Magnus Enzensbergers neuer Gedichtband "Rebus", Richard David Prechts Buch über "Liebe", Arne Dahls jüngster Kriminalroman "Totenmesse", Hörbücher mit Texten von Wolfgang Koeppen, Thomas Mann und Heino Jaeger, und die Verfilmung von Jonathan Trigells Roman "Boy A".

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New York Review of Books (USA), 11.06.2009

Angesichts des Vormarsches der Taliban in Pakistan macht Ahmed Rashid einen beängstigenden "Unrealitätssinn" bei der Regierung in Islamabad aus, die nicht erkenne, in welch kritischem Zustand sich das Land befindet: "Pakistan droht vielleicht nicht unbedingt der Zusammenbruch der Regierung, aber doch ein permanenter Zustand der Anarchie, da die von den Taliban geführten islamistischen Revolutionäre und ihre vielen Alliierten mehr und mehr Gebiete einnehmen und die staatliche Macht schrumpft. Es wird keinen revolutionären Massenaufstand wie 1979 im Iran geben, keinen Sturm auf die Zitadellen der Macht wie in Vietnam und Kambodscha; womit wir es zu tun haben haben, gleicht eher einer langsamen, heimtückischen und langsam brennenden Lunte der Angst, des Terrors und der Lähmung, die die Taliban gelegt haben und die der Staat unfähig und teilweise unwillig ist zu löschen."

Weiteres: Gary Wills empfiehlt Henry Louis Gates' Dokumentensammlung "Lincoln on Race and Slavery", die klarstelle, dass Lincoln nicht frei war von rassistischen Ressentiments: "Wenn Lincoln die Sklaverei auch immer ablehnte, tat er dies aus eher kalten ökonomischen Gründen. Über ihre Grausamkeit empörte er sich nie." Hussein Agha und Robert Malley überlegen, wie eine Zwei-Staaten-Lösung den Nahost-Konflikt wirklich beenden und nicht nur auf eine neue Stufe heben würde. Julian Barnes trauert weiterhin um John Updike.

Besprochen werden Stanley Plumlys "meisterhaftes" Buch über John Keats' letzte Monate in Rom "Posthumous Keats", Susan E. Gunters Biografie über Henry James' Schwester Alice "Alice in Jamesland" und Sunny Schwartz' bitterer Blick auf amerikanische Gefängnisse "Dreams from the Monster Factory".

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Elet es Irodalom (Ungarn), 25.05.2009

Der Literaturwissenschaftler Laszlo Szilasi rezensiert die neue ungarische Vierteljahreszeitschrift Pluralica (demnächst hier) für Literatur, Kunst und Kultur, deren erste Ausgabe den Titel "Zeitgenössisch estnisch" trägt und stellt überrascht fest, dass die estnische Kultur mindestens so reich ist wie die ungarische. Szilasi würdigt die Zeitschrift dafür, scheinbar marginale Kulturen und Themen zu vermitteln und fragt sich zugleich, ob es wirklich das ist, was wir jetzt brauchen: "Bekanntermaßen schaut die ungarische Kultur nach Paris, New York, London, Rom, horribile dictu nach Wien und vor allem nach Berlin - weil wir, so sagt man, im Vergleich mit den zentralen Kulturen und Themen so rückständig sind; wenn wir uns erst die Erfolge der Zentren angeeignet haben - dann können wir uns der Peripherie zuwenden. Pluralica aber (das ist schon anhand der ersten Nummer klar zu erkennen) hat hier einen ganz anderen Ansatz. Sie schert sich nicht um das Projekt 'Schließt auf! Schließt auf!', das ja am ehesten an den vor lauter Anstrengung nach Furz riechenden Sportunterricht der Grundschule erinnert. Vielmehr beschäftigt sie sich damit, dass letztendlich auch die ungarische eine Kultur der Peripherie ist, weshalb sie vielleicht nicht ausschließlich durch den frustrierten Vergleich mit den Kulturgütern des Zentrums zur Selbsterkenntnis gelangen sollte, sondern durch die geduldige Erschließung jener Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die sie, ob es uns gefällt oder nicht, mit den anderen, ärmeren Kulturen der Peripherie verbindet, von denen in der Tat nur selten Initiativen ausgehen."

Stichwörter: Wien

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London Review of Books (UK), 28.05.2009

David Runciman bespricht eigentlich nur Andrew Lihs Buch "The Wikipedia Revolution", erzählt bei der Gelegenheit aber die Geschichte der Online-Enzyklopädie nach und denkt über die Gründe für ihren Erfolg nach. Im kleinen finden sie sich offenbar in der Form des Buchs selbst, dessen Nachwort durch die Beiträge vieler in einem Wiki zustande kam: "Es ist erfreulich, dass Lih das Nachwort mit ins Buch aufgenommen hat, denn es ist besser geschrieben als der Rest, präziser im Stil und mit einem genaueren Fokus. Die von ihm selbst allein geschriebenen Kapitel sind voller interessanter Informationen, enthalten aber zu viele unwichtige Einzelheiten über Leute, denen Lih einen Gefallen erweisen möchte. Nichts davon im Nachwort - es kommt auf den Punkt, ohne Rücksicht auf Verluste. Allerdings hilft es auch, dass der Platz, weil dies ein Buch ist, begrenzt bleibt, so dass der häufigste Wikipedia-Fehler automatisch vermieden wird: Nicht zu wissen, wann man aufhören soll."

Weitere Artikel: Die Autorin Anne Enright kennt, will ihr scheinen, alle Hotels der Welt und staunt vor allem über den Mangel an Eigenarten. John Lanchester schildert die Absurditäten und Ironien des Finanzmarkts am Beispiel der in jeder Hinsicht unterschätzten Royal Bank of Scotland. Daniel Soar geht der Geschichte des @-Zeichens nach. Peter Campbell schreibt über die Ausstellung "Sickert in Venice", zu sehen in der Dulwich Picture Gallery.

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Tygodnik Powszechny (Polen), 24.05.2009

Wer Dorota Maslowskas "Schneeweiß und Russenrot" gelesen hat, weiß, wie schwierig eine Verfilmung des Buches sein muss. Xawery Zulawski, Sohn des Filmemachers Andrzej Zulawski, hat es trotzdem gewagt. Der Film "Wojna polsko-ruska" lief letzte Woche in den polnischen Kinos an, und der Regisseur erzählt: "Wenn ich einen Film machen soll, nehme ich mich zuerst der Kostüme, Dekoration an, denke lange über die Personen nach, erfinde ihre Geschichte. Im Fall des Starken [eine Person im Roman] hat diese Arbeit bereits Dorota Maslowska gemacht, und das auf wunderbare Weise. Ich habe ihr Buch nur fürs Kino adaptiert."

Sehr lesenswert die 24-seitige Beilage zur Warschauer Buchmesse. Darin u.a.: Georges Didi-Hubermans "Bilder trotz allem" berührt, wie schon Jonathan Littell und Giorgio Agamben, deren Bücher letztens auch ins Polnische übersetzt wurden, die Frage, ob sich etwas Originelles über den Holocaust sagen lässt, schreibt Tomasz Szerszen. "Die Malerei ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies", ist eine Quintessenz der Gespräche zwischen dem Literaturhistoriker Zbigniew Podgorzec und dem Maler Jerzy Nowosielski, die nun in Buchform erscheinen. "In kaum einem Buch wird heutzutage so offen und gleichzeitig ohne Beschönigung über Religion gesprochen, wie hier", lobt Jacek Maj. Sehr beeindruckt zeigt man sich auch von Wassili Grossmans "Leben und Schicksal": "Einer der größten Romane des letzten Jahrhunderts. In philosophischer Hinsicht vergleichbar mit den Werken Arendts und Poppers, in künstlerischer verbindet er die epische Methode Tolstois, die existenzielle Vorstellungskraft Dostojewskis und die heroische Knappheit Tschechows" (hier eine Leseprobe).

Stichwörter: Giorgio Agamben

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Espectador (Kolumbien), 23.05.2009

Hector Abad denkt in der Wochenendausgabe des Espectador über das Verhältnis von Lesen und Leben nach: "Jemand hat einmal gesagt, es gebe drei Arten von Menschen: Leute, die das Leben leben, Leute, die darüber schreiben, und Leute, die am liebsten vom Leben lesen. Flaubert scheint mir der idealtypische Vertreter der zweiten, Borges der idealtypische Vertreter der dritten Gruppe. Was mich betrifft, kann ich sagen, dass ich gerne lebe, was ich in Büchern lese: Schenkt sich der Protagonist eines Romans einen Gin ein, folge ich unweigerlich seinem Beispiel. Ist er eifersüchtig, mache ich nach der Lektüre meiner Frau eine Szene. Neulich las ich von einem alten Schriftsteller mit Prostatakrebs - noch in derselben Woche ließ ich mich auf Antikörper untersuchen und bat meinen Urologen um einen schnellstmöglichen Termin."

Stichwörter: Hector Abad

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Nation (USA), 08.06.2009

Jana Prikryl greift in einem epischen Artikel noch einmal die Kundera-Affäre auf, die im Oktober letzten Jahres durch einen Artikel der Zeitschrift Respekt losbrach. Wir erinnern uns: Laut einem Polizei-Dokument hat Kundera im Jahr 1950 den bei einem Freund logierenden Kurier des amerikanischen Geheimdienstes Miroslav Dvoracek bei der Polizei angeschwärzt. Dvoracek verbrachte daraufhin 14 Jahre in einem Uran-Bergwerk. Am Ende eines in seinen Standpunkten mäandernden Artikels findet die Autorin ein paar klare Sätze. Bei allen seinen Vorbehalten gegen die Medien sei es "unleugbar, dass Kundera Miroslav Dvoracek und Iva Militka die Wahrheit schuldet, so genau er sich an sie erinnert." Es fällt auf, dass die Autorin nicht zu wissen scheint, wer Martin Simecka ist, seinerzeit Herausgeber von Respekt, dessen Name sie konsequent falsch schreibt und dass sie nicht erwähnt, dass der Artikel aus Respekt, den sie scharf kritisiert, auch auf Englisch nachzulesen ist.

Weiteres: Elisabeth Sifton, Verlegerin im Holtzbrinck-Haus Farrar, Straus & Giroux legt eine ziemlich verzagte Bilanz des Buchmarkts in den USA in Zeiten von Amazon und Google vor. Besprochen werden eine Reihe von Bücher, darunter Jose Manuel Prietos Roman "Rex", dessen Hauptschauplatz eine "spektakulär geschmacklos eingerichtete Villa in Marbella" ist.

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Express (Frankreich), 22.05.2009

In einem Interview schwärmen die Modemacher Dolce & Gabbana von Scarlett Johansson, Starmodel der Kampagne für ihre neue Make-up-Linie, und lassen sich ausführlich über die kleidende Kraft des Lippenstifts aus. Domenico Dolce: "Letztendlich bekleidet ein Lippenstift eine Frau wie ein Gewand. Er ist entscheidend für die Verstärkung ihrer Persönlichkeit. (...) Woran ich mich beim Lippenstift meiner Mutter Sara erinnere, ist seine intensive, flammende Farbe. Meine Mutter trug oft Schwarz mit kleinen Leopardenmusterakzenten, aber ihr Gesicht erstrahlte immer durch das leuchtende Rot ihrer Lippen. Das ist es übrigens, was ich an Make-up liebe: Es kleidet einen durch einen Hauch von Nichts."

Stichwörter: Scarlett Johansson, Mutter

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Espresso (Italien), 21.05.2009

Casa Pound, das Haus Pound, so nennt sich eine intellektuell verbrämte rechtsradikale italienische Bewegung, die sich als die Faschisten des dritten Jahrtausends sehen. Ihr Hauptquartier ist in Rom, von dort aus missionieren sie Italien. Jetzt gibt es mit "OltreNero" eine große Bildreportage (einige Fotos hier) über die Gruppierung, die sich unter anderem auf Ezra Pound beruft. Gianluca Di Feo schreibt dazu: "Alles ist ihnen Faschismus. Einige leben ihn nach nostalgischen Werten. 'Für uns ist Mussolini immer noch eine Referenz, ein Beispiel. Wir sind heute der Beweis für die Aktualität dieser historischen und politischen Periode. Wir zeigen, dass es den Faschismus heute immer noch gibt.' Andere versuchen ihn derweil in moderneren und angepassten Tönen zu beschreiben. 'Die Sprache muss sich ändern, vom keltischen Kreuz sind wir beim Schildkrötensymbol der Casa Pound angekommen, aber es besteht nach wie vor die Dringlichkeit, den Neofaschismus zu verjüngen, und da ist die Sprache das Manifest, die Aktion, sie ist alles. Marinetti hat uns das gelehrt.' Sie fühlen sich als Sieger, überzeugt dass sie rechts von sich keine Rivalen mehr haben. 'Casa Pound ist die Kirche aller Ketzer, denn wir wollen, dass der Faschismus als große kulturelle Bewegung wahrgenommen wird.'"

Stichwörter: Faschismus, Ezra Pound

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Polityka (Polen), 22.05.2009

Adam Krzeminski liest auf der deutschen Seite von Polityka Neuerscheinungen zu Karl Dedecius und Marcel Reich-Ranicki und erklärt, warum die Polen zu letzterem ein höchst zwiespältiges Verhältnis haben: "Reich-Ranicki irritiert in Polen: mit seiner Liebe zur deutschen Literatur und seiner Kühle gegenüber der polnischen. Er verärgert dadurch, dass er die sechzehn Monate, in denen er sich bei einer polnischen Familie versteckt hielt, als die schlimmste Zeit seines Lebens betrachtet, und nicht das Ghetto, wo seine Eltern ermordet wurden. Man kann verstehen, welche psychische Folter es für Menschen bedeutet haben muss, in einem Kellerversteck der Gnade und Ungnade ihrer ebenfalls von der Todesstrafe bedrohten Beschützer ausgeliefert zu sein. Dennoch schmerzt diese Bewertung..."

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New Republic (USA), 03.06.2009

Sehr beschwingt schreibt Michael Lewis über eine monumentale Warren-Buffett-Biografie von Alice Schroeder, die er sich gern noch dicker als die fast tausend Seiten wünscht, die sie hat. Es liegt daran, schreibt er, dass Buffett so ehrlich ist. Nun hat jemand zugehört und all die Zitate treu notiert, was Buffett offensichtlich durchaus Schmerzen bereitet hat. "Schlimmer noch, sie ist eine Frau! Buffett hat immer schon mit viel Glück attraktive und intelligente Frauen in sein Leben integriert. Schroeder beschreibt sie, ohne zu erwähnen, wie perfekt sie in dieses Muster passt. Diese Frauen hatten immer das Bedürfnis, ihre Mann zu schützen und die eigenen Bedürfnisse unterzuordnen - bis jetzt. Buffett hätte es besser wissen sollen: Traue nie einem Autor. Vor allem nicht, wenn sie so gut ist..."

Stichwörter: Michael Lewis

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Nouvel Observateur (Frankreich), 20.05.2009

In einem Interview spricht Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison über Barack Obama, seine Symbolkraft für ein neues Amerika und seine ersten hundert Tage im Amt. Sie bekennt: "Ich wurde fast ein bisschen wehmütig wegen Bush, weil man nie wusste, was ihm noch alles einfällt! [lacht] Er war der König des Neologismus, des unpassenden Ausdrucks. Er hat zur englischen Sprache ein sagen wir ... ziemlich distanziertes Verhältnis. Aber im Rückblick ist es einfacher, darüber zu lachen. Obama dagegen kann beides, einfach reden und sich wie ein Jurist ausdrücken. Am Anfang hatte sogar die Presse Angst, sich von ihm verführen zu lassen, und fand seine Sprache viel zu schön. Ich, die ich alt genug bin, um Roosevelt gekannt zu haben, finde es tröstlich zu wissen, dass er zu komplexem Denken imstande ist. Er kann nicht nur gut zuhören, sondern versteht tatsächlich auch, was man sagt."

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New York Times (USA), 24.05.2009

Eric Pfanner berichtet vom konzertierten Widerstand liberaler und konservativer Gruppen in den USA gegen die restriktiven Verleumdungsgesetze Großbritanniens, die über das Internet auch immer häufiger amerikanische Autoren treffen: "London hat sich den Ruf der Welthauptstadt der Verleumdungsklagen erworben - saudische Geschäftsleute klagen gegen amerikanische Berichte über ihre Beteiligung an der Terrorfinanzierung; russische und ukrainische Oligarchen klagen, wenn ihnen anstößige Geschäftspraktiken vorgeworfen werden; Hollywood-Celebrities gehen nach London, wenn sie nichts über ihre Affären lesen wollen." Die britischen Gesetze, schreibt Pfanner, machten es ihnen leicht: "Die Beklagten müssen beweisen, dass ihre Anschuldigungen wahr sind, im Gegensatz zu den USA, wo der Kläger zeigen muss, dass ein Autor oder Verleger falsche Informationen verbreitet hat - und in Fällen von Prominenten, dass er dies trotz gravierender Zweifel an der Wahrheit seiner Berichte getan hat."

Außerdem besprochen werden in der Sunday Book Review Simon Schamas "The American Future. A History" (für das David Brooks vor allem Spott übrig hat), Amos Oz' nun auch auf Englisch erschienener Roman "Verse auf Leben und Tod", Anne Michaels neuer Roman "The Winter Vault", eine Naturgeschichte Manhattans "Mannahatta" und der Essay "One State, Two States" des israelischen Historikers Benny Morris, der weder in die eine noch die andere Lösung große Hoffnung setzt.

Für das Sunday Magazine schickt Sara Corbett eine Reportage über Montgomery County, wo - wie in vielen anderen Städten Georgias und Mississippis - die Abschlussbälle der High Schools getrennt für Weiße und Schwarze stattfinden. Oft auf Betreiben der weißen Eltern und gegen den Willen der Schüler.

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Archiv: Magazinrundschau

Raum für ein paar härtere Fragen

20.10.2014. Nicht das Virus, sondern das katastrophale Gesundheitswesen in Liberia ist schuld an Ebola, schreibt Harvard-Experte Paul Farmer in der LRB. Micromega verortet Papst Franziskus zwischen Sein und Schein. Vice betreibt die Archäologie des Northern Soul. In Quietus verlangt Teju Cole mehr Gehör für Nigeria. Télérama schüttet die Gräben zwischen den Generationen zu. Wenn Hector Abad mit nur einer einzigen Website auf eine einsame Insel surfen dürfte, dann wäre das die Wikipedia, erklärt er in El Espectador. Mehr lesen

Wie mit weißer Tinte geschrieben

14.10.2014. Drei amerikanische Medien sehen schwarz in Afrika: Die Newsweek überprüft George Clooneys Engagement für den Südsudan. Der New Yorker schildert die von Frankreich gerade so gestoppte Selbstzerfleischung der Zentralafrikanischen Republik. In der New Republic bezweifelt Martha Nussbaum den Sinn westlichen Engagements. Ungarische Magazine beschreiben, wie Intellektuelle sich vom Regime glattschleifen lassen. Im New Statesman unterhält sich Grayson Perry mit Martin Amis. Télérama widmet sich der krisenhaften Beziehung von Truffaut und Godard. Mehr lesen

Sex ist Komödie

07.10.2014. Der New Yorker begleitet die Müllmänner von Kairo. Nepszabadsag fragt, warum die EU einen Mann zum Bildungskommissar ernennen will, der in Ungarn die Medien kastriert hat. In Perfil erzählt Martin Kohan, warum die Vergangenheit nichts Unverrückbares ist. In Slate.fr erklärt Luc Dardenne, warum seine Filme mehr Intuition als Moral haben. Das New York Magazine lässt Drohnen fliegen. Der Mars ist die Grenze, ruft Elon Musk in Aeon. Mehr lesen

Silber unter das Blau

30.09.2014. Vice erzählt, wie die internationale Frauenbrigade Al-Khansa-Brigade des IS die Frauen im syrischen Raqqa inspiziert. Der New Yorker schildert, wie geschickt die Kurden für einen eigenen Staat kämpfen. Außerdem bewundert er die Schattierungen von Blau des Malers Chris Ofili auf Trinidad. Fortune stellt die ENIAC-Frauen vor, die das Programmieren erfanden. Bloomberg erzählt, warum die USA längst ein Mittel gegen Ebola haben könnten. Linkiesta staunt, wie gut die chinesische mit der italienischen Mafia kann. Die BBC porträtiert den erfolgreichen griechischen Bankräuber und Volkshelden Vassilis Paleokostas. Mehr lesen

Aurale Zwischenposition

23.09.2014. Vanity Fair erklärt, warum gerade die schnelle Hilfe die Verbreitung des Ebola-Virus begünstigt hat. La vie des idees schildert die ungleiche Behandlung von Muslimen und Juden in Frankreich. Medium begleitet freiwillige Rettungshelfer durch Aleppo. Der Guardian versinkt in der Korruption Timbuktus. IndieWire analysiert den komplexen Signifikanten in Steven Soderberghs Mini-Serie "The Knick". Die Financial Times fragt sich, ob Firmen-PR der neue Journalismus ist. Die New York Times weiß, wann Politiker zu Promis wurden. Mehr lesen

Dieser Ahhhhhhh-Moment

16.09.2014. In El Pais Semanal erklärt Javier Cercas, warum Katalonien nicht Schottland ist. Im Guardian lehnt Howard Jacobson den totalen Sieg im Diskurs ab. Mehr erhabene Kunst fordert in Nepszabadsag der neue Direktor der Budapester Kunsthalle. Der New Statesman porträtiert den Bürger als Kriegsberichterstatter. The Atlantic besucht einen afghanischen Jungen, der ein Mädchen ist. Die Hudson Review trauert mit Berlioz um Hamlet. Der New Yorker sucht Wonder Women. Mehr lesen

Maoistische Synthese der Oppositionen

11.09.2014. Diese Woche war die Magazinrundschau so riesig, dass wir sie geteilt haben. Heute also der zweite Teil mit einem sehr lesenswerten Artikel von Assaf Sharon in der NYRB über die verfehlte Politik Netanjahus. Bookforum stellt eine Geschichte Gazas vor. Im Guardian gerät AL Kennedy über einen goldenen Ferrari ins Grübeln. In Eurozine beschreibt der Soziologe Boris Dubin die Machtlosigkeit der russischen Gesellschaft. Und das New York Magazine stellt die CEO Martine Rothblatt vor, die ihre Ehefrau als Computer hat nachbauen lassen. Mehr lesen

Zentrum und Peripherie

09.09.2014. Die London Review besucht die Ostukraine und stellt fest: alles Übel begann auf der Krim. Im Mittelweg 36 streitet Reinhard Merkel das ab: die Krim hat die Seperation doch gewählt. Die Blätter machen die Lösegeldzahlungen der EU verantwortlich für den Gewaltmarkt im Nahen Osten. Das Schreibheft erinnert an den Lyriker Uwe Greßmann. Pitchfork und Telerama trauern den analogen Zeiten nach. Und der New Yorker fragt, warum ein Arbeiter bei McDonalds so wenig verdient, dass er auf staatliche Essensmarken angewiesen ist. Mehr lesen

Allein die Schrift!

02.09.2014. Bloomberg Businessweek macht sich jung und guckt AwesomenessTV. Der Merkur staunt über die Textlastigkeit der Suhrkamp-Kultur. Das Chicago Magazine erinnert daran, wer zuerst Handys wollte: die Polizei. The Verge schildert den Titanenkampf zwischen Uber und Lyft. In HVG denkt Péter Esterházy über Kleinkariertheit nach. Die Poetry Foundation bewundert den "Emperor of Ice-Cream". Mehr lesen

Kompass des Bösen

26.08.2014. Im Spectator gibt der Historiker Tom Holland einen Einblick in die religiösen Vielfalt Mesopotamiens, die die Isis gerade zerstört. Vanity Fair erzählt die Geschichte der Madame Claude. Dawn stellt ein Buch über den muslimischen Zionismus in Pakistan vor. Kathrin Passig denkt in Funkkorrespondenz über die Nützlichkeit irrationaler Argumente nach. Die Public Domain Review erzählt, wie das Lachgas den Schriftstellern und Wissenschaftlern die Sprache verschlug. Das TLS liest eine neue Brecht-Biografie. Mehr lesen

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
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Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

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