Dorota Maslowska

Schneeweiß und Russenrot

Roman
Cover: Schneeweiß und Russenrot
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2004
ISBN 9783462033762
Taschenbuch, 240 Seiten, 7,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Dorota Maslowska zechnet ein zwischen poetisch und schmutzig, nostalgisch und rebellisch changierendes literarisches Porträt der Subkultur in einer heutigen polnischen Stadt. Erzählt wird die Geschichte von Andrzej, genannt der Starke, der von seiner Freundin verlassen wird und dies von seinen Freunden erfährt, während sich Polen auf einen neuen Krieg gegen Russland vorbereitet. Auf der Suche nach Speed lässt er sich mit verschiedenen Frauen ein, verliert seinen Hund, fährt ans Meer, wird verhaftet und verhört, kommt ins Krankenhaus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.06.2004

Ein etwas geheimnisvolles Urteil fällt Rezensentin Katharina Narbutovic über Dorota Maslowskas Romanerstling. Einerseits findet sie die in einer ostpolnischen Kleinstadt angesiedelten Geschichte um Andrzej, den "Starken", der aufgrund von Beziehungsende und Drogen allmählich die Bodenhaftung verliert, "an sich banal" und ohne "besonderen literarischen Reiz". Sprachlich findet sie den Roman jedoch umwerfend: Andrzejs "lebendiger, flapsiger Ton" und sein "frischer, unverbrauchter Blick" erobere schlichtweg jedes Herz. Eindeutig gefallen hat der Rezensentin Maslowskas Provokation, alle Figuren vom "polnisch-russischen Krieg" und hasserfüllt über die Russen sprechen, und dabei keinen einzigen Russen auftauchen zu lassen. Hier, lobt die Rezensentin, treibt Maslowska "ein genüssliches Spiel mit Stereotypen, Rollenbildern und Klischees", und zelebriert das "politisch Unkorrekte". Dieser Roman, so Narbutovic, ist "wild" und "schnell wie die Kugeln eines Flipperautomaten", aber keineswegs "gefährlich".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.03.2004

Rezensent Henning Kober hatte seine grelle Freude an Dorota Maslowskas Debütroman, den sie der Legende nach in nur einem Monat neben dem Abitur heruntergeschrieben haben soll. Kober glaubt den "Fänger im Roggen" oder zumindest das "Trainspotting" der nächsten Generation gefunden zu haben. Denn was dieses Buch für ihn auszeichnet, ist sein "sympathisch verdorbener Realismus". Der, um den sich alles dreht, ist Andrzej, genannt "der Starke", und der Leser lernt ihn kennen, als er gerade von seiner Freundin Madga verlassen wird - per Bote. Doch Niedergeschlagenheit, so Kober, ist nicht Andrzejs Sache, eher "zynischer Spott und heroische Gleichgültigkeit" angesichts der "Unerträglichkeit seiner Umwelt" (Drogen). Sein Leben sei ein "Splatterfilm", und er sei "ein Charakter, der rennt und sich dabei den Kopf blutig schlägt", und sich auch achtlos und rauschvoll ins Verderbliche stürzt (Drogen), um nicht in belangloser Langeweile zu versumpfen. So rücksichtslos klar wie Andrzejs Blick, so "brutal authentisch" - auch in ihren Wortschöpfungen - ist für den Rezensenten auch Maslowskas Sprache. Sie scheue sich zudem nicht, vor dem Hintergrund des polnisch-russischen Krieges, auch rassistisch geprägten Patriotismus mit ins Spiel zu bringen. Die Devise "Alles scheißegal", so Kober, zieht sich mit gewaltiger Zugkraft durch den ganzen Roman, der "sich der menschlichen Wahrheit verpflichtet sieht, nicht dem kultivierten Lebenskompromiss". Da kommen "bad style", "sad style" und "worst style" aufs Rauschendste zusammen, so das Fazit des begeisterten Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2004

Begeistert ist Adam Olschewski vom Debüt der erst achtzehnjährigen Polin Dorota Maslowska. Der Roman erzählt in "schnellem, stark verkürzenden, farbenprächtigen" Jugendslang ein paar Stunden aus dem Leben Andrzejs, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde und "eingekeilt vom Liebesschmerz" durch eine namenlose Stadt treibt. Maslowska verzichte gänzlich auf ausführliche Beschreibungen, berichtet der Rezensent, sondern schildere ihren Helden in einer Mischung von Dialogen und Assoziationsströmen. Dabei schwankt der Roman ständig zwischen Komik und Tragik, denn hinter der "umfassenden Redseligkeit", die eben vor allem durch Maslowskas Slang transportiert wird, lauert die "große Leere". Dank dieser Tragik und ihrer sprachlichen Souveränität hebe sich die Autorin vom Gros der Popliteraten ab, schwärmt Olschewski: "Jedenfalls werden wir Zeuge von Poesie. Ein Trost, aber ohne Gewähr."
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