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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
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- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Magazinrundschau
Es gibt nur Stilisierungen
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
19.05.2009. Wie findet man Lebensglück?, fragt The Atlantic. Outlook India feiert den Sieg der säkularen Politik in Indien. Der Spectator sieht die Stunde der Mediävisten gekommen. Der Economist erklärt, warum der Perlentaucher lebenswichtig ist. Der New Statesman kauft Damenunterwäsche in Saudi-Arabien. Magyar Narancs fragt sich, was der 8. Mai eigentlich in Ungarn bedeutet. Die afghanischen Ehegesetze widersprechen dem Koran, erklärt Nasr Abu-Zayd in ResetDoc. Jazz stirbt in Polen, erkennt Polityka.
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Outlook India (Indien), 18.05.2009
Nicht ohne (mehr als nachvollziehbare) patriotische Wallung kommentiert Vino Mehta den Ausgang der indischen Wahlen: Die gemäßigte Kongresspartei unter Manmohan Singh hat geradezu triumphal gewonnen, eine Ohrfeige an die Hindu-Extremisten und Kommunisten Indiens: "Indien sendet durch diese Wahl eine dringende Botschaft. Die größte Demokratie der Welt, die sich aus Slumdogs und Millionären zusammensetzt, bleibt eine säkularen Politik zutiefst verbunden. Unsere Nachbarn mögen mit ethnischem oder religiösem Extremismus flirten - aber wir haben in aller Deutlichkeit darauf verzichtet." Das Heft bietet eine Menge Informationen zu den Wahlen und diese interaktive Karte mit allen Wahlkreisen:
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Le Nouvel Observateur (Frankreich), 14.05.2009
Vor dem Hintergrund der Wahlen in Indien widmet der Obs dem Land sein Titeldossier. Der Schriftsteller Vikram Chandra ("Der Gott von Bombay"), erklärt in einem Gespräch, dass die größten Herausforderungen innenpolitische seien: nämlich die Bekämpfung von Armut, Korruption und Gangstertum. Über seine Heimatstadt Bombay und das Land im Allgemeinen sagt er: "Der Anstieg des organisierten Verbrechens ist untrennbar mit dem Wirtschaftswachstums des Landes verknüpft. Man könnte die Mafiosi als Unternehmer betrachten, die ihr Stück vom Kuchen haben wollen und dafür alles tun. Ich glaube, dass diese Mafiaorganisationen nicht verschwinden werden, sondern imstande sind, ihre Methoden den Verhältnissen anzupassen. Sie haben auf alle Lebensbereiche einen enormen und starken Einfluss. Die Korruption und die Angst, die sie verbreiten, schwächen die Entwicklung, die Justiz, den Handel, die Politik und alles andere auch. Ganz sicher gibt es kein Wundermittel dagegen. Ihren Einfluss zurückzudrängen wird eine lange und schwierige Aufgabe werden und ein schmutziger Job, für die Bürger wie für den Staat."
Begleitend analysiert der französische Indien-Experte Christophe Jaffrelot in einem weiteren Interview die Trümpfe und Schwächen der "größten Demokratie der Welt". Auf den Buchseiten beschäftigt sich Philippe Sollers mit bisher unveröffentlichten Texten des "absoluten Misanthropen" Emil Cioran, in denen er sich mit 22 Jahren als glühender Anhänger des Faschismus und Hitlers offenbart.
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The Economist (UK), 15.05.2009
In zwei Artikeln widmet sich der Economist dem Stand der Dinge im Zeitungs- und Nachrichtenbusiness. Und er leugnet zwar die Gefährdungen und Veränderungen nicht, weigert sich aber standhaft, wenn nicht sogar recht fröhlich, in die in Deutschland üblichen Untergangsgesänge zu verfallen: "Die einzige Gewissheit über die Zukunft der Nachrichten ist, dass sie sich von der Vergangenheit unterscheiden wird. Die Zeiten sind vorbei, in denen ein paar große Titel mit ihren Schlagzeilen die Geschichte des Tages bestimmen können. Die öffentliche Meinung wird sich vielmehr aus tausenden unterschiedlicher Stimmen mit ebenso vielen unterschiedlichen Perspektiven und Schwerpunkten zusammensetzen... Wer sich nicht für Politik oder Wirtschaft interessiert, wird wohl eher seltener als bisher trotzdem damit zu tun bekommen; die aber, die sich interessieren, werden die besseren Argumente an die Hand bekommen, mit denen sie dann von der Politik Rechenschaft fordern können. Und genau dafür braucht schließlich die Gesellschaft die Nachrichten."
Ein zweiter, umfangreicher Artikel stellt die neue Welt der Nachrichten schon etwas detaillierter vor. Es geht darin unter anderem um unpersönliche Aggregatoren wie Google News. Und persönlichere, die ein wichtiger Teil der Zukunft sein dürften: "Manche davon sind reichlich eklektisch, wie The Daily Beast und der Druge Report - der Großvater der individuelleren Aggregatoren. Andere sind spezifischer, wie der Perlentaucher, eine deutsche Website, die sich auf Kultur spezialisiert... Altgediente Nachrichtenmenschen beschweren sich immer häufiger, diese Aggregatoren seien 'Parasiten', die von ihrer Arbeit profitieren. In gewisser Weise sind sie das auch; allerdings können Parasiten auch sehr nützlich sein. Je erratischer die Qualität des Journalismus wird, desto lebenswichtiger wird das Filtern."
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La vie des idees (Frankreich), 15.05.2009
Wie kommt es, dass manche Länder ihre Filme exportieren, während andere sich damit begnügen, die Importware zu sehen? Monique Dagnaud untersucht in einem Essay, weshalb gerade Frankreich, Indien und die USA, nachweislich die cinephilsten Nationen der Welt, mit völlig unterschiedlichen künstlerischen und wirtschaftlichen Modellen so erfolgreich auf dem Weltmarkt sind. Zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen, wie Nationen es anstellen, mittels einer Bild-Industrie die eigene Identität zu schaffen und zu behaupten, macht sie ihre Unterscheidung von drei Grundmustern: "Indiens Kino pflegt mit Glück seine Traditionen und seine Romantik für ein inbrünstiges einheimisches Publikum: Der Erfolg dieser Industrie wurzelt in der kulturellen Geschichte dieses Landes. Die USA verbinden die Kultur des Massenkinos mit ökonomischer Effektivität: Sie gehorchen mittels Megaproduktionen und Genrevielfalt einer Logik der Sättigung heimischer und fremder Märkte, aber indem sie auch Talente aus aller Welt aufnehmen, führen sie damit die Werte des Melting-Pot weiter. Frankreich beweihräuchert das Kino als eigene Kunstgattung und stützt dessen Betrieb eifrig mittels einer staatlich gelenkten Politik."
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The Atlantic (USA), 01.06.2009
Eine der faszinierendsten Langzeitstudien der Wissenschaftsgeschichte stellt Joshua Wolf Shenk in der Titelgeschichte vor. Sie wurde 1937 begonnen und wird bis heute fortgeführt. Beobachtet wird dabei eine Gruppe von (ausschließlich männlichen) Studenten, die in jenem Jahr ihr Studium in Harvard antraten. Rund die Hälfte lebt heute noch. Und es geht um nichts Geringeres als die Frage: Wie erlangt man Lebensglück? Die Ergebnisse freilich sind eher "paradox" als eindeutig, wie Shenk betont: "Wie George Vaillant, seit mehr als vierzig Jahren der Leiter der Studie, betont, werden Langzeitstudien, wie Wein, mit dem Alter immer besser. Mit dem Eintritt der Studienobjekte ins mittlere Alter - sie waren in den 60er Jahren zwischen vierzig und fünfzig - erlangten viele von ihnen großen Erfolg. Vier von ihnen kandidierten für den US-Senat. Einer war Kabinettsmitglied, einer Präsident [das war John F. Kennedy, seine Akten sind jedoch bis 2040 unter Verschluss, PT]. Ein Bestseller-Autor war auch darunter... Unter all diesen glänzenden Erfolgen lagen dunklere Seiten. Schon 1948 zeigten 20 Mitglieder der Gruppe massive psychische Schwierigkeiten. Im Alter von fünfzig hatte fast ein Drittel der Männer mindestens einmal die Kriterien für eine Geisteskrankheit erfüllt... Der Initiator der Studie Arlie Bock zeigte sich verständnislos: 'Sie waren ganz normal, als ich sie aussuchte. Die Psychiater müssen sie aus der Bahn geworfen haben.'"
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Magyar Narancs (Ungarn), 14.05.2009
Der 8. Mai scheint an Ungarn spurlos vorübergegangen sein. Können die Ungarn womöglich nichts mit diesem Datum anfangen? Wissen sie nicht, wie oder was sie feiern sollten? Klar, Ungarn war auf der Seite der Verlierer. Aber die Deutschen können und wollen dieses Datum doch auch feiern. "Sind sie dann Verräter und wir Ungarn die letzten Hüter der Flamme? Was spaltet sich da unter unseren Füßen?", fragt sich die Wochenzeitung Magyar Narancs besorgt. "Hinter dieser tiefen, unheilverkündenden Stille, aus der nur das Fehlen eines nationalen Konsenses über den Faschismus und über die faschistische Vergangenheit Ungarns herauszuhören ist; hinter diesem Paravent des peinlichen Schweigens kommen langsam die Ereignisse der letzten Wochen und Monate zum Vorschein: die Zwischenfälle der rassistischen Gewalt, schwarze Uniformen auf den Straßen ungarischer Dörfer, Hassreden, die allmählich zum Alltag gehören; und die Ohnmacht der Justiz gegenüber alledem. Aber es geht nicht nur darum. Dieses Schweigen ist auch ein Affront für Europa. Denn der Zusammenhalt in der Gemeinschaft europäischer Nationen entsteht gerade durch den antifaschistischen Konsens: Durch das grundlegende und unbestreitbare Wissen darüber, dass der Faschismus, der Naztionalsozialismus und alles, wozu diese führten, wie der Zweite Weltkrieg – die dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte darstellen. Und dass das Ende des Zweiten Weltkriegs, der Tag der deutschen Kapitulation der größte Feiertag dieser Gemeinschaft ist."
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The Boston Globe (USA), 18.05.2009
Richard Thompson Ford, Jurist und Bürgerrechtler und einer der bekanntesten schwarzen Intellektuellen Amerikas, zieht kurz nach der Wahl des ersten schwarzen Präsidenten Bilanz zu den Fragen der Rassendiskriminierung. Rassismus ist nicht mehr das eigentliche Problem, meint Ford, sehr wohl aber die soziale Trennung, die aus dem Rassismus von einst erwuchs: "Das größte Rassenproblem liegt in der Ungleichheit, die fast zwei unterschiedliche Amerikas geschaffen hat, ein schwarzes und armes Amerika und einen wohlhabenderen, vielrassigen Mainstream... In der Isolation entwickeln die Ghettobewohner eigene Sprachmuster und Haltungen, die mögliche Arbeitgeber abschrecken und so die ökonomische Bedürftigkeit noch verschärfen. Jenseits legaler Arbeitsmöglichkeiten stolpern dann viele auf den halblegalen grauen Markt oder ins Verbrechen."
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The Spectator (UK), 16.05.2009
Dies ist die Zeit der Mediävisten, ruft Dan Jones, denn wir leben in mittelalterlichen Zeiten, und er zählt Parallelen zwischen dem 14. und dem 21. Jahrhundert auf: "Während Geoffrey Chaucer und seine Zeitgenossen es mit dem Schwarzen Tod, dem Bauernaufstand, dem Hundertjährigen Krieg und der mittelalterlichen Warmperiode zu tun hatten, haben wir die Schweinegrippe, die G20-Unruhen, Afghanistan und Al Gore. Die Namen mögen sich geändert haben, doch die Reiter der Apokalypse sind immer noch die gleichen. Nehmen wir den G20-Aufruhr in London. Viele der Demonstranten fühlten sich zweifellos sehr modern , als sie Handys, Facebook und so weiter verwendeten, um sich zu treffen, zu marschieren, zu campen, schreien und Flaschen zu werfen. Für den Mediävisten ist das alles ein alter Hut. Tatsächlich wurde der G20-Protest ziemlich auf die gleiche Weise organisiert, geschürt, ausgeführt und schließlich auseinandergetrieben wie Wat Tylers Rebellion im Jahr 1381. Es gab kein Lager auf Blackheath oder eine Schlacht bei Smithfield, aber sonst stimmte so ziemlich alles überein."
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ResetDoc (Italien), 16.05.2009
Die berühmt-berüchtigen neuen Ehegesetze für Schiiten in Afghanistan widersprechen dem Koran, meint der liberale islamische Denker Nasr Abu-Zayd in dem interkulturellen Magazin ResetDoc.org: "Der Koran brach mit der alten arabischen Tradition, die den ältesten Sohn zum einzigen Erben des Vaters machte. Er verteilte das Erbe stattdessen an alle Söhne, Töchter und die Ehefrau. Ironischerweise spricht der Koran im Kontext des Erbe-Themas nur von einer Frau, von mehreren Frauen ist nicht die Rede. Frauen hatten also ihren Anteil. Die Ehe wird im Koran in Begriffen der gegenseitigen Liebe vorgestellt; der Ehemann ist das Gewand der Gattin und umgekehrt. Sie enthalten einander. Verglichen mit der Scharia, wo die Heirat in Begriffen des Kaufs und Verkaufs behandelt wird und die Frau eine Ware ist, verleiht der Koran der Ehe einen hohen Status."
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The New Statesman (UK), 14.05.2009
Der New Statesman hat einen kleinen Schwerpunkt zu Saudi-Arabien - einem zwischen fundamentalistischem Islam und der Öl-Moderne zerrissenen Land. David Gardner schildert die Auswirkungen des totalitären Wahabbismus auf den Alltag: "Der Staat, den Ibn Saud geschaffen hat, hat sich kaum verändert, während seine Bürger in eine Moderne geraten sind, deren Fundament extrem instabil ist, importiert wie die Klimaanlagen, die die gleißenden Malls und die Gated Communities kühlen. In Lautsprecherdistanz zu einer Moschee, in der fanatische Strenge gepredigt wird..., befindet sich in einer Mall ein Laden der La-Senza-Unterwäsche-Kette. Er sieht kaum anders aus als ähnliche Shops irgendwo sonst. Es gibt jedoch einen fundamentalen Unterschied. Da Frauen außerhalb der Familie keinen Kontakt mit Männern haben dürfen und in einer Mischung aus Wegschluss und Segregation gehalten werden, können sie logischerweise nicht in einem Unterwäsche-Laden arbeiten - man sieht dort also nur männliche Verkäufer."
Außerdem: Sophie Elmhirst porträtiert Abdul Wahhab, den Gründer des Wahhabismus. Der Jazzkritiker Sholto Byrnes erinnert sich an seine Kindheit in Saudi-Arabien.
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Polityka (Polen), 13.05.2009
Jazz scheint auch in Polen, wo diese Musik einst blühte, den Barmusiktod zu sterben. Polityka übersetzt einen Artikel von Dorota Szwarcman, die in Kattowitz ein Symposion über die Geschichte des Jazz in Polen besucht und zitiert den Kritiker Tomasz Szachowski: "Sie spielen Mainstream oder Hard Bop, sagen wir mal im Stile von Adderley, denn Charlie Parker wäre für sie schon zu schwer. Free Jazz taucht überhaupt nicht auf. Es gibt nur Stilisierungen, wunderbare Stilisierungen aber altmodische. Es wäre schön, wenn junge Musiker mit einer eigenen Vision überraschen würden. Aber das kommt nicht vor."
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The New Yorker (USA), 25.05.2009
David Denby erinnert mit einer wunderbaren Besprechung zwei gelungener neuer Bücher an den fast vergessenen Mann hinter zwei absoluten Hollywoodklassikern: an den Filmregisseur Victor Fleming. "Am Set von 'Vom Winde verweht' hänselte und beschwatzte Fleming [Vivian] Leigh; manchmal stritten sie so heftig wie Rhett und Scarlett. Als er nach einem schlechten Tag vom Set ging, sagte er: 'Miss Leigh, Sie können sich dieses Skript in Ihren königlichen britischen Arsch schieben', eine nicht sehr elegante Variante von 'Ehrlich gesagt, meine Liebe, kümmert mich das einen Dreck.' Aber ihre gegenseitige Antipathie hat den Film vielleicht dramatisch lebendig gehalten."
Als "verkappten Hardliner" porträtiert Jeffrey Toobin John Roberts, jenen obersten Richter der USA, der Barack Obama bei dessen Vereidigung den Amtseid falsch vorsagte. Roberts, der sich als "Schiedsrichter" versteht, der die Regeln nicht mache, sondern lediglich anwende, und für seine Amtsführung "Bescheidenheit und Demut" versprach, habe nach vier Jahren allerdings weniger die Bilanz "eines demütigen Bescheidenen, sondern eher eines doktrinären Konservativen vorzuweisen. Die von ihm favorisierte Art der Demut spiegelt eine Auffassung wider, wonach sich der Gerichtshof fast immer den bestehenden gesellschaftlichen Machtverhältnissen fügen sollte. Seit er der siebzehnte oberste Richter wurde, ergriff Roberts in jedem bedeutenden Fall die Partei der Anklage gegenüber dem Angeklagten, des Staats gegenüber dem Verurteilten, der Exekutive gegenüber der Legislative und des Beschuldigten eines Unternehmens gegenüber dem Einzelkläger."
Weiteres: Paul Goldberger gratuliert dem Guggenheim-Museum zum 50. Geburtstag. Und David Denby sah im Kino "Angels & Demons" (Originaltitel von "Illuminati") von Ron Howard und "Summer Hours" ("L'heure d'ete") von Olivier Assayas. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Ava's Apartment" von Jonathan Lethem und Lyrik von Robert Gibb und Philip Levine.
Archiv: Magazinrundschau
1. Katzen trampeln nicht
14.05.2013. In New Republic findet es Margaret Atwood ganz einfach, die neuen Medien zu verstehen. Man kann sogar selbst Regeln für sie setzen, meint Roberto Saviano in La Republicca. Der New Yorker untersucht Vor- und Nachteile der Online-Universität. Der Believer erinnert an den Künstler Sadakichi Hartmann. Terrence Malick arbeitet mehr als man meint, versichert die Los Angeles Review of Books. Bloomberg Businessweek schaut unter die riesige Motorhaube von Netflix. Das New York Magazine porträtiert einen unglaublich souveränen Michael Douglas. Mehr lesen
Stürme von Judasküssen
07.05.2013. In der London Review of Books zeichnet Ian Sinclair ein aasiges Bild von der Beerdigung Margaret Thatchers. Das New York Magazine erklärt, wie für ein balloon toy von Jeff Koons der Preis von 30 Millionen Dollar gesetzt wird. In Frankreich möchte der Regisseur Michel Hazanavicius die Internetprovider für die Filmfinanzierung anzapfen. In Amerika möchte Susan Crawford die Telekoms gründlich renovieren, um endlich überall schnelles und günstiges Internet zu haben. Der Antisemitismus vergiftet alles in Ungarn, ruft in Nepszabadsag der Politiker Béla Markó. Drogenkonsum wird erst durch Informationsmangel richtig gefährlich, lernt der Guardian. Mehr lesen
Übermaß an Liebe
30.04.2013. n+1 geht den Tonarten Hilary Mantels nach. The New Republic bewundert die chinesische Einfachheit des georgianischen Dichters Edward Thomas. Slate.fr sucht eine neue revolutionäre Klasse. Rumänische Filmregisseure werden auf der ganzen Welt geachtet, nur nicht in Rumänien, lesen wir in HVG. In The National Interest sucht Walter Laqueur vergeblich nach der vielbeschworenen Marx-Renaissance. Der New Yorker liest Bücher über den amerikanischen Drohneneinsatz. Der Guardian erleidet den Liebestod. Mehr lesen
#surreal
23.04.2013. Das Attentat von Boston wird vor allem den Tschetschenen schaden, fürchtet The Atlantic. Das New York Magazin beobachtet die Verdrängungstaktiken der Chassidim in New York. In Rumpus erklärt Aleksandar Hemon, warum nur die ganz Privilegierten glauben, es gebe keinen Fortschritt. Die LRB singt dem russischen Performancekünstler Vladik Monroe ein Abschiedslied. In Eurozine erklärt Etgar Keret das Hebräische als Literatursprache. Dem Murdoch-Imperium geht's prächtig, meldet Bloomberg Businessweek. In der NYRB ärgert sich John Gray über den inkohärenten Mischmasch der Marxschen Philosophie. In Bidoun erzählt Larry Gagosian, warum Cy Twombly den armenischen Maler Arshile Gorky liebte. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Archiv: Magazinrundschau
Selbstzensur ist ein Thema
16.04.2013. Wer Mathematik besser verstehen will, sollte stricken, empfiehlt der American Scientist. The Quarterly Conversation erklärt, warum Czesław Miłosz Kalifornien liebte. Elet es Irodalom besucht eine Robert-Capa-Ausstellung. Der New Yorker porträtiert die Mars-Pioniere Adam Steltzner und John Grotzinger. In n+1 erklärt Sally Potter, warum sie den Hass auf Margaret Thatcher frauenfeindlich findet. In La regle du jeu erklärt Atiq Rahimi, warum sich globale Krisen immer in Afghanistan kristallisieren. Der Global Mail besucht Flüchtlinge im indonesischen Sex-Ferienort Cisaru. Vanity Fair porträtiert Felix Baumgartner. Mehr lesen
Amoralische Landschaften
09.04.2013. In The Virginia Quarterly Review sieht der Verleger Richard Nash Bücher im Cockpit in die Zukunft fliegen. Rue 89 erklärt das chinesisch-koreanische Verhältnis. Micromega beobachtet weibliche Proteste beim Weltsozialforum in Tunis. In The Brooklyn Rail erklärt der Regisseur Olivier Assayas, warum die Siebziger für den Einzelnen so gefährlich sein konnten. Im New Yorker kennt Susan Faludi dafür ein konkretes Beispiel: die Feministin Shulamith Firestone. Vice schildert die Situation der Roma in Slowakien. Die NYRB lernt von Lawrence Wright, wie das amerikanische Finanzamt aus Scientology eine Religion machte. Mehr lesen
Erst Geld macht Medien
02.04.2013. In der LRB fragt John Lanchester, warum Fantasy vom literarischen Publikum gesnobbt wird. Der New Yorker erklärt am Beispiel von Vice, wie man im Internet mit Inhalten Geld verdient. Für Salon.eu.sk besucht Andrzej Stasiuk die lebenslustigen Goralen. Die Lettre feiert ihren Fünfundzwanzigsten. Slate.fr berichtet über israelische Mafiakriege. Der Hollywood Reporter besucht einen Pionier des Filmnerdtums im Netz. HVG durchleuchtet am Beispiel von Janos Esterhazy die Abgründe der slowakisch-ungarischen Beziehungen. Mehr lesen
Das ist reines Zocken
25.03.2013. Le Monde fragt, wer ist der Guru von Beppe Grillo und präsentiert Gianroberto Casaleggio als leicht unheimliche New-Age-Figur. Espresso bringt ein apokalyptisches Video Casaleggios. The Atlantic erzählt, warum der jordanische König nicht so demokratisch sein kann wie er möchte. Elet es Irodalom stellt ein Buch über "Ungarische Besatzungstruppen in der Sowjetunion" vor. La vie des idees erzählt, wie man in Frankreich den Tod laizisiert hat. Im Guardian erklärt Taiye Selasi, warum sie die Frage "Wo kommst du her?" kaum beantworten kann. Fast Company lernt von Kickstarter, warum Mädchen mit Lithografieprojekten immer zu bevorzugen sind. Wired möchte nicht Verleger sein. Mehr lesen
Am Ende als Helden gefeiert
19.03.2013. Vanity Fair erzählt, wie London zum sicheren Hafen der Oligarchen und Superreichen wurde. The Nation stößt bei jungen Griechen auf eine regelrechte Aufbruchsstimmung. The New Statesman fürchtet dagegen das wohlhabende und sichere Deutschland. Die LRB blickt auf die verfahrene Situation in Ägypten. In der New York Times graut Martin Caparros vor dem heiligen Geist, der nun noch kräftiger durch Argentinien wehen wird. Letras Libres hofft auf die heilsame Wirkung legalen Marihuanas in den USA. Der New Yorker stellt die meistgehasste Frau Australiens vor. Und Telerama wiegt sich zu den samtenen Klängen des kapverdischen Morna. Mehr lesen
Zu neuem Funde
12.03.2013. Die NYT erzählt, wie Amazon und Apple auf dem Weg zur Weltherrschaft einen Markt für gebrauchte digitale Güter aufbauen. Elet es Irodalom gefallen die frischen jungen Gesichter, die die italienischen Wahlen in die Politik gespült haben. Je langweiliger Politik ist, desto besser, meint Javier Cercas in der Monde diplo. In The New Republic erinnert sich Paul Berman an die prächtig gepanzerten Backen von Hugo Chavez. Der New Yorker freut sich über seinen Überbiss. Port Magazine porträtiert den ugandischen Kaffeeproduzenten Andrew Rugasira als guten Kapitalisten. Buzzfeed porträtiert die mexikanische Lehrerin Elsa Hernandez Gonzalez als wahre Speerspitze im Kampf gegen Drogen. N+1 porträtiert den Filmemacher Michael Haneke als Sadomodernen. Mehr lesen
Er tänzelte mit Grazie
05.03.2013. Der Rolling Stone schildert die Selbstverständlichkeit, mit der in der US-Army vergewaltigt wird. In Accents beschreibt Jean Jourdheuil die Musik in Heiner Müllers Füßen. Men's Journal begleitet einen Ex-Medienmogul und einen Evangelikalenführer zum Treffen mit einem Kannibalen in Liberia. Der Spectator versteht nicht, warum Britten Mahler Elgar vorzog. In Bloomberg besteht Evernote-Gründer Rob Walker darauf, dass sein Dienst antisozial ist. Rue 89 beobachtet den Neo-Luddismus. Die NYRB sucht Islamisten in Mali. Mehr lesen
Harvey explodierte
26.02.2013. In The Brooklyn Rail erzählt der Animationsfilmer Ralph Bakshi, warum er Glück hatte, arm aufzuwachsen. Die NYT erklärt, warum wir Zucker, Salz und Fett nicht widerstehen können. Genau darum muss der Staat uns vor uns selbst schützen, lernt die NYRB. Und The Atlantic sammelt schon mal die Daten, die beweisen, wie sehr wir beim Essen gesündigt haben. Im New Statesman singt Jeannette Winterson ein Loblied auf den kreativen androgynen Geist. Im Guardian erzählt Aleksandar Hemon, warum er als Erwachsener seine ästhetischen Prinzipien revidieren musste. Und in El Pais erklärt Sergio Alvarez, warum der magische Realismus nicht mehr zeitgemäß ist. Mehr lesen
Bringt mir die Kosmologen!
19.02.2013. In La vie des idées erklärt Timothy Snyder den Historikerstreit für erledigt. In The New Republic fragt Ian McEwan, warum er sich für irgendeinen Henry interessieren soll. Die Global Mail beschreibt die grauenvollen Hexenjagden in Papua-Neuguinea. In Syrien macht jeder seinen eigenen Aufstand, seufzt die LRB. Gibt's diesmal auch Frauen, fragt Wired angesichts der geplanten neuen Star-Wars-Folgen. Bloomberg warnt vor chinesischen Hackern. Im Espresso geißelt Roberto Saviano die italienischen Konservativen. In der NYT lassen junge Republikaner aus ähnlichen Gründen die Köpfe hängen. Mehr lesen
Forensische Romanze
12.02.2013. In Newsweek liest Simon Schama aus den Knochen Richards III. Die Financial Times besucht die Amazon-Sklaven im britischen Städtchen Rugeley. Im New York Magazine erzählt Oscar de la Renta, wie der Schuldeneintreiber von Tennesse Willliams über ihn herfiel. In Salon schreibt Adam Michnik an Michail Chodorkowski. The Nation feiert den Avantgardisten Wiktor Schklowski. In Slate.fr holt uns Michel Serres in die Zukunft zurück. Und in n+1 singt Valery Nugatov ein Liebeslied an die zeitgenössische Kunst. Mehr lesen
Boomzeit für die Unzufriedenheitsindustrie
05.02.2013. In der NYRB bewundert Lorrie Moore das Shakespearesche Format der Agenten in "Homeland". In der LRB lernt Stephen Smith über Mali: Wenn nichts mehr hilft, bleibt nur noch "Schlag den Maulwurf". Der Sozialismus ist eine bürgerliche Idee, erklärt der Historiker Jacques Julliard in nonfiction. In Elet es Irodalom möchte Miklós Tamás Gáspár die Hochschulen revolutionieren. Der Economist feiert das neue skandinavische Supermodel. In Eurozine warnt Ivan Krastev vor dem transparenten Staat. Der National Geographic reist durch ein reformwilliges Libyen. Mehr lesen







