Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Artikel von
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Bücher von Lesern empfohlen

Alma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel

Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Magazinrundschau
Die Magazinrundschau
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
17.10.2006. Im NRC Handelsblad blickt Ian Buruma auf larmoyante Neocons und fragt stirnrunzelnd: Wo bleibt die Debatte? In der Gazeta Wyborcza erklärt Neocon Norman Podhoretz den islamischen Fundamentalismus zum neuen Totalitarismus. Auch der Economist macht einen neuen Faschismus aus - in Putins Russland. In al-Sharq al-Awsat fordert der Historiker Abdesselam Cheddadi die arabische Welt auf, ihren Ibn Khaldun wieder zu lesen. Der Spectator sieht Südafrika in ernsten Schwierigkeiten. Express stellt die neue Philosophie vor, die eine alte ist. Der New Yorker rühmt deutsche Universitäten des 19. Jahrhunderts.
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
NRC Handelsblad (Niederlande), 12.10.2006
"Wo bleibt die Debatte?" fragt Ian Buruma in einer Streitschrift wider die "politische Orthodoxie" der Neocons in den Niederlanden und den USA. "Selten hat eine Gruppe Intellektueller in der amerikanischen Geschichte soviel Einfluss auf die Geschicke des Landes gehabt wie heute die Neokonservativen und ihre Organisationen. Sie haben Zugang zum Weißen Haus und Präsident Bush, zum Pentagon und zum Büro von Vizepräsident Cheney. Und doch verkaufen sie sich wie eine Randgruppe, die sich unter dem Joch politischer Korrektheit des sogenannten 'Liberal Establishment' windet. Dieser eigentümliche Maquis, eng geschart um markante Persönlichkeiten, verhält sich, als werde er permanent durch Feinde belagert. Es ist auch kaum ein Zufall, dass viele der Neocons - in Amerika aber auch hier in Holland - einst selbst Teil der extremen Linken waren: Trotzkisten, Maoisten et cetera. Denn auch dort herrscht der Geist einer unterdrückten Minderheit, die sich rüsten muss, um im Ernstfall den ersten Schlag auszuteilen. Der absolute Ton dieser Frischbekehrten, die plötzlich das Licht gesehen haben, erinnert ein bisschen an den eines ehemaligen Kettenrauchers, der nun keinen Rauch mehr erträgt."
Merijn de Waal war dabei, als ein gutgelaunter Al Gore seinen Film zur Klimakrise, "An Inconvenient Truth", in Amsterdam vorstellte. Schon lang nicht mehr der "steife, ungelenke, farblose Präsidentschaftskandidat", berichtete Gore von einem unerwarteten Fan aus dem republikanischen Lager: "'Letztens rief mich Arnold Schwarzenegger an. Er sagte zu mir (Gore imitiert einen deutschen Akzent): 'Ich verkaufe jetzt meinen Hummer.' Und er hat es getan!"
Weiteres: Anila Ramdas macht sich in seiner Kolumne Gedanken über Gandhis Lendenschurz und die politische Bedeutung von Kleidung, und Marie Jose Klaver zitiert in ihrem Weblog Raymond Spanjar, 29-jähriger Gründer der Social Network-Plattform Hyves (in Holland beliebter als Youtube oder Myspace), der gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Sprout eine potentielle Übername durch Google kommentierte: "1,65 Milliarden Dollar? Dafür tun wir’s nicht."
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
Gazeta Wyborcza (Polen), 14.10.2006
Was ist Neokonservatismus? Der Neocon Norman Podhoretz weiß die Antwort: "Es ist einfach ein neuer Konservatismus." Danach wird es aber etwas tiefgründiger. "Für mich war sogar Reagan zu weich, vor allem gegenüber den Kommunisten in Polen. Zugegeben: was den Totalitarismus angeht, so waren wir immer Falken. Den Kommunismus gibt es nicht mehr, aber wir glauben, wie Präsident Bush, dass der aktuelle Islamofaschismus ein direkter Nachfolger der totalitären Ideologien ist, die wir im Zweiten Weltkrieg bekämpft haben. Im eigenen Interesse und aus Idealismus sollten die USA den Kampf gegen diese totalitäre Bedrohung aufnehmen." Zum Vorgehen im Nahen Osten sagt Podhoretz: "Wir testen dort unsere neue Politik. Der Kampf gegen den Islamofaschismus kann 30 bis 40 Jahre dauern, ähnlich wie der Kalte Krieg. Wir säen jetzt, aber wissen nicht, was daraus erwachsen wird. Eines ist sicher: eine andere Ordnung ist möglich."
Weitere Artikel: Der Publizist und Schriftsteller Peter Lachmann zeichnet ein Porträt des Schriftstellers und Komponisten E.T.A. Hoffmann, der "ganz aus Widersprüchen bestand. Ein Künstler und Beamter, dessen Leben zwischen Deutschen und Polen genug Stoff für ein großes Schelmenepos liefern könnte", aber wundersamerweise noch nicht mit einem Denkmal in Warschau gewürdigt wird. Begeistert beschreibt Katarzyna Bik die Ausstellung "Industriestadtfuturismus", die passenderweise im berühmten realsozialistischen Industrievorort von Krakau, Nowa Huta gezeigt wird. Künstler entwerfen Zukunftsvisionen für zwei Arbeiterstädte, die in totalitären Systemen von Grund auf neu gebaut worden waren: das nationalsozialistische Wolfsburg und das stalinistische Nowa Huta.
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
The New York Review of Books (USA), 02.11.2006
Berkeley-Philosoph John Searle beweist in recht eigener Logik, dass es Bewusstsein gibt, weil nicht bewiesen werden könnte, dass es das nicht gibt: "Bewusstein ist real und unauslöschlich. Es kann nicht als Illusion abgetan werden oder auf irgendein Phänomen reduziert werden. Warum nicht? Es kann keine Illusion sein, denn wenn ich bewusst die Illusion hege, ich sei bei Bewusstsein, bin ich bei Bewusstsein. Bewusstsein existiert subjektiv in dem Sinne, dass es nur von einem menschlichen oder tierischen Subjekt erfahren wird, und deshalb kann es nicht auf etwas Objektives oder ein Phänomen der dritten Person reduziert werden."
In einem Offenen Brief protestieren hundert chinesische Intellektuelle und "Netzbürger" gegen die Schließung der kritischen Website Century China vor einem Jahr: "Die Schließung von Century China ist ein weiteres Beispiel für die Unterdrückung der Freiheit durch die chinesische Regierung. Deshalb müssen wir scharfen und unnachgiebigen Protest erheben gegen den Missbrauch der Macht durch die Regierung."
Weiteres: Christopher de Bellaigue beobachtet den wachsenden Einfluss des schiitischen Islams in der arabischen Welt. Aryeh Neier verteidigt Human Rights Watch, das für seine Kritik an der israelischen Kriegsführung im Libanon seinerseits stark kritisiert wird. Die Autorin Joyce Carol Oates schreibt eine Hommage auf ihre kanadische Kollegin Magaret Atwood, an der sie besonders den "kalten, aber nicht mitleidslosen Blick" bewundert. Besprochen werden außerdem Karen DeYoungs Colin-Powell-Biografie "Soldier" und eine James-Stewart-Biografie von Marc Eliot, die gänzlich ohne Skandale und Affären auskommen muss.
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
al-Sharq al-Awsat (Saudi Arabien / Großbritannien), 11.10.2006
Vor 600 Jahren starb Ibn Khaldun. In Tunis geboren, in Kairo gestorben - doch seine soziologischen Schriften inspirierten vor allem europäische Denker. Der marokkanische Historiker Abdesselam Cheddadi, der seit über dreißig Jahren zu Ibn Khaldun forscht, sieht darin eine Ursache für die aktuellen Krise der arabischen Welt. Produkte des technischen Fortschritts könne man leicht importieren. "Eine Kultur aber", erklärt Cheddadi im Interview, "kann man nicht von irgendjemanden borgen." Weder die Suche nach einer vermeintlich authentischen Kultur im Vergangenen, noch der Import von Autobahnen biete eine Lösung. Nur "Kultur-Autobahnen" führten aus der Krise. Für Cheddadi ist Ibn Khaldun ist ein Anknüpfungspunkt, "ein Symbol für kühnes, rationales und von Dogmen befreites Denken. Wir müssen ihn heute zu einem Symbol für die Modernisierung unserer Kultur machen. Die Erneuerung einer modernen Kultur erfolgt im wesentlichen mit den Mitteln der Human- und Gesellschaftswissenschaften - und Ibn Khaldun war in der globalen Geschichte des Denkens ein Wegbereiter dieser Wissenschaften, er ist einer ihrer führenden Repräsentanten. Unsere vergangene Kultur bedarf einer neuen Betrachtung... Wir müssen unser kulturelles Erbe neu lesen, wir müssen unsere Schriften gründlich und mit modernen analytischen Methoden neu erforschen."
In Syrien beobachtet Lisas Hatahat ein wachsendes Interesse an traditioneller Musik - deutlich sichtbar in den zahlreichen Instituten, die Kurse in orientalischer Musik anbieten. Etwas irritiert nimmt sie daher die Aussage des Gründers der bekannten Musikschule Bayt al-Oud in Kairo, Naseer Shamma, zur Kenntnis: "Es gibt keinen Westen oder Osten in der Musik. Die Musik ist eine Welt mit unterschiedlichen Dialekten. Alles andere sind nur Labels. Die Kultur ist eins, und die Künste und Instrumente sind ähnlich. Das entscheidende ist, wo sich der Mensch selbst wiederfindet."
In Kairo beobachtet Muhammad Abu Zaid frustiert einen Streit unter Intellektuellen. Es geht um nichts weniger als das geistige Erbe Nagib Mahfus' und darum, wer zukünftig für ihn sprechen darf.
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
The Spectator (Großbritannien), 13.10.2006
In seiner Titelgeschichte über Südafrika kann Rian Malan auch etwas Positives melden: "Es wird keinen Bürgerkrieg geben." Ansonsten aber sieht er schwarz: "Noch vor neun Jahren sah es es so aus, als könnte sich Südafrika mit seiner Friede-Freude-Eierkuchen-Art durchwursteln. Die Wirtschaft wuchs, wenn auch langsam. Die Züge fuhren, wenn auch nicht pünktlich. Wenn man die Polizei rief, kam sie manchmal. Wir dachten, unser Tisch sei relativ stabil und wir könnten ewig daran sitzen und Regenbogennationen-Ambrosia schlürfen. Fast über Nacht haben wir mit Bestürzung realisiert, dass vieles um uns herum faul ist. Fast die Hälfte unserer Provinzen und Gemeinden stehen vor dem Kollaps. Ein mörderischer Thronfolgestreit ist im regierenden ANC ausgebrochen. Unser Rechnungshof verbringt Berichten zufolge schlaflose Nächte über Milliarden, die nicht genau zugeordnet werden können. Die Weißen haben sich schon vor Jahren darüber beklagt, aber wenn Präsident Thabo Mbeki die 'nackte Tatsache' einräumt, dass seine Regierung von Glücksrittern infiltriert ist, die sich über das Geld des Volkes hermachen wollen - dann wissen wir, dass wir in ernsthaften Schwierigkeiten sind."
Allister Heath hat den französischen Philosophen Bernard-Henri Levy getroffen, der einmal mehr erklärte, dass Anti-Amerikanismus eine Form von Faschismus sei. Spannend fand Heath aber, was Levy über Multikulti in Großbritannien zu sagen hatte: "'Britische Bürger, älteren oder jüngeren Ursprungs, sollten sich zusammen an einen Tisch setzen und versuchen, einen neuen Gesellschaftsvertrag zu schreiben. Es ist dringend. Wenn nicht, werden Sie überall Unruhen bekommen, so wie wir in Frankreich, aber Ihre werden noch schlimmer ausfallen.' Nach der Bemerkung zuckte Levy mit den Achseln und ich fragte mich zum ersten Mal in meinem Leben, ob wir besser dran wären, wenn unsere Intellektuellen ein bisschen mehr wie die in Frankreich wären."
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
Esprit (Frankreich), 01.10.2006
Marie Mendras schreibt für Esprit einen sehr kenntnisreichen, auf den 13. Oktober datierten Online-Kommentar über den Mord an Anna Politkowskaja. Sie warnt unter anderem davor, die sich jetzt verbreitende offizielle Version über die Täter zu glauben - demnach sei der Mord von streitenden tschetschenischen Fraktionen zu verantworten. "Diese Version hätte den doppelten Vorteil, dass man einerseits den Feind Nummer 1 auslöscht und den Mord andererseits den Tschetschenen gleich welcher Fraktion in die Schuhe schieben kann. (...) Es wäre unerträglich, wenn diese sich abzeichnende offizielle These vom russischen Publikum, das dem Fernsehen ausgeliefert ist, und den europäischen Regierungen, die es sich nicht mit Putin verderben wollen, geschluckt würde. Nein, Anna Politkowskaja ist kein Opfer einer Abrechnung unter Tschetschenen. Misstrauen wir angeblichen Schuldigen, die jetzt aus dem Hut gezaubert werden könnten. Der Mord an Anna Poltikowskaja ist eine politische Tat."
Auch das Editorial der Zeitschrift ist freigeschaltet, das sich in diesem Monat noch einmal mit den Unruhen in den Banlieues vor einem Jahr befasst.
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
L'Express (Frankreich), 12.10.2006
In regelmäßigen Abständen diskutiert man in Frankreich Stellenwert und Bedeutung der Philosophie. Anlass ist diesmal die Diagnose einer zunehmenden Popularisierung der Disziplin und ihrer Themen, in der "Puristen" bereits eine "Vulgarisierung" wittern. Ein Artikel untersucht diese Einschätzung und den "neuen Hunger nach Sinn und Orientierungspunkten" und stellt ein neues Buch des Philosophen und ehemaligen französischen Bildungsministers Luc Ferry vor: "Vaincre les peurs" (Odile Jacob). Ferry erklärt in einem Interview, weshalb dies für ihn nur eine "Rückkehr zur Normalität" ist, die alle die französischen Philosophen, die international so viel bekannter sind als er, für kurze Zeit untergraben hatten: "Der Charme der Dekonstruktion oder des Poststrukturalismus um Deleuze, Derrida, Foucault, die die sechziger und siebziger Jahre dominiert haben, lag in ihrem Avantgardismus, der sie zu einer Sache der Eliten machte. Dieses ultrakritische 68er-Denken wollte den Triumph der westlichen Tradition, den klassischen Rationalismus, dekonstruieren. Es ist esoterisch, absichtlich obskur, marginal aus Lust an der Sache, daher seine Verführungskraft."
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
Die Weltwoche (Schweiz), 12.10.2006
Vorausgesetzt, dass Nordkorea mit seinem Atomtest nicht nur geblufft hat, schreibt Christoph Neidhart zur Geburt der gruseligen Atommacht, läuft jetzt alles für Kim Jung Il: "Die Reaktionen der Welt können mit 'entschlossen ratlos' umschrieben werden. Gleichwohl dürfte Kim sich, wie so oft, verrechnet haben. China, einst Pjöngjangs letzter Verbündeter, will kein nukleares Nordkorea, zumal Japan, wenn Nordkorea A-Waffen bauen sollte, auch zur Nuklearmacht werden könnte. Mehr als ein halbes Jahr dürfte seine hochentwickelte KKW-Industrie für den Bombenbau nicht brauchen. Noch weniger kann China hingegen eine Implosion des nördlichen Korea wünschen: weniger wegen der Flüchtlingsströme, die kämen, wenn das verarmte Land, mit dem es eine lange, oft unwegsame Grenze teilt, kollabieren würde, eher wegen des Vakuums, das sich zwischen den Einflusssphären Südkoreas, Russlands, Japans und der USA auftäte."
Franziska K. Müller unterhält sich mit dem Wiener Evolutionsbiologen Karl Grammer, der erklärt, warum das Gerede von den inneren Werten völliger Humbug ist: "Wird eine Frau gesichtet, läuft beim Mann - ähnlich wie bei einer Waschmaschine - das immergleiche Programm ab. Unsere Feldstudien in Japan und Deutschland ergaben, dass Männer generell alle Frauen interessant finden, und ihre Chancen stufen sie durchwegs als besser ein, als sie in Wirklichkeit sind. Anschließend versuchen sie, die schönsten Frauen zu beeindrucken. Egal, ob das gelingt oder nicht: Männer glauben, sie seien die Jäger, in Wirklichkeit bestimmt jede Frau zu hundert Prozent selbst, ob und von wem sie sich erlegen lassen will."
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
The New Yorker (USA), 23.10.2006
In einer wunderbaren Besprechung stellt Anthony Grafton eine Studie des Historikers William Clark über die Geschichte der Universitäten und des "akademischen Charismas" vor ("Academic Charisma and the Origins of the Research University"). Sie beginnt mit der Frage, weshalb sich Professoren in Zeiten des World Wide Web die Lehrtätigkeit überhaupt noch antun, und warum die Studenten, deren überwiegender Teil Lehrer werden will, jahrelang durch "aufreibende, hochspezialisierte Stoffe und Dissertationen" gehetzt werden. Jeder College- oder Universitätsprofessor habe doch schon einmal die Erfahrungen gemacht, "in einem muffigen Raum zu stehen, und eine Handvoll Teenager zu unterrichten, über denen eine fast greifbare Hormonwolke schwebt; oder in einer Institutssitzung zu hocken und dabei zuzuhören, wie die Kollegen ihre unterschiedlichen Berufsidentitäten ausagieren: die russischen Historiker verbreiten Trübsinn, die Germanisten fallen versehentlich über Polen her, die Asienwissenschaftler murren über westliche Ignoranz und mangelnde Höflichkeit, und die Amerikanisten äußern sich überrascht über die Vorstellung, dass es noch andere Kontinente gibt." Clark erzählt am Beispiel deutscher Universitäten, was akademisches Charisma einmal war.
Weitere Artikel: Dan Baum porträtiert die Morgensendung von Renan Almendarez Coello, dem "Cheerleader der Lateinamerikaner"; er erreicht als "El Cucuy de la Manana" über den Sender KLAX La Raza in der Region Los Angeles Millionen spanischsprachiger Radiohörer, die er allmorgendlich mit dem Schrei "Arriba! Arriba! Arriba! Arriba! Arriba! Arriba!"(Aufstehen!) weckt. Nick Paumgarten erzählt, wie der Casinobesitzer und Kunstsammler Steve Wynne ein Gemälde von Picasso, das er eigentlich zum Rekordpreis von 139 Millionen Dollar verkaufen wollte, mit dem Ellbogen rammte und dies als "Zeichen des Schicksals" wertete, es besser zu behalten. Aus dem Archiv wird noch einmal eine autobiografische Geschichte des neugekürten Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk abgedruckt, ergänzt um Porträts des türkischen Schriftstellers von John Updike und David Remnick. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Stairway to Heaven" von Aleksandar Hemon.
Besprechungen: "Hervorragend und subversiv" findet John Lahr den Monolog des Theaterstücks "Wrecks" von Neil LaBute. Anthony Lane stellt Sofia Coppolas Film "Marie Antoinette" vor, von dem er über weite Strecken den Eindruck hatte, "Paris Hilton hätte ihn gemacht"; außerdem einen weiteren Film zu Truman Capote, "Infamous" von Douglas McGrath, den der Kritiker auch den Zuschauern empfiehlt, die schon Bennet Millers "Capote" gesehen haben.
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
The Nation (USA), 13.10.2006
In einer großen Afghanistan-Reportage beschuldigt Christian Parenti die Regierung des Präsidenten Karzai der Korruption und macht auch die Amerikaner für Missstände verantwortlich, die zum Wiederaufstieg der Taliban führen: "Fünf Jahre nach dem Sieg über die Taliban hat Kabul nur drei Stunden Strom am Tag und unsauberes Trinkwasser. Das Gesundheitssystem existiert nicht, beziehungsweise wird von Hilfsorganisationen aufrechterhalten, und den Grundschulen fehlen Lehrer. Die Regierung veranlasst so gut wie keine öffentlichen Arbeiten. Es gibt kein System der Nahrungssicherheit, keine Pläne für die Landwirtschaft, und auch die staatlichen Industriebetriebe erhalten so gut wie keine Unterstützung."
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
Tygodnik Powszechny (Polen), 15.10.2006
Was ist nicht über die junge Schriftstellergeneration in Polen geschrieben worden, nachdem Dorota Maslowska den renommierten NIKE-Preis erhalten hat! Michal Olszewski, selbst junger Literat, beschreibt den Alltag dieser Spezies eher nüchtern: "Kaum setzen einige Verlage bewusst auf junge Schriftsteller, geht die ewige Meckerei wieder los: dass die Bücher zu klischeehaft sind, vulgär, provinziell oder eine billige Art von Postmoderne repräsentieren. Wenn sich die Autoren nicht mit dem Jetzt beschäftigen, wird ihnen Eskapismus vorgeworfen, fangen sie damit an, betreiben sie angeblich Publizistik." Olszewski plädiert dafür, genauer hinzuschauen, und nicht nur Maslowska zu sehen, denn "es passiert hier etwas. Junge Literatur hat einen hastigen Rhythmus, der den Zeitgeist widerspiegelt, so als ob die Autoren in Anspannung leben und nach der Arbeit schreiben würden. Das ist neu!"
Und was meint Dorota Maslowska selbst? In einem sehr langen Interview mit dem Tygodnik vergleicht sie die Preisverleihung mit der Geburt ihres Kindes: "Eine große Erleichterung. Ich muss nichts mehr beweisen. Ich wurde immer für eine Pseudo-Schriftstellerin gehalten, und jetzt bin ich in der richtigen Schublade gelandet. Andererseits fühle ich die Schwere dieses Urteils: Alle sind beleidigt!"
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
The Guardian (Großbritannien), 14.10.2006
Der Guardian druckt einen bislang unveröffentlichten Artikel der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja ab, in dem sie über ihre beklemmenden Arbeitsbedingungen klagt: "Vor einiger Zeit hat Wladislaw Surkow, der Stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung erklärt, dass es Feinde gibt, die man zur Vernunft bringen kann, aber auch solche, die unverbesserlich sind, und von denen müsse man die politische Bühne 'bereinigen'. Also wollen sie sie von mir und anderen wie mir bereinigen... Der Kreml hat mir den Zugang zu Informationen verstellt, denn die Kremlideologen meinen, dass dies die beste Möglichkeit ist, mein Schreiben unwirksam zu machen. Aber es ist unmöglich, jemanden aufzuhalten, der sich mit aller Entschlossenheit der Aufgabe verschrieben hat, die Welt um uns herum zu beschreiben. Mein Leben kann schwierig sein, und noch häufiger demütigend. Ich fühle mich mit siebenundvierzig Jahren nicht mehr jung genug, Zurückweisung um Zurückweisung zu erleben und immer wieder meinen Pariastatus vorgehalten zu bekommen, aber damit kann ich leben..."
Außerdem: John Gittings berichtet über seine eigenen Erfahrungen in Nordkorea, die ihn gelehrt haben, dass dort "das Wirkliche und das Unwirkliche, das Normale und das Anormale unlösbar miteinander verquickt sind", und dass man lernen müsse, diese verschiedenen Stränge voneinander zu unterscheiden. Und Richard Holmes bespricht als "Buch der Woche" Claire Tomalins neue Biografie von Thomas Hardy, die vor allem das schwierige Eheleben des englischen Klassikers darstellt und bleibende Eindrücke hinterlässt: "Wer könnte vergessen, wie Hardy, nur mit Kniestrümpfen bekleidet, Gedichte schreibt?"
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
The Economist (Großbritannien), 13.10.2006
Angesichts des jüngsten Konflikts mit Georgien und des Mordes an Anna Politkowskaja hegt der Economist ernsthafte Sorge ob der Richtung, in die sich Russland derzeit zu bewegen scheint. "Auch die Geschichte liefert einen Begriff, der diese Richtung beschreibt (…), ein Wort, das die Paranoia und das Selbstbewusstsein, die Gesetzlosigkeit und den Autoritarismus, den Populismus und die Intoleranz sowie den wirtschaftlichen und politischen Nationalismus einfängt, die Putins Regieren kennzeichnen. Es ist ein allzuoft gebrauchtes und doch kontroverses Wort, vor allem in Russland. Noch ist es dort nicht angekommen, doch Russland scheint manchmal auf den Faschismus zuzusteuern."
Die am 7. Oktober ermordete Journalistin Anna Politkowskaja hatte dies vorausgesehen, schreibt der Economist im Nachruf und bedauert, dass gerade ihr Tod ihr Recht geben sollte. "Putins Regime ist zutiefst brutal und korrupt, sagte sie mit ihrer sanften, sachlichen Stimme. Er verkörpert die bösesten Dämonen der sowjetischen Vergangenheit, die nun in moderner Form zu neuem Leben erwacht sind. Hunderte haben sterben müssen, damit er an die Macht gelangt, und das war erst ein Vorgeschmack auf den Faschismus und den Krieg, die folgen sollten. Nun erscheint ihr Pessimismus weniger extrem." Politkowskaja selbst habe ein ums andere Mal die kleinste Form des Widerstandes beschrieben: "Angesichts eines KGB-Offiziers als Präsident, ist das Mindeste, was du tun kannst, manchmal zu lächeln, um den Unterschied zu zeigen zwischen ihm und dir."
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
Il Foglio (Italien), 14.10.2006
Ugo Bertone erzählt die tragische Geschichte der japanischstämmigen Amerikanerin Iva Toguri, die während des Zweiten Weltkriegs in Japan strandete und dort als Sprecherin von Propagandasendungen requiriert wurde, die sich an das amerikanische Militär richteten. Unter den Soldaten wurde sie als "Tokyo Rose" berühmt und berüchtigt (mehr). "Das Fantasma dieser schicksalbehafteten Stimme verhexte Abertausende von Marines - in den Dschungeln von Neuguinea oder auf den Landungsbooten vor den Stränden von Iwo Jima, die sich bald mit Blut tränken würden. In diesen Nächten des Wartens, wo jede Nacht als die allerletzte Nacht galt, wurde der Jazz des Radiosenders aus Tokio von einer Frauenstimme unterbrochen, vielleicht der letzten weiblichen Stimme in einem viel zu kurzen Leben: 'Lauscht, Männer, lauscht, solange ihr noch lebt.'"
Auf den gleichen Seiten fragt sich Siegmund Ginzberg, wie lange China Nordkorea noch unterstützen wird. Giuseppe Garibaldi, der Held des italienischen Risorgimento, und Aureliano Buendia aus Gabriel Garcia Marquez' "Hundert Jahre Einsamkeit" weisen erstaunliche Ähnlichkeiten auf, behauptet Nicola Fano in seinem Geburtstagsartikel für ersteren. Andrea Riccardi, der Gründer der Gemeinschaft von Sant'Egidio, setzt in Sachen spiritueller Erneuerung des Westens große Hoffnungen auf Benedikt XVI.
NRC Handelsblad | Gazeta Wyborcza | The New York Review of Books | al-Sharq al-Awsat | The Spectator | Esprit | L'Express | Die Weltwoche | The New Yorker | The Nation | Tygodnik Powszechny | The Guardian | The Economist | Il Foglio | The New York Times
The New York Times (USA), 15.10.2006
Pankaj Mishra stellt im New York Times Magazine den chinesischen Intellektuellen Wang Hui vor, einen der Mitbegründer des Magazins Dushu (hier einige Artikel auf Englisch) und profilierteste Leitfigur der "Neuen Linken". Diese noch kleine, aber umtriebige Gruppe hält die kritiklose Übernahme des kapitalistischen Modells für einen Fehler und einen Verrat an den 800 Millionen Armen des Landes. "Wang gibt ohne Zögern zu, dass die chinesischen Anstrengungen zur Reform des Marktes große Fortschritte gebracht haben. Er befürwortet die erste Phase von 1978 bis 1985, die die Nahrungsmittelproduktion und den Lebensstandard der Landbevölkerung steigerte. Die Besessenheit der Zentralregierung aber, in den städtischen Gebieten Wohlstand zu erzeugen - und die Entscheidung, politische Macht an lokale Parteiführer abzugeben, die sich oft ausdrücklich nicht um die Direktiven der Zentralregierung scheren - habe die eklatante Ungleichheit innerhalb Chinas verursacht. Die Einführung einer neoliberalen Marktwirtschaft führte bisher immer zum Einsturz des Sozialsystems, zu einer wachsenden Einkommenskluft zwischen Arm und Reich und immer häufiger auftretenden Umweltkrisen, nicht nur in China, sondern auch in den USA und anderen entwickelten Ländern. Für Wang liegt die Aufgabe der Intellektuellen darin, den Staat nun an seine nicht eingehaltenen Verpflichtungen gegenüber Bauern und Arbeitern zu erinnern."
Als echten Unsympath schildert Daniel Mendelsohn in der New York Times Book Review den Autor Jonathan Franzen in seiner Besprechung von Franzens autobiografischen Essays "The Discomfort Zone" (Auszug). Franzen sei eine tragische Figur, die ihren Sturz in der Publikumsgunst selbst zu verantworten habe (zur Erinnerung: Franzen fand seinen Bestseller "Die Korrekturen" zu genial für Oprah Winfreys populären Buchclub): "Wie dieses unappetitliche Buch zeigt, hat Franzen, anders als Ödipus oder Hippolytus, nichts dazu gelernt. Die während der Oprah-Affäre zur Schau gestellte selbstgefällige Cleverness einerseits, die entwaffnende, manchmal unangebrachte Offenheit andererseits, Egozentrik, Altklugheit und die von Unreife zeugende Unfähigkeit, die Wirkung seiner Brillanz auf andere zu ermessen - sie bestimmen nicht nur Franzens Karriere, sondern den Mann selbst." Darum, meint Mendelsohn, habe sich Franzen als Kind auch nicht mit dem Loser Charlie Brown identifiziert, sondern mit Snoopy, "der zu ichbezogen ist, um zu merken, dass er kein Mensch ist".
Weiteres: Douglas Brinkley lobt das entmythisierende Potential in Michael Streissguths Biografie "Johnny Cash". Elissa Schappell bedauert das überstürzte Ende in Joyce Carol Oates' neuem Roman "Black Girl / White Girl". Und Megan Marshall schätzt an Antonia Frasers populärgeschichtlichem Werk über König Ludwig XIV. und die Frauen ("Love and Louis XIV") nicht zuletzt die kuschelige Schlafzimmer-Atmosphäre.
Archiv: Magazinrundschau
Struktur ist Inhalt, Geometrie ist alles
09.02.2010. England, nicht Nigeria gehört auf eine Liste mit Terrorstaaten, ruft der nigerianische Nobelpreisträger für Literatur, Wole Soyinka, in The Daily Beast. In Prospect bittet Tim Berners-Lee: Spielt mit unseren Daten! In Rue 89 erklärt Beppe Grillo, warum er Sarkozy gefährlicher findet als Berlusconi. In Tygodnik Powszechny trauert Stefan Chwin um die polnischen Idealisten. In The Nation erklärt Lawrence Lessig blitzklar, warum Großspenden den Parlamentarismus zerstören. Polityka erzählt, an wen ein Pole sich wendet, wenn er nicht heiraten darf. In Salon spaziert Olga Tokarczuk mit einem Weichselzopf durch Amsterdam. Der Guardian denkt an armenische Frauen, die ihre nackten weichen Brüste an einem Stein reiben. Mehr lesen
Alle Guten sind lustig
02.02.2010. Alle Macht den Garagenfirmen! In Wired feiert Chris Anderson die nächste industrielle Revolution. Im Espresso erklärt Umberto Eco, warum einige Leute immer noch glauben, die Erde sei eine Scheibe. Der Boston Globe besingt sein Kamel - im Nabati-Stil. In El Pais Semanal beklagt der Soziologe Edgar Morin die Trägheit Europas. Outlook India fragt, warum die Aussies die Inder hassen. Odra und Tygodnik diskutieren immer noch den Wert der Freiheit für die Literatur. In open democracy klagt Salome Surabischwili über die welken Blüten der georgischen Rosenrevolution. In Prospect erklärt Martin Amis haargenau, was einen guten Autor ausmacht. Die NYT porträtiert einen waschechten Dschihadisten aus Alabama. Mehr lesen
In die Provinz!
26.01.2010. Das Magazin beschreibt in einer Reportage die zunehmenden Amokdrohungen von Schülern. Der Spectator warnt die Londoner City vor den mörderischen Dominas in der Schweiz. In Sinn und Form erinnert Marc Fumaroli an einen, dessen Name nicht genannt werden darf: Mario Praz. Im New Humanist erinnert sich Laurie Taylor an die heiligen Männer, die ihn als Kind missbrauchten. Der Guardian fragt, warum Piet Mondrian so viel bekannter ist als Theo von Doesburg. Und in der NYRB fragt Garri Kasparow die Schachprogrammierer: Warum seid ihr so uninspiriert? Mehr lesen
Das ist besser als Sex
19.01.2010. Open Democracy erzählt, warum ein Roman des weißrussischen Autors Victor Martinovich wieder aus den Buchhandlungen verschwand. Prospect fürchtet, ein Verbot von Islam4UK könnte die Demokratie in Großbritannien untergraben. Die Gazeta Wyborcza untersucht das Verhältnis von Polen und Juden. Le Monde diplomatique beobachtet die Zerstückelung Afrikas. Und Gerhard Richter beschert The Nation eine Überraschung. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
201012345678910111220091234567891011122008123456789101112200712345678910111220061234567891011122005123456789101112200412345678910111220031234567891011122002123456789101112
Archiv: Magazinrundschau
Eigelb auf der Krawatte
12.01.2010. Der Spectator sagt leise Servus zum Shabby Chic. In Le Monde lehnt Bernard-Henri Levy jede staatlich verordnete Debatte ab. Qantara ahnt, wer an der Misere in den arabischen Ländern schuld ist: der Vater. Im Espresso findet Umberto Eco heutige Tageszeitungen viel zu aufgebläht. The Nation will den Journalismus mit jährlich 30 Milliarden Dollar Subventionen retten. In Tygodnik Powszechny erklärt der Schriftsteller Wojciech Albinski, warum Polen exotisch ist. Der New Yorker entdeckt arabisches Leben in der Literatur. Mehr lesen
Ihr Gewicht war das ideale Gewicht
05.01.2010. In der New York Review of Books fragt Wyatt Mason die Pleiade, warum er nicht den ganzen - und eben auch den antisemitischen - Celine lesen darf. In Tygodnik Powszechny denkt der Soziologe Marek Kucia darüber nach, wie man Auschwitz als Erinnerungsort erhalten kann. In Slate stellt John Maxwell Hamilton die interessantesten Auslandskorrespondenten seit Benjamin Franklin vor. Im Express erinnert Philippe Gavi daran, dass der Prophet Mohammed kein verrückter Killer war. In NZZ Folio wundert sich eine Kalifornierin über die Reinkarnation eines Fabrikarbeiters. Die jüngere Autorengeneration mag nur noch Kuschelsex, klagt die New York Times und ruft nach Philip Roth. Mehr lesen
Verzweifeltes Verlangen nach Licht
29.12.2009. In der New York Review of Books schreibt Tony Judt über seine ALS-Erkrankung. Im Merkur beschreibt Wolfgang Ullrich einen neuen Künstlertypus: den Auftraggeber. Der Economist erzählt, wie Fans Harry Potter weiterschreiben. In Prospect erklärt Cristian Mungiu, warum man über den Kommunismus lachen muss. In Nepszabadsag denkt Peter Nadas über die Krise in Ungarn und ihr mögliches Ende nach. Im NouvelObs erklärt Francis Ford Coppola, warum DVDs kostenlos sein sollten. Eurozine führt ein in die Literatur Litauens. Mehr lesen
Ja, das ist ein Werk
22.12.2009. Wired erzählt, wie James Cameron den Lucas haut. Im Nouvel Obs fetzen sich Alain Finkielkraut und Alain Badiou über Immigration und nationale Identität. Tygodnik Powszechny stellt den Künstler Miroslaw Balka vor. Warum untergrabt ihr die Demokratie?, fragt Andras Bozoki seine Landsleute in Elet es Irodalom. Im The New Statesman erklärt Leo McKinstry, warum die Bombardierung von Coventry eine Inspiration für die britische Luftwaffe war. Die Künstlerin Marina Abramovic erklärt in ArtNews welche Folgen es hat, wenn man nie von Mutter geküsst wird. Mehr lesen
Nicht einmal primär sexuell
15.12.2009. Vanity Fair sucht den Superpartner. Elet es Irodalom liest neue Essays von Imre Kertesz. Outlook India beklagt die Korruption im Journalismus. Der New Yorker liest eine neue Koestler-Biografie. Die nächste Revolution bricht in Frankreich aus, glaubt Nepszabadsag. Der Spectator begegnet auf einer Kostümparty einer Vagina dentata. In The New Republic feiert Moshe Halberthal die sublime Bescheidenheit Amartya Sens. Mehr lesen
Multitasking gedeiht, so wie wir
08.12.2009. Im Wilson Quarterly liebt der Ökonom Tyler Cowen sein Multitasking. Prospect kennt die Monster der Linken. Der Boston Globe entdeckt mit James C. Scott das neue Shangri-La in den Bergen "Zomias". Die Weltwoche empört sich über die Kritik an der Minarett-Abstimmung. Im Nouvel Obs macht sich Pierre Nora Gedanken über den Bestseller. New Criterion weiß, warum die Preise für Pop-Art nicht sinken. NZZ-Folio untersucht Chicken Nuggets. Al Ahram fragt: Was will der politische Islam? Walrus bedauert das erste Opfer von C-58. In Resetdoc erklärt Joseph Massad, den arabischen Homosexuellen zu einer Erfindung des Westens. Mehr lesen
Dieser Mangel an Befremden
01.12.2009. In Eurozine plädiert der slowenische Dichter Ales Debeljak für die Vermischung der Kulturen. Umberto Eco sekundiert in Le Monde. The Nation porträtiert den salvadorianischen Autor Horacio Castellanos Moya, der wiederum in Babelia erklärt, warum es 200 Jahre nach der Unabhängigkeit einer Reihe von lateinamerikanischen Staaten nichts zu feiern gibt. Polityka legt die Polen auf die Couch. La vie des idees liest ein Buch über die Resistance und die Juden. Amerikaner lesen mehr als Europäer, kontert der Historiker Peter Baldwin im Merkur. Und in der The New York Review of Books macht Robert Darnton zwei kühne Vorschläge für ein neues Book Settlement. Mehr lesen
Seid psycho!
24.11.2009. Der New Yorker sucht den entscheidenden Unterschied zwischen männlich und weiblich. Elet es Irodalom kommentiert das Kertesz-Interview in der Welt. Prospect begutachtet die Entwicklung des schwedischen Krimis. Walrus lässt sich von dem Dirigenten Yannick Nezet-Seguin, warum Werktreue manchmal etwas Gewalt braucht. In Polityka bittet der Historiker Jerzy W. Borejsza, die Angepassten, Assimilierten und Kollaborateure nicht aus der Geschichte zu werfen. Im Guardian verteidigt Zadie Smith den Roman gegen den Essay. Mehr lesen
Mehrgängig essen
17.11.2009. In Open Democracy verzweifelt die Moskauer Lyrikerin Tatiana Shcherbina an der russischen Stalin-Obsession. Polityka freut sich über einen Film, in dem es endlich mal keine Schande ist, kein Held gewesen zu sein. Die London Review of Books liest mit Vergnügen Roland Barthes. Im Espresso schlägt Umberto Eco vor, künftig nur das nackte Kreuz in die Klassenzimmer zu hängen. In der New York Review of Books überlegt Timothy Garton Ash, was die Samtene Revolution von anderen Revolutionen unterschied. Magyar Narancs will einmal ganz offen über die Roma zu reden. Der New Yorker begleitet eine Michelin-Testerin ins Jean Georges. In Letras Libres erklärt der Schriftsteller Cesar Aira, warum er nichts von offizieller Leseförderung hält: sie verstößt gegen die Freiheit. Mit den USA als Land der Erfindungen geht es bergab, glaubt Newsweek. Mehr lesen
Homer der Huzulen
10.11.2009. In Open Democracy wünscht Neal Ascherson den Europäern etwas vom revolutionären Geist der Franzosen. Tygodnik dokumentiert, dass die polnische Dissidenten schon 1954 und auch noch in den Siebzigern auf die deutsche Wiedervereinigung hofften. In Newsweek findet Niall Ferguson 1989 welthistorisch nicht so bedeutend wie 1979. In Eurozine treibt Laszlo Borhi Österreichs Sozialdemokraten die Schamesröte ins Gesicht. Outlook India fährt nach Arunachal. Wired besucht den Henry Ford des Informationszeitalters. The New Republic pilgert zu den Bauten Peter Zumthors. Mehr lesen
Fürchtet den Wandel nicht. Umarmt ihn!
03.11.2009. Open Democracy erzählt von russischen Störsignalen, die iranische Spatzen vertreiben. Die London Review liest neue Bücher über Ehrenmorde. Walrus weint auf das gedruckte Buch. The Nation sucht nach Dusan Makavejev. Der Guardian deutet Michael Hanekes Oeuvre. Polityka erklärt den Polen, dass Ethik auch ohne Katholizismus und sogar ohne Gott zu haben ist. In Dawn verteidigt Arundhati Roy die maoistische Guerilla in Indien. In Frontline plaudert der maoistische Guerillero Koteswar Rao über den Nutzen von Hinrichtungen für eine Revolution. In Le Monde wundert sich Vaclav Havel immer noch über seine Kritiker. HVG erklärt, warum der Kapitalismus für die Ungarn eine kommunistische Angelegenheit ist. Mehr lesen



