Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Festverzinsliche Wertpapiere des Erinnerungsmarktes

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

17.02.2009. Brauchen die Palästinenser mehr Platz als die Belgier? fragt Amos Oz im Guardian. In Eurozine erklärt Slavenka Drakulic, wie man auf die harte Tour lernt. In Nepszabadsag beklagen der Pole Bogdan Goralczyk und der Ungar Laszlo Lengyel die Provinzialität Osteuropas. Im Espresso wirft Umberto Eco mit Büchern. Im TLS erklärt Richard Dawkins: Evolution ist wahr. The New Republic fürchtet die Zwei-Klassen Informationsgesellschaft nach dem Tod der Zeitungen.

The Guardian (UK) , 14.02.2009

Bild zum ArtikelAida Edemariam hat den israelischen Schriftsteller Amos Oz zwei Wochen vor den Wahlen in Jerusalem besucht und mit ihm über eine Zweistaatenlösung gesprochen. "'Die Voraussetzung für Frieden', sagt er, 'ist eine umfassende Lösung für das palästinensische Flüchtlingsproblem auf dem Boden eines zukünftigen Palästinas' - das er in der Westbank und Gaza sieht, verbunden durch einen Korridor oder unterirdischen Tunnel und befreit von fast allen israelischen Siedlungen. 'Und ich würde darauf beharren, das dies meine elementare Anforderung aus Eigennutz ist - aus Sicherheitsgründen für Israel. So lange diese Menschen unter unmenschlichen Bedingungen in Flüchtlingscamps verrotten, wird Israel nicht sicher sein, Friedensvertrag hin oder her.' Palästinenser wie der Schriftsteller Samir el-Youssef, der einem Flüchtlingscamp aufgewachsen ist, sehen die Dinge etwas anders. 'Oz sieht die Palästinenser als Problem an, das die Israelis so schnell wie möglich los werden sollten', sagt er. 'Seine lächerliche Vorstellung, dass alle Palästinenser sich auf dem winzigen Gebiet der West Bank und Gaza zusammendrängen, zeigt, dass er die Palästinenser nur als alte Möbel ansieht, die eingelagert werden müssen.' Oz' Antwort ist kurz: 'Wenn der letzte palästinensische Flüchtling auf der Westbank oder in Gaza angesiedelt ist, wäre es immer noch weniger überfüllt als Belgien.'"

Außerdem: Keith Thomas hat in der van-Dyck-Ausstellung in der Tate Britain gelernt, wieviel die britische Porträtmalerei - vor allem was Kostüme, Kinder und Hunde angeht - dem niederländischen Maler verdankt. (Wir lernen außerdem, dass die Engländer eine Geliebte früher 'lemon' nannten.) "Le Corbusier famously built nothing in Britain", aber er hat doch einige britische Architekten beeinflusst, erzählt Brian Dillon, der Isi Metzsteins und Andrew MacMillans verfallendes St. Peter College im schottischen Cardross besucht hat, das von Corbusiers Kapelle in Ronchamp inspiriert ist. Sanjay Subrahmanyam, Historiker an der kalifornischen UCLA, liest noch einmal - nicht unfreundlich, aber kritisch - Salman Rushdies "Satanische Verse".

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Eurozine (Österreich) , 06.02.2009

Bild zum ArtikelFür Serben ist es sehr schwierig, ein Visum für Reisen in EU-Länder zu bekommen. Darüber beklagte sich kürzlich auf einer Diskussion ein junger Serbe, der ärgerlich fragte: Warum bestraft man die Jungen für etwas, dass sie nicht getan haben? Die kroatische Autorin Slavenca Draculic antwortet: "Ich fand nicht, dass er Recht hatte. Wie wir [die ihre Väter nicht gefragt haben, was sie im Zweiten Weltkrieg getan hatten], ist auch seine Generation verantwortlich: für ihr Schweigen, dass sie nicht fragen, was ihre Väter während der Kriege getan haben, für ihren Glauben, sie hätten ein Recht auf Visa, nur weil sie jung sind, ihre Hände sauber und ihre Arroganz gerecht. Vor allem sind sie dafür verantwortlich, dass sie ihre Eltern nicht fragen, warum die keine Visa bekommen. Sicher, die junge Generation der Serben kann nicht für die Vergangenheit verantwortlich gemacht werden. Aber sie alle sind verantwortlich für ihre Einstellung zur Vergangenheit, denn das ist wichtig für ihre Zukunft. Das ist die Lektion, die schon wir, die Generation ihrer Eltern, hätten lernen sollen. Weil wir sie nicht beizeiten gelernt haben, mussten wir sie auf die harte Tour lernen."

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The Economist (UK) , 13.02.2009

Bild zum ArtikelZu den Vorteilen einer weltoffenen Zeitschrift, wie der Economist so exemplarisch eine ist, gehört, dass sie auch einen Korrespondenten in Sidney hat, der dort Cate Blanchett auf der Bühne erleben kann, und zwar in einer offenbar sehr interessanten Inszenierung: "Es ist inzwischen ziemlich normal, dass Filmstars auf den Bühnen des Londoner Westend oder am Broadway auftreten, aber Blanchetts Auftritt in Sidney ist doch nochmal etwas anderes: Sie spielt den König in Shakespeares 'Richard II.', im ersten Teil einer radikal verdichteten Version der acht Historien-Dramen. Cate Blanchett und ihr Ehemann, Andrew Upton, haben die künstlerische Leitung der Sydney Theatre Company übernommen, einer Organisation, die auf jeden Fall schon mal eine hohe Meinung von sich selbst hat. 'Wenn man überhaupt von einem australischen Nationaltheater sprechen kann, dann ist die Sydney Theatre Company dieses Nationaltheater', sagt Rob Brookman, der Manager der Truppe."

In weiteren Artikeln geht es um den Zusammenschluss der Hollywood-Studios Dreamworks und Disney sowie, anlässlich der Vorstellung des Kindle 2, um die eher konservativen Benutzer der E-Books - die Technikaffinen lesen ohnehin, argumentiert der Verfasser, auf ihren iPhones. Besprochen werden unter anderem die Memoiren (Verlagsseite) des südafrikanischen Autors Andre Brink und David Reynolds' Geschichte Amerikas in einem Band (Verlagsseite),

Außerdem zeigt sich, in der Titelgeschichte, der Economist bitter enttäuscht von den ökonomischen Plänen Barack Obamas.

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Le Nouvel Observateur (Frankreich) , 12.02.2009

Bild zum ArtikelDie iranische Revolution feiert ihren 30. Geburtstag, und nie zuvor war die Kluft zwischen Regime und Jugend größer als heute. Das jedenfalls ist das Fazit einer soziologischen Studie, die der Iran- und Religionsexperte Farhad Khoskrokhavar in Teheran, Gazvin und der heiligen Stadt Ghom durchgeführt hat. Sogar in letzterer, in der sich alles um islamische Gesetze dreht, engagiere sich ein großer Teil der Jugendlichen, wenn auch vorsichtig und heimlich, in einer Bewegung zur Säkularisation. Im Gespräch erklärt er: "Sie versuchen, sich aus Religion und Privatem eine heikle und eigenständige Kombination zu basteln. (...) Unsere Untersuchung zeigt, dass das Regime bei den Jugendlichen zugleich erfolgreich war und scheiterte. Erfolg hatte es insofern, als der Islam in seiner schiitischen Version zum Grundpfeiler der iranischen Identität wurde. Hingegen konnte die Jugend eine echte Distanz zwischen sich und dem Klerus schaffen, dem es nicht gelungen ist, sie geistig rekrutieren. Selbst in einer traditionsverhafteten und konservativen Stadt wie Ghom stößt man auf eine Infragestellung der Politik in ihrer theokratischen Form."

Aude Lancelin feiert das vierzigjährige Bestehen der Experimental-Universität Vincennes, in der Studenten und Professoren auf Augenhöhe miteinander arbeiteten und deren Dozentenliste sich wie ein Who?s who der französischen Geistes- und Sozialwissenschaften liest; hier lehrten unter anderem Gilles Deleuze und Felix Guattari, Jacques Lacan, Michel Foucault und Jean-Francois Lyotard sowie Antonio Negri. Am 18 März wird bei Flammarion die von Jean-Michel Dijan herausgegebene Publikation "Vincennes - Une aventure de la pensee critique" erscheinen.

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Die Weltwoche (Schweiz) , 12.02.2009

Bild zum ArtikelMalte Hertwig hat in der NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv in Berlin eine Mitgliedskarte von Hans Werner Henze gefunden. Ein unterschriebener Aufnahmeantrag liegt nicht vor. Ob der 1926 geborene Komponist, den Antrag selbst gestellt hat (er bestreitet das), weiß Hertwig nicht. In seinem Artikel, in dem viel von "verdrängter Vergangenheit" die Rede ist, hält er es immerhin für möglich, dass Henzes Vater den Antrag gestellt hat. "Seinen Vater, den Lehrer Franz Henze (1898-1945), beschreibt der Komponist als überzeugten Nationalsozialisten, der für ihn, den homosexuellen, linkshändigen Außenseiter, zum Inbegriff des totalitären NS-Regimes wurde. 'Mein Hass auf den Vater', schreibt Henze in 'Musik und Politik', 'verschränkte sich mit dem Hass auf den Faschismus und übertrug sich auf die Nation der Soldaten, die mir als eine Nation von Vätern erschien.' Noch dreißig Jahre nach Franz Henzes Tod plagen den Sohn 'Magenkrämpfe bei Erinnerungen an den Vater, die nun unentwegt heraufkommen aus dem großen schwarzen Teich des Vergessens'."

Nur im Print: Ein Interview mit Wolf Biermann.

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Al Ahram Weekly (Ägypten) , 12.02.2009

Bild zum ArtikelAmr Hamzawy vom Carnegie Endowment for International Peace stinkt es langsam, dass in der arabischen Welt jede Kritik an der Hamas niedergebrüllt wird. Kritik, so werde gern argumentiert, "bezeuge eine ungesunde Abspaltung vom religiösen und nationalen Konsens und wird bestenfalls als intellektuelle Frivolität angesehen, die auf später verschoben werden müsse. Diese Einstellung ist gefährlich, denn sie birgt die totalitäre Implikation, den Gebrauch des Verstands und die freie Meinungsäußerung zu verbieten, sobald die Hamas und ihre Taten angesprochen werden. Die Araber leiden seit langem an den Folgen dieser Art des Schweigens. Nachdem sie der Hamas ein Zertifikat ausgestellt haben, das sie von jeder Verantwortung für den Krieg in Gaza freispricht und eine rationale Untersuchung der Entscheidungen und Taten der Bewegung verhindert haben, bestehen die Produzenten der Widerstandserzählung auf eine Art von Ausnahme, die die Freiheit der Gedanken und das Recht zu differenzieren unterminiert."

Außerdem: Die beste Aufführung beim diesjährigen Creative Forum for Independent Theatre Groups war die "Iphigenie in Aulis", inszeniert vom Gardzienice Theaters, schreibt Nehad Selaiha, die die polnische Truppe schon mal 1996 in Kairo gesehen hat, mit der "Carmina Burana".

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Nepszabadsag (Ungarn) , 14.02.2009

Bild zum ArtikelNepszabadsag veröffentlichte ein Gespräch zwischen dem polnischen Publizisten und Diplomaten Bogdan Goralczyk und dem ungarischen Politologen Laszlo Lengyel. Beide warfen einen Blick zurück auf zwei Jahrzehnten Nachwendezeit, die, so sehen es beide Intellektuelle, bei weitem nicht als Erfolg gewertet werden kann. Bogdan Goralczyk findet vor allem die ideologische, politische, mentale und materielle Polarisierung in den postkommunistischen Gesellschaften auffällig: "Das Schlimmste ist, dass wir immer noch lieber zurück schauen, als nach vorn zu blicken. Anstatt unser Zukunftsbild klar aufzuzeichnen und unser Programm in einem gemeinsamen Europa zu formulieren, ziehen wir uns in die eigene Provinzialität zurück und schneidern alles auf den eigenen Horizont zu. Das ist der Grund, weshalb die mitteleuropäische Kooperation nicht funktioniert. [...] Welchen Ausweg ich aus dieser Situation sehe? Dem Anschein zum Trotz einen ausgesprochen einfachen: Mehr Europa, mehr Empathie für die Nachbarn, mehr ruhige Dialoge unter einander. Ich befürchte, daß wir nicht einmal dieses Minimalprogramm werden absolvieren können. Wäre ich nur ein schlechter Prophet...!"

Laszlo Lengyel ist noch pessimistischer. "Bedenke nur lieber Bogdan, wie viele 'politische Generationen', wie viele unterschiedliche politischen Kulturen und Stile in den USA seit 1989 erschienen sind, im Vergleich zu Ungarn oder Polen! Die politische Elite hat ihren eigenen potentiellen Nachschub abgeblockt, neuen Gesichtern, Ideen und Institutionen den Zugang verwehrt. Die parlamentarische Demokratie ist ein Schein. Die unmittelbare Abhängigkeit von den Oberen, von der Parteizentrale, von dem Ministerpräsidenten, das feudale Günstlingssystem, die Verteilung und der Entzug der politischen Güter wurde erneut ausgebaut. Worin ihr am meisten an die Welt von Gomulka und Gierek, und wir an die Welt von Kadar erinnern, ist der vollkommene Antidemokratismus der politischen Selektion. Während der Systemwechsel und die Europäisierung von den Akteuren in der Wirtschaft, der Kultur und sogar von den Arbeitnehmern ernsthafte Anstrengung und Anpassungsfähigkeit abverlangte, forderte sie von der polnischen und ungarischen politischen Elite genau das Gegenteil - die Provinzialisierung. Unsere Führer sind alles andere als internationale Politiker. Sie sprechen ihre eigene, nationale Wählersprache, selbst wenn sie sie wortgetreu aus dem Englischen übersetzen"

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L'Espresso (Italien) , 13.02.2009

Bild zum ArtikelUmberto Eco sorgt sich um unser kulturelles Gedächtnis und fährt bei seinen Büchern lieber zweigleisig. "Ich bin kein Ewiggestriger. Auf einer tragbaren Festplatte von 250 Gigabyte habe ich die Meisterwerke der Weltliteratur und die Geschichte der Philosophie gespeichert: es ist viel angenehmer, dort in wenigen Sekunden ein Zitat von Dante oder aus der 'Summa Theologica' herauszusuchen als aufstehen und einen schweren Band aus viel zu hohen Regalen wuchten zu müssen. Trotzdem bin ich froh, dass diese Bücher weiterhin in meinen Regalen stehen, sie sind eine Erinnerungsgarantie, falls die elektronischen Apparate einmal über den Jordan gehen." Bücher sind die festverzinslichen Wertpapiere des Erinnerungsmarktes, meint Eco. "Wenn ich meinen Computer oder mein E-Book aus dem fünften Stock schmeiße, kann ich todsicher sein, dass alles verloren ist. Ein Buch bekommt höchstens einen Knick."

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The Times Literary Supplement (UK) , 13.02.2009

Wenn überhaupt etwas wahr ist auf dieser Welt, dann ist es die Evolution, befindet der Biologe Richard Dawkins. In einem bissigen Artikel tritt der Autor kreationistischen und islamischen Weltbildern entgegen und zeigt sich begeistert von Jerry Coynes Buch "Why Evolution is true": "Woher kommt das oft nachgeplapperte Gerücht, 'Evolution sei nur eine Theorie'? Vielleicht von einem Missverständnis der Philosophen, die behaupten, dass Wissenschaft niemals die Wahrheit beweisen kann. Sie könne allenfalls eine Hypothese nicht widerlegen. ... Evolution ist wahr, in dem Sinne, dass man akzeptiert, dass Neuseeland in der südlichen Hemisphäre liegt. Wenn wir es ablehnen würden, ein Wort wie 'wahr' zu benutzen, wie könnten wir unsere alltäglichen Unterhaltungen führen? Oder einen Fragebogen ausfüllen: 'Was ist Ihr Geschlecht?' 'Die Hypothese, dass ich männlich bin, ist noch nicht widerlegt, aber lassen Sie mich das noch einmal überprüfen.' ... In diesem Sinne ist Evolution wahr - vorausgesetzt natürlich, dass das wissenschaftliche Beweismaterial überzeugend ist. Es ist sehr überzeugend, und Professor Coyne unterbreitet es uns auf eine Weise, dass kein objektiver Leser umhin könnte, es zwingend zu finden."

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Gazeta Wyborcza (Polen) , 14.02.2009

Im Interview spricht der polnische Schriftsteller Stefan Chwin über das bei Grabungsarbeiten entdeckte Massengrab in Malbork (dem früheren Marienburg), in dem möglicherweise mehr als 2.000 Deutsche verscharrt wurden, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs getötet wurden (über die verschiedenen Spekulationen zu diesem Zeitpunkt mehr hier und hier). Was Chwin den Stadtoberen von Malbork raten würde, die die Sache gern runterkochen würden? "Ich würde raten, diese Angelegenheit sofort in die Hände von Archäologen, Historikern und Anthropologen zu übergeben, und dann diese gefundenen Gebeine zu bestatten. Und ich finde, dies sollte kein Massengrab sein, also eine einzige riesige Grube, in die man alle menschlichen Überreste schüttet. Ich weiß, dass es schwer ist, zeitintensiv und arbeitsaufwändig, aber man hat auch nach den furchtbaren Gemetzeln auf den Balkan, sogar in Srebrenica, versucht die sterblichen Überreste irgendwie zu identifizieren."

Tadeusz Sobolewski erwartete sich von Andrzej Wajdas Film "Tatarak" einen Gegenakzent zur überpolitischen Berlinale: "Der Premiere wurde mit großen Hoffnungen entgegen geblickt, zumal 'Tatarak' sich gegen die programmatische Tendenz des Festivals stellt, welche dieses Jahr keine guten Filme hervorbrachte. Wajda, der hier eine Legende ist, beschäftigt sich weder mit der Krise, noch mit der Globalisierung. Er öffnet sich vor dem Publikum als Künstler."

Außerdem: Zu lesen ist Volker Schlöndorffs Rede im Rahmen der "Berliner Lektionen"; gelobt wird die Biografie des Regisseurs Kazimierz Kutz, dem Adam Michnik zudem im Namen all seiner Verehrer zum Achtzigsten gratuliert: "Schwer zu glauben, dass Schlesiens schwarze Erde einen so bunten und wunderschönen Vogel hervorgebracht hat".

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HVG (Ungarn) , 14.02.2009

Bild zum ArtikelDie seitens der ungarischen Akademie der Wissenschaften, MTA, lang ersehnte Änderung des sogenannten Akademiegesetzes wird derzeit im ungarischen Parlament verhandelt und aller Voraussicht nach auch ratifiziert. Der Bauingenieur Istvan Polonyi ist allerdings skeptisch angesichts dieser Ausweitung der Befugnisse und der Autonomie der Akademie: "Nicht ein Akademiegesetz muss her, sondern eines über die Wissenschaft in Ungarn und deren Institutionenstruktur, die noch lange nicht mit der Akademie identisch ist, wenngleich diese sich in der Rolle des alleinigen Vertreters der Wissenschaft sehr gefällt. Schade, dass es unserer politischen Elite noch nicht aufgefallen ist, dass es in keinem fortschrittlichen Land dieser Welt eine Akademie gibt, die unserer gleichen würde, die - als Überbleibsel stalinistischer Wissenschaftsorganisation - die Repräsentation der Wissenschaft für sich beansprucht und als Quasi-Wissenschaftsministerium fungiert."

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The New Statesman (UK) , 16.02.2009

Bild zum ArtikelDie Oscars brauchen eine gründliche Überholung, meint Ryan Gilbey, der nicht nur angesichts der diesjährigen Nominierungen den Eindruck hat, dass die Academy die Entwicklungen in den letzten fünfzig Jahren verpasst hat. Und er macht ein paar Vorschläge, zum Beispiel, mehr ausländische Filme aufzunehmen: "Nennen Sie es positive Diskriminierung oder affirmative action, aber ab sofort sollten die Nominierungen für den 'Besten Film' auf sechs erhöht werden, zwei davon müssen aus nicht englischsprachigen Ländern kommen. Man muss die Mitglieder der Academy dazu zwingen, Filme zu berücksichtigen, die nicht in ihrer lokalen Einkaufspassage gezeigt wurden. Anders ist es einfach nicht möglich, das Ungleichgewicht auszubalancieren. Lasst den 'Vorleser' gegen 'Waltz with Bashir' antreten und wir werden einige echte Tränen von Kate Winslet sehen."

Nach drei Jahren quittiert Alice O'Keeffe ihren Job als Kunstkritikerin beim New Statesman. Es war eine bizarre Zeit, meint sie. "Die zeitgenössische Kunstszene bot ein sklavisch dem Geld dienendes Catering, weil sie ausschließlich die Reichen bediente. Da die Käufer oft keine Ahnung von Kunst hatten, gab es keine rationale Verbindung zwischen der Qualität eines Kunstwerks und seinem Preisschild."

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Le point (Frankreich) , 12.02.2009

Bild zum ArtikelBernard-Henri Levy erinnert in seinen Bloc-notes an den 20. Jahrestag der gegen Salman Rushdie wegen seiner "Satanischen Verse" verhängten Fatwa. "Die Ayatollahs waren nicht die ersten, die Bücher verbrannt und Schriftsteller umgebracht haben? Gewiss. Und diese Verletzung der Sicherheit des Geistes ist jedes Mal eines der Warnsignale für einen Einzug ins Reich des Bösen. Die Affäre Rushdie war ein solcher Indikator. Sie hatte die Funktion, der alten Welt die Totenglocke zu läuten. Sie sollte eines dieser Ereignisse, wenn nicht das Ereignis gewesen sein, welches das Auftauchen einer neuen Variante des Faschismus, des Islamofaschismus markiert. Es gab den 11. September mit seinen drei Anschlägen... Den Tod von Massoud als Vorspiel... Das Martyrium von Daniel Pearl etwas später... Doch am Beginn dieser Reihe, so scheint mir rückblickend, steht plötzlich ganz eindeutig dieses Todesurteil für einen Schriftsteller wegen literarischer Beleidigung des Koran."

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The New Republic (USA) , 04.03.2009

Bild zum ArtikelPaul Starr von der Princeton University analysiert in einem faktenreichen und im Ton angenehm sachlichen Artikel von epischer Länge die niederschmetternde Situation der Zeitungen in den USA. Um es gleich vorwegzunehmen: einen Lösungsvorschlag hat er nicht. Und doch "ist dies nicht die Zeit für Internettriumphalismus", schreibt er. Denn das Internet könnte statt eine breiter informierte allgemeine Öffentlichkeit auch eine Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft herausbilden. Schon das Kabelfernsehen habe diesen Trend eingeleitet. "Wie [Markus] Prior uns in seinem Buch 'Post-Broadcast Democracy' erinnert, hatten die drei großen Fernsehsender in den frühen Jahrzehnten des Fernsehens bis in die 70er hinein eine praktisch gefangene Zuschauerschaft, weil sie die Abendnachrichten alle zur selben Zeit brachten. Obwohl viele Menschen nach der Arbeit vielleicht lieber ein Unterhaltungsprogramm gesehen hätten, haben sie die Nachrichten mit Walter Cronkite oder Chet Huntley und David Brinkley gesehen und etwas über Politik und Weltereignisse gelernt. Als Kabel- und Satellitenfernsehen entwickelt wurden, konnten die Zuschauer wählen. Laut Prior floh eine große Gruppe, etwa drei von zehn Zuschauern, von den Nachrichten zu Unterhaltungsprogrammen, während eine kleinere Gruppe, vielleicht einer von zehn, anfing, mehr Nachrichten und politische Dieskussionen zu verfolgen, weil sie jetzt Zugang zu Fox News, CNN und MSNBC hatten. Im Ergebnis, das zeigen Priors Zahlen, führte das zu einer steigenden Ungleichheit in politischem Wissen zwischen den Nachrichten-Drop-outs und den Nachrichten Junkies."

Außerdem: Joe Mathews beklagt den journalistischen Niedergang der Los Angeles Times. Und Gabriel Sherman stellt das Nachrichtenmagazin Politico vor, das in der kurzen Zeit seines Bestehens die großen Zeitungen ins Schwitzen gebracht hat.

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Archiv: Magazinrundschau

Alles sündig Freudvolle

11.04.2014. In der London Review of Books erklärt Seymour Hersh, warum die türkische Regierung für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich sein könnte. Nautilus beleuchtet die Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts. In Eurozine erklärt Karl Ove Knausgård, wie er schreibt und welche Bedeutung sein Lektor hat. Le Monde untersucht die Dynamik des Völkermords. Der New Yorker liest vegetarische Kochbücher. Mehr lesen

Allegorien der Liebe

04.04.2014. Die NYT entdeckt die französische Küche neu. Die LRB besucht Veronese. Eurozine dokumentiert die Gender-Diskussion in Polen. Der Merkur erzählt die Geschichte des weißen südafrikanischen Antiapartheidkämpfers Edward Vincent Swart. La vie des idées beobachtet die Rückkehr des biologischen Rassekonzepts. Vanity Fair bringt eine Reportage über die größte Privatarmee der Welt, die G4S. Mehr lesen

Poesie und Transzendenz

28.03.2014. Die Huffington Post begutachtet den Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Im Guardian erklärt Chimamanda Ngozi Adichie den Unterschied zwischen westlichem und afrikanischem Sexismus. In Eurozine denkt Kenan Malik über sakrale Kunst nach. Die NYRB begibt sich auf Containerschifffahrt. Das TLS walkt eine Toga. Und der New Yorker fragt, was eigentlich bei der Belagerung von Waco 1993 schief ging. Mehr lesen

Als Denker befreit

21.03.2014. Walter Benjamin lebt - jedenfalls in Frankreich und den USA, melden Le Monde und der Chronicle. Der New Yorker präpariert die zersetzende Wirkung des Dekonstruktivismus am Beispiel Paul de Mans heraus. Im SZ Magazin singt der Videokünstler Matthew Barney ein Loblied auf den Widerstand. Elet es Irodalom hat ein Problem mit dem von der jüdischen Gemeinde Ungarns geplanten Haus des Zusammenlebens. Krieg ist kein Würzmittel für Mittelstandsgeschichten, knurrt The New Republic Lorrie Moore an. Mehr lesen

Das Land der sauberen Hände

14.03.2014. Mario Vargas Llosa erklärt in El País die Wut der Protestler in Venezuela. Der New Yorker rollt nach 40 Jahren den Mord an Kitty Genovese wieder auf. New Yorks Hipster werden von Darwin eingeholt, meldet Slate.fr: Anpassung ist die neue Abhebung. Marcel Ophüls erzählt in Les Inrocks, weshalb Spielfilme befriedigender sind als Dokumentationen. Und Men's Journal berichtet von Chinas boomendem Elfenbeinmarkt. Mehr lesen

Zurück in die Petrischale

07.03.2014. Elet es Irodalom muss hören, wie im ungarischen Radio die Demonstranten in Kiew als "Heckenschützen" und "Terroristen" beschrieben werden. Im Merkur empfiehlt András Bruck den ungarischen Liberalen etwas weniger Kultiviertheit. In der New York Review of Books stellt Timothy Snyder klar, dass Janukowitschs Oligarchen das reaktionäre Regime bildeten, vor dem die russische Propaganda so gern warnt. Slate begutachtet Vampire als Rockstars. In artechock geißelt Rüdiger Suchsland am Beispiel der Beltracchi-Doku das auf den Hund gekommene Selbst­ver­s­tändnis deutscher Kritiker. Mehr lesen

Anonymer, göttlicher Unbekannter

28.02.2014. In The Intercept erklärt Glenn Greenwald, wie die NSA gezielt den Ruf von Kritikern zerstört. La vie des idees betrachtet einen Fotoband über den stalinistischen Terror. The New Republic fühlt sich unwohler vor den Bildern der Futuristen. In Eurozine empfiehlt David Runciman eine Koordinierung der nationalen Wahlen in Europa. In der Boston Review erzählt der Journalist Uki Goñi, wie er mit einem Nonnenmörder die Nacht durchtanzte. Mehr lesen

Die Leute wollen Brot, Würde und Freiheit

21.02.2014. Keine Region hat unter Hitler und Stalin so schwer gelitten wie die Ukraine, erläutert Timothy Snyder in Télérama. Mac McClelland berichtet im Magazin der NYTimes aus einem türkischen Lager für syrische Flüchtlinge. In Guernica erklärt Masha Gessen, warum sie aus Russland ausgewandert ist. Nepszabadsag informiert über die Kontroverse über das ungarische Holocaust-Gedenkjahr. Und Chapati Mystery präsentiert pakistanischen Rap. Mehr lesen

Braten und Schnaps

14.02.2014. Bei edge.org schlägt Kevin Kelly Transparenz für alle vor, auch für die NSA. Die NYT schildert die letzten Tage Philip Seymour Hoffmans. Bei Eurozine beschreibt Volodymyr Yermolenko das Paradox im Herzen der ukrainischen Rebellion. Der New Statesman besucht eine Ausstellung über die Arbeiter-Spartakiade. Mediapart sucht 50 Millionen Euro von Gaddafi und findet sie bei Sarkozy. In Aeon philosophiert Aaron Ben-Zeev über die romantische Liebe. Mehr lesen

Ein zweiter Martini

07.02.2014. Berlinalebedingt kommt die Magschau ein bisschen später als sonst - pardon! In der LRB schildert die Historikerin Barbara Taylor die Zeitlosigkeit der Verzweiflung in psychiatrischen Krankenhäusern. In Nepszabadsag erklärt der Philosoph Gáspár Miklós Tamás, warum er die metaphorische Geografie von "Westen" und "Osten" ablehnt. in Eurozine begibt sich Stephan Ruß-Mohl auf die Suche nach der europäischen Öffentlichkeit, findet sie aber nicht. Die New Republic zerreißt Benjamin Britten, aber nicht ganz. Und Atlantic zieht am Männerbart. Mehr lesen

So etwas wie ein Wunderkind

31.01.2014. Washingtonian sucht den Mörder von Daniel Pearl. n+1 hört boeremusiek. Im Merkur macht Horst Meier kurzen Prozess mit dem Verfassungsschutz. In Vice erzählt Moe Tucker, wie sie das Trommeln lernte. Der Guardian schildert den Krieg Putins gegen die Moderne. Das New York Magazine trifft Chen Guangbiao, möglicherweise eines Tages Besitzer der New York Times. In Eurozine beharrt Jason Wilson darauf: Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung. Mehr lesen

Englishness ist eine Praxis

27.01.2014. In Elet es Irodalom protestieren 26 Historiker gegen ein geplantes Mahnmal, das an die deutsche Besatzung 1944 erinnern soll. Die LRB beobachtet anerkennend, wie sich die französischen Provinzstädte von Paris emanzipieren. Eurogamer erzählt, wie die Briten mit Monopoly den Zweiten Weltkrieg gewannen. Spiked überlegt, wann Pop das Zeitliche segnete. In der Paris Review erlebt David Cronenberg mit siebzig eine Verwandlung, wie sie Gregor Samsa auch nicht schlimmer widerfuhr. The New Republic lässt kein gutes Haar an Edward Snowden, Glenn Greenwald und Julian Assange. Mehr lesen

Die Scheuklappen der Historiker

14.01.2014. Bloomberg Businessweek erforscht die Welt der Bitcoins. Nationalismus ist Provinzialisierung, ruft Félix de Azúa in El Pais Semanal den katalanischen Politikern zu. Medium verliert sich in den eleganten Zeitlupenvideos Adam Magyars. Buchpreisbindung ist elitär, behauptet in Le Point der Schriftsteller Gaspard Koenig. Gentlemen's Quarterly sucht einen offenen Drogentunnel. In Guernica löst Ari Shavit den Nahostkonflikt in Minischritten. Und Vice erlebt eine Wiederauferstehung als Diamant. Mehr lesen

Der Geist kann tun und sein

07.01.2014. Medium liefert einen kleinen Einblick in die Folgen der Kameraüberwachung in Britannien. In französischen Magazinen kommentieren Pascale Bruckner und Bernard-Henri Levy das geplante Auftrittsverbot für den antisemitischen Komiker Dieudonné. Im Merkur denkt Ernst-Wilhelm Händler über Simmel und die Finanzmärkte nach. Das Boston Magazine untersucht die unrühmliche Rolle des MIT beim Tod von Aaron Swartz. In Commentary schreibt David Gelernter der Kognitionswissenschaft "Das Hirn ist kein Computer" ins Stammbuch. Cabinet feiert den Erfinder des Pfannkuchen-Make-ups, Max Factor. Mehr lesen

Es gibt nur Innen

16.12.2013. Der ukrainische Schriftsteller Mykola Rjabtschuk erklärt, warum derzeit nur die kriminelle Kaste von Europa profitiert. The New Republic liest ein Buch über die Dänen als rettende "Ausnahme". Al Ahram empfiehlt eine Re-Lektüre des Reformers Muhammad Abduh. Brooklyn Rail deutet die Zeichen in Katastrophenfilmen. Im Guardian fegt SF-Autor Brian Aldiss ein paar Spinnweben zur Seite. Das Wallstreet Journal erzählt die Geschichte der Lobotomie in den USA. Die New York Times zeigt Google eine lange Nase und navigiert mit OpenStreetMap. Mehr lesen

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