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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Peter Nadas: Parallelgeschichten

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

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- Post aus der Walachei
Magazinrundschau
Morbid-intimes Sentiment
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern.
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The Economist (Großbritannien), 04.02.2012
Die sieben Länder, in denen Homosexualität unter Todesstrafe steht, sind muslimisch geprägt, erfährt man in diesem Artikel. Aber auch, dass sich derzeit eine Debatte darüber abzeichne, inwiefern der Hass auf Homosexuelle überhaupt durch den Koran gerechtfertigt sei. Geführt werde diese Debatte allerdings hauptsächlich von homosexuellen Muslimen außerhalb der islamischen Welt: "Obwohl deren Rechte besser geschützt sind, können auch sie unter Intoleranz leiden, wie kürzlich ein Gerichtsverfahren in Derby [in dem drei radikale Muslime schuldig gesprochen wurden, nachdem sie in Flugblättern zum Mord an Homosexuellen aufgerufen hatten] zeigte. In europäischen Städten mit vielen armen frommen muslimischen Immigranten führt die kommunale Politik zudem zu seltsamen Bündnissen. Ken Livingstone, ein linker Politiker aus London, der sich stark für die Rechte Homosexueller ausspricht, hatte in der Vergangenheit Yusuf a-Qaradawi eingeladen, einen antiamerikanischen, muslimischen Kleriker aus Ägypten, der die Todesstrafe für Homosexuelle unterstützt."
Außerdem findet sich ein Ausblick darauf, was die Zukunft für Facebook nach dem Börsengang bringen könnte: Enorme Profite einerseits, aber auch diverse Risiken und nicht zuletzt ein noch erbitterter Kampf mit Google und Konsorten.
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Himal (Nepal), 07.02.2012
Wie schwierig es ist, als Lesbe oder Schwuler in Pakistan zu leben, erzählt der Filmemacher Hira Nabi. "Es geht nicht nur darum, dass das Strafgesetz Homosexualität kriminalisiert. Bestimmte Vertreter des Islam, wie er in Pakistan praktiziert wird, verurteilen ihn ebenfalls. Am Ende ist das wirkungsvoller als das ererbte koloniale Gesetz, denn die Furcht, eine 'Sünde' zu begehen, ist für die meisten größer als die Furcht, nach Artikel 377 angeklagt zu werden. Die südasiatische Geschichte ist voller Beweise für sich ändernde Sexualpraktiken, aber im modernen Pakistan ist das Umschreiben der Geschichte besonders signifikant. Klassische Dichtkunst enthält Hinweise auf Homoerotik; Denkmäler und Legenden legen Zeugnis ab von homosexuellen Liebesaffären und schwuler Hingabe; Liebe wird ohne Ansehen der Orientierung gefeiert. Auf diese Vergangenheit kann sich jedoch nur schwer beziehen. Polyamouröse Liebe - jederzeit mehrere Sexualpartner zu haben - wurde ebenfalls aus der Geschichte dieser Region gestrichen, sie ist fast verschwunden aus der öffentlichen Vorstellungskraft."
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Wired (USA), 20.01.2012
Jon Lackman stellt in einem faszinierenden Porträt die buchstäbliche Untergrundbewegung "Urban eXperiment" aus Paris vor, der vor 30 Jahren der Coup gelang, die Pläne des weitverzweigten Pariser Tunnelsystems zu erbeuten, und die dort seitdem mit einem Netzwerk aus zahlreichen Experten gewissermaßen Subkultur betreibt (oder im Laufe mehrere Monate unbemerkt die große Uhr im Pantheon saniert): Die Gruppe nutzt diese Zugangsmöglichkeiten "unter anderem, um zahlreiche klandestine Theaterproduktionen oder Filmfestivals zu organisieren. (...) In einem Sommer veranstaltete die Gruppe ein Filmfestival zum Thema 'urbane Wüsten', die vergessenen und sträflich ungenutzten Räume einer Stadt. Natürlich entschieden sie, dass ein solcher Raum auch der ideale Ort für so ein Festival wäre. Also wählten sie eine Stätte unter dem Palais de Chaillot, die ihnen schon lange bekannt war und zu der sie unbegrenzt Zugang genossen. Das Gebäude beherbergte damals noch die berühmte Cinematheque Francaise, so dass der Ort in doppelter Hinsicht passend war. Sie richteten eine Bar ein, ein Esszimmer, eine Reihe von Salons, einen kleinen Vorführraum für 20 Zuschauer und hielten dort auf Jahre jeden Sommer Festivals ab."
Ansonsten viel High- und Future-Tech: Tom Vanderbilt leckt sich die Finger nach dem Auto der Zukunft, das vollautomatisch fahren wird. Warum die Clean-Tech-Blase geplatzt ist, erklärt Juliet Eilperin und David Wolman, wie wir in Zukunft unsere Abfälle nicht mehr recyceln, sondern mit Hilfe von heißem Plasma in treibstofffähiges Gas verwandeln werden. John Bohannon stellt "Stars of Science" vor, eine arabische, quotenstarke Reality-TV-Show, in der keine zukünftigen Superstars, sondern Super-Wissenschaftler im Wettbewerb gegeneinander antreten - hier ein Ausschnitt:
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Elet es Irodalom (Ungarn), 03.02.2012
Dass in Ungarn eine politische Lyrik existiert, davon ist der Literaturkritiker Tibor Barany in der aktuellen Debatte zu diesem Thema fest überzeugt (mehr dazu hier und hier) - nur erhält sie anscheinend nicht die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, die ihr zustehen würde. Einer der Gründe dafür ist, dass die Deutung der politischen Gedichte nicht in einem Vakuum, sondern im Kontext der politisch-öffentlichen Rede stattfindet. Diese ist jedoch seit mindestens zehn Jahren fast schon hoffnungslos gespalten und gestaltet sich entlang einer Wagenburg-Logik, wonach bestimmte Politiker moralisch unglaubwürdig sind, kritisiert Barany: "In diesem Umfeld der Spaltung können politische Meinungsunterschiede - gar in lyrischer, bisweilen in mehrfach verunsicherter und kaum 'direkter' Form ausgedrückt - nicht mehr diskutiert werden. Was auch immer man sagt, aus der Sicht des Diskussionspartners ergreift man automatisch Partei für einen oder mehrere politische Akteure, die aus moralischen Gründen ihr Recht verwirkt haben, sich zu den Angelegenheiten der Gemeinschaft zu äußern. Die Unglaubwürdigkeit wird durch Berührung übertragen und die Infektion macht auch an der Grenze zwischen Dichtung und Wirklichkeit nicht Halt."
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The Guardian (Großbritannien), 04.02.2012
William Boyds neuer Roman "Waiting for Sunrise" spielt vor und während des Ersten Weltkriegs in Wien. In dieser Stadt begann für ihn die Moderne, erzählt er im Guardian. Und sie ist immer noch gut präserviert! "Es war sehr still, als ich vor vier Jahren an einem Frühlingsmorgen [zu Freuds Wohnung] ging. Niemand war zu sehen, als ich unter dem Eingangsbogen hindurch in den kleinen Innenhof dahinter ging. Drei Bäume wuchsen dort, wie ich mich erinnere. Ich kletterte die Stufen zum ersten Stock hoch und fand zwei benachbarte Türen auf einem Absatz. An der einen Tür hing ein Schild: 'Prof. Dr. Freud'. Die linke Tür führte zur Privatwohnung der Familie Freud, die andere in die Praxis. Ich blieb einen Moment auf dem Absatz stehen, sah in den Hof und fühlte einen seltsamen Proustschen Schauder - Zeitreise. Es gab nichts um mich herum, nichts war in Sicht, das 21. Jahrhundert sagte."
Gillian Slovo, Präsidentin des englischen PEN, berichtet von einer Konferenz über Pressefreiheit in Mexiko City: Für Journalisten ist Mexiko neben Pakistan das tödlichste Land der Welt. Neben Büchern werden außerdem zwei Londoner Ausstellungen besprochen: "Lucian Freud Portraits" in der National Portrait Gallery und "Mondrian/Nicholson in Parallel" in der Courtauld Gallery.
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Caffe Europa (Italien), 02.02.2012
"Die Herrschaft der Zeichen" hat Daniele Greco seine Bilder von einem Japan-Aufenthalt genannt. Zu sehen sind sie online auf Geonvainedita, Tina Cosmais kleinem persönlichen Schaufenster des Kulturlebens in Genua. Japan liegt dem Straßenfotografen Greco, schreibt Cosmai. "'Die großen Städte Japans sind die idealen Orte für das Fotografieren', sagt er. 'Die Japaner sind normalerweise ordentliche Menschen, aber die Menge an Objekten und Symbolen geben der Szenerie eine verführerische Unordnung, in der ich sehr gerne arbeite. Ich werde angezogen von der Vermischung, der Anhäufung von sich widersprechenden Elementen, der Unvollkommenheit, von einfachen Ideen, die sich aus exzessiven Situationen ergeben und ja, vom Chaos. All das hat die japanische Stadt im Überfluss. Über die horizontale Wahrnehmung hinaus entwickeln diese Orte eine Tiefendimension, wo sich viel unter der Oberfläche abspielt. Orte wie die großen Märkte sind voll von Einlässen, Ausstülpungen und Abdrücken, Räumen der Neuverteilung, in denen feste und flüssige Elemente das Licht und die Farben zurückwerfen und zu Bedeutungsträgern werden.'"
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openDemocracy (Großbritannien), 03.02.2012
Wie kommt ein Teil der Linken dazu, Ahmadinedschad für einen Antiimperialisten zu halten, fragt der seit drei Jahren in Berlin lebende iranische Journalist Soheil Asefi. "Schlimmer noch, andere Linke glaubten, Ahmadinedschads Regierung repräsentiere die Mehrheit der Menschen. Ja, die Islamische Republik liegt seit ihrer Gründung mit den USA im Streit. Aber diese Feindschaft speist sich aus der zutiefst reaktionären und antimodernen Natur des Regimes. Tatsächlich steht sie hinter dem Slogan 'Nieder mit den USA', mit dem Tausende von Antiimperialisten und linken Kräften in kalkuliert bösartiger und systematisch Manier zerquetscht wurden. Die Unterdrückung der linken und liberalen Kräfte wird bis heute fortgesetzt."
"Nationalismus ist wie eine Software, die auf verschiedenen Plattformen laufen kann - von Windows bis Android", meint der polyglotte moldawische Politologe Nicu Popescu über den - in diesem Fall russischen - Nationalismus. Früher gab es den erobernden, kosmopolitischen, imperialistischen Nationalismus, heute ist der isolationistische, ausländerfeindliche, Russland-den-Russen-Nationalismus auf dem Vormarsch. Und jetzt gibt es neuerdings noch einen jungen demokratisch-liberalen Nationalismus, der von Leuten wie Vladimir Milov und Alexei Nawalny verkörpert wird. Letzterer wird in Moskau bereits als zukünftiger Präsident gehandelt: "Nawalny ist ein Demokrat. Er ist bekannt für sein Engagement in demokratischen Gruppen und Bewegungen in den letzten zehn Jahren. Er ist für Gewaltenteilung, Transparenz und andere wichtige Werte. Nach seiner ausgesprochenen Überzeugung 'ist es der Zweck des Staates, seinen Bürgern ein komfortables und würdiges Leben zu sichern und ihre individuellen und kollektiven Rechte zu verteidigen. Ein Nationalstaat bedeutet, dass Russland dem europäischen Weg folgt und sein eigenes nettes, behagliches, aber starkes und solides kleines europäisches Haus baut.' Gleichzeitig beteiligt er sich am 'russischen Marsch', einem notorischen jährlichen Treffen von Nationalisten."
Außerdem: György Schöpflin, EU-Parlamentarier und Fidesz-Mitglied, beklagt sich über die ungerechte Behandlung Ungarns durch die europäische Linke.
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Prospect (Großbritannien), 25.01.2012
Pankaj Mishra würdigt die intellektuelle Biografie des 2010 gestorbenen Historikers Tony Judt anlässlich dessen letzter, postumer Buchveröffentlichung, dem Gesprächsband "Thinking the Twentieth Century" mit dem Historiker Timothy Snyder: "Wie Orwell, der einiges unternahm, um den englischen Linksliberalen ihre Scheinheiligkeit und Selbstgerechtigkeit auszutreiben, begann Judt nach dem 11. September damit, an den Verlogenheiten und dem Irrglauben der eigenen Seite zu kratzen. Sein Timing hätte kaum besser sein können. Der demonstrative Moralismus vieler seiner Kollegen war auf eine zunehmende Krise innerhalb des Liberalismus zurückzuführen. Nach 1989 seines Gegenstücks im 'Osten' beraubt, ist der Liberalismus selbstgefällig und richtungslos geworden, indem er passiv neokonservative und neoliberale Fantasien, wie man die Welt neugestalten könnte, begrüßte." Insgesamt ist ihm Judt aber nicht links genug.
Außerdem: Evan Hughes stellt das so schlichte, wie enorm erfolgreiche Weblog PostSecret samt dessen Betreiber Frank Warren vor, der dort wöchentlich eine Auswahl aus rund 1000 anonym eingeschickten, indivuell gestalteten Postkarten veröffentlicht, die ein intimes Geheimnis ihres Absenders verraten. Anita Desai schreibt über das nicht immer einfache Verhältnis als Schriftstellerin zu ihrer eigenen Familie. Und würde Garry Kasparov die Welt regieren, hätten wir bald schon alternative Energien und eine Marsstation.
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Outlook India (Indien), 13.02.2012
Für einige Verwirrung sorgt derzeit die jüngst bekannt gegebene Entscheidung von Sony Pictures, David Finchers neuen Film, die Stieg-Larsson-Adaption "The Girl with the Dragon Tattoo", nicht in die indischen Kino zu bringen, nachdem die indische Zensurbehörde bereits im Dezember einige Schnitte angemahnt hatte, informiert Namrata Joshi. Allerdings hat Sony bislang von seinem Widerspruchsrecht keinen Gebrauch gemacht und bereits in anderen Ländern zensierte Überarbeitungen geduldet: "Dies kommt wie ein Schlag in einer Zeit, in der die indische Zensurbehörde darum bemüht ist, sich schrittweise einer weniger restriktiven Haltung anzunähern. Eine ganze Reihe von Mainstreamfilmen wurde im vergangenen Jahr ohne Schnittauflagen genehmigt. Dem Film 'I Am' wurde ein langer, schwuler Kuss gestattet und 'Delhi Belly' kam mit schmutziger Sprache und Anspielungen auf Oralsex durch. (...) Was sich wohl als praktisch erweisen könnte, wäre ein Altersfreigabesystem auf Basis des gesunden Menschenverstands statt Zensur und Verbote." (Was man wohl auch deutschen Freigabe- und Indizierungsinstitutionen ans Herz legen könnte)
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London Review of Books (Großbritannien), 09.02.2012
Jeremy Harding schreibt in einem umfangreichen Essay über den weitreichenden Wandel der europäischen Immigrationspolitik in den vergangenen 20 Jahren. Unter anderem erkennt er eine geradezu obsessive Überwachung von Einwanderern durch zahlreiche interessierte Seiten: "Staatenübergreifende Organe, Innenministerie, Lobbyruppen, Grenzbehörden, private Sicherheitsfirmen, Think Tanks, NGOs und beauftragte Demografen. Die Wachsamkeit, mit der Innere Sicherheit, die Werbeabteilungen der Konzerne und die Internetprovider die einheimische Bevölkerung beobachten, mag gleichermaßen intensiv sein, aber sie ist gewiss weniger hinterhältig. Die Europäer unterhalten nun ein eindringliches Interesse an den Neuankömmlingen, was deren Reisepläne, deren Fähigkeiten und Unfähigkeiten, deren Glauben, deren kriminelle Neigungen, deren wahrscheinliche Verlogenheit und natürlich deren leichtfüßige Verwandte (Eheleute, Verlobte, Cousins, Nachwuchs), die schon ungeduldig hinter der Grenze warten, betrifft."
Außerdem: Thomas Jones deutet die politische Lage Italiens mithilfe des Unglücks der Costa Concordia. Perry Anderson liest neue Buchveröffentlichungen über China, die, wie er findet, nicht so sehr um ein Verständnis der chinesischen Kultur bemüht sind, sondern um die Beantwortung der Frage, was für den Westen von China zu halten ist. Jenny Diski bespricht eine kulturhistorische Studie über wissenschaftliche Konzeptionen des Erinnerungsvermögens im Laufe der Zeit. Brian Dillon schaut sich in der MK Gallery experimentelle 16mm-Filme von Daria Martin an. Die David-Hockney-Ausstellung in der Royal Academy sei "bewusst überwältigend" angelegt, konstatiert Daniel Soar.
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The Nation (USA), 20.02.2012
In ihrer großen Reportage über Apple zitierte die New York Times letzte Woche Steve Jobs, der auf die Frage Präsident Obamas, warum Apple nicht mehr in den USA produziert, antwortete: "Diese Arbeitsplätze kommen nicht zurück." Und weiter: "Wir sind nicht verpflichtet, Amerikas Probleme zu lösen." Über diesen Satz hat sich jetzt Clyde Prestowitz, ehemaliger Handelsberater von Ronald Reagan, aufgeregt, berichtet Alexander Cockborn. Prestowitz erinnert Apple daran, das Jobs und seine Manager Anfang der achtziger Jahre "die lustige Vorstellung hatten, dass die amerikanische Regierung verpflichtet sei, ihnen zu helfen. Wir taten, was wir konnten und lernten dabei, dass praktisch alles, was Apple zum Verkauf anbot - vom Speicherchip bis zur Maus - seinen Ursprung in Programmen hatte, die ganz oder teilweise mit amerikanischen Steuergeldern unterstützt wurden. Das Herz des Computers ist der Mikroprozessor und der von Apple leitete sich her aus Motorolas 680X0, der mit viel Unterstützung aus dem Verteidigungsministerium entwickelt worden war. Ebenso der DRAM Speicherchip. Die Maus kam von Xerox' PARC-Zentrum bei Stanford (das ebenfalls staatliche Unterstützung genoss). Zusätzlich wurde fast die gesamte Computersoftware jener Zeit bei Arbeiten entwickelt, die vom Staat unterstützt wurden."
Außerdem: In einem sehr langen Artikel beschreibt Jonathan Blitzer die Lage linker Tageszeitungen wie El Pais und Publico in Spanien.
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Le Monde (Frankreich), 06.02.2012
Er habe sich niemals wacher gefühlt als derzeit, erklärt der ägyptische Regisseur Yousry Nasrallah in einem Gespräch über seinen Film "Apres la bataille", den er gerade in Paris fertigstellt. Es handelt sich dabei um einen der ersten Filme überhaupt, der die Ereignisse am Tahrir-Platz vor einem Jahr fiktionalisiert erzählt: eine Demonstrantin verliebt sich in einen der Reiter, die die Aufgabe hatten, die Demonstranten anzugreifen. Exakt diese Figur gelte es, in ihrer Ambivalenz zu verstehen. "Ich habe gesehen, dass diese Reiter zunächst überhaupt nicht bewaffnet waren und dass sie darauf am heftigsten von den Demonstranten verprügelt wurden. Ich habe mich für ihren Hintergrund interessiert und mir wurde klar, dass sie keine Handlanger der Macht waren, sondern arme Teufel, die total instrumentalisiert wurden ... Ich glaube, dass man nichts von der ägyptischen Revolution begreift, wenn man nicht damit beginnt, diesen Menschen zu verstehen, vielleicht sogar zu mögen."
Zu lesen ist außerdem ein Bericht über das Filmfestival in Rotterdam, dessen Schwerpunkt in diesem Jahr auf den arabischen Revolutionen lag.
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The New York Review of Books (USA), 23.02.2012
Kann sich Italien ändern? Fasziniert, aber etwas skeptisch beobachtet Tim Parks die Reformversuche der dortigen Regierung. Er kennt Italien nur als Land, in dem Veränderungen lediglich dann akzeptiert werden, wenn alles beim Alten bleibt: "Sorgsam abgegrenzte kollektive Identitäten (Familien, politische Parteien, Gewerkschaften, Lokalstolz, religiöse Gruppen) mögen an sich bewundernswert sein, doch sie untergraben die Fähigkeit der Nation, in Bezug auf das Gemeinwesen eine gewisse Rangfolge der Dringlichkeiten herzustellen, zumal die Regierung selbst auch nur aus Fraktionen zusammengeschustert ist. Es ist nie leicht, gegen angestammte Interessen zu regieren; in Italien ist es nahezu unmöglich: Es gibt einfach so viele Gruppierungen, deren Existenz davon abhängt, dass die Dinge so bleiben wie sie sind. Mehr als in jedem anderen Land fühlen sich individuelle Italiener klein und mutlos, wenn ihre Gruppen in Gefahr geraten."
Charles Rosen bricht eine Lanze für das Virtuosentum des Franz Liszt, dessen Fantasie er einfach atemberaubend findet: "Er hatte weder die aristokratische Anmut, die tadellose Kunstfertigkeit und das morbid-intime Sentiment von Chopin noch die lyrische Passion von Schumann. So viel von Liszts Werk hat jedoch so viel Kraft, jede Kritik zu lähmen und Fragen des Geschmacks irrelevant zu machen."
Weiteres: Andrew Hacker liest einige Bücher zur wachsenden Ungleichheit in den USA und stellt fest, dass Amerikas Reiche nicht nur immer reicher werden, sondern auch immer mehr: "1972 wurden 22.887 Steuererklärungen eingereicht, die heute einem Einkommen von einer Million entsprächen. 1985 waren dies bereits 58.603. Und 2009 hatte sich diese Gehaltsklasse auf 236.893 erhöht." (Und während sie 1972 noch 42 Prozent Steuern auf ihre Million zahlten, sind es heute 25 Prozent.) Der Chef des ESF, Klaus Regling, erklärt im Interview über den Rettungsschirm: "Wir haben genug Feuerkraft." Richard Dorment huldigt dem Präraffeliten Edward Burne-Jones. Und Julian Barnes hat sich "The Iron Lady" angesehen, lässt sich aber zu keiner eindeutigen Äußerung hinreißen: "Wie zu jener Zeit, so auch in dem Film: Wir werden alle in Atem gehalten - vor Verzückung oder Horror."
Archiv: Magazinrundschau
Pakt des Nicht-Lesens
31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen
So roch die Welt der Männer
24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen
Ständige Verwirrung
17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen
Hm, das ist komisch
10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Archiv: Magazinrundschau
Das Ohr des Präsidenten
03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen
Blicken Sie ins Dunkel
20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen
Die Treppe für Texte
13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen
Diese glühbirnenköpfige Kreatur
06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen
Lesen, aber nicht berühren
29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen
Ein veritabler Brocken
22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen
Aber man vibriert
15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen
Das Kulturerbe der Muppets
08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar Narancs. Mehr lesen
Die Früchte der Revolution
01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen
Warum nicht alles?
25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen
Lüpfungsenergien
17.10.2011. Mit Toronto geht es langsam den Bach runter, weil seine Bewohner so geizig sind, erzählt The Walrus. Die LRB porträtiert Putins schillernden Chefideologen Vladislav Surkow. In Le Monde erklärt Pierre Nora: Kolonialismus war mal ein linker Diskurs. Sollen Nazis doch Theater spielen, meint Peter Esterhazy in Elet es Irodalom, aber bitte ohne Subventionen. The Smithsonian schickt eine Reportage über die Kopten in Ägypten. Wer schreibt über die Armen, fragt Sibylle Lewitscharoff in Literaturen. Die NYT porträtiert die Medicis von der Chicago Tribune. Mehr lesen





