
Jonathan Bousfield
erinnert in
Eurozine an
Milan Kunderas großen Essay "Die Tragödie Mitteleuropas", der vor dreißig Jahren erschien (hier auf Deutsch als
pdf). "Für den in Litauen geborenen Polen
Czesław Miłosz umfasste Mitteleuropa den gesamten Landstrich, der sich vom "
barocken Vilnius" im Norden bis zum "
mittelalterlichen Renaissance-Dubrovnik" im Süden zog und ungefähr alles einschloss, was östlich von Deutschland lag und von seinem kulturellen Erbe her katholisch oder jüdisch geprägt war. Auch wenn der ethnische Pluralismus Mitteleuropas hochgehalten wurde, herrschte zugleich eine sehr klare Ansicht darüber, was es nicht war:
christlich-orthodox, islamisch oder russisch. Nicht jeder mochte den Begriff. Der österreichische Schriftsteller
Peter Handke sah in Mitteleuropa nichts weiter als einen "meteorologischen Begriff". Der ungarische Erzähler
Peter Esterhazy erklärte 1991, dass ein Schriftsteller "einer Sprache angehört, nicht einer Region". Jugoslawiens
Danilo Kiš trat vorsichtig auf, als er 1987 schrieb, dass die Vorstellung von einem mitteleuropäischen Kulturraum heutzutage vielleicht im Westen verbreiteter sei als in den Ländern, die logischerweise dazugehörten"."
Wie schreibt man? Welche Rolle spielen Freunde/Autoren, Verlag und Lektor bei der Entstehung eines Buchs? Der norwegische
Autor Karl Ove Knausgård beschreibt das in einem großartigen, ganz dicht an den eigenen Erfahrungen entlang geschriebenen Essay für
Samtiden, den
Eurozine ins Englische übersetzt hat. Er beginnt mit zwei der berühmtesten Lektoren der jüngeren Literaturgeschichte,
Maxwell Perkins und
Gordon Lish. Sind die beiden zu weit gegangen, als sie quasi den Ton schufen, für den ihre Autoren berühmt werden sollten? "Um zu begreifen, was sich im Schatten dieser dunklen Zone abspielt, hilft es, ein Gedankenexperiment vorzunehmen: Wie wären diese Bücher
ohne Lektoren geworden? In meinem Fall ist die Antwort einfach: Es gäbe keine Bücher. Ich wäre
kein Autor geworden. Das heißt nicht, dass mein Lektor [Geir Gulliksen] meine Bücher für mich schreibt, sondern dass seine Gedanken, Ideen und Einsichten für mein Schreiben wesentlich sind. Diese Gedanken, Ideen und Einsichten sind sein Beitrag zu meiner Arbeit, und daher auch zu mir. Wenn er andere Autoren lektoriert, gibt er ihnen andere Dinge. Idealerweise ist der Job eines Lektors
undefiniert und offen genug, um den Forderungen, Erwartungen, dem Talent und der Integrität jedes individuellen Autors genau angepasst werden zu können. Über allem beruht er auf Vertrauen und ist viel abhängiger von
persönlichen Eigenschaften und einem Verständnis für andere als von formalen literarischen Kompetenzen."