
Der russische Soziologe
Boris Dubin zeichnete kurz vor seinem Tod im August diesen Jahres ein deprimierendes Bild der
Gesellschaft in Russland, die Putin seit der Annexion der
Krim ungewöhnlich hohe Zustimmungsraten beschert: "86 Prozent der Befragten erklärten im
Juli 2014 bei einer repräsentativen Umfrage in Russland, das Referendum auf der Krim habe
allen Rechtsvorschriften Genüge getan. Auch die Abstimmung im
Donbass wurde von 77 Prozent für legal gehalten. Fast 70 Prozent waren der Meinung, dass Russland
gezwungen gewesen sei, Truppen in die Ukraine zu schicken. Die Ukraine ist in solchen Aussagen bereits kein reales Land mehr mit realen Menschen, einer realen Kultur und einer realen Geschichte. Sie ist eine
Projektionsfläche für die Spannungen und Defizite der russländischen Gesellschaft, sie dient dazu, eigene Konflikte, die nicht anerkannt und ausgesprochen werden, zu verdrängen, indem sie symbolisch übertragen werden. Das Verhältnis der meisten Russen zur Ukraine ist ein Ausdruck davon, dass sie sich weigern, über die Probleme Russlands nachzudenken, ein Ausdruck der
eigenen Machtlosigkeit."
Außerdem: Tanya Richardson
beschreibt in einer sehr anschaulichen Reportage das
Leben in Odessa nach dem gewaltsamen Zusammenstoß von Anti-Maidan- and Euromaidan-Aktivisten im Mai. Der ukrainische Philosoph
Wolodimir Jermolenko fordert von Europa
schärfere Sanktionen gegen Russland: "Kompromisse und Rückzieher werde von Putin immer als Schwäche ausgelegt werden. Diese Schwäche erweckt die agressiven Instinkte des Kremls wie ein
Tropfen Blut den Vampir erregt."
Alain Finkielkraut erklärt im
Interview glasklar, warum er einen
Multikulturalismus, wie Martha Nussbaum ihn in ihrem neuen Buch "The New Religious Intolerance" vertritt, ablehnt.
Martha Nussbaum wiederum bleibt im
Interview zu diesem Thema freundlich vage.