Klappentext

Aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer. Rumänien im Jahr von Tschernobyl, 1986. Ein Elfjähriger wird Zeuge, wie Beamte des Geheimdiensts seinen Vater abholen. Von Monat zu Monat schwindet die Hoffnung, ihn wiederzusehen. Mit rührender Aufmerksamkeit versucht der Junge, der als Jüdin und "Dissidentin" geächteten Mutter den Vater zu ersetzen, während er ihr die Schikanen in der Schule verschweigt. Er begleitet sie zum "Genossen Botschafter", von dem sie sich Hilfe erhofft, sinnt auf eigene Wege, um den Vater aus dem Arbeitslager am "Donaukanal" freizubekommen. Im Turnlehrer, der die Kinder bei Radioaktivitätsalarm zum Fußballspiel zwingt, in den verrohten Jugendlichen, die vor keiner Gewalttat zurückschrecken, in den Bauarbeitern, die behaupten, seinen Vater gesehen zu haben - überall begegnet ihm das zynische Spiel mit Angst und Hoffnung, Erpressung und Verrat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2008

Kalt ist die Welt in György Dragomans Roman "Der weiße König". Den Rezensenten Wolfgang Schneider scheint es jedenfalls gefröstelt zu haben. Der Roman spielt im Rumänien Ceausescus, der Junge Dzsata ist sein Held und er verliert, gleich zu Beginn, seinen Vater, der eine Kritik an Ceausescu unterschrieben hatte. Der Vater wird abgeholt, kehrt nicht wieder und ist womöglich als Zwangsarbeiter gedungen für den Bau des Donaukanals. Mitleid hat keiner in dieser harten, von Bösartigkeit geprägten Sozialismuswelt. Und nicht einmal die Zentralfigur, die liebzugewinnen man womöglich erst einmal nicht abgeneigt ist, erweist sich, wie der Rezensentmitteilen muss, als Vergewaltiger und alles andere als eindeutig sympathiewürdige Gestalt. Der Realismus als Ausgangsstellung des Romans, so Schneider, wird immer wieder in Richtung Groteske und Kafka überschritten, die Kapitel sind in sich jeweils abgeschlossen, die Sätze sind oft weit ausschwingende "Geflechte des Verhängniszusammenhangs". An Lynch, Kubrick oder Ian McEwans "Zementgarten" denkt der Rezensent, findet das Buch dennoch ganz und gar eigen und auch für den sehr lesenswert, der sich für den konkreten historischen Gegenstand nicht interessiert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.06.2008

Höchst beklemmend fand Christoph Schröder den Roman "Der Weiße König" von György Dragoman, wobei er ihn als großartiges Werk über das Leben in der Diktatur preist. György Dragoman, 1977 in Siebenbürgen als Angehöriger der ungarischen Minderheit geboren, erzählt in seinem zweiten Roman aus der Perspektive des Jungen Dzsata von Ceausescus Rumänien. Sein Vater wurde von der Securitate abgeholt, die Lebensumstände sind durch unüberbietbare "Rohheit", körperliche und psychische Gewalt und Bösartigkeit der Menschen untereinander geprägt. Das Besondere an der kindlichen Erzählperspektive liegt für den Rezensenten darin, dass sich die Geschichte einerseits wie ein böses Märchen liest, andererseits die "absurden Seiten der Diktatur" höchst anschaulich vor Augen geführt werden, so der Rezensent beeindruckt. Es ist ein in seiner Brutalität erschütterndes Buch und gleichzeitig ein Roman von großer Sprachmächtigkeit, preist Schröder überwältigt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.04.2008

Jörg Plath ist sichtlich geschockt von der Gewalt, die György Dragomans zweiten Roman "Der weiße König" durchzieht, zeigt aber Bewunderung für die kunstvolle Konstruktion des Buches. Der Roman spielt in der Ceausescu-Zeit in einer rumänischen Provinzstadt und beschreibt in achtzehn kurzen Episoden, wie die Diktatur und nicht zuletzt das Verschwinden des Vaters, den die Securitate wegen eines Protestschreibens abgeholt hat, das gesamte Alltagsleben des 11-jährigen Dzsata brutalisiert, erklärt der Rezensent. Die Gewaltexzesse, die sich etwa aus einem einfachen Fußballspiel ergeben, lassen Plath mitunter den Atem stocken und erreichen in ihrer Brutalität geradezu unwirklichen Charakter, wie er findet. Es beeindruckt ihn, wie konsequent der Autor an der Perspektive seines jungen Protagonisten festhält, und bewundert die gelungene Dramaturgie, die in ihren Elementen der Raffung und Verzögerung geradezu filmische Qualitäten aufweist. Zum Ende hin werde diese Konstruktionsweise allerdings etwas zu "absehbar", weshalb das Buch auch nicht "länger" hätte werden dürfen, so Plath insgesamt dennoch gebannt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2008

Andreas Breitenstein feiert György Dragomans Roman "Der weiße König" als herausragendes Meisterwerk und ist gleichzeitig offenkundig zutiefst erschüttert von den Erlebnissen, die der 11-jährige Held Dzsata in locker aneinander gefügten Episoden schildert. Das Buch spielt in der rumänischen Provinz im Jahr 1986 und der Vater des Ich-Erzählers ist von der Securitate abgeholt und in ein Arbeitslager gesteckt worden. In unerhört dichter Sprache und mit genauem Blick wird die düstere Wirklichkeit in Ceausescus Rumänien mit ihren alltäglichen Grausamkeiten und "Gemeinheiten", die man nicht zuletzt den Kindern angedeihen ließ, geschildert und bilden ein Szenario, das in seiner feinen Überzeichnung einem Bruno Schulz gleichkommt, konstatiert der Rezensent beeindruckt. Auch wenn die Sprache das kindliche Vermögen eines Elfjährigen deutlich übersteige, zeigten die langen, komplexen Sätze bei allen Schrecknissen der Schilderungen auch eine "Anmut", die so etwas wie Hoffnung vermittelten, preist Breitenstein, der hier auch den Übersetzer Laszlo Kornitzer mit Lob bedenkt. Nicht zuletzt in Zeiten, in denen die Verbrechen der kommunistischen Regimes von nicht wenigen als "lässlich" empfunden werden, sind Bücher wie dieses meisterhafte Debüt des 1973 im rumänischen Siebenbürgen geborenen Autors wichtig, betont der Rezensent.