
Zwischen
Populismus und
Partizipation changieren die Pole der Demokratie in Zeiten des Internets, das neue Verfahren ermöglicht, schreibt Nadia Urbinati in einem etwas trockenen, aber instruktiven Artikel für
Esprit (
auf Deutsch bei
Eurozine). Eine ihrer Erkenntnisse: "Die Internet-Demokratie lässt den Mythos der
direkten Selbstverwaltung (das alte demokratische Versprechen autonomer Selbstbestimmung) in veränderter Form wiederaufleben, birgt jedoch die Gefahr identitätspolitischer, demagogischer oder populistischer Aktionen, eines politischen Handelns also, das ausschließt und diskriminiert, und damit, wie in Ungarn auch, die Voraussetzungen für eine regelrechte
Tyrannei der Mehrheit schafft."
Während sich der Kunsthistoriker
Hubertus Kohle im
Perlentaucher dezidiert für Internet und
Open Access in den Geisteswissenschaften
einsetzt, profiliert sich der Mittelalter-Historiker
Valentin Groebner zusehends als die Stimme des
Kulturkonservatismus in diesem Feld. In einem Artikel für den
Mittelweg, online in
Eurozine,
diagnostiziert er einen "
theologischen Ton" bei den Befürwortern des Internet und rät dringend, an den überkommenen Formen des wissenschaftlichen Publizierens festzuhalten: "Das Netz ist wunderbar für
Unfertiges und Provisorisches; für erste Entwürfe und für das rasche Hin-und Her zwischen kritischer Stellungnahme und Replik. Aber mit der Stabilisierung und positiven Validierung der dort produzierten Information -also mit verbindlich festgelegten Resultaten - hapert es. Und zwar, soweit es sich nach zwanzig Jahren World Wide Web beurteilen lässt,
wohl dauerhaft."
Außerdem sucht der Soziologe Paolo Gerbaudo in einem Artikel für
Soundings,
auf Englisch bei
Eurozine, nach den Quellen des
Coups in Ägypten.