Der Trend zum
"Buchhandel light" hält an. "Während die Umsätze des traditionellen Buchhandels stagnieren oder zurückgehen, erleben
Boulevard-Buchhandlungen und
MA-Spezialisten einen erstaunlichen Aufschwung", heißt es im "Thema der Woche" des
Börsenblatts. Über Umsatzsprünge hätten sich im vorigen Jahr
Weltbildplus, Weltbild-Tochter
Jokers mit ihren stationären Discountern und die
Wohlthat'sche Buchhandlung freuen können. Das Konzept einer "klaren Vorselektion", um so dem Kunden
Orientierung zu geben, ein Schwerpunkt auf
Schnäppchen,
Sonderausgaben und
Bestsellern, sowie die
Vermischung von MA-Titeln mit preisgebundenen Büchern, scheint bei der Zielgruppe aufzugehen. Sorgen bereitet der Light-Buchhandel vor allem kleinen Sortimentern, aber auch den Bahnhofsbuchhändlern.
Unterschiedlicher Meinung sind Börsenvereinsvorsteher
Dieter Schormann und der Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses im Börsenverein,
Rudolph Braun-Elwert, in der Ladenschluss-Debatte. Wirtschaftsminister Clement hatte letzte Woche laut über die Abschaffung aller Vorschriften zu den
Ladenöffnungszeiten an Werktagen nachgedacht. "Denken die Politiker dabei auch an diejenigen, die die langen Öffnungszeiten umsetzen müssen?" fragt Braun-Elwert kritisch. Vor allem kleinere Sortimente, die ihre Personalkapazitäten kaum noch ausweiten können, befürchteten eine
Kaufkraftverschiebung zugunsten großer Filialen. Schormann findet es grundsätzlich richtig, dass Unternehmen
selbst entscheiden können, wann und wie lange sie offen haben. (Der
Buchreport hat herausgefunden, dass bereits in
zehn EU-Ländern kein Ladenschluss an Werktagen vorgeschrieben ist).
Stumpfe Jobs machen kreativ und verhelfen zu Bestsellern und Auszeichnungen. Zumindest im Fall von
Christiane Scherer, die sich - warum auch immer - in Anlehnung an Theodor W. Adorno
Thea Dorn nennt. Vor zehn Jahren, als Hilfskraft an der Uni, sei ihr die Idee für ihren ersten Krimi gekommen, erzählte die Autorin und Moderatorin des
SWR-Büchertalks dem
Börsenblatt. Während sie damals stundenlang am Kopierer gestanden hätte, immerfort auf die braunen Postfächer an der Wand starrend, habe sie sich irgendwann gefragt, was geschähe, wenn in diesen Fächern nicht Briefe und Päckchen, sondern ausnahmsweise einmal ein zerteilter Professor läge: von kundiger Hand filetiert, in Gefrierbeutel verpackt.
Hohe Wachstumsraten bei Amazon. Was die Zahlen für Deutschland allein angeht, hält sich der weltweit größte Online-Buchhändler stets bedeckt.
Amazon.com vermeldet für das erste Quartal dieses Jahres einen Umsatz von ca.
1,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag bei 111 Millionen Dollar, gegenüber einem Minus von zehn Millionen Dollar im Vorjahr. Im Auslandsgeschäft (Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan) stieg der Umsatz in den ersten drei Monaten 2004 um 80 Prozent auf 684 Millionen Dollar.
Der
Europa Verlag, durch die Insolvenz des Mutterkonzerns,
Senator Entertainment AG, ins Schlittern geraten, hat einen neuen Gesellschafter gefunden.
Arne Teutsch, Gesellschafter von
Altberliner,
Baumhaus,
BuchVerlag für die Frau,
Leiv und
"Eselsohr", wird mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter und kaufmännischer Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens.
Vito von Eichborn hält 49 Prozent an "Europa" und bleibt verlegerischer Geschäftsführer. Teutsch verspricht sich durch
Synergien in Zusammenhang mit seinen anderen Verlagen Kostenersparnisse in den Bereichen Herstellung, Vertrieb, Marketing und Verwaltung, erklärte er im
Börsenblatt-Interview.
Personalien:
Job-Rotation bei den neuen
Bonnier-Verlagen:
Michael Neher, zurzeit Programmchef bei der DVA, wird spätestens zum 1. Oktober Leiter der Verlage
Ullstein und
Propyläen in Berlin.
Hartmut Jedicke ist seit 1. Mai Geschäftsführer der
Ullstein Buchverlage, ebenfalls an der Spree. Das neue Führungstrio bei
Piper in München bilden
Hans-Joachim Hartmann (kaufmännische Leitung),
Wolfgang Ferchl (Programm) und
Christa Beiling (Marketing).
Weitere Personalien aus der Buchbranche.
Meldungen:
Heidelberg ist die Stadt mit der größten
Buchhandelsdichte in Deutschland - 3510 Leser müssen sich hier eine Buchhandlung teilen. Der
Bibliotheksverband BIB hat mit
www.bibliothekssterben.de (
hier) eine eigene Internet-Seite ins Netz gestellt, um geschlossene und gefährdete Einrichtungen zeitnah zu erfassen. Morgen startet der
Wettbewerb "Das schönste deutsche Wort" des Deutschen Sprachrats - bis zum 1. August können Vorschläge (
mehr) eingereicht werden.