Die Buchmacher - Archiv

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328 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 33

Die Buchmacher vom 03.05.2004 - Börsenblatt

Der Trend zum "Buchhandel light" hält an. "Während die Umsätze des traditionellen Buchhandels stagnieren oder zurückgehen, erleben Boulevard-Buchhandlungen und MA-Spezialisten einen erstaunlichen Aufschwung", heißt es im "Thema der Woche" des Börsenblatts. Über Umsatzsprünge hätten sich im vorigen Jahr Weltbildplus, Weltbild-Tochter Jokers mit ihren stationären Discountern und die Wohlthat'sche Buchhandlung freuen können. Das Konzept einer "klaren Vorselektion", um so dem Kunden Orientierung zu geben, ein Schwerpunkt auf Schnäppchen, Sonderausgaben und Bestsellern, sowie die Vermischung von MA-Titeln mit preisgebundenen Büchern, scheint bei der Zielgruppe aufzugehen. Sorgen bereitet der Light-Buchhandel vor allem kleinen Sortimentern, aber auch den Bahnhofsbuchhändlern.

Unterschiedlicher Meinung sind Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann und der Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses im Börsenverein, Rudolph Braun-Elwert, in der Ladenschluss-Debatte. Wirtschaftsminister Clement hatte letzte Woche laut über die Abschaffung aller Vorschriften zu den Ladenöffnungszeiten an Werktagen nachgedacht. "Denken die Politiker dabei auch an diejenigen, die die langen Öffnungszeiten umsetzen müssen?" fragt Braun-Elwert kritisch. Vor allem kleinere Sortimente, die ihre Personalkapazitäten kaum noch ausweiten können, befürchteten eine Kaufkraftverschiebung zugunsten großer Filialen. Schormann findet es grundsätzlich richtig, dass Unternehmen selbst entscheiden können, wann und wie lange sie offen haben. (Der Buchreport hat herausgefunden, dass bereits in zehn EU-Ländern kein Ladenschluss an Werktagen vorgeschrieben ist).

Stumpfe Jobs machen kreativ und verhelfen zu Bestsellern und Auszeichnungen. Zumindest im Fall von Christiane Scherer, die sich - warum auch immer - in Anlehnung an Theodor W. Adorno Thea Dorn nennt. Vor zehn Jahren, als Hilfskraft an der Uni, sei ihr die Idee für ihren ersten Krimi gekommen, erzählte die Autorin und Moderatorin des SWR-Büchertalks dem Börsenblatt. Während sie damals stundenlang am Kopierer gestanden hätte, immerfort auf die braunen Postfächer an der Wand starrend, habe sie sich irgendwann gefragt, was geschähe, wenn in diesen Fächern nicht Briefe und Päckchen, sondern ausnahmsweise einmal ein zerteilter Professor läge: von kundiger Hand filetiert, in Gefrierbeutel verpackt.

Hohe Wachstumsraten
bei Amazon. Was die Zahlen für Deutschland allein angeht, hält sich der weltweit größte Online-Buchhändler stets bedeckt. Amazon.com vermeldet für das erste Quartal dieses Jahres einen Umsatz von ca. 1,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag bei 111 Millionen Dollar, gegenüber einem Minus von zehn Millionen Dollar im Vorjahr. Im Auslandsgeschäft (Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan) stieg der Umsatz in den ersten drei Monaten 2004 um 80 Prozent auf 684 Millionen Dollar.

Der Europa Verlag, durch die Insolvenz des Mutterkonzerns, Senator Entertainment AG, ins Schlittern geraten, hat einen neuen Gesellschafter gefunden. Arne Teutsch, Gesellschafter von Altberliner, Baumhaus, BuchVerlag für die Frau, Leiv und "Eselsohr", wird mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter und kaufmännischer Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens. Vito von Eichborn hält 49 Prozent an "Europa" und bleibt verlegerischer Geschäftsführer. Teutsch verspricht sich durch Synergien in Zusammenhang mit seinen anderen Verlagen Kostenersparnisse in den Bereichen Herstellung, Vertrieb, Marketing und Verwaltung, erklärte er im Börsenblatt-Interview.

Personalien: Job-Rotation bei den neuen Bonnier-Verlagen: Michael Neher, zurzeit Programmchef bei der DVA, wird spätestens zum 1. Oktober Leiter der Verlage Ullstein und Propyläen in Berlin. Hartmut Jedicke ist seit 1. Mai Geschäftsführer der Ullstein Buchverlage, ebenfalls an der Spree. Das neue Führungstrio bei Piper in München bilden Hans-Joachim Hartmann (kaufmännische Leitung), Wolfgang Ferchl (Programm) und Christa Beiling (Marketing). Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Heidelberg ist die Stadt mit der größten Buchhandelsdichte in Deutschland - 3510 Leser müssen sich hier eine Buchhandlung teilen. Der Bibliotheksverband BIB hat mit www.bibliothekssterben.de (hier) eine eigene Internet-Seite ins Netz gestellt, um geschlossene und gefährdete Einrichtungen zeitnah zu erfassen. Morgen startet der Wettbewerb "Das schönste deutsche Wort" des Deutschen Sprachrats - bis zum 1. August können Vorschläge (mehr) eingereicht werden.

Die Buchmacher vom 26.04.2004 - Börsenblatt

Übersetzungen haben in jüngster Vergangenheit in den Feuilletons für Wirbel gesorgt - diese Woche sind sie Schwerpunkt-Thema im Börsenblatt. Der Übersetzer Peter Urban glaubt: "Der deutsche Leser kann bis heute noch nicht wissen, wie die Klassiker der Russen geschrieben sind." Gründe für die bisher sehr unterschiedlich ausgefallenen Übersetzungen findet Urban in der "selbstherrlichen Arroganz" deutscher Übersetzer, in deren Stilempfinden und der zum Teil "höchst oberflächlichen Kenntnis der Sprache". Nachdem er zahlreiche Beispiele genannt hat, kommt Urban in Bezug auf die Russen-Klassiker zu dem Schluss: "Mit dem Übersetzen ihres Stils, ihrer Formen und Strukturen stehen wir erst ganz am Anfang."

Über "außerordentlich geglückte Übersetzungen", gerade in den zurückliegenden Jahren, freut sich Wolfgang Schneider im Börsenblatt. So seien etwa die neuen deutschen Fassungen von Flauberts "Bouvard und Pecuchet", Stendhals "Rot und Schwarz" und Celines "Reise ans Ende der Nacht" hervorzuheben. Übersetzungen sind immer Kompromisse. Nach wie vor gelte, dass sich eine gute Übersetzung nicht wie eine Übersetzung lesen dürfe, beschreibt Schneider die Schwierigkeit des Transfers. Hinzu komme, dass heutzutage Werktreue oberstes Gebot sei und Abweichungen vom Wortlaut sich nur schwer legitimieren ließen.

Schon wieder "Endstufe": Die von Thor Kunkel für seinen umstrittenen Roman als Vorlage benutzten "Sachsenwald-Pornos" sind nicht im Dritten Reich, sondern erst in den 50er und 60er Jahren gedreht worden. Das behauptet der Hamburger Kinobetreiber Werner Grassmann. "Endstufe"-Verleger Wolfgang Hörner entkräftet die Vorwürfe im Börsenblatt: "Kunkel hat Zeugen dafür, dass die Filme (...) schon 1945/46 im Gespräch waren. Auch eine der Akteurinnen der Filme hat er besucht." Im übrigen könne ein Roman, der - im Unterschied zu einem historischen Roman - über die Epoche hinaus etwas über die Gegenwart aussagen wolle, durchaus mit anachronistischen Elementen spielen.

Wegen des "schleppenden Geschäfts" hatte sich der Münchener E-Book-Spezialist Epodium vergangenes Jahr zurückgezogen. Jetzt hat er - unter demselben Namen - einen Neustart im Printsektor gewagt, berichtet das Börsenblatt. Neben dem Aufbau einer belletristischen Reihe plant der Verlag den Ausbau eines schon länger bestehenden kleinen Programms wissenschaftlicher Titel, die Reihe "Intervisionen - Texte zu Theater und anderen Künsten". Außerdem biete Epodium Kunden an, deren Biografie zu verlegen.

Lesen liegt bei Jugendlichen im Trend. Das hat eine Studie des Börsenvereins ergeben. Knapp 70 Prozent der befragten Jugendlichen hätten in den letzten Sommerferien ein Buch gelesen. Weitere Ergebnisse der Studie: Das Interesse an Büchern steigt mit der Höhe des Schultyps, unter den jugendlichen "Lesefans" sind mehr Mädchen als Jungen, gekauft werden Bücher von Jugendlichen zum größten Teil in Buchhandlungen, bei Mädchen stehen Romane über Liebe und Freundschaft an erster Stelle, bei Jungen Fantasy.

Hanser-Verleger und Autor Michael Krüger erhält den mit 15.000 Euro dotierten Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Random House hat die Pläne, einen eigenen Rackjobbing-Zweig für die Belieferung von Nebenmärkten aufzubauen, auf Eis gelegt. Der Branchenumsatz der Deutschen Fachpresse ist in 2003 um 4,8 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zurückgegangen, die Zeichen für eine Erholung des Fachinformationsmarkts sind allerdings gut.

Die Buchmacher vom 19.04.2004 - Börsenblatt

Zum eigenen Überleben müssen Buchhandlungen und Verlage heilige Kühe schlachten und Altbekanntes über Bord werfen. Das erklärt Unternehmensberater Hartmut Biesel im Börsenblatt und weist auf schrumpfende Märkte und die Neuverteilung der Marktanteile hin. Das Management von morgen sollte, so Biesel, Mut zu unkonventionellen Geschäftsmodellen haben, über die wesentlichen Markt- und Kundeninformationen verfügen und auf Qualität statt auf Masse setzen. Auch wichtig seien fachlich kompetente, motivierte und, was den Einsatzbereich betrifft, flexible Mitarbeiter, die sich mit ihren Unternehmen identifizieren könnten.

Seine Sympathie zur DKP zog in den Siebzigern ein Berufsverbot als Lehrer nach sich. Heute ist Rutger Booß Unternehmer und setzt mit seinem auf Krimis spezialisierten Grafit Verlag rund 2,6 Millionen Euro jährlich um. "Bis ich gelernt habe, mit den kapitalistischen Usancen umzugehen, hat es sicher zwei Jahre gedauert", erzählt Booß freimütig im Börsenblatt-Interview. Nach Jahren des verlegerischen Ausprobierens scheint er mit dem Krimigenre auf das richtige Pferd gesetzt zu haben. In den Verlagen habe es zwar eine Abkehr von der Gattungsbezeichnung Krimi gegeben, aus Scham, diese werde nicht als "richtige Literatur" anerkannt, beobachtet der Grafit-Chef, dennoch seien gerade Romane mit Spannungselementen seit Jahren auf dem Vormarsch.

Kiepenheuer & Witsch geht, wie angekündigt, mit Maxim Billers "Esra" (mehr) durch alle Gerichte. Nachdem das Oberlandesgericht das von Billers Ex-Freundin und deren Mutter eingeforderte Verbot des Romans bestätigt hat, legen die Kölner Revision beim Bundesgerichtshof ein. Verleger Helge Malchow verspricht sich über den aktuellen Fall hinaus eine grundsätzliche Entscheidung in Sachen Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht. "Ich habe den Eindruck, dass die Komplexität der Problematik von der je höheren Instanz deutlicher wahrgenommen wird", sagte Malchow dem Börsenblatt.

Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Ein Literaturfestival als regionales Groß-Event wollen ab dem 21. April 150 süddeutsche Städte und Gemeinden auf die Beine stellen: Sie beteiligen sich zwei Monate lang an den "Literaturlandschaften Bayerns" (mehr). Die Senator Entertainment AG hat Insolvenz angemeldet. Was mit Vito von Eichborns Europa Verlag, ein Senator-Tochterunternehmen, geschieht, ist noch ungewiss. Zeitgenössische Gedichte können im Rahmen eines Projekts der Literaturwerkstatt Berlin mehrsprachig online gelesen und gehört werden.

Die Buchmacher vom 12.04.2004 - Börsenblatt

Die Bedeutung von Schulbuchzentren (zurzeit sind es bundesweit rund 170) wächst - das "Thema der Woche" im Börsenblatt. Besonders die bevölkerungsreichen Bundesländer und die Stadtstaaten sind mit verlagseigenen Informationszentren der führenden Schulbuchverlage zugepflastert. Als Umsatzbringer spielen sie eine untergeordnete Rolle, "viel wichtiger ist ihre Aufgabe in Sachen Marketing". Dass immer mehr Bundesländer die Lockerung der Lernmittelfreiheit in Betracht ziehen und Eltern mehr an den Kosten beteiligen wollen, begrüßen die Schulbuchverlage. Unterm Strich bringt das mehr Geld. In NRW und Sachsen-Anhalt hat sich der private Zukauf auch positiv auf den überfälligen Innovationsschub ausgewirkt, so das Börsenblatt.

Über den Sinn von Literatur hat sich der Schriftsteller Dzevad Karahasan in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung Gedanken gemacht. "Die Literatur ist die höchste Form der Erkenntnis", sagte Karahasan, "weil sie zeigt, dass es nicht so wichtig ist ans Ziel zu kommen, aber unendlich wichtig, dieses Ziel aus allen Perspektiven anzuschauen." Sie entspreche nicht dem in unserer Zeit so hoch bewerteten Kriterium Nutzen. Deshalb sei sie unersetzlich.

Die Reform des Urheberrechts betrifft besonders Hörbuch-Produktionen. Denn, so erinnert das Börsenblatt an die neue Gesetzesnovelle, hier haben "Urheber (Schriftsteller) und ausübende Künstler (Sprecher) Anspruch auf eine angemessene Vergütung". Im Segment der urheberrechtsfreien Werke bei Hörbüchern - im Jahr 2004 sind das die Stücke, deren Autoren bis zum 31. Dezember 1933 gestorben sind - ziehe der Wettbewerb mächtig an. Konkurriert werde dabei verstärkt über den Preis.

Die Umstrukturierung der Lübbe Verlagsgruppe ist abgeschlossen, 200 Arbeitsplätze wurden abgebaut - jetzt will Geschäftsführer Karlheinz Jungbeck expandieren. Die Aufspaltung der Ullstein Heyne List-Gruppe habe Lübbe im Taschenbuch zu einer besseren Marktposition verholfen. Noch mehr Marktmacht wollen die Bergisch Gladbacher in dieser Sparte mit Zukäufen und Kooperationen mit anderen Verlagen, ähnlich dem Maretaschenbuch in der Reihe Serie Piper (startet im Mai), erreichen. Darüber hinaus sei die Einführung eines Niedrigpreislabels geplant, erzählte Jungbeck dem Börsenblatt, im Marketing werde künftig in Ergänzung zu Printkampagnen auf Radio- und Fernsehwerbung gesetzt.

Personalien
aus der Branche.

Meldungen: Der Münchener Matthes & Seitz Verlag, bekannt geworden mit Autoren wie Artaud und Bataille, hat sich unter der Leitung von Andreas Rötzer in der Hauptstadt als Matthes & Seitz Berlin Verlag neu gegründet. 160 Millionen Euro zahlt Bertelsmann an die Ex-AOL-Deutschland-Manager Jan Henric Buettner und Andreas von Blottnitz - sie hatten Gewinnanteile aus dem Verkauf von AOL-Europe eingefordert und sich mit dem Konzern außergerichtlich geeinigt. Nach der Zwangspause im vergangenen Jahr ist die Finanzierung des Berliner Bücherfests für 2004 so gut wie gesichert - es findet am 19. und 20. Juni am Pariser Platz, zwischen Adlon und Brandenburger Tor, statt. Der Deutsche Literaturfonds (mehr) fördert elf Autoren halb- und ganzjährig mit Arbeitsstipendien für insgesamt rund 333.000 Euro. In Anlehnung an das Label btb (Bertelsmann Taschenbuch) wird aus dem Jugendbuchlabel C. Bertelsmann cbj - mit dem Relaunch der Marke wollen die Gütersloher es in die Top 3 der Kinder- und Jugendbuchverlage schaffen.

Die Buchmacher vom 05.04.2004 - Börsenblatt

Nach der Messe ist vor der Messe und Wolfgang Marzin, neuer Chef in Leipzig, denkt angesichts schwarzer Zahlen, die das Bücherfestival im operativen Geschäft schreibt, bereits über Wachstum und eine Vergrößerung der Fläche nach. Man stehe in keinem quantitativen Wachstumswettbewerb, auch nicht mit Frankfurt, betonte Marzin im Börsenblatt-Interview: "Wir wollen dem Markt dienen und nicht ins Unermessliche wachsen." Sein Ziel für die nächsten Jahre sei, den Buchhandel stärker an die Messe zu binden und den Literaturaustausch weiter auszubauen.

Zustände wie bei den Nachbarn auf der Insel herrschen in Deutschland, was die Buchbranche betrifft, glücklicherweise nicht. Seit dem Fall der Preisbindung vor mehr als einem Jahrzehnt habe sich der britische Buchmarkt radikal verändert, berichtete der unabhängige Verleger Pete Ayrton aus London am Rande der Leipziger Buchmesse. Als "desaströs" bezeichnete Ayrton die Rahmenbedingungen für kleine engagierte Häuser wie seines. Unabhängige Buchhandlungen seien von Ketten weitgehend verdrängt worden. Ein Verlagsprogramm unterzubringen koste: 60 Prozent Rabatt und 700 Euro Miete pro Monat - einzig und allein dafür, dass die Titel von einer Großbuchhandlung am Lager gehalten würden.

Mit der Zulassung eines zeitlich begrenzten Buchverkaufs am Messestand bliesen die Leipziger - nach dem Tohuwabohu in Frankfurt - einen weiteren Versuchsballon auf. Rund 80 Prozent der Aussteller hätten Verkaufsabsichten angemeldet gehabt, schreibt Nils Kahlefendt im Börsenblatt. Bei seinen Testbesuchen am Messesonntag registrierte er zwar "keine Messebesucher, die ihren Lesestoff für die nächsten Jahre abschleppten", dafür aber Verleger, die für eine Ausweitung der Verkaufsmöglichkeiten plädierten und eine ausnahmslos penible Einhaltung der Ladenpreise.

Anzeigenrückgänge hin oder her: Gleich zwei neue Magazine, die sich an ein Politik und Kultur interessiertes Publikum richten, Cicero und Monopol, sind auf den Markt geschwemmt. Das von den ehemaligen FAZ-Mitarbeitern Florian Illies und Amelie von Heydebreck im eigenen Juno Verlag herausgegebene Monopol-Magazin werde von Investoren finanziert, die sich aus "rein privatem Interesse an der Kunst und an dem Projekt" engagierten, hat das Börsenblatt herausbekommen, allerdings nicht, wer die Gönner sind. Monopol wird in Berlin produziert, startete mit einer Auflage von 60.000 und soll alle zwei Monate erscheinen.

Jan Bayer
ist ab sofort Verlagsleiter der Süddeutsche Zeitung GmbH. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Kultur-Staatsministerin Christina Weiss will mehr Geld in die Kurt-Wolff Stiftung (mehr), die sich für "eine Förderung der vielfältigen Verlags- und Literaturszene" einsetzt, fließen lassen. Das Online-Antiquariat ZVAB plant, bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse erstmals eine Antiquariatsmesse zu organisieren. "Bookmark", das neue Büchermagazin von Helmut Markwort, hatte bei der TV-Premiere Ende März einen Marktanteil von nur 0,8 Prozent.

Die Buchmacher vom 30.03.2004 - Börsenblatt

Buchmessen wie Jahreswechsel rufen den Börsenvereinsvorsteher zu einem Statement zur Lage der Branche. "Auch wenn die Zeiten mittlerweile positiver erscheinen", erklärte Dieter Schormann bedächtig vor Journalisten bei der Eröffnungspressekonferenz in Leipzig, "so kann sich die Branche nach drei Jahren sinkender Umsätze nur langsam wieder erholen." Die Buchhändler seien zwar optimistisch, aber immer noch vorsichtig. Als Konstante im Buchhandel erweise sich das Privatkundengeschäft, zurückhaltender seien dagegen öffentliche Institutionen und Bibliotheken. Hier Schormanns Eröffnungsrede zur Buchmesse.

Auf der Buchmesse gab Wolfgang Marzin seinen Einstand als Leipziger Messechef. Die Buchbranche sei neu für ihn, doch Berührungsängste habe er nicht, sagte der gebürtige Münchener dem Börsenblatt. Eine Autoschau oder eine Buchmesse auszurichten - für Marzin scheint das einerlei. "Mögen die Themen unterschiedlich sein, letztlich kommt es immer auf dasselbe an: die richtigen Leute zusammenzubringen."

Bedenken gegenüber einer Zunahme des Direktvertriebs äußert der Mainzer Buchhändler Thomas Kohl auf der Meinungsseite des Börsenblatts: "Zurzeit erleben wir vielfach einen Prozess, bei dem keine Seite gewinnt." Verlage neigten dazu, die eigene Vertriebskompetenz zu überschätzen, Kundennähe, Professionalität und Flexiblität des Buchhändlers zu unterschätzen und den stabilisierenden Einfluss eines Händlernetzes, das auch in mageren Jahren einen Basisabsatz garantiere, zu ignorieren. Besonders ärgerlich seien gespaltene Vertriebswege, die die Rolle des Handels im Unklaren lasse. "Nicht gegeneinander, nur miteinander können die Marktteilnehmer in diesen manchmal schwierigen Zeiten bestehen", glaubt Kohl.

Mit "Bookmark" (die erste Folge wurde am 28. März von der Buchmesse gesendet, mehr) verschafft Focus-Chef Helmut Markwort dem Sachbuch einen exklusiven TV-Auftritt. "Es hat nahe gelegen, ein Format für eine Büchersendung zu entwickeln", erzählte Markwort dem Börsenblatt, "da ich seit meiner Kindheit unter Lesesucht leide." Am Schluss einer jeden Sendung wolle er - bewusst subjektiv - einige zusätzliche Titel empfehlen, auf diese Weise Titel und Autoren (wieder) entdecken. "Ab und zu werde ich auch einmal auf einen Flop aufmerksam machen", ist sich Markwort sicher. Aha.

Dass der Fußball ihnen das Geschäft vermiest hat, meinen die vom Börsenblatt zur Resonanz auf das letzte "Lesen!"-Magazin (es wurde durch die Live-Übertragung des DFB-Pokalspiels zeitlich nach hinten verschoben) befragten Buchhändler. Bei den vorherigen Sendungen hätten die Händler einen größeren Umsatz der empfohlenen Titel verzeichnen können, diesmal sei der Verkauf konstant gewesen. Zu einem etwas anderen Ergebnis ist der Buchreport gekommen, siehe dort.

Im Streit um die Rechtschreibreform spricht sich das Goethe-Institut Inter Naciones für eine Modifizierung aus. "Das Bemühen um Vereinfachung hat zur Erschwerung des Lesens und zur Verringerung der Ausdruckskraft der geschriebenen Sprache geführt", heißt es zur Begründung in einer Resolution der Mitgliederversammlung, die der Kultusministerkonferenz übergeben werden soll.

Joachim Kaps, früherer Verlagsleiter von Carlsen Comics, soll das Geschäft des US-Manga-Marktführers, Tokyopop K.K., in Deutschland ausbauen. Zu seiner Unterstützung holt der 40-Jährige ehemalige Carlsen-Kollegen ins Tokyopop-Boot. Den mit 530.000 Euro dotierten Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis für Literatur, vergeben von der schwedischen Regierung, erhält Lygia Bojunga. Mehr Personalien aus der Buchbranche.

Letzter Nachschlag zur lit.Cologne: Die Besucherzahl stieg im Vergleich vom Vorjahr um 15 Prozent auf 46.000, die Auslastung der Veranstaltungen lag bei 92 Prozent.

Weitere Meldungen: Literaturhaeuser.net (mehr), das Netzwerk der Literaturhäuser, und Arte wollen künftig enger zusammenarbeiten. Der Berliner Eulenspiegel Verlag feiert in 2004 sein 50-jähriges Bestehen.

Die Buchmacher vom 22.03.2004 - Börsenblatt

Immer mehr Bücher landen vor Gericht. "Das hat nur am Rande mit einem Wandel der Rechtsprechung zu tun", schreibt Medienrechtler Konstantin Wegner auf der Meinungsseite des Börsenblatts. Grund sei wohl vielmehr, dass die Hemmschwelle, sich und andere in den Medien zu entblößen, bei knapper werdenden Aufmerksamkeitsressourcen stetig gesunken sei. Privatpersonen, erläutert Wegner, die sich für ihr weiteres soziales Umfeld erkennbar als Romanhelden wiederfänden, müssten sich dies nicht gefallen lassen. Es bedürfe in jedem Fall einer individuellen Prüfung.

Die technischen Möglichkeiten, die der Digitaldruck bietet, werden den Buchmarkt genauso revolutionieren wie einst die Einführung des Paperbacks. Daran glaubt Wolfram Göbel, Chef von Buch & Media. Dem Börsenblatt erzählte der Verleger, dass er sein Unternehmen dank Kleinauflagen via digitaler Print-on-Demand-Technik und schlanker Strukturen in die Gewinnzone geführt habe. Göbel sieht seine Verlagsgruppe "nicht als Konkurrenz zu den großen Publikumsverlagen, sondern als Ergänzung". An dem Punkt, an dem die Großen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eine Grenze ziehen müssten, setze er an.

Außenminister Joschka Fischer darf sich über Sonderzuwendungen freuen. Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt initiierten Aktion "Bücher für den Irak" hatte Fischer im Januar die Verleger zu Buchspenden für das ausgebrannte Germanistische Institut der Universität Bagdad aufgerufen. Eine Liste von dringend benötigten 10.000 Titeln hätten Experten ausgemacht, berichtet das Börsenblatt, verschweigt aber, wie viele davon letztendlich zusammen gekommen sind. Nur soviel steht fest: Eine symbolische Spendenübergabe gibt's bei Leipziger Buchmesse.

Wirtschaftsromane scheinen nicht mehr so sehr gefragt. Wenn man den Verlegern Glauben schenkt, denen diese Gattung vor zwei, drei Jahren einige Bestseller beschert hat. "Der Boom ist abgeflaut", meint Campus-Lektor Olaf Meier. Das Genre pendle zwischen Roman und Sachbuch und sei den Buchhändlern und Kunden nicht leicht zu vermitteln. Vornehm hält man sich also in der Branche momentan mit Neuerscheinungen zurück. Nur der Gabal Verlag ignoriert die Warnungen und drängt Ende März mit einer neuen Reihe mit Wirtschaftsromanen auf den Markt. Gabal-Geschäftsführerin Ursula Rosengart ist optimistisch: "Der Buchhandel hat auf alle Titel sehr positiv reagiert."

Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Nur rund einen Euro pro Kopf investieren deutsche Bibliotheken in Bücher und andere Medien - in Dänemark, Finnland, Großbritannien, Singapur und den USA wird drei- bis fünfmal soviel ausgegeben. Der ehemalige DDR-Belletristikverlag Neues Leben publiziert künftig unter dem Dach der Eulenspiegel Verlagsgruppe. Das Buch "Morgenröte oder Abenddämmerung - Nationalbuch der deutschen Jugend" von Gerhard Ruben wurde auf den Index gesetzt. Erstmals vergibt das Deutsche Kulturforum östliches Europa diesen Herbst den mit 12.000 Euro dotierten Georg-Dehio-Buchpreis, hierfür können noch Kandidatenvorschläge abgegeben werden.

Die Buchmacher vom 15.03.2004 - Börsenblatt

Ulrich Greiner, Literaturchef der Zeit, macht sich im Börsenblatt Gedanken über die Aufgabe von Literaturkritik. Sie soll ein Gespräch darüber in Gang bringen, ob ein Buch gut ist, fasst Greiner zusammen. "Nicht mehr, weil sie ihr Urteil nicht dekretieren kann - nicht weniger, weil sie sonst keine Kritik ist." Leider werde die Kritik, wie sie tagtäglich erscheine, diesem Ideal allzu oft nicht gerecht.

Sind Billigbuchläden die richtige Antwort auf die konjunkturelle Lage? "Keine angemessene", korrigiert Jokers-Geschäftsführer Wolfgang Nikrandt, "und sie sind auch kein Allheilmittel gegen Umsatzprobleme". Dennoch hätten Moderne Antiquariate eine Daseinsberechtigung, da sie eine Nachfrage befriedigten. Den klassischen Sortimentern würden Billigbuchhändler die Stammkunden auch in Zukunft nicht wegnehmen. "Eine Überschwemmung mit Billigbüchern ist fatal", hält Buchhändlerin Ulrike Musial schwarzmalerisch dagegen. Die Buchbranche könne sich nur erholen, wenn es gelinge, die Kunden von der Wertigkeit der Ware Buch zu überzeugen.

Britische Autoren sorgen sich um ihre Tantiemen, seit bei Verlagen und Sortimentern darüber diskutiert wird, ob der empfohlene Buchpreis - auf der Insel gibt es keine Buchpreisbindung - auf den Büchern aufgedruckt bleiben soll. "Knapp 40 Schriftsteller, darunter Nick Hornby, P. D. James und Joanne K. Rowling, haben in einer öffentlichen Erklärung Stellung bezogen", heißt es im Börsenblatt. Die Autoren fürchteten, dass ein Verzicht auf die Preisangabe das bisherige System der Honorierung ins Wanken bringen könnte. Womöglich würden die tatsächlich erzielten Einnahmen der Verlage Grundlage für die Berechnung der Autorenhonorare.

Hörbuchverlage können auf "hoerwelt.de" ihre Titel künftig online zugänglich machen. Als erster Anbieter will das das Freiburger Label Audiobuch sechs Titel einspeisen und zum Download anbieten.

Der "Goldene Letter" geht in diesem Jahr nach Deutschland. Die höchste Auszeichnung des von der Stiftung Buchkunst ausgerichteten Wettbewerbs "Schönste Bücher aus aller Welt" erhält der Hatje Cantz Verlag, dessen Buch "Rewind Forward" von Olaf Nicolai im Rahmen der Leipziger Buchmesse geehrt wird. Für die Gestaltung zeichneten Markus Dreßen und Kristina Brusa verantwortlich. Wer außerdem ausgezeichnet wird, lesen Sie hier.

Noch zehn Tage bis zur Leipziger Buchmesse (mehr). Mit mehr als 2000 Ausstellern aus 29 Ländern verzeichnet der Branchentreff im Vergleich zum Vorjahr einen Ausstellerzuwachs von fünf Prozent. Bisher war die Rede von drei Prozent.

Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Die Bundesregierung will die Mittel für Auswärtige Kulturpolitik in den nächsten Jahren um etwa ein Drittel senken - neben dem Goethe-Institut Inter Nationes und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst könnten die Einschnitte auch Projekte der Frankfurter Buchmesse gefährden. 22 Länder aus dem arabischen Raum werden in diesem Jahr gemeinsam den Gastlandauftritt der Frankfurter Buchmesse bestreiten - 150 Verleger und 130 Autoren haben bereits ihr Kommen zugesagt. In der Auseinandersetzung um allgemeine Vergütungsregeln für Urheber und Übersetzer will nun das Bundesjustizministerium zwischen den Verlegern und dem Verband deutscher Schriftsteller in Verdi vermitteln. Die Gazette, vor sechs Jahren als politisches Internet-Kulturmagazin gestartet, erscheint nun erstmals in gedruckter Form. Antwerpen wurde von der UNESCO nach New Delhi als neue "Weltbuchhauptstadt" (mehr) ausgewählt. Zwischen dem 23. April 2004 und dem 22. April 2005 wird die belgische Großstadt in den Bereichen Buch, Literatur und Kultur besonders gefördert.

Die Buchmacher vom 08.03.2004 - Börsenblatt

Die illegale Preisreduzierung von neuwertigen - aber als Mängelexemplare gekennzeichneten - "Harry Potters" in jüngster Vergangenheit, hat Preisbindungs-Kommissar Dieter Wallenfels auf den Plan gerufen. Das Thema sei so alt wie die Preisbindung selbst und es habe schon zahlreiche Versuche der Branche gegeben, diesbezügliche Missstände in den Griff zu bekommen. Scheinbar vergeblich. Verbindlich, so Wallenfels, gelte: Verlage handeln rechtswidrig, wenn sie Remittenden ungeprüft ins Moderne Antiquariat wandern lassen - es könnten auch einwandfreie Bücher darunter sein. Buchhändler dürfen nur Bücher mit "für den Kunden auf den ersten Blick erkennbaren Makeln" unter dem Preis verkaufen.

"Der Augenblick der Liebe", Martin Walsers nächster Roman, erscheint nicht mehr bei Suhrkamp, sondern bei Rowohlt. Soviel ist klar. Nun drängt Walser beim Suhrkamp Verlag auch auf die Rückgabe der Rechte. Die sollen vertragsgemäß fünf Jahre nach dem Ausscheiden von Siegfried Unseld als geschäftsführendem Gesellschafter des Verlags (er verstarb 2002) an ihn zurückfallen. "Die Vereinbarung ist jedoch an die Voraussetzung gebunden, dass Walser dem Verlag innerhalb der Fünf-Jahres-Frist alle Buchmanuskripte zur Veröffentlichung anbietet", weiß das Börsenblatt. Suhrkamp wolle das bislang erschienene Werk, mehr als 150 Titel, weiter betreuen und sei entschlossen, mit dem Autor hart zu verhandeln.

Cheflektor und Bestsellerautor in Personalunion - geht das gut? "Ja", sagt Frederic Beigbeder ("Windows on the World" bei Ullstein), "aber in verschiedenen Verlagen." Er betrachte andere Autoren nicht als Konkurrenten im Literaturbetrieb und verlege als Programmchef bei Flammarion alles, was ihm gefalle. Es sei, das habe auch Victor Hugo schon so gesehen, genug Platz für alle da und gebe keinen Wettbewerb in der Kunst.

Den Begriff "Literaturkritiker" mag Elmar Krekeler nicht. Lieber als Literatur kritisiert er wohl Kollegen. Der Literaturchef der Welt, der Ende März mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet wird, predigte schon vor Jahren, dass die abnehmende Leselust und der zurückgehende Einfluss der feuilletonistischen Literaturkritik auch in ihr selbst und einem oft "unfrohen Unterton" zu suchen seien. Krekeler sieht sich als "Dienstleister für Leser". Damit treffe er gerade in krisenhaften Buchmarktzeiten den rechten Ton, meint das Börsenblatt.

Der Schweizer Manesse Verlag, seit 1983 Tochter der DVA, wird 60. Der erste Manesse-Band in 1944, damals schon im Jackentaschenformat und exquisit hergestellt, galt einem deutschen Dichterfürsten: Eduard Korrodis Auswahl "Goethe im Gespräch". Als 600. Band erscheint in 2004 eine überarbeitete Übersetzung von Henry Fieldings "Tom Jones". Nach wie vor setze man auf sorgfältige Neuübersetzungen sowie hochwertige Begleittexte und Kommentare, beschreibt das Börsenblatt die Manesse-Programmlinie. "Dass die Neuentdeckungen vergessener Klassiker von den Medien nicht immer erkannt werden, hat auch mit dem Image zu tun: Manesse-Titel gelten stets als kanonisch."

Thomas Sparr, derzeit Siedler-Cheflektor, übernimmt zum 1. September die Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung bei Suhrkamp. In den Neunzigern gehörte er bereits neun Jahre zur Suhrkamp-Belegschaft - als Lektor des Jüdischen Verlags. Personalberaterin Irene Naumczyk tritt zum 15. März als Leiterin des Buchprogramms und Mitglied der Geschäftsführung in die Verlagsgruppe Weltbild ein. Peter Dempewolf, Geschäftsführer der Aufbau-Verlage, geht Ende diesen Monats in den Ruhestand. Mehr Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Der DuMont Monte Verlag hat seine Buchproduktion zum 31. Dezember 2003 eingestellt. Der bisher bei Monte angesiedelte Programmbereich Kalender firmiert ab sofort als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen DuMont Kalenderverlag. Die amerikanische Verlagsbranche verzeichnet nach ersten Schätzungen des US-Verlegerverbands AAP für 2003 ein Umsatzplus von 3,3 Prozent. Laut US-Statistikbehörden erzielte der Sortimentsbuchhandel im gleichen Zeitraum eine Umsatzsteigerung von 2,4 Prozent und verkaufte Bücher im Wert von 16,18 Milliarden Dollar.

Die Buchmacher vom 01.03.2004 - Börsenblatt

Leseförderung per Popkultur: Die Leipziger Buchmesse (mehr) will künftig verstärkt junges Publikum erreichen. "Der Bereich, mit dem wir explizit junge Leser ansprechen, macht mittlerweile 25 Prozent unserer Gesamtausstellungsfläche aus", so Messechef Oliver Zille. Mittelfristig peilt er eine sechsstellige Besucherzahl an. Die Buchmesse wandele auf schmalem Grat zwischen Innovationszwang und Konsolidierungsdruck, bemerkt Börsenblatt-Autor Nils Kahlefendt. "Sie wird nicht im bisherigen Takt neue Themenpunkte kreieren und die bereits eingeführten auf gleichem Level halten können."

Ein paar Millionen Euro Umsatz will die Süddeutsche mit der SZ-Bibliothek (siehe auch Buchreport) erwirtschaften. Das berichtete Geschäftsführer Klaus Josef Lutz dem Börsenblatt. "Wir sprechen nicht von einer Größenordnung, die die Ertragslage unseres Konzerns sensationell verbessert." Niemand rechne damit, italienische Verhältnisse auf Deutschland übertragen zu können. Die SZ-Bibliothek sei ein Versuch. Wenn er nicht funktioniere, werde man sich nicht scheuen, das Projekt auch vor der Zeit zu beenden.

Schon Mitte Januar vermutete es der Buchreport, jetzt bestätigt's das Börsenblatt offiziell: Der amtierende Vorsteher des Börsenvereins, Dieter Schormann, stellt sich im Mai doch für eine Wiederwahl zur Verfügung. Mit der Verbandsreform seien politische und wirtschaftliche Aktivitäten deutlicher getrennt worden, erklärte Schormann rückblickend auf seine erste Amtszeit. Das habe sich bereits jetzt positiv auf Transparenz, Effizienz und Eigenverantwortlichkeit ausgewirkt. Von der Idee der Spartenverbände (Verlage auf der einen Seite, Buchhandlungen auf der anderen) hält Schormann nichts: "Dann zerbricht die Schlagkraft bei der Lobbyarbeit."

Zensur auf der Messe findet nicht statt. Das versichert der stellvertretende Direktor der Frankfurter Buchmesse, Holger Ehling, im Börsenblatt und kommentiert damit die letzte Woche öffentlich geäußerte Befürchtung des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus, der bevorstehende Gastland-Auftritt der arabischen Welt werde eine Propaganda-Veranstaltung staatlicher Organe. Die für den Messeauftritt verantwortliche Kulturorganisation Alesco, in der alle 22 arabischen Staaten vertreten seien, gebe den kritischen Stimmen aus der arabischen Welt Raum, weiß Ehling. Mehr als 150 Autoren würden nach Frankfurt kommen, darunter viele, die im Exil lebten.

Die Online-Plattform Ebay tut's dem stationären Sortiment nach und nimmt jetzt auch Vorbestellungen entgegen. Bücher können, ebenso wie Musik, Filme, DVDs und Computerspiele, vor ihrem offiziellen Erscheinungsdatum über Ebay verkauft werden. "Voraussetzung ist, dass der Verkäufer die Ware bis 30 Tage nach dem Kauf liefern kann", erläutert das Börsenblatt.

Picus-Verleger Alexander Potyka ist neuer Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, des Pendants zum Börsenverein. Sein Vorgänger, Anton C. Hilscher, hatte nach einer Preisbindungs-Affäre, in die er als Mitinhaber einer beteiligten Buchhandlung involviert war, sein Amt niedergelegt. Weitere Personalien aus der Buchbranche.

Meldungen: Fischer Taschenbuch und Die Zeit bringen zum 1. März die neue Reihe "Fischer Weltalmanach aktuell" heraus - Analysen, Essays und Reportagen aus der Zeit werden durch Informationen, Daten und Fakten aus der Redaktion des Fischer Weltalmanachs ergänzt. Elmar Krekeler, Leiter der "Literarischen Welt", wird auf der Leipziger Buchmesse mit dem vom Börsenblatt gestifteten Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet. Sieben Millionen Menschen besuchten Mitte Februar die "16th World Book Fair" in Neu-Delhi. Ch. Links kann die unter dem Titel "Fenster zur Welt" herausgebrachte Geschichte des DDR-Velags Volk & Welt nach einem Lizenz-Streit wieder uneingeschränkt ausliefern.